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Full text of "Etymologisches Wörterbuch der romanischen Sprachen"

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ETYMOLOGISCHES WÖRTERBUCH 



DER 



ROMANISCHEN SPRACHEN. 



ETYMOLOGISCHES 



WÖRTERBUCH 



DER 



ROMANISCHEN SPRACHEN 



VON 



FRIEDRICH DZEZ. 



VIERTE AUSGABE. 



MIT EINEM ANHANG 

VON 

AUGUST SCHELER. 



BONN, 

BEI ADOLPH MARCUS. 
1878. 




Das Recht der Uebersetzung ist vorbehalten. 



LORENZ DIEFENBACH 



SEINEM VEREHRTEN FREUNDE 



GEWIDMET. 



VORREDEN DES VERFASSERS. 

I. Die aufgäbe der etymologie ist, ein gegebenes wort auf seinen 
Ursprung zurückzuführen. Die eur lösung dieser aufgäbe angewandte Methode 
ist aber nicht überall dieselbe: leicht läßt sich eine kritische und eine un- 
kritische wahrnehmen. Die unkritische nimmt ihre deutungen auf gut 
glück aus einer äußerlichen ähnlichkeit der form } oder erzwingt sie bei 
geringerer ähnlichkeit 7 ja selbst bei gänzlicher Verschiedenheit derselben, 
durch eine reihe willkürlich geschaffener mittelglieder. Ein in seinem 
grundsatze so fehlerhaftes verfahren, dessen ungeachtet doch da, wo wüz 
und divinationsgabe nicht fehlten, mancher treffliche wurf gelang, hat bei 
vielen die ganze etymologische kunst in miscredit gebracht, während sie 
sich andern durch die leichtigkeit ihrer ausübung, wozu sich jeder ohne 
beruf und Vorbereitung aufgelegt fühlte, empfahl. Jene irren in ihrer ab- 
neigung, diese in ihrer Zuneigung. Im gegensatze zur unkritischen methode 
unterwirft sich die kritische schlechthin den von der lautlehre aufgefundenen 
principien und regeln, ohne einen fußbreit davon abzugehen, sofern nicht 
klare thatsächlicHe ausnahmen dazu nöthigen; sie bestrebt sich dem genius 
der spräche auf der spur zu folgen, ihm seine geheimnisse abzugewinnen; sie 
wägt jeden buchstäben und sucht den ihm in jeder Stellung zukommenden 
werlh zu ermitteln. Und doch, wie wenig vermag sie oft, wie zweifelhaft 
sind ihre erfolge! Das höchste, was der etymologe erreicht, ist das bewußt- 
sein wissenschaftlich gehandelt zu haben; für absolute gewißheit hat er 
keine gewähr, eine unbedeutende notiz kann ihm das mühsam erworbene 
zu seiner beschämung unversehens unter den fußen wegziehen. Dergleichen 
wird bei jeder forschung vorkommen, bei der etymologischen gehört es zu 
den täglichen erfahrungen, die auch dem scharfsinnigsten nicht erlassen 
werden. Darum bescheidenhext, selbst wo alles unsre deiäungen zu unter- 
stützen scheint! Mit welcher strenge ich in dem vorliegenden buche meine 
früheren etymologien gerichtet und gesichtet habe, wird man ohne mühe 
erkennen; was ich aber gegen mich selbst angewandt, konnte ich auch 
gegen andre nicht unangewandt lassen. Etwas habe ich durch vidjährige 
erfährung auf diesem gebiete gelernt, was sich zwar von selbst versteht, 
aber nicht von allen verstanden sein will: daß zu wissenschaftlich sicherem 
urtheUe sich nur der durcharbeitet, der den gesammten wortvorrath der 



VIII VORREDE. 

spräche bis in ihre Mundarten hinein zu bewältigen nickt ermüdet Wer 
nicht so weit vorzudringen tust hat, der beklage sich nicht, wenn er jeden 
augenblick den boden verliert. Es ist kein wunder, wenn manche auf 
andern Sprachgebieten ausgezeichnete forscher auf dem romanischen so 
oft fehlgreifen, da sie nur das einzelne in einer bestimmten gestalt auf- 
fassen, ohne seine geschickte und seine beziehungen nach allen Seiten hin 
erkannt zu haben. Die romanische Wortforschung hat eben so dunkle 
partien zu beleuchten wie vielleicht irgend eine andre; selbst die erkenntnis 
des lateinischen Stoffes ist in zahlreichen fällen nicht bequemer als die des 
fremden. Man schlage einmal die spanischen mit ch oder mit z anlautenden 
Wörter nach und man wird von der richtigkeit dieser behauptung eine 
ähnung bekommen. Erschöpft man auch alle von den einschlägigen sprachen 
gebotenen mittel, z. b. für das spanische den lateinischen, griechischen, 
baskischen, celtischen, germanischen, semitischen wortvorrath, es bleibt ein 
großer rest, für den es keinen rath gibt Freilich fließen manche sprachen, 
woraus der Romane schöpfte, für uns nur noch in spärlichen quellen. 
Eifriger und umsichtiger forschung aber wird sicher gelingen noch manches 
räthsel zu lösen, das bis jetzt unlösbar schien. 

Ein f ortschritt ist, hoffe ich, in dem gegenwärtigen versuche geschehen; 
der lautlehre, die sich an den schätzen, welche die etymologie zu tage 
fordert, erfrischt und belebt, wird dies dereinst zu gute kommen. Aber 
auf die bezwingung des ganzen konnte ich nicht eingehen, und wer möchte 
muth und kraft und Selbstverleugnung genug dazu heben? Gleichwohl 
wünschte ich ein ganzes zu geben, sei es auch nur ein bedingtes, und so 
richtete sich mein augenmerk 1) auf üblichere Wörter, solche die in rede 
und schrift häufiger wiederkehren, mit ausschluß aller derer, die man sich 
ohne mühe aus dem latein erklärt, die also der Untersuchung nicht anheim- 
fallen können; 2) auf weniger übliche, aber etymologisch bedeutsamere, 
wohin ich vornweg Partikeln, einfache verba, zumal aber einfache adjeetiva, 
demnächst viele von Ungutsten mehrfach besprochene, zu einem gewissen 
rufe gelangte Wörter rechnete. Aber auch solchen, die weder zur einen 
noch zur andern classe gehören, sollte der eintritt unverwehrt sein, nur 
fiel hier jede Verbindlichkeit der aufnähme weg: fülle ist besser als mangel 
und am ende kann jedes wort zur kenntnis der bestandtheile einer spräche 
beitragen. Es gibt aber auch Wörter, deren bereits vorhandene deutung 
nicht zu weiterer prüfung veranlaßt; andre nicht genügend oder gar nicht 
gedeutete, die zwar dUe rücksicht verdienen, aber diesmal nicht zur Unter- 
suchung reizten : gehen sie auch leer aus, sie dienen doch anzudeuten, was 
einer spräche seltenes oder merkenswerthes angehört. Jene sind hier mit 
dem eingeklammerten namen ihres erklärers bezeichnet, diese ohne irgend 
eine beurtheilung hingesetzt worden und somit anderweitiger Untersuchung 
empfohlen. Sparsamkeit in der abfassung der artikel war mir gesetz: 



VORREDE. IX 

darum wählte ich aus den volksmundarien meist nur unmittelbar zum ziele 
führendes; darum vermied ich, den Ursprung des aufgestellten etymons, so 
wie, vorwärts gewandt, die Verbreitung des romanischen abbüdes über 
fremdes gebiet su verfolgen; darum berichtete ich nicht über alle vorge- 
brachten meinungen; daß ich seichten erklärungsversuchen die thüre schloß, 
versteht sich*). 

Die emtheüung des Stoffes wird man. billigen. Es kam darauf an, 
schon, in der äußeren einrichtung zu einer tyaren Übersicht desselben zu 
gelangen. Zu diesem zwecke mußten zwei theile gebildet werden. Der 
erste umfaßt ziemlich vollständig den gesammt- oder gemeinromanischen 
d. h. den auf allen drei gebieten, dem italienischen, dem spanisch-portu- 
giesischen und dem provenzalisch-französischen, ja selbst den auf nur 
zweien derselben einheimischen sprachstoff, in der reget wenigstens sofern 
dieser den neueren Schriftsprachen angehört. Der italienischen räumte ich 
in den einzelnen artikeln den vortritt ein, wozu sie tiire heimath und ihr 
genauerer anschluß an die lateinische berechtigte; selbst wo sie sich weiter 
von der urform entfernt als die schwestersprachen, konnte nicht füglich 
vom prineip abgewichen werden. Oder war es nicht rathsamer das mittel- 
lateinische alle andern umfassende wort voranzustellen? Allein das mittel- 
latein ist selbst vielformig und konnte nicht anders sein: sollten aber die 
von manchen und notarm geschaffenen sprachformen der volksüblichen rede 
den weg zeigen? Mit diesem mittellatein läßt sich viel unfug treiben. 
In den früheren Jahrhunderten, als die Volkssprachen der lateinischen näher 
standen, ist es allerdings eine für die Wortforschung höchst wichtige quelle, 
weil es reine formen gewährt. Seitdem aber jene sprachen selbst in schrift 
auftraten, kann die Wissenschaft es fast entbehren, ja sie muß es nicht 
selten von sich stoßen. Wie ungeschickt man seit dem zwölften Jahrhundert 
latinisierte, davon reden beispide wie sessicare = altfr. Bescher; gordns 
= altfr. gort, lat. gurges ; hommagium = altfr. hommage d. i. hominaticum. 
Welch ein falsches bild gibt bos8a = /r. bosse; grasales^r. grazal, wo- 
für bocia, gradale zu erwarten war! Der zweite theü enthält den jedem 
der drei gebiete ausschließlich eignen sprachstoff **). In dem dritten dieser 
gebiete habe ich, nicht ohne einiges bedenken, die französische form als die 
bekannteste der provenzalischen voranzustellen mir erlaubt, um das nach- 
schlagen zu erleichtern. Der walachischen in der fremde erzogenen, mit 
den übrigen nicht aufgewachsenen tochter der römischen mutter habe ich 



*) Ich bemerke hier noch: um nicht mit formen zu ermüden, habe ich im 
L theile die port. form, wenn sie der span. gang nahe lag, häufig unterdrückt; seltner 
die prov., da diese zugleich das höhere alter eines Wortes bezeugt. 

**) Von den zahlreichen arabischen Wörtern im span. und port. konnte nur eine 
auswahl aufgenommen werden. Sie sind mit latein. buchstaben geschrieben und zur 
beglaubigung aus Crohns 9 oder Freytag 1 8 Wörterbüchern nachgewiesen. 



X VORREDE. 

* 

keine eigne stelle eingeräumt, sie nur zur vergleichung zugelassen, nicht 
anders die churwälsche. Die volksmundarten bieten der forschung ein 
unschätzbares, nie zu erschöpfendes material, welches häufig Über buch- 
stabenverhältnisse und begriffsentwicklung Überraschenden aufschluß gibt: 
ich habe sie daher Überall zu raihe gezogen, so weit die mir gestatteten 
hülfsmittd ausreichten, ihnen auch zuweilen beispiels halber kleine artikel 
vergönnt Schade, daß wir nicht über recht viele derselben so einsichtige 
und gewissenhafte Untersuchungen besitzen wie über die wallonische. Durch 
die bemerkte Zerlegung des Stoffes wird auf den ersten blick klar, was 
alle gemeinschaftlich besitzen, größtentheils das alte römische erbtheil, und 
was jede noch besonders sich angeeignet hat; nur darf ich nicht unbe- 
merkt lassen, daß ich die französische als die uns am nächsten liegende 
vor den andern, wenigstens der spanischen, begünstigt habe. Von diesem 
partiellen eigenthume der sprachen sind freilich viele der aufgenommenen 
artikel als gesammtromanisclie abzurechnen, welche nicht wohl in die erste 
abtheilung paßten, weil ihre etymologie in den übrigen sprachen auf der 
hand lag. So schien z. b. das lat. apium (sp. apio, it. appioj in seiner 
franz. form ache fremdartig genug, um in der partiell franz. abtheilung 
eine stelle zu finden. Kleine inconsequenzen in der vertheilung der Wörter 
mögen vorkommen, sie werden dem ganzen wenig schaden: das register 
bürgt zuletzt für alles. Eine größere inconsequenz wird man vielleicht 
darin finden, daß zietnlich regellos hier ein verbum, dort ein notnen an 
der spitze eines artikels steht. Es ist in der that oft schwer zu sagen, 
welche der beiden Wortarten als die primitive anzunehmen sei. Gewöhnlich 
wird dies durch die etymologie entschieden, in andern fällen wird es 
nicht zu kühn sein, sich in einer sachc von so geringer bedeutung durch 
das gcfüfä leiten zu lassen. 

Über die unlateinischen demente in den neuen sprachen habe ich 
mich vor jähren ausführlich geäußert und finde an meiner damaligen auf- 
fassung der sache nichts wesentliches zu ändern. Richten wir aber noch- 
mals den blick auf die Ursprachen, um etwaigen charakterzügen oder resten 
derselben in den einzelnen gebieten auf die spur zu kommen. 

Für die kenntnis der italischen Ursprachen sind in neuerer zeit 
wieder bedeutende denkmäler aris licht gezogen und der bau jener sprachen 
so wie ihr Stammverhältnis zum latein sorgfältig erörtert worden. Die 
wichtigste der unteritalischen durch höhlere ausbildung, längere dauer und 
durch grösseren umfang ihrer Überreste ist ohne zweifei die pskische. Ver- 
gleicht man sie nun mit der italienischen, so verräth diese nicht das ge- 
ringste von den lautgesetzen der ersteren. Die oskische abneigung vor der 
assimilation der consonanten ist grade das gegentheil des lateinischen im 
italienischen noch weiter ausgebildeten Verfahrens. Man )iat den oskischen 



VORREDE. XI 

gebrauch, gewissen vocalen ein i vorzusetzen wohl mit einem ähnlichen 
neapolitanischen verglichen, gewiß aber nicht in der Voraussetzung eines 
historischen Zusammenhanges, um so weniger als der neap. gebrauch unter 
einen andern gesichtspunct, den der diphthongierung zu stellen ist, die 
sich übrigens ganz auf den vocal e beschränkt. Als ein bedeutsamerer 
beriihrungspunct dürfte die osJcische neigung, tenuis in media zu verwandeln, 
bemerkt werden, aber auch hieraus würde sich keine folgerung für das 
italienische ziehen lassen. Jene neigung ist gemeinromanisch, hat in den 
verschwisterten mundarten noch weit stärker eingegriffen und läßt eine 
tiefere nicht bloß durch berührung mit einer nachbarsprache geweckte an- 
läge vermuthen. Doch sind solche gemeinsame züge, welche verschiedene 
sprachen auf einem und demselben boden zu erkennen geben, der erwähnung 
nicht unwerth, und so möge denn auch noch an den umbrischen und vols- 
kischen Wegfall des flexivischen t in der conjugation (habia = habeat) er- 
innert werden. Von der etruskischen spräche aber darf man völlig absehen: 
was man fast nur aus eigennamen Über ihre stammesart und über ihren 
bau weiß oder vermuthet, findet auf dem ganzen römischen gebiete keinen 
anklang. Diese abwesenheit oder dieses nur in leichten und zweifelhaften 
spuren hervortretende dasein grammatischer züge der altitalischen idiome 
in der römischen Volkssprache, soweit die vorhandenen mundarten auf 
deren gestalt zu schließen berechtigen, hindert indessen nicht, das ganz, 
naturgemässe eindringen zahlreicher provincialismen aus den untergegangenen 
idiomen in dieselbe anzunehmen, ja diese annähme ist eine durch die läge 
der sache gebotene, da sie allein den zufluß heterogener im italienischen 
enthaltener, in keiner der angränzenden sprachen vorfindlicher demente zu 
erklären vermag. Nachweislich sind diese demente freilich nicht mehr, da 
die Wörterbücher der untergegangenen sprachen fehlen. Ungeachtet des 
einflusses dieser altitalischen demente ist die italienische spräche unzweifel- 
haft unter den romanischen die am wenigsten gemischte. Dies gilt aber 
nur von den mittleren dialecten, welche das lateinische erbtheil am reinsten 
in sich begreifen. Die südlichen lassen manches griechische und einiges 
arabische erkennen, das den andern abgeht. Durchmustert man aber, über 
die gränzen des alten Italiens hinausgehend, die nördlichen, die cisalpi- 
nischen mundarten, so glaubt man sich in eine andre weit versetzt: in 
dieser weiten landschaß, zumal in der großen ebene zwischen den Alpen 
und dem Po, hol die gewaltige römersprache die volksmundarten nicht be- 
wältigen, sich des einflusses andringender barbarensprachen nicht erwehren 
können. Der zufluß deutscher, zum theil recht merkwürdiger Wörter kann 
hier nicht überraschen; wer aber celtische reste von einiger erheblichkeit 
erwartet, wird sich bald getäuscht sehen: das gesammte italienische gebiet 
möchte deren nur wenige aufweisen, die Schriftsprache enthält vielleicht 
nicht ein einziges wort dieses Stammes, welches sich nicht auch im proven- 



XII VORREDE. 

edlischen oder französischen vorfände. Eine sorgfältige etymologische 
Untersuchung besonders der zunächst an den Alpen oder in denselben 
liegenden dialecte würde der Sprachgeschichte reichlichen gewinn zuführen: 
Monti's comaskisches Wörterbuch liefert für einen (heil derselben schon ein 
treffliches material, das in Verbindung mit dem ertrage churwälscher und 
andrer Wörtersammlungen die linguistische Bedeutsamkeit jener dialecte 
hinlänglich übersehen läßt 

Wenn in Italien die alten landessprachen so weit ausgerottet wurden, 
daß keine von ihnen in ihrem selbständigen dasein auch nur das Au- 
gustische Zeitalter erreichte, so lebt in Spanien die iberische Ursprache 
dagegen bis auf den heutigen tag im baskischen fort. Aber auch diese 
Sprache kann Zeugnis ablegen, wie weit die zerstörende gewalt der römischen 
sich erstreckte, da wo es galt eine nationalität zu vertilgen. Denn daß 
es jener gelang, in einer entlegenen gebirgsgegend ihr dasein fortzusetzen, 
sagt wenig gegen die allgemeine niederlage. Man weiß, daß schon Sträbo 
(3, 2 extr.) den Turdetatiern, einem gebildeten südspanischen volke, das 
eine einheimische litteratttr aufweisen konnte, den gänzlichen Umtausch ihrer 
spräche gegen die lateinische nachrühmt; dass der spätere Columdla viele 
provincialismen des bereits über das platte land der halbinsel verbreiteten 
lateins anführt; daß aber auch andrerseits Cicero (de divin. 2, 64) des 
daseins einer hispanischen spräche gedenkt; und daß nach Tacitus (annal. 
4, 45) ein landmann aus dem diesseitigen Spanien vor gerieht die spräche 
seiner väter redete. Aber seit der erwerbung der römischen civität wurden 
die spanischen Völkerschaften wie die italischen sehr bald in Römer ver- 
wandelt. Sehen wir jedoch näher zu, ob sich in der spanischen mundart 
nicht noch irgend ein baskischer zug entdecken läßt. Als einen solchen 
führt Larramendi in seiner grammatik (p. 10. 11) die mit der endung ez 
gebildeten patronymica an, Rodrigo Rodriguez, Fernando Fernandez nach 
dem bask. berun blei, berunöz von blei. Aber verdacht gegen diesen Ur- 
sprung erregt die von seinem Verfechter selbst eingestandene thatsache, 
daß sich die Basken dieser form für patronymica nicht einmal bedienen, 
daß sie z. b. Manuel de Garagorri sagen statt Garagorriez. Vielmehr 
scheint ez, ursprünglicher ix, nichts anders als die gofhische genitivendung 
ig, wobei filius zu supplieren: Roderiquiz in Urkunden, später Rodriguez 
ist = goth. Hröthareikis, Fredinandiz Fernandez = goth. Frithanantis. 
Diese endung wird denn auch auf unpassende fälle angewandt: statt 
Flori, Fortuna, Pelagii, Petri, Sanctii sprach man Floris Florez, For- 
tunez, Pelaez, Perez, Sanchez, genau wie man in den tagnamen die genitive 
Miercoles = Mercurii, Lunes = Lunae (dies) der grammatik abtrotzte. 
Was Larramendi sonst noch hervorhebt, das ableitungssufßx eria (sp. 
porqu-eria von puerco = bask. ero-querfa von erö, p. 262), oder in der 
conjugation die Umschreibung mit habere (p. 48), zerrinnt von selbst in 



VORREDE. XIII 

nichts. Sollte aber das span. lautsystem, vornehmlich da wo es sich vom 
lateinischen oder dem der schwestersprachen lossagt, nichts vom iberischen 
Charakter verrathen? Zu vergleichungen sind hier besonders die lippen- 
buchstaben geeignet. Anlautendes lat. p wird im baskischen nicht selten 
zu b (botherea = sp. poder, lat. posse) und dies ist ganz unspanisch. Der 
Baske hat eine nicht zu verkennende scheu vor dem f ; nicht so der Spa- 
nier, wenigstens ist die ihm eigene Verwandlung des anlautenden f in h 
etwas später entwickeltes, seiner ältesten spräche noch fremdes. V fehlt 
dem Basken gänzlich: seine stelle versieht b, ja selbst m, letzterer Über- 
gang dem Spanier ganz unbekannt. Das unlateinische im spanischen ein- 
heimische ch ist allerdings auch ein sehr üblicher baskischer laut, der aber 
etymologisch mit dem spanischen buchstaben wenig berührung hat, indem 
er häufig spanischem g, c, z, j, x entspricht; auch haben die schwester- 
sprachen ihn eben so wohl entwickelt. Doch wäre es nicht unwichtig zu 
wissen, ob dieses polatale ch nebst ts, z, tz, wie Humboldt voraussetzt, 
wirklich alte iberische laute gewesen: darüber konnte erst die entzifferung 
des einheimischen alphabetes aufschlug bringen. Ein andrer unlateinischer 
laut, das aspirierte g oder j, fehlt im baskischen, dafür sieht y (sprich 
wie itai. j), d. h. die spräche beharrte bei dem erweichten oder halbvoca- 
tischen g, woraus, wie aus dem latein. j, die span. ausspräche nachher 
eine aspirata machte (Born. gr. i*, 268 — 9), z. b. bask. yendea = sp. 
gente. Ohne mühe lassen sich noch andre nicht minder scharfe Wider- 
sprüche in beiden sprachen auffinden, z. b. das im baskischen vor anlau- 
tendem t vorschlagende a oder e (arraza = sp. raza, erribera = ribera). 
Dagegen treffen sie zusammen in dem ganz unlateinischen gebrauche, das 
anlautende s impurum auf ein vor gefügtes e zu stützen; auch darf noch 
ein punct, worin sie sich beide zu begegnen scheinen, erwähnt werden. 
Der Baske, dem zusammentreffen von consonanten überhaupt nicht hold, 
schiebt gerne zwischen muta und r oder auch zwischen muta und 1 einen 
vocal ein: apirilla (aprilis), guiristinoa (sp. cristiano), liburua (libro), 
khumtzea (crutz), poroganza (probanza), pulumpatu (pr. plombar). Das- 
selbe thut auch der Spanier und Portugiese, z. b. sp. engarrafar (für 
engarfar), taragona (draco), pg. caranquejo (pr. cranc), bara$a (bra^a), 
coro^a (croca), sp. coronica (chronica), pg. gurumete (neben grumete) 
gurupa (neben grupaj, sp. filibote (neben flibotej u. dgl.; doch ist dabei 
nicht unbemerkt zu lassen, daß auch andern roman. mundarten dies aus- 
einanderhalten der consonanten nicht fremd ist, wenn sie auch einen 
mäßigeren gebrauch davon machen, überblickt man solche thatsachen, so 
wird man sich überzeugen müssen, daß sich unter dem eisernen joche der 
latein. spräche von den naturanlagen oder den grammatischen eigenheiten 
der iberischen in der spanischen wenig hat behaupten können. Nicht ein- 
mal läßt sich eine irgend erhebliche anzahl baskischer Wörter in den an- 



XIV VORREDE. 

grunzenden rotnan. sprachen nachweisen: sie werden sich, manche zweifel- 
hafte mitgerechnet, noch nicht auf hundert belaufen. Freilich ist dies nur 
der ertrag einer bloß auf die Oberfläche gerichteten prüfung; ihn zu ver- 
mehren, wird dem tiefer eindringenden äuge des kenners sicher gelingen. 
Ohne zweifei aber hat das von fremden sprachen eingeengte baskische gebiet 
einen großen theil seines alten Wortschatzes eingebüßt. Eben darum ist 
die Untersuchung des Span, sprachstoffes so schwierig. Wörter baskischen 
Ursprungs hat unter andern Larramendi in großer zahl zusammengetragen 
und gedeutet. Seine deutungen aus aneinandergefügten oft unscheinbaren 
dementen rechtfertigt allerdings die natur der baskischen spräche; wenn 
aber aus dieser Zergliederung ein dem warte nicht wesentlich zukommendes 
merkmal hervorgeht, so können sie höchstens nur auf den ersten blick 
täuschen. Span, lona heißt Segeltuch, vom bask. lo-ona d. i. guter schlaf, 
weil es sich zu zelten eignet, und in zelten schläft sichs gut. Solcher 
etymologien finden sich hunderte bei ihm. Ich habe indessen aus seinem 
Verzeichnis, mit wenigen ausnahmen, alles was mir auch nur leidlich 
haltbar schien, in gegenwärtiges buch eingetragen. Wichtig ist hier die 
frage: soll man alle spanische Wörter, die man außerdem nur in jener 
Ursprache bemerld, daraus herleiten? Soll man letztere in so weit gleich- 
stellen mit der arabischen oder deutschen? Mir scheint bei der starken 
mischung des baskischen mit romanischem die baskische herkunft eines 
Wortes nur da annehmbar, wo .sich seine ursprünglichkeit auf diesem boden 
nachweisen läßt, eine f orderung, welche auf die nicht romanisch versetzten 
sprachen keine anwendung findet. Aber wo dieser forderung genüge ge- 
schieht, mag der baskische Ursprung bei partiell spanischen Wörtern dem 
gothischen vorangehn, nicht eben dem arabischen. Wie kommt es aber, 
daß so viele baskische im spanischen vorhandene Wörter, fast zwei drittel 
von allen, dem Portugiesen fehlen, ohne daß er eines ähnlichen Schatzes 
ihm ausschließend eigner Wörter aus jener spräche sich rühmen kann? 
Waren die Iberier, wie auch Humboldt in seinen Untersuchungen über die 
urbewohner des landes feststellt, in Lusitanien weniger verbreitet, so daß 
ihre spräche daselbst einen geringeren eindruck zurückließ, oder drangen 
jene Wörter erst später aus dem baskischen in das nahe spanische gebiet 
ein, ohne das entlegenere portugiesische gebiet zu erreichen? 

Die wichtigste der Ursprachen Frankreichs ist die celtische. Ich 
habe, als ich die bestandtheile der romanischen sprachen untersuchte, dem 
cellischen demente wenigstens nach allgemeiner Schätzung sein recht wider- 
fahren zu lassen mich bemüht und die zweifei an seinem Vorhandensein 
bestritten; ein genaueres eingehn in die sache durfte ich mir bei mangelnden 
Vorstudien nicht erlauben. Seit jener zeit aber sind wir durch eindringliche 
forschung über den grammatischen bau und zumal über den Zusammenhang 
der celtischen sprachen mit den indo-germanischen besser aufgeklärt worden 



VORREDE. XV 

und diese beobachtungen dürfen auch an der romanischen etymologie nicht 
ohne erfolg vorübergehn. Das Stammverhältnis der neueren celtischen Völker, 
der Iren, Gaden, Kymren und Bretonen zu den alten wird von den ge- 
schichtschreibern zwar sehr verschieden und oft in ganz entgegengesetztem 
sinne beurtheilt; wie aber diese fragen einst gelöst werden mögen, für die 
beurtheilung des celtischen dementes in den aus dem latein entstandenen 
sprachen scheint diese lösung nicht von großem belang. So viel darf als 
thatsache, gewiß keine unerhebliche, ausgesprochen werden, daß die franz. 
und prov. spräche, auf die es hier am meisten ankommt, der kymrischen 
naher stehen als der irisch- gaelischen sowohl in betreff der menge als auch 
der gestalt der dem celtischen und romanischen gebiete gemeinsamen Wörter. 
Auch die westromanische scheu vor anlautendem s impurum findet sich 
nur in dem kymr. zweige wieder. Manches gewährt die bretonische mund- 
art, was die übrigen verweigern, und wohl darf man acht celiisches, vielleicht 
selbst altgdllisches, darunter vermuthen, allein die erstaunliche mischung 
derselben mit französisch macht diese quelle, wo sie für sich allein fließt, 
für die kritische etymologie fast unbrauchbar, fast nur zur verglekhung 
noch tauglich. Dagegen vergönnt diese mundart der roman. Sprachforschung 
einen andern vortheil, der den etymologischen wohl noch überwiegen dürfte: 
sie ist nicht allein eine fundgrübe altfranzösischer Wörter und bedeutungen, 
sie liefert auch zur geschickte der französischen ausspräche schätzbare 
aufUärungen. 

Die art des Übertrittes aus der celtischen in die romanische sprach- 
form hat nichts besonderes, so weit sich bei der geringfügigkeit des Stoffes 
bestimmte gesetze aufstellen lassen. Das was dem etymologen manches 
bedenken macht, ist die collision des celtischen Stoffes mit dem germanischen, 
und hierüber jemals ganz ins reine zu kommen d. h. zu bestimmen, welcher 
von beiden Sprachfamilien der Romane ein in beiden vorhandenes wort 
zunächst schulde, ist kaum zu hoffen. Doch gilt dies nur in einzelnen 
fällen, denn nicht selten läßt sich aus inneren oder äußeren gründen die 
frage zum vortheil der einen oder der andern dieser sprachfamüien ent- 
scheiden. So wird man bei gleichen formdien ansprüchen ausdrücke für 
naturgegenstände als alteinheimische lieber zum celtischen als zum germa- 
nischen demente rechnen. Die Verbreitung eines Wortes durch mehrere 
sprachen des einen gebietes gegenüber dem vorkommen desselben in einer 
dnzdnen spräche des andern wird für seine ursprünglichkeit in dem 
ersteren Zeugnis ablegen, wo nicht besondere anzeichen für das umgekehrte 
Verhältnis sprechen. Entscheidender aber sind gewisse formelle kennzeichen, 
wie denn die form dem etymologen überall den sichersten, von subjectiver 
auffassung unabhängigsten anhält bietet. Solche kennzeichen liegen unter 
andern in einzdnen spuren der deutschen lautver Schiebung, wenn z. b. das 
itcd. tetta auch citta, cizza lautet, cdtisch aber nur teth. Sodann in dem 



XVI VORREDE. 

deutschen ableitenden i oder j mancher Wörter, wie itcd. boriare, althochd. 
burgan, altgael. aber schlechtweg bor. Wo es aber an allen inneren und 
äußeren henneeichen gebricht, da ist in betracht des unverhältnismäßigen 
übergewichtes der deutschen besfanätheüe die Wahrscheinlichkeit für diese 
spräche, für die celtische nur die möglichkeit. Dieses übergewicht des 
deutschen dementes über das alteinheimische ist eine unläugbare thatsache 
und jedes sträuben gegen seine anerkennung eine thorheit. Wahrlieh, die 
Römer müssen reine arbeit gemacht haben, als germanische Völker sich in 
Gallien festsetzten! Es wird kaum übertrieben sein, wenn man behauptet, 
daß der einzige buchstabe H im französischen nicht viel weniger deutsche 
als alle buchstaben zusammengenommen celtische Wörter in sich begreifen. 
Erinnert man sich freilich des umstandes, daß die Franken mitten unter 
den Romanen ein halbes Jahrtausend hindurch die spräche ihrer väter 
fortredeten, daß in demselben maße wie die deutschen Wörter im franzö- 
sischen zunahmen, die ceitischen abnehmen mußten, denn jede spräche sucht 
sich ihres Überflusses zu entledigen, so erklärt sich diese er scheinung auf 
die natürlichste weise. 

Sollte es aber auch dieser Ursprache nicht gelungen sein wenigstens 
ein fünkchen ihres geistes im französischen fortglimmen zu sehen? Es 
mangelt in der that nicht an zusammentreffenden zügen. So das genus, 
welches in beiden sprachen nur zweierlei ist, männlich und weiblich, früher 
dreierlei war. Aber der Untergang des neutralen geschlechtes im fran- 
zösischen ist sicher älter als im ceitischen und zum theil von andern um- 
ständen begleitet, indem dort zahlreiche neutra in ihrer pluralform zum 
feminin, hier alle zum masculin übertraten. Giengen doch auch die ver- 
schwisterten mundarten denselben weg ohne rücksieht auf die sitte altein- 
heimischer oder später eingebrachter sprachen: überall ward das masculin 
und feminin festgehalten, das neutrum aufgegeben. Nicht anders wird es 
sich mit einem andern gemeinschaftlichen zuge, der präposüionalen decli- 
nation, verhalten. Selbst die altfranz. oder prov. Unterscheidung des casus 
rectus und oHiquus (nom. sg. amic-g, acc. amic, pl. amic, acc. amic-sj, 
worin man einen wiederschein der gadischen einrichtung (nom. sg. bard, 
gen. baird, nom. pl. baird, gen. bard) zu erblicken glaubt, schmiegt sich 
innig an das lat. Verhältnis, so daß sie sich gar wohl ohne äußere ein- 
wirkung entwickelt haben kann, wie denn auch die gaelische einrichtung 
in einem erheblichen puncte von der romanischen abweicht, da sie den dativ 
sing, dem nominativ gleichbildet. Offenbar celtisch aber ist im französischen 
das zählen mit zwanzigen, welches neben der lateinischen methode in an- 
Wendung blieb: altfranz. treiö yinz (60), treis vinz e dis (70) u. s. f. 
Auch scheinen in der syntax einige celtische spuren durchzublicken: an 
eine fremde Wortfügung, wobei es auf eine völlige verläugnung des ein- 
gesogenen Sprachgefühles ankommt, gewöhnt man sich minder leicht als an 



VORREDE. XVII 

fremde Wörter und flexionen. Dahin dürfte man etwa rechnen, daß es 
im hymrischen dem genitiv vergönnt ist, ohne präposition hinter dem 
regierenden nomen platz zu nehmen wie im franz. hötel dien; daß, gleich- 
falls im hymrischen, das possessive Verhältnis eines Substantivs durch die 
präp. i = roman. a = engl, to bezeichnet wird wie im cdtfranz. la gent 
an roi, engl, servant to bis master; daß im gaelischen die Bedeutung ge- 
wisser adjectiva durch ihre Stellung vor oder hinter dem Substantiv bedingt 
ist wie im franz. hoimSte homme und homme honnete; daß daselbst 
gleichnamige personen durch cardinalzahlen unterschieden werden wie im 
franz. Henri qnatre ; und wieviel der Meinen züge sonst noch sein mögen, 
auf die man sich hier berufen könnte. 

Aber edles was fremde sprachen beigetragen haben, wiegt noch nicht 
den zehnten theil des lateinischen bestandtheiles auf. Ihm fallen fast 
sämnUliche grammatische Wörter (partikeln, pronomina), ohne die es kaum 
möglich ist auch nur einen salz zu sprechen, ihm die wichtigsten begriffe 
zu, die das leibliche und geistige leben berühren. Darum ist dem Romanen 
latein gleichbedeutend mit spräche, mundart, und lateinisch gleichbedeutend 
mit deutlich, leicht, bequem. Bei weitem die meisten stamme der alten spräche 
behaupteten sich in der neuen, und um den vertust zu ersetzen, spalteten 
sich viele Wörter in mehrere formen mit eignen bedeutungen, welche die 
stelle selbständiger Wörter einnahmen. Daß diesem bestandtheüe sein recht 
gewahrt werde, gehört zu den grundsätzen der romanischen Wortforschung: 
unfehlbar wird demselben bei aufmerksamer Beobachtung noch manches 
miskannte wort wieder zugeführt, manches neue gewonnen werden. Dazu 
muß man alle quellen der lateinischen spräche benutzen, denn die roma- 
nische birgt mehr dÜerthümtiches oder verschollenes in sich, als man ihr 
obenhin angesehen zutrauen möchte (man lese Potts inhaltreiche abhandlung 
Plattlateinisch und romanisch), und in so fern kann sie auch der latei- 
nischen Sprachkunde, was von den pflegern derselben noch nicht in rechtem 
maße erkannt worden, hülfreiche hand leisten. 

Einige gegenstände von praktischem belang lassen sich besser hier als 
in dem wörterbuche selbst anbringen. 

Die etymologie hat ihre wissenschaftliche grundlage in der lautlehre: 
bei jedem schritte, den der etymologe thut, muß er sie im sinne haben. 
Es kommt indessen vor, daß die spräche in der büdung oder ausprägung 
der Wörter von ihren eigenen gesetzen abweicht und sich ganz von dem 
gefühle des Wohllautes oder der Zweckmäßigkeit leiten läßt, indem sie z. b. 
die Wiederholung eines buchstabens entweder meidet oder herbeiführt, oder 
indem sie verwandte begriffe formell zu nähern, unverwandte oder weniger 
verwandte zu trennen sucht. Diese kleinen gefühlsäußerungen der spräche 
kann die lauÜehre allenfalls unberührt lassen, sie fällen aber recht eigent- 
lich der etymologie anheim und dürfen hier nicht unerwähnt bleiben. Es 

B 



XVffi VORREDE. 

sind hauptsächlich folgende. 1) Assimilation getrennter conso- 
nant en. Sie setzt die Organenverwandten (zuweilen selbst unverwandten) 
anlaute zweier auf einander folgenden silben gleich, z. b. it. Giciglia für 
Siciglia, fr. chercher für cercher, picard. chorchier für sorchier (fr. 
sorcierj, champ. chouche für souche, sp. salchicha für salsicha, aUcat. 
xixanta für sixanta, it. zezzo für sezzo, pipistrello für vipistrello, fan- 
faluca für panfaluca, sp. nono für nono, limous. mamela für lamela, 
neupr. founfoni für symfoni. — 2) Dissimilation (Potfs Forschungen 
II, 66 ff.). Vermöge derselben wird ein consonant, der sich in einer der 
folgenden silben wiederholt, in einen andern desselben Organs umgesetzt: it. 
veleno für veneno, fr. nomble für lomble, pr. namela für lamela, it. pelle- 
grino für peregrino, fr. flairer für frairer, sp. sastre für sartre, altfr. 
varvassor für vasvassor, veron. lolpo für polpo, fr. vague für gague und 
zahlreiche andre. Die Verwandlung trifft zuweilen auch den zweiten 
consonant en: it. filomen»/ur filomela, fr. crible für cribre, gencive für 
gengive. Nicht selten muß einer der anstößigen consonanten weichen, 
gewöhnlich der erste: sp. postrar für prostar, pr. penre für prenre, ital. 
cavicchia für chiavicchia (ch = cl), fr. foible für floible, it. ghiado für 
ghiadio (i = l), sp. cribar für cribrar. — 3) Vereinfachung schein- 
barer reduplication. Auf die unter 1. bemerkte weise entsteht für das 
gehör eine art reduplication. Dagegen wird, wenn die erste und zweite 
silbe eines Wortes mit demselben consonanten anheben, worauf derselbe 
vocal folgt, die erste sübe als ob sie eine unnütze reduplication wäre, zu- 
weilen abgestoßen: it. cenno wohl von cincinnus, zirlare von zinzilulare, 
neap. tellecare von titillicare, fr. gourde von Cucurbita, pr. paver von 
papaver, ähnlich sp. Santa Cilia (ortsname) von Sancta Caecilia. Die 
der spraclie der kinder abgelernte getnination (fr. bobo, dodo) hat nur in 
volksmuhdarten würzet gefaßt. — 4) Auch die vocale unterliegen eupho- 
nischen eintoirkungen. Beachtenswerth für die etymologie ist die begün- 
stigung des a in erster unbetonter silbe in der art, daß e und i 
häufig in diesen vocal verwandelt werden. Es geschieht dies am liebsten, 
wenn die betonte zweite silbe ein a enthält, aber auch ohne dies oft genug. 
Einige beispide sind: it. baleno, bardosso, ciascuno, danaro, ganascia, 
guareuto (alt), lattovaro, laveggio, magrana, marangone, inaraviglia, 
margotto, marmaglia, racchetta, salvaggio, sampogna, tanaglia, taradore, 
tramaglio. Am häufigsten kommt dies vor im franz., welches sonst a in e 
zu schwächen geneigt ist: balance, barlong, barette, calandre, carcan, 
carmin, chacun, craanter (alt), cravanter (alt), dauphin, falaise, farouche, 
garant, garou, ganache, jaloux, marchand, marcotte, panacke, paresse, 
rangon, raquette, sarcelle, sauvage, tarin, tariere, tramail u. dergl. — 
6) Ein andrer dieser züge ist die anbüdung } vermöge welcher ein wort } 
sei es nun ein vorhandenes oder ein erst zu schaffendes, einem andern, 



VORREDE. XIX 

begriffsverwandten in seiner gestalt angenähert, gewöhnlich in seiner endung 
gleichgesetzt wird. So ist alt fr. octembre gebildet nach septembre, no- 
vembre, decembre, fr. mensonge nach chalonge, chapuiser nach menuiser, 
ältfr. boisdie nach voisdie, it. böffice nach söffice, sdrucire nach cu- 
cire, neap. Carella (Carybdis) nach Scella (Scylla). Ital. greve ist eine 
anbildung an seinen gegensatz leve, pria mit seinem a an poscia. — 
6) Durch mischung der stamme einigen sich zuweilen zwei begriffsver- 
wandte in einem und demselben warte, es wird gewissermaßen ein reis auf 
einen fremden stamm geimpft. An fr. rame z. b. haben remutf und ramus 
theil ; an selon secundum Und longum, an haut altus und unser hoch, an 
refuser sowohl recusare wie refutare, an it. carcame sowohl arcsftne wie 
carcasso. — - 7) Wie in dem letzten feile zwei Wörter in eins zusammen- 
fließen, so kann auch um der begriffsunterscheidung wüten, ohne rücksicht 
auf die lautregel, ein wort in zwei auseinandergehe z. b. it. manco 
mangelhaft, monco verstümmelt, beide von maneus; rifutare widerlegen, 
rifiutare verschmähen, von refutare ; sp. calar niederlassen, eallar schweigen, 
von yaXtfv; fr. däsigner anzeigen, dessiner zeichnen, von designare. 
Weit häufiger geschieht dies vermittelst erlaubter formveränderungen wie 
im it. rio schlimm, neben reo schuldig, pesare wägen, neben pensare 
denken. Eine andre art dieser scheideformen ist, wenn ein wort, um 
nicht mit einem andern, gleichlautenden zusammenzufallen, eine mehr oder 
weniger starke formveränderung annimmt: so it. pioppo von pöpulus 
pappd, wegen popolo volk; melo von malus apfelbaum, wegen malus böse; 
pigliare nehmen, von pilare, wegen pillare stampfen, von plla; sp. cerrar 
schließen, von sera, wegen serrar sägen, von serra; pr. monestar mahnen, 
von monitare, wegen raontar steigen, von mons; fr. ätang teich, von 
stagnum, wegen 6tain zinn, vom altlat. stagnum. — 8) Nicht selten wird 
ein in seinen Bestandteilen unverständliches wort durch theilweise ver- 
tauschung oder Übersetzung mit einem ähnlichen romanischen gedeutet, ein 
sinnreiches mittel fremdlinge ganz heimisch zu machen. Beispiele dieser 
umdeutung sind: it. battifredo, badalisco, guiderdone, Gibilterra (Gi- 
braltar), malvagio, sp. malenconico, it. manovaldo, altfr. mainbournir, 
candelarbre, nfr. choucroute, orange, worin man leicht die mit battere, 
badare, dono, terra, male, mano, arbre, chou, or vollzogene umdeutung 
erkennt. Im fr. main de gloire (für mandegliere aus mandragora) be- 
schränkt sich die umdeutung nicht auf einen theil des wortes. Span. Sierra 
morena (schwarzes gebirge) soll aus mons Marianus abgeändert sein. Be- 
kannt sind Longobardus und baccalaureus. 

Dem naturausdruck als bildungsmittel der neuen spräche ist kein zu 
weites fdä einzuräumen: manches wort, das man auf diesem wege ent- 
standen wähnt, kann sich noch als Sprößling eines alten Stammes aus- 
weisen. Doch hat dieses mächtige bildungsmittel hier, wie überall, reichlich 



XX VORREDE. 

gewuchert und seine fruchte können ihre Herkunft so wenig verläugnen, 
daß mir ihre vollständige aufnähme überflüssig schien. Viele dieser natur- 
producte lassen sich mit ähnlichen in fremden sprachen zusammenstellen, 
aber nicht mit Sicherheit daraus herleiten. 

Es wären noch manche für die etymologie nicht gleichgültige beob- 
achtungen zur spräche zu bringen. Da sie aber alle in das gebiet der 
grammatik gehören, so lasse ich sie hier unberührt; nur einigen dringenden 
fragen aus der Wortbildung kann ich die erwägung auch an dieser stelle 
nicht versagen. Die latein. spräche sieht unbedenklich adjectiva aus verbal- 
stammen durch bloße anfügung nominaler suffixe: fidus, parcus, vivus, 
congruas entstehen aus fidere, parcere, vivere, congruere. Rom. gramm. 
[1. ausg.] II, 235 hatte ich diesen Vorgang in den neuen sprachen als 
einen höchst seltenen zugelassen: er ist aber gar nicht einzuräumen: die 
spräche erfreut sich eines solchen Überflusses ausdrucksvoller adjectiv- 
suffixe, daß sie neuen bildungen jener art ganz entsagen durfte. Allerdings 
gibt es mehrere romanische adjectiva, die sich zu verbis zu verhalten 
scheinen wie die eben genannten lateinischen. Es sind etwa folgende: 
sp. furo, verbum lat. furere; it. folle, fr. fou, vb. lat. follere; pr. clin, 
vb. clinare; fr. mundartl. gonfle, vb. gonfler; fr. morne, vb. goth. maür- 
nan. Furo und folle lassen sich von den Substantiven für und follis her- 
leiten; clin und gonfle sind abgekürzte participien = it. chino, gonfio; 
für morne endlich wird man ein deutsches adjectiv muthmaßen dürfen. 
— Etwas bedenklicher ist eine andre, ganz verwandte frage. Werden 
substantiva persönlicher bedeutung auf eine eben so einfache art, ohne 
syllabisches sufßx, aus verbis gezogen wie substantiva sächlicher bedeutung? 
Die latein. spräche ist mit solchen bildungen sehr sparsam: scriba, coquus, 
dux, rex sind beispiele, andre bemerkt man in cofnpositis. Es ist der 
mühe werth, die romanischen falle, die eine solche entstehung zu fordern 
scheinen, mit einiger Vollständigkeit zusammenzustellen. Masculina sind 
it. furbo, vb. forbire ; it. mundartl. lecco, vb. leccare ; it. allievo, fr. 61eve, 
vb. allevare, elevare; sp. trasgo, vb. trasegar; fr. juge, vb. jnger. Furbo 
und lecco können in gleichlautenden ahd. Substantiven ihren grund haben; 
allievo und 61dve verhalten sich nach ihrer bedeutung mehr wie sächliche 
als persönliche Wörter und dürfen darum beseitigt werden; trasgo ist 
zweifelhaft, da trasiego zu erwarten stand; unläugbar aber ist juge, das 
jedoch nicht ohne grund aus juger gezogen ward, s. IL c. Was die aus 
verbis gezogenen masculina auf a betrifft, so hatten sie früher wohl eine 
rem sächliche bedeutung und wurden nachher auf personen übertragen, 
wie das nicht verbale boja die bedeutungen fessel und henker ausdrückt: 
so denn auch sp. boga rüderer, von boga, in derselben bedeutung auch 
feminin (eigentl. rüder, wiepg. voga), so it. spfzzeca knicker (hneipzange?) 
von pizzicare; bei andern wie sp. farfulla Stammler, von farfullar, pg. 



VORREDE. • XXI 

beberrica trinket, von beberricar, ist dies weniger ersichtlich. Die aus 
verbis gezogenen feminina sind ursprünglich abstracta gewesen und in 
concrete persönliche bedeutung übergetreten: so it. ascolta schildwache 
(aufhorchung), scorta begleiter (begleitung), pr. bada Wächter (obacht), 
uca ausrufer (ausruft crida schreiet (schrei), it. gonfia glasmacher (auf- 
blasung); bei it. trecca höfierweib, vb. treceare betrügen, mag diese be- 
griffsenttcicklung zweifelhafter sein. Aus dem allem ergibt sich aber doch 
die ungewißhext dieser ableitungen, mit deren annähme also der etymologe 
vorsichtig verfahren muß. 
Bonn im juli 1853. 



II. In der vorliegenden zweiten ausgäbe habe ich einen großen 
theil der in der ersten enthaltenen artikel einer neuen prüfung unterzogen, 
welche nicht selten auf andre ergebnisse geführt hat. Zu dieser prüfung 
gaben die seit der herausgäbe des buches in etymologischen Schriften jeder 
ort erschienenen sehr zahlreichen bemerkungen, so weit sie zu meiner 
kenntnis gelangt sind, den hauptsächlichsten anlaß. Die meisten derselben 
wurden schon vor einigen jähren in einer kleinen schrift 'Kritischer an- 
hang zum etymologischen wörterbuche genauer von mir besprochen; einen 
theil ihres ifüialts habe ich den betreffenden artikeln dieser neuen ausgäbe 
entweder in klammern beigefügt oder in den text einfließen lassen. In- 
dessen trat die nothwendigkeit dieser ausgäbe so rasch und unerwartet 
ein, daß ich nicht im stände war, auf alle ausgesprochenen deutungen 
und einwürfe, selbst nickt auf alle diejenigen, welche zu meiner kenntnis- 
nähme bestimmt schienen, einzugehen. Sofern ich sie unberührt lasse, 
konnte ich ihnen auf meinem standpuncte allerdings nicht beipflichten, bin 
aber weit entfernt, ihr verdienst in abrede zu stellen, überdies habe ich 
das buch mit einigen hundert artikeln vermehrt, viele andre, wo es 
wünschenswerth schien, etwas genauer ausgeführt. 

Bonn im September 1861. 



III. Da man in etymologischen dingen nicht überall zu unwiderruf- 
lichen resultaten gelangt, so tritt auch diese dritte ausgäbe nicht unver- 
ändert in die öffentlichkeit. Auch ist ihr ein Zuwachs von neuen artikeln 
zu theil geworden. Das register hat mit rücksicht auf einen vielfach aus- 
gesprochenen wünsch eine mehr praktische einrichtung erhalten. 

Bonn im october 1869. 



VORREDE ZUR VIERTEN AUSGABE. 



Alle diejenigen, welche nicht nur Diezens lehre hochhalten und pflegen, 
sondern auch seine eigenart, was methode und darstellung betrifft, zu 
würdigen wissen, werden dem Verleger des Etymologischen Wörterbuchs 
dank wissen, daß er diese vierte aufläge in unveränderter gestalt erscheinen 
läßt. Sie werden mit ihm es , für gerathen, ja von den pflichten der pietät 
für geboten halten, die werke des uns entrückten meisters so lange einer 
um- oder Überarbeitung zu entziehen, als im kreise der schüler und nach- 
eiferer der hauch seines genius noch lebendig empfunden wird. Man 
hüte sich ebensosehr davor, dem worte eines edlen todten, der großes ge- 
schaffen, eine unantastbare atäorität beizulegen, als seine persönliche arbeit 
unter noch so preiswürdigem flickwerk zu verwischen. 

Wenn es jedoch den Verleger drängte, unser buch, so wie es zuletzt 
aus der feder des Verfassers geflossen, auf den markt zu geben, lag es 
ihm nicht minder daran, dem unaufhaltsamen f ortschritte der Wissenschaft 
rechnung zu tragen und die abnehmet der vierten aufläge für die diesmal 
ausbleibenden Zusätze und Verbesserungen des autors einigermaßen dadurch 
zu entschädigen, daß die wichtigeren ergebnisse der etymologischen forschung, 
so weit sie seit dem erscheinen der dritten ausgäbe zu tage getreten und 
den speziellen inhalt des Dicz' sehen Werkes berühren, in einem Anhang 
zusammengestellt würden. 

Daß ich auf sein ersuchen diese aufgäbe bereitwillig übernahm, möge 
damit entschuldigt werden, daß es sich ja weniger ury eigenes schaffen 
und urtheilen als um das sammeln, sichten und darlegen fremder arbeit 
handelte und daß mir dadurch eine erwünschte gelegenhext geboten wurde, 
dem dahingeschiedenen altmeister, in seinem geiste wirkend, den tribut 
meiner Verehrung zu entrichten. 

Ich habe zur erfüllung des mir gewordenen auftrags alles, was mir 
in meiner isolirten Stellung zu Brüssel an Zeitschriften, commentaren, 
Wörterbüchern und einschlägigen sonderarbeiten zu geböte stand, sorgfältig 
durchmustert und dasjenige ausgezogen, was irgendwie für oder gegen die 



VORREDE. XXIII 

Dias* sehen aufstellungen verwerthet werden konnte. Selbstverständlich habe 
ich nur solches aufgenommen, wozu sich ein berufener, mehr oder weniger 
auf der hohe der wissenschaß stehender gewährsmann aufweisen ließ. 
Einige wenige streng berücksichtigte notigen ausgenommen, fand sich im 
nachlaß des seligen Verfassers kein tnaierial zur Vorbereitung einer -neuen 
aufläge vor; nicht einmal ein zu diesem behufe annotirtes handexemplar 
konnte ausfindig gemacht werden. 

Sei der druck-revision des Diez'schen Werkes hatte ich manche ver- 
anlassung, druckfehler, die sich in die früheren ausgaben eingeschlichen 
hatten, zu beseitigen. Bei genauer nachträglicher prüfung haben sich im 
ersten theile noch einige f eider als übersehen eruriesen; dieselben sind unten 
angegeben. Das register habe ich erheblich, etwa um ein viertel der Wörter 
vermehrt, so daß dasselbe bei dem gebrauche des Werkes als ausreichend 
befunden werden wird. 

Brüssel, im august 1878. 

A. Scheler. 



ABKÜRZUNGEN. 



abl. ableüung. 

ags. angelsächsisch. 

ahd. althochdeutsch. 

aJban. albanesisch. 

altn. altnordisch. 

alts. altsächsisch. 

andal. andalusisch {nach dem wb. der 

span. Äkad.). 
arag. aragoncsisch. 
bearn. bearnesisch (nach Honnorat). 
bergatn. bresc. bergamaskisch und bres- 

dänisch (nach G. Rosa), 
berr. mundart von Berry (nach Jaubert). 
bret. bretonisch, 
bürg, burgundisch d. i. bourgognisch (nach 

De la Monnoye, Mignard, dem Vocab. 

langrois, dsgl. nach Monnier Vocab. 

du Jura in den Mim. des antiq. de 

France VI.), 
cot. catalanisch. 
champ. champagnisch (nach Saubinet Vo- 

cabulaire rhnois und Tarbe). 
chw. churw. churtcälsch (nach Conradi 

und Carisch). 
cimbr. eimbrisch, spräche der sieben und 

dreizehn gemeinden (nach Schmeüer). 
com. comask. comaskisch (nach P. Monti). 
cremon. cremonesisch (nach Peri). 
dauph. dauphinesisch (nach ChampoUion). 
flor. florentinisch (nach verschiedenen 

werken), 
fr. französisch, 
frs. friesisch* 

gaüic. gaüicisch, in Spanien, 
gase, gasconisch (nach Honnorat u. a.). 
gen. genuesisch (nach Olivieri, ausg. von 

1851). 
genf. genferisch (nach dem Dict. gene- 
vois), 
hd. hochdeutsch, 
henneg. hennegauisch oder rouchi (nach 

Hecart). 



it. italienisch. 

Um. limous. limousinisch (eigentl. nieder- 
limousinisch, nach B&ronie). 
lomb. lombardisch, 
lothr. lothringisch (nach Oberlin. dem Dict. 

patois par L. M. P., Nancy 1842, und 

Jaclot, Par. 1854). 
mail. maüändisch (nach Cherubim. 2. ausg. 

1839—43. IV.). 
mhd. mittelhochdeutsch, 
mlat. mittellateinisch, 
mnd. mittelniederdeutsch, 
mndl. mittelniederländisch, 
moden. modetiesisch (nach Muratori u. a.). 
ndd. niederdeutsch, 
ndl. niederländisch, 
nds. niedersächsisch, 
neap. neapolitanisch (nach Galiani). 
nfr. neufranzösisch, 
nhd. neuhochdeutsch, 
norm, normannisch (nach E. und A. Du 

Mtrü). 
npg. neuportugiesisch, 
npr. neuprovenzalisch. 
nsp. neuspanisch, 
obd. oberd. oberdeutsch, 
occ. occit. oecitanisehy mundart von Iam- 

guedoc (nach Sauvages, dem glossar zu 

Goudelin u. a.). 
parm. parmesanisch (nach Peschieri und 

Malaspina), 
pg. portugiesisch. 

pic. picardisch (nach H&cart und Corblet). 
piem. piemontesisch (nach ZaUi u. Ponza). 
pr. provenzalisch. 

romagn. romagnolisch (nach Morri). 
sard. sardisch (nach Porru, Spanu und 

den gedienten Purqueddu's). 
8 chw 2. schweizerisch. 
sie. sicil. sicüianisch (nach M. Pasqualino 

und Biundi). 
sp. spanisch. 



ABKÜRZUNGEN. 



XXV 



trient. trientinisch und roveretanisch (nach 

AzzoUni). 
val. valencianisch. 

ren. venez. venezianisch (nach Patriarchi). 
veron. veronesisch (nach Angeli). 
vrlt. veraltet, 
wal. walachisch. 

teald. waldemisch (bei Raynouard, Hahn 

u. a). 
waUon. wallonisch (nach Eemacle und 

Grandgagnage), 
zsgs. zusammengesetzt, 
zsgz. zusammengezogen, 
zss. Zusammensetzung, Zusammensetzungen. 

Agol. Agolant, im Ferabras. 
Alex. Alexandre, ed. Michelant. 
Alexs. Alexis, ed. Gessner. 
Alx. Alexandro, p. p. Sanchez. 
Anal, gramm. s. App. ad Prob. 
Antioch. Chanson d'Antiochc, p. p. P. 

Paris. 
Apol. Apokmio, p. p. Ochoa. 
App. ad Prob. Appendix ad Probum in 

Analect. gramm. ed. Eichenfeld et End- 
licher, p. 444 ff. 
Archiv, stör. ital. Archivio storico italiano. 
Aubery, p. p. TarbL 
Aubri, im Ferabras. 
B. Bartsch, Denkmäler der provenzalischen 

litter atur. 
Bari. Barlaam und Josaphat herausg. v. 

Meyer und Zotenberg. 
Bc. Berceo, p. p. Sanchez (Mtl. Milagros 

de N. Ä; MM. San Millan; SDom. 

San Domingo cet.). 
Ben. Chronique de Benott, p. p. Michel. 
Bert. Berte, p. p. P. Paris. 
Bonves. Bonvesin, ed. Bekker. 
Brand. Brandaine, p. p. Jubinal. 
Briq. Briquigny et la Porte du Theü, 

Diplamata Um. I. (ältere ausgäbe). 
Brt. Brut, p. p. Leroux de Lincy. 
Brun. Brunetti, Codice diplomatico, tom. I. 
Bth. Poeme sur Boece, p. p. Raynonard. 
Cal. e D. CaUla e Dymna, p. p. Gayangos. 
Canc. de B. Cancionero de Baena. 
Corp. Carpentier, Glossarium novum cet. 
Cos. litt. Casae litterar um, ed. Lachmann. 
Ccy. Histoire du chatelain de Coucy, p.p. 

Crapelet. 



C. d. Poit. Boman du comte de Poitiers, 
p. p. Michel. 

Charl. Charlemagne, p. p. Michel. 
ChCyg. Le Chevalier au cygne, p.p. Beif- 

fenberg. 
ChLy. Le chevalier au lyon, ed. Holland. 
Chr. d? Esel. Chronique deBernat d'Esclot, 

p. p. Buchon. 
Chx. Choix cet. p. p. Baynouard. 
Clas8. auet. Classici auetores, ed. Ang. 

Majus. 
CNA. Cento novelle antichc, Torino 1802. 
Cont. Ultram. La conquista de Ultramar., 

p. p. Pascual de Gayangos. 
DC. Ducange, Glossarium mediae latini* 

tatis. 

D. Din. Cancioneiro del rei D. Diniz, 
p. p. Lopes de Moura. 

Dief. gloss. lat. germ. Diefenbach, Glos- 
sarium lattno-germanicum. 
DMce. Doon de Maience, p. p. Pey. 
Dolop. Dohpathos, p. p. Brunei et Mon- 

taiglon. 
Eracl. EracU, ed. Massmann. 
Er. En. Erec et Enide, ed. Bekker. 
Esp. sagr. Espaiia sagrada, p. p. Florez 

y Bisco. 
FBej. Foros de Beja. 
FC. Fabliaux et contes, p. p. Barbazan, 

id. de Mion. 
Fer. Ferabras, ed. Bekker. 
FGrav. Foros de Graväo. 
Fier. Fierabras, p. p. Kröber et Servois. 
FJ. Fuero Juzgo, Madr. 1815. 
Flam. Flamenca, p. p. Meyer. 
Fl. Bl. Flore et Blanceflor, ed. Bekker. 
Form. Formulae. 
FSant. Foros de Santarem. 
Fumag. Fumagalli, Codice diplomatico. 
GAlb. Guerre des Albigeois, p. p. Fauriel. 
Gar. Garin, p. p. P. Paris. 
Gaufr. Gaufrey, p. p. Guessart et ChabaiUe. 
Gayd. Gaydon, p. p. Guessard et Luce. 
GBourg. Gui de Bourgogne, p. p. Gues- 

sard. 
G. d'Angl. Guillaume d'Angleterre, p. p. 

Michel. 
Gest. reg. Fr. Gesta regum Francorum, 

Bouquet t. I. 
G. Gaim. Geoffr. Gaimar, s. Chron. an- 
glonorm. p. p. Michel. 



XXVI 



ABKÜRZUNGEN. 



Gl. Glos8ae (Gl. erford. erfurter glossare, 

ed. Öhler). 
Gloss. vet. Glossarium vetus, Classici auc- 

tores VI. 
GNev. GSrard de Nevers, p. p. Michel. 
GO. Glossaire occitanien, p. p. JRochegude. 
GProv. Grammaires provencales, p. p. 

Guessard (Gramm, rom. 2. H.). 
Grog, dialogues de St. Grigoire, p. p. 

Du MSrü. 
Greg. Tur. Gregorii Turonensis Historia 

ecclesiastica. 
GRiq. Giraud Riquier, ed. Pfaff. 
GRoss. Girart de Rossüho, ed. Hofmann. 
GVian. GSrard de Viane, im Ferabras. 
GVic. Gil Vicente, Hamburgo 1834, III. 

dsgl. in Bolus Teatro espanol. 
HBord. Huon de Bordeaux, p. p. Gues- 
sard et Ghrandmäison. 
II Lang. Histoire generale de Languedoc, 

preuves. 
HPMon. Historiae patriae monumenta, 

chartarum tom. I. 
JFebr. Jaume Febrer, Valencia 1796. 
Jfr. Jaufre, in Lex. rom. I. 
Inf. VInferno di Dante. 
L. Lex. 
L. de Guitt. (LG.) Lois de Guillaume le 

ConquSrant, ed. Schmid. 
Leys d f am. Leys d'amors, p. p. Gatien- 

Arnauld. 
LJ. Livre de Job, in den Livres des Bois. 
LR. Lexique roman. p. p. Raynouard. 
LRs. Livres desrois, p.p.Le Boux de Lincy. 
M. Gedichte der Troubadours, ed. Mahn, 

1856—57. 
Mabiü. annal. Mabülon, Annales ord. S. 

Benedicts, Lucae 1730. 
Mabiü. dipl. Mabülon, Bes diplomatica, 

Par. 1709. 
Marc, hisp: Marca hispanica, ed. Marca. 
Mar. Egipc. Maria Egipciaca, p. p. Ochoa. 
Marin. Marini, Papiri diplomatici. 
MFr. Marie de France, p. p. Roquefort. 
MGar. Mort de Garin, p. p. Du Meril. 
Murat. ant. ital. Muratori, Antiquitäten 

italicae, Mediol. 1738. 
NFC. Nouveaux fabliaux et contes, p. p. 

Mion. 
NF. Jub. Nouveau recueil de fabliaux, 

p. p. Jubinal. 



Nicot. Dict. francois-latin recueilli des 

observations de M. Nicot cet. Par. 1573. 
Og. Ogier de Danemarche, p. p. Techener. 
Par. II Paradiso di Dante. 
Parton. Partonopeus, p. p. Crapelet. 
Pass. d. J. C. Passion de Jesus-Christ, 

p. p. ChampoUion. 
PC. Poema del Cid, p. p. Sanchez. 
PDuch. Parise la duchesse, p. p. Guessard 

et Larchey. 
PO. Parnasse occitanien, p. p. Roche gude. 
PPS. Poeti del primo secolo. 
Purg. II Purgatorio di Dajite. 
QFAym. Les quatre fite Aymon, im Fe- 
rabras. 
BCam. Raoul de Cambrai, p. p. Le Glay. 
Ren. Renard, p. p. Meon. 
RFlor. Roi Flore, p. p. Michel. 
RMunt. Ramon Muntaner, ed. Lanz. 
Rol. Roland, p. p. Michel. 
Rom.fr.Romancero francais, p. p. P. Paris. 
Rom. gramm. Romanische grammatik 

4. ausg. 
Roq. Roquef. Roquefort, Glossaire de la 

langue romane. 
Rou, p. p. Pluquet. 
Ruteb. Rutebeuf, p. p. Jubinal. 
Rz. Ruiz, p. p. Sanchez. 
Sax. Chanson des Saxons, p. p. Michel. 
SBern. Sermons de St. Bernard, in den 

Livres des Bois. 
SLeg. Vie de St. Leger, p. p. ChampoUion. 
SRos. Santa Rosa, Elucidario. 
SSag. Sept sag es, ed. Keller. 
TCant. Thomas de Ganterbury, ed. Bekker. 
TFr. Thidtre frangais, p. p. Monmerque 

et Michel. 
Tirab. Tiraboschi, Storia della badia di 

Nonantola, vol. II. 
Trist. Tristan, p. p. Michel. 
Trov. Trovas e cantares, Madr. 1849 

(Cancioneiro ineditö). , 
Trucch. Trucchi, Poesie inedite. 
Ughell. Ughelli, Italia Sacra. 
Voc. Vocabularius, z. b. duacensis, opti- 

mus, S. Galli. 
Wack. Altfranz, lieder und leiche, her ausg. 

von Wackernagel. 
Yep. Yepes, Cronica de la orden de S. 

Benito. 



ERSTER THEIL. 



GEMEINROMANISCHE WÖRTER. 



A. 

A und ad it., sp. pg. &, pr. a u. az, fr. k, wod. a, präposition, vom 
lat. ad, vornehmlich auch als casuspartikel angewandt. Ob das rom. a 
in gewissen fällen nicht vielmehr aus apud abgekürzt sei, darüber s. Born. 
gramm. III, 160, 161. Eine zss. ist it. da, churw. dad, von de ad, be- 
reits in Urkunden des 7. und 8. jh. vorhanden t (Born, gramm. II, 25), 
entsprechend dem ahd. fona, nhd. von, atis af ana, nach Grimm IV, 782. 
üeber das diesem ital. da begegnende oskisciie dat sehe man Bugge, 
Ztschr. für vergl. sprachf. III, 419. Für da sprach man dltsardisch 
daba, nach Delius nicht von de ad, sondern von de ab, s. dessen schrift 
Ober den sard. diaiect p. 4. 

Ab ig so it., pr. abis und abisme, fr. abtme, sp. pg. abismo, sard. 
abismu abgrund, hoUe; vb. it. abissare und sobbissare, pr. abissar, 
sp. abismar, fr. abimer, in den abgrund versenken u. dgl.; von abyssus 
(aßvcoog). Wir haben, tote es scheint, in abisme, abismo einen substan- 
tivischen Superlativ wie etwa in dem üblichen mlat. dominissimus vor uns, 
man wollte damit den tiefsten abgrund, den der hölle, stärker bezeichnen; 
übrigens ist aßvooog von hause aus ein adjectiv, mithin zur gradation 
berechtigt. Abyssissimus konnte in abyssimus zusammengehn wie metip- 
siraimus in metesme. Man hat auch an abyssismus gedacht, aber das 
suffix ismus gibt in den Jüngern sprachen nur abstracta, höchstens collec- 
tiva. Andre vermuthen eine accusativform darin, aber wäre alsdann das 
franz. wort nicht abisson gewesen, wie suum son, Carolum Gharlon er- 
gab? Zu merken die ital. nebenform nabisso aus der üblichen Verbindung 
in abisso wie ninferno aus in inferno entstanden (ininferna in einer alten 
messe, Mone p. 20), daher das dtsche nobis, s. Qtrimm, Myth. 766, Hoff- 
mann, Hör. bdg. V, 38. 

Abrigo sp. pg., pr. abric, fr. abri schütz; vb. sp. pg. abrigar, 
pr. abrigar, abriar, fr. abriter (für abrier mit eingeschobenem t wie oft) 
schützen, decken. Umsonst hat man sich bemüht, dem lat. apricus den 
sinn des rom. Wortes zu entlocken: was die sonne bescheint, ist und bleibt 
unbedeckt. Läßt sich letzteres aus keiner andern spräche nachweisen, so 
darf als etymon ein ahd. bi-rfhan decken (ant-rihan enthüllen findet sich) 
vermuthet werden. Für abriter sagt man in Berry abrier, im Jura 
ayriller, was wohl nur diminutivisch ist. Die bearn. mundart spricht mit 
temiis aprig&. — [Gegen Mahn und Littre, welche diese herleitung ange- 
fochten haben und für apricus eingetreten sind, bemerkt der Krit. anftang 



4 L ABRIGO-ACABAR. 

folgendes. 'Man deute an dem worte, wie man will, in den neuen sprachen 
bleibt schütz, obdach der grundgedanke, nicht bloß der schütz vor regen 
und Mite, sondern auch der vor der sonne, denn man sagt z. b. ce Heu 
est ä Tabri du soleil (Dict. de Trev.). Se mettre ä Tabri de la pluie 
ist darum dasselbe wie se mettre ä couvert de la pluie 5 , und schon ein 
iroubadour sprach: m'abric sai on sol non fer ich bin hier unter dach, 
wo keine sonne hin scheint. LR. c Wem fallt dabei nickt das horazische 
quidquid in occulto est, in apricum proferet aetas ein, wo apricum ge- 
rade das gegentheil aussagt von occultum, also ungefähr auch das gegen- 
theil der roman. bedeutung? Solche Übergänge mögen allerdings in den 
sprachen vorkommen, sie müssen sich aber schritt vor schritt verfolgen 
lassen, was wenigstens mir bei der fraglichen etymologie nicht gelingen 
wül\ Der schatten schützt, nicht die sonne, das sagen die sprachen selbst: 
lat. umbra, it. ombra, sp. sombra ist schatten und schütz. * Verdächtig 
wird die lat. herkunß des Wortes schon dadurch, daß es (mit ausnähme 
der sardischen mundart, die bekanntlich viele Wörter aus Spanien bezogen) 
dem ital. gebiete abgeht, denn aprico ist ein dem latein abgeborgter poe- 
tischer ausdruck mit lat. bedeutung, und apricare fehlt ganz. Die eigent- 
liche heimath von abrigo scheint Spanien; hier wenigstens hat es nicht 
wenige ableitungen und Zusammensetzungen entwickelt, wie abrigada, abri- 
gano, abrigamiento, abrigador (pg.), desabrigo, desabrigar cet. Larra- 
mendi verweist auf das bekannte in städtenamen vorkommende briga, allein 
daraus wird das wort nicht Mar, Auch aus sp. abra (bucht) läßt es sich 
nicht gewinnen, da mit ig nicht abgeleitet wird. Ich stellte darum das 
ahd. rfhan (decken) auf, zsgs. birihan, ags. bevrthan (bedecken); man setzte 
a vor, was zumal in Spanien sehr häufig geschieht. Nicht unmerkwürdig 
ist die altfr. bed. bedecken in einer stelle bei Guill. Guiart Roq. app.: la 
tres precieuse corone que Jhesu Crist ot en sa teste, si com li Juis 
Ten abrierent (damit bedeckten, nicht: schützten/. Und in einer noch 
älteren stelle: si ot d'une chape forr6e abri6 et vestu son cors R. de la 
rose, s. P. Paris, Dict histor. p. 30. 'Aber auch zu erwägen ist das in 
allen deutschen sprachen vorhandene bergan, präs. birgu (bergen, in Sicher- 
heit bringen), mit versetztem r, wie oft. Dem subst. berc, geberc (ver- 
steck, Zufluchtsort) würde abric von Seiten der bedeutung ein gut theil 
näher liegen als dem lat. apricum*.] Das cot. abrig wird gradezu mit 
sp. albergue übersetzt. Sichtlich von bergan ist das altfr. em-berguer 
l couvrir, mettre ä Vabn Roq. — Wenn R. Stephanus in seinem wörter- 
buche sagt: ung abri ou le soleil frape tousjours apricus locus, so muß 
er um der etymologie willen dem franz. worte eine demselben nicht zu- 
kommende bedeutung aufgedrängt haben. Denn wenn Livet, Gramm, 
frang. 476, ihn damit entschuldigt, daß das wort später diese bedeutung 
geändert haben könnte, so stehen die prov. Zeugnisse damit im Widerspruch, 
Man vgl. übrigens Mahn p. 113 ff. 

Acabar sp. pg. pr., achever fr. ausführen, vollenden; von caput, 
roman. nicht nur den anfang, auch das ende eines dinges bezeichnend. 



I. ACCATTARE-ACERO. 5 

Accattare it., ultsp. acabdar, altpg. achatar SRos. ein gut erwerben, 
attfr. acater verschaffen Alexs. 8, neufr. acheter kaufen, so auch altit. 
neap. accattare; jsbst. it. accatto, pr. acapta, acapte, fr. achat. Es ist 
von ad-captare (mlat. accapitare) an sicJi nehmen, kaufen, eine erst im 
franz. entwickelte Bedeutung, welcher Festus stelle emere, quod nunc est 
mercari, antiqui accipiebant pro sumere zur Unterstützung gereichen kann. 
Eine zss. ist it. raccattare, pg. regatar, fr. racheter loskaufen; wofür 
sp. rescatar, pg. resgatar uus re-ex-captare, sbst. rescate, resgate. 

Acceggia it., sp. arcea, fr. mundartl. acäe Schnepfe, tnlat. accia, 
acceia; soll in acies oder äxrj spitze (vogel mit spitzem Schnabel) seinen 
Ursprung haben, s. Menage und Carpentier. Ein altes Zeugnis für dieses 
wart enthalten die erfurter glossare p. 259 b accega 'holtana,' Variante 
acega 'holthana d. i. ags. holt-hana (holz-hahn= Schnepfe), vgl. Haupts 
Ztsehr. V, 197 b . 

Accia, azza it., sp. hacha, pg. facha, acha, pr. apcha für acha, 
fr. hache (h asp.), daher mhd. hätsche und hasche, axt, beil; vb. it. 
acciare, fr. hacher klein hacken. Gegen lat. ascia als etymon sprechen 
die formen; wohl aber stimmt die franz. zum nhd. ndl. hacke Werkzeug 
zum hauen, ein in der alten spräche nicht vorfindliches, aber durch das 
masc. hacco (haken) und das ags. vb. haccan = engl, hack gestütztes 
wort. Die deutsche keMtenuis erhielt sich im picard. vb. h&juer holz 
hacken = fr. hacher. Aus dem franz. werte aber flössen die übrigen, 
unter welchen das pg. facha mit seiner lippenaspirata die reine aspirata 
nachzubilden sucht, s. unten arpa. — Davon zu trennen ist it. ascia, 
pr. aissa, vom lat. ascia; span. aza oder axa fehlt, aber eine abl. altsp. 
axada, nsp. azada, pg. enxada, dsgl. sp. azuela haue, hacke, ist vor- 
handen. 

Acciajo it., sp. acero, altpg. aceiro, neupg. a$o, pr. fr. acier, wal. 
otzel (ungr. atz£l), mlat. aciare, aciarium stahl (s. z. b. Class. auct. VI, 
502 h ); von acies sc. ferri härteres eisen. Eine andre, gleichbed. abl. ist 
it. acciale, ven. azzale u. s. w., ahd. ecchil, mhd. eckel. 

Accidia it., altsp. acidia, pr. accidia, altfr. accide fahrlässigkeit, 
Verdrossenheit; vom mlat. accidia, acedia, gr. äyirjdla, dass. 

Acciuga it., sp. anchoa, pg. anchova, enchova, fr. anchois Sar- 
delle. Aus aphya (acpvrj) oder besser am apya (zu schließen nach apua) 
konnte mit dem sufßx ug unzweifelhaft das it. acciuga (zunächst aus 
apj-uga) entstehen, woraus denn die andern Wörter verderbt sein müssen. 
Mundartliehe formen sind piem. sie. anciova, veron. ancioa, gen. anciua, 
ven. anchioa. — [Mahn erkennt darin ein iberisches wort = bask. antzua 
trocken, denn die Sardelle ist ein getrockneter (eingesalzener) fisch, s. seine 
Etym. Untersuchungen p. 5.] 

. Accordo it., sp. acuerdp, pg. acordo, pr. aecort, fr. aecord über- 
Hnstimmung, vertrag; vb. aecordare u. ff.; gebildet nach concordare, dis- 
cordare, also von cor, nicht etwa von chorda. 

Acero it., pg. acer, altsp. asre, neusp. umgestellt arce, cat. ars 



6 I. ADDOBBARE-AERE. 

dhorn; von acer aceris. Der Franzose nennt denselben bäum 6rable (m.): 
aus lat. acer wäre are oder aire, ftre geworden; um dem worte mehr um- 
fang ,zu geben, sagte man acer arbor, zsgz. esrarbre 6rarbre, dissimiliert 
6rable, neuprov. in Grenoble aber noch izerablo. Menage nimmt dafür 
eine hier ganz unpassende büdung acerabulum an. [Die hier ausge- 
sprochene deutung wird unterstützt durch die florentinische glosse Ecc. 
986 b acer arbor c gundereba vel mazziltira d. i. mafiholder. Man hatte 
sich in den schulen an die Verbindung beider tbörter gewöhnt, die alsdann 
in das leben übergieng.] 

Addobbare it., altsp. adobar PC. u. s. w., cdtpg. adabar SRos., 
pr. adobar, aUfr. adouber ausrüsten, nsp. npg. zubereiten, würzen. Das 
wort kommt von ags. dubban, dltn. dubba einen streich geben (watton. in 
Namur dauber schlagen) und ward vorerst vom ritterschlag gebraucht, 
ags. dubban tö riddere zum ritter schlagen (a. 1085, s. Bosworth), fr. 
addubber ä Chevalier Havelok p. 28; demnächst hieß es die mit der feier- , 
lichkeit verbundene ausrüstung, vgl. Raoul l'adoube qui estoit ses amis: 
Premiers li chausse ses esperons massis e puis li a le branc au costel 
mis, en col le fiert si con il ot apris DG. v. adobare; daher adouber 
richement herrlich ausrüsten, se douber sich waffnen ChCyg. 1628 (diese 
einfache form selten). Man sehe Wächters glossar. germ. p. 22, Grimms 
Rechtsalt p. 333, überdies Scheler s. v. adouber, E. Müller s. v. dub. 
Sousa's und anderer herleitung des Wortes aus dem arah. ist sieher verfehlt. 

Aere, aire, it., sie. ariu, sp. aire, pg. ar, pr. aire, air, fr. air, 
wal. aer (alle masc.) lüft, wind; von aer. Das üblichere ital. wort aber ist 
nicht aere, sondern das fem. aria, welches entweder im mlat. plur. aera 
(s. Schneider, Lat. gramm. II, 92), oder im adj. aerea seinen grund 
haben muß; doch ist erster es selbst in den mundarten heimisch und wird 
auch im altsp. und prov. in seiner buchstäblichen form aör hier und da 
angewandt. Dasselbe roman. wort hat noch andre nah zusammenliegende 
urdat. bedeutungen, die mit luft gar nichts gemein zu haben scheinen, näm- 
lich üal. (aria) äusseres ansehn, sp. pg. dass., auch art und weise im be- 
nehmen, dsgl. anstand, anmuth, Zierlichkeit, franz. gleichfalls art und 
weise des benehmens, haltung, miene. Auch weise in der musilc, modus, 
melodie bedeutet es. Adj. it. arioso luftig, wunderlich, hübsch, ansehnlich, 
sp. airoso luftig, zierlich, auch siegreich, fr. aireux fehlt. Wie kam man 
von luft auf haltung, anmuth, melodie u. dgl.P Vielleicht schlug aer in 
den tochtersprachen einen ähnlichen weg ein wie in der grundsprache 
spiritus die bewegte luft, ton, stimme, geist, hoher geist, stolz; an geist 
zunächst konnte sich wesen, art des benehmens knüpfen; airoso, sofern es 
eitel heißt, trifft sogar mit aerius zusammen. — Ferner, in den alten 
mundarten Frankreichs heifit aire auch famäie, geschlecht, z. b. Amors 
nasquet en un gentil aire LB.; tot mon linh e mon aire vei revenir cet. 
ds.; et as plus bomes morz non sai retraire, e lor ers apovris e tot 
lor aire GBoss. Mich. 358; il fu estrais de gentil aire (stammte aus 
edlem geschlecht) PMousk. s. Gachet. Auf dieses wort hat aer keine 



L AFFANNO. 7 

Sollte es aus ager agrum stammen, g in i aufgelöst wie in 
flairar aus {ragrare? Ager hei fit acker, haus mit acker, in weiterem sinne 
flur, fddmark, und letzteren sinn vertritt das ndat. arum oder arus, z. b. 
in der stelle in pago Arvenica, in aro, quae vocatur cet., anderswo in 
pago 6., in agro S. (DC. v. arum u. arva). Arum, ager war also ein 
(heil des pagus. Aus der engeren bed. haus und hof konnte die bed.familie, 
geschiecht erfolgen wie anderwärts, vgl. gr. olxog, lat. domus, sp. solar. 
Gleichberechtigt mit ager ist wohl auch atrium als der platz im hause, 
wo das hochzeitbett stand. In den bekannten Verbindungen de bon aire, 
de mal aire, de gentil aire, de put aire bedeutet aire die ort, das heifit 
das geschlecht, wie lat. genus, sp. linage. Die itcd. spräche entnahm der 
prov. ihr di bon aire, das sie nachher in di baon' aria abänderte. — End- 
lich ist hier noch des specieU frans, aire (f.) hörst des raubvogels eu ge- 
denken. Afe'ria latinisiert es eine Urkunde v. j. 1215 DC, aber die be- 
zekJmung wäre viel eu allgemein; eben so wenig verträgt es sich mit aire 
tenne, dem es die akademie euweist. Dieses aire ist wiederum nichts 
anders als- das zum feminin gewordene pr. aire geschiecht (vgl. z. jb. pr. 
aise m., fr. aise f.), und noch jetzt sagt man im iaucon de bonne aire 
ein faUce aus gutem neste = von guter herkunft. — Zu erwähnen ist noch 
Menage s nicht ungeschickte deutung von aire aus dem derivatum vei-aire 
gesichtsbildung, miene, woraus es abgekürzt wäre, und auffallend, dafi 
auch das sp. aire mit einem derivatum don-aire in der bedeutung (an- 
stand) zusammentrifft. Diese etymologie würde alle Schwierigkeiten des 
Wortes in seinem abgeleiteten sinne lösen, allein die abkürzung scheint zu 
stark. 

Äff anno it., sp.pg.pr. afan, altsp. afaüo kummer, angst, ermüdung, 
fr. ahan saure arbeit ; vb. it. affannare (trans.) bekümmern, sp. afanar, 
fr. ahaner (intr.) saure arbeit verrichten, pr. afanar (trans. intr.) ermüden, 
sich abmühen. Altfr. oder mtat. wird das wort gerne von der fddarieit 
gebraucht, terram ahanare, daher ahans angebaute fdder, ahanables, 
noch henneg. ahan bestdlung des feldes; allein die erreichbar älteste be- 
deutung ist körperliche pein: so in der Passion Christi 1. 4. 123 (afans), 
73 (ahanz), im Leodegar 1 (aanz), so auch im Alexiusliede, aber im Boe^ 
Ünusliede 72. 108 kann es kummer bedeuten. Carpentier bemerkt auch 
ein einfaches altfr. haner arbeiten, woraus die häufig vorkommende zss. 
enhaner, z. b. an cortil einen garten bearbeiten. Da Frankreich das ein- 
fache wort aufzeigen, kann, so ist dieses land wohl auch die eigentliche 
heimath des weder im latein. noch im deutschen vorhandenen Stammes: das 
fr. h konnte in den schwestersprachen als i auftreten. An herkunft aus 
it. afa (beängstigung) ist wenigstens nicht zu denken, da kein roman. 
suffix ann bekannt ist, vielmehr scheint afa aus affanno abgezogen. Du- 
eange u. a. lassen es aus einer interjection entstehen, worin sich eine den 
athem beengende körperliche anstrengung ausspricht (han), einer interjec- 
tion, die auch, wie man weiter bemerkt, in dem henneg. e-han-cer 'ausser 
athem sein enthalten ist, vgl. ven. afanä keichend, Dante con lena affannata 



8 I. AFFAKE-AGIO. 

mit erschöpftem athem. Ahan wäre einer der vielen naturausdrücke, welche 
die spräche sich selbst verdankt und die Untersuchung konnte geschlossen 
sein, wenn nicht die celtischen sprachen ähnliche Wörter darböten. Zwar 
gael. fann müde, fainne müdigkeit, welchen das gleichbed. kymr. adj. gwan 
entsprechen muß, scheint wenig rücksicht zu verdienen, da gael. f = kymr. 
gw romanisch durch v wiedergegeben wird, nicht durch f ; aber in dem 
kymr. afan streit, .unruhe, auf rühr, welches Owen aus einem dem bar den 
Taliesin zugeschriebenen gedickte anführt, liegt die ganze büdung vor und 
es ist nur zu erwägen, ob dies auf eine der cdt. mundarten eingeschränkte, 
auf keine einheimische würzet gegründete wort nicht selbst ein fremdling 
ist oder überhaupt mit dem roman. zusammenhängt. Weiteres über altfr. 
ahain bei Gachet s. v. 

Affare it. (m.), pr. afar, afaire (m.), fr. af faire (f, altfr. m.), 
daher cdtsp. afer Alz. angelegenheit ; entstanden aus dem präpositionalen 
infinitiv in phrasen wie avere a fare con uno; in der romagnol. mundart 
dafe d. i. da fare. Ein zweites Beispiel dieser Zusammensetzung ist it. 
awenire, fr. avenir sbst. Zukunft = il tempo a venire. 

Affrontare it., sp. afrontar, afrentar, pr. afrontar, fr. affronter 
angreifen, beschimpfen; von frons stirne, eigentl. einem ins gesicht hinein 
sprechen oder handeln. Daher sbst. tf.affronto, fr. affront, sp. afrenta 
beschimpf ung. Franz. effrontä, pr. esf rontat, it. sfrontato unverschämt, 
von effrons bei Vopiscus. 

Agazzare it., agacer fr. (auch pg. agastar?) reizen; vom ahd. 
hazjan, nhd. hetzen, mit vorgesetzter roman. partikel a, wodurch h inlau- 
tend ward und sich um so leichter in g verdichten konnte. Seltsam ist fr. 
agacer les dents die zahne durch eine säure stumpf machen, eine bedeu- 
tung, in welcher es manche für eine dbleitung aus lat. acere (sauer sein) 
halten. Folgendes stehe hier als anspruchlose vermuthung. Unser nhd. 
ätzen heißt 'durch säuren auf einen gegenständ einwirken : war ein älteres 
gatzen (= ahd. ga-azjan) schon dieser bedeutung fähig, so ist demfranz* 
worte geholfen. 

Aghirone it., pr. aigron, cat. agrö, sp. airon^ altfr. hairon, nfr. 
höron (h asp.), in Berry egron ein vogel, reiher; dimin. fr. aigrette 
(mit abgestoßenem hauchlaut) kleiner weißer reiher; nicht vom gr. iQiodwg, 
es ist vom ahd. heigir, heigro, wozu alle laute passen. 

Agina, gina it. geschtoindigkeit, stärke; adverbial aina PPS. II, 
250, a grande aina Dante De vülg. eloq. 1, 11, altsp. agina FJ. } auch 
ahina, altpg. aginha eilig, geschwind. Ein ndat. glossar hat agina c t. q. 
festinancia et inde agino festinare. Mit lat. agina bei Festus (scheere 
an der wage, worin die zunge spielt) kann es nickt identisch sein: es 
gieng aus agere wie ruina aus ruere hervor, wie es denn auch der bedeu- 
tung von agitatio sehr nahe tritt. Der nordwesten kennt dies wort nicht, 
doch möge das neupr. agis s. v. a. fr. actions erwähnt werden. 

Agio it. {selten asio), pr. ais, aise (m.) 9 fr. aise (f.), pg. azo ge- 
mäcldichkeit; adj. pr. ais, fr. aise (schon in der alten spräche, s. TFr. 



I. AGRESTO-AGUGLIA. 9 

p. 612) fröhlich, engl, easy; adverbial it. ad agio, pr. ad als, altfr. ä aise, 
nfr. äl'aise bequem, dahersbst.it. ad agio, altfr. aaise (ahaise LRs.66), 
altpg. aaso SRos. bequemlichkeit; vb. it. agiare, ad agiare, pr. aisar, 
altfr. aisier, aaisier versorgen, pflegen, part. it. agiato, fr. ais6, behaglich, 
wohlhabend. Die prov. spräche hat der ableitungen noch mehr hervorge- 
bracht: aisir ins haus aufnehmen, aisi wohnung, aisina leichtigkeit, gc- 
legenheit, aizinar einrichten u. a., vermutlich ist das wort von hier aus- 
gegangen. Seine herhmft ist unsicher. Menage deutet es aus otium, 
Ferrari ganz ungeschickt aus adaptare, Frisch nicht besser aus dem 
dtschen behagen. Es verlangt ein etymon ais oder asi. Nach Perion De 
ling. galL p. 45 a ist es vom gr. atowg glück verkündend, dsgl. erforder- 
lich, gehörig, woraus sich auch das adjeetiv gut erklären würde ; xdaioiov 
wäre das gehörige, passende, bequeme. Andre, wie Junius, Schilter, Casti- 
glione, erkennen darin eine nur der goth. spräche bekannte in dem adj. 
azets leicht, bequem, sbst. azeti annehnüichkeit, enthaltene würzet, eine 
vermuthung, welcher auch J. Grimm, Wien, jahrbb. XLVI, 188, nicht 
abhold ist, vgl. auch seine Gesch. der d. spr. 352, wo das goth. wort zu 
ags. eadhe, ahd. ödi gestellt wird. Prov. viure ad ais ist gleichbed. mit 
goth. vizön in azetjam in annehmlichkeiten, in luxus leben. Freilich müßte 
man alsdann ein gothisches subst. azi annehmen dürfen, was nicht ohne 
bedenken ist, wiewohl die seltensten deutschen Wörter ihren weg ins roma- 
nische fanden. Oder ist für ais baskischer Ursprung anzunehmen? in 
dieser spräche heißt aisia ruhe (labort.), aisina mufie. Aber aisina ist 
seiner ganzen bildung nach so acht provenzalisch, es geht überdies nach 
einer häufig hervortretenden prov. sprachsitte mit einem synonymen mos- 
ctdin so sicher hand in hand (aisi aisina wie plevi plevina, trahi trahina), 
daß dem bask. derivatum besser prov. Ursprung zukommt, wodurch denn 
auch der bask. Ursprung des primitivs verdächtig wird: aisia kann dem 
pr. aise, wofür sich eine ältere form aisi vermuthen läßt, sein dasein 
danken, wie das adj. aisa zum pr. ais stimmt. Eine zss. ist fr. malaise 
mgemaeh. Das mit doppeltem g geschriebene it. aggio (aufgeld) ist eine 
bloße scheideform von agio: in der piem. mundart z. b. vereinigt letzteres 
beide bedeutungen. 

Agresto it., sp. agraz, pg. agra^o, pr. agras, altfr. aigret lien., 
dauph aigrat, wal. agris unreife traube, saß davon, eigentl. Säuerling; 
von acer, altsp. agre, fr. aigre, mit dem suffix as u. s. f., im ital. mit 
est vertauscht. Agraz entspricht in seiner bildung genau dem lat. von 
Hieronymus gebrauchten piracium birntrank. 

Aguglia it., sp. aguja, pg. pr. agulha, fr. aiguille nadel. Nicht 
von aculeus: die ital. nebenform agocchia verlangt lat. aeueula, in wel- 
ches acicula, während c. noch guttural lautete, abgeändert ward, vgl. ge- 
nuculnm für geniculum Rom. gramm. II, 326; aeueula aber findet sich 
in der thai in mehreren handschriften des Codex Theodos., sonst auch 
nüat. acncla. Abgel. ist sp. aguijar, pg. aguilUar stacheln, das sicli 
dem fr. aiguille nähert. 



10 I. AJUTO— ALBERCOCCO. 

Ajuto it. hülfe, von adjutus bei Macrobius; sonst fem. sp. ayuda, 
pg. pr. ajuda, altfr. aüe, pie. aYude, in den Eiden adiudha, aiudha; vb. 
it. ajutare, sp. ayudar, pg. pr. ajudar, wal. azudä, von adjutare. Da- 
neben entsprang noch eine verkürzte form it. alta, pr. ahia, altfr. aYde 
{getvöhnl. al'e), nfr. zsgz. aide; vb. it. aftare, pr. aidar, fr. aider. Beide 
letztere lassen sich aus syncopiertem aj'tare deuten, nicht so attare, präs. 
aito rrtit betontem i. 

AI altsp. altpg., pr. al (als), altfr. al, el, neutrales pronomen, zu- 
weilen mit einem Substantiv verbunden (al ren, ren al). Es bedeutet aliud; 
aber dessen i konnte nicht spurlos untergehn, vielmehr verlangte das laut- 
gesetz sp. allo oder ajo, pr. alh: will man nun nicht annehmen, die spräche 
habe dem i oder seiner Wirkung entsagt, um der Verwechslung mit allium 
(sp. ajo, pr. alh) auszuweichen, so sieht man sich auf das alt und volks- 
mäßig lat. alid, neutr. von alis, verwiesen, das zuerst bei Lucüius, dann 
bei Catull, endlich bei Lucrez, später aber nicht mehr vorkommt (worüber 
Ritschi De declinatione quadam latina reconditiore, 1861). 

AI ab ar da, labarda it., sp. pg. alabarda, fr. hallebarde (h asp.) 
eine waffe, die den spieß mit dem beil vereinigt, hellebarte; vom mhd. 
helmbarte, helnbarte, über dessen Zusammensetzung sehe man Frisch I, 
442* , Schmeller II, 182, Grimm III, 442, Weigand I, 496: es ist eine 
barte d. h. ein breites beü zum durchhauen des helmes. Die getreueste 
form ist churw. halumbard. 

Alano it. sp., pg. aläo, altfr. alan dogge, bullenbeißer; gewiss von 
einem völkernamen. Menage zeigt, daß man Alanus für Albanus gesagt 
habe, und so ist ihm alano ein hund aus dem heutigen Albanien = Epirus 
s. v. a. lat. molossus, gleichfalls aus Epirus. 

Alba it. sp. pr., pg. chw. alva, fr. aube morgenröthe; von albus 
hell, heiter, wie in Stella alba, wal. zioej albe heller tag: vgl. lux albescit, 
coelura albet, bei Dante il sol imbianca i fioretti die sonne färbt die 
blümchen weiß. Aber Ariost gestellt dem morgenroth mehr färben zu: 
poi che Faltro mattin la bella Aurora Taer seren fe' bianco e rosöo 
e giallo 23, 52. Wal. aurore 3 , das volksübliche wort aber ist zörile 
(Clemens worterb. 334), das aus zi tag und oare zeit zusammengesetzt 
scheint. 

Alb an pr., dsgl. albanel, it. albanello, fr. aubrier ein stoßvogeh 
Das entsprechende pg. alväo (Constancio, fehlt bei Moraes) soll einen 
andern vogel bezeichnen. Die etymologie betreffend, so erklärt das Dict. 
de Trevoux aubrier aus aubfere weiß und gefleckt, von albus. 

Alberare it., sp. arbolar, enarbolar, fr. arborer aufrichten (wie 
einen mastbaum), von arbor, it. albero, altit. albore u. s. f. Das verbum 
drückt hier eine thätigkeit aus in der weise seines primitivs: so lat. vitu- 
lari springen wie ein kalb, it. piombare fallen wie blei, brillare glänzen 
wie beryll, braccare umherspüren wie ein brocke. 

Albercocco, auch albicoeco und bacoco it., sp. albaricoque, pg. 
albricoque, fr. abricot, neugr. ßeQVAoxov eine frucht, aprikose; von prae- 



I. ALBERGO-ALCUNO. 11 

coquus frühzeitig, weil sie früh reif wird, früher zumal als ihr nächster 
verwandter der pfirsich. Im mittelgr. nqar/.6niuov, nQanöxxiov hat das 
lat. wart sein sorgfältigstes abbüd gefunden; auf die rom. formen aber 
hat das arab. al-berqüq, worin das dem Araber fehlende p zu b werden 
mußte, denn es ist ein fremdes wort (Freyt. I, 112 b ), sichtbarlich einge- 
wirkt. Im neapolitanischen haftet noch das aus dem griechischen gebil- 
dete crisuommolo (xqvo6-iit}Iov). — [S. dazu Mahn p. 49, Engelmann 13, 
Dozy, Oosterlingen p. i.] 

Alb ergo it. altsp., nsp. pg. albergue, pr. albere, dltfr. herbere 
(helberc Jlexs.65), dsgl. fem. pr. alberga, altfr. herberge das. 116 und 
überall oft, nfr. auberge wirthshaus; vb. it. albergare, sp. albergar, 
pr. albergar und arbergar, fr. höberger (ohne asp.) altfr. herbergier; 
vom ahd. heriberga (f.), altn. herbergi (n.), vb. ahd. heribergön. Das 
altfr. bewahrte noch die alte bed. Icriegslager: ses herberges et ses foil- 
lies zdte und hätten des heeres Brt. II, 160, les herberges de Tost das. 
p. 163. Das schwanken im genus mag in der gleichen erscheinung der 
deutschen Wörter seinen grund haben. 

Aleali it. sp. u. s. f., vom arab. al-qali aschensedz Freyt. III, 494". 

Alchfmia it., sp. pg. alqufmia, pr. alkimia, fr. alchimie, mittelgr. 
dgxtyua die hunst gold zu machen, dsgl. it. sp. pg. ehimica, /r.^chimie 
scheidekunst; vom arab. al-k!mi& Freytag IV, 75 h , das aber aus keiner 
einheimischen tcurzel herrührt; gr. x^ula erst bei Suidas. Das genaueste 
darüber hat Mahn p. 81—85 geliefert, welcher unter den verschiedenen 
herleitungen der aus gr. fvn6$ (flüssigkeit, soft) den Vorzug zuerkennt. 

Alcohol reinster Weingeist; vom arab. al-ko f hl einpülver die äugen- 
brauen zu schwärzen, $. Golius 2007, Freytag IV, 15* : wegen der fein- 
heit dieses pulvers ward der name auf den Weingeist übergetragen, eine 
der arab. spräche unbekannte bedeutung. So Pihan gloss. des mots frang. 
tires de Varäbe. — [Genaueres bei Mahn p. 107.] 

Alcöva it., sp. pg. alcoba, fr. alcöve (f.) nebenzimmer. Grimm 
III, 429 und andre Sprachforscher halten es für deutsch, indem sie ein 
ahd. alah-kovo annehmen (alah heißt tempel, kove wäre das nhd. kofen). 
Da es indessen erst aus der span. in die übrigen mundarten eingeführt 
und darum auch nicht ins mitteUatein aufgenommen ist, so werden es die 
Spanier wohl aus dem arabischen geschöpft haben: hier bedeutet al-qobbah 
gewölbe oder zeit Freyt. III, 388* und kommt auch (in der form Alcoba) 
als name eines portugies. dorfes vor, s. Sousa. Im prov. findet sich über- 
dies aleuba GO, Flam., im altfr anz. aueube, welche derselben herkunft 
sein müssen und die arab. bed. zeit bewahrt haben, wie sich z. b. aus der 
stelle tendre les aueubes de lin die leinenen zelte aufschlagen Er. En. 
4102 klar ergibt. 

Aleuno it., sp. alguno, pg. algum, pr. aleu, fr. aueun, unbestimmtes 
pronomen, zsgs. aus aliqui unus. Es gibt ein altfr anz. ursprünglich bur- 
gundisches pron. alquen, auquen, alcon masc. (fem. aueune), bei welchem 
zu untersuchen bleibt, ob es aus aliqui homo (alc'uen alc'on) zusammen- 



12 I. ALENARE-ALLODIO. 

gesetzt ist, wiewohl es übrigens auch adjectivischen gebrauch erlaubt: ju 
querroie aucuen solaz SB. 572 ; mit sp. alguien kann es wenigstens nicht 
identisch sein. Die norm, mundart kennt auch das parallele cascons für 
quisque s. Wright, Anecd. p. 88, chescon Ben. app. IIL, 471; überdies 
ascons (aliquis horao?) LG. 50, ascun Wright, Polit. songs p. 137. 

Alenare it., pr. cot. alenar athmen, fr. halener (h asp.) tcittern; 
sbst. it. alena, lena, pr. aleua, fr. haieine (ohne asp.) atJiem. Das ver- 
bum ist umgestellt aus lat. anhelare keichen, bei späteren auch athmen: 
it. anelare, sp. anhelar (letzteres bei Pougens, Arch. fr. I, 50); das sbst. 
entsprang aus dem verbum, wenigstens steht seinem- ableitung aus halare die 
Seltenheit und Unsicherheit des suffixes ena entgegen. Über sp. aliento s. IL b. 

Alf ido, auch alf iere it., sp. alfil, arfil, pg. alfil, alfir, ältfr. aufin 
lauf er im schach ; vom pers. fil elephant, mit arab. artikel al-fil, s. Du- 
cange y. alphinus, vgl. dagegen Pott in Lassens Ztschr. IV, 12. 

Algebra it., sp. älgebra, fr. algöbre buchstabenrechnung; vom arab. 
al-gabr Wiedereinrichtung zerbrocJiencr dinge, eine dem Span, worte noch 
anhängende bedeutung, daher Vereinigung zu einem ganzen, darstellung 
verschiedener Operationen mit wenigen zeichen. S. Golius 462, Freytag 7, 
239 b . . Es ist gegen die regd, daß in diesem worte der accent auf dem 
arab. artikel ruht. 

Algo sp. pg., pr. alque, alques, altfr. auques (noch jetzt lothr. 
öque, champ. yauque u. dgl.) neutrales pronotnen; von aliquod, aliquid. 
Dsgl. sp. alguien, pg. alguem, vom acc. aliquem. 

All arme it. (m.), sp. pr. alarma, fr. alarme, wal. lärme, lärm, 
lärmschlagen; vb. allarmar e ff. ; von dem ausruf all 1 arme! zu den waffen! 
Daher occ. alarmo interjeetion der Verwunderung, it. arm' arme! Buom- 
mattei trattat. 18, 3. 

Allegro it., sp. pr. alegre, fr. alfegre munter, nebst vielen ableitun- 
gen; von alacer alacrem, mit fortgerücktem accent alacrem. Das wort 
scheint in betracht seines aus a entstandenen Umlaufes e ursprünglich 
französisch, wenigstens war ältfr. halaigre ein sehr üblicher ausdruck und 
hat sich auch als geschlechtsname Aligre fortgesetzt. Die ursprünglichste 
form zeigt das bask. alaguera. 

Allevare it., pr. alevar fr. elever aufziehen, erziehen, von alle- 
vare, elevare ; eigentl., nach einer alten sitte, ein kind vom boden aufheben 
um es zu erziehen, lat. tollere puerura in gleichem sinne. Es hängt also 
nicht zusammen mit dem religiösen gebrauche des hebens aus der taufe, 
mlat. levare de sacro fönte, der sich nur auf den pathen bezog. Daher 
sbst. altsp. alevo täufling, it. alievo, fr. öleve zögling. 

Allojlio it., sp. alodio, pr. alodi und aloc, alo, fr. alleu freies 
erblehcn. Sämmtliche formen passen in das mlat. alodium, selbst das pr. 
aloc, dessen auslaut aus derselben Verhärtung des di = dj entstand, wie 
der von fastic, lat. fastidium ; zu aloc aber verhält sich fr. alleu wie zu 
foc feu, zu loc lieu. Alter als alodium ist alodis in der L. Säl. und mü 
diphthong statt des langen vocals alaudes in westgoth. Urkunden. Grimm, 



L ALLODOLA— ALMIRANTE. 13 

Rechtsalt. p. 493. 950, verfnuthet in diesem wort ein deutsches composi- 
tum al-öd c ganz eigen \ Müllenhoff zur L. Sal. p. 278 wendet einen for- 
mdien mangel ein, da ahdeutschem 6t salisches aut (alaudis für alodis) 
entsprechen müßte und nimmt lieber fremden Ursprung an. Von roman. 
seite läßt sich nur erinnern, daß die form alodis besser befriedigt, daß 
alaudis regelreckt pr. alau (alauc), altfr. aloi erzeugt hätte (vgl. pr. 
And-oart = westgoth. oder bürg, aud —), daß also die roman. formen 
genau zu der salischen stimmen. ' Wenn das spätere mlatein alödium 
scandierte (alodium fundum dicas, fundum raaris imum s. Ducange), so 
ist dies für die etymologie ohne bedeutung. 

Allodola, lodola, it., bei Dante Par. 20, 71 alodetta, sie. lodana, 
altsp. aloa J. Manuel ed. öayangos p. 250 h , aloeta (aluda Canc. de B.), 
nsp. alondra, pr. alauza, alauzeta, altfr. aloe (davon altn. 16a nach Grimm, 
Reinh. Fuchs p. 370), nfr. alouette, mlat. laudila Gl. lind., laudula 
Nyerup. 268, Hoffm. Sumerl. 10*, 27 b ein vogel, lerche. Von alauda, 
gallisch nach Plinius und Sueton, daher Gregor v. Tours 4, 31 sagt: 
avis corydalus, quam alaudam vocamus (wir Gallier). J. Grimm über 
MarceUus Empir. findet das gallische wort im Tcymr. uchedydd schweben- 
der vogel, lerche, andre verweiseti auf das bret. alc'houöder, Tcymr. alaw- 
adar vogel der harmonie, s. Le Gonidec Dict. fr. bret. p. p. Villemarque 
p. rtt. Man sehe die neueren Untersuchungen von Mahn p. 22, Diefenbach, 
Orig. europ. p. 219. Den äußersten westen und osten des gebietes hat 
dieser fremdling nicht erreicht: der Portugiese sagt dafür cotovia, der 

Wdlache ciocerlän. 

> 

Almanacco it., sp. almanaque, fr. almanac kalender. Man hält 
es, von der silbe al verführt, für arabisch und erklärt es aus dem vb. 
mana'ha zählen, welches aber nicht arabisch, sondern hebräisch ist An- 
dre, auch Jos. v. Hammer, denken an al-mana'h (oder, wie Mahn in seiner 
gelehrten Untersuchung berichtigt, al-minhat) gesehen!: vom verb. mana r ha 
schenken Freyt. IV, 213 a , der kalender wäre ein geschenk. Aber auch dies 
ist sehr zu bezweifeln, da die kalender der Araber sich durchaus nicht 
zu geschenken eignen, ihr name auch ein ganz andrer ist, taqutm. So 
bleibt die herkunft des Wortes noch unentschieden; s. Dozy., Oosterl. p. 11. 

Almirante it. sp.pg., pr. amiran, altfr. aiuirant, dsgl. pr. amirat, 
entsprechend altfr. amirö und oft amiraut (nom. — aus, — aux), ferner it. 
almiraglio, ammiraglio, pr. amiralh, alt- und neufr. amiral und admiral 
(so noch bei Nicot und weit späteren), mlat. amiratus, admiratus, adini- 
raldus, admiralins, admirabilis (altfr. amirafle) fürst der Sarazenen, be- 
fehlshdber einer flotte; vom arab. aintr fürst, befehlshaber Freyt. I, 59*. 
Erst durch die Sicilianer und Genuesen soll das wort seine specielle jetzt 
noch gültige bedeutung empfangen haben, s. Ducange v. amir. Die mit 
al anhebenden formen danken diese silbe der einmischung des arabischen 
artikels. Nach Mahn p. 7 und Engelmann p. 54 ist das fr. amir-al die 
dem original am nächsten kommende dar Stellung, insofern sie nämlich den 
arabischen £tfcJanifr-al-bahr d. i. befelilshaber des meeres, allerdings nach 



14 L ALMÜSSA-AMALGAMARE. 

dbfall des letzten Wortes, buchstäblich wiedergibt. Vergleicht man indessen 
almir-ante, worin eine anbädung an command-ante oder imper-ante nicht 
zu verkennen ist, so fühlt man sich gedrungen, auch in amir-al eine solche 
und zwar etwa an Wörter wie general (fddherr), oficial (officier) u. a. an- 
zuerkennen, während die sufßxe anderer formen gar keine oder wunder- 
liehe bedeutungen ausdrücken. Im prov. und (üt franz. heifit unser wort 
ohnehin niemals seebefehlshaber, sondern beherrscher der ungläubigen ; ein 
troubadour nennt selbst den belierrscher der Deutschen mit diesem namen: 
dels Alamans, s'ieu fos lur amiratz LR. LL, 72. Bekannt ist aus den spa- 
nischen romanzen der titel almirante de la mar, dessen letzte worte den sinn 
Ergänzen müssen. [Dieser ansieht ist auch Dozy, Osterl. p. 5, beigetreten.] 

Almussa pr., fr. aumusse, altfr. aumuce {daher mnett. almutse, 
amutse), sp. almucio (Seckendorf), pg. mursa; dimin. pr. almucela, 
attpg. almucella, almocella, sp. almocela, in Urkunden almucella, almo- 
$ala, dsgl. altfr. aumucette, sp. muceta,#. mozzetta. Diese Wörter bedeu- 
ten eine bis auf die schultern herabfallende kopfbedeckung zumal der geist- 
lichen, oder auch, in den diminutiven formen, ein kurzes mäntelchen. Der 
arab. spräche gehören sie nicht, wenn sie auch, wie viele andre, zum theä 
den arab. artikel an sich gezogen haben: sie sind offenbar identisch mit 
unserm mutze, ndl. mutse, das man aus dem vb. mutzen (abstutzen) er- 
klärt. Vgl. unten mozzo. 

Alna, auna, alla it., altsp. dltpg. pr. alna, nsp. ana, fr. aune eUe. 
Zunächst gewiss vom goth. aleina, ahd. elina, wozu auch das genus stimmt, 
aleina aber nach Grimm III, 559 aus dem lat. ulna geformt. Ziemlich 
vollständig spricht sich das deutsche wort aus im ndat. alena Eist, du 
Dauphine II, 283. 

Altresi it., sp. otrosf, pg. outrosim, pr. altresi, atresi, altfr. au- 
tresi, adverUum der vergleichung; von alterum sie. 

Altrettale it., sp. otro tal, pg. outro tal, pr. altretal, atretal, altfr. 
autretel, pronomen; von alter talis. Prov. atrestal von alterum-sic talis. 

Altrettanto it., sp. otro tanto, pg. outro tanto, pr. altretan, atre- 
tan, altfr. autretant, pronomen; von alter tantus. Prov. atrestan von 
alterum-sic tantus. 

Alzare it., sp. alzar, pr. alsar, ausar, fr. hausser (h asp., vgl. 
baut IL c), wal. inaltzä erhöhen; von altus, gleichsam altiare. Erwäh- 
nung verdient das franz. compos. exbausser (pr. eissausar, sp. ensal- 
zar), weil es in exaucer eine besondere form mit der bed. 'eine bitte er- 
hören angenommen, denn dieu a exauce mes prieres heißt ursprünglich 
'gott hat mein gebet erhöht, begünstigt*. 

Amäca it., sp. hamaca, umgestellt amahaca, pg. maca, fr. hamac 
(b asp.) hängebett; vom ndl. hangmat, hangmak. Das wort findet sich 
auch im karaibischen und soü nach einigen durch die westindischen See- 
räuber verbreitet worden sein, s. Pott, Doppelung cet. p. 83. 

Amalgamare it. u. s. w. verquicken d. h. ein metall mit Queck- 
silber verbinden; vom gr. fidkayfia erweichung. 



I. AMARICARE-AMBASCIATA. 15 

Amaricaretf., auch amareggiare, sp. pg. pr. amargar bitter machen, 
erbittern von amarus, das verbum bereits im frühsten nilatem, s. Ducange 
undClass. auct. VI, 606 b ; adj.sp.pg. amargo, cal. amarg, dsgl. amar- 
g0 80, spätlateinisch amaricosua Quicherat Add., sbst. amargo r, letz- 
tere durch eintcirkung des verbums so gebildet. Zsgs. it. rammaricarsi 
sich beklagen, ramm&rico klage, verdruß, vgl. adj. amaro kränkend, 
beschwerlich^ sie. amaru betrübt, wal. amar interjeetion des Schmerzes, 
ebenso attpg. amaro de mi! GVic. II, 465. 

AmsitTSLYsp.pg., amarrer fr. ein schiff festbinden; sbst. amarra, 
amarre das dazu dienende tau; dsgl. fr. dämarrer ein schiff losbinden. 
Nach Pougens, Trisor I, 56, vom arab. marra ein seil drehen, marr seil 
Frei/tag TV, 163 k . Es fehlt allerdings nicht an arab. schifferausdrücken 
im roman.; nähere ansprüche aber hat sicher das ndl. marren, merren, 
mhd. merren anbinden, befestigen, ags. merran zurückhalten = ahd. marr- 
jan, vgl unten marrire. 

Ambasciata und imbasciata it., sp. embaxada, pr. ambaissada 
und masc. ambaissat, fr. ambassade, it. auch ambasceria, botschaft, 
gesandtschaß; it. ambasciadore ff. botschafter. Ambasciata stammt 
vom mlat. ambactia dienstverricktung , auftragt si in dominica ambactia 
(cd. ambaxia) fuerit oecupatus L. Sah, auch in der L. Burg., bei Colum- 
banus (um 560) u. a.; dies muß eine abteitung sein aus dem von Caesar 
De bell. galt. 6, 15 für dienstmann gebrauchten ambactus: (equites) cir- 
cum se ambactos clientesque habent, und zwar eine noch in römischer 
seit, wenigstens vor festsetzung des romanischen sprachcharakters, ent- 
standene ableüung, da der Romane das Substantivsuffix Ta zu neubüdun- 
gen nickt zuläßt. Ambactus also gab das abstractum ambactia, welches 
man, seit t vor tonlosem i zum Sibilanten geworden, d. h. im ersten mittd- 
atter, in Frankreich ambaesia aussprechen, ambaxia schreiben mußte: 
hieraus erst das it. ambasciata, welches nicht zu ambactia passt, denn 
scia aus ctia wäre beispiellos; denselben durchgang durch das fr. ambaxia 
muß auch das sp. embaxada genommen haben. Auch das vb. ambasciare 
eine botschaft verrichten war dem früheren mtatein bekannt, woraus sich 
die an der spitze dieses artikels stehende participialableitung zunächst er- 
klärt; das prov. mascuUn findet sich schon im Capittdare de vülis (am- 
baseiatum) vorgebildet. Ambactus, bemerkt Festus, apud Ennium Lingua 
gallica' serrus appellatur. Hiernach ist es ein gallisch-lat. wort, und da- 
bei kann die romanische etymologie stehen bleiben. Bekanntlich erkennen 
Zeuß und Glück darin das kymr. amaeth ackersmann, werkmann, für 
ambaeth, J. Grimm das goth. andbahts diener 9 ahd. ambaht; man sehe 
darüber Diefenbachs neue Untersuchung des Wortes, Orig. europ. p. 226. — 
Zu ambasciata gesellt man auch das it. am ba scia angst, beklemmung, 
bei Dante zweimal infernale ambascia höllenpein, vb. ambasciare keichen, 
athendos sein, angst empfinden, zsgs. trambasciare und strambasciare. 
Daß die Vollziehung eines auftrages beschwerlich sein kann, versteht sich, 
aber beklemmung ist keine nothwendige begleiterin derselben; selbst tra- 



16 I. AMBIARE— ANCA. 

vaglio ist nie zu dieser höhe der bedeutung hinaufgestiegen, Erich (Ericus) 
in seiner wenig bekannt gewordenen ldv&Qio7voyXioTToyovia Venet. 1697 
§. 417 zieht dies wort darum aus dem gr. dqxxola Sprachlosigkeit, stumm 
machende angst; ist nun die Variante duqxxoia nicht eine bloß poetische 
dem metrum zu gefallen geschaffene, so verdient diese deutung alle rück- 
sieht: die lat. betonung war amphäsia, it. amfascia (vgl.ayoQaaia, it. gras- 
cia), durch einen tausch des labials, vielleicht um die erinnerung an fas- 
cia wegzuräumen, ambascia. Daß es den schwestersprachen versagt ist, 
gibt der herleitung aus dem griech. einige berechtigung. Hierzu abait II. c. 

Ambiare it., sp. pg. pr. amblar, fr. ambler den pass gehen (von 
pferden), mlat. ambulare, in dieser ausschließlichen bedeutung unclassisch 
und erst etwa seit dem 9. jh. im gebrauch. Dem wal. umblä fehlt diese 
bedeutung, t dagegen ist es in der ursprünglichen ganz volksüblich geblieben. 

Ambra it. (f.), sp.pg. ämbar und alambar, alambre (m.), fr. ambre 
(m.) bernstein, mhd. amber, ämer, nhd. ambra, ein harziger stoff aus dem 
Orient; zunächst von dem arab. c anbar (zugleich name eines Seefisches), 
das aber in dieser spräche selbst keine würzet hat, s. Freytag III, 227 b . 

Ämido it., pg. ämido, amidäo, sp. almidon, fr. amidon stärke zum 
steifen der wasche; von amylum (afivlov) kraftmehl. Es ist das einzige 
beispiel eines gemeinrom. Überganges von 1 in d, mlat. am i dum Dief. 
Gloss. lat. germ. 

Ammainare it., sp. pg. amainar, fr. amener (Jes voiles) die segel 
einziehen. 

Amonestar sp. pr., pg. amoestar, altfr. amonester, nfr. admon&er 
warnen, ermahnen, prov. auch monestar; altfr. sbst. monneste TFr. p. 
446; weder im italienischen bekannt noch im mütellatein. Doch wohl von 
monitare bei Venantius Fort., aber mit eingeschobenem 8, um nicht mon- 
tar zu sprecJien, wie vantaf aus vanitare ward; also eine scheideform, 
aber eine der seltsamsten. Darum gebührt der folgenden deutung eines 
französischen etymologen genaue erwägung. Der Romane muß admönere 
gesprochen haben, wie er summönere (semondre) sprach: jenes verbum 
gewährte ihm ein partieip admonestus, daher admonestare, admon^ter. 
S. Littre, Hist. d. I. I. fr. I, 34. Genau erwogen, gewahrt es ihm ein 
pari, admost nach dem muster von somost, vielleicht selbst admonst, da 
die substantiva somosta* und somonsa vorkommen, daher denn das verbum 
admonstar, zur tilgung der härte admonestar. Diese hülfeleistung des e 
vor s scheint aber nicht minder bedenklich als die des s vor t. 

Ananas it. sp. fr. eine südamericanische staude sowie deren frucht, 
pg. ananaz in letzterer, ananazeiro in ersterer bedeutung) der name mit 
der sache nach Europa gekommen. 

Anappo, nappo it., pr. enap, altfr. hanap, henap (h asp.); vom 
ahd. hnapf, früher hnap, im munde der Romanen hanap (so bereits in 
den Casseler glossen), nhd. napf. Eine ableitung ist altfr. hanepier hirn- 
schale, eigentl. gefäß, in beziehung auf ihre form, wie testa. 

Anca it. sp.pg.pr., hanebe fr. (h asp.), daher engl, hauneb, hüfte, 



L ANCHE. 17 

plur. sp. pr. ancas kreuz der lastthiere; zsgs. it. sciancato, fr. 6hanch6 
lendenlahm. Zwei etymologien liegen vor: vom gr. ayxt] bug, biegung, 
und vom dtschen anke, ahd. ancha genick, eigentl. wohl einbiegung. Den 
griech. stamm hat die roman. spräche auch sonst benutzt (vgl. anco II. b) 
und Festus erwähnt selbst ein lat. ancus ( gui aduncum brachium habet 
ut exporrigi non possif. Aber das deutsche Wort lag 7 zumal in seiner 
speciellen anwendung (gelenk), dem Romanen näher als das griechische und 
das su den alterthümern der spräche gehörige lateinische. Entschieden aus dem 
ahd. ancha in der bed. tibia, crus ist fr. anche röhre, wovon banche durch 
die aspiration (vgl. dazu fries. hancke, hencke KU.) geschieden ward. 
Anche, anco it., chw. aunc, aunca, partikel s. v. a. lat. etiam (auch, 
noch), pr. anc, altfr. ainc s. v. a. unquam, wai. ince s.v. a. adhuc. Im 
Leodegar trifft man hanc in itdl. bedeutung: hanc la lingua auch die 
zunge 27, et hanc en aut merci si grand er hatte auch so große gnade 
mit ihm 31. Dazu die Verbindungen pr. anc mais, anc sempre, ancse. 
Die entstehung dieser partikel läßt sich auf verschiedene weise denken. 
Prov. anc z. b. könnte aus fr. onc (unquam) entstanden sein etwa wie 
ara aus ora ; es wird ebenso nur verneinend gebraucht und nur auf die 
Vergangenheit bezogen: anc non fo hom = onc ne fut hom, und so ist 
auch anc mais = fr. onc mais, it. unque mai. Aber es ist nicht rath- 
sam, das prov. wort von seinem ital. gefährten zu trennen, mit dem es in 
einem alten denkmal gleichbedeutend erscheint. Zu erwägen ist femer 
adhuc, dessen sinn (bis jetzt, noch dazu, sogar) das rom. wort vollkom- 
men ausdrückt: auf diese weise würde sich auch das sp. aun (wofür der 
Portugiese ainda setzt) damit vereinigen lassen. Dessen herkunft aus ad- 
huc ist unzweifelhaft: mit eingeschobenem n entstand ädunc äunc, mit 
apocopiertem c dun, welches von den Alten noch zweisilbig gesprochen und 
darum auch ahun geschrieben ward, s. Tierceo p. 154, 320. 203, 172. 
368, 628; denselben Vorgang zeigt aitsp. nin = lat. nee, pg. assim = 
sie, allin GVic. 93* = illic. Darf man ein solches rhinistisches adunc 
annehmen, das auch durch das altfr. ainsinc aus aeque sie unter- 
stützt wird, so konnte dies im itdl., worin d zwischen vocalen nicht leicht 
ausfällt, kaum anders lauten als ad'nc ai\p anche. Damit trifft das pr. 
anc zusammen, wiewohl a hier vielleicht aus au vereinfacht ist, vgl. anta 
aus aunta. Es ist noch eine dritte etymologie gedenkbar, aus hanc sc. 
horam {vgl. wegen des zu supplierenden Substantivs it. issa sc. hora), von 
seiien des buchstabens geunss die einfachste, von Seiten des begriffes aber 
in so weit minder genügend, als außer horam auch noch ad suppliert 
werden muß. — Für altfr. ainc wird zuweilen mit beigefügtem s ains 
gesetzt, z. b. Alexs. 66, 3, was von ains = sp. antes zu scheiden ist. — 
Hier kommen noch zwei composita in erwägung: pr. anc-ui, altfr. enc-ui, 
altit. u. mdartl. anc-oi heute; pr. anca-nuech, altfr. enque-nuit, diese 
nacht. Das darin enthaltene anc konnte unser rom. wort sein, im zweiten 
compositum euphonisch erweitert in anca (vgl. chw. aunca); der eigent- 
liche sinn wäre alsdann *noch heute, noch diese nacht 3 . 

2 



18 I. ANCINO— ANDARE. 

Ancino it., sp. anznelo, pg. anzol, fr. hameQon haken, angel; 
sämmtlich aus hamus abgeleitet 

Andana com.piem. 1) gang d. i. Haltung im gehen, auch lebensweise, 
2) räum, den der mäher mit einem schritt durchmißt, fr. andain (m.) in 
der zweiten bedeutung, norm, andain (m.) schritt, in Berry läge des ab- 
gemähten grases, sp. andana, pg. andaina überh. läge, reihe. Nahe liegt 
andare gehn, wiewohl das franz. wort nicht mit aller zusammentrifft; die 
grundbedeutung wäre schritt, woran sich der räum eines Schrittes in dem 
bemerkten sinne, endlich läge, reihe knüpfte: auch unser Schwaden be- 
zeichnet sowohl den von der scnse bestrichenen räum als auch die reihe 
oder läge der abgemähten Halmen. Dazu kommt noch ein wort mit un- 
gewöhnlichem nicht sicher zu beurtheilenden suffix, altsp. andamio Hal- 
tung im gehn, mlat. andamius (aera 1036) gang, Zugang, cdtpg. andamo 
mit ders. bed., vgl. henneg. andame = fr. andain; auch sp. andamio, 
pg. andaimo, andaime, bask. aldamn gang auf dem wall oder der mauer, 
dsgl. baugerüste, in welcher bedeutung man es für arabisch hält, kann 
hieher gehören. 

Andare it., sp. pg. andar, cot. pr. anar, wäld. annar, lomb. anä 
gehen. Der Franzose hat ein anderes wort, aller; dem Churwälschen 
und Walachen fehlt das eine wie das andre: jener setzt sich ein verbum 
zusammen aus ire, vadere und meare (doch hat man neuerlich in einem 
theile dieses gebietes auch amnar entdeckt, Zeitschr. für vergl. sprachf. 
VIII, 231), dieser braucht mearge, dessen starke flexion (mearsei, mers) 
latein. Herkunft verräth, also etwa auf emergere (hervorkommen) zurück- 
zufuhren ist, wenn nicht das alban. mergönem 'ich entferne mich y auf 
seine bedeutung eingewirkt hat Im span. und port. ist das verbum voll- 
ständig, im ital. war es ehemals gleichfalls vollständig und ist es noch in 
mundarten z. b. der sardischen,' ergänzt oder mischt sich aber jetzt in der 
art mit vadere, daß jenes die flexionsbetonten, dieses die stammbetonten 
formen hergibt: vo, vai, va, andiamo, andate, vanno; andava; andai 
u. s. f. Der grund dieser mischung liegt ziemlich nahe. Schon im latein 
steht rädere defectiv da, es entbehrt des peffects nebst den daher abge- 
leiteten Zeitformen; nur der späte ^Tertullian sagt einmal vasit. Für dies 
fehlende tempus konnte die neue spräche das umfanglose ivi, das noch 
dazu in ii zusammenschwinden mußte, nicht brauchen; sie schuf sich ein 
bequemeres verbum, andare, das nicht nur in das perfect und imperf. conj. 
(andai, andassi), sondern, da es im infinitiv flexionsbetont ist, allmählich 
in alle flexionsbetonte stellen des Schemas eintrat, während das stammbe- 
tonte vadere in den stammbetonten stehen blieb. Es findet also hier ein 
Wechsel statt, dem sich der zwischen esco von exeo, und nscire, das sich 
an ostium anlehnt, vergleicJten läßt: esco, esci, esce, usciamo, uscite, 
escono. — Was nun den Ursprung von andare betrifft, so könnte man 
die sache kurz abthun: es wäre umgestellt aus lat. adnare Her schwimmen, 
welches Papias gradezu mit venire übersetzt, die prov. form würde sich 
gut aus annare erklären; ward ja doch auch arrivare durch eine ähnliche 



I. ANDARE. 19 

ansehauung aus adripare anlanden. Doch ist es rathsam sich weiter um- 
zusehen. Vor allem ist ein lat. verbutn von ähnlichem klänge, ambulare, 
zu erwägen, das um so mehr berechtigt scheint, als das frühste mlatein 
sich dessen ganz im sinne von andare bediente (letzteres erst in Urkunden 
v. j. 972 u. 986, s. Muratori s. v. andare), wie z. b. ein longob. gesetz 
in der phrase ad maritum ambulare = it. andare a marito; es macht 
sich sogar der eben berührte Wechsel zwischen diesem verbum und vadere 
bemerklich, der freilich nicht regelmäßig sein kann, da die Volkssprache 
selbst noch das vollständige andare besaß. So liest man z. b. ambulando 
ubi voluerit . . . vadat ubi voluerit Brun. 532 (v. j. 749); qui ad ma- 
ritum ambulaverint ... et postea vadant Lup. 646 (v. j. 806). Allein 
dieser nüat. brauch zeigt nur, daß man ein bekanntes lat. wort einem 
ähnlich lautenden roman. unterschob, wie man z. b. corte, fr. cour, häufig 
mit curia wiedergab; er beweist nichts für den Ursprung von andare. In 
der (hat ist seine entstehung aus ambulare wenigstens auf ital.' gebiet 
gegen alle analogie; auf spanischem kann sie sich auf einen einzelnen 
ähnlichen fall, sendos aus singulos, sing los berufen, aber das formell 
nähere amylum gab doch amido, nicht ando. Vollständiger genügt ein 
aus ambire abgeleitetes verbum, ambitare, entsprechend dem lat. itare aus 
ire, zsgs. ambtare amtare, mt aber ward zu nd wie in conde, duendo, 
lindar, senda aus com'tem, dom'tum, lim'tare, sem'ta. Der Frovenzale 
sagt anar mit syncopiertem d; da aber seiner mundart diese syncope sonst 
nicht zusagt, so ist einfluß des cat. anar, das sich verhält wie manar oder 
fonar aus mandar, fondar, anzunehmen. Indessen steht dieser etymologie 
die ital. form andare im wege, indem diese mundart mt niemals durch 
nd wiedergibt, einfuhrung aber eines Wortes dieser ort aus Spanien ganz 
unwahrscheinlich ist. Muratori räth, vielleicht nach Ferraris schwankender 
andeutung, auf lat. aditare und ohne zweifei hat er das richtige getroffen. 
Ennius braucht es einmal (ad eum aditavere) ; seine bedeutung ist c oft 
hinzugehen, also c hin und hergehen, und grade diese bedeutung spricht 
sieh noch in verschiedenen roman. ableitungen aus wie im sp. andante hin 
und hergehend, daher caballero andante ein irrender ritter, andorro hin 
und herschweifend, sard. andareddu mit derselben bedeutung. Die form 
macht nicht die geringste Schwierigkeit: n ward vor d eingeschoben um 
dem warte auf roman. weise mehr umfang zu geben wie in rendere aus 
reddere, ein verfahren, das sich mit dem Substantiv desselben Ursprunges 
it. sp. ändito aus aditus belegen läßt, mlat. v. j. 800 cum viis et aquis 
et anditis suis, s. Muratori und Ducange, und was den Schluß des Wortes 
betrifft, so ist altsp. altit. renda aus reddita zu vergleichen, der tägliche 
gebrauch verkürzte anditare endlich in andare. Günstiger für Muratori's 
etymologie wäre freilich antare gewesen, indessen erweicht sich nt wenig- 
stens im span. oft in nd, im ital. kommt dies seltner vor, aber es kommt 
vor (endivia, polenda, lomb. anda = fr. tante u. a.) — Andare hat 
etwas merkwürdiges in seiner flexion, indem das perf. altit. andiedi, an- 
detti, altsp. andide, andude lautete. Diese formen bewogen J. Grimm 



20 L ANDARE. 

das räthsdhafte verbum aus dem deutschen herzuleiten: andettero (3.plur.) 
entspräche einem altern goth. ididedun, prät. von gaggan gehn, dessen 
stamm in der longob. mundart and lauten mochte. Diese herleitung leidet 
an zu großer künstlichkeit und entbehrt alles historischen anhaltes. Andare 
und stere geben der roman. spräche zwei ganz parallele hülfsverba ab: ist 
es ein wunder, daß diese spräche auch ihre flexionen in einMang zu brin- 
gen suchte? Solche anbüdungen sind ja nichts seltenes. Sp. anduve ist 
daher = estuve, andido = estido, andudo = estudo, beide letztere ver- 
altete perfecta; ältit. andetti = stetti, andiedi = stiedi. Auch andre 
verba erster conj. wagte der Spanier so zu flectieren: entrido von entrar, 
catido von catar, demandudo von demandar. — Sonst wird andare auch 
vom deutschen wenden, wandern, wie aller von wallen hergeleitet; wer 
dies thut möge aber vorher den abfall des deutschen anlautes w als etwas 
auch nur einigermaßen übliches nachweisen. Span. Andalnz, Andalucia, 
wenn -es, was nicht ganz sicher ist (s. Bios, Lit. esp. II, 10), von Wan- 
dolus kommt, wäre freilich ein beispiel, allein dieses wort gieng durch den 
mund der Araber, welchen die roman. ausspräche des w wie gu in Guan- 
dalnz, Guandalucfa nicht zusagte und so findet sich auch impla für 
guimpla in einem mozarabischen missal. Wenden, goth. vandjan, ward 
richtig guandir, wallön hätte fr. ganler werden müssen. Mit besserm 
rechte könnte man ein celtisches verbum, kymr. athu, ir. eath (gehen) in 
anschlug bringen, genügte die herleitung aus der nächst berechtigten spräche 

nicht vollständig. Die franz. mundart hat weder ander noch aner, 

doch kommen in alten werken unzweifelhafte spuren des letztern vor: in 
der Chron. de Benoit I, p. 92 si qu'en exil nos en anium (wofür frei- 
lich auch aujum gelesen werden könnte), im Tristan (Chx. VI, 300) que 
vosanez por moi fors terre. Dafür bietet sie aller, altfr. aler (aber 
allar bereits Pass. de J. C. 114), das sich*ebenso mit vadere mischt wie 
das it. andare, nur daß es das ganze präs. conj. von dem eigenthümlich 
roman. verbum, das futur von ire entlehnt; eine volksmundart soll (für 
irai) vrai von vadere brauclien, s. Fuchs, Zeitwörter p. 311 (wenn dies 
nicht aus viendrai zusammengezogen ist). Was aller betrifft, so kann 
jenes veraltete nur vom norden des franz. Sprachgebietes eine Zeitlang fest- 
gehaltene aner kein bloßer provenzalismus, es muß ein achtes franz. wort 
sein; aner und aler, dieses aus jenem entstellt, können neben einander ge- 
golten haben wie venin und velin (venenum), orphenin und orphelin, so 
daß alle drei formen, andar, anar, aler, auf ein und dasselbe wort der 
lingua rustica zurückleiten, daß also auch hier ein zusammentreffen der 
mundarten statt findet, wie oft in noch abweichenderen gebilden. Vielleicht 
lassen sich noch reste ursprünglicherer formen von aditare hervorziehen. 
Comask. aitöe s. v. a. andato, ist es nicht unmittelbar aus aditato mit 
syncopiertem d entstanden, oder wie erklärt es sich sonst? Venez. aida 
s. v. a. vanne (imperat.), ist es nicht genau das gleichfalls syncopierte 
adita? Ja das walach. dem gr. devQO, devti, dem goth hin, hirjitb 
entsprechende defectiv aide, aidatzi (bei Clemens), passt es nicht ebenso 



I. ANGOSCIA-ANZI. 21 

zu adita, aditate, oder wäre es fremdes Ursprunges, da auch der Serbe 
ajde, äjdate spricht? Aus dem primitiv adire aber entstand vielleicht 
das bürg, sii (aYr) s. v. a. aller, in der mundart des Jura. — Von aller 
leitet sich das sbst. alläe gang, baumgang, das Ducange aus la 16e (laie 
IL c) entstanden wähnt, vgl. it. andata. ~ [Die Wichtigkeit des verbums 
andare hat später noch andre deutungsversuche hervorgerufen, die aber 
an dieser stelle nicht auseinandergesetzt werden können. Nur soviel werde 
bemerkt, daß man der oben zuerst aufgestellten deutung aus adnare den 
preis zuerkannt hat, ohne sie jedoch mit neuen argumenten zu unter- 
stützen.] 

Angoscia it., allsp. angbxa, pr. engoissa, fr. angoisse angst; vb. 
angosciare, angoisser ängstigen; von angustia enge, noth. Der neusp. 
ausdruck ist congoxa, auch pg. cot. congoxa, worin das vermeintliche 
präfix an mit con vertauscht ward, während der Provenzaie es sich durch 
en verdeutlichte. 

Anima it., pr. anma JBth., altfr. anme, nfr. äme, dsgl. mit 1 it. sp. 
pg. alma (in ersterer spracJie nur poet.), chw. olma, mit r pr. arma, altfr. 
arme, airme seelc, weil, inime seele, auch herz im physischen sinne; von 
anima athem, leben. Das masc. animns fehlt franz. und prov. und wird 
in einer seiner bedeutungen mit courage, coratge ersetzt. 

Ansia it. sp. pg., pr. aissa, altfr. ainse, aisse (s. glossar zu JBenott) 
angst, ängstliches verlangen, mlat. anxia Dief. Gloss. lat. germ. ; vom adj. 
anxins. Abgd. it. sp. ansioso, pr. aissos, altfr. ainsos ängstlich, sehn- 
süchtig. Die prov. mundart besitzt noch ein masc. ais, welches Widerwille 
zu bedeuten scheint: tant es cortesa senes ais M. 39, 5; no tem lo seig- 
nor del Bais, anz en mou contr 1 el tal ais LR. III, 610 (mit aide über- 
setzt): ob es = sp. asco ist, wie Raynouard meint LR. II, 41, steht da- 
hin: man müßte eine Umstellung acs annehmen. 

Antano sp., altpg. antanho, alt- und npr. antan, altfr. antan, en- 
tan adverbium für nähere Vergangenheit, im gegensatz zu hogano (s. ngu- 
anno) : pr. antan aic d'amor ses falha, mas non ai ognan sonst hatt 9 ich 
liebe genug, jetzt haV ich keine mehr Chx. III, 268. Von ante annum. 
Abgd. altfr. antenois, lat. annotinus. 

Anzi it., sp. pg. äntes, pr. cot. ans, altfr. ans, ains präposition 
und adverb 1) vor. ante, 2) vielmehr, potius; von dem in den meisten 
sprachen noch fortdauernden ante mit angefügtem adverbialen s, so daß 
die ital. form eigentlich für ansi stefd, vgl. diesen wandet des s bei vor- 
hergehendem n in senza, manzo u. a. Der herleitung aus antea wider- 
spricht die span. form und selbst im ital. war alsdann anza (vgl. poscia) 
zu erwarten, dagegen ist i eine bevorzugte endung der partikeln. Nur ist 
bei anzi zu erinnern, daß ein paragogisches s dem ital. Sprachbau wider- 
spricht: man müßte also hier die silbe zi als paragogisch annehmen, wie 
bei senza die sübe za. Menage stimmt für das unvorhandene, aber leicht 
einzuräumende antius, als comparativ von ante, welches sowohl anzi wie 
ains befriedigt, antes aber aus dem spiele wirft. Und doch muß es ein 



22 I. APE— ARANCIO. 

leitender grundsatz der Wortforschung sein, sofern der buchstabe nickt 
entschieden widerspricht, am gemeinsamen Ursprung gleichbedeutender und 
formell nahliegender Wörter verschiedener schwestersprachen festzuhalten. 
Eine dbleitung unmittelbar von ante ist it. anziano, sp. anciano, pr.' 
ancian, fr. ancien alt. Zss. mit präpositionen: it. avanti, pr. abans, 
avant, fr. avant, von ab ante, letzteres schon auf einer röm. inschrift; vb. 
it. avanzare, sp. pr. avanzar, fr. avancer fordern; sbst it. vantaggio 
für avantaggio, pr. avantatge, fr. avantage, sp. ventaja, pg. ventagem 
vortheil. Dsgl. it. d avanti, altsp. devant, pr. davans, fr. devant, von 
de ab ante; vb. pr. davancir, fr. devancer. Ital. innanzi, innante, 
altsp. enante, pr. enan, enans; vb. j?r. # enantar, enantir. Ital. di- 
nanzi, sp. denante, delante, pg. diante, pr. denan; it. dianzi u. a. m. 

Ape it., altfr. pic. es für eps biene, von apis; it. pecchia, sp. 
abeja, pg. pr. abelha, fr. abeille, von apicula, dimin. norm, avette. Da- 
her ferner it. apiario, pr. apiari, fr. achier (vrlt.) bienenhaus, lat. volks- 
mäßig apiarium nach Gellius, s. Born, gramm. I, 8. Auf waiachisch heißt 
das thierchen albine. von alvus bienenkorb. 

Appena it., sp. pg. ap&ias, fr. ä peine, adverb für lat. vix, von 
poena, wörtlich 'mit pein, mit noth\ also ungefähr wie lat. aegre oder 
ahd. kfimo mit beschwerlichkeit. Vix, das sich im sp. av6s erhalten, s. IL b. 

Appo it., präposition; von apud. Desselben Ursprunges ist pr. ab, 
amb, am, npr. emb, bearn. dap, cat. ab, wald. au (neben cum Ghx. II, 
cxlii), altit. am, altfr. ab (nur in den Eiden), sonst auch a und mit 
rücksicht auf das ursprüngl. d od, verkürzt o, im Leodegar auch ob. 
Schon im ältesten mlatein ward apud, später ab, für cum gebraucht 
(beisp. Born, gramm. III, 174), aber die erste bedeutung behauptet noch 
ihr recht, z. b. encusar ab alcun bei einem verklagen SLeg. 13, aprendre 
ab alcun bei einem lernen PO. 142; fud enseveliz od ses ancestres LRs. 
304. Zsgs. ist fr. avec, s. dies wort II. c. 

Ar ab es co it., üblicher rabesco, sp. arabescos, fr. arabesques Ver- 
zierungen mit laubwerk in der bildhauer- und malerkunst, meistens phan- 
tastischer ort; nach den Arabern genannt, deren religionsgesetze menschen 
oder thiere abzubilden verbieten. 

Araldo it., sp. haraldo, heraldo, alt haraute, pg. arauto, fr. häraut 
für höralt (h asp), sp. pg. auch faraute herold; vom mlat. haraldus, he- 
raldus, dem ein ahd. hariowalt lieerbeamter entsprechen konnte; als eigen- 
name ist bekannt Chariovaldus, alts. Hariolt, altn. Haraldr. 

Arancio it., mail. naranz, fem. ven. naranza, sp. naranja, pg. 
laranja (bask. larania), cot. taronja, wai.- neranze, mgr. vtQavtfyov, ngr. 
vBQctvrti, franz. aber orange, eine südliche frucht, pomeranze; zsgs. it. 
melarancia. Die alten nannten die äpfel der Hesperiden, sagt Scdma- 
sius zu Solin p. 955, aurea mala, das mittelalter vertauschte das ent- 
sprechende aurata mit dem pari. präs. aurantia um einen goldapfel zu 
benennen: hieraus entsprang fr. orange, und aus in -aurantia = inaurata 
das it. arancio. Allein aus aurantia, wenn man diese verirrung der 



I. ARATRO-ARDIGLIONE. % 23 

spräche zugibt, konnte nur orance werden, nimmer orange. Das wort 
kam vielmehr aus dem persischen durch das arabische nach Europa, wo 
es sich leicht einführte, weil ein bestimmter lat. ausdruck fehlte, pers. 
näreng, aardb. n&rang, Gol. 2346. Daß die frans, form aus einer um- 
deutung durch aurum entstand, ist unschwer zu erJcennen, rnlat. (ende des 
13. jh.) schrieb man noch arangia. — Von arancio ist das üal. adj. 
rancio, sofern es eine färbe bedeutet. 

Arätro, aratolo it., sp. pg. arado, cot. arada (f.). val. aladre, pr. 
andre, altfr. aröre, südwal. aratru, aratu pflüg. Nicht alle sprachen sind 
dem lat. worte treu geblieben. Im neueren franz. sagt man dafür charrue, 
von carruca kutsche, tragsessel, die lat. bed. noch im prov. und im mlatein, 
s. b. carruca, in qua sedere consuevi Breq. n. 250 (v. j. 700), die franz. 
bereits in den legg. barb., z. b. si quis caballum, qui carrucam trahit, 
furatus fuerit L. Sal. Nicot hat noch araire, nennt es aber ein mot lion- 
nois. Das franz. wort gelangte nach Portugal, wo es die form charrua 
annahm und eine besondere art des pfluges, und, da pflüg und schiff etwas 
verwandtes haben, auch ein lastschiff bedeutet. Auch pflüg ist dem roman. 
gebiete nicht fremd. Die L. Long, hat: si quis ploum (cd. plouum) aut 
aratrum alienum . . scapellaverit DG.: diesem plo-um entspricht das 
lomb. piö d. i. plö (Biondelli 75), der Variante plou-um oder plov-um 
das wälschtyrol. plo! (Azzolini). Die nordwal. mundart hat plug aus 
dem slavischen. Hin andrer ausdruck ist piem. sloira, lomb. sciloira: 
ihnen würde ein altfr. silleoire, silloire entsprechen, von silier das meer 
durchfurchen = nord. slla. Piem. ar n aber ist wohl entstellt aus aratrum. 

Arcione U., sp. arzon, pg. ar$äo, pr. arso, fr. argon Sattelbogen, 
sattel. Von arctio (zusammenziehung) ist logisch allzu künstlich. Es 
entstand vermittelst der ableitung ion aus arcus wie fr. cler^on aus cler'cus, 
oison aus auca, £cusson aus acutum, lat. gleichsam arcio arcionis, und 
bedeutet also etwas gebogenes, mhd. bogen. 

Arcobugio, archibuso it., arcabuz sp., arquebuse fr. kugelbüchse; 
von arcus bogen und it. bugio, buso durchbohrt, also eine fait einer röhre 
versehene feuerwaffe, die den namen bogen behielt, weil sie in der neuern 
kriegskunst an dessen stelle getreten war. So Ferrari u. a. Aber ein 
durchbohrter bogen ist eine eben so unstatthafte auffassung wie die an- 
wendung eines in der alten kriegskunst nicht vorkommenden namens auf 
die neuere eine grundlose Voraussetzung ist. Besser erklärt man es darum 
mit hinsieht auf das ältere fr. harquebuse, wallon. harkibuse (h asp.), 
aus dem ndl. haakbus Hakenbüchse, s. Grandgagnage I, 266. 278. 

Ardiglione it., fr. ardillon, pr. ardalho dorn in der schnalle; von 
ungewisser Herkunft. Ein altes glossar hat ardelio 'acutus* Class. auet. 
VI, 609", es wird aber wohl glutus zu lesen sein. Gegen Gasaubonus, 
der es aus dem gr. aQdig pfeilspitze ableitet, wendet Menage mit recht 
die unublichkeit dieses Wortes ein. Ihm selbst scheint es ein diminutiv von 
dard und unläugbar konnte sich dardillon, das im neuprov. noch vor- 
kommen soll, durch dissimilation in ardillon, oder, da ein consonantanlaut 



24 ARDIRE-ARINGA. 

nicht leicht wegfällt, in lardiüon, l'ardillon verwandeln. Das Span, wort 
für diese sache ist rejo spitze. 

Ardire it. sich erkühnen, pr. ardir, cnardir, fr. enhardir kühn 
machen. Lot. ardere ist aus dem spiel zu lassen: man brennt vor leiden- 
schaft, nicht vor kühnheit, audacia ardere wäre wenigstens ungewöhnlich; 
doch ist dies der hauptgrund nicht gegen diese herleitung. Menage dachte 
anfangs an audere, it. aldire (aldace kommt vor), endlich ardire; dies 
ließe sich für Italien hinnehmen, nicht für die andern provinzen. Das 
fr. hardir (mit asp. h) weist auf deutschen Ursprung, der sich im ahd. 
hartjan stärken, kräftigen findet. Auf hart verwies später auch Menage, 
so Caseneuve, Wächter u. a. Das adj. ardito, ardit, hardi (kühn) läßt 
sich fast nur als particip dieses Zeitwortes begreifen, da adjectiva auf -it 
wie lat. auritus, pellitus im romanischen selten sind; an das particip von 
ardere, welches ars lautet, ist nicht zu denken. Im span. aber hat man 
ardido allmählich auf arder bezogen und ihm die bed. ' erhitzt beigelegt; 
altsp. f ardido < kühn führt aber mit seinem anlaut noch unmittelbar 
auf fr. hardi; vgl. Rom. gramm. I, 320. Ein artiges zusammentreffen 
ist es, daß die picard. mundart hardiment ganz wie das ahd. harto als 
adverb des grades verwendet: hardiment dur = harto herti. Daher auch 
sbst. pr. ardit, altsp. ardil kühnheit; aber sp. ardid listig, sp. pg. ardid 
list scheinen aus artitus herzurühren, s. unten artigiano; freilich ist als- 
dann assimilation des t (ardid aus artid) anzunehmen. 

Ärgano it., sp. drgano, Organa und argtte (m.), cat. arga hebezeug, 
krahn, winde, pg. argao weinheber, fr. argue (f.) maschine in form einer 
schiffswinde zum durchtreiben der gold- und silberstangen (Trev.); abgel. 
it. arganello dimin., sp. arganel kleiner metallener ring, fr. arganeau 
eiserner ring auf den schiffen, durch welchen die seüe laufen. Ferrari 
gibt ergäta {eQyattjg) eine Vorrichtung lasten zu heben, Menage Organum 
(oQyavov) Werkzeug als etymon. Jenes trifft die bedeutung von argano 
besser: es konnte sich unter dem volke, welchem die endung ata fremd 
war, leicht in letzteres verwandeln; mlat. findet sich auch argata t annulus 
crassior Dief. Gloss. lat. germ. in Übereinstimmung mit arganel, arganeau. 

Arg ine it. (m.) dämm. Dies aus agger entstandene wort (vgl. 
cecino aus cicer und die venez. form ärzare, worin sich das auslautende 
r erhielt) ist merkwürdig genug. Man weiß, daß die alten Römer ar für 
ad gebrauchten, daher arcessere für adcessere; da nun ägger eigentlich 
für adger von adgerere gilt, so vergegenwärtigt uns das roman. argine 
augenscheinlich ein lat. volksübliches arger. Nur so erklärt sich die form, 
nicht etwa durch rohe emschiebung eines r, die an dieser stelle ganz gegen 
den geist der spräche wäre. Das sp. drcen rand, brustwehr muß das- 
selbe wort sein, vergl. arcilla aus argilla. Ein anderes beispiel dieser 
art ist das venez. arfiare von adflare. S. auch Ferrari und zumal Pott, 
Plattlat. 326, der armessarius L. Sah und wäl. armesariu für admissa- 
rius anfuhrt, femer Mussafia, Über die ital. Grescentia. 

Aringa it., sp. masc. arenque, pr. arenc, fr. hareng (h asp.), wal. 



L ARINGO-ARMELLINO. 25 

bering ein fisch; vom ahd. harinc, ags. nhd. hering, gewöhnlich aus lat. 
halec (salzfisch) erklärt 

Aringo it. rednerplatz, tummdplatz, rennbahn, fem. aringa, sp. 
pg. pr. arenga, fr. harangue (h asp.) öffentliche rede; vb. aringare, 
arengar, haranguer eine öffentliche rede halten, feierlich anreden; it. 
aringhiera, ringhiera rednerplaJtz, rednerstuhl. Der frans, anlaut gibt 
den Ursprung des Wortes deutlich zu erkennen: es ist vom ahd. bring, 
mhd. ring, kreiß, Versammlung, schau- oder kampfplatz, gerichtsstätte u. dgl., 
daher die roman. bed. das vor einer Versammlung vorgetragene: arenga 
est apta et Concors verborum sententia etc. Breviloquus, s. Ducange, 
vgl. lat. concio 1) Versammlung, 2) rede vor derselben. 

Arista it. rücken des Schweines, eigentl. börste, sp. aresta Sacklein- 
wand, fr. arete gräte, it. resta granne des kornes; von arista granne, gräte. 

Arlecchino it., sp. arlequin, fr. arleqnin (früher auch harlequin 
gesehr.) eine komische maske der ital. bühne, überhaupt possenreißer, hans- 
wurst, sp. arneqnin gliedermann. Es ist ein späteres wort von unbekann- 
ter vielleicht gane zufälliger entstehung. Etymologien sehe man bei Flöget, 
Gesch. des grotesken p. 36; für ihre Wiederholung ist hier kein räum. 
Eine neuere, von GSnin, aus Ariecamps, name eines kirchhofes zu Arles, 
für Elycamps d. i. Champs-£lys6es, in nächster bedeutung gespensterchor, 
Hellequin, dann das haupt dieses chores auf maskeraden ins lächerliche 
entstellt, ist zwar sinnreich ausgeführt (Variat. du lang. fr.p. 461—469), 
bedarf al>er vor allem etymologischer rechtfertigung. Am leichtesten ist 
noch Zusammenhang zwischen harlequin und hellequin zuzugeben. Das 
älteste franz. zeugnis scheint das folgende, worin das mit schellen rasselnde 
gefolge harlekins erwähnt wird: ä sa siele et ä ses lorains ot eine cent 
eloketes au mains (au moins), ki demenoient tel tintin con li maisnie 
hicrlekin Ren. IV, 146. Das wort ist also ein so altes französisches, daß 
seine herkunft aus Italien noch sehr zweifelhaft erscheinen muß; es hat 
sogar niederländ. klang. — Weiteres darüber findet sich bei Gachet 252. 
Arlotto it., sp. arlote, pr. arlot, aitfr. pic. arlot, harlot (herlot Trist. 
I, 173) fresset, müßiggänger, altengl. harlot, herlote lotterbube, neuengl. 
harlot wetze, s. E. Müller. Menage' s deutung aus helluo hat das gegen 
sich, daß die allerdings häufige einschiebung des r nur hinter, nicht vor 
consonanten statt zu finden pflegt. Ist das wort aus latein. stoff, so 
entwickelt es sich leichter aus ardalio müßiggänger, das in den Isid. glos- 
sen unter der form ardelio mit 'gluto 3 übersetzt wird, so daß es grade die 
roman. bedeutungen umfaßt: die zusammenziehung von ardaliotto in ard- 
lotto arlotto scheint keine Schwierigkeit zu haben. Noch leichter würde es 
aus gr. agdalog entspringen, von dem man ardalio herzuleiten pflegt; 
aber dies liegt schon weiter ab. Der Portugiese hat ein vb. alrotar ver- 
spotten, verhöhnen, altpg. bettelnd umherziehen SRos., das aus arlotar 
umgestellt sein kann wie bulra aus burla. 

Armellino und ermellino it., sp. armino, pr. ennini, ermin, alt fr. 
enne, ermine JRCam. 219, neufr. hermine (h stumm) eine wieselart, hermelin, 



26 I. ARNESE-ARPA. 

berühmt wegen seines feiles, nüat. hermellinus, herminiae oder arminiae 
pelles. Eine geschickte etymologie gab Ducange in seinem glossar zu 
Villehardouin v. hermine; sie ist die folgende. Die Römer nannten das 
hermelin mus ponticus, weil sein feit zunächst aus dem lande Pontus kam. 
Seit aber die Neueren es aus Armenien empfiengen, womit sie eine genauere 
handelsverbindung hatten, tauschten sie den namen und nannten das (hier 
armenius mit weglassung von mus, wie auch der spätere Grieche schlecht- 
weg 7iovTtxoQ sagte. Hiezu ist zu bemerken, daß die angegebene bedeu- 
tung von mus ponticus nicht ganz sicher, aber nicht unwahrscheinlich ist. 
Daß Armenien altfr. Ermenie heißt, käme Ducange' s ansieht zu statten. 
Ital. armellino müßte diminutiv und aus armenino abgeändert sein. Nach 
andern (z. b. Wackernagel) ist das wort nicht auf diesem umwege zu uns 
gelangt: es ist deutsch, wie auch das thier in Deutschland gefunden wird: 
ahd. harmo, dimin. harmelfn, mhd. hermelin, hieraus das rom. armellino, 
und dieses harmo antwortet buchstäblich dem lithauischen szarmu {zweifel- 
hafte form, sicherer szarmonys) wiesei. Vgl. Weigand I, 500. 

Arnese it., sp. pg. pr. arnes, fr. harnois, harnais (h ctsp.) rüstung, 
geschirr; dsgl. altfr. harnas für harnasc, vb. nfr. harnacher, pr. arna- 
scar, arnassar anschirren; davon mhd. harnasch, nord. hardneskja. Von 
herleitung aus altn. iärn, järn (eisen) ist abzusehen, da sich der roman. 
anlaut anders gestaltet hohen würde, man erwäge fr. joli von jol. Den 
stamm des Wortes bildet vielmehr kymr. haiarn, altbret. hoiarn, ir. iaran 
eisen, die mit dem ätschen tsarn identisch sind, Zeuß I, 45. 63. 114. 
120. 145; die Suffixe sind romanisch. Aber es liegt nicht in der natur 
der sprachen, aus fremden stammen, die sie nicht in sich aufgenommen, 
ableitungen zu ziehen, wiewohl einzelne ausnahmen vorkommen mögen; der 
Romane muß also das abgeleitete wort bereits vorgefunden und sich assi- 
miliert haben, auch muß dies erst spät geschehen sein, da es im altern 
mlatein keine spur hinterlassen hat. Möglich wäre es nun, daß sich aus 
dem kymr. haiarnaez eisengeräthe (s. Villemarque v. houarnach) zuerst 
das engl, harness, hieraus das roman. wort gebildet hätte. Das genaueste 
über den deutschen und celtischen wortstamm nebst ableitungen bei Diefen- 
bach, Orig. europ. p. 367 ff. 

Arnia it., ama sp.cat. bienenkorb, fehlt pg. Unbekannter herhunft: 
etitsteMung aus alveare wäre zu stark. Einigermaßen erinnert es an gael. 
ärcan korkholz: beide bedd. korkholz und bienenkorb umfaßt auch sp. 
corcha und pg. corti^o. — [Mahn p. 104 muthmaßt iberischen oder in 
beziehung auf das ital. wort selbst türkischen Ursprung. Eine befriedi- 
gende aufklärung bleibt noch zu versuchen.] 

Arpa it. sp. pg. pr., harpe fr. 1) harfe, 2) sp. pr. neap. auch 
kralle, haken; vb. pr. arpar, altfr. harper, it. arpeggiare harfe spielen; 
S P» P9- P r - arpar, nfr. harper packen, anhaken, zerreißen; it. arpi- 
care, iuerpicare klettern; fr. harpin haken, daher se harpigner 
und se harpailler sich raufen; it. arpignone großer haken, arpione 
thürangel; sp. arpon, pg. arpäo, fr. harpon lwrpune; dsgl.fr. harpeau 



I 



I. ARRESTO-ARTICIOCCO. 27 

enterhaken. Alle diese bildungen {franz. mit asp. h) haben ihren Ursprung 
im deutschen harte, ahd. harpha, altn. harpa, ags. hearpe: Venantius 
Forty bei dem sich harpa sturst findet, nennt sie ein barbarisches d. h. 
germanisches instrument: Romannsque lyra, plaudat tibi Barbarus harpa 
7, 8. Zu ihrer hakenähnlichen gestalt passt die zweite der angegebenen 
bedeutungen. Das gr. ag/rrj (sichel) würde nicht leicht ein franz. aspirier- 
tes harpe hervorgerufen haben; eben so wenig ist das aspirierte harpon 
aus tat. harpago herzuholen, wie denn auch Icein altfr. harpaon, harpeon 
statt findet. — Die bed. haken des sp. arpa vertritt pg. farpa, sicher 
dasselbe wort, worin, wie in anderrf fällen, h mit i vertauscht ward, daher 
denn auch farpäo neben arpäo, farpar neben arpar: sofern es, nebst sp. 
farpa, spieß oder spitze einer fahne bedeutet, erinnert es an aräb. 'harbah 
kurzer spieß Freyt. I, 36 l b . JfaZ.~frappa ausgeschnittene zacke im tuch, 
frappare auszacken, zerfetzen, sind sie aus dem letzterwähnten farpa? 
Auch pg. farapo (für frapo?), sp. harapo läppen, fetzen, müssen hier 
noch erwogen werden. Man sehe hierzu Dief. Orig. europ. p. 305. 

Arresto it. altsp., aresto pg. aus dem fr. arret urtheü eines höhern 
gerichtshofes, wovon keine appellation statt findet; eigentl. Schluß der 
gerichtsverhandlung, von arrestare, arreter hemmen, einhalten, lat. ad- 
restare, vgl. unser beschlufs d. i. beendigung. Das zusammentreffen 
dieses tcortes mit dem gr. dgiovov ist zufällig, wiewohl Budaeus es daraus 
herleitet, s. ff. Stephani Thes. graec. ling. s. v. 

Arrivare it., sp. pg. arribar, pr. aribar, fr. arriver anlanden, an- 
kommen; von ripa, nüat. adripare ans ufer treiben, it. arripare, daher 
auch noch altfr. arriver la nef (transitiv) das schiff anfahren lassen. 
Durch dieses neue verbum ward advenire aus seiner bedeutung verdrängt, 
s. unten awentura. 

Arsenale und arzana it., sp. fr. arsenal zeughaus, mittelgr. aQO€- 
raA^*; dazu it. därsena, sie. tirzanä abgescKtoßner theil eines hafens, 
sp. atarazana, atarazanal, pg. taracena, tercena schuppen, fr. darse, dar- 
sine = it. darsena; vom arab. där^anah (dessen anlaut d frühe abfiel) 
haus der betriebsamkeit, haus, wo etwas gemacht wird, worunter man im 
dllgemeinen schiffe verstand (s. die Wörter Freytag II, 69 n , 526 a ), pers. 
tarsanah. Vgl. über dieses wort auch Muratori, Antiqq. ital. II, 525, S. 
Rosa II, 341 h , suppl 14", Cabrera I, 63, Pihan p. 42, Engelmann 64, 
Dozy Oost. 16. 

Articiocco it., fr. artichaut eine frucht, artischoke, vom arab. ardt 
sohaukt d. i. erd-dorn Freyt. I, 27 a ; dsgl. it carciofo, sp. alcarchofa, 
alcachofa, pg. alcachofra, nach Sousa vom arab. al-charschufa. — [Dozy, 
Oosterl. 18, hat diese Wörter einer neuen prüfung unterworfen. Das arab. 
ardt schaukf besteht aus zwei adjeetiven und bedeutet erdartig-dornig, 
passt also schlecht zu einem substantivbegriffe. Die verschiedenen roman. 
ausdrücke müssen abänderungen desselben wortes sein. Auf arabisch heißt 
die bemerkte frucht harschet, woraus nachher charschof geworden, daher 
das sp. al-carchofa, it. carciofo. Neben letzterem brauchte man das, wie 



28 I. ARTIGIANO-ASPO. 

es scheint, daraus entstandene, bei dem Niederländer Dodonaeus (f 1575) 
vorkommende als italienisch citierte arciocco, welches sich leicht in arti- 
ciocco verwandelte. Dieses gieng durch den verkehr zu den Orientdien 
über und erfuhr im arab. ar di-scbauk! eine umdeutung, da die frttcht 
dornig ist und am boden wächst.] 

Artigiano it., fr. artisan, sp. artesano, pg. artezäo künstler, hand- 
werkcr; muthmaßlich s. v. a. artitianus vom adj. artitus c bonis instructus 
artibus* Fest., < artibus edoctus Gl. Placid., ^rawax^og, daldalog' Gl. lat. 
gr. In diesem falle aber muß das span. wort aus artizano abgeändert 
sein. Nicht anders entstand partigiano Parteigänger aus partitus, s. 
Rom. gramm. II, 335. 

Artiglio it. kralle, sp. artijo, pg. artelho glied, gelenk, pr. altfr. 
arteil (so noch in franz. mundarten z. b. zu Langres), nfr. orteil zehe; 
von articulu8 gliedchen. Vgl. ardigas 'zaehun Gl. cassdl.; articula 'zaehd 
Gl. Rhäban. 

Artilha, pr. festungswerk, schanze (?); vb. altfr. artillier befesti- 
gen; pr. artilharia, altfr. artillerie, altpg. artelharia SRos. sppl. wurf- 
geschütz oder damit beladener wagen (artillerie est le charroi qui . . est 
chargte de quarriaus en guerre, d'arbalestes, de dars, de lances et de 
targes G. Guiart, s. DC), nfr. artillerie, it. artiglieria etc. grobes ge- 
schütz. Von ars artis kunst, kunstgriff, wie fr. engin von ingenium, vgl. 
vb. artiller in der bed. aussinnen, auf listen denken Antiöch. I, p. 88. 
Altfr. artilleux listig. Nach Borgnet, Chev. au cygnelll, p . *«, kommt 
das wort artillerie nicht lange vor dem gebrauche der feuerwaffen vor, 
d. h. nicht vor dem 14. jh., und zwar zuerst bei Joinville. 

Ascella it., pr. aissela, cot. axella achsel; von axilla, woraus nach 
Cicero ala flügcl, achsel entstand, ersteres schon bei Isidorus in ascilla ver- 
dreht. Mundartl., z. b. genuesisch, bedeutet ascella achselhohle. 

Ascla pr. cot. Splitter, vb. asclar spalten*; von astula (in manchen 
handschriften für assula, vgl. Dief. Gloss. 56 r ) spänchen, brettchen, wel- 
ches ast'la, euphonisch ascla ergab. Von demselben worte ist auch sp. 
astilla, altfr. astele Splitter, neu fr. attelle (/wrätelle) beinschiene, schon 
pr. astela in dieser bedeutung. Für aschia spricht die neap. mundart 
asca, die port. acha. Die occit. mundart hat die pleonastische Zusammen- 
setzung fendasclat = fr. fendu. 

Ascoltare, scoltare it., altsp. ascuchar, neusp. escuchar, pg. escu- 
tar, pr. escoutar, fr. 6couter, altfr. auch ascouter hören, horchen; von 
auscultare, worüber Caper (Putsch p. 2247) bemerkt, man dürfe nicht 
ascultare sprechen, so daß ihm die roman. form schon bekannt sein mußte. 
Daher it. ascolta, scolta, sp. escucha wache, schildwache 

Aspo und naspo it., sp. aspa, altfr. hasple, pic. haple garnwinde; 
vom ahd. haspa, haspel. Für aspo war, wie im span., aspa zu erwart en 9 
allein das getius richtete sich nach dem aus dem vb. in-aspare neu ge- 
bildeten naspo, welches romagnolisch sowohl naspa wie nasp lautet, sard. 
naspa. 



I. ASSAI— ASTORE. 29 

Assai it., altsp. asaz, pg. assaz, pr. assatz, fr. assez, adverbium, 
von ad satis, einem ähnlichen pleonasmus wie im mlat. adplene. 

Aggaggino it., sp. asesino, pr. assasgi, angeggi, fr. assassin Meuchel- 
mörder, ffach Süvestre de Sacy's Untersuchung (Mem. de V Institut 1818. 
IV, 21 ff.) entstand das wort aus dem arab. 'haschigchin, womit man die 
glieder einer secte im Orient benannte, die durch einen aus der hanfpflanze 
bereiteten trank c haschisch (Gol. 613) berauscht jeden von ihrem ober- 
haupte, dem herrn des berges (schajch algabal), geforderten mord zu ver- 
üben gelobten: que van neyg, si era part Franga, tan li son obedien, 
aucire gos guerrierg mortals die, wenn es selbst über Frankreich hinaus 
wäre, so gehorsam sind sie ihm, seine todfeinde zu tödten gehn Chx. V, 10. 
Das wort kann nicht vor dem 12. jh. in Europa bekannt geworden sein: 
drum ist eine Urkunde v. j. 814, worin assassinium vorkommt Mural. Ant. 
Hol. III, 31, HPMon. n. 17 falsch oder verfälscht. 

Assettare it. einrichten, ordnen, zieren, zu tisch setzen, pr. assetar 
in letzter bedeutung; zsgs. it. rassettare; sbst. it. assetto putz, pr. 
assieta einrichtung, fr. assiette läge, zustand, eintheüung, platz der tisch- 
genossen (s. Caseneuve), daher auch teller. ltal. assettare heifit über- 
dies verschneiden (castrieren) und muß in diesem sinne von secare sectus 
herstammen, aber selbst die bed. ordnen knüpft sich an die von secare 
abtheilen, ebenso ahd. skeran abschneiden, skara abschnitt, gkerjan abthei- 
len, ordnen. Das goth. gatjan (setzen) kann gegen das lat. wort nicht in 
betracht kommen. Ital. assetto brettchen ist von assis. 

Aggo it., sp. pr. fr. ag, pg. az die zahl *elns auf würfeln oder 
karten; vom lat. ag, das eine einheit ausdrückt. Muratori ließ sich durch 
die redensart lasciare uno in aggo d. i. einen im suche lassen, zur deu- 
tung des Wortes aus dem mlat. absus c ager incultus* verleiten, da diese 
redensart vielmehr, wie vielleicht auch die entsprechende deutsche (stich = 
punct, as), aus dem spiele entlehnt sein kann. 

Agtore it., altsp. aztor PC, nsp. pg. SLZor,pr. augtor, alt fr. ogtor, 
nfr. autour habicht. Die übliche herleitung ist von astur asturischer vogel, 
bei Firmicus Matemus (4. jh.), allein die lautgesetze widersprechen : agtur 
konnte nur agtre geben. Der grammatiker Gaper (bei Putsch p. 2247, 
vgl. das. Beda p. 2778) kennt acceptor als einen volksüblichen ausdruck 
für accipiter (so auch in hss. der L. Sal. tit. 7) und hierzu stimmt der 
buchstabe, z. b. sp. azor = acceptorem wie rezar = recitare. Wohl mag 
die lingua rustica an acceptor von accipere gedacht haben, als sie das 
mit diesem verbum ganz unverwandte accipiter umformte, s. Pott, Etym. 
forsch. U, 54, Benfey, Ztschr. f. vergl. sprachf. IX, 78. Freilich ist pr. 
augtor unorganisch für astor, es verhält sich aber wie anstronomia zu 
agtronomia; besser neupr. astou. Von azor, nicht etwa von accipitrare 
zerfleischen, von Gellius cüiert, leitet sich das span. vb. azorar schrecken, 
verwirren, ursprüngl. von vögeln, die der habicht verfolgt, iperdiz azorada; 
nach Larramendi vom bask. zoratu den verstand verlieren, allein das 
ganz entsprechende sp. vb. amilanar schrecken, entmuthigen, von milano 



30 I. ASTRO— ATTURARE. 

hühnergeier, so wie das gleichbed. cot. esparverar von esparver sperber, 
erheben jene herleitung über jeden zweifei. 

Astro it. sp. pg., astre pr. fr. gestirn, auch geschieh, glück; von 
astrum. Daher sp. pg. astroso unglücklich, bei Isidor astrosus 'quasi 
malo sidere natus', bei Papias astrosus 'quasi modo astro natus; altsp. 
astrugo Bc.j pr. astruc glücklich (welches Littre, Hist. litt. d. I. Fr. 
XXII, 36, ohne dem ende des Wortes rechnung zu tragen, mit Menage aus 
altfr. mal-estruit erklärt), zsgs. pr. benastre, benastruc, altsp. mal- 
astrugo Alx., pr. malastre, malastruc, altfr. inalostru für malastru, 
daher nfr. malotra, suffix -uc an die stelle von -os getreten, bei Rabelais 
malautru s. Gachet; dsgl. it. disastro, sp. desastro, pr. fr. däsastre Un- 
stern, vgl. alteat. per astre o per desastre Chr. d'Escl. 711*. 

Astuccio it., sp. estuche (estui bei Berceo), pg. estojo, pr. estug, 
estui, fr. 6tui futteral, behältnis; vb. pg. estojar, pr. estuiar, estoiar, 
altfr. estuier verwahren. Estug, £tui fügen sich in das mhd. stäche stauche, 
futteral für den arm, schon nach Adelung; astuccio aber (veron. besser 
stuccio) würde sich genügend nur aus einer ahd. form stüchjo, wie 
guancia aus wankja, herleiten lassen. — [Estui, £tui deutet Langensiepen 
(Herrigs Archiv XXV) aus Studium, von seiten der form vollkommen ge- 
nügend und selbst von Seiten des begriff es zu rechtfertigen: es hieße sorg- 
falt, sorgfältige aufbewahrung, it. studiato heißt sogar 'sorgfältig bewahrt*. 
Diese etymologie wird noch unterstützt durch die altfr. form estudier sich 
vorsehn, sich verwahren Gayd. p. 251, welches nach Borel (s. Bog.) für 
estuier gesetzt, ward. Aber mangelhaft ist, daß das etymon nicht die 
völlig gleichbed. ital. und span. werter umfaßt, sie müßten getrennt werden.] 

Ataballo, taballotY., sp. atabal, pg. atabale maurische pauke, sonst 
auch it. timballo, sp. timbal genannt; vom arab. al-'tabl attabl Freytag 
III, 40*. 

Ataud sp.pg., pr. taut, taüc, so altfr. taut, taüc, neap. tavuto lade, 
sarg; vom arab. al-tabüt attabüt mit ders. bedeutung (Sousa; fehlt bei 
Engelmann, der es also nicht als arabisch anerkennt). 

Attillare it., sp. atildar, pg. atilar, pr. atjlhar niedlich putzen. 
Ital. titolo heißt der punet auf dem i, sp. tilde, pg. til ein nöthiger strich 
über gewissen buchst aben: daher konnte man mit attitulare (eigenÜ. wohl 
'kein jota vergessen) die Sorgfalt im putze ausdrücken. Das mlat. verbum 
findet sich überhaupt für bezeichnen (schmücken?) : crucis signaculo fron- 
tem eius attitulans DG. 

Atturare it. verstopfen, sp. pg. aturar aushalten in der arbeit 
{wohl für aturarse), cat. pr. aturar anhalten, aufhalten, refl. pr. s 1 aturar 
sich stützen, sich anstrengen, sbst. atur anstr engung; mit vertauschter 
Präposition von obturare stopfen, daher hemmen, aufJuüten und, wie im 
deutschen, sich aufhalten bei einer sacJie, nicht davon abgehen, ausdauern. 
Das span. wort hört man noch jetzt in lat. bedeutung. Für atturare 
findet auch turare (daher tura dämm), sp. tu rar statt, worin nur eine 
abkürzung, nicht etwa das verlorene lat. simplex turare, zu erkennen ist. 



I. AUGE-AVAMA. 31 

Auge it., sp. äuge, pg. äuge höchster puyct; vom arab. aug, einem 
astronomischen ausdruck aus dem pers. auk, s. Freytag I } ß9 a , Vullers I, 
140-, 143". 

Augur io it., sp. agüero, pg. agouro, pr. auguri, augur, agur, Vor- 
bedeutung, syncopiert pr. aür (ahur), altfr. etir, neufr. heur glück; vb. it. 
augur are, sp. augurar, pr. agurar, fr. augurer weissagen, pr. ahurat, 
altfr. heür6 beglückt, wal. urä glück wünschen; von augurium, augurare. 
Zsgs. pr. bonaürs. Honnorat, altfr. bonettr, neufr. bonheur; mal -aür, 
maletir, malheur und so altfr. bonetir^, bonetiretö; it. sciagurato, zsgs. 
sciaurato (dreisäb.), ältsp. xaurado, nsp. xauro elend, verlassen, von 
exauguratus; sbst. it. sciagura, sciaüra. Auch it. uria, pluralbildung 
von augurium, ist hieher zu nehmen. — Bonheur und malheur erklärt man 
aus bona hora, mala hora, welche gleichfalls und zwar in ähnlicher be- 
deutung vorhanden sind, aber von den ersteren getrennt werden müssen. 
Ln altfr. etir ward eü durch synärese endlich zu eu wie in peur aus 
peür, und in dieser gestalt tritt es sehr früh neben eü auf. Für eur 
schrieb man oft heur, vermuthlich weil man an hora dachte. Wäre letz- 
teres aber das etymon, so müßte sich sein genus geändert haben, was hier, 
wo das fem. heure in jedermanns munde war, schwerlich angenommen 
werden dürfte; ferner müßte sich, die alten formen erwogen, langes lat. o 
(höra) gegen das lautgesetz als pr. oder fr. u dargestellt, und endlich der 
einfache vocal eu in den mehrfachen e-u gespalten haben, was unmöglich 
ist. So entspricht auch heureux dem cdtfr. eüreux = pr. atiros, it. 
auguroso, nUat. auguriosus; horosus kennt weder der Lateiner noch der 
Romane. 

Aura, ora it., sp. pg. pr. chw. aura, altfr. ore (la ore LJ. 486», 
bone ore Rou II, 146, bon' ore eurent e suef vent MFr. I, 364) luft, 
sanfter wind; von aura. Abll. sind: pr. au rat, altfr. orö; pr. auratge, 
altfr. orage windeshauch (lo dous auratge zephyr, lo fer auratge Sturm- 
wind), nfr. orage, woher sp. orage, stürm; vb. sp. orear, cot. oretjar 
erfrischen, auslüften, daher sbst. or6o, oretj, dsgl. it. oreggio, pr. aurei 
frisches lüftchen. Verschieden von oreggio scheint it. orezzo {auch 
orezza), das auf eine abl. auritium weist, verkürzt rezzo küJde, schattige 
stelle; in einer andern form arezzo verflachte sich der lat. diphthong zu 
a wie in ascoltare, wenn hier nicht vielmehr aer eingegriffen hat. 

Avania tt pg., avanie fr. Schabernack, plackerei, dsgl. kopfgeld 
der Christen unter türkischer herrschaft; soll ein türkisches oder vielmehr 
semitisches wort sein, neugr. aßavia, s. Ducange, Glossar, med. graecit. 

Avaria it. pg., sp. averia, haberia, fr. avarie, ndl. avarij, haverij, 
dtsch. hafarei, havarie Seeschaden, schaden an schiff oder ladung auf der 
see; adj. sp. averiado, fr. avariä durch das seewasser beschädigt (von 
waaren). Daneben gelten noch andre bedeutungen: abgäbe der schiffe zur 
Unterhaltung des hafens (franz. dtsch.) oder abgäbe von waaren, die über 
see gehn (span.). Die gewöhnliche herleitung ist von hafen; sie nimmt 
also an, daß die zuletzt genannten bedeutungen vorausgiengen, wiewohl 



32 I. AVOCOLO-AZZARDO. 

das italienische und niederländische dieselben nicht zu kennen scheinen» 
Dozy, Oosterl. 22, hat dem wort im arabischen, und zwar im classisch 
arabischen, eine neue quelle eröffnet. Hier bedeutet c awär sbst. gebrechen^ 
auf waaren bezogen beschädigung : das wort kam mit dem handd nach 
den italienischen seeslädten, romanisiert avaria. In der niederl. Variante 
haverij stammt h aus dem arabischen laute ain, welches auch anderwärts 
vorkommt. 

Avocolo, vocolo it., fr. aveugle blind; vb. it. avocolare, fr. 
aveugler, pr. avogolar blenden. Das gemeinromanische adjectiv ist caecus, 
auch im cdtfr. ciu vorhanden TCant. app., nur dem Dacoromanen ab- 
gehend, der es mit orbus ersetzt, s. unten, ltal* avocolo ist außer ge- 
brauch gekommen, avocolare dauert, selbst in mundarten, noch fort. Was 
das adjectiv betrifft, so muß man die erklärung mit ab-oculus, gebildet 
wie ab-normis, a-mens, so daß es 'ohne äugen bedeutet, gelten lassen, wie 
denn auch die mittelgr. spräche dno ofifuazcov oder d/io^fnarog für e£o/u- 
(xavog sagte; es mag aber eine erkünstelte bildung sein, da sie sich schlecht 
assimiliert hat. Die Gasseier glossen eiifhalten albios oculos * staraplinter \ 
nach Eckhart s. v. a. albioculus, qui nil nisi album in oculis habet; aber 
in albioculus ist wohl eher eine umdeutung denn eine alte form von 
aveugle zu suchen. S. Altrom. glossare p. 120. 

Avoltore, avoltojo it., pr. voltor, fr. vautour geier; von volturius 
raubvogd; sp. buitre, pg. abutre, von vultur. Abgel. sp. buitron reö- 
hühnernetz, fischreuse; auch fr. öpervier hat die bedd. sperber und fischnetz. 

A vor io it., pr. avori, evori, fr. ivoire (m.) elfenbein; vom ad- 
jectiv eboreus. 

Avventura it., sp.pg. pr. aventura, fr. aventure (daher unser aben- 
teuer, mhd. äventiure f.) ereignis, seltsames ereignis, zufall, glück, gefahr 
(aventure de mort todesgefahr Ren. I, 46), besonders auch ritterlicher 
Zweikampf; von advenire ankommen, woraus die ausschließlich rom. bed. 
begegnen; ebenso einigt fr. arriver beide begriffe. Aventura vertrat auch 
die stelle der göttin Fortuna: de las grausas dels homes fo Aventura 
faita deuessa LR. III, 505. 

Azzardo it., fr. hasard (h asp. mhd. hasehart), pr. azar, cot. atsar 
Wagnis, glücksfall, sp. pg. azar unglückswurf, unglückskarte, Unglück, im 
spätem nüat ludus azardi glücksspiel; vb. azzardare, hasarder aufs 
spiel setzen, wagen, miat. ludere ad azarum. Altfr. hazart bedeutet auch würfel- 
spieler, hazarder dem Würfelspiel ergeben sein, s. Garpentier. Anderswo 
dient es zur Verstärkung der negcUion, d. h. es drückt eine unbedeutende 
sache aus: ne valent pas un hasart NF. Jub. II, 90. Üblich ist der 
ausdruck geter hasart FC. III, 288, Ren. II 159. Vergleicht man die 
franz. form mit den übrigen, so scheint d zugesetzt wie in blafar-d, ho- 
mar-d u. a., it. azzardo aber daher entlehnt: das acht ital. wort ist 
augenscheinlich das veraltete zaro PPS. II, 255, jetzt fem. zara spiel mit 
drei würfeln (il giuoco della zara Purg. 6, 1), eigentl. wurf von drei assen. 
An versuchen, dem schwierigen worte auf die spur zu kommen, fehlt es 



I. AZZÜRRO— BACCALARE. 33 

nicht; Raynouard hatte sogar zu den nordischen Äsen seine Zuflucht ge- 
nommen. Gegen die beliebte herleitung aus dem lat. as in der bed.punct 
im Würfelspiel, geringster wurf, daher wagnis, gefahr (Le Duchat) streitet 
leider das rom. z, das sich als ts im cot. atsar zumal deutlich ausspricht. 
Besser nähme man azar für eine abl. aus dem altsp. auce (abce) Schick- 
sal (s. IL b), woher auch aci-ago unglücklicher zu fall; war aber alsdann 
nicht azi-ardo zu erwarten? Doch ließe sich zur Unterstützung dieser 
etymologie noch das gleichfalls auf einen stamm az weisende cdtfr. haz- 
eter (würfeln) geltend machen. Weder dem buchstaben noch dem begriff 
genügt arab. 'darr schade Freyt. HI, 10 b . Besser in beiden beziehungen 
passt hebr. zarah bedenkliche sache: ihm ober würde eher ein roman. 
feminin entsprechen, das sich nur in dem erwähnten neuitäl. zara findet. 
Man erwäge daher noch arab. jasara würfeln, jasar Würfelgesellschaft, 
würfdpartie, dem man den Vorzug vor allen zuerkennen dürfte (denn arab. 
8 [sin] kann roman. z werden), wäre der wegfdtt des anlautes so leicht 
hinzunehmen; in Jasmin findet er nicht statt. — [Die bed. würfet befrie- 
digt vollkommen: da aber in jasara ein ansloß zu liegen scheint, so bietet 
Mahn p. 6 das vtdgär-arab. zehär Würfel, zsgz. zär, wie es auch türkisch 
heißt, mit artikel azzar. Eine andre vermuthung bei Jos. v. Hammer: 
sp. azar komme von arab. assr Schwierigkeit, was von Seiten des begriffes 
wenig zusagt — Von einer würfelparthie erzählt das artige fabliau de 
S. Pierre et du jougleor FC. III, 282, woraus über die art und weise 
dieses spids einiges zu lernen ist.] 

Azzurro, azzuolo it., sp. pg. azul, pr. fr. azur dunkelblaue färbe; 
vom pers. lazvard, daher lapis lazuli, der saphir der aiten, arab. läzvardt 
lazurähnlich Freyt. IV, 76 b . Das anlautende 1, welches man, wie Bösler 
bemerkt, für den artikel halten mochte, fiel im romanischen ab. 

B. 

Babbäo, babbaccio, babbano, babbuasso it. schwachkopf, 
gimpd; pr. babau, pic. baba geck; it. bäbbole, fr. babioles kinderpossen. 
Denselben stamm fühlt man im synonymen lat. babulus Apulej., wozu man 
noch nehme baburrus ^stultus Gl. Md., baburra 'stv&titia Gl. Placid. y vgl. 
ir. Jcymr. baban Und, puppe, engl, babe, babby. 

Babbuino it., sp. babuino, fr. babouin eine art äffen, pavian; 
augenscheinlich gleiches Stammes mit dem fr. b ab ine offen- oder kuhlefze, 
muthmafilich verwandt mit dem mundartl. deutschen bäppe maul; vgl. 
unten beffa. 

Baccalare it., pr. bacalar, fr. bachelier, aus letzterem it. baccel- 
liere, sp. bachiller, pg. bacharel. Die eigentliche heimath dieses Wortes 
ist Frankreich und der span. nordosten, wo baccalarius zunächst der be- 
sitzer eines großem bauerngutes, einer baccalaria war (seit dem 9. jh. 
vorkommend). Sodami gieng der ausdruck auf den ritter über, der zu 

3 



34 I. BACCHETTA— BADARE. 

unvermögend oder noch zu jung war, um ein eignes ba/mer zu führen, 
und wohl einem fremden folgte; endlich, und dies ist die heutige bedeu- 
tung 9 auf den der sich im besitz einer dem doctorgrade untergeordneten 
akademischen würde befindet, in welchem sinne es in baccalaureus umge- 
deutet ward: so bei Camoens do baccharo e do sempre verde louro Lusiad. 
3, 97. Was die etymologie betrifft, so ist hier nur zu verneinen: bas- 
cavalier niederer rüter kann es nicht sein, das verbietet die geschickte des 
wortes und die grammatik, die für das verschwinden des s keinen grund 
kennt; auch baculus fügt sich nicht in die form, vollkommen zwar das 
mit baculus gleichbed. gad. bachall, ir. bacal, allein über den logischen 
Zusammenhang werden sich nur unsichere vermuthungen vorbringen lassen. 
— [Eine neue Untersuchung theilt LUtre mit, s. den Kritischen anhang 
p. 14. Bachelier scheine aus vassal entstanden, mit dem es die doppelte 
bed. lehne- und kriegsmann gemein habe; das fem. bachelette, wofür sich 
auch baisselette finde, sei offenbar derselben herkunft; b aus v mache 
keine Schwierigkeit, auch ss könne in ch übergehn, daher das mlat. ca in 
bacalaria. Allein ch aus ss ist vorsichtiger weise nur da anzuneh- 
men, wo letzteres ein 9 repräsentiert: lest, faciam, fr. fasse, pic. fache. 
Ferner, sicher ist, daß wenn man ein franz. wort latinisierte, che in ca 
verwandelt ward; ob aber diese Verwandlung bei einem so früh vorkom- 
menden worte wie bacalaria anzunehmen sei und ob die prov. spräche ihr 
bacalaria aus lat. Urkunden geschöpft habe, ist eine andre frage. Später 
hat Gachet dieses wort behandelt Auch er bringt es mit vassal in Ver- 
bindung, tritt aber in betreff seiner herkunft Chevället bei, der diese im 
celt. bachan (klein) u. s. w. findet.] 

Bacchetta it., baqueta sp., baguette fr. dünner stecken, gerte; 
von baculus mit verändertem suffix, s. solche fälle Rom. gramm. II, 280. 

Bacino it., altsp. pr. bacin, fr. bassin becken. Die älteste spur 
desselben scheint bei Gregor v. Tours vorzuliegen: cum duabus pateris 
ligneis, quas vulgo bacchinon vocant, s. Ducange, worin bacchinon 
(bacchinos?) mit cch an Bacchus angeknüpft sein könnte, s. Wadcer- 
nagel, Umdeutschung p. 15. In den Isidor. glossen findet sich auch das 
einfache baeca € vas aquarium. Man leite es nicht aus unserm becken, 
dem nur ein it. bacchino, fr. baquin gerecht wäre, da deutsches k nicht 
in c ausartet, vgl. unten franco. Aus demselben gründe muß auch das 
ndl. bak napf, mulde zurücktreten. Das wort kann in früher zeit aus 
einem alteinheimischen stamme, z. b. dem celt. bac höhlung abgeleitet sein, 
so daß es anfangs bakinus (woraus ahd. bechin), nachher bacinus ge- 
sprochen ward. Muthmafilich desselben Stammes ist it. bacioecolo 
beckenartiges tonwerkzeug, dessen primitiv in bacioca 'patera* Gloss. er- 
ford. p. 278 a vorzuliegen scheint. Vgl. bacia II. b. 

Bacio it., richtiger, aber minder üblich bagio, sp. beso, pg. beijo, 
pr. bais kufi; vb. baciare ff. küssen, auch als Substantiv gebraucht; von 
basium, basiare, meist bei dichtem. 

Badare it., pr. cot. badar, altfr. baer, beer, nfr. bayer, noch 



L BADILE— BAGASCIA. 35 

mundartl. (in Berry) bader. Es bedeutet 1) den rnund aufsperren, gaffen: 
so im prov. cat. franz., so im altitäl. boca badhadha Bonves., bocca 
badada Mur. Ant. ital. IV, 434, prov. auch verhöhnen (?), occ. badado 
hohngdachter ; 2) verweilen, harren, vergeblich harren (dastehn mit offnem 
maul), Hol. prov. altfr. ; 3) nach etwas verlangen, trachten, ital. altfr. (das 
maul darnach aufsperren, lechzen). Sbst. pr. bada schildwache, adv. 
de bada, en bada, altfr. en bades umsonst, it. stare a bada mit offnem 
maule dastehn, harren. Für dieses wort gibt es alte Zeugnisse, mit rück- 
sickt auf welche die bed. \das maul aufsperren an die spitze gestellt wer- 
den mußte, nämlich in den Isid. glossen badare 'hippitare, oscitare, in 
den Erfurter glossen p. 276" battat 'ginatti d. i. gähnt, besser batat 
'ginath* in einer andern hs. Mone's Anzeig. VII, 137. Es ist von nicht 
ganz gesichertem Ursprünge. Die celtischen sprachen scheinen keine pas- 
sende würzet zu enthalten: bret. bada staunen wird wohl eben so gut 
romanisch sein wie badalein (l mouille) gähnen, das nicht aus ersterem 
herstammen kann, sondern das pr. badalhar sein muß ; doch läßt sich 
etwa altirisch bäith thor, pinsd (maulaffe) Zeuß I, 37 anmerken. Buch- 
stäblich genügend ist ahd. beitön, früher baidön, säumen, harren, doch 
hängt einiger zweifei daran, weil es der offenbar ältesten bedeutung von 
badare nicht genügt. Letzteres konnte selbst aus einem naturausdrucke 
ba, der das aufthun des wundes bezeichnete, entstanden sein, so daß man 
etwa ba-are ba-d-are zu gründe legen müßte. — Abgeleitet ist it. badig- 
liare, sbadigliare, sbavigliare, pr. badalhar, altfr. baailler, nfr. bäiller 
gähnen; fr. badaud, jw. badau maulaffe, geck; ebenso pr. badoc, baduel, 
badin; auch fr. badin scherzhaft, badiner scherzen, indenwbb.desl6.jh. 
mit ineptus, ineptire übersetzt; it. baderla einfältiges weib, vb. com. ba- 
derlä die zeit verlieren, chw. baderlar schwatzen, plaudern. 

Badile it., badil, badila sp. feuerschaufd; von batillum. 

Baga sp. packseü, pr. bagua, altfr. bague bündd, vgl. lomb. baga 
icemschlauch; daher abgel. it. bagaglia, pr. fr. bagage gepäck. Das 
unlat. wort, über welches Diefenbach, Goth. wb. 1, 343. nachzulesen ist, 
findet sich wieder im gad. bag, kymr. baich, bret. beac'h last, bündd, vb. 
gad. bae hindern, nord. baga dass. 

Bagascia it., sp. bagasa (umgestdlt gavasa), pg. bagaxa, pr. ba- 
gnassa, altfr. bagasse, bajasse u. s. f. feile dirne. Eine bedeutung wie 
diese ist so verschiedenen auffassungen unterworfen, daß die ausdrücke 
oft schwer zu ergründen sind. Stellt die endung assa das roman. suffix 
= lat. -acea vor, ital. in ascia verwandelt, so müßte das wort aus baga 
(pack) abgeleitet sein, was keinen befriedigenden sinn gäbe. Vielleicht ist 
es cdtiseh: kymr. baches bedeutet weibchen, von bach klein; oder ardb., 
b&gez schändlich Freyt. I, 139", worauf schon Muratori vermuthete, oder 
bagf metze Freyt. I, 140*. Vom altfr. wort, das gleich dem arab. bagl 
auch dienerin heißt (NFC. I, 104), bildete sich das dimin. baisele 
dienstmädchen, auch bachele, wofür man ein primitiv bagache ver- 
mufnen mu/*. 



36 I. BAGATELLA-BAILO. 

Bägatella it. Kleinigkeit, taschenspielerei, daher sp. bagatela, fr. 
bagatelle in ersterer bed., der alten prov. spräche noch nicht bekannt. 
Muratori zieht es aus dem modenes. vb. bagattare pfuschen, hudeln, 
das er aus dem arab. bagata (mischen) entstehen läßt. Eigentlich aber 
setzen beide Wörter, nebst bagattino kleine Kupfermünze, ein subst. 
bagatta oder baghetta voraus, das etwa aus dem alten rom. baga (s. oben) 
abgeleitet eine geringe habseligkeit ausdrücken mochte; im parmesan. ist 
bagata in dieser bedeutung vorhanden. 

Bagno it., sp. baüo, pr. banh, fr. bain bad; vb. bagnare ff., fr. 
baigner; von balneum mit ausgestoßenem 1, da balgno nicht zu sprechen 
war (daraus auch das bask. mainhua). Das weil, bae (fem. plur.) ent- 
stand aus dem lat. bajae, von dem die übrigen sprachen keinen gebrauch 
gemacht haben. 

Bagordo und bigordo it., altsp. bohordo, bofordo, altpg. bofordo, 
bafordo (in Urkunden bufurdium), pr. beort, biort, zsgz. bort, altfr. bo- 
hort, bouhourt, behort ein ritterliches spiel, dsgl. die waffe dazu; vb. it. 
bagordare ff. lanzen brechen. In Frankreich rannte man einzeln zu 
pferd mit der lanze nach der quintaine (s. Ducange v. quintana, Aubri 
im Ferabr. p. 158—162, Alex. 14, 30J, in Spanien schleuderte man den 
bafordo nach dem tablado (Jlx. 666, vgl. bornaren [bordaren?] etiraren 
a taulat Chr. d'EscL 587 b ), in Deutschland war der bühurt ein kampf- 
spiel, wo schaar gegen schaar stand. Daß bohorder, denn von der franz. 
form ist auszugehn, ein ursprünglich deutsches wort sei, lehrt fast mit 
gewißheit die aspirata, die sich im spanischen als f (man erwäge 
faraute von höraut), im ited. als g (gufo für huette) darstellt. Offenbar 
ist es ein compositum, das zweite wort führt natürlich auf hurten stoßen, 
allein dies letztere gestaltete sich im roman. so verschieden (altfr. hurter, 
nicht horder), daß man davon abgehen und sich an das deutsche hürde, 
ahd. hurt, altfr. horde, vb. horder, halten muß, auch stimmt hordeYs Um- 
zäunung formell genau zu bohordeYs ritterspiel. Hourdum bedeutet tnlat. 
s. v. a. das erwähnte sp. tablado gerüste s. Garpentier, noch jetzt im 
Hennegau hourd. Ganz zweifelhaft bleibt das erste wort der Zusammen- 
setzung. Ist die waffe die grundbedeutung, so könnte es aus botar her- 
rühren: bot-hort bohort (t schwand vor der aspirata) würde etwas nach 
dem gerüste stoßendes bedeuten. — Einen weiteren beürag zur deutung 
dieses Wortes liefert Gachet p. 60 b . 

Bailo, balio it., sp. bayle, pg. bailio, pr. baile, altfr. bail pfleget, 
er 'zieher ', Verwalter, amimann, fem. it. baila, balia, pr. chw. baila amme; 
it. balia, sp. pr. bailia, altfr. baillie Verwaltung, vogtei; it. balivo, pr. 
bailieu, fr. bailli landvogt; vb. it. balire, pr. bailir, altfr. baillir ver- 
walten, dsgl. pr. bailar, altfr. bailler darreichen, wal. beiä pflegen, er- 
ziehen, daher b?iat Knabe (pflegling). Lat. bajulus heißt träger, tnlat. 
(z. b. bei Lupus Ferr.) erzieher, hofmeisier, eigentl. wer kinder trägt oder 
leitet, ganz deutlich im fem. baila ausgesprochen, daher pfleget, land- 
pfleg er. Aus bajulus baj'lus ward das roman. bailo; lat. bajulare tragen 



I. BAIRE— BALCO. 37 

erhielt sich buchstäblich im altfr. und tndaril. bailler, vgl. sard. baliai 
ertragen. 

Baire it. erstaunen; altfr. adj. baYf, henneg. bahi erstaunungsvoll; 
zsgs. it. sbaire, pr. esbahir, fr. äbahir, s. v. a. baire, wohl auch sp. 
embair einem ein blendwerk vormachen, eigenfl. in erstaunen setzen, be- 
täuben? Man hält es für einen naturausdruck, indem man das darin vor- 
kommende bah als eine bezeichnung des erstaunens nimmt und wirklich 
kommt eine solche interj. im neuprov. vor, s. Honnorat: es wäre also mit 
badare von verwandter entstehung. In dem von einem etymologen heran- 
gezogenen ahd. abahön verabscheuen widerstrebt vornweg die bedeutung. 

Baja it., sp. pr. sard. bahia, fr. baie bucht, hafen. Isidorus führt 
dieses dtroman. wort als ein lateinisches an: hunc portum veteres a ba- 
jtüandis mercibus vocabant baias. Frisch findet seinen Ursprung im fr. 
bayer den mund offen haben, klaffen, wie denn auch baie überhaupt für 
ettcas offen stehendes gebraucht wird, und diese erklärung scheint sich 
durch die catal. form badia von badar (öffnen) zu bestätigen, deren d im 
span. schon vor Isidors zeit ausgefallen wäre. Andre erblicken in bahia 
ein bask. wort, daher der name Bayona zsgs. aus baia hafen und adj. 
ona gut; andre ein cdtisches, gael. bädh oder bägh, wozu die verschiedenen 
roman. formen recht wohl zu stimmen scheinen. 

Baja it., sp. pg. vaya, fr. baie posse, fopper ei; davon it. bajuca 
posse, JÜeinigkeit. Stammt es aus Italien, so dürfte man an gr. ßaiog 
(klein, gering) denken; aus Frankreich, so könnte es identisch sein mit 
baie beere d. h. unbedeutende sache. Der specielle sinn des Wortes aber 
verträgt sich besser wohl mit pr. bada, dem das altfr. baie entspricht, 
vergebliches harren, adv. en bada umsonst; zur posse, fr. donner la baie, 
sp. dar vaya einem etwas nichtiges vormachen, einen anführen, vgl. oben 
badare mit seinen ableitungen. 

Bajo it., sp. bayo, pr. bai, fr. bai braun (von pf erden); von dem 
seltnen tat. badia s, das Varro gleichfalls von der färbe der pferde 
braucht. Eine abl. ist fr. baillet bleichroth (wieder nur von pferden), 
latinisiert badiolettus; pr. baiart s. v. a. bai; eine andere it. bajocco 
eine kupfermünze, von der färbe benannt wie das fr. blanc, das dtsche 
wei&pfennig. 

Balascio it., sp. balax, balaxe, pg. balais, balache, pr. balais, 
balach, fr. balais ein eddstein, genannt nach seinem fundorte, dem chanat 
Badakschan (Balaschan, Balaxiam) in der nähe von ßamarkand. Man 
sehe Ducange v. balascus, Ritter 7 Erdkunde von Asien V, 789. 

Balaüstro it., balaüstre sp., balustre fr. Meine säule eines gelän- 
ders; daher it. bai aust rata u. s. w.; von balauetium (ßahxvariov) 
Uüthe des wilden granatbaumes, it. balaüstra, wegen einer ähnlichkeit der 
form (Crusca, Caseneuve). 

Bai co und palco it. gerüst, Stockwerk, von letzterer form das sp. 
pg. palco; abgel. it. balcone, sp. balcon, pg. balcäo, fr. balcon erker. 
Sämmtlich aus dem ahd. balcho, palcho balken, ndd. balke kornboden, 



38 I. BALDACCHINO -BALISA. 

vgl. altn. bälkr v er zäunung. Die pic. mundart besitzt das deutsche wort 
in seiner eigentlichsten Bedeutung, bauque poutre. Andre finden den Ur- 
sprung von balcone im pers. balkan zinne der mauer (Vutters I, 260*). 

Baldacchino it., sp. baldaquin, fr. baldaquin thronhimmel; vom 
ital. Baldacco Bagdad, woher ursprünglich der dazu gebrauchte aus gold- 
fäden und seide gewebte stoff kam; diese Bedeutung zeigt noch das aitfr. 
baudequin, z. b. lors veissiez genz acesmer de samiz, de dras d'outremer, 
de baudequins d'or ä oiseaus Bomvart p. 582, und altsp. balanquin: 
balanquines e purpuras, xamit et escarlata Bc. p. 276, 21. Vgl.Frisch 
I, 61 c . 

Baldo it., pr. baut, altfr. aiUcßt. baud keck, üppig, fröhlich; pr. 
baudos dass.; sbst. it. baldore, pr. altfr. baudor übermuth, fröhlichkeit, 
it. baldöria freudenfeuer; vb. altit. sbaldire PPS. I, 66, pr. altfr. 
esbaudir heck, üppig, fröhlich werden; vom goth. balths (bei Jemandes 
und im adv. balthaba), ahd. bald u. s. w. kühn, freimüthig, vb. goth. 
balthjan ff. sich erkühnen. Die südwestlichen sprachen besitzen einen 
gleichlautenden stamm in folgenden und einigen andern Wörtern: baldo 
leer, entblößt, de balde und en (em) balde vergebens, unnütz, baldio 
unbenutzt, brach, balda unnütze Sache, mangel, schwäche, baldar hin- 
dern, lähmen (unnütz machen), bald od, baldao beschimpfung (eigentl. 
wohl unnützlichkeit, vgl. altsp. en baldon = en balde, daher werthlosig- 
keit, schimpf), baldonar, baldoar beschimpfen. Sind diese werter gleich- 
falls germanischer herhmft, so gieng der begriff der keckheit in den der 
eitdkeit über, wie z. b. das ahd. gemeit übermüthig und vergeblich zugleich 
bedeutet. Dieser Vorgang ist aber nicht wahrscheinlich, theils weil der 
grundbegriff 'kühn im span. nirgends vertreten ist, theils weü die span. 
derivata von den Übrigen ganz verschieden sind. Man hält sich also 
besser an die herleitung aus dem arab. ba tala unnütz sein Gol. 287, das 
sich in batla balda verwandeln konnte wie spatnla in espalda, rotulus 
in rolde. 

Balicaretf. (nur balica lonib.), altfr. baloier sich hin und herbe- 
wegen, schwanken, flottem, cat. balejar, sp. pg. a-balear gäreide schwing 
gen; etwa von ballare tanzen? oder entstellt aus banicare? s. banda. 
Prov. balaiar flattern, peitschen läßt sich formell nicht damit vereinigen. 

Balla it., sp. pr. bala, fr. balle kugel, runder pack; augm. it. 
ballone, sp. balon, fr. ballon. Da die ital. spräche für balla, ballone 
auch palla, pallone erlaubt, so ist die nächste herkunft des roman. Wortes 
aus dem gleichbed. ahd. balla, palla, mhd. bal, altn. böllr (von Benecke 
aus einer deutschen würzet erklärt) fast unzweifelhaft, welche formen sich 
dem Italiener unmittelbarer darbieten mußten als gr. ßctlletv, ndkkeiv, 
sbst. nakla. 

Balisa sp.pg., balissa cat, balise fr. pfähl, reisbündd, tonne u. dgl. 
zur bezeichnmg gefährlicher stellen am eingange der häfen (Dict. de VAc. 
fran$.), ndd. bake. Ein it. baligia fehlt, daher die franz. -ital. Wörter- 
bücher balise umschreibend übersetzen, der prov. ausdruck ist gaviteou. 



I. BALLARE-BAMBO. 39 

Es ist nicht zu ermitteln, ob das wort nur den zweck der bemerkten gegen- 
stände, also z. b. merkeeichen, warnung, oder ob es einen dieser gegen- 
stände selbst ausdrücken soll. Indem man von der letzteren ansieht aus* 
gieng, haben einige es aus palus pali abgeleitet, palitia, wiewohl sich das 
anlautende p gerade im sporn, und franz. fast niemals zu b herabläßt: 
dem qp. paliza (prägel d. h. schlage) ist diese abkunß nicht zu bestreiten. 
Chevallet entgeht dieser Schwierigkeit, indem er es aus dem ndl. balie 
(zuber) leitet; aber ein zuber ist nicht mit tonne zu verwechseln, abgerech- 
net daß der Niederländer sein balie nicht in dem sinne von balisa an- 
wendet. Der herkunft des seemännischen Wortes ist also noch nachzuspüren. 

Ballare it., sp. pg. bailar, pr. balar, altfr. baier tanzen; sbst. it. 
ballo, sp. pg. baile, pr. fr. bal tanz. Schon im ältesten tnlatein trifft 
man choreis et ballationibus Gl. Isid., wofür ein kritiker helluationibus 
vorschlägt (Jahrb. f. phü. XIII. suppl. p. 238), wiewohl es diesen glossen 
an unlat. Wörtern nicht fehlt. Ballare scheint abgeleitet aus dem roman. 
balla kugd, ball, daher ital. auch pallare wie palla; das sp. bailar ruht 
auf einem ursprünglichen balear (vgl guerrear, manear) mit Versetzung 
des e baelar bailar, altsp. noch bailar, pg. balhar. 'Das ballwerfen war 
im Mittelalter wie bei den Griechen ein mit gesang und tanz verbundenes 
spiel, daher in den romanischen sprachen ballare tanzen. So Wacker- 
nagel, Altfr. lieder p. 236. Wie das ballwerfen auf das tanzen über- 
getragen ward, so im altsp. bailar auf das singen; im walach. erfolgte 
das tanzen, zucare, aus dem spielen. Eine abl. ist it. ball ata ff. tanzlied. 

Balzare it. hüpfen, springen, in die höhe prallen, pr. balsar? 
Fer. 275; sbst. it. balzo, cot. bals, altfr. bausiüCaw. 320 prall, Sprung, 
ital. auch Hippe, wofür überdies fem. balza; verstärkt it. sbalzare 
schleudern, sich schwingen, sbst. sbalzo. Die heimath des Wortes ist sieht- 
barlich Italien, wo es sich am meisten ausgebreitet (vgl. noch balzellare, 
balzelloni): um so wahrscheinlicher Ast herkunft aus gr. ßaMdfyiv hüpfen, 
springen, tanzen. 

Bambagio, bambagia it. baumwolle, maü. bombäs; von bombyx 
(ßopßvt;) seide, baumwolle, mittetgr. ßajußaxiov, mlat. bambacium. Daher 
it. bambagino, sp. bombasf, fr. bombasin, basin baumwollner stoff, 
lat. adj. bombyemus. 

Bambo it. kindisch, einfältig, sp. bamba einfältiger mensch (nach 
Covarruvias) ; abgel. it. bambino, b&mbolo und b&mbola, bamboccio 
(hieraus fr. bamboche), sp. bambArria (m.) Und, puppe, kindischer 
mensch u. dgl., Ostreich, bams fand, bützel. Der stamm dieser bildungen 
ist der des lat. bambalio bei Cicero, des gr. ßafißalog, vb. ßafußall&iv, 
ßaftßaiveiv stammeln. Auchimsp. bamba schaukel, bambolear schau- 
keln, wiegen, bambdn, norm, bamboler dass., wäUon. bambi wackeln, 
bürg, yambe bewegung der glocke ist er anzunehmen, wie auch it. bambo- 
leggiare schäkern, kindereien treiben (von bambolo kind) buchstäblich mit 
sp. bambolear zusammentrifft. Vgl. auch das verwandte babbeo. Ital. 
bimbo kind scheint nichts anders als eine ablautende form von bambo. 



40 I. BANCO-BANDO. 

Banco it. sp. pg., fr. banc tafel oder tisch z. b. der Wechsler, 
ruderbank, Sandbank, zimmerbock u. dgl., das span. wart auch m der bed. 
scamnum, pr. banc nur in letzterer und so fem. it. sp. pg. pr. banca, 
fr. banque (auch banche felsengrund in der see Dict. de Trev.) ; vom 
ahd. bartch (f.), mhd. banc (m. f) scamnum. Zwar auch hymr. banc 
{gacl. binnse), aber die ital. nebenform panca spricht deutsche herkunfl 
an. Abgel. it. banchiere ff. Wechsler, mensarius; banchetto ff. bärik- 
chen, dsgl. gaster ei: da sich aber beide bedeutungen ziemlich ferne liegen, 
so scheint man die zweite aus dem vb. banchettare gastereien heilten, 
welches ursprüngl. 'tische und bänke rüsten bedeuten konnte, gezogen zu 
haben, entsprechend dem mhd. benken: hie wart gebenket schöne, tuoch 
unde br6t fif geleit Wb. I, 84. 

Banda it. sp. pr., bände fr. binde, streif, bände d. i. trupp; vom 
goth. bandi (f.), ahd. band (n.) Dsgl. it. bandiera, sp. bandera, pr. 
bandiera, baneira, fr. banniere fahne (daher unser panier), vgl. goth. 
bandva zeichen, und Paul. Diac. 1, 20: vexillum, quod bandum appel- 
lant; s. darüber Muratori, Ant. ital. II, 442; ferner it. bandolo, ban- 
doliera, fr. bandouli&re u. dgl. Das einfache bannum findet sich nur im 
attfr. ban, sofern es die bed. fahne zeigt, beispide bei Ducange; dieprov. 
denkmaler gewähren nur das edmpos. auri-ban, weiches Raynöuard un- 
richtig mit arriere-ban übersetzt, vgl. die stelle on a mot auriban e trop 
mot ric penon GAlb. 2637; es ist goldbanner wie auriflamma. Vb. 
sp. bandear, pr. bandeiar, baneiar hin und her schwenken (wie eine 
fahne), intrans. sich bewegen, flattern, attfr. banoier G. Guiart II, 341, 
esbanoier dass., gleicher bed. mhd. baneken s. Grimm II, 1000, worin 
noch die älteste roman. form banicare zu erkennen ist, die sich auch 
deutlich im comask. bangä schwanken ausspricht. 

Bando it. sp. pg., pr. ban, fr. ban öffentliche Verkündigung; vb. it. 
bandi re, sp. pr. bandir, pg. bandir, banir, fr. bannir öffentlich verkün- 
digen, daher partie. it. bandito öffentlich ausgerufener, verwiesener, Straßen- 
raubet. Das wort kommt frühe im ndatein vor, wo bannum edictum, inter- 
dictum, bannire edicere, citare, relegare heißt. Es ist deutscher herkunfl 
(Grimm, Rechtsalt. 732); zu beachten ist aber, daß das rom. bandire, 
bannire nicht wohl aus dem starken vb. bannan entstehen konnte, welches 
bannare, banner gegeben hätte, es stimmt mit seiner coryugationsform 
besser zum goth. bandvjan bezeichnen, andeuten, dessen nebenform banyjan 
zugleich das roman. bannir zu erklären scheint; andre deutsche dialecte 
können das im gothischen so einflußreiche ableitende v entbehrt haben. 
Vgl. den vorigen artikel, der mit dem gegenwärtigen innerlich zusammen- 
hängt. Auch die gael. spräche besitzt bann in der bedeutung des engl. 
band und ban; das sogleich zu nennende altfr. arban kann aber seine 
herkunfl aus dem deutschen gar nicht verläugnen. S. über bando auch 
Diefenbach, Goth. wb. I, 299, wo germanischer Ursprung oder wenigstens 
sehr frühe aneignung vermuthet wird. — Eine abl. ist pr. attfr. bandon, 
fast stets mit vorgesetzter partikel ä, 1) = ban: vendre gage a bandon; 



L BARA-BARATTO. 41 

2) wütkür, eigenÜ. preisgebung: prenez tot k vostre bandon. Aus diesem 
adv. ä. bandon gestaltete sieh wieder ein sbst. pr. fr. abandon, it. ab- 
bandono, abgekürzt bandono hingebung, vb. abandonar ff. hingeben, 
überlassen. Eine zss. ist fr. arri&reban auf gebot zum Kriegsdienst, ent- 
stellt oder umgedeutet aus ahd. hariban heerbann, mlat. haribannnm, arri- 
bannnm; näher der urform liegt das altfr. arban frohndienst, s. Du- 
cange s. v. heribammm. Eine andre zss. ist altfr. forbanir durch öffent- 
lichen ausruf des landes verweisen (for = lat. foras), ital. nur forban- 
nnto, altfr. sbst. forban Verweisung, dsgl. (concret) verwiesener, Seeräuber, 
nfr. noch in letzterer bedeutung, mlat. forbannitus in der L. Rip., ferban- 
nitns in der L. Sah, beide nach MüUenhoff (zur L. Sah p. 282) von ver- 
schiedener Zusammensetzung. Ein weiteres compositum ist it. contrab- 
bando, fr. contrebande Übertretung einer Verordnung, Schleichhandel. 

Bara it., fr. bar Dict. de Trev., üblicher bifere, pr. bera todtenbahre, 
tragsessd, chw. bara leiche; vom ahd. bära, ags. baer, bere, ndl. berrie; 
tf» letzteres fügt sich auch neupr. berio (für beria) tragkorb. 

Baracane it., sp. barragan, pg. barregana, pr. barracan, fr. bar- 
racan, bouracan, ein stoff von Ziegenhaar, daher nhd. bercan und bar- 
chent; vom arab. barrakän, barkan eine (schwarze) Meldung Gol. 263, 
Freyt. I, 113 h , nach Sousa persischen Ursprungs, s. baraka Jcleid oder 
stoff aus kamedhaar Vüllers I, 224*. 

Baracca it., barraca sp., baraque fr. hätte, zeit; abgeleitet aus 
barra Stange wie it. trab-acca aus trabs. Span, etymologen holen es aus 
dem arabischen. 

Baratto it., altsp. barato, pr. barat, fr. barat, fem. ältsp. cot. pr. 
barata, altfr. barate betrügerischer handd oder tausch; vb. it. barat- 
tare, altsp. pg. cot. pr. baratar, altfr. bareter bösen handd treiben, 
prellen, rupfen, überhaupt tauschen und täuschen, altpg. baratar zerstören, 
SRos.; zsgs. it. sbarattare, sp. pr. desbaratar, cdtfr. desbareter zu 
gründe richten (einen um alles bringen); selbst nfr. baratter buttern 
(durcheinander rühren, verwirren?) dürfte hieher zu rechnen sein. Aus 
it. barare (betrügen) konnte baratto auf regelmäßige weise nicht entstehen. 
Die dUnord. spräche besitzt barätta kämpf und Dante Inf. 21, 31 braucht, 
wie Muratori in dieser beziehung anmerkt, baratta in gleichem sinne, allein 
es bedeutet ihm gewiß nichts anders als das altfr. barate Verwicklung oder 
getriiM in der schlacht s. Ch. des Sax. II, 30, altsp. barata PC; auch 
wurden die begriffe kämpf und betrug (Verwicklung) schwerlich hand in 
hand gehn. Die ahd. spräche bietet bala-räti nequitiae Graff II, 467, 
dies würde jedoch fr. banrai oder baudrai hinterlassen haben. Ein wort, 
das dem begriffe genügt, ist gr. nqcaxuv handeln, geschäfte machen, 
kniffe brauchen (wofür jetzt irqay^axsvuv gesagt wird); von den griechi- 
schen kaufleuten konnte es das abendland entlehnen. Wegen b aus gr. n 
vgl. boite von nvl-ig u. a. und wegen der einschiebung eines vocales in 
den Gomplicierten anlaut it. calabrone von clabro für crabro (andre bei- 
spiele Born, gramm. I, 302). Der Serbe hat augenscheinlich dasselbe wort, 



42 I. BARBACANE-BARDASCIA. 

bar&tati geschäße treiben. — Das neusp. barato heifit wohlfeil, ohne mühe* 
subst. wohlfeüheit, baratar unter dem werthe verkaufen, und wird von 
J. v. Hammer aus dem arab. barät (bara h) immunxtas Freyt. I, 102* er- 
klärt. Dagegen ist einzuwenden, daß die arab. substantiva auf at im 
span. die spätere oder vulgäre form ah reflectieren (bara müßte es heißen) 
und daß diese bedeutung sich doch den obigen anknüpfen läßt. 

Barbacane it. (m.), sp. pr. barbacana, pg. barbacäo, fr. barba- 
cane brustwehr mit Schießscharten vor der hauptmauer einer festung, 
churw. vrlt. barbachaun Stützmauer; nach Vossius De vit. serm., arabischer 
herkunft, was aber Muratori, Ant. itcU. II, 456, bestreitet, Pougens, 
Tresor I, 137 wieder behauptet. Persischen Ursprung erkennt ihm Wedg- 
wood su, nämlich von bäla-khaneh oberes zimmer (woher aucAbataone 
stammen soll), ursprüngl. ein vorragendes fenster tum schütze des ein- 
gangs, 

Barbecho sp., barbeito pg. brachfdd; von vervactum dass. Im 
nordwesten ward anlautendes v wie in andern fällen, zu g und so ent- 
sprangen die formen pr. garag, fr. guäret, denen im Süden vol. guaret, 
cot. guret entsprechen. Im ital. ist das wort nur mundartlich, wie sard. 
(logud.) barvattu; dafür hat die Schriftsprache maggese. 

Barca it. sp. pg. pr., barc^ wal., barque/r. kleines lastschiff, schon 
im frühesten mlatein: barca, quae cuncta navis commercia ad Utas portat 
Isid. 19, 1, 19. Das übliche prov. bar ja, altfr. bärge, nfr. berge (bar- 
que ist fremd) verlangt jedesfalls bärica als älteste* fortn (vgl. carrica 
charge, serica serge) und diese könnte erwachsen sein aus gr. ßaQig kakn 
(baris bei Properz) wie auca avica aus avis ; der griech. schifferausdrücke 
gibt es im romanischen mehrere. Dagegen verweist Wackemagd (Haupts 
Ztschr. IX, 573) auf altn. barkr, das sich mit börkr zusammenstdlen 
lasse, ein aus rinde (borke) gebautes schiff. 

Bar da it. sp., barde altfr. pferdeharnisch van eisenblech, aUfr. 
champ. barde auch zimmeraxt GVian. 1998, wal. bard? dass., dauph. 
partou hackmesser, dsgl. pg. barda, fr. barde speckschnitte, die man um 
ein stück braten legt, port. auch sattel; ab gel. fr. bar de an schindet, it. 
bardella, fr. bardelle, pr. bardel platter sattel, reitküssen; it. bardotto, 
fr. bardot lastthier, das der treiber reitet (sattelthier). Diese büdungen 
erinnern theüs an ahd. barta, ndl. barde hacke, theils an nord. bardi 
schild; aber pg. barda in der bed. hecke, zäun, span. dornichte mauerbe- 
Ueidung, sind sie mit Larramendi auf bask. abarra da d. h. 'es ist ge- 
zweige zurückzuführen? Das sp. albarda saumsattd (auch speckschnitte 
= pg. barda) leitet man dagegen aus dem arab. al-barda f ah unterläge 
des satteis Gol. 253, Freyt. I, 106 b , s. Monti, Agg. cd vocab. II, 2,310. 

Bardascia it., bardaxa sp., bardache fr. (m.) pathicus; vom arab. 
bardag sklave? Gölius p. 253. Das lomb. und piem. bardassa bedeutet 
überhaupt nur knabe, bei bardassa ist = bei fanciullo, und auch das 
sard. bardascia hat diese bedeutung neben der andern. Über altfr. bar- 
dache stange s. Qrandgagnage v. bardahe. 



I. BARGA— BARONE. 43 

Barga sp. cdtpg., fr. berge hohes abhängiges ufer; vielleicht ein 
uraltes wart, wenigstens kein germanisches, vgl. kymr. bargodi überMngen, 
hervorspringen, bargod rand, dachtraufe. 

Bargagno it., pr. barganh, fem. pg. pr. barganha Unterhandlung, 
aitfr. bargaine ceremonie Roq.; vb. it. bargagnare, pg. pr. barganhar 
feilschen, handeln, /Vvbarguigner (für bargaigner, vgl. grignon IL c.) 
knickern, zaudern. Das mlat. barcaniare Gap. Cor. Gcdv. bezeugt, daß g 
aus c entstand und so ruht das wort vielleicht auf barca fahr zeug, das, 
nach Isidors definition, die waaren hin- und herbringt, so daß bargagno 
das hm- und herhandeln bedeutete. Das suffiz aneum bildet zwar sonst 
keine abstracta aus concreten begriffen, allein seine bedeutung läßt sich bei 
der spärlichkeit seines Vorkommens überhaupt nicht auf das genaueste be- 
stimmen. Genin, Beer. phü. I, 279, erkennt in diesem wort ein compo- 
situm, bestehend in der vornan, partikel bar (für bis) und gagner; aber 
sowohl das mlat. barcaniare wie die unwandelbare gestalt der silbe bar, 
die weder in bis noch in bes noch in ber umschlägt, hauptsächlich aber 
die form gagn, wofür guadagn u. s. w. zu erwarten war, kurz, alles ist 
gegen ihn. 

Bargello it., sp. pg. barrachel, altfr. barigel häscherhauptmann; 
vom mlat. barigildns (barigildi et advocati in einem capitular v. j. 864), 
sieher ein deutsches wort, aber von unklarem Ursprung. 8. Grimm, Rechts- 

Baritono it. sp., pg. baritom, fr. vrlt. baryton stimme zwischen 
tenor und bass; vom gr. ßaQurovog grobstimmig, nicht vom lat. barritus, 
woraus nur baritöne werden konnte. . 

Baro und barro it. falscher Spieler, schurke; augm. barone; vb. 
b arare, barrare Schelmerei treiben. Die herkunft dieses Stammes, der 
so einfach nur im ittü. vorkommt, ist noch unauf gehellt; buchstäblich passt 
zwar zu baro, barone das mlat. barns, baro, die begriffe aber einigen 
sieh nicht. Desselben Stammes sind etwa folgende Wörter: pr. baran be- 
trug; it. baroeco wucher; altsp. baruca list; it. barnllo Obsthändler 
(vgl. treccare betrügen, trecca hökerweib); sp. baraja, pg. pr. baralha, 
altfr. berele Ruteb. I, 78. U, 117 Verwirrung, hader; vb. baraja r, ba- 
ralhar, bamlhar durcheinanderwerfen, in Unordnung bringen. 

Barone it., sp. varon, pg. varäo, pr. bar (acc. barö), altfr. ber 
(ace. baron), nfr. baron ursprüngl. mann wie lat. vir, auch ehemann: pr. 
lo bar non es creat per la femna, mas la femna per lo baro non est 
creatus vir prqpter midierem, sed mulier propter virum. Daher bedeutet 
es auch mannhaft, kräftig; altfr. Karlemaine nostre emperere ber Rol. 
ed. Mich. p. x vi; ne sui pas si preux ne si ber NF. Jub. L p. 214; 
pr. barnatge, altfr. baronie, barnie tapferkeit l embarnir kräftig 
werden LR. Daneben zeigt sich bereits im prov. und altfr. die bed. 
großer des reiche, lehensträger, so z. b. im Leodegar str. 9 baron franc 
fränkische große. Die ältesten deutschen rechtsbücher nehmen es gleich- 
falls für mann im gegensalz zum weihe: tarn baronem quam feminam 



44 L BARONE. 

L. Rip., barum vel feminam L. Älam., in der L. Sal. ist baro der frei- 
geborene, in den capütdarien Karls des kahlen sind barones die proceres 
oder vassallen, daher auch baro dem Joh. de Garlandia 'gravis et authen- 
tieus vir bedeutet, gravis vielleicht mit anspielung auf das lautverwandte 
gr. ßaQug. Neben dem mlcU. und romanischen begegnet noch ein das- 
sisches baro ; bei Cicero, der es öfter braucht, heißt es thor, pinsel ; dies 
aber könnte andrer herkunft sein. In den schollen zum Persius wird ihm 
die bed. servus müitum beigelegt und gallische herkunft angewiesen, und 
ziemlich übereinstimmend übersetzt es Isidorus mit mercenarius und leitet 
es aus gr. ßaQvg stark, grob, *fortis in laboribus\ Auch in einer elantan- 
nischen 'Urkunde v. j. 744 sind parones servi. Die notiz des scholiasten 
muß irgend einen grund haben. Sucht man im celtischen, so findet sich 
ein altgael. bar held, also zusammentreffend mit dem altfr. ber, sofern 
dies einen tapfern mann bezeichnet. Eine zweite gael. bed. trefflicher 
mann rührt an die des Joh. de Garlandia. Als eigennatnen bemerkt man 
das wort im frühen mlatein nicht unhäufig, z. b. bei Fumagcdli p. 91 (v. 
j. 792); davon zu unterscheiden ist Bero ursus. Dies sind in aller kürze 
die das wort betreffenden thatsachen; seine herkunft ist noch nicht mit 
Sicherheit ermittelt. Vor allem muß seine abstammung aus dem celt. bar 
als eine den prov. und franz. Sprachgesetzen widersprechende hypothese 
abgelehnt werden. Es fiectiert mit beweglichem accent (bar barön) und 
alle Wörter dieser classe rühren entweder aus dem latein. (drac dragön, 
läire lairön) oder aus dem deutschen (Uc Ugön) her; der celt. Sprachbau 
bot keinen anlaß zu solchen flexionen. Es bleibt also hier nur zweierlei 
übrig. Entweder ist unser baro lateinisch, wozu die bemerkung des scho- 
liasten aber nicht wohl passt, oder es ist germanisch und dem widerspricht 
die bemerkung des scholiasten nicht, da die Römer germanische leicht mit 
gallischen Wörtern verwechselten. Zu der bed. servus müitum (last- oder 
packträger der Soldaten) stimmt nämlich ahd. bero (acc. berun, beron) träger, 
vom vb. beran, goth. baf ran, welches Ulfilas für qtoqtiv und ßaatateiv gebraucht. 
Das Substantiv hat sich im althochd. nicht erhalten, ist aber nach dem 
altfries. bera vorauszusetzen. Hieraus das altfr. ber, acc. baron mit üb- 
licher Verwandlung des tonlosen e in a. Dabei muß freilich eingeräumt 
werden, daß der Provenzale, dem der Wechsel zwischen e und a (vgl. auch 
altfr. lerre larron) nicht genehm ist, den vocal des accus, auch auf den 
nomin. übertragen habe. Aus der bed. träger, lastträger müßte sich die 
bed. starker bursche, kerl (fortis in laboribus) und endlich hieraus die 
bedd. mann, lehensmann entwickelt haben. Es bleibt aber auch dies eine 
hypothese, die, wenn sich der latein. Ursprung des wortes gegen die sage 
von seiner fremden herkunft begründen läßt, von selbst verschwindet. Man 
vgl. noch mhd. bar Wb. I, 88. 142. In ital. mundarten tritt unser wort 
in einem bescheideneren sinne auf: com. bergam. bar, piem. berro, romagn. 
berr heißt widder, lothr. berra (d. i. b^rard) dass., man sehe einen ent- 
sprechenden fall unter marrone II. b. — [Herkunft aus beran vermuthete 
auch Müllenhoff zw L. Sal. p. 279. Weitere Untersuchungen über das 
wichtige wort s. bei Diefenbach, Orig. europ. p. 250.] 



I. BAKRA-BASTARDO. 45 

Barra it. sp. pr., barre fr. stange, riegd; daher sp. birrio, pr. 
cal. # barri schutzwehr, wall, Vorstadt, miat. barrium (aera 987); fr. bar- 
reau; it. barriera, sp. barrera, fr. barri&re u. a.; vb.sp. barrar, bar- 
rear, fr. barrer. Aus dem celtischen : hymr. bar (m.) ast u. s. w. s. Diefen- 
bachy Celt. I, 184, vgl. mhd. bar, barre in den rotnan. bedeutungen. Das- 
selbe wort ist auch enthalten im ahd. sparro, vb. sperran, woraus sich die 
üal. formen sbarro, sbarra, sbarrare gestaltet haben können, nicht 
eben müssen, da diese Sprache den anlaut häufig mit s verstärkt. Noch 
sind einige Meitungen zu erwähnen: sp. bar ras stange, zsgs. sp. emba- 
razo, fr. embarras Sperrung, hindernts, vb. embarazar, embarrasser, 
dsgl. fr. däbarrasser; wohl auch sp. barrica, fr. barrique tonne, daher 
barricata verrammelung (aus fässern und ähnlichen Sachen bestehend); 
it. barile, sp. pg. barril, fr. baril, kymr. baril, gael. baraill, wozu noch 
sp. barral große flasche kommt. Auch franz. Ortsnamen wie Bar-sur-Aube, 
Bar-le-Duc werden zu diesem stamme gerechnet. S. auch baracca. 

Basso it., sp. baxo, pg. baixo, pr. bas, fr. bas niedrig; vb. bas- 
gare ff. Das Isid. glossar hat bassus 'crassus, pinguii, das Gloss. vetus 
p. 511 bassas 'pingues oves\ bassum c non altum', Papias bassus 'curtus, 
humilis (nicht profundus). Die grundbed. ist also wohl die erstere: in 
der that heißt it. bassotto dick, dttfr. bas breit, gedrungen, z. b. une 
maison longhe et assez basse SSag. p. 169; ele a basses banches et 
bassee jambes NF. Jub. II, 260, wo an die bed. tief nicht zu denken ist. 
Man erinnert, was seine herkunft betrifft, an gr. ßaoocov und celt. bas, 
welchem letzteren die rotnan. bed. seicht zusteht) aber ist dies nicht ent- 
lehnt und würde sich bas so leicht in span. baxo verwandeln, das ein 
doppeltes* verlangt? Das wort muß vielmehr ein acht latein. sein: schon 
das alte Rom kannte es als zunamen, dergleichen auf körperliche eigen- 
schoflen zielend sich viele vorfinden, und hier passt die bed. der glossen 
trefflich. Auch Papias sagt basus 'curtus a base, et (nomen) proprium 
est Als eigentlicher name begegnet es z. b. in einer Urkunde des 6. jh. 
Marin, p. 197*, die zss. Campobassum in einer andern v. j. 635 Briq. 
p. 136 h . Diefenbach, Goth. wb. I, 282, ist geneigt, bassus 'diele ganz 
von bassus * niedrig* zu trennen, vielleicht ohne noth: bassus konnte das 
in die breite, nicht in die höhe gehende, das gedrungene bezeichnen, worin 
sich die begriffe dick und kurz berühren. — Aus dem adjeetiv entstand 
das sbst. it. basso untertheü, fr. bas strumpf (eigentl. abgekürzt aus bas- 
de-chausse, vgl. haut-de-chausses), sp. baxos, pg. baixos (pl.) unter- 
üeider, auch fußbekleidung, ein wort, womit das lat. baxea (ort schuhe, 
bei Plautus), welches fr. baisse erzeugt haben würde, gewiss nicht zu- 
satnmenhängt. 

Bastardo it. sp. pg., bastart^r., bätard/r., miat. bastardus wenig- 
stens seit dem 11. jh. uneheliches Und. Entstehung aus dem folgenden 
basto ist wohl kaum zu bezweifeln, da auch dttfr. fils de bast, entstellt 
fils de bas, gesagt ward: fille de bast schon im Aubery p. 11, fröre de 
bas bei Carpentier, fille le roy Henris de bas (im reime) DC. Aufweiche 



46 I. BASTO-BATTERE. 

anschauung sich aber dieser ausdruck € kind des saumsattels* besieht, ist 
nicht so leicht ins klare zu bringen. — [Mahn p. 17 gibt eine anspre- 
chende erldärung dieses ausdrucks. Das deutsche bankert kommt bekannt- 
lich von bank und heißt eigentlich der auf der bank, im gegensatze mm 
bett, erzeugte (vgl. Grimms R. A. 475). Der roman. ausdruck kind des 
saumsattels gieng dagegen im Süden, in der Provence oder Spanien, am 
den sitten der maulthiertreiber hervor, die sich in den wkrthshäusern ihre 
betten van saumsätteln machten und dort mit den mägden verkehr hatten. 
Ein beispiel dieses Verkehrs findet sich im D. Quixote 1, 16. — Auch 
Gachet hat sich an diesem worte versucht. Nach ihm ist bastard nur ein 
bildlicher ausdruck und bezeichnet eigentlich den nebenschoßling oder 
schmarotzerzweig eines baumes, der am fuße desselben hervorwächst, vgl. 
dazu avoutre IL c. Man hätte also an bas 'tief unten zu denken,- aber 
dem widerspricht die form mit st bast entschieden.] 

Basto it. sp., bast pr,, b&t fr. saumsaüd; vb. pr. bastar, fr. 
bäter satteln. Man erinnert an das deutsche bast, weil die sättd etwa 
damit befestigt worden seien. Vergleicht man aber bastone stock, so 
wird man für basto eher auf die bed. stütze, unterläge, worauf die last 
ruht, verwiesen, und vielleicht haben wir in ihm ein wort der römischen 
Volkssprache vor uns, zusammenhängend, wie man auch sonst schon be- 
hauptet hat, mit gr. ßaovaueiv stützen, ßaaza^ lastträger; an diesen stamm 
mahnt auch das spätere lat. basterna sanfte, worüber J. Grimm, Gesch. 
d. d. sp. p. 461, allerdings andrer meinung ist. Dem gr. ßaoraj; aber 
entspricht buchstäblich das gleichbed. pr. bastais, cot. bastax, sp. bastage, 
it. bastagio. Desselben Ursprunges ist, außer dem eben erwähnten it. 
bastone (fr. bäton, woi. beston u. s. f.), auch it. bastire, altsp. pr. 
bastir, fr. bätir bauen (eigentl. stützen?), woher altsp. pr. bastida, it. 
bastia, bastione, fr. bastille u. a.; dsgl. sp. pg. basto angefaßt, 
dicht (daher die eigenthümlich span. bed. dick, grob, auch im morat. 
sinne); vb. it. bastare, sp. pg. pr. bastar hinreichen (eigentl. ausfüllen, 
wie sp. harto gefallt, hinreichend), ven. bastare hemmen (stopfen), altsp. 
auch bastir versorgen PC. = bastir bauen. — Eine andre bedeutung 
zeigen die Wörter it. sp. pg. cat. basta heftnaht, Steppnaht, fr. bätir, sp. 
bastear, it. imbastare, sp. cat. embastar mit weiten sticken 'nähen. Sie 
erinnern an ahd. bestan flicken, mhd. besten schnüren, dies vom sbst. 
bast; aber bastire reicht dafür aus, wenn man die im prov. üblichen bedd. 
einrichten, zusammenfügen, berücksichtigt. 

Battere it., sp. batir, pg. bater, pr. batre, fr. battre, wal. bäte, 
auch serb. bätati schlagen; von batuere, auf roman. weise in batere ver- 
kürzt. Wie selten man dies wort bei den Alten liest, um so üblicher ist 
es schon im frühesten mlatein. Es mußte sich jedoch eine neue flexion 
gefallen lassen: perf. battidi L. Sah, L. Long, (wie prendidi, ostendidi), 
pari, battutus Decret. Child. (um 595). Unter den zahlreichen ableitun- 
gen ist zu erwähnen it. battaglia, sp. batalla, fr. bataiüe, wal. b$täe 
Schlacht, schon bei Adamantius Martyr. batualia, quae vulgo battalia 



I. BATTIFREDO-BECCO. 47 

dicuntur; ferner it. battaglio, batacchio, sp. badajo für batajo klopfet; 
it. battigia fallende sucht; sp. batan Walkmühle; pr. bataria Schlägerei, 
fr. batterie aufgestelltes geschätz. 

Battifredo it., beffroi fr., alt berfroi, beffroit, wachtthurm; vom 
mhd. bercvrit, bervrit zum schütz oder angriff dienender thurm, mlat. 
berfredus, belfredus. Die ital. form lehnt sich durch umdeutung an battere. 

Batto it. ruderschiff; daher battello, sp. batel, pr. batelh, fr. 
bateall naehen; stimmt zu ags. bat, altn. bätr kleines schiff, vgl. kymr. 
bäd boot. 

Baüle it., sp. baül, pg. bahül, bahü, pr. baue, fr. bahut koffer, 
feUeisen. Unter diesen abweichenden formen die ursprünglichste zu er- 
mitteln, ist nicht wohl möglich. Besitzt sie z. b. der Spanier, so könnte 
das wort aus bajnlus träger wie gerla tragkorb aus gerula sich gestaltet 
haben, indem der accent fortrückte, wie dies in casulla aus casula aner- 
kannt werden muß. — [Die bekannte deutung französischer philologen 
aus dem deutschen behüten war unzulässig, weil nur ein Substantiv genüge 
ihat. Ein solches weist nun Mahn p. 89 aus den unterdess erschienenen 
Wörterbüchern nach: mhd. behuot bewahrung, schütz Müller 1, 732, behut 
magazin Grimm. Daß hochd. uo = gofh. 6 romanisch als u, nicht als 
o auftritt, ist selten und läßt spätere einfuhrung vermuthen.] 

Bara it^ sp.pg. baba, fr. bave genfer; vb.pg.pr. barar, fr. baver, 
sp. babear geifern. Es scheint ursprünglich ein naturausdruck, das mit 
lallen (gr. ßaßaCetv, vgl. alban. beb?, kleines Jcind) begleitete geifern der 
Säuglinge zu bezeichnen, darum heißt dttfr. bave eben sowohl unverstän- 
diges kindisches geplauder, baveux, bavard, pr. bavec plauderhaft, 
und das steil, vava einigt die begriffe geifer und Jcind. Hieher sp. ba- 
bieea albern (urspr. geifernd, daher pf er dename?), babosa Schnecke u. a., 
vb. eat. embabieear, pg. embabacar, sp. embaucar hintergehen, zum 
besten haben. 

Bazza it., sp. baza, cat. basa, gutes glück, stich im kartenspiel; 
affenbar das seltne mhd. bazze gewinn, gleicher herkunft mit baz (besser) 
s. Mhd. wb., ein vermuthlich durch deutsche söldner verbreitetes wort. 
Abgd. it. b&zzica ein kartenspiel, bazzicare mit jemand verkehren. 

Beccabungia iL, sp. pg. becabunga, fr. b£cabunga, auch russ. 
ibunka, eine ort der veronica; vom ndd. beckebunge (beck back, bunge 
hnotlen), nhd. bachbunge, einer der sehr wenigen gemeinrom. pflanzen- 
namen, die aus dem deutschen genommen wurden. Das franz. wort ist 
schlecht assimiliert und wohl kein volksübliches: man sagt dafür berle de 
rm&re, auf prov. creissoun kresse. 

Becco it., pr. fr. bec, pg. bico Schnabel, spitze, sp. bico schnabel- 
förmige spitze von gold an der mutze. Celtisches wort: cui Tolosae nato 
cogaomen in pueritia Becco fuerat, id valet gallinacei rostrum Sueton. 
m Viteü. c. 18; gael. beic, bret. Wk, auch ndl. bek. Daher pr. beca 
haken, vermuthlich auch fr. beche für beche grabscheit, wiewohl dltfr. 
besehe gesehrieben wird; vb.it. beccare,jpr. bechar, fr. becquer hacken, 



48 I. BEFFA-BERBICE. 

bScher graben, nhd. bicken, picken; daher ferner it. beccaccia, fr. 
b^casse, cat. becada Schnepfe (langer Schnabel); fr. böquille krüeken- 
stock. Zsgs. fr. aböquer junge vögel füttern; pg. debicar eine speise 
leicht berühren. Im ital. bezzicare mit dem Schnabel hacken (picken) 
mögen sich die stamme becco und pizza (s. unten) gemischt haben. 

Beffa it., sp. befa, cdtfr. beffe, mit a altsp. (Alex.) und pr. bafa 
Verspottung; vb. it. beffare, sp. befar, alt bafar verspotten, fr. bafouer 
(mit erweiterter form, etwa lothringisch) verächtlich behandeln; dazu sp. 
bef o Unterlippe des pferdes, als adj. dicklippig, in welcher bedeutung 
auch belfo gesagt wird, cat. bifi, occ. befe; dsgl. pic. bafe lecker- 
maul, mautschelle. VermutJüich aus dem deutschen, vgl. bair. ndl. beffen 
bellen, keifen. Zu thüring. bäppe maul Frisch J, 45'' stimmt mail. babbi, 
com. bebb, occ. bebo lippe\ gen. !ä beffe heifit die lippen gegen einen 
spitzen. Eine abl. ist fr. befiler spotten, engl, baffle. 

Beiare it., beler fr. blöken; von belare, einer seltnen von Varro 
gebrauchten form für balare, vgl. in dem Vocabutarius S. GaU. belat 
*pläzif (blökt). Daher romagn. be geblöke, cat. be schaff norm, bai harn- 
mel, vgl. aber auch ähnliche ausdrücke s. v. bidet II. c. 

Ben da it.pr., lomb. binda, sp. venda, fr. bände vitta, taenia, fascia, 
vb. bendare ff. fasciare (ältfr. bender vincire z. b. DMce. p. 16h 13); 
vom ahd. binda, vb. ahd. goth. bindan. ühserm bündel, engl, bandle ent- 
spricht ältfr. boundel Boq. II, 518. 

Benna it. korbschiitten, comask. karren, auch der dazu gehörige korb, 
churw. fuhrwerk auf schleifsohlen, fr. banne korb für lastthiere, großes 
tuch zum schute der waaren, altfr, benne; abgel. com. benöla, chw. ban- 
aigl, fr. banneau, benneau, bannet on u. dgl. Von dem auch durch 
die german. sprachen verbreiteten worte sagt Festus: benna lingua gallica 
genus vehiculi appellatur, und in dieser bedeutung und in der eines ge- 
fäfies braucht es auch das nüatein, z. b. Haec omnia vehiculo, qnod 
vulgo benna dicitur, imposuit Flodoard. Coxit panes et carnes et ac- 
cepit ceryisiam in vasculis, prout potuit, quae omnia in vase, qnod 
vulgo benna dicitur, collocavit Vit. S. Remig (DG). Damit ist au ver- 
binden sp. cat. neupr. banasta, altfr. banaste großer korb: stammt es, 
was kaum zu bezweifeln ist, von benna, so muß, da ein selbständiges 
suffix ast unerweislich ist, dies aus dem suffix aster abgekürzt sein, wie 
denn das wort cdtfr. auch banastre Ren. I, 149, piem. ebenso lautet; aus 
goth. bansts a7to$rjY.r] konnte banasta nicht entstehen, weil eingeschobene 
voccie nicht betont zu werden pflegen, und ein dem goth. worte entspre- 
chendes ahd. banasta annehmen, ist bei dem grade vor s oder st selten 
vorkommenden eintritt des derivativen a jedenfalls bedenklicher als der 
durchgang von banasta durch ein rom. ban&stra. Buchstäblich dem goth. 
banst entspricht nur das mundartl. fr. banse (f.) großer korb, wiege, mlat. 
bansta, vgl. GruSrard, Polypt. d!Irmin. p. 315, auch im deutschen einhei- 
misch, s. Grimms wb. v. banse. 

Berbice it., pr. berbitz, fr. brebis, pic. berbis (f.) schaf, wal, ber- 



I. BERGAMOTTA-BERTOVELLO. 49 

beace widder; von berbex, einer bei Petronius vorkommenden gemeinen 
form für vervex hammel, s. Schneiders Lot. gramm. II, 227, mlat. berbix 
in den ältesten Schriftwerken. Daher pr. b er gier, fr. berger schäfer, 
in frühem mlatein berbicarius; altfr. bercil schafstall, gleichsam vervecile; 
nfr. bercail dass., mit vervecale zu erklären. 

Bergamotta sc. pera it., sp. bergamota, fr. bergamote eine art 
birnen; aus dem türkischen beg armödi d. i. herrenbirne, so genannt wegen 
ihres Wohlgeschmacks. 

B6rnia und sbernia it., sp. bernia, fr. bernie, berne (bei Nicot) 
ein grober stoff zu mänteln so wie der daraus verfertigte mantel; von 
Hibernia, woher der stoff kam (Nicot, Covarruvias, Menage). Entsprechend 
sp. holanda holländische lemwand, vom ländemamen Holanda u. a. fälle. 

Berretta it., sp. birreta, pr. «berreta, barreta, fr. barrette mutze, 
masc. dUsp. barrete, pr. birret dass.; vom spätem lat. birrus (byrrhus) 
iZeid von flockigem stoff, s. bujo. Eine Urkunde v. j. 532 Breq. p. 47 
hat birreto auriculari. 

Berta it. fopperei } lomb. piem. elster, plaudertasche; vb. berteg- 
giare foppen; pr. bertaut armer wicht? PO. 134, henneg. bertaud 
castriert, vb. bertaud er castrieren, fr. bretauder, com. bertolda die ohren 
stutzen, die haare abscheren, altfr. foppen, quälen NFC. II, 184; it. b er- 
töne pferd mit gestutzten ohren; bertuccio äffe. Woher dieser stamm 
bert oder bret, der Verstümmelung, Verhöhnung bedeuten muß? Darf man 
erinnern an aMn. britia in stücke schneiden, oder an bretöu im Bude- 
brandslied, das Lachmann verstümmeln, Grimm IV, 710 zermalmen über- 
setzt? Ital. berta heißt aber auch ein Werkzeug, womit man pfähle in die 
erde stampft, ramme, Jungfer, fr. demoiselle, russ. bdba weih, ramme. 
und wenn man erwägt, daß die grauenhafte eiserne Bertha der deutschen 
sage auch den namen Stempfe führt, mit deren stampfen oder treten die 
kinder bedroht wurden {Grimms Myth. p. 256), so ist die herkunft des 
ital. Wortes deutlich genug. Ob etwa auch die übrigen roman. Wörter da- 
mit zusammenhängen oder eigne quellen haben, wird sich minder leicht 
ins reine bringen lassen. 

Bertesca und baltresca it. streitgerüste an mauern oder thürmen 
zum aufziehen und niederlassen, pr. bertresca, altfr. bretesche kleines 
hölzernes mit zinnen versehenes castell } deren mehrere zw befestigung 
eines ortes angelegt wurden, z. b. et a una bertresca sobre cascun pilar 
e podon en cascuna xx cavayer estar Fer. 2337, vgl. Ducange v. bre- 
taehiae. Seine herkunft betreffend, so hat das von Chevallet aufgestellte 
deutsche brett-dach in dieser spräche selbst kein dasein und befriedigt 
nicht einmal die form. Eine besser begründete deutung aus dem ein- 
fachen breit mit romanischer endung gibt Mahn p. 121. Auch m pre- 
della II a und in brelan II. c hat, der Romane das deutsche wort benutzt. 

Bertovello it. fischreuse. Wer fühlt nicht darin das bekannte 
vertebolum der L. Scd., womit ein geräthe zum fischfang benannt wird? 
si qtris statuale, tremacle aut vertebolum (al. vertivolo) furaverit. Aus 

4 



50 I. BETULA-BIADO. 

vertebra floß vertebulum, hieraus entstand mü vertauschtem suffix (wie 
aus martulus martello) das ital. wort, ven. bertevolo, piem. crem. mail. 
bertavel, com. bertavelle und bertarel; in ollen diesen mundarten heißt es 
auch ein ähnliches geräthe zum Vogelfang. Vertebulum aber zog seine 
bedeutung unmittelbar aus dem vb. vertere, nicht aus vertebra: die reuse 
heißt so, weil ihr hals nach innen gekehrt, umgewandt ist. Für diese 
auffassung gewährt die ital. spräche einen unzweifelhaften beleg, indem 
der hals oder die mündung der reuse ritroso = retrorsus (etwas rückwärts 
gekehrtes) genannt wird. Bertovello bedeutet auch ofenbrücke, ein Werk- 
zeug zum umwenden der kohlen. Es ist also an verriculum (zugnetz) 
nicht zu denken, woraus das salische wort grammatisch nicht entstehen 
konnte. Aber auch im franz. läßt es sich wahrnehmen: verveux, richti- 
ger verveu, wie man sonst schrieb, heißt eine reuse von garn, für vertveu 
= vertovello, bertovello; näher jedoch kommt letzterem das limous. 
vertuel. Man sehe Pott, Platflat. 402, wo bereits verveu mit vertebolum 
verglichen ist. • 

Bätula, betulla it. pg., dsgl. it. bedello (crem, b^ddol), cot. bedoll, 
sp. abedul, pic. champ. boule {für beoule?), daher fr. bouleau (dimin. 
für beouleau) birke; von betula, betulla, celtischen Ursprungs, in primi- 
tiver gestalt neupr. cat. bes = com. betho, bezo, kymr. bedu, bret. b6z6, 
gael. beth, s. Diefenbach, Orig. eurqp. p. 257. 

B^vero it., sp. bibaro, alt befre, fr. bievre, wal. breb, neupr. vibre 
ein in den nördlichen gegenden lebendes säugethier, biber, altn. bifr, ags. 
befor, beofer, aM. bibar, lith. bebru, russ. bober, gael. beabhar, com. 
befer. Es ist identisch mit lat. fiber, dessen aspirata im germanischen, 
lithauischen, slavischen und celtischen nach gemeiner regel zur media wer- 
den mußte, vgl. Zeuß, I, 44. Bebrinus adj. findet sich in den scholien zum 
Juvenal 12, 34. 

Biado it., pr. cat. blat, cdtfr. bied, bleif, nfr. bW, fem. it. biada, 
mail. ven. piem. biava (vgl. Rovigo aus Bhodigium), altfr. bl6e getreide, 
sowohl der heim wie das körn; fehlt span. Daher pr. bladaria, cdtfr. 
biairie weidezins] zsgs. it. imbiadare, fr. embiaver (für embla-er) mit 
getreide besäen. Die gewöhnliche herleitung ist aus dem ags. blsed (f.) 
frucht, glück, segen; wie aber überhaupt nur sehr wenige alte roman. 
worter aus der landwirthschaft den german. sprachen entlehnt sind, so ist 
eine solche entlehnung aus dem entlegeneren angelsächsischen kaum anzu- 
nehmen, ja blaed mag aus dem roman. entlehnt sein wie ahd. fruht aus 
lat. fructus. J. Grimm gesch. d. d. spr. p. 69 denkt lieber an kymr. 
blawd mehl, dem aber, so wie es vorliegt, das roman. wort nicht gemäß 
ist. Der ausdruck ist wichtig genug um hier eine noch unversuchte deu- 
tung zu rechtfertigen. Lat. ablata (neutr. plur.) gab mit dem roman. ar- 
tikd r ablata, V abiada, la biada, als masc. behandelt il biado: es bedeutet 
das davon getragene, was auch unser getreide aussagt, den ertrag, das 
geemtete: ähnlich scheint unser herbst so wie das gr. xaQnog das geraffte, 
gesammelte zu bezeichnen (s. Schwencks d. wb.), noch abstracter ist das 



I. BIANCO— BIAVO. 51 

sicil. lavuri arbeit, fddfrüchte. Mlat. ablatum, abladus, abladium für 
messis kommt wirklich vor. Die erMärung von la biada aus dem articu- 
lierten V abiada ist nicht einmal streng nöthig, aus ablata konnte durch 
aphärese biada entstehen. Unter den italischen mundarten braucht die 
cremonesische biada auch für oblata, fr. oublie. — [In besiehung auf 
Mohns vertheidigung der celtischen herkunft p. 19 bemerkt der Krit. an- 
hang: 'Eine formelle Schwierigkeit liegt nicht vor, denn den anlautenden ton- 
losen vocal gibt die Sprache auch sonst auf und hier mochte es um so 
eher gescheht*, als man ihn in der weiblichen form zum artikel rechnen 
konnte: l'ablata lautete wie la blata. Auch die doppelform nach beiden 
geschlechtem ist dieser herleitung günstig: biado ist = ablatnm, biada 
= plur. ablata. Die herleitung aus kymr. blawd (mehl), wofür aber das 
gacL Math (blüthe, frucht) passender wäre, da jenes ein rom. blaud, blöd 
gegeben hätte, ist sicher aller beachtung werth: ich konnte mich aber nicht 
darauf einlassen, weil ich mein princip, die lateinische herkunft eines 
wortes so lange festzuhalten, als buchstabe und begriff es erlauben, nicht 
ohne noth verlasse**] 

Bianco it., sp. blanco, pg. branco, pr. blanc, fr. blanc weiß; vom 
ahd. planch, mhd. u. s. w. blanc glänzend weiß, uberh. weiß, verwandt 
mit blinken (fehlt goth. alts.). Im roman. ward es der eigentliche, volks- 
übliche ausdruck für tat. albus, welches im nordwesten trotz zahlreicher 
derivata gänzlich erlosch, im Südwesten (sp. albo, pg. alvo) die bed. schnee- 
weiß, im Hat. die bed. trüblich entwickelte. Nur im churw. und walach., 
worin blank keine aufnähme fand, blieb ihm sein volles recht. 

Biascin sard., pr. val. altcat. biais, neucat. biax, fr. biais (sämmtl. 
tnasc.) quere, schiefe, daher wohl pg. viez schrägheit, mit vorgefügtem s 
it. sbiescio schräg (vgl. piem. sbias, npr. esbiai); vb. sard. sbiasciai, 
pr. biaisar, fr. biaiser. In den Isidor. glossen liest man bifax c duos 
Kobens öbtutus, also mit doppeltem blick, schielend, wie sp. bis-ojo doppel- 
augig, schielend heißt, bair. zweiäugeln schielen Schmeller IV, 299. Aus 
bifax (bis-fax für bis-oculus) konnte pr. bifais biais werden (vgl. wegen 
des syncopierten f refusar reusar, profundus preon) und zwar erst als 
adjectiv mit der bed. schielend oder quer (denn auch als adjectiv begegnet 
es: via biayssa Ghx. V, 64, , paranlas biaisas GProv. 85, estivals biais 
Harn. 2208), nachher als Substantiv gebraucht. Mlat. bifacies, bifaciare 
Corp. stimmen ganz zu biais, biaisar. 

Biasimo it., dUsp. blasmo, pr. blasme, fr. bläme tadel; vb. bia- 
simare ff. tadeln; von ßlaoq>rj^ov adj., ßhxag>rj/i€lv. Ein zweites aus 
ßXaaq>T]juia entstandenes wort mit unorganischer Vertretung des f durch t 
ist it. biastemma, bestemmia, chw. blastemma, pr. blastenh, altfr. 
blastenge, wäl. biestern lästerung; vb. biastemmare u. s. f. lästern, 
fluchen; mit abgeworfenem anlaut (wie in lacio für flacio) sp. pg. lästima 
Schimpfwort, wehklage, vb. last im ar mishanddn, beleidigen, zum müleid 
bewegen. 

Biavo it. mdarti. z. b. venez., auch bei BojarUo 2, 37, altsp. 



52 I. BICCHIERE-BIGIO. 

blavo, pr. blau (fem. blava), fr. bleu (wie peu aus pau), cfaAer it. blü 
caertdeus; dirn. it. biadetto; zsgs. sbiavato, sbiadato; vom ahd. blao, 
blaw. Das ti7or^ hat sich im prov. am meisten verbreitet: blavenc, bla- 
veza, blaveiar, blavairo, emblauzir. 

Biccbiere it., chw. bich^r trinkgefäß, übrigens mit anlautender 
tenuisit. p 6c eher o pocal, wal. pehar (wegen des letzteren vgl. Miklosich, 
Slav. demente im Rumun. p. 35), pr. altfr. piehier, pechier, sp. pg. 
pichel, bask. pitcherra gefäß zu verschiedenen zwecken: die IAvr. d. rois 
p. 256 übersetzen z. b. auch hamula (kleiner eimer) mit picher. Im 
späteren mlatein bicarium, picarium, altn. bikar, ahd. pehhar, nhd. becher. 
Festus verzeichnet ein ähnliches wart bacar *vas vinarium', wovon aber 
bicchiere mit seinem radicalen i weit genug absteht; zu ihm bekennt sich 
das sieü. b&cara kleiner krug. Ital. beeco Schnabel bedeutet auch die enge 
mündung eines gefäßes, diese bedeutung wäre jedoch auf einen becher übd 
angewandt Mit recht mag man es darum aus dem griechischen herüber- 
leiten, worin ßinot; ein irdenes gefäß ist: hochdeutscher einfluß konnte 
b in p schärfen, it. p6cchero hat sogar deutschen accent. 

Bicocca, auch bicciocca, bicicocca, it. warte oder Meines schloß 
auf einem berggipfel, ven. bicoca baufälliges haus, sard. bicocca häuschen, 
treppe mit zwei absätzen, terrasse, lomb. gamwinde, sp. bicoca steinernes 
Schilderhaus, enges stubchen, schlecht befestigter ort, fr. bicoque mit letzterer 
bed., b i co q (m.) geißfuß, ein Werkzeug mit gespaltenem ende zum herauf- 
ziehen einer last; vb. lomb. bicoca hin und her schwanken. Dahin wohl 
auch einige ausdrücke für kopfbedeckungen: sp. bicoquete eine bauern- 
mütze, bi co quin mutze mit zwei zipfeln, piem. bicochin eine priester- 
mütze. Unsichere herleitung: soll man ein derivatum oder ein composi- 
tum darin annehmen? Menage räth auf vicus. Das vortreten der zwei- 
zahl (zwei absätze der treppe, gespaltenes d. h. doppeltes enäe, zwei zipfel) 
läßt auf zss. mit bis schließen, minder klar ist der sinn von cocca in den 
verschiedenen und sehr abweichenden bedetUungen des Wortes. 

Bidello it., sp. pr. bedel, fr. bedeau gerichtsbote; fußt genau auf 
dem ahd. petil emissarius Diut. II, 47, minder genau auf dem ags. 
bydel praeco = ahd. putil, nhd. büttel. 

Bigio it., pr. fr. bis hdlgrau, aschgrau, schwärzlich. Damit ist zu 
verbinden piem. pr. bisa, fr. bise (auch sp. brisa?) nordwind, bret. biz 
nordostwind, altfr. auch nördliche gegend, norden, z. b'. contre bise Brand, 
p. 131, devers bise Antioch II, 11: denn den norden nannte man dunkel 
oder schwarz,, so lat. aquilo von aquilus. Den namen des windes bisa kennt 
schon unsre älteste hochd. spräche, Schweiz, bise, beise. Ist nun die' 
wurzel deutsch und der name der färbe aus dem der weltgegend abge- 
leitet? Isaac Vossius (Menage, Orig. d. ling. ital. p. 609) gibt eine 
etymologie, die alle rücksicht verdient. Er verweist auf das formell genau 
zustimmende lat. bysseus, welches baumwollenzeug heißen müßte, in seiner 
bedeutung aber, wie andre ausdrücke für färben, ausgeartet wäre. Aber 
ßiooog bedeutet auch die braune seide der pinna marina, die viel verwebt 



I. BIGLIA-BINOCOLO. 53 

ward, und in dieser hinsieht würde bysseus ganz wohl passen. Was 
dieser herleitung aber noch besseren halt gibt, ist das mit bigio gleichbed. 
pg. buzio, welches gleichfalls aus bysseus entstehen konnte, da ja das 
griech. v mit i sowohl wie mit u ausgedrückt ward; dies letztere wort 
kennt auch Älfric in der form busius falb, s. Ducange. Die Vereinfachung 
des es im fem. bisa, bise macht keine Schwierigkeit: sie ist dieselbe wie 
im partic. misa, mise = lat. missa. Abgel. it. bigione feigendrossel, 
fr. biset holetaube, beide nach der färbe benannt. — [Mahn p. 87 be- 
zweifelt die obige deutung aus einem unvorhandenen bysseus und gründet 
das wort auf bask. baltza oder beltza schwäre, wofür er die formen baza, 
beza als berechtigte aufstellt. 'Aber auch diese syncopierten formen können 
das rotnan. wort nicht befriedigen, welchem, vornehmlich dem it. bigio, 
nur ein radicdles i gerecht ist, denn dieser vocal repräsentiert in tonsilben 
(ein paar fälle vor mehrfacher consonanz abgerechnet) überall den gleichen 
vocal der grundsprachen. Gegen die herkunft eines ital. prov. franz. dem 
»Spanier unbekannten, wenigstens in derselben form unbekannten Wortes 
aus dem baskischen kann ich überhaupt meine zweifei nicht überwinden. 
Menage dachte an piceus, dllein die bedeutung pechschwarz schreckte ihn 
ab. Das wäre nun kein großes bedenken, denn das pech ist nicht so 
schwarz, wie man es macht; allein die erweichung eines anlautenden p in 
b ist ein seltener und immer nur auf einzelne Wörter einzelner gebiete be- 
schränkter Vorgang, so daß ich nicht darauf einzugehen wagte. Neben 
dem oben aufgestellten bysseus dürfte auch bombyeius erwogen werden, 
dessen erste silbe wegfiel, wofür es nicht an Zeugnissen fehlt (mlat. bacius 
Dief. Gloss. lat. germ. 78 r , it. baco, sard. basinu, fr. basin, für bomba- 
cius cet.), dessen zweite silbe formen mit u und a zeigt (bambucinum u. 
bumbaciura DC, it. bambagio), daher das pg. buzio und wohl auch das 
sp. bazo, weiches eher hieher gehört als zu dem bereits in bayo vorhan- 
denen badius, pan bazo wäre also genau das fr. pain bis. Seidne und 
baumwollene Stoffe kamen in Scharlach oder purpur gefärbt nach Europa, 
vgl. mlat. bombicina Scharlach Dief., it. bambagello purpurschminke, ahd. 
sidin € coccineus* Grajf. Die grundbedeutung unseres wortes war dunkel- 
farbig, altfr. azur bis ist dunkelblau, vert bis dunkelgrün; die bed. 
schwärzlich erfolgte hieraus. Bombyeius empfiehlt sich besser als bysseus, 
theüs weil es ein vorhandenes wort ist, theils weil sämmtliche formen, mit 
i, u und a, darin ihre rechtfertigung finden. Man scheint die erste silbe 
abgeändert oder weggelassen zu haben, um die erinnerung an bombus zu 
beseitigen. Aus dem Krit. anhang.] 

Biglia it., sp. billa, fr. bille kugel von bein; vermuthlich vom mhd. 
bickel knöchlein, würfet, ndl. bikkel beinchen, womit die kinder spielen. 
Daher abgel. fr. billard kugelspiel, billot Motz. Pr. bilha 'ligneus 
ludus GProv. 63*. 

Bilancia it., maü. ven. sp. balanza, pr. balansa, fr. balance wage; 
van bilani bilancis. 

Binocolo it., binoele fr. fernglas für zwei äugen; zsgs. aus bini oculi. 



54 L BIONDO— BIRRA. 

Biondo it., pr. blon (fem. blonda), fr. blond, daher sp. blondo? 
(fehlt pg. und cot.), nhd. blond gleichfalls aus dem franz. (dafür mhd. 
val falb). Man hat auf apluda hülsen des getreides, kleie, auch auf 
bladum, fr. bl6, verwiesen, weil die färbe des reifen getreides der blonden 
ähnlich sei. Das einzige buchstäblich zutreffende etymon, das die sprachen 
gewahren, findet sich im ags. blonden-feax mischhaarig d. h. grauhaarig 
(s. Dief. Goth. wb. I, 304), aber der Übergang vom grauen durch das 
weiße oder hellfarbige zum blonden ist bei aller Veränderlichkeit der färben- 
begriffe (s. z. b. pardo II. b) nicht unbedenklich. Vielleicht hilft ein 
anderes deutsches wort. Ist blond, das nur vom haar gebraucht wird, 
etwa eine rhinistische form aus dem ältn. bland, dän. blöd, schwed. blöt 
sanft, weich, nämlich von färbe oder beschaff enheit? Dem entspricht auch 
ein bret. blöd, über dessen verhalten in den schwestersprachen s. Dief. 
I. c. p. 308. Zu beachten ist, daß der Älbanese beide begriffe, blond und 
sanft, mit demselben worte (russ) ausdrückt. Zu blond kommt noch die 
prov. und aitfr. nebenform bloi, welche unmittelbar auf blöd {vgl. dUfr. 
goi aus god) leitet. Bloi ist lichtfarb oder gelb, besonders von blumen 
und vom haupthaar gebraucht, in späterm mlatein bloius, blodius. Das 
haupthaar der schonen Isolt wird daher ohne unterschied blond und bloi 
genannt : pr. Yseut la blonda PO. p. 9, Ysseulz ab lo pel bloy Chx. 
III, 204. Eine äbl. ist it. biondella tausendgülderikraut, weil es zum 
blondfärben gebraucht wird. 

Biotto it. armselig, elend, lomb. biott, blot, chw. blutt nackt, ven. 
bioto einfach, lauter, pr. altfr. blos entblößt, beraubt (in letzterer spräche 
selten, s. Altrom. sprachd. p. 51), neupr. blous pur (z. b. aigua blousa), 
moden. bioss nackt, auch bask. buluza. Deutsches wort, bair. blutt, 
Schweiz, blutt und blutz, vb. blatten, mlat. in der L. Long, blutare aus- 
leeren, dsgl. mit z mhd. blöz, woher das pr. blos, dem bereits ein ahd. 
bl6z die form gewiesen haben muß. Im maüänd. ist nudus durch biott 
fast ganz verdrängt worden. 

Biroccio, baroccio it. zweirädriges fuhrwerk, daher sp. barrocho; 
sicher von birotus, aber, wie es scheint, dem suffix occio, z. b. in car- 
roccio, angebüdet. Das franz. wort ist brouette zweirädriger hand- 
wagen, für bi-rouette, wallon. berwette, bei Ph. Mousket bouroaite. Von 
biroccio ist unser birutsche; von der form birozzo (venez.) scheint protze, 
protzwagen, die syncope des i auch im sie. brocciu, chw. bröz. 

Birra it., fr. biere, wal. beare ein getränk. Das ital. wort. (ven. 
bira) ist aus dem nhd. bier, das franz. aus dem mhd. bier ; der genus- 
wechsel hat wenig zu bedeuten. Altere deutsche formen sind ahd. beor, 
bior, ags. beor, aitn. bior. Auch die celtischen sprachen besitzen es: 
gaü. beöir (f.), bret. biorc'h (m.). Aber weder im deutschen noch im 
celtischen scheint es seine würzet zu haben. Nach Wackemagtls ver- 
muthung (Haupts Ztschr. VI, 261) ist das deutsche bier vielmehr aus dem 
syncopierten lat. infinitiv bibere, der schon im ältesten latein in der form 
biber als Substantiv üblich war und trank bedeutete (mlat. biberes 'potiones 



I. BIS-BITTA. 55 

vd parvi calices* Gl. paris. 2685 Fb.), it. b6vere bäere bere, sard. biere, 
und dieser ansieht neigt sich auch Grimm im wb. zu. Schon Vossius 
hatte sie: a biber extrito b est belgicmn bier, s. Etym. lat. s. v. bibo. 
Auch im wal. heißt bier beutnre d. i. trank (IAvadit Dictzionar); engl. 
bevor vesperbrot. — Eine neuere deutung leitet das ahd. bior auf ein goth. 
*bius, dies auf skr. ptv, ptb = pä trinken zurück, worin auch slav. pivo 
seine quelle hat, s. Ztschr. für vergl. sprachf. V, 369, VII, 224. Dem 
Spanier fehlt das wort, dessen stelle vertritt cerveza, so auch pg. cer- 
veja, pr. cerveza Eluc., altfr. cervoise, it. cervigia, cervogia, cervosa 
(beide letztere aus dem franz.) = lat. cerevisia, cervisia, sicher der ältere 
romanische über alle provinzen verbreitete ausdruck. 

Bis eigenthümlich vornan, nur in Zusammensetzungen übliche Par- 
tikel, die das ungehörige, unächte, verkehrte ausdrückt und sich zuweilen 
in die formen ber oder bar kleidet: it. biscantare nicht ordentlich singen, 
trauern, pr. beslei verkehrter glaube, it. barlume für bislume schwaches 
licht, fr. bertouser (bei Menage) ungleich scheren, piem. berliche ein 
wenig belecken, berlaita molken (unächte, geringe milch, fr. petit lait), 
vgl. Born, gramm. II, 435. Aber woher diese partikd? Gegen lat. bis 
sträubt sich der begriff, gegen das deutsche miß die form, gegen bret. besk 
(abgestutzt) beides, besk-aigre z. b. hätte unfehlbar fr. böchaigre gegeben 
statt besaigre; zusammenziehung aus fr. biais wäre zu stark. Sollte es 
aus lat. vice entstanden sein? Vicedominus *. b. ist der Stellvertreter 
des herrn, nicht der rechte herr, und so biscantare nicht das rechte singen, 
bislume nicht das rechte licht. Lat. v als anlaut wird ital und span. 
lackt zu b, franz. freilich nicht so leicht, und eben darum ist diese er- 
Uärung oder die aus vix, die man etwa noch vorbringen könnte, nicht zu 
halten. Aber möglich wäre, daß man das Zahladverb bis, sofern es in 
Zusammensetzungen aus dem begriffe des doppelten in den des schiefen 
übergeht, wie im sp. bis-ojo doppdaugig, schielend, fr. bi-ais doppelsicht, 
schiefe, am ende auch auf alles verkehrte, ungehörige angewandt hätte, 
wie im altfr. bes-ivre schlimm betrunken, bes-order übel beflecken, piem. 
bes-anca verrenkt (eigentl. schlecht in den hüften sitzend) heißt. An den- 
selben Ursprung mahnt sp. bisel, occ. bizel, fr. biseau schiefe ebene. 

Bisaccia it., sp. bisaza, fr. besace quersack; von bisaccium eigentl. 
doppelsack, plur. bisaccia, bei Petronius. Dsgl. pr. fr. bissac, piem. 
bereac, bersacca, sard. brisacca, barsacca, von bis-saecns. Für bisaza 
findet sich sp. biaza, vermuthlich durch anlehnung an via, viage reise, da 
8 sonst nicht ausfällt; auch neupr. biassa. 

Bisante it., sp. pg. besante, pr. bezan, fr. besant eine byzan- 
tinische münze, mlat. byzantius, auch byzantus, gr. ßvtavxtog, dessen % 
hier keine schärfung in z erfuhr. 

Biscotto it., sp. bizcocho, pr. biscueit, fr. biseuit, ztvieback; von 
bis coctuß. So auch it. guascotto adj. halbgar, von quasi coctus. 

Bitta it., sp. cot. bita, fr. bitte stück holz zu verschiedenem gebrauch, 
pfähl; wohl vom alin. biti querbalken, engl, bit, Schweiz, bissen ; vgl. in 
den Erfurter glossen p. 279* bitus 'lignum, quo vineti flagellantur. 



56 I. B1ZZAKB0-B0CA. 

Bizzarro it. zornig, eigensinnig, seltsam, lebhaft, $p. pg. bizarro 
ritterlich, prächtig, freigebig, fr. bizarre wunderlich. Für das ital. wort 
gibt es ein primitiv bizza zorn, das, wenn es nicht etwa deutschen Ur- 
sprunges ist (vgl. ahd. bizön knirschen), aus dem fremden bizzarro abge- 
zogen sein muß, da arr kein ital. suffix ist. über das spart, wort läßt 
sich nur sagen, daß es sich mit gleicher bedeutung auch im baskischen 
findet und daß hier noch ein subst. bizarra bart vorkommt, welches Larrar 
mendi in biz arra 'er sei männlich' zerlegt und die weiteren span. be- 
deutungen daraus ableitet. — [Mahn, Etym. unters, p. 137 ff., leitet es 
entschieden: aus dem bemerkten bask. bizarra, worin biz die würzet, arra 
die endung, tapfer die Urbedeutung sein muß.] 

Blasone it. Wappenkunde, sp. blason, pg. brasao wappen, dsgl. 
rühm, preis, fr. blason wappen, Wappenkunde, engl, blazon; vb. it. bla- 
sonare, fr. blasonner wappen malen, sp. blasonar rühmen, sich rühmen. 
Am frühsten bemerkt man dies wort in Frankreich, wo es schild, eigentl. 
wohl Wappenschild bedeutet (Aubri im Fer. 161 h , Alex. p. 22, 29), im 
prov. hat es die ziemlich abweichende form blezo, blizo: blezos cubertz 
de teins e blancs e blaus wappenschilde mit weißen und blauen färben 
bedeckt LR. I, 338. Der valencianische wappendichter Jaume Febrer 
(gegen ende des 13. jh.) braucht blasö theils für wappen oder wappen- 
zeichen (armes 6 blasö str. 9), theils für rühm oder glänz (llustre 6 blasö 
str. 2), also schon ganz im neuspan. sinne; die bed. Wappenkunde ist erst 
später und zwar in Frankreich hineingelegt worden. Sein Ursprung kann 
kaum zweifelhaft sein : er liegt im ags. blase, engl, blaze, mhd. blas bren- 
nende fackel, daher glänz sowohl als auszeichnung im Schilde wie auch 
als prunk oder rühm verstanden. 8. darüber Bernd, Wappenwissenschaft 
I, 344. 345, E. Müller s. v. blaze. 

Bliaut #r. Chx. V, 153, auch blizaut Fer. 707, dsgl. blial, bliau, 
cdtfr. bliaut ein kleidungsstück von verschiedenem stoff (nüat. z. b. bliaa- 
dus canabinus, fustaneus, fr. bliaut de soie, sebelin HBord.), eine tunica 
sowohl für mannet wie für frauen, sp. pg. brial bloß für frauen, fehlt 
ital., findet sich aber in Frankreich mundartlich in mancherlei formen, 
bürg. z. b. bei La Monnoye biaude mit der bed. souqueniile. Während 
das roman. wort nur ein kleidungsstück zu bezeichnen scheint, wird unter 
dem mhd. bitalt, bltat ein seidner goldstoff zu kleidern, bettdecken und 
dgl. verstanden. Wo findet sich der stamm blt oder bltd (letztere form 
nach pr. blizaut zu vermuthen), mit dem sich die Suffixe ald und al ver- 
banden? Ist es orientalisch? Mahn p. 40 findet seinen Ursprung im 
persischen baljäd ein kleidungsstück, Vullers I, 262 b . Ducangc verweist 
aufkymr. bliant feines leinenzeug, das im celtischen selbst nicht tourzelnd 
mit dem roman. wort zusammenhängen dürfte, cdtengl. bleaunt, blehand 
Halliwell. 

Boca it., sp. pg. boga, pr. buga, fr. bogue (Nemnich) ein fisch , 
meerbrassen; vom lat. box bocis (m.) bei Plinius, nach dem gr. ßoa§, /Jci£. 
Taulus in seinen excerpten aus Festus gibt bereits eine halbroman. form 7 



I. BOCCA-BOLLA. 57 

weiche 0. Mutier für einen acc. plur. halt : bocas c genus pisds a boando 
appellatur. 

Bocca it., sp. pg. pr. boca, fr. bouche mund; von bucca backen, 
auch für mund oder tnatd gebraucht, die erstere Bedeutung nur im wal. 
buce erhalten. Prov. bucela, von buccella bei Martial; dsgl. bossi, 
altfr. boussin bissen, gleichsam bucclnum; sp. bozal maulkorb, gleichsam 
bucceale von buccea bissen. 

Boccale it., sp. fr. wal. bocal krug, becher, pokal; vom nüat. 
baucalis, dies vom gr. ßavxdktov gefäß, ßavxalig auf einem papyrus, s. 
Letronne im Journ. d. sav. 1833 p. 478. 

Boja cdtit. s. Lex. rom., pr. boia, altfr. buie kette, fessel, daher 
mhd. boije dass.; von boja bei Plautus und andern: bojae 'genus vincu- 
lorum tarn ferreae quam ligneae Festus. Dasselbe wort ist der Schiffer- 
ausdruck sp. boya, pg. boie, alt fr. boye, nfr. bou^e, dtsch. boje u. s. w. 
ein auf dem wasser schwimmendes mit einem seä (boja) befestigtes stück hol*. 

Boja it. henker, auch altsp. boya, neupr. boiou, wallon. boie, chw. 
bojer. Ehe man sich in Untersuchungen über dieses wort vertiefe, erwäge 
man, daß die ital. spräche keine mascülina auf a bildet, wohl aber femi- 
nina auf a als mascülina behandelt (il camerata, lo spia), das wort muß 
also ein schon vorhandenes sein, vorhanden aber ist im latein. und altit. 
boja fessel, namentlich hdlsfessel, vgl. Papias bogia 'torques damnatoruni , 
wozu die venez. form bogia passt. Dem Spanier ist ruthe und henker 
dasselbe, s. verdugo ZT. b. 

Bolgia it., altfr. böge ranzen, neufr. bouge stübchen; abgel. sp. 
burjaca schnappsack; fr. bougette reisesack, daher altengl. bogett, 
bougett, neuengl. budget, letzteres wieder ins franz. eingeführt. Es ist 
das lat. bülga bei Lucilius, welches Festus ein von den Galliern gebrauch- 
tes wort nennt: bulgas Galli sacculos scorteos vocant, altirisch bolc 
Zeuß 1, 17, gael. builg, eben sowohl ahd. bulga (aus dem vb. belgan 
schwellen). Übrigens fließen die roman. formen, wie oft, aus einer latein. 
adjectivbildung bulgea (bulgia), keineswegs aus dem celtischen oder deut- 
schen. Man sehe über dieses wort Diefenhach, Goth. wb. I, 271, Orig. 
europ. p. 274. 

Bolla und bulla it., sp. pr. bola, bula, pg. bolha, bulla, fr. boule, 
bulle blase, kugd, daher Urkundensiegel (für letztere bedeutung gilt meist 
die form mit u); masc. it. bollo Siegel, sp. bollo beule; von bulla Wasser- 
blase, beule, buckel. Span, bola, nebst altfr. pic. boule urindbeutelei, be- 
trug, gehen auf die bed. Wasserblase zurück; daher vb. bouler den kröpf 
aufblasen. Abgel. it. bolletta, bulletta, fr. biliet zettel, eigentl. besiegeltes 
blättchen; it. bollettino, fr. bulletin berichtzettel; dsgl. sp. bollon, 
fr. boulon naget mit dickem köpf, altfr. bolzen: ebenso heißt lat. bulla 
köpf des nageis. Desselben Stammes, von bullire, ist it. bollire, sp. pr. 
bullir, pg. bulir, bolir, fr. bouillir sieden, wallen, in unruhe sein ; hieraus 
das sbst. it. b o 1 1 o n e , fr. bouillon aufwällung, auch fleischbruhe (ähnlich 
sp. caldo mit letzterer bedeutung, eigentl. hitze, pic. caudiau, altfr. caudel 



58 I. BOLZONE— BORBOGLIARE. 

GNev. p. 117); dsgl. sp. bulla, pg. bulha unruhe, auf rühr, daher cat. 
esbullar verwirren, zerstreuen, und wohl auch pg. esbulhar genau 
durchsuchen, berauben (eigentl. ver stören?), das man sonst aus spoliare 
erklärt. 

Bolzone it., altsp. altfr. bozon, pr. bosso pf eil mit stumpfem ende, 
dsgl. mauerbrecher ; kann, ohne anlehnung an das deutsche bolz, bolzen, 
mittelst des Suffixes cion aus bulla nagdkopf (woher auch fr. boulon bol- 
zen) wie fr. haraeQon aus hamus abgeleitet sein. Die roman. urform 
bulcio bultio ist in altdeutschen glosasaren zu finden. 

Bomba jpr., auch altval. bei A. March, prahlerei, gepränge; dsgl. 
it. bombanza jttftrf, altfr. bombance bei Menage, gewöhnlich bobance, 
pr. bobansa s. v. a. bomba; pr. bobans für boban, altfr. bobant dass. 
Von bombus gesumse, geräusch, adj. bombicus geräuschvoll, prahlerisch, 
bei Venant. Fort. Daher denn auch Wörter wie bomba ein summendes 
geschoß, dsgl. bombarda, vb. it. rimbombare wiederhallen. 

Bomba sp. pg. cat., fr. pompe, engl, pump eine maschine zum 
wasserschöpfen, pumpe. Nach Adelung vom geräusch, das sie macht; zu- 
nächst wohl vom roman. vb. bombare trinken, schlürfen, denn die pumpe 
saugt, 1 aber auch dies verbum ist ein naturausdruck, s. bobo 11. a. Der 
Italiener nennt sie tromba, nicht weil sie ein trotnpetenartiges geräusch macht, 
was nicht der fall ist, sondern weil tromba, wie es scheint, aus lat. tuba 
entstand und dies 1) trompete, 2) röhre in einem druckwerke heißt. 

Bonaccia it., pr. bonassa, fr. bonace, sp. mit eingeschobenem n 
bonanza meeresstille; eigentl. heiteres weiter, von bonus, vgl. sp. bonazo 
friedlich und wal. resbune es heitert sich auf Das gegeniheil davon ist 
altsp. malina ungewitter von malus. 

Bonete sp. pg:, pr. boneta, fr. bonnet mutze. Ursprünglich name 
eines Stoffes: ab illo tempore nunquam indutus est squarleto Tel panno 
viridi seu bonneta Guül. de Nangiaco (um 1300). Woher dem stoff 
dieser name geworden, muß dahingestellt bleiben. Indessen erkennt J. 
Grimm zu Merkel L. Sal.p. liv in dem malbergischen ob-bonis (ob-pinis, 
abonnis unterhaübe, haarbinde) ein dem roman. bonneta bereits ver- 
wandtes wqrt. 

Borbogliare it., pic. borbouller murmeln, sp. borbollar, pg. bor- 
bolhar, borbulhar sprudeln, blasen werfen, cat. borbollar verwirren, be- 
trügen; sbst. sp. burbuja, pg. borbulha Wasserblase, knospe (etwas her- 
vorquellendes). Die hispan. verba erklären sich vielleicht aus einem ver- 
stärkten lat. bullare, bei den andern mag dies zweifelhafter sein, wiewohl 
die begriffe sprudeln und murmeln sich nahe berühren. Neben borbogliare 
stellt sich nämlich das gleichbed. borbottare, altfr. borbeter Ben. I1I 9 
529, pic. borboter, neben sp. borbollar ebenso das gleichbed. borbotar, 
ohne zweifel naturausdrücke wie gr. ßoQßoQvtetv brausen, gad. borbaa 
gemurmel, vermutlich auch it. bärbero mürrisch. Eine andre form mit 
der bed. murmeln lehnt sich an barba: sp. barbotar, maxi, barbotta, 
pic. barboter, cat. barbotejar. Dazu noch it. barbugliare, sp. barbullar 
unverständlich sprechen. 



L BORDA-BORGO. 59 

Bordapr. cot., borde altfr. baräke; vom goth. baurd, dltn. borä, 
ahd. bort tafel, brett, vgl. ir. gael. börd, Jcymr. bwrdh. Daher it. bor- 
dello, pr. fr. bordel, sp. burdel (auch adj.), ursprüngl. hüttchen, s. die 
stellen bei Ducange, altfr. auch fem. bördele schlechte hätte SB. 555. 

Borde sp. f pr. bort, altfr. borde, sard. burdu sbst. u. adj. bastard, 
nebenschöfiling. Es ist augenscheinlich das primitiv des späteren lat. burdo 
maulthier, bastard des pferdes (burdonem producit equus conjunetus 
asellae, s. Ducange), welches aber selbst ein fremdwort sein muß und von 
einigen etymologen mit dem deutschen beran (tragen) zusammengestellt 
wird, s. Schwende, Beiträge zur lat. wortforsch. I, 17, Graff III, 1 63. 
Burdo fehlt in diesem sinne dem roman. gebiete, denn das im prov. JElu- 
eidari, dem nicht überall zu trauen ist, angeführte burdo ist offenbar 
lateinisch. 

Bordo it. pg., sp. bordo, borde, fr. bord, fem. altsp. pg. bor da 
rand z. b. des Verdeckes, wal. boarte kränz; vom ahd. bort, alts. bord 
rand, schiffsrand, vgl. ahd. borto band. Daher sp. bordar, fr. border, 
engt, border einfassen. Das span. wort bedeutet auch sticken, wie sich denn 
beide handlungen nahe berühren, allein dafür besitzen andre sprachen eine 
besondre form: cat. brodar, fr. broder, engl, broider, kymr. brodio, zu- 
sammenfallend mit dem gael. brod, altengl. brode stechen, denn auch 
stechen und sticken, fr. brocher, sind verwandte handlungen. Eine andre 
form ist wallon. brosder, altsp. altpg. broslar für brosdar (mlat. brosdus 
oms dem 10. jh., später brustus gestickt), offenbar vom gleichbed. ahd. ga- 
prorton, sofern dies nebst ags. brord, dltn. broddr spitze, Stachel auf ein 
goth. bruzdön zurückfuhrt, vgl. Grimm I 2 319, Diefenbach, Goth. wb. I, 
285, 286, Mussafia, Gloss. zu Prise de Pampelune s. v. brusti und zu 
Monum. ant. s. v. enbrostar. 

Bordone it., sp.pr. bordon, pg. bordao, fr. bourdon stütze, püger- 
stab. Der wandrer konnte den stob, auf den er sich stützte, vergldchungs- 
weise sein lastthier nennen und so wäre bordone nichts anders als das so 
eben berührte lat. burdo, welche uralte etymologie zu unterstützen Covar- 
ruvias treffend das sp. muleta (maulthier und' krückenstock) anführt. — 
Nach GachePs vermuthung gehört das wort zur zahlreichen familie des 
goth. bafran; es möchte aber nicht leicht sein es daraus zu construieren. 

Bordone it., sp. bordon, pg. bordao, fr. bourdon bass, basssaüe, 
fr. auch hummel, vgl. atticus (attacus) vel burdo Gl. Adfr.; vb. fr. bour- 
donner summen. Ist es richtig, daß die langen trompeten oder Orgel- 
pfeifen diesen namen führten (Ferrari, Ducange), so konnte man ihn von 
dem der langen pügerstäbe (s. den vorigen artikel) entlehnt haben und 
hiernach wäre das gael. bfirdan gesumme, altengl. bourdon, von außen 
eingeführt. 

Borgo #., sp. pg. burgo, pr. bore, fr. bourg kleine stadt, flecken. 
Dasselbe wort ist in allen germanischen sprachen heimisch und seine 
würzet darin nachweislich, goth. baürgs, ahd. bürg, von bairgan, bergan. 
Indessen kannten auch die spätem Römer das wort burgus und zwar als 



/ 



60 L BORINO-BORRAGGINE. 

ein vulgäres: castellum parvum, quem burgum vocant, sagt Vegetius De 
re fnüit. 4, 10 (vgl. die stellen beiBöcJdng, Annot. adNotit. Occ. p.704)\ 
und wenn es aus dem deutschen in das latein übergieng, so scheint es 
wenigstens seine ausprägung als masculin dem gr. ni-gyng zu danken. 
Aus diesem längst vor dem falle des westlichen reiches dem Römer be- 
kannten burgus ist, genau genommen, das rom. borgo herzuleiten, nicht 
unmittelbar aus dem deutschen bürg, aus welchem sich die abl. it. borge 8 e, 
sp. burges, pg. burgel, fr. bourgeois nicht entwickeln konnte {vgl. unten 
franco), d. h. in der römischen Volkssprache muß schon burgensis gegolten 
haben, bis durch einfluß des deutschen bürg die form mit gutturalem 
g, it. borghese, pg. burguez, pr. borgues, <ütfr. borgois daneben aufkam. 
Auch im span. Ortsnamen Burgos hat sich das wort erhalten, es ist eine 
pluralform, lat. Burgi Burgorum, wie denn die stadt mit Vereinigung 
mehrerer dörfer(imj. 884) erbaut ward, s. Esp. sagr. XXVI, 169. Über 
die weite Verbreitung dieses wortes vgl. Diefenbach, Goth. wb. I, 264. 

Borino it, burin fr., sp. pg. buril, ältsp. boril grabstkhel; wohl 
vom ahd. bora terebra, borön terebrare. 

Bornio it., borni cot., borgne fr., borli limous. einäugig; vb. aitfr. 
borgnoier, im Voc. duac. Tbomier mit der bed. lippire. Meß es ur- 
sprünglich schielend, eine bedeutung, die ihm das bemerkte glossar von 
Douai beilegt (borne *strabo*) und die sich auch in einer mundartl. zur 
sammensetzung mit oculus ausspricht (bornicle schielendes auges Dict. 
genev. p. 42, im Jura bournicler schielen), so ist sp. bornear krümmen, 
ausweichen gleiches Ursprunges: in derselben spräche heißt tuerto ge- 
krümmt, schielend, einäugig, turnio schielend, von tornear drehen. Woher 
aber dies wort? Das bret. born steht zu einzeln im celtischen da, um 
nicht verdacht der entlehnung aus dem franz. zu erregen. Es findet sich 
ein henneg. bigornier schielen, welches Hecart aus bicornis zu deuten 
geneigt ist, aber die syncope wäre zu ungewöhnlich. Ital. borniola 
falsches urtheil wird wohl hieher zu stellen sein. 

Borra it. sp. pr., bourre fr. scherwolle, abgeschorenes haar von 
tüchern, grobe wolle, flocUen von haar. Wir hoben hier, wie schon Aldrete 
fol. 47* anmerkt, den Singular des bei Ausonius vorfindlichen burrae 
possen, lappalien (auch it. borre, sp. borras in demselben sinne) vor uns ; 
flocke und posse berühren sich öfter. Aus diesem burra bildete das ältere 
mlatein ein adj. reburrus struppig, kraus. Dahin gehört auch sp. borra, 
borro junges schaf, mit kurzer wolle, obgel. borrego dass.; it. borrac- 
cia, sp. borracha weinschlauch (von ziegenf eil?); pr. borräs, fr. bourras 
grobes tuch, nüat. borratium; vb. fr. bourrer, it. abborrare mit wolle 
ausstopfen, sp. pg. borrar sudeln, klecksen (aus der bed. von borra un- 
nützes zeug in Schriften); sbst. sp. b orr o n, pg. borräo klecks. Vgl. burro. 

Borrace it., sp. borrax, fr. borax ein aus China und Japan kom- 
mendes mittelsalz; vom arab. bflraq Golius 260, Freytag 7, lll h . 

Borraggine it., zsgs. borrana, auch borrace, sp. borraja, pg. bor- 
ragem, pr. borrage, fr. bourrache, wal. borantze ein kraut, borretsch % 



I. BORSA— BOTTARE. 61 

borrago Linn. Das Vaterland dieser pflanze soll die Levante, namentlich 
die umgegend van Aleppo sein, und daher konnte auch der name 'kommen. 
Indessen hat borraggine ein acht ital. gepräge, indem diese spräche eine 
anzahi pflanzennamen mittelst des Suffixes aggjne = lat. ago neu bildet 
(capr-, fus-, lent-, ulivaggine). Ist nun der stamm nicht ein erweislich 
fremder, so dürfte man in beziehung auf die haarichten blätter des krautes 
wohl an das oben genannte borra, besonders an dessen span. bed. strup- 
piges barthaar und an die franz. bed. rauhe haut über den hervorbrechen- 
den äugen des weinstockes. so wie an die ital. form borrace, sofern sie 
dem fr. bourras (grober Stoff) zu entsprechen scheint, erinnern. 

Borsa it. pr., sp. pg. bolsa, fr. bourse geldbeutd, börse, Versamm- 
lungsort der kaufleute; vom mlat bursa, byrsa, gr. ßvgoa, feil, leder. 

Borzacchino it., sp. borceguf, fr. brodequin ort halbstiefel; vom 
tnndl. broseken KU., in älterer gestäU brosekin, dimin. von broos (f.) 
mit gl. bed., vermutlich umgestellt aus byrsa leder, wie auch leerse Stiefel 
aus leer (leder) entstand. 

Boseo it., sp. pg. bosque, pr. bosc, fr. bois ? mlat. boscus und 
buscus gehölz. Dieses wort darf nach J. Grimm, Über diphthonge (vgl. 
gramm. II, 277, wb. v. busch) auf eine deutsche tourzel zurückgeführt 
toerden, bauen, wovon eine ahd. adjectivform buwisc, buise baumaterial, 
holz (wie fr. bois) anzunehmen wäre; auch das sbst. busch brauchte nicht 
eben aus dem romanischen zurückgekehrt zu sein (doch wohl mhd. bosche?) 
Das deutsche ü müßte sich also im roman. durch Position gekürzt haben, 
daher bosco für busco, s. busca. Die franz. abll. bosque t und bo- 
cage, für die veralteten boschet, boschage, schließen sich mit Ihrer kehl- 
tenuis den südlichen formen (ö. boschetto, sp. boscage) an; auch bouquet 
blumenstrauß für bousquet (vgl. lat. silva wald, dsgl. menge pflanzen) ist 
hieher zunehmen. Zsgs. ist it. imboscare, sp. pr. emboscar, fr. em- 
busquer (äU embuscher und embuissier) in den busch d. h. in den hinter- 
halt legen, daher im Garin en un bruillet (gebüsch) les a fait embuschier 
DC. v. brolium; engl, ambush hinterhält 

Bosso it., sp. box, pg. buxo, pr. bois, fr. buis buchsbaum; von 
baxus. Daher äbgel. it. buscione, fr. buisson, pr. boisson Strauch 
(nickt von bois, bosc, welchen nur ein pr. boscon gemäß sein würde); 
dsgl. it. bössolo buchsbaum und büchse, sp. brüxula compass (mit einge- 
schobenem r, vgl. pr. brostia unter boite II. c), fr. boussole, so wie 
sp. bnxeta, pr. bosseta, fr. bossette schocktet vonbuchs, überhaupt büchse. 

Botta it., altfr. botte, auch boz Ben. II, 152, kröte, champ. dauphin. 
böte ; scheint aus deutscher tourzel in bözen stoßen, treiben, so daß es das 
aufgetriebene thier bezeichnete. Auch sp. boto adj. stumpf, fr. bot in 
pied bot Jäumpfuß, botte klumpen, chw. bott hügel, tiaZ. butaciu stumpf, 
blöde (ungr. buda) müssen dieser tourzel zufallen: nhd. butz, butzen, ndd. 
butt bedeuten etwas abgestumpftes. 

Bottareä. in dibottare durcheinander schlagen, dsgl. buttare 
ausschlagen (von bäumen), sp. pg. pr. botar, fr. bouter stoßen ; vom mhd. 



62 L BOTTE-BRACA. 

bözen stoßen, Klopfen. Sbst. mail. butt knospe, it. botto, botta, sp. böte 
fr. botte stoß, bout ende y spitze (obd. btitz brustwarze), daher debout auf- 
recht, mettre debout mit dem ende hinstellen, aufrecht stellen, dsgl. 
aboutir zu ende gehen. Abgel. it. bottone, sp. pr. boton, fr. boaton 
knospe, knöpf eigentl. etwas hervorstoßendes, ausschlagendes, vielleicht 
buchstäblich das ahd. bözo bündel (knollen?). Auch kymr. bot, böth run- 
der korper ist verglichen worden, die ital. doppelform aber mit t und z 
in bottone und bozza (s. unten) scheint deutschen Ursprung anzuzeigen. 

Botte it., sp. pr. bota, fr. botte, boute, wal. böte, bute haben die 
bedd. faß, kübel, schlauch, stiefel u. dgl. Die Wörter singt vielen sprachen 
gemein, z. b. gr. ßovxtg, ßvttg flasche, ags. butte, nhd. btttte ein großes 
gefäß, gael. bot Stiefel. Butte begegnet schon in einer Urkunde v. j. 664 
Marin, p. 124. AbU. sind it. bottiglia, sp. botilla, botija, fr. bou- 
teille, mlat. buticula, in den Gasseier glossen puticla, in einem scherz- 
haften artikd zur L. Sei. (cod. gudf. 8. jh.) aber schon botilia ; dsgl h it. 
bottino Wasserbehälter, ahd. bat in, ags. byden u. a. m. 

Bottega it., sp. botica, pr. botiga, fr. boutique kramladen; von 
apotheca vorrathskammer, neap. mit tenuis potega, sie. putiga. Der weg- 
fall des a kann darin seinen grund haben, daß man in l'apotheca es zum 
artikel rechnete. 

Bottino it., sp. botin, beide wohl aus dem fr. butin beute; vom 
nord. byti, mhd. bfiten, s. Mhd. wb. 

Bozza it., pr. bossa, fr. bosse, pic. boche beule; adj. fr. bossu 
buckelig, bosseler bucklig machen, beulen oder getriebene arbeit machen 9 
bosseln; dsgl. it. boccia knospe, kugel, sp. bocha mit letzterer bed., pg. 
bochecha aufgeblasener backen. Im latein sucht man diesen stamm 
vergebens; leicht aber erkennt man darin das unter botta schon erwähnte 
hochd. butze, butzen etwas abgestumpftes, klumpenartiges, vgl. ndl. butse 
beule, vom mhd. bözen stoßen (hervorstoßen), s. oben bottare. Ital. 
bozza und bozzo bedeuten auch einen grob bearbeiteten d. h. einen noch 
unförmlichen stein, daher das vb. abbozzare aus dem rohen arbeiten, 
pg. esbo$ar, aitsp. sbst. esbozo = it. abbozzo, wogegen das sp. bosque- 
jar eine sehr abweichende gestalt zeigt. — Derselben herkunft wie die 
obigen formen mit radicalem o sind andere mit u: it. buzzo bauch, 
nadelküssen, sp. buche busen, kröpf, magert, auch bausch eines Meides; 
sp. buchet e s. v. a. bochecha; fr. but erhabene mitte eines dinges, ziel 
des schützen, daher zweck (wie auch, das letztere deutsche wort ursprüng- 
lich den nagelkopf im mittelpunct der Zielscheibe bedeutet), zsgs. de but; 
fem. butte aufgeworfener erdhaufe (altn. bütr abgestumpftes ding). Von 
buzzo ist maü. buzzecca, piem. buseca, it. busecchio gedärm, vgl. ahd* 
gebuzze 'exta Graff III, 233. An sp. buche scheint sich auch zu schlie- 
ßen bucha brotbehalter, Sparbüchse, vb. buchar verstecken. 

Braca it., sp. pg. braga, pr. braya, aitfr. braie hose (gewöhnt, im 
plur.), sp. braga, nfr. braie windet; vom lat. braca, in frühem mitteUatein 
braga, angeblich ein gallisches wort, bret. bragez. 



I. BRACCO-BRANDO. 63 

Bracco it., sp. braco, pr. brac, fr. braque Jagdhund, Spürhund; vb. 
it. braccare nachspüren; vom ahd. braccho, nhd. bracke. Span. adj. 
braco stumpfnasig. Aus der altfr. form bracon floß braconnier wild- 
dieb, vb. braconner in fremdem gehege jagen. 

Bragia, brascia, bracia it., sp.pr. brasa, ^r. braza, fr. braise glühende 
kohle, fläm. brase KU.; vb.fr. braser löthen, altfr. brasoier rösten DMce. 
p. 58, 11, brasiller dass. Roq.; zsgs. it. abbragiare, sp. abrasar, fr. 
embraser anzünden, altfr. esbraser LRs. 307. Vom ältn. brasa löthen, 
schtced. brasa flammen, wie Diefenbach, Goth. wb. I, 327, gegen die 
deutung aus ags. blase fackel (wovon blason) mit recht behauptet; dies 
nord. brasa wäre dann das ags. bräsian vererben, woraus sich die ital. 
form bragiare gut erklärt, braeia aber ist ausgeartet wie cacio von caseus. 
Dieselbe deutung schon bei Wächter, Gloss. germ., und Löscher, Literatur 
celta p. 94. Zu merken ist noch mail. brascä anzünden. 

Brago it., äUsp. bray Gonq. Ultram., pr. brac, altfr. brai schlämm, 
daher le pays de Bray nach Ducange, pr. auch eiter, cot. brac geschwür; 
adj. pr. bragos, altfr. brageux schlammig. Die herkunft dieses, wie man 
sieht, gemeinrom. Wortes steht nicht sicher. Menage verweist auf ein gr. 
ßQctyog = ?Aog sumpf teich bei Hesychius, und Isaak Vossius in seinen 
anmerkungen macht das ndl. braak (bruch) davon abhängig. Das griech. 
etymon genügt buchstäblich und erregt auf das ital. wort angewandt am 
wenigsten bedenken. Neufr. brai hat nur die bed. theer, daher wohl sp. 
brea, pg. breo dass., vb. brayer, brear theeren. 

Bramare it., chw. brammar heftig verlangen, sp. pr. bramar, fr. 
bramer schreien, neupr. bram& mit beiden bedd., vgl. altcat. glatir bellen, 
neucal. begehren, und Festus stelle: latrare Ennius pro poscere posuit 
Es ist das ahd. breman, ndl. bremmen brüllen, entsprechend dem gr. 
ßoifuiv, 

Branca it. altsp. altpg. pr., fr. brancbe, pr. auch masc. branc 
kralle, zweig, wal. brencf hand, vorderfuß, mlat. branca leonis eine pflanze 
(um 1070). Verwerflich ist die deutung aus brachium mit eingesetztem 
n, da eine solche form immer nur brancia ergeben konnte. Unzweifelhaft 
ist branca ein sehr altes roman. wort, ja vielleicht schon der römischen 
Volkssprache bekannt: für ersteres spricht die üal. abl. brancicare mit 
polatalem c, indem solche bildungen nur aus alten stammen hervorgiengen 
oder doch in alter zeit entstanden ; für letzteres das dasein des Wortes im 
walach. mit eigenthümlicher bedeutung. Zusammenhang desselben mit dem 
dUgael. brac, com. brech (e aus a), hymr. breich arm (des baumes äste 
sind seine arme) mit ausgefallnem n muß man anerkennen und vielleicht 
vergegenwärtigt das bret. brank noch die reinere form. Vgl. Diefenbach, 
CeU. I, 210. Von branca kommt it. brancolare tappen u. a. m. 

Brando it., pr. bran, altval. brant (noch bei A. March), altfr. brant, 
branc, bran schwertklinge (branc de l'espäe); vom ahd. brant titio, altn. 
brandr gladius, vgl. wegen der bedeutungen den span. schwertnamen 
Tizon = titio, später in Tizona verändert, s. Sanchez, Colecc. I, 227. 



64 L BRANDONE-BRAYO. 

Daher it. brandire, pr. fr. brandir, sp. blandir den degen, die lanze 
schwingen; ditn. fr. brandiller schwingen, dsgl. branler, zsgs. äbranler, 
für brandoler. Eine andre all. ist pr. brando, fr. brandon, sp. blandem 
f aekel; altfr. brander brennen, in flammen stehn s. Chron. de Fantosme 
v. 958, pr. brandar, neupr. brandA, piem. brande kochen, wällen, altpr. 
abrandar in brand selten. 

Brandone it., zsgz. brano, fetzen fleisch oder tuch, cltsp. brahon 
{für bradon) tuchlappen, pr. bradon, brazon, braon, altfr. braion, hthr. 
bravon, engl, brawn wulst fleisch, dickbein; vb. it. sbranare, altfr. 
esbraoner zerfleischen; vom ahd. bräto (acc. brätun, bräton) fleischiger 
theil, wade. 

Brasile it., sp. pg. brasil, fr. br£sil (l mouille) eine ort höh zum 
rothfärben, das sich in großer menge in Brasilien findet, woher der natme 
des landes. Das mittelälter bezog es von einem andern bäume aus ver- 
schiedenen gegenden des Orients: grana de brasile (brasilienscharlach) er- 
wähnt bereits eine italische Urkunde von 1193 s. Ducange; andre nUat. 
Schreibungen sind brasilium, bresillum, braxile, pr. brezilh, bresil, altfr. 
wie neufr. und oft neben orientalischen färbestoffen und gewürzen genannt. 
Aber das wort verweigert der Orient, der Araber z. b. nennt die sache 
baqqam. Geht .man von der prov. form aus (und Marseilles Welthandel 
berechtigt dazu), so darf man mit fug an eine ableitung aus briza krüm- 
chen denken (s. briser U. c), woher auch brezilhar zerkrümeln, noch jetzt 
fr. brösiller (bres für bris euphonisch wegen des folgenden i), so daß es 
etwas zerbröckeltes bedeutete, denn das brasilienholz kommt und kam wohl 
auch sonst gewöhnlich in kleinen spänen nach Europa. Auch andre han- 
delsartikel dieser ort, wie Scharlach (grana), zimmet (cannella) nannte 
man nach der gestait, in der man sie empfieng. Diese grammatisch und 
logisch begründete herleitung wird sich besser empfehlen als die gewöhn- 
liche aus brasa glühende kohle (in beziehung auf die färbe), denn das 
naturreich hätte schicklichere vergleichungen dargeboten. Überdies müßte 
man alsdann die span. form zu gründe legen, deren suffix il aber dem 
begriffe wenig angemessen scheint, abgesehn davon, daß der Provenzale 
keinen grund hatte, von dem buchstaben des bei ihm gleichfalls einhei- 
mischen brasa abzugehn. — Das it. brasile nebst brasiletto haben erst 
neuere Wörterbücher; dafür ist verzino (bereits beiL. Pülci) üblich. Nach 
der strenge des lautgesetzes stimmt es nicht zu brasil oder brasil; erwägt 
man indessen das ven. verz-el-ä d. i. verz-el-ato, das sowohl mit seiner 
bedeutung (fleischfarbig) wie mit seinen suffixen das sp. bras-il-ado reprä- 
sentiert, so wird man auf die möglichkeit einer identität von brasil und 
verzino geleitet. Aber letzteres fordert noch die vergleichung eines arab. 
Wortes. Vars ist eine als gelb, häufiger als roth bezeichnete zum zeug- 
färben und schminken gebrauchte, im handel befindliche pflanze Arabiens: 
gegen dieses etymon würde wenigstens die grammatik keine Schwierigkeit 
erheben. 

Bravo it. sp. pg., brau pr. (f. brava), brave fr. (hieraus unser brav, 



I. BRAZA— BRENNO. 65 

seit dem 17. jh. im gebrauch); dbgel. sp. pg. bravfo. Die älteste noch 
im Südwesten fortdauernde bedeutung ist 'unbändig, stürmisch', dalier sp. 
braviar brüllen, altsp. abravar in wuih bringen Conq. Ultram.; aber 
auch im dUitcl. liest man unde brave stürmische wogen s. Archiv, stör. 
ital. app. num. 18, p. 60. Besonders braucht man es von ungezähmten 
thieren, selbst von wilden pflanzen: nüat. bravus bog, it. bue brado (für 
bravo) junger noch nicht ans ziehen gewöhnter ochse, npr. brau stier, cot. 
kalb, sp. ganso bravo wilde gans, pg. uva brava wilde traube. Daran 
knüpft sich die bed. stürmisch im kämpfe, tapfer, sodann tüchtig, trefflich, 
stattlich. Das fr. brave, welches jene grundbedeutung nicht anerkennt, 
muß erst später aus dem ital. oder span., in welchen sprachen, der letz- 
teren besonders, unser wort die meisten sprossen getrieben, entlehtU sein; 
es fehlt der älteren spräche, worin es brou oder breu hätte lauten müssen, 
die ursprüngliche form und bedeutung aber blickt noch hervor aus £brouer 
brausen, rabrouer grob anfahren, die aus brau entstanden wie clouer 
aus clau, wiewohl Le Duchat rabrouer aus lat. abrogare deutet. Die 
Herkunft von bravo ist nicht gesichert. Drei Wörter aus drei verschiedenen 
sprachen bieten sich der erwägung dar: lat. pravus verkehrt, unrecht, 
kymr. braw sbst. schrecken, ahd. raw roh. Aus pravus konnte it. bravo 
geworden sein, nicht leicht sp. bravo oder pr. brau, aber die bedeutungen 
stoßen sich ab; übrigens findet sich das lat. wort außer im it. sp. pravo 
auch im pr. prau richtig geformt und ganz in seinem lat sinne. Daß 
das derivatum pravitas, it. pravitä, sp. pravedad, dem mit b anlautenden 
stamme gänzlich fehlt, wollen wir nicht zu hoch anschlagen. Bessere an- 
Sprüche scheint das ganz formgerechte braw zu haben, allein ist es nicht 
verdächtig, daß es dem Romanen in seiner eigentlichen geltung als Sub- 
stantiv fehlt? Das bret. bra6 (schön, lieblich) ist nebst dem gleichbed. 
ndl. brauwe (s. Küian) nicht celtischer, sondern franz. herkunft. Wie 
aus dem lat. crudus konnten sich aus dem ahd. raw leicht die bedd. un- 
biegsam, wild, rauh, tapfer entfalten; hier muß eine Verstärkung des an- 
lautenden t durch b angenommen werden, die auch in andern fällen 
(bruire, brusco, braire cet.) vorzuliegen scheint, deren verhältnismäßige 
Seltenheit aber auch diese deutung nicht zu voller glaubwürdigkeit gelangen 
läßt Sollte ein Zusammenhang anzunehmen sein zwischen brau und dem 
unten vorkommenden briu kraft, oder zwischen brau und braire pr. 
schreien, braidiu hitzig, stürmisch, vgl. das oben erwähnte it. brado für 
bravo? Aber der Wechsel zwischen den diphthongen au und iu oder au 
und ai gründet sich auf zu wenige fälle für eine solcte annähme. Die 
alte herleitung aus ßQaßsiov können wir bei seite setzen. Grimm D. wb. 
gibt auch noch das slav. pravi (recht, acht) zu bedenken, aber gestalt, be- 
deutung und selbst heimath dieses Wortes scheinen es nicht zu empfeMefi. 

Braza sp. pg., pr. brassa, fr. brasse ein längenmaß, Klafter ; vom 
plur. brachia die (ausgestreckten) arme, daher altfr. brace lev6e mit offnen 
armen Antioch. I, 47. 

Brenn o genues., sard. brinnu, piem. comask. pr. altfr. altsp. bren, 

ö 



66 L BRESCA-BRIBE. 

piem. auch bran Meie, nfr. bran dbfall, auswarf; nach Dieferibach, Goth. 
wb. 1, 321, auch sp. brana abfall von bäumen, Viehweide, brana schon im 
8. jh. Yep. III } n. 17 (v.j. 780), später auch branea; ein celt. wort, gad. 
bran, kymr. brän, bret. brenn Meie. 

Bresca mantuan. sard. sp. cot. pr., vriscastc, bresche altfr. honig- 
wabe, in späterem tnlat. brisca. Villemarque, Dict. fr. br. p. vu. erklärt 
es für celtisch: ir. briosg, kymr. bresg, bret. break, aber die lexica ver- 
sagen diese Wörter. In deutschen glossaren wird brisica mit *wirz über- 
setzt, dies bedeutet mit honig gemengtes wasser (Mhd. wb. III, 751, Dief. 
Gloss. lat. germ.), allein dieser umstand führt uns der quelle des Wortes 
nicht näher. Mahn gesellt es zum pr. brusc bienenlcorb. 

Brete sp. fußschellen, pg. vogelschlinge, pr. bret (bretz? LB. II, 
256) nebst altfr. bret mit letzterer bed.; abgel. altfr. broion schlinge 
Sax. I, 233, II, 85, Og. 1939; bret eile tragband, comask. bretela, bar- 
tela Schwanzriemen. Diese Wörter scheinen stammgenossen, und Mahn 
p. 64 deutet sie passend aus ahd. brettan stringere. In diesem falle Team 
also das hochd. t, wie in einigen andern, namentlich dem wurzelverwandten 
it. brettine (s. unten brida), in anwendung, Rom. gramm. I, 314. 

Brettonica it., sp. pg. bretonica eine pflanze; von betonica, nur 
wegen des eingeschobenen r zu erwähnen, fr. b6toine. 

Brezza it., fr. brise, engl, breeze kühler windesJwuch, maü. brisa 
kühles lüftchen aus norden, altsp. pg. briza, neusp. brisa nordostwind; 
zsgs. it. ribrezzo frost, Schauder. Von unsicherer herkunft; sp. brisa 
könnte selbst aus bisa entstellt sein. Es gibt ein oberdeutsches britzen, 
britzein fein regnen, rieseln, das aber dem begriffe nicht genügt. Besser 
nimmt man, von Italien ausgehend, in brezza eine Verstärkung des an- 
lautes von rezza für orezza sanfter windeshauch an, wodurch zugleich 
detn abweichenden genus in ri-brezzo genüge geschieht, da auch orezzo 
vorhanden ist, s. oben aura. 

Bribe fr. stück übrig gebliebenes brot, wallon. brib almosen; vb. 
wällon. brib er, pic. brimber auf bettelei ausgehn. Die picard. form für 
bribe ist brife, daher altfr. brifer gierig essen (wie der betüer das brot) 7 
brifaud fresser, auch bret. brifa, brifaod, wohl auch it. briiialda dirne y 
landstreicherin. Denkt man sich bribe aus ahd. bilibi brot, naJirung ent- 
standen, indem 1 in r übertrat, so erklärt sich zugleich das picard. f aus 
ndd. form, z. b. ags. bilifen; doch findet sich vielleicht eine einfachere er- 
Märung. Man hat freilich auch auf kymr. briw etwas abgebrochenes, vb. 
briwo, verwiesen; kann aber aus kymr. w ein rom. b oder f hervorgeht? 
Offenbar derselben herkunft ist sp. bribar ein landstreicherleben führen 
= wallon. briber ; sbst briba, it. birba landstreicherleben; sp. bribon, 
it. birbone, birbante, altfr. briban landstr eicher. — [Gegen den vorge- 
brachten deutungsversuch wendet Wackernagel die muthmaßliche betonung 
bilibi ein. Entscheidend möchte der einwand doch wohl nicht sein, da der 
Romane den deutschen accent leicht fortrückt, für bilibi also bilibi, end- 
lich blibi sprechen konnte.] 



I. BRICCO -BRILLARE. 67 

Bricco it., brique fr. Ziegelstein; vom ags. brice abgebrochenes stück; 
engl, brick, ursprüngl. also ein bruchstein. Henneg. und bürg, bedeutet 
brique Überhaupt ein stück: brique de pain ist = ags. hl&fes brice. Bim. 
it. briccolino Stückchen. Zu demselben stamme gehört wohl auch it. 
bricca rauhe gegend, pieni. brich cdpe, comask. sbrich, mail. bricol ab- 
sture, steile höhe. 

Bricco it. in s-bricco, daher briccone, pr. bric, bricon (auch fem. 
bricona), aitfr. = prov. schelm, spitzbube (gesellt sich gerne zu fol, s. 
Gar. II, 24, LR. II, 258). Nach Ducange vom roman. briga zank, 
wozu aber die kehitenuis nicht passt. Näher liegt ahd. brecho verletzer, 
störer, vgl. büs-brecho praedator, ags. brica, dsgl. altfries. breker Ver- 
brecher. 

Brida sp. pg. pr., fr. bride, citfr. bridel, it. predello zäum; vom 
ahd. brittil, pritil (mhd. brlten weben). Eine andre form ist it. briglia 
aus dem zsgz. britl, daher entlehnt das wal. bregle; eine dritte it. bröt- 
tine (für brettile?) 

Briga it. dltpg., altfr. brigue (broie NFC. I, 297?), sp. pg. pr. 
cot. brega zank (ital. auch geschäft, cat. lärm, getümmel, nfr. bewerbung); 
vb. it. brigare, fr. briguer eifrig streben, dringend bitten, sp. bregar, 
pg. brigar zanken, sich anstrengen, pr, cat. bregar, fr. broyer zerreiben ; 
dsgl. it. bri gante aufwieglet (adj. geschäftig), pg. brigäo zänker, sp. 
bergante, pg. bargante spitzbube, schelm, fr. brigand Straßenräuber; it. 
brigata gesdlschaft, rotte, heerschaar, daher fr. brigade. Daß sich alle 
diese Wörter zu einem stamme brig mit kurzem i bekennen, ist leicht zu 
ermessen; die grundbedeutung mochte unruhe, geschäftigkeit sein. Die 
gertnan. sprachen bieten diesen stamm nirgends, bekannt ist dagegen das 
cell, briga in städtenamen (Humboldt, Urbewohn. Hisp. p. 143) und das 
kymr. brig gipfele aber auch nur der buchstabe gewährt anlehnung. Son- 
derbar liegen grade im ital. die worte am vollständigsten und reinsten 
vor {vgl. auch noch die zsgs. disbrigare, imbrigare), während im Süd- 
westen der stamm zwischen brig, breg, berg, barg schwankt. Das span. 
Wörterbuch stellt auch ein veraltetes briga Stadt, flecken auf, es ist aber 
nur ein von den gelehrten eingetragenes wort. Brigante ist im ital. ein 
klares particip, das keiner herleitung aus dem celt. völkernamen Brigantes 
bedarf, die franz. und port. formen brigand, brigäo aber haben etwas 
fremdartiges, sie erinnern an truand, truäo (s. das.). Im mlatein verstand 
man unier brigantes leichtes fußvolk, daher fr. briga ndine drt panzer; 
das it. brigantino soll ursprünglich raubschiff bedeutet haben. Man sehe 
auch Diefenbach, CeU. I, 212 ff., Goth. wb. I, 322, Orig. europ. p. 2 71. 

Brillare it., sp. pr. brillar, fr. briller glänzen, funkeln. Da die 
ital. spräche nickt brigliare gibt, so enthielt auch das etymon, wenn nicht 
eUes trügt, die doppehonsonanz 11, die sich in den übrigen sprachen ohne 
Schwierigkeit erweicht, und so ist die bekannte herleitung aus beryllus 
(in der parmes. mundart brill) name eines wasserheUen edehteines, gram- 
matisch vollkommen richtig, ja das pr. und fr. 11 ließe sich auf die alte 



68 I. BRIN-BROCCO. 

form bericle aus beryllus bestehen. Dem begriffe etwas naher läge zwar 
vibrillare von vibrare funkeln, glitzern, aber das suffix ill würde it. eil 
(brellare) verlangen; für vibriculare war brigliare zu erwarten. 

Brin arag. pr., pg. brim, fr. brin faser; scheint gleiches Ursprun- 
ges mit bren, s. brenno. 

Brio it. sp. pg., briu pr., altfr. bri (selten, z. b. DMce. p. 161, 21) 
lebhaftigkeit, kraft, tnuth; daher pr. brivar, abrivar drängen, part. abri- 
vatz, altfr. abriv6 (oft abrievä geschr.) eilfertig, sp. brio so kraftvoll, 
brigoso im Canc. de Borna; ob auch it. abbrivo voller lauf des Schiffes, 
abbrivare absegeln, und nicht von ab-ripare? Nahe liegt gr. ßgiifv stark 
sein; näher aber doch .wohl das altirische brfg Zeuß 1, 26, gael. brigh 
kraft, leben, vgl. wegen u aus g pr. crau aus crag. 

Brocca it., pr. fr. broc kanne, krug, daher das Schweiz, broke, 
brög kübd. Nach Ferrari vom gr. nQo%ovg wasserkrug; nicht verwerf- 
lich, da der griech. anlaut n in einigen fällen zur media wird. Wer 
steht aber dafür, daß dies wort nicht mit dem folgenden identisch sei, in- 
dem man die kanne nach ihrer hervorstehenden mündung oder schnauze 
(lat. nasus, rostrum) benannte? Schon Le Duchat dachte daran. Ein 
diminutiv ist pr. broisson hals der flasche {gleichsam lat. broceio), pic. 
brochon auch visier des helmes (ursprüngl. etwas hervorstehendes). 

Broc co it. (verstärkt sbrocco, sprocco) spitzes abgebrochenes hölz- 
chen, auch sprößchen, parm. broch ast, altfr. und noch picard. broc spitze f 
spieß, dsgl. mit c piem. brocio = it. brocco, lomb. broc = broch, fem, 
it. brocca oben gespaltener stecken, sie. brocca dass., auch pfropfreis, 
würzeichen, piem. parm. ven. broca kleiner nagel, lomb. ast (wie das masc.) y 
sp. broca spule, bohrer, schuhmacherzweck, pr. broca, fr. broche spieß, 
hölzerne nadel (s. brocca DG.); dimin. it. bröecolo koMsprosse (vgl. die 
bedeutungen des it. sverza kohl und Splitter); vb. it. broccare, pr. brocar, 
fr. brocher stechen, sticken, daher broccato, brocard ein mit blumen durch- 
wirkter stoff. Dieses rom. brocc würde dem lat. broecus entsprechen, 
wenn die bedeutung der lexica * einer der hervorstehende zahne hat, dsgl. 
ein solcher zahn selbst* oder 'hervorstehend, von zahnen (Freund), haltbar 
wäre, welches aber Schwenck, Deutsch, wb. p. xvi, toiderlegt, indem er dem 
worte nur die bed. dicklippig oder kurzlippig (so daß die oberen zahne 
nicht bedeckt sind) als eine mögliche zugesteht. Merkwürdig ist, daß diese 
bloß auf die lippen bezogene bedeutung auch die der alten lat. -deutschen 
glossare ist: c hochleftzig, hochmundig\ oder 'des syne oeverste lypp dicke 
is' Dief. Gloss. lat. germ. 82 a , eine bedeutung, die freilich schon in dem 
Gloss. vetus 512 vorlag: brocca 'labrosa, oder in einem der Erfurter glos- 
sare p. 278 b : broecus c qui labrum super justum modum habet \ Broecus 
ist also nicht* zu brauchen, ober was bleibt übrig? Frisch verweist auf 
das deutsche sprot, sprofs, das aber trotz der ital. form sprocco nicht 
passt. Menage und Ferrari gewinnen das roman. wort aus lat. veru 
mittelst des Suffixes oc: veroc vrocc brocc; aber dies suffix wird schwer- 
lich auf den in broc enthaltenen begriff angewandt, nimmt auch im span^ 



L BRODO— BRONZO. 69 

regelmäßig die form uec an. Noch weniger geht verüculum. Was das 
deutsche brocken und brach betrifft, so geben sie immer nur den sinn des 
abgebrochenen, der im roman. nicht entschieden vertreten ist. Vollkommen 
befriedigt ir. gael. brog (verb.) stacheln, brog ahle (mit verschiedenen 
derivaten), wenn dieser stamm nicht aus dem roman. entlehnt ist. 

Brodo, broda it., sp.pg. brodio, bodrio, pr. bro, daher fr. brouet 
brühe; vom ahd. brod, ags. brodh, ir. broth, gael. brot, alle mit derselben 
bedeutung; rtüat. brodium, K brueg% Voc. opt. 10, 142 und anderwärts. 

Broglio und bruolo it. (s. erster es bei Ferrari), pr. bruelh, fr. 
breuil, fem. pg. brulha, pr. bruelha, altfr. bruelle umzäuntes gebüsch 
oder baumstück, bruhl; vb. it. brogliare, altsp. brollar, pg. pr. brolhar, 
fr. brouiller, pg. auch abrolhar sprossen, sprudeln, sich empören (hervor- 
brechen), it. broglio emporung. Ein altes Zeugnis gewährt das Capit. de 
vMi»: luco8 nostros, quos vulgus brogilos vocat, sonst auch broilus, bro- 
lins im ndatein. Das wort wird für cdtisch gehalten: kymr. brog hei fit 
auf Schwellung, ein mit keimen und sprudeln verwandter begriff; brog-il 
aber mit dem sufßxe il hat sichtbarlich deutsche ausprägung erfahren, 
wenn nickt die wureel selbst deutsch war (vgl. mhd. brogeii sich erheben), 
wie denn das wort auch in alten deutschen Ortsnamen vorkommt, Graff 
III, 282, Forstemann II, 298. Abgeleitet von fr. brouiller vermengen, 
verwirren, trüben, ist brouillon Unruhstifter, dsgl. coneept (eigentl. 
sudelllatt), aber wohl nicht brouillard nebcl, s. brou£e II. c. 

Bro n co it. stamm, stock, ast, sard. bruneu Schößling (dsgl. schnauze, 
wofür auch runeu), fem. fr. bronöhe Strauch, altsp. broncha ast; abgel. 
it. broncone abgehauener ast; vb. fr. broncher straucheln (wie it. 
cespo Strauch, cespicare straucheln), pr. abroncar anstofien, anklopfen. 
Vergleicht man formen wie parm. brocon = it. broncone, maü. brocca 
ast = altfr. bronche, so könnte n eingeschoben sein und bronc könnte zu 
brocc gekoren. Doch mag, da bronc eher etwas stumpfes als etwas spitzes 
bedeudet, noch erwogen werden ahd. brach, ndl. brok etwas abgebrochenes, 
abgestumpftes (daher Strauch, staude), dem das pr. bruc in jedem sinne 
entspricht, s.ILc. Dieselbe herkunß verräth auch das sp.pg. adj. bronco 
rauh, plump, stumpf von geist (vgl. für diese bildliche anwendung lat. 
truneus und nhd. klotz), so wie pr. bronc grobheit; in ersterem erblickt 
Aldrete fol. 47* entschieden das lat. broneus. 

Bronzo it., sp. bronce {auch umgestellt brozne), fr. bronze eine 
metaUmischung, glockenspeise, erz; adj. it. bronzino erzfarbig, mgr. 
i%bi xai dio rtoQrag ngovr^iveg ehdhne thüren DC. gloss. graec; vb. it. 
abbronzare verbrennen, schwärzen (von der sonne), altsp. bronzar, fr. 
bronzer eine erzfarbe geben. Obryzum aurum, xqvoiov oßQvtpv, ist gold, 
da» die feuerprobe bestanden hat, in mittdlat. glossaren, z. b. bei Papias, 
auch 'splendor aur% : sollte man obryzum auf die nach ihrem gusse gold- 
ähnliche erzmischung übertragen haben? Hat man doch auch das messing 
gclderz genannt, s. unten oricalco. Das roman. wort müfite in Italien 
geprägt worden sein, wo der anlaut o leicht abfallen und n vor dem dental 



70 I. BROTE— BRUCIARE. 

leicht eintreten kannte. Aber sicherer erklärt man es doch wohl mit Mu- 
ratori und andern aus bruno, so daß es für brunizzo stände, weiches 
bräunlich heißen konnte, freilich mit einer Zurückziehung des accentes, die 
in nominalableitungen nur selten, z. b. im iL pincio aus piniceus, vor- 
kommt; brunitius aber findet sich, von der färbe der pferde gebraucht, in 
den Gloss.trev.Hoffm.p.3, 36: mannus brun tos, quem vulgo brunicum 
vel brunitium vocani Wegen der bedeutung vergleiche man auch brunire 
glänzend machen, metdllglanz geben. Ein treffliches etymon wäre engl. 
brafs erz, hupf er, ags. bras, ließe sich a so leicht in o verdrehen. In der 
venez. mundart heißt bronza glühende kohle, vielleicht das dtsche bremst 
gluth. — [Dieser deutung stellt sich eine neuere gegenüber, aus dem per- 
sischen buring oder piring, bei Richardson copper, voiuable mountain brass, 
orichalk, s. Dozy 26, auch von Diefenbach ausgesprochen, der übrigens 
gesteht, daß der vocal nicht stimme und Zwischenstufen nicht bekannt seien.] 

Brote, brota sp., pr. brot, fr. brout (fehlt it. pg.) knospe, auch sp. 
pr. broton; vi. sp. pr. brotar knospen; vomahd. broz sprosse, brozzen 
sprossen. Cdt. beziehungen in Diefenbachs Goth. wb. I, 322. 

Broza sp. abfall von bäumen, rinde, blätter, pr. brossa, fr. brosse 
kleines borstiges gestrüpp, heidekraut, dsgl. sp. broza, bruza bürste, so 
auch fr. brosse, masc. pr. brus bruybre L.Rom.; daher fr. broussaille 
Strauchwerk, wohl auch it. bruzzaglia gesindel. Erwägt man die altfr. 
nebenform broce, pic. brouche, so muß ss = st sein und auch pr. brostar, 
fr. brouter (für broüter) abweiden (altfr. broust weide, blätterdbfall) ist 
hieher zu ziehen; it. brustia (bei Ferrari) = sp. bruza zeigt gleichfalls 
st. Im gad. bruis bürste, abfalle, oder kymr. brwys üppiger wuchs ist 
broza nicht zu suchen, da die form sich nicht hinein fügt; genau passt 
ahd. burst, brusta d. i. börste, kämm (etwas struppiges), besonders deut- 
lich hervortretend im fr. compos. rebours gegenstrich, rebourser, re- 
brousser gegen dm strich d. h. gegen die börste eines thieres fahren, vgl. 
mlat. rebursus struppig. Die form mit st erinnert dagegen unmittelbar 
an alts. brustian sprossen, bret. broust Strauch, brousta abweiden. 

Bruciare, brusciare (in abbrusciare) it., pr. bruzar, bruizar, chw. 
brischar verbrennen; daher abgel. #. brustolare, abbrustiare, pr. bruslar, 
fr. brüler. Da sich zu diesem begriffe nirgends ein stamm bruz oder brüst 
bietet, so darf eine nicht ungeschickte deutung MuratorVs aus einem tat. 
compositum hier eine stelle finden. Aus perustus fließt ein frequentativ 
perustare, welches romanisch in prustare syncopiert ward, daher mit er- 
weichung des anlautenden p in b brtistare, wofür es mehrere unzweifel- 
hafte fälle gibt, endlich mit bekannter behandlung des st, it. brusciare, 
entstellt in bruciare (vgl. cacio für cascio u. a.), pr. bruzar statt brussar. 
So von dem hypothetischen perustulare it. brustolare u. s. w. Woäwch 
diese deutung einigen anhält gewinnt, ist daß brustolare, brusler formell 
zu dem vorhandenen roman. verbum ustolare d. h. zu dem gleichfalls 
vorhandenen lat. ustulare passt, so daß die formen, mit anlautendem b 
nur daraus erweitert zu sein scheinen. Dieses ustulare findet sich auch 
im altsp. uslar JBc, pr. usclar (für ustlar), wal. ustura. 



I. BRUCO-BUBBONE. 71 

Braco it. raupe, sp. brugo erdfloh, von brächus (ßQOv%og) heur 
sehrecke, hei Prudentius; daher auch it. bracare des lautes berauben, 
abblatten? Eine andre itdl. form, brucio, weist auf eine abl. brucheus. 
Vgl. weil, vruh maihäfer. 

Brugna it., pg. brunho, abrunho, sp. bruno, fr. brugnon, mail. 
brugnoeu, dsgl. fr. brignole pflaume, Pflaumenbaum. Sie sind augen- 
scheinlich verschiedener herkunft. Da neben it. brugna auch prugna, 
neben brugnoeu auch prugnölo besteht, so ist eine erweichung des anlautes 
p in b anzunehmen, indem sich prugna aus prunea, wie ciriegia aus 
cerasea, erklärt Sp. bruno schwarze pflaume scheint aber auf das adj. 
bruno zurückzugehen. Im fr. brignole erkennt man den narrten der 
pflaumenberühmten Stadt Brignole (Broniolacum nach Menage). 

Bruire it., fr. bruire, pt. brugir, bruzir, comask. brügi, alteat. 
brogir rauschen, murmeln; sbst. it. brufto, fr. bruit, pr. brüit, brüida. 
Nicht unwahrscheinlich ist, schon nach Menage, dem lat. rugire, sbst. ru- 
gitus, um der onomatopöie willen ein b vorgesetzt, wenn nicht bereits in 
der römischen Volkssprache eine form brugire, dem gr. ßQv%siv nahe 
liegend, vorhanden war. In der L. Alam. begegnet für rugit die lesart 
brugit. Prov. bruzir würde sich freilich auch ins lat. rudere fügen. 

Bruma sp. pg. pr., fr. brume, cat. ausgeartet in broma dunst, nebel, 
wal. brume reif; von bruma kürzester tag, winterzeit, bereits in den 
Lindenbr. glossen bruma 'ripho* reif, vgl. auch die Flor, glossen (Diu- 
tiska II, 233). 

Bruno it. sp. pg., pr. brun, fr. brun fuscus; vom ahd. brön, nhd. 
braun. Daher vb. it. brunire, sp. brunir, bronir, vgl. pg. brunir, bor- 
nir, pr. fr. brunir polieren, wie mhd. briunen glänzend machen. 

Brusco it. sp., brusc fr. (woher unser brtlsch), pg. fem. brusca 
myrtendorn, Stechpalme, mittelgr. urtQovoxog', von ruscum (woher auch 
nhd. rusche) mit verstärktem anlaut: nicht anders verhält sich pr. brusc 
rinde, bienenkorb zum gleichbed. rusca, it. bruscare abrinden zum com. 
rusca mit ders. bed. Dahin auch pr. cat. brusca gerte (wie fr. houssine 
von honx, 8. das.). 

Brusco it. etwas herb von geschmack {z. b. wein), dsgl. mürrisch, 
unfreundlich, sp. pg. brusco auffahrend, verdrießlich, finster (z. b. vom 
hitnmel), fr. brusque auffahrend, hitzig; vb.fr. brusquer grob anfahren. 
Nicht unpassend erklärt es Ferrari aus dem adj. labruscus in vitis oder 
uva labrusca wilde d. i. herbe traube; die erste sübb fiel auf itdl. weise 
ab und so wanderte das wort in die andern gebiete. Eben so gut mit dem 
buchstaben, theilweise mit dem begriffe genügt ihm ahd. bruttisc, zsgz. 
brutt'sc, finster, grimmig, doch mag das lat. wort auch hier den Vorrang 
haben. 

Bubbone it., sp. bubon, pg. bubäo, fr. bubon, wal. buboiu baue, 
geschunUst; vom gr. ßovßiov dass. Hieraus zog man ein primitiv sp. 
buba, bua, pg. bouba, bubo, fr. bube, wal. bube; ein auch bei mehreren 
andern romem. Wörtern wahrzunehmendes verfahren, $. Born. Gramm. 1, 29. 



72 BUCATO-BUF. 

Bucato it., sp. pr. bugada, fr. bu6e das waschen in lauge, bürg. 
buie lauge; vb. nur altfr. buer, chw. abgel. buadar in lauge waschen, 
bret. buga, das auf ein älteres fr. buguer deutet. Es ist augenscheinlich 
unser nhd. bauchen, ndd. bücken, aber nicht daher entlehnt. Passend 
leitet es Ferrari (mit welchem Weigand bei Diefenbach, Goth. wb. I, 278, 
zusammentrifft) vom it. buca loch (bucare durchlöchern), weil die lauge 
durch ein mit kleinen löchern versehenes tuch geseiht werde; im span. wird 
darum dieselbe Handlung colada {durchseihung) genannt, wie Schneller s. v. 
sechteln anmerkt. 

ßucherame it., cot. bocaram, pr. bocaran, boqueran, fr. bougran, 
mhd. buckeram ein steifes gewebe von leinen oder baumwolle, ursprüng- 
lich, wie man glaubt, von Ziegenhaaren, daher der name (boc, boc-ar-an) ; 
nach Schmeller 111, 413 aber vom it. bucherare durchlöchern, also eigentl. 
lockerer erst durch leim gesteifter zeug. 

Buco it. sp. loch (fehlt pg.) 9 dsgl. sp. buque gehält hohler korper, 
bauch der laute, rümpf des Schiffes, cot. buc wie sp. buque, dsgl. bauch 
des menschen, und nebst pr. altfr. buc bienenkorb, com. bugh rümpf, fem. 
nur it. buca loch, höhle; vb. it. bucare durchhöhlen; vom ahd. bfih, 
das im mhd. buch, im altn. bükr, im mndl. buk, buik (Huydecoper zu 
Stoke III, 469) bauch und rümpf hieß, also beide roman. bedeutungen 
(bauch = höhle) einschloß, im älteren ndl. biebuyck KU. auch die bed. 
apiarium hatte, vgl. Adelung, Mithr. II, 536. Damit ist zsgs. sp. pr. 
trabucar, fr. tröbucher zu boden werfen, (intr.) stürzen, purzeln, eigentl. 
mit dem rümpf aus der richtung bringen oder kommen, gleichsam Über- 
rümpfen, vgl. it. tram-bustare umstürzen, von busto rümpf. Von trabucar 
ist sbst. sp. trab u co, pr. trabuc, trabuquet, fr. Umbuchet ein wurf- 
geschütz. Als eine auf bocca (mund) zurückgeführte umdeutung fasse 
man it. traboccare, trabocco, trabocchetto, mlat. tribocus Voc. qpt. y 
mhd. triboc, s. Müller im Wb. III, 89; dafür richtiger ven. trabucare, 
(Mit. trabucco PPS. I, 21, com. trabuc, veron. strabuco. 

Budello it., altsp. budel Alx., so auch pr., fr. boyau (alt boel) 
dorm; von botellus ivür stehen, bei Martial; die rom. bedeutung schon 
im frühen nüatein, z. b. L. Angl. si intestina vel botelli perforati claudi 
non potuerint. Nach Gellius 17, 7 war botulus ein nur dem volke an- 
gehöriges wort; nicJtt dies, sondern das diminutiv, hat sich behauptet. 

Buf pr. fr. interjeetion; it. buffo, mail. boff Windstoß; it. buffa, 
sp. bufia posse (daher buf föne), cdtfr. buffe schlag, stoß, bufet ohrfeige, 
wcdlon. bofet nadelküssen (d. i. etwas aufgeblähtes, ausgestopftes), sp. 
bofeton = altfr. bufet, neupr. buffo hinterbacken, altfr. buffoi hochmuth; 
vb. it. buffare, parm. boffar, sp. pg. pr. bufar, fr. bouffer und bouffir, 
neupr. buffä, bouffä, blasen, aufblasen, altfr. buffier bcohrfeigen; abgel. 
neupr. bouffigA sich aufblasen, bouffigo blase im leibe. Die berührung 
von blasen und schlagen ist nicht ungewöhnlich, fr. souffler und soufflet 
liefern ein nahe liegendes beispiel. Die german. sprachen besitzen den- 
selben wortstamm, ziehen aber die tenuis im anlaute vor: mhd. buf, puf, 



L BUGIA-BUGNA. 73 

nhd. puff als interj. und sbst., dsgl. puffe, paffen, puffer, so auch fr. 
ponf interj., vb. poaffer bersten, weil, puf&iu aufgeblasenhext. Entlehnung 
dieses weitreichenden naturausdruckes aus dem deutschen anzunehmen, thut 
aber nicht noth: läßt es sich doch in unsern ältesten mundarten nicht 
nachweisen. Merkenswerth ist noch das it. adj. b Office bauschig, eine 
offenbare anbüdung an söffice ; piem. schlechtweg bof. — Welcher umstand 
dem credenztische franz. den namen buf fet gab (schon altfr., s. Fer. 155 h ), 
ist unbekannt; sp. bafete heißt Schreibtisch: waren diese möbelstücke etwa 
hauchig, gleichsam aufgetrieben?. Nach Mahn p. 106 ist baffet eigent- 
lich prunktisch, von buffer aufblasen, worin der begriff der pracht und 
des prunkes stecke, daher auch ältfr. bufoi pomp. 

Bagfa it., lomb. busfa lüge, pr. bauzia, bauza, altfr. boisie trug, 
Hinterlist; vb. bngiare lügen, bauzar, boiser hintergehen-, pr. baussan 
(fem. -ana) betrüger; auch sp. bausan Strohmann den feind zu täuschen? 
Die stammvocate u, au, oi zielen unläugbar auf ein urspr. au, vgl. it. 
rubare = pr. raubar, altfr. poi = pr. pauc: nur, so scheint es, in un- 
betonter silbe {also nicht in bauza) kann pr. au aus o entstehen. Muth- 
maßlich ist das wort deutsch: ein vb. bausjan, bausan würde bauzar, 
boiser, bugiare nebst mlat. bausiare umfassen. Beruhte das ahd. pösi 
schlecht, gebrechlich, nichtig, nhd. böse, auf einem altern bausi, was bei 
der Unbestimmtheit des ahd. 6 nicht schlechthin anzunehmen ist (das wort, 
dessen deutschheit GHmm 1* 100 zweifelhaft schien, die er aber später 
zugab s. Über die namen des donners, fehlt goth. ags. altn.), so wäre der 
form damit genüge zu thun; bösa bedeutet posse (ganz das pr. bauza), 
bosön lästern, vielleicht auch lügen wie lat. nugari. Ital. bugiare, busare 
heißt auch durchlöchern, bugio loch (ältsp. buso), adj. bugio, buso durch- 
löchert, leer, bedeutungen, die gleichfalls in bösi (eitel, gehältlos) ihre 
befriedigung finden würden. Man sehe auch Schwende v. posse. — Neben 
altfr. boisie begegnet noch eine form boisdie (adj. boisdif), die eine 
bloße anbüdung an das sinnverwandte voisdie (5. unten vizio) sein muß, 
da kein adj. bois£, woraus boisedie boisdie werden konnte, vorliegt. 

Bugia it., so auch sp. pg., pr. bogfa (v. j. 1460), fr. bougie (v. j. 
1312, s. Roquef zu Mar. de Fr. 1, 63) wacliskerze ; von Bugie in Nord- 
africa, woher sie ehemals durch den handel nach Europa kamen (Menage). 

Bugna mail. venez., romagn. bogna, neupr. bougno, altfr. bugne, 
nfr. bigne (bei Menage beugne) beule, masc. mail. bugn, sard. bugnu 
dass., romagn. bogn finne (kleine beule); dbgel. veron. bugnon stoß; 
crem, bugn occa beule; npr. bougneto, fr. beignet, bignet, sp. buüuelo 
ein aufgelaufenes backwerk, limous. bouni. Gleichbed. mit pr. bougno ist 
boudougno (s. bouder II. c.) : sollte jenes aus diesem contrahiert und so 
in die übrigen sprachen eingedrungen sein? Verwandtschaft mit ahd. 
bnngo, mhd. bunge knollen, altn. bflnga, alt engl, bung nebst bunny ge- 
schwulst liegt nahe genug, schwerlich ist aber das rom. wort aus dem 
deutschen, dem eine form bonga besser entsprochen hätte ; aus becke-bunge 
machte der Italiener becca-bungia, was aber wohl ein wort von spätem 



74 I. BUJO-BUSCA. 

gepräge ist. Bei fr. bigne ist die identität noch fraglich, da die ausartung 
des u in i eigentlich nur in mundarten geltung hat. 

Bujo it. dunkel, lomb. bur. Seiden formen kann nur ein etymon 
bureus, burius genügen und hiermit verträgt sich auch sp. buriel, pr. 
burel braunroth, ältfr. buire (cape buire G. d'Angl. p. 104) dass., neufr. 
buret purpurschnecke; it. burella und bujose (plur.) dunkler Tcerker. 
Bei Festus findet sich burrum antiqui quod nunc dicimus ruf um: dieses 
altlat. wort, das man aus dem gr. nvfäog herleitet (womit auch Diefen- 
bach, Orig. europ. p. 260, einverstanden ist), scheint sich erhalten eu 
haben, und wiewohl weder form noch begriff genau eu bujo sich schicken, 
so dürfte dieses doch, wenn man sich eine abl. burrius denkt (vgl. fujo 
von f urvius d. i. furvus u. dgl. Rom. gramm. II, 301) und den bei färben 
üblichen wandet der bedeutung in anscUag bringt, seine erUärung darin 
finden, wie auch schon andre vermuthet haben. Oft gibt die färbe dem 
stoff dm namen: daher fr. bure grobes wollenes tuch; sp. buriel, pg. 
pr. burel, fr. bureau dass., in letzterer spräche auch eine mit solchem 
tuche bedeckte tafel; it. buratto, und andere abll. Schon das lat. wort 
bezeichnet in der form birrus (i so gut wie u aus gr. v) ein kleidungs- 
stück, oberkleid bei Vopiscus, zottiges kleid bei Papias, vgl. oben berretta. 

Burla it. sp. pg., npr. bourlo posse, spass, spott; vb. it. burlare, 
sp. pg. burlar spott treiben, verhöhnen; pr. nur sbst. burlaire, aitfr. nur 
bourleur; adj. it. burlesco u. s. f. Ausonius hat tyirra lappalie (urspr. 
wohl zotte, rom. borra, s. oben, vgl. it. fioeco flocke und posse), hieraus 
entstand, wie schon Menage behauptet, burrula (so im sard.), burla, wohl 
auch sp. borla troddel. 

Burrasca it. (aber mit o borrascoso), sp. pg. cot. borrasca, fr. 
(entlehnt) bourrasque sturmwetter mit regen. Wie aus sp. nieve nevasca, 
so erwuchs aus it. borea, mail. ven. romagn. bora nordwind = lat. boreas, 
mit Verdoppelung des r, borrasca, burrasca. Sicil. burraseuni heißt dünner 
nebet, berührt sich also von Seiten des begriff es mit dem im it. brina IL a. 
gemuthmaßten stamme. 

Burro sp. pg. esd. Daher mit gleicher bed. pg. burrico, sp. 
neap. borrico, fr. bourrique, lomb. borich, it. brieco; daher auch pr. 
burquier, wenn es eselsstall heißt. Buricus klepper ist ein sehr altes wort, 
das sich schon im 5. jh. bei Paul. Nolanus vorfindet; davon sagt Isidorus: 
equus brevior, quem vulgo buricum vocant. Vermutlich nannte man 
den esd burro von seinem zottigen haar (borra s. o.): in der mundart 
von Berry, die ihn bourru d. i. zottig nennt, ist dies deutlich ausgespro- 
chen. Sonst wird das mlat. buricus (büricus soll man sprechen) von 
burrus röthlich (s. oben bujo) abgeleitet. Vgl. Diefenbach, Orig. europ. 
p. 378. 379. 

Busca lomb. piem. pr., sie. vusca, altfr. busche Splitter, ccrf.busca, 
brusca ruthe, gerte, fr. buche scheit; vb. fr. buch er holz hauen, pr. 
buscalhar holz lesen GProv. 62''. Es ist wahrscheinlich mit bois, bosc 
(s. oben bosco) gleicher herkunft, indem es mit seinem vocal auf die älteste, 



BUSCARE-CABALA. 75 

freilich nur hypothetische form buwisc, buisc zurückleitet: seine Urbedeu- 
tung wäre hiernach bauhole, gespaltenes holt, scheu, demnächst span. 
splitter. Die vergleichung des altfr. embuscher mit dem it. imboscare 
muß dieser herleitung eur bestätigung dienen, nicht weniger das dem fr. 
buche begrifflich entsprechende henneg. boisse. 

Buscare it. erhaschen, sp. pg. buscar, altsp. boscar suchen, nach- 
spüren, fr. busquer nachtrachten, nachstreben; sbst. it. sp. pg. busca 
nachsuchung. Des wortes eigentliche heimath ist Spanien, wo es den dienst 
des it. cercare, fr. chercher thut, prov. fehlt es. Befriedigend ist die alte 
deutung aus bosco gebüsch, so daß es urspr. heißt 'durch das gebüsch 
gehen (vgl. montar auf den berg gehn), daher jagen, nachspüren, sp. 
busca Spürhund, altsp. busco fährte des wildes. 

Busto it. sp. pg., pr. bust, fr. buste (m.) rümpf, bruststück, brüst- 
büd; in den Lindenbr.. glossen busta *arbor ramis truncata. Gegen das 
lat. bustum (verbrannter leichnam) streitet der begriff, und auch unser 
deutsches brüst kann nicht in erwägung kommen, da der ausfall des r, 
dem eine anlautende muta vorausgeht, dem französischen wenigstens und 
italienischen Sprachcharakter völlig zuwider und mit keinem beispiele zu 
belegen ist, es müßte denn ein zweites r im worte enthalten sein, so daß 
der grund des ausfalles ein euphonischer wäre. Für busto sagt man ital. 
auch fusto, wie man bioccolo für fioccolo, bonte für fönte sagt, und so 
liegt die vermtähung seiner entstehung aus fustis nahe genug, und schon 
Ferrari dachte daran; aber alsdann müßte diese form von Italien aus- 
gegangen sein, was allerdings zweifei erregt. Dagegen wird keinem ety- 
mologen die beobachtung entgangen sein, daß sich die sprachen für rümpf 
oder brüst solcher Wörter zu bedienen geneigt sind, welche behälter, gefäß 
bedeuten: so mlat. arca (s. Ducange), so it. casso (capsus), so engl, ehest, 
so unser rümpf, ursprünglich ein gefäß aus baumrinde (wie pr. brusc). 
Warum sollte sich diese Übertragung nicht auch bei busto ereignet haben? 
Mlat. busta, bustula bedeutet arca, arcula, die änderung des genus ist 
ein häufiger Vorgang, s. Rom. gramm. II, 18, wo zahlreiche beispiele ge- 
geben sind; beide mlat. Wörter aber sind aus buxida, pyxida geformt, s. 
boite II. c. Eine zss. ist it. im busto schnürleib, brustlatz, sp. embuste 
flitterstaat, lug und trug, embustero Heuchler (nach Larramendi vom bask. 
eman geben, uste hoffnung), it. trambustare umwerfen. 

c. 

Ca dUit. altsp. altpg. conjunetion s. v. a. lat. nam, quia; wohl von 
qua re (pr. fr. car), nach andern von quia. Das churw. sard. und lomb. 
ca stimmt begrifflich zu que (daß) und könnte daraus entstellt sein. Altit. 
altpg. ca hinter dem comparativ PPS. II, 79. 95, D. Din., Trov. weist 
auf quam. 

C&bala it. sp. pg., cabale fr. geheimnisvolle erklärung des alten 
testamentes u. dgl., auch hinterlistige Verhandlung; vom hebr. kabalah 



76 I. CACAO-CAFFE. 

Überlieferung, geheimlehre. Die von mehreren angenommene herleitung aus 
engl, cabal als acrostisch aus den namen von fünf staatsräthen Karls IL 
widerlegt Mahn p. 68. 

Cacäo, caccdo, iL, sp.pg. fr. cacäo die frucht eines südamerikani- 
schen bautnes, span. port. auch der bäum selbst; vom mexican. kakahuatl. 
Der bäum heißt überdies sp. cacagual, pg. cacaoeiro, fr. cacaoyer, 
cacaotier. 

Cacciare it., sp. pg. cazar, pr. cassar, altfr. chacier, nfr. chasser 
jagd machen auf etwas, dsgl. verjagen; sbst. caccia, caza, cassa, chace, 
chasse jagd. Das entsprechende lat. venari ist in den locktersprachen 
allmählich untergegangen. Noch im altspan. sagte man venar (z. b. CdL. 
e D. 29 b . 56*. 66 b ), ebenso pr. venar GRoss., altfr. vener; gänzlich fehlt 
es im port. catal. ital. churw., nur im wal. venä, präs. venez, lebt es 
fort. Was nun cacciare betrifft, so mögen unter den wenigstens nicht 
unverständigen deutungen des vielfach besprochenen Wortes nur erwähnt 
werden die aus cassis jägergarn, das aber ein ital. vb. cagiare oder altfr. 
chaisier erzeugt hätte; die aus unserm hatzen, dessen anlaute jedoch der 
romanische widerstrebt; die aus dem engl, catch, das gleichfalls Schwierig- 
keiten in der form bietet; die aus laJt. capsus (s. Ducange), das sich ebenso 
verhält wie cassis. Das beste hat Menage getroffen, der es vom lat. cap- 
tare herleitet: captare feras hieß schon dem Römer wild jagen, und ein 
altes glossar setzt d-rjQevTTjg 'captator, vetiator. Eigentlich aber leitete 
der Romane sein wort vermittelst des suffixes iare aus dem part. captus, 
also captiare cacciare cet. s. Rom. gramm. II, 402. Nur mit captiare 
vertragen sich die formen aller mundarten; altsp. schrieb man sogar cabzar. 
Dieses captiare ward aber der allgemeine ausdruch für venari, welches 
sich nur im prov. und altfr. behauptete. — [Mit reclti fügt Gachet p. 77* 
vorstehender deutung das in einer Urkunde v. j. 1162 vorkommende sbst. 
captia d. i. venatio bei.] 

Cadaüno, caduno it., sp. cada uno, pg. cada hum, pr. cada an 
(noch jetzt cadun), altfr. cadhun in den Eiden, später cheun LRs. 26, 
pronomen für quisque. Muthmaßlich ist caduno eine abkürzung von U8; 
que ad unum d. i. nullo excepto, wofür churw. s-cadin (s. v. a. scadun) 
mit seinem anlautenden s deutlich spricht; doch darf auch an quisque ad 
unum (altsp. quiscadauno PC, altpg. quiscadaun FGrav. 387) gedacht 
werden. In diesem sinne wird lat. ad unüm omnes von Gellius, Ammia- 
nus x Apulejus öfters gesetzt. Hiervon müflte sich denn cad, euphonisch 
cada, abgelöst haben, um im sp. pg. pr. altfr. (kiede) ein selbständiges 
pronomen zu bilden. Etwas ganz analoges bietet das ngr. xa&ivag für 
quisque, entstanden aus xa#' eva (einzeln) und ebenso wie cada hat sich 
das adj. xa&e davon abgesondert: xa&e divdQov = sp. cada arbol. Ist 
die deutung richtig, so beruhen die ital. formen mit t catauno, catuno auf 
einer falschen Schreibung. 

Caffe it., caf6 sp. fr. ein trank, vom arab. qahvak eigenÜ. wein, 
dsgl. ein aus beeren gekochter trank Freyt. III, 511 b mit Verweisung auf 



I. CALAFATARE-CALANDRA. 77 

SUvestre de Saetfs Chrestomathie; vgl,, wegen des rom. i aus arab. h sp. 
aljöfar von algaühar. 

Calafatare it., sp. calafatear, pr. calafatar, fr. calafater, calfeutrer, 
rmttelgr. xalcupaveiv die ritten besonders eines Schiffes verstopfen oder 
theeren, vgl. pr. una caxeta (kistchen) empeguntada e calefatada LR.; 
vom arab. qalafa ein schiff verkitten Freyt. III, 491 a , türk. qalfät getheer- 
ter stopfen Pihan p. 76, vgl. Monti, Agg. cd voc. IL 1, 312. — Diese 
bekannte herleitung beanstandet Engelmann und zieht das wort aus tat. 
calefectare, denn die frühere bedeutung sei gewesen 'ein schiff heizen . 
Augenscheinlich haben indessen die roman. formen eitlen fremden anstrich 
und konnten, da sie sich der bildungsregel nicht unterworfen haben (cale- 
fectare hätte z. b. pr. calfeitar geben müssen), erst aus dem lat. Wörter- 
buchs in die neuen sprachen gelangt sein. 

Calamandr6a it., sp. camedrfo, fr. germandräe eine pflanze, ga- 
ntander, gamänderlein; von chamaedrys (xajdalÖQvg). 

Galami naria sc. pietra it., sp. pg. calamina, fr. calamine kiesel- 
haltiger sink; vom glekhbed. cadmia (xadpeia, xadpia) mit adjectivsufßxen, 
dtsch. galmei. 

Galamita it. sp. pg. (ital. zuerst bei G. GuiniceUi, PPS. I, 73), 
pr. cot. caramida, fr. calamite, neugr. xalafika (alle fem.) magnetnadd, 
auch magnet. Von calamus, weil die nadel in einen halm (oder auch in 
ein Stückchen kork) gesteckt und so in ein gefäß mit wasser gelegt ward: 
en an festu Font couchiä, en Feve le metent sanz plus et li festuz la 
tient desuz, puis se torne la pointe toute contre l'estoile si sanz doute 
cd. Guiot de Prot. FC. II, 328 (eine den nautischen gebrauch des mag- 
netes um den anfang des 13. jh. beweisende stelle, s. z. b. Hüllmann, 
Städtewesen I, 131); qui une aiguille de fer boute en un poi de liege 
Michel, Lais ined. pag. ///. Die anwendung des Suffixes ita auf sächliche 
gegenstände ist übrigens im romanischen so selten, daß man auch in ca- 
lamita schwerlich eine solche annehmen darf Man konnte, etwa in Italien, 
das im latein vorhandene calamites (laubfrosch) in hinsieht auf dessen 
herkunft von calamus auf die neue Vorrichtung anwenden, wobei man aber 
das genus änderte und in einigen sprachen auch die endung mehr roma- 
nisierte d. h. ida für ita sprach. 

Galandra it. pr., sp. cot. calandria, pg. calhandra, neupr. calian- 
dro, cariandro, fr. calandre, mhd. galander Wb. I, 457, eine art lerchen, 
Haubenlerche. Es soll aus dem gleichbed. galerita oder aus caliendrum 
(haube) entstellt sein; eine zweite span. form caladre zeugt für xctQaÖQiog, 
dessen bedeutung zwar nicht mit der von calandra, calandria, wohl aber, 
wie Menage, Orig. ital., zeigt, mit der des dimin. calandrino zusammen- 
trifft. Dazu kommt, daß in glossarm caradrius gewöhnlich mit ahd. 
lerihha (lerche) übersetzt wird. Über die Verwechselung beider geschlechter, 
des charadrius und galander, s. W. Grimms neue anm. zu Freidank 
143, 7. — [Zu dieser bis lieute öfters besprochenen und anerkannten ety- 
mologie von calandra aus charadrius macht Stier, Ztschr. f. vgl. sprachf. 



78 I. CALARE-CALMA. 

XI, 221, die überraschende bemerkung, daß dieses zurückkommen auf das 
zweifelhafte %aQaÖQiog unbegreiflich sei, da xakavöga schon im griechischen 
vorkomme, was denn die Wörterbücher auch bestätigen.] 

Calare it., sp. pg. pr. calar, fr. caler niederlassen] vom gr. xcäu^v 
nachlassen, lat. chalare bei Vitruv, daher churw. calar aufhören, pic. 
caler nachgeben, sich zurückziehen, auch junge werfen d. i. niedersetzen, 
mettre bas. Aus der bed. nachlassen entfaltete sich im pg. pr. calar die 
bed. schweigen, wofür der Spanier die form callar erfand. Beide bedd. 
herablassen und schweigen einigt auch das neupr. cala. Von calare ist 
das sbst. it. sp. pg. pr. cala, fr. cale, dsgl. it. neupr. calanca kleine 
bucht d. h. eine stelle, wohin man vom hohen meere hinabsteigt, auch gad. 
cala hafen, bucht, rhede, vb. cal in den hafen einlaufen. Vielleicht ist 
auch hieher zu nehmen sp. cala sondc, Zäpfchen, ursprünglich wohl etwas 
zum einsenken dienliciies, sp. pg. einschnitt, vb. calar eindringen, durch- 
dringen, und selbst fr. cale plattes stück holz als unterläge eingeschoben, 
vb. caler: denn das von Servius aus Lucilius angefitiirte cala passt mit 
seiner bed. stück brennholz, xakov, nicht wohl zum franz. worte, zum Span, 
gar nicht. 

dal da ja it., sp. caldera, pr. caudiera, fr. chaudiere kessd, ndat. 
caldaria Greg. Tur.; von caldarius zum wärmen bestimmt; augm. ü. 
calderone, sp. calderon, fr. chaudron. 

Calere it., altsp. pr. caler, fehlt pg., altfr. chaloir vb. impers. mit 
dem dativ der person, wichtig sein, gelegen sein, z. b. it. non me ne cale, 
pr. no m'en cal, altfr. il ne m'en chaut es liegt mir nichts daran, altsp. 
dellos poco min cal PC. 2367, poco me cala Alz. 140, non te cal 72. 
Es ist vom lat. calere aliqua re erhitzt sein von etwas, aber, wie andre 
verba, in unpersönliche anwendung ausgeartet: calet mihi es ist mir heiß 
um eine Sache, sie liegt mir am lierzen. Man vgl. wegen der bedeutung 
z. bn gr. SaXueiv brennen, fig. sorge machen, kümmern : epi oväiv &äknei 
*£q$os an gewinn liegt mir nichts. Zsgs. nfr. nonchalant nachlässig, 
nonchalance nachlässigkeit. 

Cal esse, calesso it., sp. calesa, fr. calfeche, (f.) ort haschen; vom 
böhm. kolesa, eigentl. räderfuhrwerk (russ. koleso rad). 

Galibro it., sp. fr. calibre innerer umfang einer röhre; nach Her- 
belot, wie Menage sagt, vom ardb. kalib modelt. Freytag III, 485 hat 
qälab form zum erzgiessen, modelt, qaltb brunnen. — [Mahn p. 5 erklärt 
dieses wort aus der frage qua libra? von welchem pfund oder gewicht? 
auf den durchmesset der kugeln angewandt. Wenn er aber qalib darum 
verwirft, weil ihm das r fehlt und weil die bed. modelt nicht passt, so ist 
in betreff der ersten einwendung zu erinnern, daß der Romane diese 
liquida einem consonantauslaut oft anfügt und daß im altspan. sogar eine 
form calibo vorliegt; in betreff der zweiten, daß das franz. wort auch das 
moddl bedeutet, wonach ein schiff gebaut wird.] 

Galma it. sp. pg., daher fr. calme (m.) windstille, ruhe, ndl. kalm, 
kalmte; vb. calmare ff. beruhigen, reinfranz. chommer für chaumer 



I. CALZADA— CAMICIA. 79 

feiern. Von calare nachlassen? allein raa ist kein rom. suffix. Sp. pr. 
calma bedeutet auch die heiße tageszeit, wahrscheinlich vom gr. xavpa 
brand, hitze, im mlat. für Sonnenhitze ganz üblich, z. b. dum ex nimio 
caumate lassus ad quandain declinaret umbram (bei Ducange). Selten 
zwar entstand al aus an (vgl. unten gota), aber hier könnte es sich aus 
anlehnung an calor erklären. Die heiße tageszeit nöthigt, schatten und 
ruhe zu suchen wie in dem mitgetheilten beispiele, und so mochte das 
wort die bed. feierzeit, stille, ruhe entwickeln. Neupr. chaume heißt ruhe- 
seil der heerden, chw. cauma schattiger ort für dieselben. 

Galzada sp. pg., pr. caussada, fr. chaussäe dämm, dammweg; 
gleichsam calciata von calx, eigentl. mit kalk gemauerte straße, wie auch 
der auf dem trocknen stehende theü einer brücke, da er mit kalk aufgeführt 
ist, diesen namen trägt. 

Calzo, calza it., sp. calza, pr. caussa, fr. chausse, abgel. calzone 
ff-, fr. chausson un@ cale^on, eine fuß- und beinbekleidung; von calceus. 
Zsgs. it. discalzo, scalzo, sp. descalzo, pr. descaus, pic. däcaus, lothr. 
deichaux u. s. w. barfuß, mlat. discalcius L. Sal. tit. 58, für discalceatus. 

Camaglio it., pr. capmalh, altfr. camail hals des panzerhemdes, 
womit auch der köpf bedeckt werden konnte, s. Jubinal, Sur les armes 
defens. p. 20, nfr. mäntelchen ; von cap köpf, oberer theü, und malha 
panzer. Auch sp. camal halsring muß hieher gehören, wohl auch gra- 
malla panzerhemd, dsgl. eine amtstracht. 

Gamarlingo it., sp. camarlengo, pr. camarlenc, altfr. chambrelenc, 
nfr. chambellan, vom ahd. chamarlinc, nhd. kämmerling. 

Cambellotto, ciambellotto (Marco Polo), cammellino it., sp. 
canielote, chamelote (Covarruvias), pg. chamalote, camelao, fr. camelot 
ein vornehmlich aus Ziegenhaar und wolle, früher nach alten Zeugnissen 
aus kameelhaar gewebter, namentlich von den mönchen (s. Ducange) ge- 
tragener stoff, mlat. camelotum, camelinum, bei Joinville und im Renart 
camelin. Nicht unwahrscheinlich hat camelot, da das suffix ott in älteren 
zeugnamen nicht angewandt erscheint, seinen Ursprung im gr. xa^Xonij 
komeelhaut. 

Cambiare, cangiare it., sp. pg. cambiar, pr. cambiar, camjar, fr. 
cfaanger tauschen; sbst. it. sp. pg. cambio, pr. cambi, camje, fr. change 
tausch, Wechsel; im frühsten mlat. z. b. der L. Sal. und schon bei den 
fddmessem cambiare neben cambire, letzteres bei Apulejus {%&(atitbiv^ 
xafißuv). Zsgs. it. acambiare, wcd. schimbä u. $. f. 

Garn er ata it. (m.), sp. camarada (m., pg. m. f.), fr. camarade 
(m. f.) geführte (gefährtin); seiner bildung nach urspr. ein collectiv, nach- 
her auf eine einzelne person angewandt, eigentl. Stubengenossenschaft, und 
in dieser bedeutung im ital. span. port. vorhanden aber veraltet, la came- 
rata ff. Analog ist das piem. mascrada maskenzug, einzelne maske. 

Camicia, camiscia it., sp.pg.pr. camisa, fr. chemise, wdl. cemase, 
alban. cemise leinenes Unterkleid, hemä; daher pr. altfr. chamsil Pass. 
de J. Chr. 86 leinenes Kleidungsstück oder zeug (camiza d'un ric camsil Jfr.), 



80 I. CAMINATA-CAMMEO. 

• 

mkU. camisile, campsile ; desgl. it. camiciola, sp. camisola, fr. cami- 
sole vorhemdchen, westchen; zsgs. it. incamiciata, sp. encamisada, fr. 
camisade nächtlicher Überfall (wobei die Soldaten ein hemd über der 
rüstung trugen um sich zu erkennen). Das erste Zeugnis bei Hieronymus: 
volo pro legentis facilitate abuti sermone vulgato: solent militantes 
habere lineas, quas camisias vocant, man sehe Ducange, Forcellini. 
Demnächst bemerkt man es in der Lex Sal., bei Gregor d. gr., Venant. 
Fort., Isidorus, in alten Urkunden e. b. Marini p. 125 v. j. 564. War 
es ein vocabulum castrense, wie Hieronymus vermuthen läßt, so konnte es 
aus einer entlegenen spräche eingeführt sein, was seinen Ursprung noch 
mehr verdunkeln muß. Findet man diesen im ahd. hamidi, hemidi indu- 
sium, dessen arüaut h aüfränk. in ch, demnächst in c verhärtet wäre, 
so bleibt das suffigierte isia immer noch unklar, was auch bei Isidors her- 
leitung aus cama (bett) der fall ist: camisias vocamus, quod in his dor- 
mimus in camis, also bettgewänder ; oder bei der von andern versuchten 
deutung aus cannabis. Hier ist nun zu bemerken, daß eine noch einfachere 
bildung vorhanden ist, die nicht wohl aus camisia mit zurückgezogenem 
accent abgekürzt sein kann, it. cAmice (m.), altfr. chainse (m. f.) lei- 
nenes gewand, messhemd der priester, auch im slavischen, z. b. illyr. kamsa 
chorhemd. Diese bildung findet sich allerdings in einigen sprachen fast 
buchstäblich wieder. Arab. qami$ heißt Unterkleid Gol. 1965, Freyt. III, 
497; aber theils hat es in dieser spräche keine etymologie, denn die wur- 
zel, der man es zutheilt, ist logisch unverwandt, theils ist eine so alte 
entlehnung aus dem arabischen gegen alle Wahrscheinlichkeit und eher der 
umgekehrte Vorgang anzunehmen. Auch fehlt es im syrischen und hebräi- 
schen. Mahn p. 21 hält es gleichwohl für ardbisch, stammend aber aus 
dem indischen kschauma leinenzeug. Ferner findet sich das rom. chainse 
im altirischen caimmse 'nomen vestis y cod. Prisciani, also von hohem alter, 
kymr. camse langes kleid, und hierin erkennt Zeuß II, 749 das unzwei- 
felhafte etymon von camisia, ohne übrigens auf das radicale Verhältnis 
des cdtischen wortes einzugehn. Gewiss ist, daß der rom. spräche eine 
wurzel cam nicht genügt, daß nur eine form cämis befriedigen kann, 
woraus ein adjeetivisches camisia abgeleitet ward. — [Was Mahns her- 
leitung von qamif aus kschauma betrifft, so hätte der Araber (nach der 
bemerkung eines gelehrten Orientalisten) die indische nominalivendung 
hierzu anwenden müssen, während er alle wirklich indische Wörter ohne 
diese endung übernimmt, sie auch nicht mit LP ausgedrückt haben würde] 

Caminata, camminata it. saal, fr. cheminäe rauchfang. Dasndat. 
caminata, schon in einer fränk. Urkunde v. j. 584 solarium cum cammi- 
nata Breq. p. 79°, hieß ein mit einer feuerstätte (caminus) versehenes ge- 
fnach, daher die glosse Alfrics caminatum fyrhus (feuerhaus) } ahd. che- 
minäta. S. besonders Schmeller II } 295. 

Gammeo it. (z. b. bei Benvenuto Cellini, mitte des 16. jh.), fr. 
caniäe (m.) und camaieu, sp. camafeo (fehlt den altern ausgaben der 
akademie), pg. camafeo, camafeu, camafeio, mhd. gämaheu bei Konr. v. 



I. CAMMINO. 81 

Wurzburg {die media wie in gompost, gugele, gulter), nüat. camaheu 
1376 Paris, camahelus (nach einer franz. form camayeul?) 1321 Paris, 
camahutus 1295 London, camahotns 1315, in heutiger bedeutung ein aus 
zwei verschieden gefärbten schichten bestehender erhaben geschnittener 
stein, im weiteren sinne überhaupt ein erhaben geschnittener stein. Aus 
der stelle unua lapis de camaheu zu schließen, hieß es auch die erhabene 
arbeit oder figur auf dem stein, wie noch im ital. Man faßte solche 
steine in ringe, vgl. annülos auri novem cum saphyris, unum cum cama- 
huto ; das port. wort bedeutet daher auch siegdring, namentlich den der 
konige und in den Alfonsinischen Verordnungen das königliche bildnis auf 
mausen (Gonstancio). Die deutung von cammeo ist eins der schtoieri- 
geren probleme romanischer etymologie. Frisch erklärte es aus dem sp. 
cama läge, schuht (was wäre alsdann feo in camafeo?); Lessing aus 
gemma onychea; Bapp, Gramm. IL a, 127 aus dem slav. kamenj stein 
(dann müßte man diese kunstarbeiten von den Slaven belogen haben). 
Scharfsinniger deutet Mahn p. 73, indem er gleichfalls auf gemma /zu- 
rückgeht: citfranz. lautet es auch game und dessen g konnte sich leicht zu c 
verhärten, also came, vgl. dhd. kimma. Aus came entstand ein adj. 
cammaeu8, daher das it. cammeo. In cammahutus ist hutus das fr. 
haut, jenes bedeutet also cammaeus altus, ein erhaben geschnittener stein. 
Indessen, genau erwogen, stehen auch dieser auslegung einige nicht uner- 
hebliche Schwierigkeiten entgegen. Die härtung der anlautenden kehlmedia 
in tenuis ist zwar im aithochd. am rechten ort, nimmer im romanischen; 
das mit aeus abgeleitete adjectiv wäre das einzige beispiel dieser ort; die 
zss. cammahotus statt cammahota ist wenigstens au/fallend. Romanische 
' Wörter sind ursprünglicher und gesünder als mittellateinische, die des vor- 
liegenden f alles auch älter: in camaheu und camafeu trifft Frankreich 
mit Spanien und Portugal zusammen, was dieser form gewicht gibt; das 
span. i antwortet dem fr. h, aus der franz. form konnte sich die ital. ge- 
kürzt haben. Aber damü rückt man dem etymon nicht naher. Folgendes 
ist nur eine bescheidene vermtähung; in schwierigen dingen kann mehr- 
seitige betrachtung förderlich ausschlagen, und namentlich ist eine verfehlte 
äymclogie nicht immer eine verlorene arbeit. Griech. xo/ti^a heißt einge-* 
schnittenes, auch schlag, prägung; ein roman. diminutiv davon wäre com- 
matulum, dem ein fr. camaYeu entsprechen würde wie dem lat. vetulus 
das fr. vieux entspricht; der anlaut ca für co wäre nicht unregelmäßiger 
als ca für ge und findet sich z. b. auch in calessa für colessa, calandre 
für colandre, canapö für conopä. Aber auch hier ist ein bedenken. Wie 
kam man zu dieser anwendung des griech. wortes, das man aus dem latein 
nur in einer grammatischen bedeutung kannte? Das einzige, womit sich 
Mohns auslegung unterstützen ließe, wäre die annähme, daß das wort 
nicht auf dem wege nationaler ßprachbüdung entstanden, daß es von künst- 
lem und fachkennern erfunden worden sei. Doch wird die vorhergehende 
deutung etwas mehr Wahrscheinlichkeit für sich haben. 

Gammino it., sp. Camino, pg. caminho, pr. cami, fr. chemin weg; 

6 



82 I. CAMOZZA— CAMPAGNA. 

vb. camminare, caminar, cheminer weg machen, wandern. Uc Faidü 
sagt: caminar 'equitare per stratas, es heifit jedoch eben sowohl zu fuße 
gehn. Caminua für via liest man schon in einem spanischen actenstück 
des 7. jh.: Oxoma teneat de Furca usque ad Aylanzon, qnomodo currit 
in camino S. Petri, qui vadit ad S. Iacobum (DG.). Ferrari halt cam- 
minare für eine äbleitung aus xa/dnr, gamba bug, bein, es heiße eigentlich 
die beine bewegen; aber ein verbalsuffix in ist nicht nachweislich. Das 
Substantiv würde sich allerdings als camm-in auffassen lassen; aber der 
sinn d. h. die herleitung von *weg oder auch von K gang* aus 'bein* mitteilst 
dieses Suffixes ist schwerlich statthaft. Glaublicher noch wäre eine zss. 
cambe-menare = it. menar le gambe. Nach Bapp, Gramm. II. a, 127, 
ist cammino ein slav. wort, eig. steinweg, von kamenj stein; allein theüs 
ist diese bedeutung nirgends ersichtlich und dem Slavcn selbst unbekannt, 
theils hatte der Romane kein bedürfnis, ein wort wie dieses aus dem 
Slavenlande bei sich einzuführen. Vielleicht ist es ein alteinheimisches: 
eu dieser vermuthung berechtigt kymr. cam schritt, caman weg, s. Dief. 
Celtica I, 109. 

Camozza it., sp. camuza und gamuza, cot. gamussa, pg. camu$a, 
camur$a, masc. fr. chamois, neupr. camons, chw. camuotech, chamotech 
ein der ziege verwandtes in den alpengegenden lebendes thier, gemse; 
dazu it. camoscio gemsbock, oberd. der gems. Die suffixe in den verschie- 
denen formen decken sich nicht. Ital. ozz ist ein übliches, wenn auch 
nicht auf thiernamcn (außer in bacherozzo wurm) angewandtes suffix, 
daraus muß oscio entstellt sein; die mundarten kennen diese abweichung 
nicht, z. b. tyröl. camozza, camozz, piem. camossa, camoss. Span, uz 
und fr. ois sind andre, sprachrichtige ableitungsformen. Die herkunß des 
Wortes ist ungewiß. Im latein ist dieser name des thieres nicht bekannt, 
es heißt rupicapra, auch der Baske besitzt nur ein entsprechendes compo- 
situm basauntza (basa wild, auntza ziege), der Walache hat capr^ selba- 
tece. Offenbar trifft camozza mit dem mhd. gam-z, auch im suffix, zu- 
sammen, wenn man ein älteres gam-uz (wie hir-uz hirsch) annimmt, kann 
aber nicht wohl daraus geformt sein, weil die gemeinrom. Steigerung des 
anlauts ohne ein schwanken in die media (denn auf sp. gamuza kann 
gama eingewirkt haben) ein allzu seltenes ereignis ist; auch kennt man 
keine deutsche würzet. Gegen das erwähnte sp. gama = lat. dama er- 
hebt sich dasselbe bedenken, die bedeutung hol weniger zu sagen. Steub, 
Rhätische ethnologie p. 185, vermtähet Ursprung aus cdtisch cam krumm, 
so daß gemse das thier mit den krummen hörnern bedeuten konnte; damit 
würde man aber nichts gesagt haben, was dieses thier von den verwandten 
hörnerträgern unterschiede. 

Campagna it., sp. campaäa, fr. campagne (statt des veralteten 
Champagne, das auf die benennung einer landschaft in Frankreich einge- 
schränkt ward) flaches gefUde, flur; von Campania, welches als appdlativ 
schon Gregor v. Tours gebraucht, s. Ducange. Bei den feldmessern ist 
das adj. campaneus, campanius üblich. 



I. CAMPANA- CAMUSO. 83 

Campana it. sp. cot. pr., campainha pg. glocke, (Man. cambane; 
im frone, durch cloche ausgedrückt, aber doch südlicheren mundarten be- 
kannt, Umous. campano glocke, in Berry campaine schelle, in einer hs. 
der L. Sei. als malb. glosse campania mit ders. bed. (Pardessus p. 85). 
So genannt von der landschaft Campania, wo die glocken zuerst für den 
gottesdienst eingeführt wurden, s. Ducange. Das älteste Zeugnis des wertes 
bei Isidor 16, 24: campana l statera unius lancis e regione Italiae nomen 
aeeepit; ihm also bedeutet es schnellwage von der ähnlichkeit der einrich- 
tung, und entsprechende bedeutungen hat auch das wal. cumpene wag- 
schale, brwmetischwengel. Bei Beda und fast allen späteren zeigt cam- 
pana oder campannm nur die bed. glocke; Anastasius, Biblioth. (9. jh.), 
kennt beide bedd. glocke und schnellwage. 

Campeggio it., sp. campeche, fr. campeche eine holzart zum 
färben, aus der bai von Campeche in Centralamerica. 

Campo it. u. s. w. in der bed. Schlachtfeld wie schon lat. campns, 
das aber im mittdlatein auch den kämpf selbst d. h. den Zweikampf be- 
deutete, der auf einem eingeschlossenen platze vorgieng: de pugna duorum, 
qnod nostri campum vocant Begino, s. DG., daher entlehnt ahd. kamf 
f dudlum y . Abgel. it. campione, sp. campeon, pr. campio, fr. champion, 
ahd. kamfjo, mhd. kempfe, nhd. kämpe, ags. cempa, oXtn. kappi kämpf er, 
fechter, zurikU einer der für einen andern einen gerichtlichen Zweikampf 
ausficht, mlat. campio 'gladiator, pugnator Gl. Isid., gebildet wie tabellio 
von tabella. Vb. sp. campar sich lagern, daher fr. camper, aber ahd. 
kämpf jan pradiari und so altfr. champier Er. En. 3030; dsgl. it. cam- 
peggiare einen streifzug machen, sp. campear das feld halten, fr. cham- 
poier Bog. Aus campear ist campeador, bekannt als beiname des Cid 
Buy Diaz, arab. cambeyator schon um 1109, s. Dozy, Becherch. II, 63, 
2* id. (welchem Schriftsteller es sich aber von selbst versteht, daß das 
wort nichts gemein habe mit campus, sondern vom deutschen kämpf her- 
rühre). 

Camnso it., sp. fehlt, pr. camus, gamus (fem. -usa), fr. camns 
plattnasig, pr. auch albern, camusia albernheit. Cam ist auch im gleich- 
bed. fr. cam-ard vorhanden und kann das celtische auch im latein. ein- 
heimische cam sein, dessen bed. gekrümmt d. h. eingedrückt nicht unpassend 
scheint. Da indessen ein nominalsuffix us nicht vorkommt, so muß es, 
vielleicht unter einwirkung von muso (schnauze), in einer entstellung seinen 
grund haben. Andre erklären das wort aus lat. cämurus mit wandet des 
r in g wie im fr. chaise und einigen andern, wodurch die endung gerecht- 
fertigt wäre, bedenken aber nicht, daß dieser wandet weder im ital. noch 
im prov. anerkannt ist und daß auch der accent toiderspricht. — Für 
camnso sagt man ital. auch camoscio, und dies führt auf das bekannte 
franz. adj. camoissiä, welches gequetscht oder von Verletzungen gefleckt 
heißen muß: se don hanbert ne fast qnassez et camoisiez et debatuz 
Er. En. 3225; cataosez fu del bon hauberc BCam. p. 219; que tot a 
le yis eamoisfliä (vom schlag mit einer tatze) Ben. III, 163; pr. Jaufrä 



84 I. CANAGLIA— CANNIBALE. 

ab lo vis camnzat Fer. 2135 (gefleckt von narben, nicht Scachi, wieüayn. 
übersetzt); vgl. henneg. canioussä pockennarbig. Dazu ein prov. Sub- 
stantiv: totz era ples de sanc e de camois GRoss. 5554 voll von blut 
und Quetschungen oder blauen flecken. Zu nennen ist noch das vb. camos- 
ciare it., altfr. camoissier leder sämisch gerben, rauh oder kleinnarbig 
arbeiten (s. Corp.), welches auf camoscio gemse bezogen wird. — [Gleich- 
zeitig hat Mahn, was camuso betrifft, p. 112 dessen rein celtische her- 
kunft dargelegt, nämlich aus dem oben nur als mögliche quelle bezeich- 
neten cam und dem suffix us, woraus das vorhandene irische camus bucht 
d. i. biegung, welches also das romanische wort sein muß.] 

Canaglia it., sp. canaüa, fr. Canaille, altfr. chienaille gesindd, 
eigentl. hundevolk, wie sp. perreria. 

Gänape it., wdl. c?nep$, sp. c&fiamo, pr. canebe, cambre, fr. chan- 
vre, hanf; von cannabis, cannabus. Daher it. canavaccio, sp. cana- 
mazo, pr. canabas, fr. canevas grobe Umwand. 

Gancellare it., pr. chancelar, fr. chanceler fallen wollen, wanken; 
eigentl. die beine übereinander kreuzen um nicht zu fallen, vom tat. can- 
cellare guter förmig machen, daher ins kreuz setzen: die gleiche bedeutung 
entwickelte unser mhd. schranken (vom sbst. schranke cancelli). 8. Altrom. 
glossare p. 46, wo bereits die glosse des 8.jh. nutare *cdneeltare vorliegt. 
Man hat angemerkt, daß im 12. jh. Petrus von Blois sich des worte& als 
eines lateinischen bedient: in hoc modico cancellavit Plato. 

Gandire it. in zucket sieden, ft. se candir sich krystallisieren, 
dsgl. it. zucchero candito und candi, sp. azucar cande, fr. sucre candi 
krgstallisierter zucker. 'Den meisten zucker, den die Venetianer einführten, 
holten sie von Kandia (kandis-zucker/ sagt Hüllmann, Städtewesen 1,75; 
aber das factum, daß vornehmlich Kandia kandiszucker geliefert habe, • 
- scheint nicht verbürgt und candire passt schlecht zu dem namen der insel. 
Arabisch heißt dieser zucker gleichfalls qand oder qandat, schon in einem 
wörterbuche des 10. jh. ( c unde forte vulgo saccharum candi' Golius 1970), 
aber das wort wurzelt in dieser spräche nicht, sondern geht bis ins indische 
zurück, worin khanda stück, dsgl. zucker in krystallartigen stücken (wür- 
zet khand brechen) bedeutet, s. Mahn p. 47. 

Cänfora it. sp., fr. camphre ein harz, kämpf er; vom arab. al-käfür 
Freyt. IV, 47 b mit eingeschobenem n oder m, sp. auch alcanfor; ohne 
diese einschiebung it. cafura wie mhd. gaffer. Ursprünglich aus dem 
indischen. 

Gangrena it. sp., fr. cangrene, besser sp. gangrena, fr. gangrene 
eine krankheit, krebs; von gangraena (yayyQaiva) T dessen anlautende media 
durch einmischung von cancer in tenuis verwandelt werden mochte. 

Cannamele it., sp. canamiel, rrilat. canamella Zuckerrohr, eigentl. 
honigrohr. 

Cannella it., sp. pg. pr. canela, fr. cannelle, daher ndl. kaneel 
zimmet; von canna röhre, weil er gerollt ist. 

Cannibale it., sp. canibal, fr. cannibale roher, grausamer mensch; 



I. CANNONE— CAPERE. 85 

eigenfl. menschenfresser auf den Antillen, in dortiger spräche. Dafi im 
deutschen das wort bereits im j. 1644 vorkomme, bemerkt Weigand 1,201. 
Span, caribe, d. i. Caraibe, braucht man in derselben bedeutunp. 

Gannone it., sp. canon, fr. canon röhre, demnächst flinterUauf, 
schweres geschütz; von eanna. 

Canopfe it., wal. canapen, sp. fr. canap£ (altpg. ganapö SRos.) 
ruhebett; von conopenm (xcov(07t2iov) mückennetz, also ein mit einem sol- 
chen netz versehenes ruhebett, wie fr. bnreau teppich und damit bedeckter 
tisch hei fit. 

Cantiere it., pg. canteiro, fr. chantier unterläge, wohl auch sp. 
cantel strick zur befestigung der tonnen; von canterius jochgeländer, 
sporne, bair. gander. 

Canto it. sp. pg., cant altfr. ecke, winket, sp. pg. auch stein, itdl. 
auch seite, gegend. Die hier einschlagenden thatsachen sind etwa folgende. 
Griech. yjxvd-og ist winket des auges, reif um das rad; lat. canthus hat 
die letztere bedeutung und wird von Quintilian für africanisch oder hi- 
spanisch erklärt. Kymr. cant heifit Umzäunung, kreifi, radschiene, rand, 
stimmt also treffUeh zum lat. worte und mufi, wie Diefehbach, Celt. I, 112, 
bemerkt, eben das von Quintilian gemeinte barbarische wort sein; diegael. 
mundart kennt es nicht. Altfries, kaed, nord. kantr, nhd. kante scharfe 
seite, auch rand eines dinges. Logisch passt nun das rom. wort, dessen 
grundbed. ecke ziemlich alte mlat. stellen verbürgen, durchaus nicht zum 
latein. oder celtischen; Vermittlung aber gewährt das deutsche, welches als 
ein nicht auf heimischem boden wurzelndes cdtischer herkunft sein mag, 
auf das roman. aber wieder eingewirkt haben kann. Die bcgriffsfolge 
wäre hiernach celt. kreifi, rand, dtsch. rand, scharfe seite, ecke, rom. ecke, 
auch seite, gegend. Abll. sind it. c an tone, sp.pr. fr. canton ecke, land- 
schafl (dieselben bedd. im bair. ort), wald. canton abtheilung Hahn 577; 
sp. cantillo steinchen. pr. cantel, fr. chanteau stück; auch it. sp. can- 
tina, fr. cantine kdler, eigentl. winket, nach einer andern ansieht zsgz. 
aus canovettina dimin. von canova keller, welches letztere übrigens nur 
die ital. spräche kennt. Zsgs. ist it. biscanto Schlupfwinkel, piem. bes- 
cant quere, schiefe. — - Eine neue tief eingehende Untersuchung des wichti- 
gen Wortes danken wir Diefenbach, Orig. europ. p. 278. 

Capanna it., sp. cabafia, pg. pr. piem. u. s. w. cabana, fr. cabane 
hätte. Schon aus dem 7. jh. bekannt: hanc rustici capannam vocant, 
quod unum tantnm capiat, sagt Isidorus. Nicht aber von capere, da die 
rom. spräche kein sufßx anna anerkennt; eben so wenig also auch von 
dem subst. cappa mantel, welches altspan. (s. Alex.) und mailänd. auch 
hütte bedeutet: das wort mufi, wie es da ist, aufgenommen sein und hier 
ist an das gleichbed. kymr. caban (m.), dimin. von cab, zu erinnern; hier- 
aus engl, cabin, fr. cab inet, it. gabinetto, sp. gabinete. 

Capere it., sp.pg.pr. caber, vb. intr. mit der bed. platz haben, so 
daß die phrase totus prbis id non capit durch id non capit toto in orbe 
ausgedrückt ward; so bereits in der Vulgata senno mens non capit 



86 I. CAPITANO— CAPPA. 

I 

(xwqsT) in vobis Ev. Joh. 8, 37, in der waldens. Übersetzung ed. GUUy 
la mia parolla non cap en vos, in der prov. aber li mieua paraala non 
pren en vos, im ahd. Tatian ni bifähit. Capere und prendere bedeuten 
hier eigentlich wured fassen, platz greifen, stelle einnehmen. Venard. 
Fort, sagt 3, 26 in quo cnncta capit 'warin alles enthalten ist\ 

Gapitano it., alt cattano, sp. capitan Hauptmann, gleichsam capi- 
tanus von caput; dasselbe wort mit anderm suffix mlat. capitaneus bereits 
in einer urk. v. j. 651 Marin, p. 182°, pr. capitani, fr. capitaine, alt 
chevetaine, chataine, engl, chieftain. 

Capitello it. Köpfchen, Jenauf, sp. caudillo, altsp. capdiello, pr. 
capdel Oberhaupt, Häuptling; von capitellum für capitulum köpf. Daher 
vb. sp. acaudillar, pr. capdelar, aitfr. cadeler Roh, caieler DMce. 
p. 260. 263 führen. 

Capitolo it., sp. capitulo, cabildo, pg. cabido, pr. capitol, fr. 
chapitre in der bed. Versammlung eines geistlichen oder weltlichen Ordens ; 
von capitulum hauptstück einer schrift, weil die in capitd getheilten ordens- 
statuten daselbst verlesen wurden, oder weil auf den grund derselben ver- 
handelt ward. In Südfrankreich führte auch der municipalrath den 
namen capitöl, ja der einzelne schoffe, daher das fr. capitoul. 

Caporale it., altsp. caboral und caporal adj. hauptsächlich, subst. 
anführ er, befefdshaber, henneg. coporal, corporal, it. auch caporano, dass.; 
ein in Italien entstandenes aus capo (haupt) durch einschiebung fast selt- 
sam gebildetes, möglicherweise dem adj. und subst. generale nachgeformtes 
wort. 

Cappa it., sp. pg. pr. capa, fr. chape mantd. Ein sehr altes wort, 
vielleicht noch aus der röm. Volkssprache: capa, quia quasi totum capiat 
hominem, bemerkt Isidorus 19, 31, 3, wo er die capa auch capitis orna- 
mentum nennt, denn man zog sie über den köpf; cappa findet sich in 
einer urk. v. j. 660, s. Breq. n. 146 und später oft, e. b. mitra kappa 
Gl. ant. (Class. auetores). Man leite es nicht von caput, woraus wohl 
capo, schwerlich ein in seiner bedeutung so sehr abweichendes fem. capa 
cappa werden konnte. Die einfachen substantiva entspringen hauptsäch- 
lich aus verbis und so entsprang cappa, wie auch Isidor sagt, aus capere 
und bedeutet das umfangende: so hei fit ahd. gifang Meid von fähan fan- 
gen, mhd. vazzen ist sowohl capere wie vestire. Das doppelte p (auch 
span. scheidet sich capa vom vb. caber) ist kein einwand: schärfungen 
eines consonanten in einem bestimmten worte sind nicht selten, eine solche 
begegnet auch in cappone von capo. Abll. in menge, e. b. it. capello, 
fr. chapeau hut, altfr. cbapel kranss statt des hutes getragen (cappello 
ghirlanda secondo il volgar francese Boccac. dec. 1, 1)\ it. cappella 
u. s. f. ursprüngl. kurzer mantd, speciell das stück eines mantds des heil. 
Martinus, das in einer kleinen hofkirche aufbewahrt wurde, daher über- 
haupt kleine hirclie, s. Ducange; it. cappotto, sp. capote, fr. capot 
mantel mit einer kappe; it. cappuccio, sp. capuz, capucho, fr. capuce, 
capuchon mönchskappe, und wegen einer ähnlichkeit capuccio und fr. 



I. CAPPERO-CARA. 87 

cabus Kohlkopf, kappes; it. capperone, fr. chaperon, pr. capairö mutze 
ca.; wohl auch sp. capazo, capacho lederner eimer, kiepe, großer korb, 
pg. oapacho mit plüsch gefütterter korb. 

Cäppero iL, fr. cfipre ein gewürg, kaper; von capparis, arab. al- 
kabar Gol. 1996, hieraus sp. pg. alcaparra, arag. einfach caparra. 

Gappio iL schleife, knoten, sp. pg. cable, fr. cäble seil, tau, anker- 
tau. Es ist ohne zweifei das mlatein. capulum, das auch Isidorus kennt: 
capulum 'funis a capiendo; caplum 'funis* Gl. Isid.; mittelgriech. xantiov, 
ndl. kabel. Wer es aus dem arab. ( habl erklärt, der bedenkt nicht, daß 
das eindringen arab. Wörter erst lange nach Isidors seit anfteng, noch daß 
sich anlautendes arab. c h (-) nie in c verhärtet. Das gleichbed. sp. pg. 
cabo, welches sich logisch nicht wohl zu caput schickt, mag aus capulum 
abgekürzt sein. 

Capriccio it., daher sp. capricho, fr. caprice wunderlicher einfall; 
von capra ziege, in beziehung auf das benehmen dieses thieres, man er- 
wäge das synonyme ticchio II. a und füge noch hinzu comask. nucia = 
capretta, nucc = Capriccio. 

Car, quar pr. fr. altsp. altpg. partikel für tot. nam, quia; von 
quare, womit es ursprünglich gleichbedeutend war: morz a me quar no 
ves? tod warum kommst du nicht zu mir? Bth. 130, vgl. Rom. gramm. 
III, 214. Dem Italiener fehlt das wort, denn Dante 7 s und Cecco 9 s quare 
Inf. 27, 72, Acerb. 4, 1 ist latinismus. S. oben ca. 

Gara sp. pg. pr., p&tfr. chiere, daher entlehnt it. chw. cera antlitz. 
Noch die franz. wbb. des 16. jh. so wie die heutige norm, und lothr. mund- 
art kennen die alte bedeulung : so findet sich bei Nicot avoir la chere 
baicuräe vultum demittere; aber schon damals galt die darin entwickelte 
bed. miene, freundliche oder unfreundliche aufnähme (noch jetzt il ne sait 
quelle ch&re lui faire welche aufnähme), bis das wort endlich auf die 
water daraus entfaltete bed. bewirthung, gastmahl eingeschränkt ward. 
(Eine genauere geschickte seiner bedeutungen gibt Gachet p. 88.) Cara 
'anüitz' braucht schon, wiß Ferrari anmerkte, ein dichter des 6. jh., Co- 
rippus De laud. Justini 2, 412, 413: postquam Teuere verendam Cae- 
saris ante caram. Daß der africanische dichter, natürlich ohne alle be- 
ziehung auf die römische Volkssprache, ein griech. wort xctQa, äol. xctQrj 
haupt, aber auch antlitz (s. die commentatoren zur stelle, ausg. v. Bekker 
p. 399) in seinen totein. text einführte, ist nicht zu verwundern; daß 
dieses wort aber in der letzteren seltneren selbst dem Neugriechen un- 
bekannten bedeutung, ohne das mit griech. bestandtheilen am meisten ver- 
setzte ital. oder watoch. gebiet zu berühren, seinen weg in die westlichen 
mundarten fand, ist überraschend und entschuldigt den gegen diese etymo- 
hgie erhobenen zweifei. Aber es gibt keine bessere. [Dagegen hat Lorenzo 
titta Modignani später (1867) in einem mit classischer gelehrsamkeit 
geschriebenen aufsatz gezeigt, daß das ital. cera, welches bereits in den 
ältesten denkmalern dieser spräche vorkomme und gesichtsfarbe, demnächst 
gesichtsbUdung bedeute, von cara abzusondern und auf tot. cera in den 



88 CARABA-CARDO. 

bedd. färbe, porträt zurückzuführen sei.] — Zss. sind sp. carear, acarar, 
altfr. acarier confrontieren; nfr. acariätre hartnäckig, wunderlich. Nach 
Huet gehört hieher auch fr. c ont re car rer zuwider handeln, besser aber und 
im einklang mit dem buchstaben deutet es Frisch aus fr. carrer = lat. 
quadrare in Ordnung bringen, vgl. contrecarre antisophisma bei Nicot. — 
Entstand wct. ocäre schimpf etwa aus a-carare, gebildet wie affrontare? 
Cdraba sp. ein fahr zeug; van carabus € parva scapha Isid. 19, 1, 26, 
gr. x&Qaßog; daher sp. carabela, it. caravella, fr. caravelle. 

Carabina it. sp. pg., fr. carabine ein feuergewehr, fr. carabin ein 
damit bewaffneter reiter. Für letzteres gibt es eine ältere form calabrin 
Boquef., it. calabrino, und so läßt sich carabine aus dem pr. caläbre 
wurfgeschütz (s. caable IL c) ableiten: daß man waffennamen älterer 
hriegshunst auf neuere übertrug, kann nicht befremden. 

Garacca it., sp. pg. fr. carraca, carraque, ndl. kraecke eine ort 
grosser schiffe; nimmer vom aräb. 'harraqah brander (Monti, Agg. cd voc. 
II, 2, 313), da anlautendes aräb. ( h kein c ergibt, s. cappio. 

Caraffa it., sp. garrafa (so auch ältvcd., JFebr. str. 154), fr. ca- 
raffe, sie. carrabba flasche mit weitem bauch und engem hals; vgl. aräb. 
giräf ein maß für trockne dinge, vb. garafa schöpfen Freyt. III, 270 b . — 
[Neue bemerkungen s. bei Dozy.] 

Caragollo it. (nach Ferrari), sp. pg. fr. caraeol, cot. caragol 
Schnecke, Wendeltreppe, Wendung mit dem pferd, in letzterer bed. it. cara- 
collo. Man deutet es aus dem aräb. karkara sich im kreiße drehen Freyt. 
IV, 28* , was übel angeht, da ein aräb. subst. fehlt. Besser würde passen 
das gaet. carach gewunden, gedreht. 

Garato it., fr. carat, sp. pg. quilate, altpg. quirate ein kleines ge- 
wicht, karat; vom aräb. qtr&'t, dies vom gr. xegannv hülsenfrucht als 
gewicht gebraucht, man sehe Freyt. III, 427". Isidorus nennt es cerates, 
was der span. form ganz nähe kommt: cerates oboli pars media est, sili- 
quam habens unam et semis. Venez. carato same des Johannisbrotbaumes. 
Carcass ()•#., sp. carcax, pg. carcas, fr. carqaois (für carqaais) 
köcher, altfr. auch brustkasten, thorax DMce. 285; dsgl. it. pg. carcassa, 
sp. 'fcarcasa, fr. carcasse gerippe. Der zweite theü dieses zsgs. Wortes ist 
offenbar capsns (s. unten casso), der erste scheint caro zu sein* und die 
ursprüngl. bed. rümpf oder bruststück eines thieres, buchstäblich fleisch- 
kosten, fleischgerippe, übertragen auf den von reifen zusammengehaltenen 
köcher, wie carcassa auch eine mit reifen umgebene bowibe heißt. Zu 
widersprechen scheint it. carc-ame geripp, das einen stamm carc fordert, 
also auch carc-asso ? Allein asso ist kein suffix: carcame entstand durch 
einmischung von carcasso aus arcame, das aus arca kästen abgeleitet 
ward. Die parmes. mundart sagt für carcasso cassiron. 

Gardo it. sp. pg. distel, kardendistel zum wollkratzen, von Carduus; 
abgel. sp. pr. cardon, fr. chardon; vb. it. cardare ff. aufkratzen, käm- 
men; zsgs. it. scardo krämpel, fr. ächarde Stachel der distel, splitter (so 
auch neap. scarda); sp. escardar disteln ausjäten, norm, öcharder ab- 



I. CARESTIA-CAERIERA. 89 

schuppen. Verschieden von 6charde und deutscher herkunft ist Kenneg. 
fcard, wailon. hard scharte s. Qrandgagnage, vb. 6carder, harder schartig 
machen, ahd. scartf, altn. skard bruch, einschnitt, ahd. skertan, altn. 
skarda einschnitte machen u. s. w.; auch cot. esquerdar brechen, spalten 
ist dieses Ursprunges. 

Carestia it. sp. pg. pr., mlat. caristia, so auch sp. pg., altsp. ca- 
rastia Apol. str. 66 theurung, Mangel; it. carestoso, pr. carestios 
Flam. nothleidend; augenscheinlich aus carus, aber wie abgeleitet oder 
zusammengesetzt? Vgl. bask. garestia (labort. carastia) adj. = carus. 
In den Joyas dd gai saberp. 264 wird sogar caristia gesprochen, reimend 
auf b&tia, aber, die richtigJceit dieser betonung vorausgesetzt, läßt es sich 
doch mit dem nichts weniger als sinnverwandten griech. charfstia plur. 
(freudenmahl) nicht vereinigen. Eine occit. abl. ist carestia. — [Hat 
eucharistia auf die büdung dieses wertes eingewirkt? fragt Wackernagel.] 

Caricare, carcare it., sp. pr. cargar, pg. carregar, fr. charger 
Maden; sbst. ü. carico, sp. cargo, pr. carc, fem. it. carica, sp, pr. 
carga, fr. charge last, figürl. amt. Carricare, von carrus, findet sich bei 
Hieronymus (nach Ducange), discarricare bei Venant. Fort., discargare 
in der L. Sali Das it. caricare bedeutet auch überladen, übertreiben in 
rede oder Zeichnung, daher caricatura Zerrbild. 

Carmesino, crämisi, cremisino it., sp. carniesf, fr. cramoisi subst. 
und adj., eine hochrothe färbe bezeichnend; vom arab. qermez Scharlach, 
adj. qermazt Freyt. III, 434 a . Das wort, seinem Ursprünge nach indisch, 
entspricht dem sanskr. krimi-dscha d. i. wurmerzeugt (Pott in Lassens 
Ztschr. TV, 42). Derselben herkunft ist it. carminio, sp. carmin, fr. 
carmin« 

Carogna it. pr., sp. carrona, fr. charogne fleisch, aas, adj. sp. 
carrono verfault; jedesfdls von caro, wenn auch im Widerspruche mit den 
zahlreichen ableitungen aus dem thema carn, indem man, wie es scheint, 
durch caruncula verführt, in car den eigentlichen stamm dieser ableitungen 
fühUe. 

Garpa sp., fr. carpe, wal. crap, pr. escarpa, it. carpione ein fisch, 
iarpfen; vom mlat. carpa, schon bei Cassiodor, s. Vossius De vit. serm., 
einem weit verbreiteten schwerlich aus cyprlnus entstellten worte. 

Carpentiere it. wagner, Zimmermann, sp. carpintero, pr. carpen- 
tier, fr. charpentier nur in letzterer bed.; von carpentarius wagner, im 
mlatein üherhaupt holzarbeiter, carpentarius K zimbermann Gloss. Herrad. 
Franz. char pente (f.) zimmerwerk, tat. carpentum wagen. 

Carriera it., fr. carri&re laufbahn, sp. carrera laufbahn, Straße, 
pr. carriera straße; eig. fahrweg, von carrus. Besser als carrtere ist die 
aUfr. und mundartl. form charriere, da ersteres auch steingrube bedeutet 
und in diesem sinne aus einer andern würzet herrührt^ s. quadro. Andre 
abll. von carrus sind: it. carrozza, sp. carroza, fr. carrosse kutsche, 
mhd. k&rrosche, karrutsche; fr. carrousel ringelrennen, daher it. caro- 
sello, garosello. 



90 L CARRUBA-CASERMA. 

Carruba ü., sp. garroba, algarroba, garrofa, pg. alfarroba, fr. 
caroube, carouge Johannisbrot; it. carrobo, carrubbio, sp. garrobo, al- 
garrobo, pg. allarrobeira Johannisbrotbaum; vom gleichbed. arab. charrfib 
Freut. I, 471: 

Carvi it. sp. fr., neupr. charui feldkümmel, karbe; von careum 
(xagnv). Derselben herJcunft ist arab. al-karavia Gol. 2028, wodurch die 
roman. Wörter vielleicht näher bestimmt wurden, übrigens auch sp. al- 
caravea. 

Casa it. sp. pg. pr., cas A wal. für lat. domus seit dem frühsten 
mlatein, daher casa dei Ghron. Laurish., casa regia L. Long., casa do- 
minica L. Baiw. Ital. mundarten verkürzen es in ca. Unter den abtt. 
zu erwähnen chw. vb. casar wohnen, hausen, it. casare, sp. pg.pr.es&zx 
verheirathen, eigentl. häuslich einrichten, ausstatten; so mhd. heiraen hei- 
rathen, von heim haus. Grimm, Rechtsalt. p. 420, vergleicht altn. byggja 
saman zusammen wohnen. Die sard. mundart bewahrt domu und braucht 
es ganz wie das ital. casa. 

Casacca it., sp. pg. casaca, fr. casaque lange überjacke; von casa 
hütte, mit einer begriffsübertragung wie im nüat. casula (s. casipola); 
auch unser hose ist mit casa gleicher würzet, s. Wackemagel b. Haupt 
VI. 297. Dasselbe sufftx im it. guarnacca überkleid. 

Gasamatta iL, sp. casamata, fr. casemate waUJcdler; aus gr. 
%aajna grübe, höhte, plur. yaojuara, deutet Menage. Eine Zerlegung in 
casa-matta versucht mit glück Mahn p. 6. Matto nämlich habe in einigen 
Verbindungen die bedeutung des deutschen matt: carro matto leiterwagen 
z. b. sei der schwache, rohe, unvollkommene wagen, und so sei casa matta 
das schwache, todte, versteckte haus. Im mailänd. heifit matt s. v. a. 
pseudo: perla matta ist perla falsa, giussumin matt gelsomino sävestre, 
unter unserm worte läfit sich ein haus denken, das diesen namen nicht 
verdient. Im sicil. bedeutet matta düster, in dieser mundart würde man 
ein düsteres haus darunter verstehn. Bezeichnender noch ist Wedgioood's 
auslegung des wortes aus sp. casa und matar tödten, entsprechend dem 
deutschen mordkeller und dem in diesen^ sinne veralteten engl, slaughter- 
house, nur ist für das hier unstattJuxfte vb. matar das subst. mata zu 
setzen, so daß der sinn ist 'haus der metzelet. 

Gascio y cacio it., sp. queso, pg. queixo käse; von caseas, vgl. für 
das span. wort denselben lautübergang in qnepo von capio. 

Gaserma iL, wal. cesarm^, richtiger sp. pg. caserna, fr. caserne 
soldatenhütte; von casa wie lat. caverna von cava. — [Caserma, cesarme 
nebst dem volksmäßigen deutschen casarm machen diese deutung, wie 
Mahn p. 6 einwendet, zweifelhaft und es sei die herleitung aus casa d'arme 
vorzuziehn. K Ich habe die formen mit m denen mit n nicht als gleichbe- 
rechtigt entgegenstellen wollen, weil caserma, wenn es ein gutes mit arma 
zusammengesetztes ital. wort sein sollte, doch casarma oder eigentlich 
casarme lauten müßte, die wal. und deutsche form aber den grammatischen 
werth der span. und franz. nicht aufwiegen können. Überdies scheint 



I. CASIPOLA-CATACOMBA. 91 

waffenhaus für soldafenhütte etwas pretiös. Das sufßx erna ist allerdings 
ein selten angewandtes, aber wie leicht konnte das beispiel von cava ca- 
verna verfuhren, ihm ein casa caserna an die seile zu setzen? Krit. 
anhang.] 

Casipola, casupola it. hüttchen, daher fr. chasuble messgewand. 
Das span. wort ist c aBulla in letzterer bedeutung (altfr. casule Gloss. 
de Lille 22*) = mlat. casula nach Isidor quasi minor casa eo quod 
totum hominem tegat; vielleicht formte man casipola nach dem muster 
des von manus stammenden manipulus. Wie sich übrigens die begriffe 
hätte und mantel berühren, zeigt auch das in ersterer bedeutung gebrauchte 
cappa, s. capanna. 

Casa pr. altfr. gebrochen, gebeugt: briste et cas Sax. U, 185; vb. 
pr. cas aar, nfr. casser brechen; von quassus, quassare. Ital. accasciare 
ermatten erfordert eine dbl. quassiare. Dasselbe wort mit eingeschobenem 
n ist oitsp. canso müde, nsp. cansar müde machen (die kraft brechen), 
das sieh vom it. cansare durch seine bedeutung scheidet; zsgs. sp. dea- 
cansar ruhen, prov. dass. GRoss. 1137. 

Gassa it., sp. caxa, pg. caixa, pr. caissa, fr. caisse leiste, dsgl. fr. 
ch&sse einfassung; von capsa behäUnis. Abgd. it. cassetta, casset- 
tone, zsgz. castone {wie parmes. castäina aus cassettina). Zsgs. pg. en- 
caixar, fr. enchässer einfassen, einfügen; gleichbed. cat. encastar, sp. 
engastar, it. incastrare, pr. encastrar, fr. encastrer; so wie pr. enca- 
stonar, pg. encastöar, sp. engastonar, vgl. mlat. incastratura. 

Gas so it. sp. pg., pr. cas, altfr. quas leer, unnütz; von cassus. 
Dsgl. vb. cassare ff., fr. casser zu nichte machen, lat. cassare für cassum 
reddere bei Sidonius und Cassiodorus. 

Cas so it. brüst, thorax, mlat. cassum, cassus; von capsus behältnis, 
wie auch ndat. arca denselben begriff erfüllt. Prov. cais kinnlade ist 
gleichfalls von capsus wie eis von ipse, nicht von cassar brechen (als 
etwas zermalmendes), da der diphthong ai widerstrebt. Endlich muß im 
gleichbed. pg. queixo (cat. quex), woher queixada, sp. quixada und 
wohl auch sp. quixera beschlag am schoß der armbrust (backenstück), 
dasselbe cais oder capsus anerkannt werden. 

Catacombatl., sp. pr. catacumba, fr. catacombe unterirdische 
grüß. Offenbar ein compositum, in dessen erstem theile man gewöhnlich 
die griech. präp. xara 9 in dem zweiten das sahst, tumba erkennt, cata- 
cumbae wäre also = ad tumbas an den grüßen. Es ist aber nickt ein- 
tuschen, warum die spräche, wenn man auch die einmischung einer griech. 
Partikel zuläßt, die grüß als etwas an der grüß befindliches aufgefaßt 
haben sollte. Vielleicht ist cata eben nur das rom. vb. catar schauen 
(s. unten) und comba entweder durch assimilation an den anlaut c (in 
cata) entstellt aus tomba (sp. catatumba findet sich in Bengifo's reimbuch, 
maä. catatomba bei Cherubini) oder auch unentstellt, da es im span. 
gewolie bedeutet, so daß also cata-comba schau-gruß heißen würde. Die 
römischen cataeamben bargen nämlich die korper von märtyrem und hei- 



92 I. CATAFALCO-CATAR. 

ligen und wurden darum von andächtigen Christen besucht, s. die stelle 
des h. Hieronymus bei Ducange. Man könnte selbst das satanische cumba 
heranziehen, wovon Festussagt: cumbam Sabini vocant eam, quam mili- 
tares lecticam, also sanfte, tragebett (s. K. 0. Müller zu der stelle), wäre 
tomba oder comba nicht der sache angemessener. Die hier ausgesprochene 
deutung könnte gleichwohl gewagt scheinen, fände sie nicht in den beiden 
folgenden artikeln Unterstützung, fast bestätigung. — [Bettermann, Über die 
ältesten christl. begräbnisstätten p. 7, nimmt eine griech bildung xora- 
rvjußiov dafür an.] 

Catafalco it., sp. cadafalso, cadahalso, cadalso, pr. cadafalc, alt- 
cot. cadafal Chr. d'Escl. 597", val. carafal, altfr. escadafaut, cadefaut, 
chafaut, nfr. ächafaud, mndl. scafaut, nhd. schafott gerüste zu verschie- 
denen zwecken, trauergerüste, blutgerüste u. dgl. Die reinste form ist 
catafalco; das sp. cadafalso mit s für c ist unklar, muthmaßlich hat sich 
falso adj. in der Verbindung edificio falso gebäude, das auf keinem festen 
gründe ruht, oder das rothwälsche falso henker eingemengt; im altfr. es- 
cadafaut gieng auslautendes c in t über wie in Estrabort für Estraborc, 
nfr. Strasbourg. Das wort ist zsgs. aus catar schauen, prov. erweicht in 
cadar, und aus falco, entstellt etwa im munde der Deutschen, denen p 
leicht zu ph oder f ward, aus ital. palco gerüst, das selbst wieder deut- 
schen Ursprunges ist, also schaugerüste, gerüste zu öffentlicher schau. Un- 
mittelbar aus dem ital. entlehnt ist fr. catafalque, sp. cadafalco. Jault 
will in falco das aräb. falak anhöhe Freyt. III, 372* erkennen, (Mein 
warum sollte die spräche dieses wort nur in einem compositum aufbewahrt 
haben? selten wenigstens geschieht dergleichen in unlat. Wörtern. Ducange 
setzt es zusammen aus gr. xava und lat. palus oder fala (gerüst), womit 
aber die endung c unerklärt bleibt, andre haben ein deutsches schauhaus 
oder ndl. schauvat (schaufaß) dafür aufgestellt. 

Cataletto it. paradebett, buchstäblich schaubett; von catar und letto, 
s. die beiden letzten artikd. Dem entspricht buchstäblich sp. cadalecho 
binsenlager, neupr. cadaliech, altfr. kaalit Hliord. p. 147, neufr. chälit 
spannbett, fufigestell des bettes, letzteres gewöhnlich aus chasse-lit erklärt. 

Catar dltsp. sehen, schauen, (catö ä todas partes PC. 357), ebenso 
altpg. (com quaes olhos vos catey D. Din. p. 38 und öfter), nsp. pg. 
versuchen, untersuchen, nachsuchen; sbst. cata Untersuchung; zsgs. reca- 
tar wieder kosten, dsgl. sorgfältig bewahren, recato vorsieht, geheimnis; 
acatar untersuchen, verehren, acatamiento ehrfurcht u. a. m. Im prov. 
ist das wort nicht einheimisch und wird darum im Elucidari erklärt: 
catar vol dire vezer (sehen) LB.; eben so wenig besitzt es der Franzose, 
doch fuhrt Menage eine abl. catiller 'ausspähen aus Monstrelet an. Churw. 
aber heißt catar finden, ebenso parm. venez. catar, lomb. catä finden, er- 
greifen; daß es im ital. auch vorhanden war und schauen hieß, scheint 
sich aus cata-comba, cata-falco, cata-letto zu ergeben, welchen Span, com- 
posita wie cata-lecho, cata-ribera, cata-viento entsprechen. Dem Walachen 
endlich bedeutet ceuti schauen, suchen, hüten. Schon Isidorus kennt das 



I. CATASTKO-CAVIALE. 93 

wort in seiner altspan. bed.: cattus (kotze), quod cattat (cd. catat, captat) 
i. e. videt 12, 2, 38. Die Herkunft desselben vom lat. captare (lauern) 
kann nicht zweifeüuxft sein. In der L. Sal. emend. wird noch captare 
gesehrieben, aber auch hier ist die bed. schauen, gleichsam octdis captare, 
nickt zu verkennen, s. Pott, Plattlateinisch 392. Das it. cattare ist nebst 
sp. captar, fr. capter erst später aus dem classischen latein aufgenommen 
worden. — Seltsam ist das it. cata-colto € ertappt\ für catato-colto, ein 
offenbarer pleonasmus um das unverständlich gewordene catato mit einem 
synonymen ausdrucke zu erklären. 

Catastro it. sp., cadastre fr. (it. auch catasto) Steuerregister; gleich- 
sam capitastrum kopfsteuerliste. Das frühste mitteldlter brauchte dafür 
capitularium Greg. Tur. 9, 30 mit dem zusatz in quo tributa contine- 
bantur, eigentl. eine in capitula abgetheüte Schrift; capitastrum aber ent- 
stand gewiß unmittelbar aus caput wie sp. cabezon steuerliste aus cabeza. 

Catrame it., pg. alcatrao, sp. alquitran, fr. guitran, goudron, nüat. 
catarannus theer; vom arab. alqa c trän dass. Freyt. III, 464 h . 

Cattivo it., sp. cativo, pr. caitiu, fr. ch&if elend, schiecht; von 
eaptivos gefangen, in knechtschaft, daher unglücklich nebst den wettern 
bedeutungen; die ursprüngliche wird durch cattivo it., cautivo sp., captif 
fr. vertreten. 

Cavallo it., sp. caballo, pr. caval, fr. cheval, wal. cal (auch cdban. 
cale, calle) pferd; von caballus (yuxßalkyg), nach A. W. Schlegels muth- 
mafiung ein italisches bauernwort, womit das pferd in der landwirthschaft 
bezeichnet ward, s. dessen Ind. bibl. I, 240. Daher it. caval care, sp. 
cabalgar, fr. chevaucher (fehlt wal.) reiten, wie gr. \itizevtiv von Xnnoq, 
in der L. Sah caballicare und zwar caballicare caballum wie rom. caval- 
care an cavallo. Von equus blieb nur das fem. sp. yegua, pg. egoa, 
pr. egua, dttfr. aigue, wal. eap$, sard. ebba. Aus caballus leitet sich 
ferner nüat. caballarius Gl. Isid., it. cavaliere, sp. caballero, pr. cava- 
lier und cavayer, fr. Chevalier und cavalier ritter, reiter ; >dsgl. ü. caval- 
letta, sp. caballeta grüne heuschrecke, pferdchen genannt wegen der ahn- 
lichkett ihres köpf es mit einem pferdekopfe, heupferd. 

Cavezza it. halfter, altfr. chevece kragen, sp. pg. cabeza köpf, auch 
pr. cabeissa; dsgl. sp. pg. cabezo, pr. cabes der obere theil eines 
dinges; abgd. it. cavezzone, fr. cave<;on kappzaum, sp. cabezon hemd- 
Iragen ; von caput Daß chevece und cabeza eins seien, ist unzweifelhaft ; 
aber auch cavezza stimmt dazu, wiewohl capezza (vgl. capezzale aus ca- 
pitium bei Gellius) erwartet werden durfte. Kragen als köpf des hemdes 
ist der mittelbegriff zwischen haupt und halfter, doch könnte sich sp. 
cabeza auch unmittelbar auf capitium in der bed. einer kopfbedeckung be- 
ziehen, in den Er f. glossen 283 a wird es mit dem ags. 'hood 3 pileus über- 
setzt. Ital. seavezzare abhauen ist = scapezzare, sp. descabezar. 

Gaviale it., sp. cabial, pg. fr. caviar, ngr. xavictQi eingesalzener 
rogen des in edlen europäischen gewässern heimischen störs und einiger 
andern fische. 



• 9 



94 L CAVICCHIA— CEDRO. 

Cavicchia, caviglia #., pg. pr. cavilha, fr. cheville, pflock, masc. 
it. cavicchio, caviglio dass. Lot. clavicula tcard durch dissimüation 
in cavicla vereinfacht um das doppelte cl zu beseitigen: ohne diese eupho- 
nische rücksicht dürfte eine Schwächung des anlautes nicht angenommen 
werden. Der Spanier behielt cl in clavija, worin jene rücksicht wegfiel, 

Cavolo it., sp. col, pg. couve, pr. caul, fr. chou kohl; bemerkens- 
wert^ weil diese formen so wie das kymr. cawl, das bret. kaol auf caulis, 
nicht auf das anscheinend volksmäßige colis weisen. 

Cayo sp. (nur im plur. Üblich), altfr. caye Sandbank, mit anderer 
bed. pg. caes (sg. und pl.), fr. quai dämm an fiüssen, deich, ndl. kaai, 
engl, kay, ndd. kaje. Alle vier roman. Wörter sind formell eins und auch 
die begriffe liegen sich nicht fem. Ein altes Zeugnis dafür gewähren die 
Isid. glossen: kai 'cancellae\ kaij (kaji?) 'cancelli' schranken. Unpassend 
bringt dies Scaliger mit dem Plautinischen cajare (schlagen) in Verbin- 
dung: es ist augenscheinlich, wie schon Ducange behauptet, das kymr. 
cae zäun, umzäunung, bret. ka£ auch deich, k&6a einzäunen; vielleicht 
darf auch an ahd. cahot munimentum, bair. kachet zäun Graff IV, 361 
erinnert werden. Dagegen ist bair. kai hegung, als eine spätere Verhär- 
tung aus gehai von haien hegen (Schmeller II, 129), nicht in anschlag 
zu bringen. Warum aber fr. quai und nicht chai? muthmaßlich weil 
das wort ein erst später aus dem picard. oder gascon. (vgl. cayum haus 
bei Ducange, gael. cai dass.) aufgenommenes ist. 

Cazza it., cot. cassa, altfr. pic. casse, masc. chw. caz, sp. cazo 
pfanne mit einem stiel; vom ahd. chezi, kezi, altn. kati ein kochgeschirr, 
woher unser kessel. Abgel. it. cazzuola, sp. cazuela, mit einmischung 
eines r (wie in mouch-er-olle, mus-er-olle u.a.) fr. casserole bratpfanne, 
woher it. casserola, pic. champ. castrole, dtsch. castrol. Ein altes Zeugnis 
des Wortes in den Wiener glossen Hoffm. p. 58, 15 gazza ^chetta* = 
churw. caza schöpf kelle. 

Cece it., sp. chf charo, pr. cezer, fr. chiche {gewöhnt, vi. pois chiclies) 
kichererbse, von cicer; it. cicerchia, sp. cicercha, von cicercula. 

Cicero it. schwan, alt c6cino, mlat. cecinus L. Sal. tu. 7, ricinus 
€ olor (ollo ms.) Gl. Paris, ed. Hild., item Papias; vom tat. cicer, das im 
it. cece knollen am schnöbet dieses vogels heißt. Besser aus cecinus als 
aus cygnus erklärt sich auch das sp. pg. altfr. cisne (altpg. cirne Moraes), 
da einschiebung des s für die südwestl. spractte nicht annehmbar ist. 

C6dola it., sp. pg. pr. cädula, fr. c£dule zettel; von schedula wie 
cisma von schisma. Aus einer andern ausspräche (skedtda) entsprang 
sp. esquela. 

Cedro &, cidra sp. pg., in letzterer spräche auch cidräo, fr. citron 
eine frucht, citrone; it. cedro, sp. cidro, fr. citronnier citronenbaum; von 
citrus citronen* oder pomeranzenbaum, citreum dessen frucht. Der bäum 
heißt ital. auch cederno, geformt wie lat. quernus von quercus. Die zwei- 
felhafte quantität des i in citrus erklärt die roman. formen mit e und i. 
Das vornehmste wort für citrone aber ist ein fremdes, limone (s. das.). 



L CELATA— CERCARE. 95 

AbU. sind: U. cedronella, sp. cidronela, fr. citronnelle melisse, dtrago; 
it. citri uolo, cedriuolo gurke, fr. citrouille Mrbifi, wegen der ähnlich- 
keit dieser fruchte mit der citrone. 

Gel ata it., sp. celada, fr. salade heim, pickelhaube, engl, salad, 
hymr. saled ; mit recht wegen des darauf vorkommenden büdwerkes von 
caelata (cassis caelata bei Cicero) hergeleitet, wahrscheinlich in Italien 
aufgekommen. Es ist also hier ein epitheton ornans zum namen der Sache 
geworden. Im mittdhochd. findet sich gleichbedeutend salier, welches 
romanischen Hang hat, aber aus diesen sprachen nicht nachweislich ist, 
auch aus caelata nicht abstammen konnte. 

Cenno it., chw. ein wink, sp.ceho runzeln der stirne; vb. pr. cennar, 
oltfr. cener c. acc. HBord. p. 178, 1, it. accennare, altsp. bevüsn Älx., altfr. 
acener zuwinken. Cinnus, zu unterscheiden von dem acht lat. cinnus (Ver- 
mischung mehrerer dinge), begegnet in alten glossaren; eins der Erfurter z. b. 
p.287 k hol cinnus 'tortio oris\ inde est dictum cincinus und cynnavit 
t nmuit J promisit y } auch die Isid. glossen kennen das wort } das wahrscheinlich 
aus cincinnus locke (xixivvog) abgekürzt ward, indem cinnare, cennare eine 
eigenschaß der locken, das wallen oder winken ausdrückte. 

Centinare it., fr. cintrer wölben, bogenrund machen; daher sbst. 
ü. conti na, fr. cintre (m.) gewölbe, rüstbogen zu einem gewölbe; von 
cineturare, das man sich aus cinetura ableitete: ital. n aus r wie in cecino 
aus cicer. Über die beriüirung der begriffe gewölbe und umgürtung 
s. Rödiger und Pott in Lassens Ztschr. III, 59. Das catäl. wort ist 
cindria, das span. aber eimbria, eimbra, mh vielleicht durch einmischung 
von eimborio kuppet. 

Cercare it., wal. cercä, pr. cercar (sercar), nfr. chercher, altfr. 
cerchier durchsuchen, suchen, aus diesem das engl, search. Die erstere 
ist die grundbedeutung: in derselben braucht es noch Dante in einer 
mehrfach misverstandnen stelle Inf. 1, 84 che m'han fatto cercar lo tuo 
Yolume, vgl. altfr. cerchier les montagnes die berge durchsuchen und 
ähnliche stellen. Span. port. cercar bedeutet einschließen, citpg. aber 
gleichfalls durchsuchen: andou em busca delle cercando toda aquella 
terra & Constancio. Cercare ist das wenn auch nicJU von Properz 4, 9, 
36, doch von den fddmessern gebrauchte circare um etwas herumgehen, 
es umgeben : circat montem Cos. litt., in den lsid. glossen circat 'circum- 
venit\ daher mlat. circa die runde, circator Wächter, vgl. alban. k$rcöig 
suchen, durchforschen, vom gr. xiqxovv umgeben, umringen; kymr. kyrchu, 
bret. kerchat werden aus derselben quelle sein wie cercare. Es bedarf 
also zur erktärung desselben keines neuen Wortes quaericare. Zwar 
schreibt der Sarde von Logudoro quireare, aber er schreibt nur so, die 
ausspräche ist kircare wie im latein. Die franz. form chercher hat ihren 
grund offenbar in bequemerer ausspräche des richtigen cercher, pic. cer- 
quier (welches letztere aber, gleichfalls durch assimilation der ersten an 
die zweite silbe, auch in der form querquier vorkommt), vgl. it. Giciglia 
für Siciglia. Eine zss. ist pr. ensercar unterscheiden, pg. enxergar; 



96 L CERCETA- CHETO. 

ein frequentativ im alteren mittdlatem ist circitare (circat, circitat ycvxkdu 
Gl. lat. gr.), hieraus wal. cerceta untersuchen, besuchen, das der herkunft 
aus quaericare entschieden widerspricht, 

Cerceta, zarzeta sp. pg., pr. sercela, fr. cercelle, sarcelle, cot. 
masc. xerxet ein wasservogel, Jcriechente; van querquedula. Daraus ent- 
stellt scheint it. garganello, engl, gargane, s. Ferrari; Ncmnich fuhrt 
auch cercedula, cercevolo an. 

G6 reine it. (m.) ring, ringartige sache, fr. cerne (m., aus certfne) 
hreiß, sp. c&rcen, pg. cerce; vb. iL fehlt, fr. cerner umzingeln, aber 
sp. cercenar ringsum beschneiden, eig. abrunden, cortar ä cercen glatt 
abschneiden. Die Wörter sind von circinus zirkel, circinare abzirkeln. 

Cerfoglio it., sp. cerafolio, fr. cerfeuil ein küchenkraut, körbel; 
von caerefolium (xaigiq)vllov). 

Cernecchio it., sp. cerneja, pg. cernelha haarbüschel. Cabrera's 
deutung aus criniculus, wogegen begriff und buchstabe streiten, durfte 
nach der von Ferrari aus discerniculum Haarnadel facus, quae capülos 
disseparat' Nonius), dsgl. abgctheiltes haar, nicht mehr aufgestellt werden. 

Cervello it., pr. cervel, fr. cerveau hirn, dsgl. fem. dem itat. 
plur. cervella entsprechend chw. pr. cervella, fr. cervelle; von cere- 
bellum, dessen roman* gestalt cervellus schon . der Vocab. S. Gdlli kennt, 
cervella das Gloss. Salom., cerevella das Gloss. von Schlettstadt. Die 
sporn, und port. spraefte haben nur das primitive celebro, cerebro, so auch 
die walach., deren erferi (plur.) aus cerebrum, umgestellt creebrum, ge- 
bildet sein wird. 

Cetto it., attsp. altpg. cedo (encedo Ghron. del Cid ed. Huber 
p. 203) adverbium, von cito. 

Chaveco pg., sp- xabeque, it. sciabeeco (?), fr. chebec, dtsch. 
schebecke, ein kleines dreimastiges kriegsschiff, welches rüder fuhrt; soll 
türkisch oder arabisch sein, ist aber nach Dozy p. 28 unentschiedener 
herkunft 

Che it., sp. pg. pr. fr. que (auch alban. che) geschlechtloses relativ- 
pronomen und conjunetion; wahrscheinlich von quid, s. Born, gramm. III, 
322—324, wo auch von wal. ce, ce, ca die rede ist. Franz. quoi (alt 
quei) hat seinen grund in dem bestreben der spräche, gewissen einsilbigen 
Wörtern mehr umfang zu geben, vgl. moi, mei aus me. Itcd. chi, fr. qui, 
von quis; sard. chini, sp. qnien, pg. quem, vom aecusativ quem, s. IL b. 

Cheto it., sp. pg. quedo, altfr. coit, coi, recoi ruhig, von quietus, 
daher vb. it. chetare beruhigen, sp. pg. quedar ruhig lassen, (intr.) 
ruhig bleiben; fr. coiser s. v. a. it. chetare, gebildet tote hausser von 
altus. Ein lat. vb. quietare bei Priscian ist bestritten, vgl. Struve, Lat. 
decl. und conj. 117. Dasselbe quietus setzte mit der bed. 'ledig 3 eine 
zweite keine Verwandlung des t in d erlaubende form ab, eine scheideform, 
gleichsam quitus: fr. quitte, alt cuite, pr. quiti, sp. quito, dtsch. quitt; 
daher sp. pg. quitar ledig machen, frei lassen PC. 537. 894. 1043, 
wegnehmen, eigentl. losmachen, fr. quitter losgeben, gehen lassen, verlassen> 



CHIAMARE-CIANCIA. 97 

it. quitare, chitare sein recht aufgeben. Die bedeutung kennt schon die 
Lex. Long.: sit quietus d. i. sit dbsotutus. Für cheto sagt man ital. auch 
chiotto (zweisüb.), vielleicht aus dem fr. coit mit eingeschobenem i = 1, 
map. cuoto. 

Chiamare it. } wal. chi^mä, sp. Uamar, pg. chamar rufen, nennen, 
pr. clamar, aitfr. claimer ausrufen; von clamare. Die bed. nennen läßt 
sich bereits im ältesten mlatein nachweisen, 0. b. si quis alterum vulpem 
clamaverit L. Sal. tit. 30. 

Chiarina, clarinetto, clarone iL, sp. darin, clarinete, fr. 
clarinette, clairon, altfr.pr. clarion blasinstrumente; von ciaras hell tönend. 

Chiasso it. aus dem pr. clas geschrei, ältfr. glas (chlaz Trist. II, 
80) glockengeläute, nfr. ansehlagen der todtenglocke, wohl auch ir. glas 
wehklage, das Pictet p. 70 eu sanshr. Was gesellt; von classicum signal 
mit der trompete, mlat. in der aitfr. bedeutung, vgl. conclassare 'concla- 
mare Gl. Md. Das nah liegende glatir war anlaß, daß man das wort 
gerne vom hundegebdl brauchte. Wal. glas schall, stimme ist das gleich- 
bed. serb. glas. 

Chiglia it. (bei Barberino chiela), sp. quilla, fr. quille kiel des 
schiffes; vom ahd. kiol, altn. kiölr. Sofern fr. quille Icegel bedeutet, floß 
es aus ahd. kegil, was schon Frisch erkannte; eigentlich passen auch die 
andern Wörter ', wie man leicht sieht, besser in dieses etymon als in das 
erstere, aber die bedeutung entscheidet. 

Chimera it., sp. quimera, fr. chimöre hirngespinst ; von Chimaera, 
dem mythischen ungeheuer. 

Chiocciare, crocciare it., sp. cloquear, neupr. clouchä, fr. glousser, 
wal. clocei glucksen; naturausdrücke wie das dtsche wort und das lat. 
glocire, wenn nicht zum theil aus diesem entstanden, vgl. ags. cloccan. 
Sbst. it. chioccia, sp. clueca, pg. chöca, wal. 6loc$, nhd. glucke brütende 
henne, daher ein adj. it. chioccio, sp. clueco, llueco glucksend, heiser. 

Chitarra it., sp. pg. pr. guitarra, fr. guitare'em Saiteninstrument; 
vom gr. xi&aQa. Vom lat. cithara aber ist it. cetera, cetra, pr. cidra, 
citöla, aitfr. citole, mhd. zitole u. s. w. Cithara, non cetera bemerkt ein 
grammatiker in besiehung auf die volksübliche form, s. Anal, gramm. p. 443. 

Chiudere it., sp. cluir in compos. } cdtpg. chouvir, pr. claure, fr. 
clore schließen; von cludere und claudere. Zsgs. pr. esclaure, fr. 
£elbre, von ex und claudere; pr. esclure, fr. exclure, von excludere. 

Giabatta it., sp. zapata, fr. savate abgenutzter schuh, pr. sabata 
überh schuh, und so sp. pg. zapato; it. ciabattiere ff. Schuhmacher. 
Nach Sousa vom arab. sabat, dies vom vb. sabata beschuhen, das bei 
Freytag II, 275* diese bedeutung nicht hat. Mahn p. 16 findet seine 
quelle im baskischen. 

Giancia it. geschwäie, possen, vb. cianciare schäkern, possen treiben, 
chw. cioncia geplauder, sp. pg. chanza spass; naturausdruck? vgl. aber 
auch nhd. zänzeln kosen Frisch II, 464 b , mhd. zSnselen, zinselen dass., 

sp. ch&chara gesehwä&ze, ngr. itpitjula gleichbed. 

7 



y\ 



98 L CIARLARE-CIFRA. 

Giarlare #., sp. pg. charlar, vol. charrar, norm, charer schwatzen; 
it. ciarlatano (woher fr. charlatan) Marktschreier, Windbeutel. Seltsam 
* leitet es Muratori, Ant. üal. II, 846, von Charles, Charlemagne, einem 
namen, den die französischen bänkelsänger in Italien stets im munde ge- 
führt hätten. Menage verweist auf lat. circulari (circ'lari) das gewerbe des 
marktschreiers treiben; gewiß passend, wäre nur der ausfall des c vor 1 nicht 
anstößig. Ciarlare kann auf romanischem boden gewachsen, es kann ein 
naturausdruck sein, wenn man nicht vielmehr eine ablautform von zirlare, 
sp. chirlar, darin erblicken will, vgl. bask. chirchila = charlatan. Das 
mit ciarlatano gleichbed. it. cerretano soll nach einigen von dem städte- 
namen Cerreto herrühren. 

Giascnno it., altsp. cascun.Bc., pr. cascnn chascun, altfr. chascnn, 
auch chescun, neufr. chacun {nicht chäcun), pronomen, von quisque unus, 
quisc 1 unus, vgl. chaque J7. c; it. auch ciascheduno von quisque et unus 
oder quisque ad unum, wie altsp. quiscadauno, s. cadauno. Eine alte 
genues. form cascha-un s. Archiv, stör. üal. app. num. 18, p. 20 und öfter. 

Ciborio it., so auch pg., fr. ciboire geMuse für die geweihten hostien, 
dsgl. pr. cibori, altfr. chiboire, sp. pg. cimborio schirm oder kuppet über 
dem altar, ndat. ciborium, mittelgr. ußtügiov; werden aus dem gr. 7ußu>Qiov 
fruchtgehäuse einer pflanze, auch becher, hergeleitet, man sehe Ducange 
und Menage. 

Cica it. kleinigkeit. adj. cigolo, einfacher sp. chico, cot. xic chic 
klein, gering, fr. chiche knauserig (vgl. gr. ajuixgög klein, GfiixQivrjg geiz- 
hals), fr. chiquet bißchen, chicot splitter, knoten, sp. chicote ende eines 
taues, chichota kleinigkeit; vb. fr. chichoter über Kleinigkeiten zanken, 
altsp. chicotar Canc. d. JB., wohl auch sp. cicatear knausern. AUe von 
ciccnm kleinigkeit, mit palataler ausspräche des c wie im sp. chfcharo, 
fr. chiche von cicer. Verwandt scheint alban. tzice ein wenig. Hieher 
wahrscheinlich auch fr. chicane, das ursprüngl. krümchen brot bedeutet 
haben soll, daher unnütze Spitzfindigkeit, hader um nichts. Wegen des 
adj. chico aus dem sbst. ciccum vgl. wal. mic Mein, von lat. mica. — 
Bei diesem stamme bot sich herleitung aus dem bask. chiquia * winzig 
leicht dar, aber ein so weit verzweigter stamm, gegen dessen latein. Ur- 
sprung nichts vorliegt, warum sollte er anderswo gesucht werden? Dem 
lat. ciccum non interduim entspricht ja wörtlich das üal. non darei cica. 
Aus sp. chico hätte freilich bask. chicoa werden müssen, nicht chiquia, 
aber auch aus bask. chiquia nur span. chiquio, nicht chico. Ital. cica 
für cicca könnte bedenken machen, stände nicht bereits im latein häufig 
genug c neben cc (baca bacca, braca bracca, sucus succus, mucus muccus). 

Ciclaton sp., pr. sisclato, altfr. siglaton, singlaton kleidungsstück 
unten rund zugeschnitten, dsgl. Stoff, woraus es verfertigt ward; von 
cyclas cycladis staatskleid der frauen, woher auch mhd. ziklät (gen. 
ziklades), ein mit gold durchwehter Seidenstoff. Nach andern arabischer 
herkunft, von Engelmann aber nicht aufgenommen. 

Gifra, cifera it. geheimschrift, sp. pg. cifra Zahlzeichen, fr. chiffre 



I. CIGALA— CINGHIAKE. 99 

mit beiden bedd. ürspr. ein Zahlzeichen ohne absoluten werth, null, im 
Brevüoquus cifra 'figura nihüt und so noch wai. cifr^. Von den Arabern 
empfieng Europa das indische Zahlensystem, arabisch kann also wohl auch 
das wart sein. Hier heißt $afar, gifr (gifron) leer, letzteres als sbst. das 
zeichen null, arab. meist durch einen punct ausgedrückt, s. Gol. 1363, 
Freyt. 77, 503*. Den namen dieses Zeichens übertrug man nachher auf 
die übrigen neun. Genaueres bei Mahn p. 46, Dozy 30. 

Cigala it. pr. cot., cigale fr., cigarra sp. heuschrecke; von cicada, 
statt dessen wegen der formen mit 1 nicht einmal cicadula angenommen 
zu werden braucht, da Übergang des d in 1 kein seltenes ereignis ist Die 
span. form chicharra soll wohl den zirpenden laut des thierchens nachahmen. 

Cima it., so auch sp. pg. pr., fr. cime gipfd. Von cyma zarte 
sprosse, wal. chim$ keim, vgl. oltsp. cima zweig, ursprünglich also der 
oberste theil der pflanze, sodann spitze, berggipfel, wie it. vetta diese be- 
detdungen einigt. Sanchez, Coleec. II, 492 bemerkt ein mundartlich span. 
quima, das gradezu auf gr. xv/ua zurückgeht. Abget. it. cimiero, fr. 
cimier, sp. cimera zeichen oder schmuck oben auf dem helme, weil, tzimiriu 
kenneeichen, schüd, mhd. zimier, zimierde. 

Cimeterio it., sp. cimenterio, fr. cimetiere (m.) kirchhof; von 
coemeterium eigenÜ. schlafstätte, xoifirjTtiQtov. Ein andrer ausdruck für 
eine begrabnisstatte ist it. carnajo, sp. carnero, pr. carnier, fr. charnier, 
ahd. charnare, mhd. gerner beinhaus; von carnarium fleischbehälter. 

Cin&bro it., sp. pg. cinabrio, fr. cinabre, pr. aber cynobre ein 
mineral, zinnober, von cinnabaris; wal. chinovär vom gr. TuwaßaQig. 

Cincel sp., pg. sizel, cot. sisell, fr. ciseau meißel, pl. ciseaux 
scheere; vb. ci sei er ff. ausmeißeln. Nach einigen von caesus: wie aber 
das diminutiv eines solchen particips (caesillus) die active bedeutung eines 
Werkzeuges annehmen konnte, ist schwer begreiflich, abgesehen davon, daß 
der meißel ein sclmeidendes, kein hauendes Werkzeug ist. Plautus hat si- 
cilicula (von sicilis, daher wal. se&cere?) Ideines Werkzeug zum schneiden, 
dies konnte auf roman. weise in sicilicellus, scilceilus abgeändert werden, 
woraus die obigen formen. Für scilceilus spricht das schwanken zwischen 
dem anlaute c und s, ja selbst das span. n für 1, das man auch in zonzo 
aus insulsus wahrnimmt: sonst könnte man eben so wohl secellas, von 
secuta sichd, heranziehen. — [Das breton. kizel = ältfr. cisel verträgt 
sich, wie Diefenbach einwendet, nicht mit scilcel oder secel, es verlangt 
den anlaut c. Hiernach wäre ein besseres etymon cisorium Werkzeug zum 
schneiden Veget., altfr. cisoir dass., woraus mit vertauschtem suffix ciseau 
entstehen konnte, angebildet dem begriffsverwandten couteau.] 

Ginghia it., wal. chinge, pg. cilha, pr. singla, fr. sangle gurt; 
vb. cinghiare ff. gürten, umgürten, umfassen; von cingula; dsgl. it. 
cinto, cinta, sp. cinto, cinta, cincha, altfr. Qaint, pr. cinta, vom sbst. 
cinctus. Eine neue bildung aus dem vb. cingere ist it. cigna, pr. cenha, 
altfr. segne, schon in den Cass. glossen cinge nach W. Grimm p. 18. 

Cinghiare, cinghiale, cignare, cignale it., pr. senglar, fr. sanglier, 



100 I. CIO— CIUFOLO. 

wüäer eher, keüer, tnlat. singularis € epur (eher) Voc. S. Oätti. Er hat, 
wie Cujacius lehrt, den namen daher, weil er einsam lebt (ausgenommen, 
wie Menage anmerkt, in den beiden ersten jähren, wo er träte de com- 
pagnie heißt) : auf dieselbe eigenschaß bezieht sich sein griech. beiname 
(toviog so wie das sard. sulone, das doch wohl aus solus zu erklären ist. 
Ital. cinghiale ist also verderbt aus singhiale wie concistorio aus con- 
sistorio. Das span. wort ist jabalf. In den sardischen mundarten findet sieh 
außer sulone noch porcabru, eine offenbare Zusammensetzung von porcus 
und aper. — [Auch der raubvogel lebt einsam, daher der griech. name 
olwvog von olog, wie IAebrecht (Oachet 422*) zu sanglier anmerkt.] 

Gib it., pr. aisso und so, altfr. i$o, 50 (geschr. ceo), nfr. ce, pro- 
nomen, von ecce hoc; dazu pr. aquo, aco, von eccu' hoc. 

Giocciare it. saugen, zutschen; ciötola näpfchen zum trinken, 
vgl. Schweiz, zotteli dass., nhd. zaute; sp. chotar saugen, choto zicklein, 
comask. ciot kind, ciotin lämmchen, chw. tschutt dass.; champ. tuter an 
den fingern saugen (von hindern) und ähnliche Wörter, sämmttich natur- 
ausdrjicke. 

Ciocco it. Motz, stück holz, attfr. choque, chouquet stamm,, nfr. 
choc, sp. choque stoß, ruhst chocar, choquer anstoßen, dtsch. schock, 
schocken, vgl. auch it. ciocca büschd mit schock häufe, anzafü. Wie 
sich klotz und stoß berühren, zeigt auch toppo. 

Gioccolata it., chocolate sp., chocolat fr. ein geträhke; nach span. 
etymologen vom mexican. chocollatl, zsgs. aus choco cacao und latl wasser. 
Man sehe bei Cabrera und Monlau. 

Ciriegia, ciliegia it., sp. cereza, pg. cereja, pr. serisia, fr. cerise, 
wal. ciräs$ (cireäse), pr. auch cereira und so cot. cirera Tdrsche; it. ciri- 
egio, ciliegio, sp. cerezo, wal. cir££u, pg. cerejeira, fr. cerisier, pr. 
serier, cot. cirer, cirerer kirschbaum. Nicht, wie unser kirsche, früher 
kirsa, kirse ans c£rasum, cärasus, das beweist schon der roman. accent 
der zweiten silbe (vgl. auch veti. cier&a, sie. ciräsa, sard. cerexia, chiri- 
£xa, cariäsa cet.), sondern gleich andern baumnamen (faggio, prugno, 
quercia) aus einem adjeetiv, ceraseus, daher ital. richtig ciriegia (ie durch 
einmrkung des folgenden e = i wie in primiero aus primarius, gi aus 
si), sp. cereza, pg. cereja, für cereija. Pr. cereira muß früher cereisa 
gelautet haben (s in r geschwächt), daher mit i fr. cerise (fr. i = pr. ei 
Born, gramm. I, 412) und so verhält sich auch cot. cirera. 

Cisma it., so auch sp., pr. scisma, altfr. cisme Spaltung, zteist; 
von schisma. 

Cittä it., wal. cetate, sp. ciudad, pr. ciutat, fr. cit£ Stadt, dazu 
die nominativform pr. cfu, altfr. cit; von civitas. 

Ciüfolo, ztifolo it., sp. chufa, pr. chufla, altfr. chufle, dsgl. sp. 
pr. chif la pfeife, auspfeifung, Verspottung; vb. it. zufolare ff. pfeifen, 
verspotten; naturausdrücke mit anlehnung an lat. sifilare und sufflare, s. 
süfler IL c. G. Gälvani aber vermuthet in züfolo das tuscische subulo 
flötenspider, s. Archiv, stör. ital. XIV, 364. 



I. CIUKMA-COCCA. 101 

Ciurma it., sp. chusma, pg. chusma, churma, chulma, cat. xurma, 
fr. chiourme gesammtheit der ruderknechte eines Schiffes. Die arglose 
herleitung aus tat. turma findet anstoß in der behandlung des anlautes; 
überdies passt dazu nicht einmal das innere des Wortes, dessen ursprüng- 
lichste form, da nach gemeiner reget wohl r aus s, nicht umgekehrt s aus 
r entspringt, die spanische sein muß, vgl. sp. usma, iL orma, oder pg. 
cisne cirne. Zu der span. form gesellt sich noch eine genues. ciusma 
(altgenues. geschr. chusma Archiv, stör. num. 18 p. 34). Man muß sich 
also nach einem andern Ursprünge umsehen. Wie usma hat das wort 
griechisches gepräge, und hier bietet wilücommne auskunft xeksvapa, ce- 
leusma, womit das commando des aufsehers der ruderknechte, im roman. 
die ganze sohl derselben bezeichnet wird, wie unser commando sowohl den 
befiehl wie auch die unter dem befeJd stehende mannschaft bedeutet. Aus 
xikevofta ward clensma und endlich chusma wie aus clamare chamar und 
dasu stimmt auch die sicü. form chiurma für ciurma, ciusma, während 
die ital. sich schon weiter entfernt, d. h. ciurma entstand aus chiurma wie 
etwa morcia aus morchia. Derselben herkunft ist doch wohl auch das 
ital. vb. ciurmare durch geheimnisvolle worte und winke bezaubern, 
eigenÜ. seichen und befehle geben. 

Clayicembalo, gravicembalo it., sp. clavecimbano, fr. clavecin 
ein Saiteninstrument, das mit tasten gespielt wird, sonst auch clavicordio 
genannt; von clavis Schlüssel, im sinne von taste (daher fr. clavier reihe 
der tasten) und cymbalum. 

Cobalto it. sp. pg., cobalt, cobolt fr. ein miner al; aus dem deutschen 
kobalt, welches Frisch I, 171* auf das böhm. kow metaU zurückleitet, 
Weigand für eine andre form von kobold (berggeist) erklärt. 

Co b rar sp. pg. pr., aUfr. coubrer bekommen, in besitz nehmen, 
fassen, ahd. koborön; von recuperare, mit abgeschnittener partikel um die 
Vorstellung der Wiederholung zu beseitigen, ein verfahren, dem vielleicht 
kein zweites beispid zur Seite steht. Das vollständige verbum erhielt sich 
gleichfalls, aber neben der alten gewann es eine neue stark abweichende 
bedeutung: it. ricovrare sich flüchten, sich retten, sp. recobrarse, pr. re- 
cobrar, dttfr. recouvrer wieder zu sich kommen, sich erholen, sich erkobern; 
schon im altern mtatein: rex graviter aegrotavit, quo recuperaute filius 
ejus aegrotare coepit Gest. reg. Fr. In dieser bedeutung ist überall das 
reflexivpronomen zu supplieren, welches nur der Spanier setzt: sich wieder- 
erlangen, sich zurückbekommen, daher wieder zu sich kommen, ital. sich 
zurückbegeben. Dieselbe begriffsentwicklung in ressortir (s. sortire 2) so 
wie im gr. dvaKopi&o&at 1) zurückbekommen, 2) sich zurückbegeben, sich 
retten. 

Gocca it., pr. coca (zu schließen aus encocar), fr. coche, engl, cock 
kerbe z. b. an der armbrust; vb. it. coccare die sehne einlegen, scoccare 
abschnellen, fr. encocher u. s. w. Von dunklem Ursprung. Das altgael. 
adj. coca 'hohl' wird man nicht hieher ziehen wollen, eben so wenig mit 
Menage cavica von cavus. Armstrong fuhrt ein gad. sgoch mit der be- 



102 I. COCCA— CODARDO. 

deutung von cocca an, das mit diesem in etymologischem zusammenhange 
stehen dürfte. 

Cocca it., sp. coca, dltfr. coque, nfr. coche (f.) kleines fahr zeug. 
Papias bietet caudica l navicula\ aber nicht einmal in der form codica 
wäre es dem it. cocca angemessen. Es ist von concha muschelschale, ge- 
faß (it. auch conca, sp. cuenca, concha), vgl. wegen der form it. cocchiglia 
von conchylium, wegen des begriff es dltfr. coquet schiff und gefäfi (letztere 
bed. bei Ducange). Das wort ist eben sowohl in den germanischen und 
ceitischen sprachen vorhanden, z. b. ahd. koccho, ndl. kog, kymr. cwch 
(m.), bret. koked. Es tritt aber noch in andern bedeutungen auf y die 
sich gleichfalls an concha knüpfen: sp. coca muschelschale, nußschale, 
hirnschcde oder köpf für letztere bedeutung sard. conca (vgl. lat. testa 
und gr. xoyxrj), fr. coqne eier- und nußschale. Abgd. sp. cogote, pr. 
cogot hinterkopf; fr. cocon gehäuse der Seidenraupe, wofür auch coque. 
Aus dem adj. conchens it. coccio scherbe, coccia kopf 7 sp. cnezo, cueza 
kubel. 

Gocchio it. wagen fürpersonen, kutsche, Streitwagen der alten und 
dgl.; für coclo von cocca fahr zeug (diminutiva nehmen häufig männliche 
form an). Wie nun aus ital. nicchia fr. niche und hieraus sp. nicho, 
so konnte aus cocchio das entsprechende fr. coche, und aus diesem das 
sp. coche nebst unserm kutsche (schon t bei Keisersberg f 1510 gutsche) 
so wie das ndl. koets (vgl. rots aus röche) entstehn. Weil sich das wort 
auch in den westlichen Slavenlanden findet, wie bohm. kotgeh cet., so hält 
man es } ohne es in diesen sprachen etymologisch zu begründen, für slavisch. 
Sonst galt es für das ungar. kotsi, woher wal. cocie gekommen sein kann. 
Schon Avüa (1653) sagt von Karl V. se puso k dormir en nn carro 
cnbierto, al quäl en Hungria llaman coche, el nombre y la invencion 
es de aquella tierra (nach Cabrera I, 66). Sicher ist: it. cocchio läßt 
sich nur aus den eignen mittein dieser spräche und nicht aus dem slavi- 
schen erklären, fr. coche kann ohne slavischen beistand aus dem ital. er- 
klärt werden. 

Cocciniglia it., sp. cochinilla, fr. Cochenille ein mexicanisches 
insect, das eine scharlachfarbe gibt; vom lat. coccinus scharlachfarbig. 

Cochiglia iL, coquille fr. muschel; von conchylium, die form con- 
quilium in einem alten glossar, Mone's Anzeiger VII, 138 b . Dem Spanier 
genügt concha. 

Coda it., pr. ooa, fr. queue, sp.pg. cola für coda (wie esquela/wr 
esqueda = scheda u. a.), dUsp. coa schwänz ; von cauda. Daher z. b. 
it. codione, codrione bürzelder vögel, altsp. codilla steiß, kreuz, 
wohl auch codaste hintersteven am schiffe; vb. it. scodare, fr. £couer 
den schwänz abstutzen. 

Codardo it., t sp. pg. cobarde, altsp. cobardo (aus co-ardo für co- 
dardo, wie juvicio aus ju-icio), pr. coart, fr. couard feige, memmenhaft; 
vb. altsp. co bar dar, dltfr. couarder. Zwei etymologien kommen in er- 
wägung, welche beide schon Nicot kennt. Von cauda im eigentlichen sinne, 



I. COFANO— COLCAEE. 103 

weil der hund und ihm verwandte ihiere aus furcht den schwane ein- 
stehen, s. Eckhardt zur L. Sah und Grimm, Reinh. p. XLI und CCXXXV. 
Van cauda im abgeleiteten sinne, wonach es den hintern theil eines dinges, 
schleppe, nachtrab u. dgl. bedeutet: codardo ist einer der sich hinten hält, 
sich nicht hervorwagt. Die erstere deutung ist ansprechender, weil sie aus 
einer naturanschauung genommen ist, allein sie legt etwas in das wort, 
das sich, streng genommen, mit seinem Suffixe nicht verträgt, indem co- 
dardo nur geschwänzt oder schwänzelnd heißen könnte: sie weicht also in 
einen zu specialen sinn aus. Die dichter der thierfabel wenigstens müssen 
diese anschauung nicht getheilt haben, da sie grade dem hosen diesen 
namen beilegten. — [Nach Mahn p. 76 wäre die eigentliche bedeutung 
* kurzgeschwänzt' und käme dem hosen mit vollem rechte zu. Dagegen 
wird der löwe, der den schwänz eingezogen trägt, in der heraldik Hon 
couard genannt, s. Gachet 102 b , was der ersteren auslegung zu statten 
kommt.] 

Cöfano it., sp. pr. cofre, fr. coffre kiste, sp. cuebano großer korb, 
sp. pr. cofin, fr. coffin korbchen; von cophinus. Verkürzt sp. cofe, it. 
coffa mastkorb. 

Cogliere it. } sp. coger, pg. colher, pr. culhir, fr. cueillir, wal. 
cule&ge sammeln, lesen, pflücken; von colligere. Eine zss. ist sp. esco- 
ger ff. auswählen; sbst. altpg. escol SRos. suppl. auswahl, ausbund, pr. 
escolh ort und weise, gattung. (escolhz 'color GProv. 64 a ). 

Coglione it., mundartlich cojon, sp. cojon, pr. fr. coillon testiculus; 
von coleus dass., pr. altfr. coil, wal. coiu. Itcd. coglione auch für memme, 
schuft gebraucht, daher sp. collon, fr. coyon. 

Cognato it., sp. cufiado, pr. cnnhat, wal. cumnat Schwager, fem. 
eognata ff.; von cognatus blutsverwandt, mlat. in roman. bedeutung bei 
Jok de Janua. Dafür fr. beau-fr&re II. c. 

Coitar, cochar altsp. pg. pr., altfr. coiter antreiben, drängen; 
übst, altsp. pr. coita u. s. w. bedrängnis; adj. coitoso bedrängt, ange- 
trieben, eilfertig. Das verbum erklärt sich aus dem unlat. frequentativ 
coctare, welchem die in dem primitiv coquere schon enthaltene bed. äng- 
stigen zugewandt ward. Bewiesen wird dieser Ursprung durch das sp. 
cöchar, dem in der (hat neben der eben bemerkten noch die eigentliche 
bedeutung von coquere zusteht: cochado = cocido FJ., so wie durch das 
citpg. coito = tat. coctus, s. S. Rosa. — [Gachet 94" denkt bei coitar 
lieber an qnatere und quassare, weil der eigentlich sinn (z. b. einpferd 
antreiben) dem figürlichen (quälen) vorgehen müsse, bleibt aber die buch- 
stäbliche nachweisung schuldig.] 

Coitare aUit., sp. pg. pr. cnidar, altfr. cnidier denken, sorgen; von 
cogitare. Sbst. dttit. coto, altsp. cuida, pg. cnido, pr. cuit, cuida, altfr. 
cnide; sp. pg. cuidado sorge. Zsgs. it. tracotanza,/>. outrecuidance 
vermessenheü, gleichsam nltracogitantia. 

Cola it., sp. acullä, pg. acolä, wal. coleä, ortsadverb, rott-eccu' illac. 

Colcare, corcare, coricare it., wal. culcä, pr. colgar, fr. coucher 



104 I. COLLA— COMBO. 

niederlegen, zu bette legen, sp. pg. colgar aufhängen, behängen (entbin- 
den an namenstagen), cot. bedecken z. b. pflanzen mit erde, reiben einsenken 
(wie auch it. coricare); sbst. pr. colga, fr. couche lager; von collocare 
setzen, legen, hinstrecken, in hss. der L. Sah culcare. 

Co IIa it., sp. cola, fr. colle leim; vom gr. xoXXa dass. 

Colmo it. sp., fr. comble häufe, Übermaß, gipfel, als adj. übervoll; 
vb. colmare u. s. f. aufhäufen, überfüllen; zsgs. sp. cogolmar gleichbed. 
für cocolmar (durch dissimilation, wie in cogombro, cogullo). Das Sub- 
stantiv entspricht in seiner bedeutung theils dem lat. cumulus gehäuftes 
maß, theils dem lat. culmen; in seiner form mehr dem letzteren, wenigstens 
ist ein it. colmo aus cumulus kaum anzunehmen und die gleich gestalteten 
Wörter churw- culm berg, culmen gebirge, wal. culme gipfel, vielleicht 
auch bair. kulm weisen auf culmen wie pg. colmo stroh auf culmus. Zu 
ungetrübter darstellung gelangte culmen im sp. cumbre für culmbre, 
pg. cume gipfel, so wie cumulus im pg. cömoro, combro erdhaufe 
(nüat. combrus), pr. cömol (als adj. = it. colmo) ; mit letzterem ist zsgs. 
pr. fr. encombre, it. ingombro hindernis, encombrar, encombrer, in- 
gombrare hindern; dsgl. fr. döcombres schutt; it. sgombrare weg- 
räumen u. a. Nhd. kummer schutthaufe und gram, nihd. kumber, aus 
dem romanischen. 

Colpo it., altsp. colpe Bc., nsp. pg. golpe, pr. colp, fr. coup hieb, 
schlag; vb. it. col-pire* schlagen, altsp. colpar, fr. couper abschlagen, 
abschneiden. Die herleitung aus dem ndl. klop, kloppen, ist abzulehnen, 
da die roman. spräche den arilaut kl eher herbeiführen als zerstören würde. 
Leitet man es etwa vom ahd. kolpo, kolbo, nhd. kolben (vgl. pr. colbe 
für colp) oder vom kymr. colp, womit Werkzeuge zum stechen oder hauen 
bezeichnet werden, so entfernt man sich nicht zu weit vom begriffe, aber 
näher liegt doch das lat. colaphus faustschlag, das auch keine formelle 
Schwierigkeit bietet, da ph (f) leicht in p übertritt (it. Giuseppe, zam- 
pogna, sp. soplar, pr. solpre) und mehrmals, z. b. in, der L. Sal. tu. 40 
und in alten glossaren wie dem Keronischen, die form colapus, anderswo, 
z. b. in hss. der L. Alam., colopus wirklich vorkommt. Ein älter gram- 
matiker warnt schon vor der Verwechselung des ph mit p: stropha, non 
stropa; amphora non ampora s. Anal, gramm. p. 446. 446. 

Cöltrice it. (für colcitre), altsp. colcedra, pr. cousser, cosser 
federbett, Unterbett, von culcitra dass.; dsgl. it. coltra, coltre (f.), altfr. 
cotre, vom syncopierten culctra; endlich sp. pg. colcha, von culcta für 
culcita, worauf auch fr. coite, couette, altfr. coute, keute, quieute (für 
colte u. s. w.), pr. cota (für colta, vgl. mot für molt) zurückgeführt wer- 
den dürfen; dem gr. xoirrj bleiben keine ansprüche. Ein dimin. von cul- 
cita, gleichsam culcitinum culgtinum, ist it. cuscino, sp. coxin, /r.cous- 
sin kleines polster, daher unser küssen, ahd. chussln. 

Combo sp., comb pr. gekrümmt; sbst. sp. comba krümmung, pr. 
comba, altfr. combe tiefes thal, schluckt (s. zu Garin I, 96), üal. in 
Ortsnamen wie Alta-comba, Comba-longa so wie impiem. conba, im com. 



I. COME— COMINCIAKE. 105 

gomba, ja, wie man behauptet, im Ortsnamen Como (P. Monti, Vocab. 
p. XXVIII) •, pr. auch combel; vb. sp. com bar krümmen, wohl auch gen. 
ingumb&se sich krümmen; dem Portugiesen fehlt das wort. Sein alter 
kann eine Urkunde v. j. 631 bezeugen, worin der geographische name 
Cnmba vorkommt, Breq. 136 b ; auch in gumba 'cuneus, cripa (cripta) 
Gl. Isid. will man cumba wiedererkennen. Ducange und andre erblicken 
darin die mlat. form cnmba für cymba kahn, gr. wußt], wegen der 
ähnlichen gestalt, andre das kymr. cwm (m.) tiefes thal; allein bei erster em 
ist die begriffsubertragung unstatthaft, bei letzterem bleibt das zugetretene 
b anstößig (bret. komb kann aus dem franz. herrühren), auch fehlt das 
adj. dem Gelten ganz. Konnte combo nicht aus concavus, combar nicht 
aus concavare entstehen, welche die bedd. hohl und gekrümmt, höhlen und 
krümmen in sich fassen? Dactylisch abfallende Wörter zog die Volkssprache 
häufig zusammen; daß sich aber in conc'vus c nicht behaupten konnte, 
versteht sich; daß nv mit mv oder mb vertauscht ward, kann nicht be- 
fremden, hat doch der Italiener imboto aus invoto (Veneroni), der Spanier 
ambido8 aus invitus, comboi aus convoi, der Provenzäle amban aus 
anvan, der Franzose embler aus involare geformt. Auch für das sbst. 
comba bietet sich ein unmittelbares etymon in dem plural concava hohle 
örter, wie sich oft roman. feminina aus dem plural lateinischer neutra 
festsetzen. Das mlatein braucht letzteres wort häufig und ganz im sinne 
von comba: concava vallis Venant. Fort. 10, 19, vallium concava Esp. 
sagr. XI, 90 (9. jh.), per concava montium HLang. J, col. 31, gr. ra 
xotXa. — fCombe, cumba ist bis jetzt zweifelhaften Ursprungs; das an- 
gebliche ags. comb darf kaum angeführt werden Diefenbach in Kuhns 
und Schleichers Beiträgen I, 260. Man nehme den obigen versuch für 
einen ersten schritt zur aufJdärung des Wortes, der überall aufconstruction 
aus lat. dement gerichtet sein muß. Erwägungen andrer art können frei- 
lich mit recht über solche berechnungen hinausgehn.] 

Come it. altpg. (Trovas), sp. pg. altit. (noch bei G. Cavalcanti) 
como, steil, comn, altsp. altpg. pr. ältfr. com, cum, letztere form auch 
wal., nfr. comme, auch prov. zuweilen coma, eine partikel ; von quomodo, 
wofür BiondeUi ein lomb. comod anmerkt. Zsgs. mit dem adverbialen 
mentepr. comen, fr. comment, sard. comenti; eine andre zss.pr. cossi, 
noch jetzt coussi, von quomodo sie. Für com brauchte der Provenzäle 
auch co, entweder durch weitere abkürzung oder unmittelbar aus quo für 
quo modo, s. Oudendorps register zum Aptdejus. 

Cominciare it., sp. pr. comenzar, pg. comegar, fr. commencer an- 
fangen; zsgs. aus com und initiare, mail. inzi. Vielleicht steigt dieses 
cominitiare noch in römische zeit hinauf, da sich der Romane der müßigen 
oder nur verstärkenden composition mit cum, wie im lat. comedere, con- 
fringere, fast durchaus enthielt. Altspan, sagte man mit eingeschobenem 
p compenzar PC. 2594, auch compezar, und dieselbe einschiebung zeigt 
das noch gebräuchliche aus in-initiare zsgs. sp.pg. empezar, vgl. sard. 
incumbenzaL Diese einschaltung der labidltenuis in empezar ist allerdings 



106 I. COMPAGNO-CONCERTARE. 

etwas unübliches, allein man ist zu dieser deutung, im hinblick auf das 
zur seife gehende compenzar, besser berechtigt als zur annähme eines 
darin enthaltenen aus pieza gebildeten verbums mit der bed. anschneiden, 
demnächst anfangen, wie im fr. entamer (s. IL c), da ein solches verbum 
zerstächen, nicht anschneiden, bedeutet haben würde. Der Walache besitzt 
dafür das achtere incepe von incipere, auch chw. antschtiver, der Pro- 
venzale besaß auch enquar von inchoare. 

Compagno it., sp. compaöo, pr. altfr. compaing geführte; daher 
compagnia u. a. dbll.; vb. compagnare, accompagnare ff. begleiten. 
Es ist das nüat. companium geseüschaft L. 8dl., zsgs. aus com und panis 
nach dem muster des ahd. gi-mazo oder gi-leip brotgenosse (ahd. gi = 
lat. cum). Aus compaganus landsmann (s. Grut. Inscr. 209, 1, v. j. 
946 V. C.) würde sich compagno nur durch accentverschiebung (compa- 
ganus) deuten lassen, die aber bei einem so üblichen suffixe nicht voraus- 
zusetzen ist. Eher dürfte an compaginare (zusammenfügen) gedacht wer- 
den, allein das prov. und cot. companatge, womit jedes gericht bezeichnet 
wird, wozu man brot ißt, gibt den ausschlag: com-pan-aticum floß eben 
sowohl aus panis wie com-pan-inm. Das älteste zeugnis des rom. Wortes 
begegnet in den Vatic. glossen ed. W. Grimm: ubi (h)abuisti mansionem 
(h)ac nocte, conpagn? 

Compasso it. pg., compas sp. pr. fr. zirkel als Instrument; vb. 
it. compas sare ff. abzirkeln, altfr. auch bauen, künstlich bilden, z. b. 
nn chastel Rou I, p. 20, une esp^e GVian. 2694, qne [dieus] chiel et 
terre fist et tout a compasso DMce. p. 206. Dies wort berührt sich mit 
einem celtischen: kymr. cwmp kreiß, davon das glbd. cwmpas; aus kreiß 
wäre dann das ihn beschreibende Werkzeug geworden wie im deutschen 
zirkel. S. Diefenbach, Celt. I, 112. Indessen läßt es sich ohne zwang 
der lat. spräche zuweisen, geht man nur auf die älteste bedeutung zurück. 
Prov. und altfr. ist compas gleicher schritt, mitschritt, von com-passus, 
z. b. eil ä cheval e eil ä pte . . tindrent lor eire e lor compas . . ke 
Tun l'altre ne trespassont die zu ross und die zu fuß hielten ihren marsch 
und ihren gleichen schritt, so daß keiner dem andern zuvorkam, s. Lex. 
rom. Daher bedeutet es eben sowohl, wie auch im span., tact, versmaß, 
"* überhaupt maß und das Werkzeug zum messen. Gompassar gleichen schritt 
halten bildet den gegensatz zu traspassar überschreiten, wie in der ange- 
führten stelle. Die bed. nautisches Instrument hat sie/* später eingefunden. 

Concertare it., sp. concertar, fr. concerter verabreden, anordnen; 
concerto, concierto, concert Verabredung, verabredete sache; von con- 
certare zusammen streiten. Zusammen verabreden und zusammen streiten 
liegen sich nahe genug: mlat. placitare heißt eben sowohl streit führen 
tüie vertrage schließen; in beiden fällen ist der mittelbegriff worte wechseln. 
Span, concertar heißt auch ausbessern, etwas zerbrochenes wieder herstellen, 
nach Cabrera von consertare für conserere, was möglich ist. Unter tsoncerto 
di musica kann man ursprünglich nur eine Verabredung oder anordnung 
zum zwecke der musik verstanden haben; an concentus ist nicht zu denken. 



I. CONDORE-CONVEGNO. 107 

Condome &, sp. condor, fr, condor ein südamericanischer raubvogel, 
vtdtur gryphus; das wort aus der heimath des thieres. 

Confortare it., sp. conhortar, pr. conortar (vgl. den ausfall des f 
in preon van profundus), fr. conf orter stärken; vom spätem lat. con- 
fortare. 

Coniglio it., sp. conejo, pg. coelho, pr. altfr. connil, mit ver- 
tauschtem sfiffix fr. eonnin, connine (jettt l&pin) kaninchen ; von cuniculus. 
Vb. fr. coniller ausfluchte suchen (den kaninchen ähnlich, die sich in 
ihre gange zurückziehn). 

Gonocchia it., fr. quenouille Spinnrocken; im altern mlatein 
e. b. L. Ripuar. conucula für colucula vom lat. colus (f.), ahd. kuncla, 
nhd. kunkel. 

Contare it., sp. contar, pr. comtar rechnen, erzählen, fr. compter 
in jener, conter in dieser bedeutung; von computare berechnen, ebenso 
ahd. zeljan numerare, enarrare. Sbst. it. cömputo, conto, sp. cuento, 
cuenta, pr. compte, comte, conte, fr. compte ? conte, lat. computus bei 
Firm. Maternus. 

Conte it., sp. pg. conde, pr. coms, altfr. quens, accus, in beiden 
sprachen und nfr. comte graf; von comes, begleiter des fürsten, demnächst 
hoher beamtet, richtet eines größeren bezirks. Daher it. contado ff. 
grafschaft, landschaft, contadino landmann. 

Contestabile, connestabile it., sp. condestable, fr. connätable in 
erster bedeutung oberstaUmeister ; von comes stabuli. 

Conto it., cointe altfr. kundig (vgl. Alexs. 43 dunt il ja bien fut 
cointe), demnächst altfr. so wie pr. cointe, coinde, zierlich, anmuthig; 
muß in cognitus seinen Ursprung haben mit der grundbed. bekannt, ver- 
traut, angenehm, wie mhd. maere bekannt und lieb heißt. Dalier vb. pr. 
coindar eu erkennen geben, altfr. cointer und cointoier unterrichten, 
schmücken, zsgs. pr. a coindar, fr. accointer bekannt machen, engl. 
acquaint, mied, adeognitare ; s'aeeointer ä qqun sich mit einem befreunden, 
it. aecontarsi sich besprechen; pr. aeoindansa, altfr. aeeointance Ver- 
traulichkeit. Dazu kommt pereoinder kund thun (*percognitare) Pass. 
de J. C. 29. In einem glossar des 12. jh. liest man cogniter vel cognite 
'benigne, humane Class. auet. VIII, 155 h . Vgl. conciare II. a. 

Contrata aitit., jetzt mit d contrada, pr. dass., fr. contrfe gegend; 
eigenÜ. das entgegenliegende, vom adv. contra mit dem suffix ata, das 
sich sonst nicht an Partikeln fügt, vielleicht eine nachahmung des deutschen 
gegend, mhd. gegenöte. Indessen sagt man prov. in diesem sinne auch 
eneontrada von encontrar begegnen, woraus contrada recht wohl abgekürzt 
sein könnte. Diese form mit en beseitigt zugleich die von mehreren vor- 
gebrachte herleitung aus conterrata, s. bei Ducange. 

Convegno it., sp. convenio, cot. conveni, pr. fehlt, altfr. convin, 
convine, convigne (m.) Übereinkunft, fr. auch vorhaben, treiben, benehmen, 
daher attengl. covin, covine einverständnis, kabale; dazu fem. it. con- 
vegna, pr. covina GAlb. 1060, mtat. convenia v. j. 679. * Die mascutina 



108 I. CONVITARE— CORDOVANO. 

drücken das vom Romanen wenig angewandte sufßx ium (conviv-ium) aus, die 
fetninina sind daraus mo viert. Daß convenire zu gründe liegt, versteht sieh. 

Convitare it., sp. pg. pr. convidar, fr. convier einladen; daher 
sbst. it. convito, sp. pg. convite, pr. convit, ältfr. convi einladung, 
gastmahl; von invitare mit vertauschter präposition unter einwirhung von 
convivium. 

Goppa it., sp. pg. pr. copa, fr. coupe, wal. cofe becher, masc. U. 
coppo, pg. copo trinkgefäß, pr. cob-8, *testa capitis 3 GProv. 53 u ; von 
cuppa, nebenform von cüpa faß, s. Schneider, Lot. gramm. I, 426; ndat. 
gleichfalls cuppa, aber mit roman. bedeutung. Der lateinischen blieben 
die formen mit u getreu, sp. pg.pr. cuba, fr. cuve, ahd. kuba (wal. cupe 
maß). AbU. sind pr. cubel Jcübd; sp. cubilete, pr. fr. gobelet becher, 
ndat. gubellus u. a. m.; t auch it. cupola, woher sp. ctipula, fr. coupole 
halbkugelförmiges dach, kuppd, franz. auch schlechtweg coupe, von der 
gestcdt einer umgestürzten schale so genannt. Dieselbe anschauung im 
altfr. cope, pic. coupet, couplet berggipfd, gipfel überhaupt, kymr. cop 
und copa, ndl. kop, nhd. köpf und kuppe (wie ahd. stouf becher und 
felsgipfel); dbgel. nfr. coupeau, sp. pg. copete, letzteres nebst copo auch 
büschd, vgl. unten toppo. 

Gopparosa it., sp. pg. caparrosa, fr. couperose vitriol; von cupri 
rosa s. v. a. gr. xaXxav&nv kupferblume. 

Coppia it., couple fr. das paar, von copula; so auch aUit. cöb- 
bola, pr. cobla, fr. couplet Verknüpfung von versen d. i. Strophe. Zsgs. 
it. scoppiare ein paar trennen, verschieden, von scoppiare plateen, 
s. schioppo II. a. 

Coraggio it., sp. corage, fr. couräge herzhaftigkeit, muth, in älterer 
spräche gemüthe; vom lat. cor cordis ohne einmischung des radiccden d, 
wie dies auch in andern abll. aus diesem worte der faU ist. 

Corazza it., sp. coraza, pr. coirassa, fr. cuirasse panzer; von 
corium, gleichsam coriacea lederwerk. 

Corbacho sp., cravache fr., dtsch. karbatsche, name der nubischen 
aus rhinoceroshaut geschnittenen geissei, türk. kyrbätsch, russ. korbatech 
u. s. w., vgl. Schmäler II, 326, J. v. Hammer num. 329, Weigand 1, 663. 

Corbeta sp., corveta pg., corvette fr. kleineres kriegsschiff zwischen 
fregatte und brick; von corblta lastschiff, mit romanisierter endung. 

Cordoglio it., sp. cordojo, pr. cordolh, chw. cordoli herzdeid; 
von cordolium, nur bei Plautus und später wieder bei Aptdejus. Mit 
dolium trifft auch fr. deuil, it. doglia zusammen. 

Cordovano it., sp. cordoban, pr. cordoan, fr. cordouan eine sonst 
von den Mauren in Spanien zubereitete sorte ziegenieder; nach Gordoba 
benannt, woher es bezogen ward. Der frühere name, zu Ludwigs des 
frommen und Karls des kahlen zeit, war cordovesus, cordebisus nach lat. 
eordubensis, sp. cordobes; das arab. kortob an i, d. h. von Cordova, aber 
verdrängte die einheimische ableitungsform. Daher it. cordovaniere, 
fr. cordonnier, alt cordoanier, Schuhmacher. 



I. COREGGIA-COSA. 109 

Goreggia it., sp. pg. correa, pr. correja, fr. courroie, wal. cureä 
riemen; von corrigia. Daher auch it. scoreggia peitsche. 

Cornamu8a it. sp. pg.pr., cornemuse fr. sackpfeife sott awscornu 
Musae zusammengesetzt sein. Prov. corna, altfr. corne heifit hörn als 
tongeräthe, musa, altfr. muse, pfeife, flöte, aber die compositum ist für 
die sache nicht bezeichnend. 

Cornia und corniolo it., sp. cornizola, pg. cornisolo, fr. cornouille, 
wal. coarne kornelhirsche; ü. cornio und corniolo, 5p. cornizo und cor* 
nejo, pg. corniso, fr. cornouiller, wal. com kornelbaum; von cornum, 
corous, zum theü aber vom adj. corneus, corneolus (vgl. über baumnamen 
aus adjectiven ciriegio) oder vom sbst. corniculum (cornejo), cornuculum 
(cornouille). 

Cor nie e it., sp. cornisa, fr. corniche, wallon. coroniss, nhd. carnies 
kranzleiste am hauptgesimse, die figur eines S bildend; von coronig 
(xoQwvig) verschlungenes zeichen, im roman. verwechselt mit cornix, wie 
auch gr. xoqiovtj krümmung, kränz und krähe bedeutet. 

Corniola it., sp. cornerina, pg. pr. cornelina, fr. cornaline ein 
stein, cameöl; von cornn, weil seine färbe der des (aus hörn gebildeten) 
nageis am finget gleicht, darum auch gr. owg genannt. 

Corruccio it., sp. fehlt, pr. corrotz, fr. eourroux ärger, zorn; für 
collernooio u. s. w. van cholera gaUe, gaüensucht. Davon it. corruc- 
ciare, crucciare, pr. corrossar, fr. courroucer erzürnen. Altfr. corine 
groll, gleichsam cholerina. 

Corsare, corsale it., sp. corsario, cosario, pr. corsari, fr. corsaire 
Seeräuber; von cursus, woher auch sp. corsa äusfiug zur see. 

Corte it. sp. pg., pr. cort, fr. cour, wal. carte hof; bekanntlich von 
ehore chortis Viehhof, vgl. Schneider I, 188. Ableitungen, die sich der 
roman. bed. fürstlicher hof anschließen, sind z.b. it. cortese, sp. cortes, 
fr. courtois höflich, gleichsam cortensis; hieraus sp. cortesano> fr. cour- 
tisan, it. cortigiano höfling, schon im frühen nUatein cortisanus (wie it. 
Parmigiano aus Parmensis); vb. it. cort egg iare, sp. cortejar und 
cortezar, fr. courtiger den hof machen ; sbst. it. corteggio gefolge, daher 
fr. cortöge. 

Corteccia it., sp. corteza, pg. cortina schale, rinde, kruste, vom 
adj. corticeus aus cortex; vb. it. scorticare und so pr. escorgar (in 
der neuen spräche noch escourtegi), fr. 6corcher, sp. pg. escorchar die 
rinde oder haut abziehen, in der L. Sal. exeorticare, von cortex. 

Cortina it. sp. pr., courtine fr., cortine wal. bettvorhang, schon 
bei Isidorus vorkommend : cortinae sunt aulaea. Es weist auf chors Um- 
zäunung, wie aulaeum auf aula. Mlatein. bedeutet es höfchen, mauer 
zwischen bastionen, Vorhang um den (Mar, überhaupt etwas schützendes, 
und ist im gründe mit dem classischen cortina rundung, kreifi identisch. 

Corvetta it., sp. corveta, fr. courbette mittlerer sprung des pferdes; 
eigenU. krummer sprung, von curvus. 

Cosa it. sp. pg. pr., chose fr. sache, ding; vom lat. causa Ursache, 



110 L COSCIA— COSTUMA. 

das bereits in der L. Sal., bei Gregor v. Tours u. a. diese bedeutung 
zeigt, recht handgreiflich im Capitulare de villis: non porcellum, non 
agnellum nee aliam causam. Der Wälache wählte dafür lucru von 
lucrum, dessen erste bedeutung arbeit oder werk ist. Für den ursprüng- 
lichen begriff blieb die ursprüngliche form, it. sp. causa, pg. cousa, 
fr. cause, wal. cause, nur pr. causa vertritt auch den neueren sinn. 
Dieselbe begriffsentwicklung zeigt unser sache so wie das ngr. nQay/na, 
beide sonst für Ursache gültig. Vom vb. causari ist it. cusare behaupten, 
pr. chausar, altfr. choser zanken; nfr. causer plaudern, welches weder 
zu cause nooh zu chose passt, dankt seine form vielleicht unserm kosen, 
ahd. chösön, das aber selbst aus causäri herstammt. 

Coscia it., sp. fehlt, pg. coxa, pr. cueissa, fr. cuisse, wal. coapse 
oberer Schenkel, bein zwischen knie und hüfte; von coxa hüfte, mit abge- 
änderter bedeutung, entsprechend gr. juyQiov hüfte, neugr. /AfjQi schenket. 
Adj. sp. coxo, cat. cox hinkend, ein altes wort: catax L claudus, cooeus 
Gl. Isid., vgl. catax dicitur, quem nunc coxonem vocant Non. MarceUus. 
Daher sp. quixote, vol. cuixot beinharnisch, fr. cuissot Schlägel des 
wildprets. 

Gosi it., entsprechend altsp. ansi, altfr. ainsinc (noch bürg, ansin, 
pic. ensin), auch issi z. b. HBord., DMce., nfr. ainsi, nsp. asf, pg. assim, 
pr. aissi (nicht zu verwechseln mit dem gleichlautenden ortsadv.), wal. 
asä, adverbium der vergleichung. Diese verschiedenen in ihrem ersten 
theile ziemlich unähnlichen formen mögen doch von derselben Zusammen- 
setzung sein. An eceum zu denken leidet der begriff nicht, besser fügt 
sich aeque, woraus der Italiener, der den vocalanlaut leicht abstößt und 
qu wie cu ausspricht, cu und so cusi, cosi machen konnte, sie. aecussi. 
Der Spanier stellt auslautendes c wohl als n dar (aun von adhuc, nin 
von nee, sin von sie) und so konnte aus aeque d. i. ec bei dem bekannten 
übertritt des anlautenden e in a die form an, daher ansf, durch Unter- 
drückung des n asi entstehen. Merkwürdig ist, daß die handschrift des 
prov. Boethius v. 146 aesi für aissi setzt, das in der that auf aeque sie deuten 
könnte, ihm schließt sich das romagn. acs&, dsgl. iesi aus der mundart 
von Brescia {Ferrari v. insi) so wie das lomb. insci für cosi an. Frän- 
kische Urkunden brauchen oft ac si, aber als conjunetion für lat. licet. — 
Von derselben Zusammensetzung sind die gleich unten zu nennenden cotale 
und cotanto. Andrer natur aber ist das ital. präfix co in colui, costui, 
cotestui: mundarten scheiden beiderlei präßxe auch durch die form, die 
römische z. b. spricht quelui, questui, nicht aber quesi, quetale, quetanto. 

Costa it. pg. pr., cuesta sp., cöte fr. rippe, seite, auch käste; von 
costa rippe. Daher it. costato, sp. costado, fr. cot6 seite; it. cös- 
tola rippe, costolina, fr. cötelette rippchen; it. costerella kleiner hügd, 
fr. coteau für coteau abJiang eines berges; vb. iL accoBtare, sp. pr. 
acostar, fr. aecoster nähern, eig. zur seite stellen, vgl. die prov. präpos. 
costa, altfr. encoste juxta. 

Costuma it. pr., sp. costumbre, fr. coutume (alle fem.), it. pg. 



I. COTALE— COTTA. 111 

co8tnme, pr. cot. costum, fr. costume (edle tnasc, das cot. wort auch 
fem.) gewohnhett, sitte. Schlechtweg aus consuetudin, zsgz. costudn, läßt 
es sich nicht construieren, da ein gemeinrotn. Übergang des inlautenden 
n in m ein ganz vereinzeltes ereignis wäre. Vielmehr ward dem lat. 
worte bei der Schwierigkeit, sein suffix udin zu behandeln, das sufßx 
amen angepasst, womit die roman. spräche eigenschaften bezeichnet (it. 
asprume, pg. ciume, pr. frescum): dasselbe widerfuhr auch andern Sub- 
stantiven jener ableitung, wie mansuetudo, sp. mansedumbre, pg. manse- 
dume, und noch auf andre art suchte man dem suffix udin auszuweichen, 
pg. mansidäo, pr. mansueza, it. testuggine, s. Rom. gramm. II, 340. 
So ist also die männliche form costume die ursprünglichere, die weibliche 
fehlt sogar dem Portugiesen ganz, doch ist sie alt, da man in einer Ur- 
kunde v. j. 705 bereits coustuma findet, s. Garpentier. 

Gotale it., wal. cutare, pronomen, von aeqne talis? Dahin auch 
sp. atal, entsprechend pr. aital, dUfr. aintel, itel, norm, entel, itäl. bei 
einem alten pisan. dichter aitale PPS. I, 467. S. oben cosi. Die capi- 
ttdarien Karls d. kahlen brauchen häufig hie talis; sollte es eine nach- 
büdung des altfr. itel sein, früher gesprochen ictel? 

Cotanto ital. pronomen, von aeqne tantns? Desselben Ursprunges 
scheint aitsp. atanto, pr. aitant, altfr. itant. Man sehe oben cosi. 

Cotenna, codenna it., pr. codena, fr. couenne schwarte, sp. co- 
dena dichtigkeit des tuches. Nahe liegt allerdings cutis, aber ein suffix 
enna fehlt; nur wenn man couenne für couaine und dieses für ein altfr. 
codaine nimmt, woraus erst codena gebildet worden, läßt sich das wort 
deuten, nämlich aus cutaneus. Port, cödea rinde könnte imnüat. cutica 
seinen grund haben, wovon auch it. cotica (parm. codga, ven. co6ga, 
gen. qula) und cuticagna. 

Cotogna it., pr. codoing, fr. coing, wal. gutuie quitte; von cydo- 
nia, Avdwviov, bei den feldmessern cotoneum, cotonium, mlat. cottanum 
Hoffm. Sumerlaten, nach der Stadt Cydon auf Greta benannt; ahd. kutina, 
mhd. küten, quiten ebendaher. 

Co tone iL, fr. coton, sp. algodon baumwolle (daher unser kattun); 
vom aräb. qo'ton al-qo c ton Gol. 1093, Freyt. III, 46 9 b . Sp. algodon 
und alcoton heißen auch watie, davon pr. alcoto, altfr. auqueton, nfr. 
hoqueton (h asp.), mndl. acottoen gestepptes wamms (man zog es über die 
chemise Sax. I 7 p. 229); nach Perizonius vom gr. 6 %iTii>v, ganz un- 
statthaft. 

Gotta it., sp. pg. pr. cota, altfr. cote langes oberkleid, neufr. cotte 
Unterrock, cotte de maille panzerhemd, masc. pr. cot = cota; mlat. 
cotta, cottus (9. jh.); abgel. fr. cotillon, cotteron u. a.; zsgs. pr. 
fr. surcot, im Vocabularius optimus 13, 67 surcotus c surcof, letzteres 
als deutsches wort hingestellt. Die gewöhnliche herleitung ist aus engl. 
cot = ags. cote hütte, und wir wissen aus mehr als einem beispiel, daß 
man die worter für hütte oder haus auch auf Meidungsstücke übertrug; 
oder auch am dem deutschen kotze, ahd. chozzo (m.) grober wollener 



112 L COVARE-CRESCIONE. 

stoff, zottige decke, das aber nebst dem engl, coat selbst erst aus dem 
tntatcin. oder romanischen eingebracht ist. Bleibt man auf latein. gebiet, 
so würde sich nur cutis (f.), das, wie manche andre, in die 1. declin. 
versetzt werden konnte, darbieten und man konnte sich etwa auf unser 
mhd. hüt (cutis) berufen, das in tarn-hüt als ein den ganzen körper um- 
hüllendes gewand gedacht wird. Vgl. Diefenbach, Neue jahrb. für Phü. 
u. Päd. LXXVIl 768. 

Covare it., coar pr., couver fr. brüten; von cubare im sinne von 
incubare. Sbst. it. cova, covo wildlager, sp. cneva höhle; von cubare 
im eigentlichen sinne. Sp. coba bereits in einer Urkunde des 9. jh. Esp. 
sagr. XXXVII, 339. Aus pg. cova entstand wohl auch das adj. covo 
hohl, das also mit it. cupo II a. gar nicht verwandt wäre. 

Gozzare it., sp. cozar fehlt, fr. cosser, pic. coissier und cochier 
mit den hörnern stoßen; sbst. cozzo stoß. Nach Frisch vom dtschen hutzen, 
aber härtung des reinen hauchiautes in gutturales c ist nicht einzuräumen. 
Vielmehr wird sich auch dieses wort dem röm. demente zuweisen lassen. 
Von co-icere (zusammenstoßen) würde das part. prät. co-ictus (coctus) 
lauten, hieraus das vb. cozzare, wie aus directus dirizzare, also ein par- 
ticipidlverbum. An diesen Ursprung des Wortes erinnert auch die itci. 
construction cozzare con uno mit einem zusammenstoßen, co-icere cum 
aliquo. 

Gozzone it., pr. altcat. cussö, dttfr. cosson JRoquef., wallon. goson 
möikler besonders im pferdehandel, prov. als Schimpfwort gebraucht. Ohne 
zweifei vom gleichbed. cocio bei Plautus, nach Gellius 16. 7 ein plumper 
volksausdruck Festus (Paulus) schreibt coctio, und sonderbar, daß die 
roman. formen, entschieden die ital., diese Schreibung verlangen, welcher 
auch das nüatein in coccio oder coqcio offenbar beipflichtet. Zsgs. it. 
scozzone einer der die pferde zureitet. 

Cravatta it., sp. corbata, fr. cravate halsbinde; späteres wort, in 
Frankreich seit der ersten hälfte des 17. jh. (Menage), gebildet aus dem 
völkernamen Cravate Croate (sp. Corvato), da man die Sache von diesem 
volke entlehnte, daher it. auch croatta, henneg. croate, croyatte. 

Crebantar^r., altfr. cravanter, sp.pg. quebrantar brechen (tt ans.); 
von crepare, part. crepans. 

Grema it. sp. pr., crSme fr. rahm, mlat. crema (n.) bei Venant. 
Fort.; abgeändert aus cremor milchsaß. 

Crepare it., pr. crebar, fr. crever, sp. pg. durch Umstellung que- 
brar bersten, brechen; von crepare, dessen bed. ein geräusch machen in 
den jüngeren sprachen erloschen ist. Zsgs. it. screpolare aufspringen, 
seräpolo riß; sp. requebrar die stimme biegen (vgl. pr. refranher dass.), 
daher artigkeiten sagen, sbst. requiebro liebesrede, liebkosung. 

Grescione it., fr. cresson, neupr. creissoun, cot. crexen eine pflanze, 
kresse; a celeritate Crescendi so genannt, wie C. Stephanus mit recht 
bemerkt, also ein prägnanter ausdrucke Aus dem roman. ist unser kresse, 
ahd. kresso, nicht umgekehrt, da dieses im deutschen keine würzet hat 



I. CROCCIA-CROSCIARE. 113 

und roman. pflanzennamen nur selten aus jener spräche herstammen. — 
Weigernd, Wb. I, 638, weist nunmehr eine deutsche wursel nach, das ahd. 
starke verbum chr€san kriechen, prät. chras, aus letzterem das subst. 
chrasja, chressa, chresso (ss aus sj) ; der wurzdvocal wäre dann nicht 6, 
wie man nicht streng erweislich annimmt, sondern e, der ausdruek besöge 
sich auf die kriechenden Stengel der brunnenkresse. Sicher, wenn keine 
andre spräche sich meldet, dankt entweder die roman. der deutschen oder 
die deutsche der roman. das auch im russischen, lettischen und esthnischen 
bekanfUe wort. Nach dem buchstaben kann cresson sowohl vom lat. cres- 
cere {altfr. crestre, präs. nons cressons) wie vom deutschen kresso, acc. 
kresson, stammen. Ist das letztere der fall, so hat das roman. wort 
wenigstens eine umdeuiung mit crescere erfahren, worauf schon die itcU. 
und prov. form anspielt, und eine umdeutung ist eine Wiedergeburt. Das 
cat. cr&cen läßt sich nicht mehr aus dem deutschen ableiten, es ist dem 
präs. ind. von cröxer entnommen und heißt c sie wachsen (diese hräuter). 

Croccia, gruccia it. krücke, cruccia grabscheit, dltsp. croza, pr. 
croasa, fr. Crosse krummst ab. Die herleitung aus dem fr. croc (haken) 
findet Schwierigkeit im buchstaben, dem nur ein fr. croche gerecht wäre. 
Wie pancia, panza, pause aus pantex, so konnte croccia mit seinen 
genossen aus crux, leichter noch, in betracht der doppelconsonanz cc, 
ss, aus dem adj. crucea entstehen, woraus auch ahd. krukja entstanden 
scheint. 

Crollare it., pr. crollar, crotlar schütteln, fr. crouler einstürzen, 
aÜfr. croler, erodier, crosler wie prov. Wohl dürfte man bei diesem wort 
an das nord. krulla (verwirren) denken, böte sich kein lat. etymon. Prov. 
1 crotlar nämlich (offenbar älterthümlicher als crollar, wiewohl dies schon 
die Passion Christi kennt, str. 81) führt auf crotolar und dies konnte 
aus co-rotulare zusammengebogen sein, womit auch das einfache rotlar = 
rotulare überein stimmt. Ebenso stimmt fr. crouler zu rouler, ja es thut 
in der redensart crouler un bätiment 'ein schiff vom ufer rollen lassen 
völlig dessen dienst, und ebenso ist altfr. crouller les iex DMce. p. 249, 2 
so viel als rolller les iex ds. 271, 21 'die äugen rollen lassen. Im 
ganzen kommt das neue vb. co-rotulare auf die bedeutungen von volutare, 
volutari (wälzen, rollen, schwanken, schwanken machen) heraus. 

Crosciare it., sp. cruxir, pr. altfr. croissir, wallon. crohl knirschen, 
knirschen machen. Weder die lat. noch die celt spräche gewährt ein 
etymon, dagegen besitzt die goth. das ganz gleichbedeutende kriustan, z. b. 
kriustith tunthuns Marc. 9, 18 lautet Span, cruxe los dientes, pr. cruis 
las dens Chx. II, 148, gr. TQiCßi zovq odovtag. Aber nicht leicht un- 
mittelbar aus kriustan konnten die rom. formen, wenigstens nicht die itäl., 
sich hervorbüden: es ist ein abgel. kraustjan (vgl. kiusan kausjan, fr. 
choisir) dafür anzunehmen, stj = it. sei wie in angustia angoscia. Merk- 
würdig ist, daß auch bildungen desselben verbums nach der zweiten rom. 
conj. vorkommen, so cat. cröxer, chw. s-cruscer, altfr. croistre, so daß alle 
drei conjugationen an diesem verbum theü haben. 

8 



114 I. CTJBEBE— CIJCCO., 

Cubebe it. (m.), sp. pg. pr. cubeba, fr. cub£be name einer indi- 
schen pflanze, die eine art pfeffer gibt] arab. kabäbat Freytag IV, 2*. 

Cübito it., sp. codo, alt cobdo, pg. cövado, coto, pr. coide, code, 
fr. coude, weil, cot eilenbogen; von cnbitas. Andre iial. formen sind 
gömito (bereits im Voc. S. Gatt, cumitus *dlinpogo), mit eingeschobenem 
m gömbito, churw. cümbet. Daher pg. cotovello = coto, umgestellt 
aus covetello? sp. codillo vorderfuß der thiere vom knie aufwärts. Zsgs. 
sp. recodo winket, biegung, bucht, wie gr. ayuuav. 

Cucc agna it., sp. eucana, fr. cocagne, alt engl, cokaygne Schlaraffen- 
land; vom dtschen kuchen, weil die hauset daselbst mit kuchen gedeckt 
seien, bemerkt J. Grimm, Ged. auf Friedr. p. 96. Gegen die Vorstellung 
ist nichts au erinnern, doch läßt sich das wort aus rotnan. quelle ableiten: 
kuchen heißt cot. coca, chw. cocca, occit. coco, pic. couque, von coquere 
backen, also gebackenes, so torca gedrehtes von torquere. Auch das ital. 
kinderwort cueco ei, ovum kommt hier in ansehlag, grade weil es ein 
kinderwort ist, und an gesottenen eiern wird es im schlaraffehlande nicht 
fehlen: watton. bedeutet cocogne Ostereier. In Neapel war enecagna ein 
zur Volksbelustigung aufgeführter berg, welcher wurste und andre eß- 
waaren ausspie, um die das volk sich schlug. Hierauf besieht sich z. b. 
ein sieü. gedieht La enecagna conquistata, Palermo 1674. Das wort 
kommt also, bemerkt Genin, Recreat. II, 89, vom fr. coq und bedeutet 
gleichsam ein hahnengefecht. Aber die hauptidee dabei war nicht die bal- 
gerei, sondern der freigebige berg. 

Cucchiajo it., altpg. colhir, pr. culhier, fem. it. eucchiaja, sp. 
euchara, pg. colhfr, fr. cuiller, cuill&re löffel; von cochlearium, cochle- 
aria. In colher und cuiller, wozu noch ein altsp. cuch&r kommt, vermisst • 
man die weibliche endung; diese Wörter nehmen also im gründe ein fem. 
cochlearis in ansprach. Der wal. ausdruck ist lingurf = lat. lingula. 

Cuccio, cöcciolo it., sie. guzzu, guzza, euccia, pr. goz, gossa, sp. 
gozque (was soll hier die zweite sübe?) Meiner hund, vgl. gotz 'parvus 
canis GProv. 57. Im catdl. ist gos der übliche ausdruck für hund über- 
haupt, so daß Jaume Febrer das von ihm gebrauchte can erklären oder recht- 
fertigen zu müssen glaubte: un gos que en bon Uemosf can es nomenat 
str. 151. Im wallon. ist go der männliche, in der Schweiz göschli der 
weibliche hund. Ital. eucciolo, sie. guzzu bedeuten als adjeetiva klein: 
beide Wörter könnten in beiden Bedeutungen aus cueco nestling, liebling 
entstanden sein, denn eucciolo ist namentlich schooßhündchen. In ansehlag 
zu bringen ist aber vor allem, daß das wort oder ein ganz ähnliches auf 
fremden dem ital. nah liegenden Sprachgebieten heimisch ist: ein kleiner 
hund heißt illyr. kutze, ungr. kuszL 

Cueco it. kukük (in dieser form und bedeutung nur in voUcsmund- 
arten, ven. cueo, romagn. cocch u. dgi.), pr. cueo (wenn nicht syncopiert 
aus cueuloj dass.; von dem seltnen cueus, bei Isidor 12, 7 (auch bei 
Plautus?). Dsgl. it. cueulo, pr. cogul, fr. cocu, coueou, von cuculus, 
span. umgebildet in cuquillo, abgel. cuclillo. Meist bedeuten diese Wörter, 



I. CUCINA-CUFFIA. 115 

cocu heut zu tage ausschließlich, auch hahnrei, in welchem sinne sich noch 
pr. cogotz (vgl. cot. cucnt), zsgz. coutz, altfr. cons, hinzu gesellt. An lat. 
c&rruca ist dabei nicht zu denken, allzu detälich hat die spräche den 
hahnrei mit dem Jcukuk zusammengestellt: gab man, nun etwa dem betro- 
genen ehemann per antiphrasin den namen des vogds, der seine eier in 
fremde nester legt? Sp. cucar verhöhnen ist augenscheinlich aus dem 
namen des höhnenden vogds abgeleitet und geht auf die form cucus zurück. 

Cncina it., cocina sp., cuisine fr., cocne toal. küche, so auch ahd. 
kuchina, ags. cycene, altir. cugann Zeuß I, 80, kymr. cegin; von co- 
quina für culina im spätesten latein. Vb. cucinare ff. die küche be- 
sorgen^ von coquinare, vielleicht nur bei Plautus. 

Cucire it., richtiger cuscire (sc aus s entstanden), sp. coser, cusir, 
pg. coser, pr. cöser, cusir, fr. coudre, wal. coase nahen; von consuere, 
dem schon in den Isidor. glossen cusire zur Seite steht, so denn auch 
cosire Gl. Paris, ed. Hüd., cusebat Gl. Seiest. 9, 5. Äbgel. it. costura 
neben cucitura, gleichsam consutura, fr. couture naht, nahterei, daher vb. 
fr. accoutrer zurecht machen, zubereiten, herausputzen, raccontrer wieder 
zunähen, flicken. Auftrennen heißt it. sdrucire, sdruscire, ohne zweifei 
entstanden aus dem gleichbed. resuere, mit vorgesetztem privativen s s-rescire, 
mit euphonisch eingeschobenem d sdrescire, mit anbildung an cuscire 
sdruscire. — [Bei accoutrer ließe sich auch an cultura erinnern (s. 
Seheier), um so mehr als es nichts von der bedeutung seines oben aufge- 
stellten primitivs verräth. Bei Nicot heißt accoustrer aptare, parare, 
omare, accammodare u. dgl., accoustrement ornatus, cuUus. Andrerseits 
hat freilich auch das altfr. couture = cultura nur den beschränkten con- 
creten sinn angebautes land. Die grundbedeutung des franz. verbums, 
wenn man es zu consuere stellt, müßte sein: eine naht machen, demnächst 
verbinden, zusammenfügen (vgl. sp. coser nähen, verbinden), endlich zu- 
recht machen (pr. aparelhar vereinigen, zubereiten). Auch bastire bauen, 
einrichten, nähen dürfte verglichen werden.] 

Cucuzza it. 1) kürbiß, 2) köpf, altfr. cosse Boq. (beide bedd. hat 
auch serb. tikva); entstellt aus Cucurbita. Daneben tritt noch mit der 
zweiten bed. it. zucca, woher pr. zuc, suc, zuquet, altfr. suc, nach Ma- 
nage vom gr. oinva länglichter kürbiß; ist es aber nicht vielmehr umge- 
stdlt aus cuzza für cucuzza? doch mag daneben das neupr. tuca (mit 
beiden bedd.) erwogen werden. Zu Cucurbita gehört auch fr. gourde 
kürbißflasche, bei Perion gougourde, neupr. cougourdo; auch courge, 
im Jura coudre, muß sich hieraus gestaltet haben. 

Cuffia und scuffia it., sp. cofia, escofia, pg. coifa, alt escoifa, 
fr. coiffe (coeffe), wal. coif (m), mndl. coifie haube. Die erreichbar 
älteste form ist cofea bei Venant. Fort., eine spätere cuphia u. dgl. Man 
hott es aus dem hebräischen, worin kobha (kova) heim bedeutet, aber die 
bildvng des roman. Wortes widerstrebt. Andre weisen auf unser haube, 
ndl. huif, allein die altfränk. Verhärtung des anlautenden h zu ch oder c 
hat kein roman. appeUativ getroffen. Gleichwohl floß es zunächst aus der 



116 I. CUGINO-DALA. 

deutschen spräche. Ahd. kuppa kuppha heifit müra, daneben läßt sieh 
eine form mit dem in der ältesten spräche sehr wirksamen suffix j kuphja 
(vgl. krippa, kripja) voraussetzen, genau das mlat. cofea, cuphia. Jenes 
kuppha dber scheint nichts anders als das lat. cuppa gefäß, becher (s. 
oben coppa): Verwandlung der lat. lippentenuis in aspirata kann leicht 
bis auf Venantius zeit hinaufreichen, da das uralte hochd. denkmdt, das 
Cassder glossar, bereits choffa, chupf u. a. fäMe enthält. Wie sich aber 
Jcopfbedeckung und gefäfi berühren, zeigt unter andern das lat. galeola. 

Cugino it., pr. cosin, fr. cousin vetter, eugina /f. base; zsgz. aus 
consobrinus, wie dies die churw. formen cusrin, cnsdrin erweisen. Cosina 
'magiri (verwandte) hat schon der Vocab. 8. Gaü. (7. jh.) Der span. 
ausdruck ist das unverkürzte sobrino. 

Cüpido it., pr. cobe gierig, zumal geldgierig; daher it. cupidi- 
gia, cupidezza, 5p. codicia, alt cobdicia, pr. cobiticia, cobezeza, fr. con- 
voitise (für covoitise), lat. gleichsam cupiditia; vb. ü. cubitare, pr. 
cobeitar, fr. convoiter. Der Frovenzale besitzt auch ein einfaches verbum 
cobir mit der bed. 'zu theil werden, das fast nur mit joy verbunden 
wird: jois m'es cobitz freude ist mir zu theil geworden, vergönnt worden; 
es ist von cupere alicui einem gutes wünschen, chw. cuvir dass.; zsgs. 
pr. encobir, altfr. encovir begehren. 

C u r a 5p. pg. (m.) pfarrer, eigentl pfleger, in welchem sinne das 
wort schon bei den Römern und im frühsten nUatein als mascutin ver- 
wendet ward. Gleichbed. mit sp. cura ist it. curato, fr. cur6, d. h. mit 
der .sedsorge, cura, beauftragt. Dahin ferner it. eurattiere (für cura- 
tiere), pk. couratier, zsgz. fr. courtier mokier, von curatus besorger von 
geschafften (curatarius). 

D. 

Dado it. sp. pg., dat .pr., A6 fr. würfet; wird aus dare in der bed. 
werfen (dare ad terram u. dgl.) erklärt, wonach es also etwas auf den 
tisch geworfenes bezeichnen würde. Nach Golius p. 808 wäre es vom 
arab. dadd lusus, res ludicra; was sich wenig empfiehlt. 

Daga it. sp., pg. außer daga auch adaga, fr. dague kurzer degen, 
dolch, ndl. dagge dass., engl, dag, kleines Schießgewehr, dsgl. dagger 
dolch. Hieraus ist unser im 15. jh. eingeführtes degen, s. Weigand, Syn. 
wb. 11, 1193. Auch celt. sprachen kennen es: gad. dag pistole, bret. dag, 
dager dolch (über die Verwechslung beider dinge s. unten pistola); ob es 
von da ausgegangen, steht dahin. Ungr. däkos. Abgel. ist fr. dagnet 
Spießhirsch. 

D ala sp. pg., fr. dalle rinne auf dem verdeck der schiffe das wasser 
aus der pumpe abzuleiten. Nach Frisch vom ahd. dola röhre, rinne, aber 
der abweichende stammvocal erregt Zweifel. Die span. form a-dala ent- 
hält eine anspielung auf arab. Herkunft: in dieser spräche heißt dalla 
leiten, d&lälah leitung Gol. 849, welches letztere der Vereinfachung in dala 
kaum widerstehen konnte; vgl. auch it. doccia rinne f von ducere. 



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I. DALLE— DES. 117 

Dalle sp. (m.), pr. dalh, dUfr. dail, dauphin. dailli sichel; vb. pr. 
dalhar mit der sichel schneiden, altfr. dailler hauen, fechten Chr. de 
Langioß (Wright p. 295), s'entredalier zusammen streiten LRs. 236. 
Scheint diminutiv von daga dolch (dagol?). 

Dam a 8 co it. sp., fr. damas, it. auch damasto ein gewebe mit ein- 
gewirkten figuren, damast; van der stadt Damascus, wo dieses gewebe ver- 
fertigt ward. IUÜ. damaschino u. s. w. damascener Hinge, aus stahl 
von Damascus. 

Danzare it. (für dansare wie anzare für ansare), sp. pg. pr. dan- 
• aar, fr. danser, wci. dtjntzui scUtare; sbst. it. danza/f. saltatio; vom ahd. 
dansön ziehen, dehnen, dies vom starken vb. dinsan, goth. thinsan (prät. 
thans), unser tanzen aber aus dem romanischen. 

Dardo it. sp., pr. dart, fr. dard, wal. darde (f.), auch slav. ungr. 
d&rda, Wurfspieß, wurfpfeä (er konnte gefiedert sein, dart empennö DMce. 
302, 26; ihn führte der knappe, die lanze der ritter, z. b. Jfr. p. 67 a ); 
vom ags. daradh, darodh, engl, dart, oitn. darradhr, ahd. tart spieß; da- 
zu als primitiv dttn. dörr. Nach einigen von doqv öoQarog. 

D&ttero it., sp. pr. dAtil, pg. dätile, fr. datte eine frucht, dattel; 
von dactylus. 

Däzio it., sp. däcio, altfr. dace (f.) aufläge, Steuer; von datio, dem 
das miatein, z. b. in einem actenstück v. j. 826 DG., dieselbe bedeutung, 
gezwungene gäbe, beilegte. 

Demonio it. pg., sp. demonio, dirnoüo, pr. demoni teufet; von 
daemonion böser geist, bei Tertullian. 

Denaro, danaro it., sp. dinero, pg. dinheiro, pr. fr. denier eine 
geringe münze; von denarius römische silbermünze ursprüngl. von zehn 
asses, später und im mittelcdter von verschiedenem werthe. Daher it. 
derrata, sp. dinerada eigentl. summe 'oder werth eines denarius, fr. 
denröe eßwaare, gleichbed. bair. pfennwerth d. i. werth eines Pfennigs. 

Dentello it., dentelh pr., dentellon sp. einschnitt an gesimsen u. 
dgl., it. dentelli (plur.), fr. dentelle ein gewirk, spitzen, wegen der zackigen 
form; von dens zahn. 

Derrengar sp., pg. derrear (für derrenar), pr. desrenar, deregnar, 
aitfr. öreiner, nfr. öreinter kreuzlahm machen, das kreuz brechen; von 
ren niere, renes lenden; die span. form zu erklären mit dis-ren-icare. 
Itci. nur sbst. direnato Verletzung der lenden, aber piem. derae = pr. 
desrenar. 

Des altsp. dttpg., in der neuen spräche des-de, pr. des, deis, fr. des, 
Präposition theüs für das lat. zeitliche ex, it. da, theils für das örtliche 
usque a, inde a: z. b. sp. desde aquel tiempo, fr. des ce temps-lä, lat. 
ex illo tempore, it. da qnel tempo. Man hat an eine zss. von de und 
ipse gedacht, dös ce temps-lä wäre = de ipso illo tempore; die ganz 
präposüioncde natur des Wortes aber, die keine adverbiale anwendung, wie 
die büdungen mit ipse, erlaubt, läßt eher auf ex mit vorgesetztem sinn- 
verstärkenden de vermuthen: fr. dös lors scheint = de ex illa hora, dös- 



118 I. DESINARE. 

ormais = de ex hora magis von stund? an. Ganz deutlich tritt die 
zss. mit ex hervor im altfr. desanz = de exante, im altsp. desent = de 
ex inde, desi = de ex ibi, im nsp. despues (s. poi) = de ex post; 
exante und exinde sind ja der lat. spräche wohlbekannt. 

Desinare, disinare it., pr. disnar, dirnar, dinar, altcat. dinar Chr. 
d'Escl. p. 69P, fr. diner eu mittag essen. Die ergründung dieses wortes 
wird durch die zweifelhafte natur des darin enthaltenen s erschwert, da 
es sich fragt, ob dieser buchstabe radical oder bloß eingeschoben, ob diner 
aus disner, disinare verkürzt oder ob es die buchstäblich getreue form sei. 
Altfranz, schrieb man häufig disgner, aber schon die ziemlich alte hand- 
schrift der Livr. d. rois hat digner. Indessen kann sich disnare als die 
älteste form ausweisen: in den Vatic. glossen ed. W. Grimm (9.jh.) heifit 
es: disnavi me ibi; disnasti te hodie? und auch Papias schreibt mit s: 
jantare disnare dicitnr vulgo. Man leitet es vom gr. devivelv die haupt- 
mahlzeit halten, romanisch in dinar, disnar verwandelt; alsdann müßte es 
von der Provence ausgegangen sein. Dsgl. vom lat. dignare domine an- 
fang eines tischgebetes; dies stimmt trefflich zum altfr. digner, wäre die 
Sache nur erst gehörig erwiesen oder diese form als die älteste anzuer- 
kennen. Man könnte an decima hora denken, wie ja auch altfr. noner, 
von nona hora, zu mittag speisen bedeutet, aber decima für mittagszeit 
ist nicht gebräuchlich, wenn man auch den Übergang des m in n zugibt. 
Besser erklärt es sich aus de-coenare, mit verschobenem accent präs. däceno 
desne dtne, vgl. däcima desme dfme, it. bnccina busna. De in dieser 
Zusammensetzung steht freilich ziemlich müßig, (Mein das spätere latein 
verwendet es häufig in dieser weise, so in debattiere Petron., defrui Symm., 
defagare Theod. Prise., delaborare Afran., delustrare Aptd., deoptare 
Hyg., depetere Tertull., despernere Colum., in welchen fallen das einfache 
wort ausreichen würde; übrigens dürfte man bei decoenare an unser ab- 
speisen erinnern. Auch Pott, Forsch. IT, 282 denkt an coenare; zur 
Unterstützung der thatsache, daß auch Frankreich das lat. coenare kannte, 
läßt sich noch altfr. re einer abendbrot essen, von recoenare, anführen, 
wiewohl sich dies nicht in resner verkürzte. Man dürfte bei dieser ety- 
mologie vielleicht selbst den activen gebrauch des rom. und lat. partiäps 
anschlagen: il est mal dfnä = male coenatus est; dieser gebrauch kennte 
sich im roman. allmählich auf das ganze verbum erstreckt haben, daher 
disner quelqu'un de qch., reflexiv se disner, wie schon in der vaticanischen 
stelle. — [Man hat an decoenare den mangel des rom. s ausgesetzt. 
Diesem übelstand läßt sich einfach mit Verweisung auf it. pu-signo — 
post-coenium abhelfen. Wie unser wort aus dem an die stßtte von de- 
coenare gesetzten dis-jejunare, welches in d6-jeüner die richtige form ge- 
funden, habe entstehen können, ist schwer zu fassen : der ganze stamm, 
mit dem langen u, wäre geschwunden. Wunderlich wäre ferner, wenn 
der Franzose, der das frühstück mit recht als ein fastenbrechen betrachtete, 
dieselbe anschauung auch auf das mittagessen erstredet hätte. Mahn p. 19 
hebt hervor, daß r in der prov. form dirnar auf s (nicht 9) weise; man 



I. DESTKIERO-DIO. 119 

sattle aber denken, ein secundäres s, da es dieselbe ausspräche hatte wie 
ein primäres, könnte eben so wohl in r geschwächt werden. S. Krit. an- 
hing p. 15.] 

Destriero it., destrier pr. citfr. streitross, mlat. dextrarius, weil 
der knappe es zur rechten seines eignen pferdes führte, ehe der ritter auf- 
stieg: (V escndiers) lhi menet en destre son bon destrier GRoss. 3275; 
les valets les menoient en dextre sur antres roussins, man sehe Ducange. 

D i am ante it. sp.,pr. diaman, fr. diamant ein edelstein; aus adanias 
adamantis entstellt, vielleicht mit rücksicht auf diafano durchsichtig. Eine 
zweite form ist pr. ädiman, aziman, aftnan, citfr. aYmant, nfr. aimant, 
sp. pg. iman, das in die bed. magnet ubergieng, in welcher sich auch 
mlat. adamas findet, s. das nähere bei MSnage v. aimant 

Diaspro it., sp. diaspero ein stein; von jaspis jaspidis, mit dar- 
Stellung des j durch di wie im mundartl. it. diacere von jacere Born, 
gramm. I, 274, wohl eine in Italien entstandene form. Dasselbe wort 
ist pr. citfr. di&spe bunter stoff nach art des jaspis, adj. fr. diaprö 
bunt gezeichnet. 

Dieta it. sp., diete fr. lebensordnung ; von diaeta (diaita) gleich- 
bedeutend. 

Dieta it. sp., diäte fr. reichstag, itci. auch tagereise; von dies, vgl. 
die mlat. abl. dietim für quotidie. 

Diga it., digne fr., diqne sp. (m.) schutzdamm gegen das wasser, 
auch pr. die? Rayn. Lex. rom.; zunächst vom ndl. dyk, ags. die. 

Dilegnare it., pr. deslegar, fr. d&ayer flüssig machen; von dis- 
liqnare. Das span. wort ist desleir, das aber aus dieser quelle nicht 
fließen konnte. Woher nun ? weder deliquescere noch diluere erlaubt der 
buchstabe. Altsp. desleido, deleido Bc. 8. Dom. 540. 590 bedeutet para- 
lytisch, des-leir ist also = /tagaXvstv: sollte man leir aus Xveiv gesogen 
haben? dem gr. v widerspricht sp. i oder e nicht. Zwar Larramendi 
leitet desleir aus bask. desleyatu, von leya kälte: man sieht aber leicht, 
daß ersteres aus dem pr. deslegar gebildet, letzteres, wofür auch yela ge- 
sagt wird, aus dem sp. yelo umgestellt ist. 

Dio it., sp. diös, altpg. sard. d&ts. neupg. däos, (deös GVic. I, 
p. 256), pr. dteu, fr. dieu (älteste form deo in den Eiden), wal. fehlt 
das einfache wort. Die südwestl. spräche behandelt deus wie einen eigen- 
namen und ließ ihm das flexivische s wie in andern fällen (Garlos, Mar- 
cos, Reynaldos), die tonverschiebung trat später ein; eben so anomal ist 
der plur. dioses, wofür man im Alex, dios findet, von Sanchez und Los 
Bios IM. esp. 27, 567 dfos betont. Aber mit der Heiligkeit eines namens 
hängen suweüen anomedien der form und flexion zusammen (Grimm P. 
1071, Dief. Goth. wb. II, 416): der Spanier wagte deus nicht einen 
buchstaben absubrechen, es nicht umzuformen wie meus. Eine übliche 
Zusammensetzung ist it. domeneddio,j>r. dame-dieu, dltfr. dame-dieu, 
dombre-dieu u. s. w. herr-gott, wal. dumne-zeu, welches das einfache zeii 
ganz aus der spräche verdrängte und auch von abgöttern gebraucht wird. 



120 I. DIPANAKE— DOCCIARE. 

Über it. iddio s. Rom. gramm. 1/7, 25. Eine bekannte formet ist it. 
addio, sp. & dios, fr. adieu, vollständiger pr. a dien siatz, altfr. adieu 
soyez, altcat. a dien siau gott befohlen LR. III, 32. Die betheurung 
it. madiö, sp. madios, fr. maidien erklärt man mit m'aide dieu, altfr. 
si m'ait dieus = ita dens me adjuvet, s. Menage; eine andre deutung 
des ital. wortes (ma von mai = magis) gibt Blanc, Gramm. 546. 

Dipanare it., pr. debanar, sp. devanar abhaspeln; von panus 
büschel wolle zum spinnen. 

Dirupare it., pg. derrubar, sp. derrnmbar von einem f eisen, rupes, 
hinabstürzen; daher dirupo absture, altfr. desrube Agol. 316, Beb. le 
diable F. P col 2, desruble NF. Jub. I, 98, dsgl. desrubant schluckt, 
pr. deruben; altfr. desrnbison Antioch. II, 130; auch sp. derrubio erd- 
fall an ufern. 

Dfscolo it. sp. pg. mürrisch; vom gr. diaxoXog dass. 

Disegnare, designare it. 1) anzeigen, 2) zeichnen, sp. designar, 
alt desenar, pr. desegnar, designar, fr. d&igner in ersterer bed., sp. 
disefiar, fr. dessiner in letzterer; sbst. it. disegno, sp. diseno, designio, 
fr. dessein, dessin entwarf, Zeichnung. Vom tat. designare, dessen im 
ital. noch zusammentreffende bedeutungen der Spanier und Franzose durch 
die form zu trennen suchten, vgl. sp. signo neben sena, fr. signe neben 
seing. 

Disfidare, sfidare it., pr. desfizar, fr. däfier, sp. pg. desafiar, 
altpg. desfiar SRos. I, 371 herausfordern zum streit, eigentl. einem die 
treue oder das vertrauen, fides, aufsagen, einen verläugnen: ains me 
lairoie tos les menbres coper qne ja Mahon soit par moi desftäs eher 
wellte ich mir alle gUeder abhauen lassen, als Mahomet verläugnen Og. 
3058; li miens cners te deffie mein herz entzieht dir edles vertrauen 
Antioch. I, 82. 

Disio it., sp. deseo, pg. desejo, cot. desitj, fehlt fr., Sehnsucht; vb. 
disiare, desear, desejar, desitjar. Nicht von desiderium, die formen 
passen sehr wohl zu dissidium (deutlich zumal das cot. desitj), so daß es 
gleich dem pg. saudade eigentl. trennung, zunächst das daraus hervor- 
gehende verlangen nach Wiedervereinigung ausdrückt. 

Di vi so it., pr. fr. devis eniwurf, wünsch, fem. it. divisa, sp. divisa, 
pr. devisa, fr. devise abtheäung, wohl, Wahlspruch, sinn und bedeutung; 
vb. it. divisare, sp. divisar abtheilen, unterscheiden, auseinandersetzen. 
Wie schon lat. dividere unterscheiden bedeutet, so pr. devire, woran sich 
die bed. auseinandersetzen "knüpfte, die denn auch auf das freguentativ 
devisar übergieng. Man vergleiche dieselbe begriffsbildung z. b. im sp. 
departir 1) theilen, trennen, 2) unterscheiden, 3) auseinandersetzen, er- 
klären: departeme eso que has dicho i erkläre mir, was du gesagt hast* 
Cal. e D. p. 66 b . Lat. visns ist hier nicht im spiele. 

Docciare it. begießen, sbst. doccia, fr. douche, sp, dncha wasser- 
röhre, rinne; von dnetiare leiten (vom wasser), das man aus dem pari. 
duetns bildete, wie succiare aus suetns. Aus dem sbst. dnetus entstand 



I. DOGA— DOGANA. 121 

aüfr. duit LBs. 408, norm, doui; aus ductio das /em. pr. dotz, dttfr. 
dois (la dois et la fontaine G. d'Angl. p. 75, vgl. Gar. J, 264). 

Doga it. pr. cot., wdl. doagp, alban. dog?, wendisch doga, duga, 
mit v /r. donve, mail. dova seitenbrett des fasses, mndl. duyghe, nwß. 
du ig, scAw*. dauge, nhd. daube; abgd.sp. dovela, duela, aduela, norm. 
douvelle, douelle, lothr. doule. Prov. doga (w der neuen mundart dougo) 
verhält sich zu fr. douve wie rogar zu dltfr. rouver, g fiel aus und v 
fort ein, selbst die mittlere form doa (doha DG.) ist vorhanden. Damit 
trifft ein wort anderer bedeutung buchstäblich zusammen, pr. doga, norm. 
douve, das man gewöhnlich mit fosse (graben) übersetzt, das aber auch, 
wie schon Garpentier erklärt (vgl. Trevoux), die fassung des grabens, 
mauer oder dämm desselben hei fit, mlat. douvam sive aggerem (v.j. 1269) 
bei Garpentier; les doves des fossez Ben. I, p. 492; de morz est si la 
dove emplie U, 127; pr. doga del vallat; mlat. juxta dogas vallatorum 
murorum; dtifr. qui a douhe, il a fossö (rechtsgrundsatz). Itäl. doga 
heifit auch rings umlaufender streif an einem Meide, sp. dogal strick um 
den hals, was der bed. einfassung zusagt. Der Zusammenhang dieser mit 
der bed. daube oder eigentl. gesammtheit der dauben eines fasses liegt am 
tage. Ein sehr altes Zeugnis hat man bei Gregor v. T. gefunden, wo es 
aber canal zu bedeuten scheint: fossas in circuitu basilicae fieri jussit, 
ne forte dogig occultis lymphae deducerentur in fontem. über die her- 
kunfl des Wortes sind die meinungen verschieden. Frisch denkt, sofern 
es graben heifit, an lat. ducere, und in der that das synonyme doccia 
hat denselben Ursprung: u konnte kurz gesprochen werden wie in dux 
ducis, daher das rom. o. Besser erkennt Ducange darin ein schon vor- 
handenes lat. doga, das ein gefäfi oder ein mafi (s. Freund) bedeuten mufi: 
facta erat ratio dogae cuparum navium et operum Vcpisc, dazu doga 
ßovTrrjg (ßovrrig) Gl. Phüox. Es leitet sich vom gr. doxy receptaculum, 
und diese bedeutung ist fest zu hoiten; Hesychius erklärt svQmoq (meer- 
enge) mit doxy vdaztov, s. Vossius De vit. serm. Also Wasserbehälter, 
graben, fassung des grabens, fassung eines gefäfies d. i. fafidaube sind 
die bedeutungen. 

Dogana it., pr. doana, fr. douane, sp.pg. aduana zotthaus, mauth, 
auch die von den waaren zu entrichtende abgäbe; man sehe Boccaccio 9 s 
beschreibung Dec. 8, 10. Der etymologien sind mehrere. Frisch leitet es 
aus ducere in beziehung auf das einfuhren der waaren, ohne zu bedenken, 
dafi sich das sufßx an nicht an verba fügt. Ferrari läßt es aus doga 
entstehen, weil die waaren in fässer gepackt werden; doga ist aber nicht 
der amdruck für fafi. Weit passender erklärt es Menage aus dem gr. 
doxavr] ort zur aufnähme, daher ort, wo man die abgäbe einnimmt; be- 
fremdlich ist aber, dafi weder die mittel- noch die neugr. spräche diese 
anwendung des Wortes kennen. Diese drei erMärungsversuche sind eben 
so viele verirrungen. Mit recht erblicken neuere grammatiker in doana 
das bekannte arab. divän addivän staatsrath, indem sie ihm die bed. 
staalsrath für abgäben beilegen: der halbvocäl v löste sich gleich dem 



122 I. DOMENICA-DONNO. 

(tischen w in o oder u aw/" (diuana doana duana), im üal. ward g ein- 
geschoben. Beachtenswert)* ist dabei, daß der Spanier für divan in seiner 
eigentl. bed. auch duan sagte. Offenbar knüpfen manche stellen aus der 
mittleren litteratur das wort an arabisches gebiet: multi Saracenorum, 
qui in duanis fiscales rcditus colligebant, sagt Hugo Falcandus; in 
douanam i. e. in domum Soldani eum ducentes Vinc. Bettov.; pr. si son 
en terra de Sarrazis, en doana o pauzon Lex. rom. Am besten vielleicht 
faßt man dfvän in seiner bed. rechnungsbuch Gol. 888, Freyt. II, 74* , 
vgl. bei Boccaz i doganieri poi scrivono in sul libro della dogana a 
ragione del mercatante tutta la sua mercatanzia. — [Das arab. aus dem 
persischen entlehnte dtw&n, bemerkt Engclmann, heißt register, gedichte- 
sammlung, dann bureau, staatsrath, audienzsaal, canzlei, endlich mauth- 
bureau: daher aduana. Vgl. Doey p. 33—35.] 

Domenica it., sp. pg. domingo, pr. dimenge, dimergue, fr. di- 
manche sonntag; ital. aus dominica, span. pg. aus dominicus, prov. franz. 
aus dies dominicus, daher altfr. diemenche (viersilb.) tag des herrn, gr. 
%vQiaxr r Keine rom. spräche kennt solis: sie enim Barbaries vocitare 
diem dominicum consueta est Greg. Tur. Hist. 3, 15. 

Dominio it. sp. pg. herrschest, eigenthum, besitzung, fr. domaine 
(m.) in speciellerer bed. erbgut, krongut, daher die prov. und span. formen 
domani, domanio ; von dominium. Adj. it. dominicale, sp. pr. dominical, 
fr. domanial herrschaftlich, gutsherrlich. Bemerkenswert ist hier nur die 
franz. formung des Wortes, worin lat. i zu ai ward; aber man schrieb 
auch altfr. mainer neben mener fuhren, und noch jetzt zeigt daigner oder 
Sardaigne ai für \. Eine stärkere abänderung, deren grund wohl nur 
in der Veränderlichkeit der tonlosen ersten silbe zu suchen ist, liegt vor 
im altfr. demaine, demenie, dem ein altit. diminio entspricht, im späteren 
mittellatein demanium, noch engl, demain. Dieses altfr. demaine bedeutet 
überdies als Substantiv einen dienstmann (z. b. li demaine et li pair), ofe 
adjeetiv eigen, angehörig (ma chambre demaine, mon demaine lit), trilat. 
demanius; prov. lautet es als adjeetiv domini (domini ser LR. III, 71 
eigner knecht) und scheitU aus dominicus, das auch im mlatein proprius 
bedeutet, abgekürzt wie gramazi aus grammaticus. 

Donno, donna it., sp. don, dona, duena, pg. dorn, dona, pr. don 
(dons von frauen), dombre (in dombre-dieu), domna, altfr. masc. dame 
(in dame-dieu), dan, dant, alt- und neufr. fem. dame (daher pr. sp. 
dama), Wal. domn, doamne; alle von dominus, domina, wofür schon auf 
rom. inschriften domnus, domna, im ersten mlatein donnus, donna (z. b. 
Breq. p. 27 d , v. j. 528) vorkommt. Dimin. sp. doncel, doncella, pr. 
donsei, donsella, altfr. damoisiel (danzel), damoisele, nfr. damoiseau, 
demoiselle, hieraus it. damigello, damigella, sp. pr. damisela; lat. gleich- 
sam dominicillus, wal. domnisor. Vb. pr. domneiar, altfr. donoier 
buhlen, daher it. donneare, sbst. domnei, donoi buhlschaß. Wegen des franz. 
a der Stammsilbe vgl. altfr. damesche von domesticus, danter van domi- 
tare. Eine prov. und catal. abkürzung von dominus unmittelbar vor 



I. DRAGOMANNO-DKUDO. 123 

eigennamen ist En (dom-en für dorn- in), von domina Na (dom-na) z. b. 
En-Barral (daher it. Imberal CNA.), Na Maria, vgl Raynouard, Chx. 
VI, 95. 

Dragomanno it., sp. dragoman, pr. drogoman, fr. drogman, mhd. 
tragemunt, dolmet scher, in andrer form it. turcimanno, sp. trujaman, 
fr. trucheman, truchement; vom arab. targomän, torgomän, ausleger, dies 
von targama auslegen, ursprünglich chaldäisch und von den Juden den 
Arabern überliefert (Dozy 35). 

Drappo it., pr. cot. fr. drap tuch, daher drappello, drapeau 
fetzen, fahne. Drappas kennt das frühere mlatein: si quis altero per 
mano aut per drappo iratus priserit Capü. ad L. Alam. Im span. und 
port. hat es die tenuis mm anlaut: trapo, trapajo, trapero, traperia, 
wiewohl auch drapero, in Urkunden draper ius gesagt wird; man sehe 
Ducange. Die Verschiedenheit des anlautes scheint deutsche herhunft an- 
suseigen, denn d würde den niederdeutschen, t den hochdeutschen lautge- 
säzen entsprechen. Frisch verweist auf unser trappen derb auftreten, so- 
fern es für dicht treten, wirken angewandt werden konnte; es käme nur 
drauf an, die Verwandtschaft von treten und wirken oder weben mit an- 
dern beispielen eu belegen. Ein zuverlässigeres etymon scheint aber das 
in einem hochd. glossar des 12. jh. enthaltene subst. trabo 'trama, extrema 
pars vestimcnti, fimbria Qraff V, 480: der einschlag oder auch der säum 
des tuehes konnte auf das ganze tuch übertragen werden. 

Drog,a it. sp. pg. pr., drogue fr. specerei, gewürz, farbwaare; vom 
ndl. droog trocken, also eigentl. trockne waare (Frisch). Adj. pr. droguit 
bräunlich, schwärzlich. 

Drudo it. altpg., pr. altfr. drut, fem. drnda, drue freund, freundin, 
geliebter, geliebte; ab gel. altfr. drugun TCant. 20, 8, besser druiun Fan- 
tosme v. 716 vertrauter. Drudo steht an der gräme zwischen celtisch und 
germanisch: gael. drüth dirne, meretrix, ahd. trüt, drfit, auch drfld Otfr. 
1, 4, 5, in comp. Drudbald, Wieldrud, (aus triuwi treu hergeleitet) lieb- 
l**9t freund, gefahrte, diener, fem. triutin geliebte. Offenbar schließt sich 
das rom. wort mit seiner bedeutung dem deutschen auf das genaueste an, 
fem von jedem Vorwurf bezieht es sich eben sowohl auf vertraute freund- 
schaft wie auf liebe: der drut ist der getreue, der anhanger, das wort 
sucht darum die gesellschaft von ami: mes drus et mes amis; ses amis 
et »es drus; vos amis et vos drus; in einem capitülar Karls des kahlen 
gesdU es sich ztt vassall: sine solatio et comitatu drudorum atque vas- 
sorum. Das Otfriedische gotes drüt würde sich daher ganz wohl durch 
drut dieu übersetzen lassen. Neben dem Substantiv ist noch ein adjectiv 
zu erwägen, it. drudo verliebt, artig, dsgl. wacker, fr. dru munter, üppig: 
ces moineaux sont drus sind munter, wollen ausfliegen, Therbe drue das 
üppige, dichte gras, la pluie tombe dru der regen fällt dicht, altfr. teus 
puet estre riches et drus mancher kann reich und üppig sein, daher vb. 
endruir dicht machen NFC. II, 116, genues. druo dicht, dick, drueza 
(s. das alte denfonal dieser mundart Archiv, stör. itäl. app. num. 



124 I. DUCA-DUNQUE. 

18, p. 21, 58), piem. neupr. dru üppig, fruchtbar (vom boäen). Wenn 
nun auch die ideenfolge 'vertraut, verliebt, üppig an sich nichts auffei- 
lendes hat, so wird man doch hier auf celt. adjeetiva, wie gad. drdth 
muthwülig, kymr. drud kräftig, kühn, oder mit Gachet auf das altn. 
driugr, schwed. dryg derb, voll, deren bedeutungen das üppige näher sieht 
als denen des hochd. Wortes, hingeführt. S. vor edlem Dief. Goth. wb. 
U, 679. 

Duca iL, wal. duc$, sp. pg. dnque, pr. duc, fr. duc führer, hersog; 
it. ducato, sp. pg. ducado, pr. ducat, fr. duchä (bei den alten fem., 
daher it. dueäa) hereogthum, im spätem latein schon ducatus für duetus. 
Nicht unmittelbar aus dux konnte sich ein itäl. masc. wie duca gestalten, 
dessen richtige form doce (mlat. dox docis L. Long, ven. doge) gewesen 
sein würde; es gieng euvor durch den mund der Byzantiner, welche mit 
doi%, acc. dovxa, oder mit dov%ag lange vor der litterärischen seit der 
itäl. Sprache den kriegsobersten einer provinz oder Stadt benannten. S. 
Ducange Gloss. graec. — Von duca ist auch it. ducato, ducatone, 
sp. ducado, ducaton, fr. ducat, ducaton eine silber- oder goldmünze, zu- 
erst in Italien, wie es scheint, unter Boger II., könig von Sicüien, in be- 
ziehung auf das hereogthum Aptdien (ducato d'Apuglia) seit 1140 ge- 
prägt, s. Ducange Gloss. lat. s. v. 

Duello it., sp. duelo, fr. duel Zweikampf; von einer veralteten, 
wenn auch im Augustischen Zeitalter noch angewandten form dueilum für 
bellum. Das wort ist kein altromanisches : man nahm es erst % später auf 
den grund einer misverstandenen etymologie aus dem latein auf; dem 
mittelalter genügte battalia auch für diesen begriff, daher in einer stelle 
aus dem anfange des 13. jh.: permitto battalias omnes, quas grammatici 
duella vocant DG. Sonst romanisch auch battaglia singulare wie ahd. 
einwte einzelkampf. 

Du na it. sp., vom fr. dune sandhügel am meere; dies zunächst vom 
gleichbed. ndl. duin (n.) = ags. dün (f.), engl, down, deren Ursprung 
aber im celtischen zu liegen scheint ; altir. dün, kymr. din hügel, urspr. 
befestigter ort, daher die städtenamen mit dunum (Augustodunum, Lug- 
dunum u. s. f.) s. Zeufi I, 29. 30. 64. 118, oder befestigte anhohe s. 
Richards, Welsh dict. v. din. Weiteres über dies wort bei Du Meril, 
Formalion d. I. I. frang. 35, Mahn, Etym. untersuch, p. 30, Diefenbach, 
Orig. europ. 325 ff. 

Dunque, adunque it., alt donqua, adonqua und dunche, adunche, 
cdtsp. doncas, fr. donc, conclusivpartikel. Altfr. dune (so schon im Fragm. 
v. Valenciennes), donc, donques, adunc, pr. dune, adonc, sind zeitpartikeln 
und entsprechen dem lat. tum und unserm dann: erst hieraus entfaltete 
sich die conclusive bedeutung, wie dies auch sonst wahrzunehmen ist, z. b. 
'igitur* apud antiquos ponebatur pro inde et postea et tum, sagt Festus; 
ahd. danne gilt für tum und ergo; ähnlichen Übergang von der zeit zur 
folgerung zeigt sp. pues und luego. Was nun den Ursprung des Wortes 
betrifft, so sträubt sich gegen de unquam der begriff; es muß vielmehr 



I. DURAKE-ECCO. 125 

wm tunc mit vorgesetztem a oder ad herrühren, so daß das dadurch zum in- 
laut gewordene t in d, atunc in adunc übergehen konnte; dies wäre also 
die ursprüngliche, dune ist eine abgekürzte form. A tunc und ad tunc 
trifft man in Urkunden nicht selten, z. b. HLang. I, 25 (v. j. 782), 99 
(v. j. 852). Muratori erklärt sich für ad hunc sc. modum, finem, aber 
die seitliche bedeutung scheint dies nicht zu gestatten. — Itcd. dunque ist 
also aus dunche entstellt, die reinere form lebt in den mundarten fort, 
e. b. com. donch, ven. donca, neap. addonca. 

Du rare it., sp. durar, fr. durer währen, mhd. düren, tfiren, nhd. 
dauern, engl. dure. Das etymon ist bekannt, hat ober die bed. härten 
eingebüßt, wofür indurare bestimmt ward. Dagegen drückt es neben der 
ausdehnung in der zeit nun auch die im räume aus, namentlich im prov. 
und ättfranz., z. b. un bosc que dura ben xx. legas ein wald, der sich 
20 meilen weit erstreckt Jfr. 164 a ; Babiloine dure xx. liuesFJ. Bl.1787. 
Tant que la laoce dure, so weit sie reicht, liest man häufig. 

E. 

Ea sp. (auch bask.), pg. eia, dsgl. pr. eia (eya) Flam. 2311, cdtfr. 
aye (aia tutti 'wda olle Gl. Cass.), sicil. jeja, interjeetion der aufforde- 
rung oder Verwunderung; stimmt überein mit lat. eja, gr. eia, mhd. eiä, 
letzteres nach Grimms vermuthung III, 301. 778 aus dem lateinischen 
eingeführt, was von den romanischen Wörtern noch zuversichtlicher aus- 
gesprochen werden darf. 

Ebbio it., sp. yedgo, yezgo, pg. engo, pr. evol, fr. hifcble (h asp.) f 
in Berry gdble, venez. gövalo attich; von ebulum. In yedgo läßt sich 
d zwar aus 1 erklären (vgl. sendos von singulos), im übrigen aber bleibt 
die entstetlung des Wortes stark; man hat darum selbst an eine Verwechse- 
lung mit a&culus gedacht, Mein beide . gewächse sind grundverschieden. 

Ebbridco, imbriaco, ubbriaco, briaco iL, altsp. embriägo, pr. 
ebriac, wald. ubriart, fr. (in Berry) ebriat, imbriat betrunken; vom lat. 
vermuthiieh nur volksmäßigen ebriäcus bei Plautus nach Nonius, gebildet 
wie meräcus aus merus, wiewohl die lexica ebriäcus, als sei es griechisch, 
setzen. Daher rührt der pflanz enname pr. abriaga, fr. ivraie trespe, 
taubkraut, rauschkorn, ein Unkraut mit berauschender kraft. 

Ecco it., wal. eace, pr. ec, altfr. eke, adverbium, von eceum, häu- 
fig mit einem Personalpronomen verknüpft: it. eecomi, eccoti, eecolo, ec- 
cola, eecoei u. s. f., wal. eaceme, pr. eevos, altfr. ekevos; aber sieher 
auch sp. ele, elo, eia (für ec-le, ec-lo, ec-la), &ele (= it. eecotelo), nicht 
etwa für hele oder feie aus vele (s. he II. b), da der abfall des an- 
lautenden h für f = v minder leicht vor sich geht, niemals z. b. emencia 
für hemencia, femencia = vehementia gesagt wird. Eine cumulation 
ist pr. vec aus ve {imper. von vezer, lat. vide) und ec, daher veevos, 
zsgz. veus; so auch in itcd. mundarten vecco, veccolo, dessen v Salviati, 
Awertim. (Mü. 1810) II, 132, für reinen zusale hält. Aus ecce ist 



126 L EDERA-ERA. 

altfr. eis, es, ez mit angefügtem vos, wozu man einen plurcd mit 
verbalflexion es-tes-vos schuf, nicht unähnlich dem it. egli-no; auch pg. 
eis scheint aus ecce. Diese lat. partikel wirkt in vielen cotnpositis form- 
und begriffsverstärkend, vgl. unten qua, quello, questo, qui. 

Edera, ällera it., sp. hiedra, pg. hera, pr. edra, fr. lierre (aus 
altfr. pic. hierre, yerre mit agglutiniertem artikd, den auch neap. lellera, 
gen. lellua neigt) epheu; von hedera. 

Egli it., sp. 61, pg. eile, pr. el, elh, fr. il, wal. el, pronomen. 
Die- formen erklären sich theils aus ille, theüs aus illic für ille (^ei 
Terenz). Dsgl. it. pr. fr. wal. lui (im prov. Boeth. lui accentuiert), muth- 
maßlich aus ill-uic, s. Rom. gramm. II, 82; fem. it. pr. wal. lei 7 altfr. (bürg.) 
lei und eben sowohl Ii6, von illae für Uli; jrfur. tfc loro, pr. wal. lor, /r. 
leur, von illorum {sard. insora v. ipsoram). In den seltsamen ital. plurcd- 
formen egli-no, elle-no ist no ein offenbares verbalsufßx: egli-no canta-no. 

Elce it., sard. 61ighe, pr. euze, fr. yeuse steineiehe, von ilex; it. 
leccio, vom adj. ilicens. Gleicher bedeutung ist das abgd. it. elcina, 
sp. encina, pg. enzinha, azinho, gewöhnlich azinheira, pr. olzina GO., vgl. 
das adj. illicinas Yep. IV. num. 13 (aer. 952). Ital. lecceto stein- 
eichenwaldj von ilicetum. 

Elissire it., sp. elixir, fr. älixir eine auflösung verschiedener arznei- 
Stoffe in Weingeist; vom ardb. el-iksfr stein der weisen, dieses aber, nach 
Dozy, kein achtes arabisches, sondern ein dem griechischen entlehntes und 
abgeändertes wort. Aus lat. elixus, welches andre aufstellen, würde sieh 
die endung ir nicht erMären. 

Elmo it. pg. altsp., nsp. yelmo, pr. elm, fr. heanme (h asp.); vom 
ahd. heim, altn. hiälmr, goth. hilms. Eine altpg. bedeutung ist decke 
(etwas schüttendes): unum elmum laboratum pro saper ipsum altare urk. 
v. j. 1087 SRos. Abgd. sp. pg. almete für elmete vielleicht nach dem 
altfr. healmet; aus almete aber scheint sich tpiederum das fr. armet 
Pickelhaube zu erklären. 

Endivia it. sp. pg. pr., endive fr. ein kraut, endivie; vom lat. 
intybus (intibus, intubus Schneider 1, 47), genauer von dem unvorhan- 
denen adj. intybeus, intybea. 

Enola, ella, lella it., sp. pg. £nula und ala, fr. aunöe eine pflanze, 
alant; von inula, gr. itevtov. Alter und volksüblichkeit der zweiten 
span. form ergibt sich aus Isidors stelle: inula, quam alam rustici vocant 
Letzteres scheint, wie Weigand bemerkt, noch in unserm aalbeere für 
alantbeere durchzublicken. 

Era it. sp., ere fr. Zeitrechnung d. h. die folge der von einem festen 
zeitpuncte an gezählten jähre. Dem Römer waren aera, plur. von aes, 
rechenpfennige, dsgl. die posten in einer rechnung. Erst die späteste la- 
tinität machte hieraus einen sing, aera, gen. aerae (roman. beispide 
dieser art s. Gramm. II, 23) und brauchte das neue wort theils in dem 
bemerkten sinne, theils für eine gegebene zahl, wonach eine rechnung an- 
gestellt werden soll, theils endlich für die epoche, von der man in der 



I. ERMO— ESCIRE. 127 

Zeitrechnung ausgeht, letztere bedeuiung bei Isidorus, s. Freund s. v. Im 
span. bedeutete das wart, so lange die aera hispanica dauerte d. h. bis 1383, 
schlechtweg so viel als ano = annus; es aber darum aus dem gothischen 
zu schöpfen, worin jSr, pl. jSra, dieselbe bedeutung hat, ist verlorene mühe. 

Ermo iL, sp. yermo, pr. cdtfr. ernie, henne, wal. ermu, basJc. eremu 
einsam, als sbst. einöde; vom gr. eQiyiuog, sbst. fj i'Qrj^os, lat. eremus, bei 
Frudentius eremus (fervebat via sicca erfemi serpentibas atris), mlat. 
ermus, heraus, so daß die rotnan. spräche hier dem griech. accent folgte. 
Abgel. neupr. hermas heide. 

Ervo und lero (aus Tervo) it., sp. yervo, yero, pr. fr. ers eine 
Hülsenfrucht; von ervum, die form ers vielleicht durch einwirkung des 
dtschen erbse, ahd. arwiz. Aus dem abgeleiteten lat. ervilia (wiche) ent- 
stand sp. arveja, alverja, com. erbeja, it. rubiglia, letzteres mit umge- 
stelltem r (ebenso rigoglio neben orgoglio), dsgl. mail. erbion für erviglione. 

E sca it. pr., altfr. eche G. Guiart I, 156, sp. yesca, wal. easc^ 
sunder; vom lat. esca lockspeise (des feuers). Schon Isidorus kennt die 
neuere bedeutung: esca vulgo dicitur (fungas), quod sit fomes ignis. 
Das einfache vb. escar in der bed. ködern besitzet nur die prov. mund- 
art, pr. iscar hei fit die angel mit köder versehen, sard. escai ätzen, füttern; 
zsgs. it. adescare, sp. enescar. Von esca ist auch sp. es quer o großer 
lederner beutet für feuerzeug u. dgl. 

Escamel sp. pg. ein bankartiges geräthe der schwertfeger, pr. es- 
caimel, altfr. eschamel ein bänkchen, schemel; nicht von scabellum (it. 
sgabello, fr. escabeau, cot. escambell u. s. w.) 9 wie Grandgagnage I, 269 
richtig bemerkt, sondern von der form scamellum (al. scamillum, scam- 
nellum) bei Priscian aus Aptdejus. 

Escanciar sp., escancar pg., eschancer altfr. einschenken (chw. 
schanghiar schenken, dono dare); sbst. /r. echanson, sp. escanciano, 
pg. escangäo der schenke; vom ahd. scencan, sbst. scenco, ursprünglicher 
scanejan, scancjo, woher zunächst das mlat. scancio, scantio L. Sal. 11, 1 
(cod. fuld.). Vom nhd. schenken aber leitet man fr. chinquer zechen, 
wofür mundartlich aber auch chiquer vorkommt, s. Biet. Genev. v. chique. 
Die üal. spräche hat scanefa, scansfa gesteil mit fächern für gläser 
oder bücher = mlat. scancia schenke, bair. schanz. 

fescara it., sp. pg. escara, fr. escarre schorf, grind; vom lat. 
eschära (£o%aQa). 

Escire it., gewöhnt, uscire, wal. esi, altsp. exir, pr. altfr. eissir, 
issir, ussir ausgehn; von exire. Zsgs. it. ri uscire, fr. röussir wohl aus- 
gehen, gelingen, altfr. rissir wieder ausgehn. Was die formen uscire und 
issir betrifft, so darf einmischung des sbst. uscio, altfr. us thüre ver- 
muthet werden; Castdvetro II, 261 leitet das verbum gradezu daher ab. 
Man lebt im hause, nicht im freien : thüre wird darum zuerst als ausgang, 
nicht als eingang, gefaßt, lat. foras ire, gr. xtvQaCe eQxeo&au, drücken die 
Bewegung von innen nach der thüre und durch dieselbe aus; bask. athea 
ist = it. uscio, atheratu = uscire. 



128 I. ESCLUSA-ESSEKE. 

Esciusa sp., äcluse fr. schleuse, mUst. exclusa, sclnsa L. Sei., Greg. 
Tur., Venant. Fort.; von excludere, nicht vom ahd. sliozan schließen, 
das eher fr. öcluce, äclusse erzeugt haben würde, darum auch ndl. slnys, 
nicht gluyt. 

Escupir sp. pg., pr. dltfr. escopir, escupir, und. scuipa speien, 
alb. scüpira auswurf. Umstellung aus exspnere (ecspuere) wäre nicht 
gegen den geist wenigstens der span. spräche, aber dem weit verbreiteten 
warte (vgl. Dief. Goth. wb. II, 296) scheint eine eigne würzet zuzukommen. 

Esmar j?r., dltfr. esmer, oitsp. altpg, asmar, osmar Trav. schätzen; 
sbst. pr. dltfr. esme, cot. esma, acc. Ime, lothr. aume Schätzung; von 
aestimare. Zsgs. pr. azesmar d. i. adaestimare (oft asesmar geschr.) 
berechnen, bereiten (Übergang vom gedanken zur that, wie etwa im mhd. 
reiten computare, parare): a son colp azesmat er hat seinen streich wohl 
berechnet, hat wohl gezielt Fer. 1636; mit Wandlung des s in r azermar, 
endlich auch sermar. Von azesmar ist das dltfr. acesmer ordnen z. b. 
la bataille, altgenues. acesmar Arch. stör. Ual. num. 18, p. 34. 39, gewiß 
auch Dante' s accismare zurichten Inf. 28, 37, das man sonst aus cisma 
(oxiotia) erklärt; aber auch azzimare, sp. azemar, welches mit gr. aCpilog 
nichts gemein haben kann. Esmar, pic. amer, findet sich wieder im engl. 
aim beabsichtigen, zielen, mhd. amen, aemen mit letzterer bedeutung. 

ßssere it., pr. chw. 6sser, fr. fetre, sp, pg. ser vb. sein. Daß man 
lat. esse, um ihm die gestalt eines rom. infinitivs zu leihen, in essere 
erweiterte (sard. neben essiri noch essi), liegt auf der hand, und diese 
büdung kommt in alten Urkunden mehrmals vor, z. b. impf. coty. esseret 
Fumag. p. 18 (vor dem j. 750), vgl. Ducange. Franz. mußte sich das 
wort in die form estre, fetre kleiden wie tessere (texere) in die form 
tistre, tttre, und auch jene form läßt sich früh nachweisen. Span, ser 
aber, das in der alten spräche seer geschrieben und zweisilbig gesprochen 
ward, kann nur von sedere lierrühren, wie Born, gramm. II, 174 aus- 
geführt ist. Dies verbum hatte schon im latein die bed. sich wo befinden, 
bleiben oder wohnen entwickelt, und so brauchte es das mittelatter sehr 
häufig: wenn es der Römer z. b. hin und wieder einmal auf die läge 
einer stadt anwendet (Campo Nola sedet), so ist es später der übliche 
ausdruck bei städten oder bergen, z. b. mons in valle sedet Venant. Fort. 
3, 10; dltfr. ü Borne seit wo Rom liege Brt. I, p. 3, ebenso sied bei 
Froissart; it. siede la terra sulla marina Inf. o, 97 ; rivo o fönte siede 
ombrosa valle Petr. canz. 17, 1. Gerne verband es sich zumal, als ein 
intensiveres hülfsverb, mit participien: ut orbata filiis sedeas Greg. Tur. 
5, 40; de hac causa ductus sedeat Form. Marc. 1, 38; besonders häufig 
in Spanien: non sedeat dimissum sei nicht entlassen Esp. sagr. XXXVI, 
p. XXVIII (v.j. 1020); quod sedeamus perjuratos XL, 411 (v.j.1032); 
sedeat excusato SRos. I, 54 (v. j. 1189). So denn auch aitsp. seo bien 
pagado Bc. Mil. 816; en la su merced seo Bc. SDom. 757. Endlich 
mischte sich sedere entschieden mit esse, es lieh ihm den imperativ (s6, 
sonst sey), das gerundium, das particip. prät. (sido, sonst seYdo), den 



I. ESSO-ESTRIBO. 129 

» 

infinüiv, vielleicht auch das präs. conj. (sea, sonst seya), zuweilen auch 
das mperfect (altpg. sia für era, SBos. v. syha). Man halte dazu goth. 
visan tooAn^n, bleiben, sein, Grimm IV, 821. 

Esso it., alt isso, sp. ese, pg. esse, .pr. eis, älter eps JBtfA., Pass. 
(fe J. Chr., wal. insu, pronomen, von ipse, a&sp. essi von ips' hie. -4fe 
JMitfrum oder adverbium verbindet sich esso 0/2 mft Partikeln, wie im it. 
lunghesso, sovresso, im pr. aneeis (?), demanes, vgl. lat. nunc ipsum, 
isthuc ipsum Terent. Andr. 1, 2, 13, sp. ahora mismo; mit dem dtschen 
da-selbst stimmt das pr. aqui eis (im Jaufre oft) wörtlich Hierein. Eine 
zss. für lat. nunc (auch perpetuo) ist it. ade s so, altsp. adiesso, pr. 
atifr. ades von ad ipsum; gleichbed. altit. issa (churw. ussa) von ipsa 
sc. hora = altsp. esora. Ein andres adverb. kennt nur der nordwesten: 
pr. epsamen, eissamen, altfr. esement Ben. III, 400, essement Carp., 
essiment Greg. 441. 443, s. v. a. lat. eodem modo, pariter, wofür altfr. 
ensement {mit eingeschobenem n) weit üblicher, pr. ensament ziemlich 
selten ist, da es wohl nur im Jaufre vorkommt. Vgl. auch des. 

Esto altit., sp. pg. este, pr. est, altfr. ist (in den Eiden) \ wal. ist, 
aist, pronomen, von iste. Zsgs. it. questo, eotesto s. II. a. 

Estribo sp. pg., cot. estreb, pr. estrep Jfr., estreup (estruep Chx. 
III, 143), estriub, estrieu, estriop GO., altfr. estreu Ben., estrief PMousk. 
Steigbügel; abgd. sp. estribera, pg. estribeira, pr. mit u für i estru- 
bieira, fr. ötriviere und masc. 6trier (zsgz. aus ätrivier?). Das itdl. ge- 
biet setzt staffa an die stelle dieses wortes. Estribo und estriub, für die 
doch schwerlich zwei verschiedene quellen anzunehmen sind, decken sich 
nicht vollkommen, da pr. u dem sp. b hinlänglich antwortet (vgl. sp. es- 
cribo, pr. escriu, escrieu), b oder p also nochmals beigefügt sein müßte: 
in der form estrubieira ist einfluß des diphthonges (in) anzunehmen und 
es scheint nicht nöthig, strüpus {für struppus) zu hülfe zu rufen. Die 
frans. Wörter zeigen dagegen nichts anomales. Entschieden abzulehnen ist 
Salmasius' herleitung (von ätrivi&re) aus gr. doTgaßr] hölzerner sottet, in 
den Isid. glossen Habella, in qua pedes requieseunf, also fußbänkchen, in- 
dem weder die bedeutung noch der tonvocäl passen, s. Caseneuve v. ätrieu. 
Frisch II, 348 führt das rom'. wort auf das nds. striepe lederschlinge 
zurück. Wackernagel verweist dagegen auf mhd. stege-rei^ mndd. sti-reip, 
für die bedeutung genügend und auch der form nicht widersprechend, wenn 
man es in streep zusammenzieht; das engl, stirrup könnte uns sogar das 
pr. estreup erklären, wenn jene form hoch genug hinauf gienge (ags. 
stfgrap, stlrap). Zu dem Substantiv gesellt sich noch ein verbum: sp. pg. 
pr. estribar, cot. estrebar stützen, sich stützen (der bügel ist des reitet s 
stütze), port. auch den fuß in den bügel setzen, altfr. des-estriver aus 
dem bügel bringen (del destre pi6 l'a tout desestrivä RCam. p. 159) ; 
eine prov. nebenform estrubar knüpft dieses verbum fester mit dem Sub- 
stantiv zusammen. Dazu kommt ein altsp. compositum eostribo stütze, 
costribar sich anstrengen. Merkwürdig ist, daß dieses costribar auch die 
bed. von constipare, so wie sp. estribar die von stipare hat d. h. stopfen, 

9 



130 I. ESTKO— FACCIA. 

anfüllen : sollten sie mit eingeschobenem r daraus entstanden sein ? AUein 
ihr Zusammenhang mit estribo ist evident; stipare kann sich eingemengt 
haben. Entschieden erinnert estribar an unser streben, estribo heißt auch 
Strebepfeiler, aber die bed. bügel ist unserm strebe fremd. WoJd aber passt 
streben zu alt fr. estriver kämpfen, (mhd. z. b. mit dem tievel streben), 
sbst. estrif kämpf (woraus bret. strif, engl, strife), auch pr. estri-s. Frei- 
lich estrit im Leodegar str. 10 trifft genau mit ahd. strft Busammen, und 
selbst estriver konnte aus strttan entstehen. — Wir haben hier wieder ein 
beispiel von der Unsicherheit etymologischer kunst auf einem gebiete, wo 
sich sinn- und lautverwandte Wörter berechtigter sprachen von edlen Seiten 
zudrängen, ohne daß es sich entscheiden läßt, ob eins oder mehrere der- 
selben an einem roman. produete theil haben mögen. — Nicht verschieden 
von dem behandelten werte scheint sp. estribo, estribillo schlußreim, refrän, 
eigentl. worauf man sich stützt wie auf den Stegreif, worauf man stets 
zurückkommt. Daher vermuthlich in hinsieht auf die poetische form, altsp. 
estribote (escarnios & laydos estribotes Bc. SDom. 648), altfr. estri- 
bot, estrabot (vers ne firent e estraboz ü out assez de vilains moz 
s. Ben. I, p. 288), pr. estribot PO. p. 324 spottlied. Vgl. strambo. 
Estro it. sp. begeisterung ; von oestrus (oiotqoq) gleichbedeutend. 

F. 

Faccenda it., pg. pr. fazenda, sp. hacienda, oitfr. faciende ge- 
schaß ; plur. des partieips faciendum. Span. port. bedeutet es zumal Ver- 
waltung der guter so wie die verwalteten guter selbst, Oberhaupt habe, 
vermögen, daher it. azienda. Geschäfte und landgut heißt auch das pr. 
afar, s. oben affare. 

Facchino it., sp. faquin, fr. faquin sackträger. In dieser bedeu- 
tung führt Nicot das franz. wort an, aber als ein aus Itcdien gekommenes. 
Jetzt heißt es wicht, scheint, stroh- oder hclzfigur, wonach man rannte, 
mdartl. (norm. pic. betr. u. s. w.) geputzter mann, stutzet. Läßt sich sein 
früheres vorkommen im franz. erweisen, so ist vermuthlieh ein älteres ndl. 
vant-kin (veyntken KU.) = neundl. ventje junger bursche (kerlchen) 
darin enthalten und das wort hat sich in derber bedeutung (kerl) aus 
Frankreich weiter verbreitet. Die herleitung aus fascis kann natürlich 
nicht genügen; eher wäre arab. faqir arm, dürftig Freyt. III, 363* her- 
anzuziehen. Sicil. facchinu heißt schenkwirth. — [Schder unterstützt die 
obige vermuthung noch durch hinweisung aa/"maimequin: auch dieses gieng 
von der bed. männchen aus und gelangte zur bed. hölzerne puppe.] 

Faccia it., wal. fatze, pr. fassa, fr. face, dsgl. pr. fatz, sp. haz 
(facha aus dem ited.), pg. face gesicht; von facies, doch führen die vier 
ersten formen auf ein altrom. fecia, das sich bereits in den Gasseier glossen 
vorfindet: facias 'wangun. Dieselbe form bekennt auch das span. eis 
Präposition für lat. versus gebrauchte häcia (fäcia): andaba hacia (&) 
la puente heißt eigentl. "er gieng das gesicht nach der brücke gewandt 9 , 



I. FAGGIO-FALAVESCA. 131 

vgl Mayans y Sisear I, 70. Zsgs. pr. es-fassar, /r. effacer auslöschen, 
fügen, eigenÜ. das ansehn entstellen, unkenntlich machen. 

Faggio it., fetj cot., fem. sp. haya, pg.pr. faia buche, altfr. fage 
(f.) buchenwald; vom adj. fageus, fagea, eine für verschiedene namen der 
bäume gewählte form. Aber auch das sbst. fagns verlor sich nicht: toal. 
fag, sie. fegu, fau, pr. chw. henneg. fau, altfr. fo, feu LR., lomb. gen. fo ; 
schon in den Erfurter glossen 322, 34 ganz romanisch fau c arbor i. e. 
boc (buche). Eine abl. ist fr. fouteau buche, früher wahrscheinlich fou- 
eao, wie noch pic. fo-iau s. H&cart, nachher t eingeschoben; fr. fatne 
buchecker, altfr. lothr. fitfne, vom adj. faginea, zsgz. fdgina, wie schon in 
den Schlettst. glossen VI, 214 aeeentuiert wird; dafür it. faggiuola, sp. 
Muco (statt fagueo) mit demselben suffix wie in almendrueo mandel, cot. 
fatja d. i. fagea. 

Fag otto, fangotto it., pr.fr. fagot, sp. fogote reisbündel, reiswelle, 
daher engl, faggot, kymr. ffagod (f.). Auch ein blasinstrument wird so 
genannt, wahrscheinlich, weil es sich in mehrere theüe zerlegen und wie 
ein reisbündel Jmsammenpacken läßt. Fax facis bedeutet ursprüngl. ein 
bündd Späne, gr. qxxxelog, hieraus fagotto mit anschtießung an die nomi- 
nativform fac-s {nicht an fac-em, it. face) und erweichung der kehltenuis 
in die media wie im it. sorgo aus sorec-8, sp. perdigon aus perdic-s, 
pr. lugor aus luc-s; wegen der ähnlichkeit mit einem bündel späne konnte 
der name einer reiswelle aus fax gebildet werden, um so mehr als sie 
gleichfalls zum brennen bestimmt war. Das sp. fogote ist wohl aus dem 
frone, entlehnt und dankt seine abweichende form einer umdeutung mit 
fuego, dem Portugiesen und Catalanen fehlt das wort ganz. Fax scheint 
sich erhalten zu haben im wal. hac reisbündel (so ja auch nuc von nux), 
das nickt von fagus, wal. fag, herrühren kann. Von fagus leiten andre 
auch fagotto, aber wäre daraus nicht fr. fayot geworden? wenigstens haben 
wir eben gesehen, daß fagus seine kehlmedia nirgends festhält 

Fafna it., ebenso mit radicalem a cot. fagina, neupr. faguino, fa- 
hino, altfr. fayne, mit radicalem ou neufr. fouine, daher wohl sp. fuina, 
pg. fuinha, vgl. ven. fuina, foina, lomb. piem. foin marder. Nach Adelung 
vom dtschen fehe ausländischer marder, ags. fag, fah bunt, gemalt, glän- 
zend, goth. f&ih (letzteres von Grimm P. 94 gefolgert). Im franz. müßte 
der stammvocal ausgeartet sein, fast wie in poele aus patella. Dagegen 
deutet Diefenbach das wort mit berufung auf die catal. form und auf 
unser 'buchmarder aus fagus. Dieser deutung beistimmend darf man sich 
m betreff des fr. fou-ine auf das altfr. fo (s. oben faggio) berufen. Seit- 
sam ist das churw. fierna, fiergna. Von dem subst. kommt ein verbum 
genf. fouiner, henneg. founier, lomb. fognä, ausspüren, durchsuchen, wie 
fr. fureter durchstöbern von füret frettchen, it. braccare nachspüren von 
braeco Spürhund. Das wallon. vb. fougnl hält Grandgagnage lieber für 
das /r. fouiller: fouine lautet hier faweine. 

Falavesca it. (s. Menage) flugasche, pg. fafsca, altsp. fufsca funke; 
vb. pg. faiscar sprühen. Falavesca ist versetzt aus favalesca für favil- 



132 I. FALBALA- FALDA. 

lesca von favilla glühende asche, mundartl. z. b. veron. parm. cretnon. 
faliva; faisca entstand vermöge der bekannten abneigung des Portugiesen 
vor 1; faisca steht wohl für foisca, dies für fovisca felvisca (vgl. topo, 
lat. talpa). Das ahd. falawisca ist, wie Diefenbach bemerkt, romanischer 
herkunft. Dasselbe suffix zeigt auch das synonyme fr. flammöche von 
flamma. 

Falbalä it. sp. pg. fr., span. auch farfalä, cremon. parm. frambalä, 

pietn. farabalä, henneg. febala gefältelter besäte an weiberröcken, falbel. 

Unbekannter herkunft Es ist kaum der erwähnung werth, daß es Genin, 

Recreat. philol. I, 11, aus einer Verlängerung des sinnverwandten sp. 

felda erklärt. 

Falbo it., sp. fehlt, pr. falb, fr. fauve helvus, güvus. Nicht wohl 
von flavns, denn 1 pflegt die anlautende muta nicht zu verlassen; sicherer 
vom ahd. falo, flectiert falwer, dessen w im ital. eben sowohl wie im nhd. 
falb zu b werden konnte. Falbus Gl. Paris, ed. Hild., falwug GL Lin- 
denbr., falvus ^fvlvus, dvus color Papias. 

Falcare, diffalcare it., sp. pg. desfelcar, fr. däfelqner einen ab- 
zug machen von einer summe. Die übliche herleitung ist von feix, so daß 
es hieße absicheln, was zu seiner bedeutung übel passt. Es ist vielmehr 
ganz deutsch: ahd. falgan berauben, abziehen, nach härterer ausspräche 
felcan. Wäre das deutsche wort aus dem romanischen, so lautete es fei- 
chan, felachan. 

Falcone it., sp. halcon, pg. falcäo, pr. felco, fr. fencon, spätgr. 
qxxkmov (Suidas), nebst den nominativformen it. falco, pr. falcx, aitfr. 
faucs ein raubvogd, ahd. falcho; vom lat. felco, erst bei Servius ad Arn. 
10, 146, gebildet von feix, also eigentl. sichelträger wegen der stark ge- 
krümmten krallen des vogels, vgl. felcnla kleine stehet, kralle. Nach 
Festus nannte man falcones auch menschen mit eingekrümmter großer 
zehe, quorum digiti pollices in pedibus intro sunt curvati. Über das 
Verhältnis des gael. feolchon und kymr. gwalch zum neulat. warte s. 
Diefenbach, Orig. europ. p. 340. — Dem Mittelalter, welches die beize 
liebte, lag es nahe, einer Schußwaffe oder einem wurfgeschütz den namen 
eines stoßvogels beizulegen, welcher name denn auch auf die feuerwaffm 
der neueren zeit übergieng, und so heißt falcone, felcon, fencon (woher 
unser falkanne) ein schweres geschütz, falconetto, falconete, fouconneau 
ein leichteres, fddschlange. Vgl. unten moschetto, sagro, terznolo. 

Falda it., sp. falda, halda, pg. fralda, pr. feuda, oXtfr. feude der 
untere faltige theil eines kleidungsstücks, schooß, säum; vom ahd. feit, ags. 
feald plica, welcher bedeutung sich das chw. falda genauer anschließ. 
Das it. sp. pg. wort bedeutet amh die biegung oder den abhang eines 
berges bis zu seinem fuße d. h. den untern wie bei einem rock sich aus- 
breitenden theil desselben: es ist also nicht nothwendig, ihm in diesem 
sinne das ahd. halda, nhd. halde unterzulegen, auch kommt f aus h vor 
vocdlen im span. wenig, in der ital. Schriftsprache gar nicht vor, Vb. altfr. 
fand er plier Bog., von fei tan. 



I. FALDISTORIO-FANGO. 133 

Faldistorio it. sp. pg., altfr. faudestaeil, nfr. fauteuil lehnsessel; 
vom ahd. faltstuol, weil er zusammengefallen werden konnte wie die römische 
sella curulis. Für faldistorio findet sich aitsp. auch facistor, facistol, 
das jetzt hirchenpult bedeutet, vermutUich von falz-stuol. Dahin auch it. 
palchistuolo Wetterdach (von palco). 

Fallire it., altsp. altpg. fallir falir (jetzt fallecer falecer), pr. fr. 
faillir fehlen, verfeMen, täuschen, daher unser fehlen, mhd. vaelen; von 
fidlere. Aus den starken formen des fr. faillir, das ehedem im perf. und 
im part.prät. doppelformig war, gestaltete sich ein zweites, unpersönliches 
verbum mit der bed. nöthig sein, präs. fant, pf fallut, part. fallu, inf. 
falloir, altfr. faldre, faudre NFC. I, 26: il me fant = tat. me fallit 
es entgeht mir, ist mir nöthig. Aus fallire ist das subst. it. fallo, 
falla, aitsp. falla Sanchez gloss., und so pr. falha, altfr. faule, selbst 
Mit. faglia Trucch. I, 52. 86, PPS. I, 48 mangd, fehler; freilich schon 
tot. bei Nonius falla, fala für fallacia, allein gegen diesen Ursprung zeugt 
das erweichte 11 der franz. form y da dies regelrecht nur vor oder nach 
i aus lat. 11 entspringt. Aus dem Substantiv floß das vb. it. fallare täu- 
schen, sp. fallar verläugnen, chw. fallar fehlschlagen. 

Falö it. freudenfeuer, fr. falot laterne; von q>avog leuchte, oder von 
(paQog leuchtthurm, vgl. piem. farö, ven. fand. Adj. it. falotico wunder- 
lich (flackerig?). Von q>avog ist auch it. f anale, sp. fr. fanal schiff s- 
laterne. 

Faltare it., sp. pg. faltar mangeln, fehlen; daher sbst. it. sp. pg. 
falta, fr. fante mangd, fehler, und aus diesem subst. das sp. pg. adj. 
falto mangelhaft; zsgs. it. diffalta, pr. defanta, altfr. defaute, masc. 
neufr. d6faut s. v. a. falta. Das verbum ist ein rom. iterativ von fallere, 
also syncopiert aus fallitare. 

Famiglio it., altsp. altpg. famillo, familio, churw. famaigl diener, 
häseher; moviert aus familia, vgl. sp. manceba aus mancipium, worin 
ein feminin aus einem neutrum moviert ward, Rom. gramm. II, 297. 

Fanfa altsp. pr ahler ei; it. fdnfano, sp. fanfarron, fr. fanfaron 
prahlerisch, fanfare trompetenschall; dsgl. sp. farfante, occ. farfan- 
taire großsprecher; wohl nur naturausdrücke. 

Fanfalnca it. loderasche, figürl. possen, fr. fanfreluche, alt fanfe- 
lue, flüterbram, norm, fanflue blitzen vor den äugen. Die Flor, glossen 
haben: famfaluca graece, bnlla aqnatica latine dicitur. Es ist entstellt 
aus pompholyx, das zugleich Wasserblase und hüttenrauch bedeutet. Eine 
abkürzung scheint maü. fanfhlla, com. fanfola, sie. fanfonj (pl.) possen; 
eine noch stärkere das ältfr. falue Parton. I, 30; eine ableitung fr. fre- 
luquet geck, Stutzer, für fanfreluquet. 

Fango it. sp., pr. altfr. fanc, fem. lomb. fanga, pr. fanha, fr. 
fange, norm, fangue schlämm. Vom goth. fani (n.), gen. fanjis, dessen 
i oder j sich in fanha phonetisch ganz richtig durch h darstellte, sonst 
aber zieh zu g oder c verhärtete, vgl. lat. venio, ü. vengo, pr. venc. 
Die Bretonen haben fank aus dem altfranz., wenn auch Pictet p. 32 es 



X 



134 L FARDO— FASTIDIO. 

nebst dem ir. fochall zu sanskr. panka ordnet. Das adj. fangoso, fen- 
geux, stimmt zwar buchstäblich zu dem von Festus angeführten famicosus 
palustris (von famex nach 0. Müller), muß aber folgerecht auf fango 
zurückgeleitet werden. Vgl. hiereu Grandgagnage II, p. XXIII. 

Fardo sp. pg. schwerer pack, ballen; sp. fardillo, pg. pr. fardel 
bündel, reisesack, fr. fardeau last, bürde; sp. farda, alfarda kerbe in 
einem bälken, dsgl. eine gewisse abgäbe, pg. farda, alfarda soldatenrock; 
sp. farda ge, pg. fardagem, it. fardaggio soldatengepäck. Die nur im 
Südwesten heimischen primitiva lassen arab. Ursprung vermuthen. Hier 
heißt far d (fardon) kerbe des pfeils, gesetzliche Zahlung, löhnung des 
Soldaten, tuch, Meldung Freyt. III, 335", und hierzu passen die bedeu- 
tungen von farda. Weniger die von fardo, aber sein dimm. fardel be- 
deutet doch auch die ausstattung einer braut mit kleidern, nicht bloß 
bündel: sonst dürfte man auch cm arab. c hard impedimentum Gol. 695 
denken. 

Farfalla it. Schmetterling, auch figürlich flotter geist, wal. ferf&le mit 
letzterer bedeutung (aus dem ital.?), bask. nlifarfalla (ulia mucke); pg. 
farfalhas plur. metallschnitzd vom prägen, dsgl. auf Schneiderei; vb. it. 
sfarfallare aufschneiden, wind machen, neupr. esfarfalhä ausstreuen 
(fr. ^par piller). Aus papilio ward it. parpaglione und vielleicht durch 
einfluß des ahd. fifaltra (Schmetterling) farfaglione, farfalla. übrigens 
trifft man farfall auch im schwedischen. Menage' s erklärung aus gr. (paklrj 
(fj neTiüftivt} xpvxfj Hesych.), durch reduplication fafalla farfalla, seiet 
einen Vorgang voraus, den nur franz. mundarten (henneg. beträte von träte) 
kennen. Anzumerken ist noch comask. farf&tola in der bemerkten figür- 
lichen bed. flattergeist, sard. parabatula, barabatula in der eigentlichen. 
Etymologisch zu trennen von farfalla ist churw. fafarinna d. i. lat. fac 
farinam mach' mehl: der Schmetterling wird müller genannt, weil er be- 
stäubt ist; auch bei uns nennen ihn die kinder müller mahler. Damit 
trifft der sardische ausdruck faghe-farina zusammen. 

Farfogliare neap., lomb. farfojä, sp. farfallar, henneg. farfoulier 
stottern; von ähnlicher bedeutung arab. farfara viel und verworren reden 
Freyt. III, 339 h . 

Farsa it. sp.pg. aus dem fr. farce dramatische posse, ursprünglich, 
wie noch im franz., füllsel, daher nach der ansieht der franz. litterär- 
historiker ein gemenge von allerhand gegenständen; vom pari, farsus aus- 
gestopft, woher auch it. farsetto wams d. h. etwas ausgestopftes. Daß 
die begriffe des lat. satira denselben gang genommen, erinnert Wacker- 
nagel. Von farsa ist wohl auch pg. disfarzar, sp. disfrazar (cat. dis- 
fressar!) verkleiden, maskieren, wie in den Schauspielen. 

Fascio it., sp. faxo und als zweite form haz, pg. feixe, fr. faix 
bund, bürde; von fascis. Abgel. it. fastello (für fascettello), fr. feis- 
ceau bündel; it. fascina, sp. faxina, hacina u. s. w. reisbündd; vb. pr. 
affaissar, fr. affaisser niederdrücken. 

Fastidio it., sp. fastio, hastfo, jenes auch pg., cat. fastig, pr. fastig, 



L FATA-FELCE. 135 

fastic, fasti, altfr. fasti Roq. Überdruß, Widerwille, von fastidium; daher 
vb. it. fastidiare, altsp. hastiar, pr. fastigar, fasticar, fr. fascher, 
facher Überdruß machen, ärgern; adj. it. fastidioso, altsp. hastioso, 
cot. pr. fastigos, fr. facheux, lat. fastidiosus. Auffallend ist in einigen 
sprachen der ungesetzliche übertritt des lat. di oder dj in gutturales g 
oder c, der sich kaum anders als aus einer dbleitung fast-icare erMären 
lassen möchte. 

Fata it., sp. fada, hada, pg. pr. fada, fr. fge, dauphin. faye, mhd. 
feie, feine ein dämonisches schicksalbestimmendes wesen; vb. it. fatare, 
sp. hadar, pr. fadar, altfr. föer, feer, mhd. feinen verhängen, bezaubern, 
fest machen (dex l'a faä gott hat ihn fest, unverwundbar gemacht DMce. 
p. 121, 26); vom lat. fata für parca, schon auf einer münze Diocletians, 
vgl. auch fatis für diis manibus auf einer inschrift ohne datum Grut. 
869, 11. Es ist aus fatum moviert gleich dem masc. fatus bei Petronius, 
wiewohl auch die herleitung des rom. wortes aus fatua Wahrsagerin Mar- 
cid». Gap. nicht regelwidrig wäre. Andre deutungen erwähnt Müller, 
Mhd. wb. IU, 289. 

Fattizio it. ff. durch kunst hervorgebracht, lat. facticius; sbst. sp. 
hechizo, pg. feüi§o Zauberei, wie ahd. zoubar von zouwan machen 
(Grimm, Myth. p. 985); daher sp. hechicero, pg. feiticeiro Zauberer, 
it. fattucchiero. Auch factura gieng auf diese bedeutung ein: it. fattura, 
pr. faitura: vb. it. fetturare, pr. faiturar; sbst. pr. fachnrier, dauph. fai- 
turier. Prov. faitilha bezauberung muß gleichfalls aus facere abge- 
leitet sein. 

Favola it., fr. fable, pr. faula mährchen, sp. fabla, habla, pg. falla 
rede, von fabula, it. favella spräche, von fabella, masc. sard. fueddu 
rede, wort; dimin. fr. fabliau, altfr. pr. fablel Meine er Zählung; vb. it. 
favolare, favellare, sp. hablar (woher seit dem 16. jh. fr. habler mit 
asp. h), pg. fallar und so pr. favelar, faular, altfr. fabler erzählen, reden, 
wdl. heblei plaudern, von fabulari, mlat. fabellari Gl.' Paris, ed Hildebr. 
Die Uci. nebenform fola ist = pr. faula; fiaba = altfr. flabe, mit ver- 
setztem 1. 

Fggato it., sp. hfgado, pg. figado, pr. fetge, fr. foie (m.) leber; 
vom mlat. ficatum sc. jecur, eigentlich die mit feigen gemästete gänseleber 
(pinguibus et ficis pastnm jecur anseris albi Horat. sat. 2, 8, 88), dem- 
nächst Über überhaupt, vgl. ngr. oixozi aus ovxcotov rjnaQ. Die ausspräche 
ficatum mag früh aufgekommen sein, da sie gemeinromanisch ist, die 
Cassder glossen bringen bereits figido, worin die zweite sübe, da sie & 
mit i tauschen konnte, unbetont gewesen sein muß. Nur der Sarde spricht 
figiu, der Venezianer figi, der Wcdache fic&t Durch Umstellung entstand 
das lomb. fidegh aus flghed, letzteres dem erwähnten figido ganz nahe 
stehend. 

Felce ü., sp. helecho, fr. fougfere farrenhraut; das erste (nebst 
democc. feouze) von filix, das zweite von filictum, das dritte (für feugere) 
von dem unlat. filicaria. 



136 I. FELLO— FELTRO. 

Fello it., pr. altfr. fei grausam, gotttos; it. fellone großer böse- 
wicht, altsp. felon, fellon Bc. s. v. a. it. fello, fr. fflon auch meineidig, 
rebellisch; it. altsp. fellonia, pr. felnia, feunia ruchlosigkeit, fr. fölonie 
Verletzung der vassaUenpflicht, lehensfrevel, und so auch nsp. felonia. 
Mlat. felo im 9. jh. : non tibi Bit curae, rex, quae tibi refenmt illi fe- 
lones atque ignobiles Gap. Car. C. Man leitet das wort wohl vom lat. 
fei, adjectivisch gebraucht, so daß es gallicht, zornig bedeutete (vgl. pr. 
fin e lial e senes fei treu, redlich und ohne galle M. I, p. 212"), aber 
es verschmäht überall den grammatisch wohlbegründeten im it. fiele, sp. 
hiel, fr. fiel vorliegenden diphthong. Das vorhandene adj. felleus würde 
nur zur prov. form felh stimmen. Eine neue bildung fello fellonis wäre 
ungewöhnlich und ergäbe schwerlich ein it. fello, denn solche nominativ- 
formen scheinen nur aus vorhandenen lat. Wörtern herzustammen (ladro, 
ladrone). Dagegen sieht Hickes seinen Ursprung in dem bei Sommer ver- 
zeichneten ags. feil böse, grausam, engl, feil = ndl. fei. Sehen wir aber 
von diesem in den quellen nicht vorkommenden ags. worte ab, dessen deutsch- 
heit noch dahin steht, so bietet sich uns das ahd. vb. fillan: davon ist ein 
sbst. fillo geissder, schinder (und die grundbedeutung von fello ist 'grau- 
sam, unbarmherzig^) anzunehmen, dem sowohl fello wie fellone gemäß ist. 
Das offne ital. e hindert nicht, es ist auch in vfello von lat. villus. Diese 
etymologie wird noch durch eine Wahrnehmung an dem rom. worte unter- 
stützt. Die ursprüngliche declination im prov. und altfr anz. ist nom. sg. 
fei (fels), acc. felon (so durchaus in der Passion Christi und im Leodegar), 
der nom. felon ist selten und eine spätere verirrung. Alle ableitungen, 
selbst das fem. felona (fella ist unbekannt) fließen aus dem casus obliquus. 
Das wort verlangt also ein etymon, dessen accus, die endung on zeigt, 
d. h. ein thema felon, und dies gewährt das deutsche fillo, acc. fillan, 
fillon. — [ Was sich allein gegen diese deutung einwenden läßt, ist daß 
sie auf ein nur vorausgesetztes, wenn auch mit grund vorausgesetztes wort 
gebaut ist. Aber die quellensprachen verweigern ein besseres. Man könnte 
noch an kymr. ffell (verschlagen, weise) denken, wäre dessen bedeutung 
passender und ließe sich die prov. declination damit in einUang bringen.] 

Felpa it. sp. pg. eine art plüsch, pelzsammet, dtsch. felbel, schwed. 
fälp ; ein fr. fenlpier verzeichnet Roquefort und erklärt es mit fripier, 
auch sagt man bürg, poil feulpin milchhaar. Ferrari halt das ital. wort 
für deutsch, Adelung das deutsche für ital., aber aus lateinischem Stoffe 
ist es sichtbarlich nicht gebildet. Bair. felber (m.) ist zugleich der name 
der salweide, ahd. felwa: sollte man den stoff nach diesem bäume wegen 
seiner wollichten oder filzigen blätter benannt haben ? Aber die vermuthung 
ist gewagt, da es an ähnlichen Übertragungen fehlt. Zu merken sind 
noch einige formen: it. pelpa (bei Veneroni), sie. felba, sard. cot. pelfa. 
Im dtport. heißt falifa Schafpelz. 

Feltro it., sp. fieltro, pr. fr. feutre, mlat. filtrum, feltrum, L.Baiw., 
mittelgr. dcpelexQov dichtes gewebe von haaren; vb. iL feit rare, sp. fil- 
trar, fr. filtrer durchseihen; vom ahd. filz, ags. feit, mit angefügtem r, 



L FERLINO— FIANCO. 137 

was hinter t nicht selten vorkommt, Born, gramm. L 344. 361. 451. Es 
gibt ein altfr. verbum fautrer prügeln: batre et fautrer; povres clers 
est iauträs, quant du portier est enconträs, s. Carpentier, der es aber 
unrichtig übersäst. Dieses wort, für welches Oachet ein mlat falcästrare 
aufstellt, verhalt sich buchstäblich ebenso zu filzen wie fautre (denn auch 
diese form ist vorhanden) zu filz, fitzen aber heifit walken d. i. stampfen, 
schlagen. 

Ferlino it., altsp. ferlin, altfr. ferling ferlin eine münze, viertel- 
denar; vom ags. feordhling. 

Feluca it., sp. faluca, pg. falua, fr. fölouque kleines rüder schiff; 
nach Engelmann und andern Orientalisten vom arab. folk schiff, dies vom 
vb. falaka rund sein Freyt. III, 373 a , nach Dozy vielmehr vom arab. 
harrika kleines see- oder flußschiff. 

Ferrana it., pg. ferräa, 5p. herren, (f) mengfutter; von farrago, 
ü. auch farraggine, pg. farragem. 

Fetta it. schnitte, fettuccia scfrnittchen, bändchen, altsp. fita band 
Suva ed. Grimm p. 252, so auch port. Herkunft aus vitta (binde) ist bei 
der seltnen vertauschung des anlatdes v mit {wenig wahrscheinlich: dieses 
wort zeugt it. vetta, 5p. pr. veta. Ein passenderes etymon scheint ahd. 
fiza band, faden, womit auch nhd. fetzen (chw. fetza) zusammenhängen 
mag. Man sehe Weigand, Syn. wb. I, 276, Diefenbach, Goth. wb. I, 373. 

Fiacco it., sp. flaco, pg. fraco, pr. altfr. flac, flaque matt, schwach; 
vb. fiaccare matt machen, brechen; von flaccus schlaff. Aber das neufr. 
flasque kann, genau erwogen, nicht unmittelbar aus flaccus gebildet sein, 
und da Umstellung aus ahd. sclaf für die franz. spräche zu stark wäre 
(in der span. könnte man sie zugeben), so wird es wohl aus flaccidus ge- 
sprochen flaxidus, umgestellt flasquidus (vgl. laxus lasque lache) ent- 
standen sein, wenn auch d in dem suffix idus nicht leicht schwindet. Zu 
flasquidus stimmt auch lothr. fläche und comask. fiasch weichlich. 

Fi&ccola it., sp. hacha {daher henneg. hache, hace), pg. facha, 
pr. fidha, altfr. faule LB. fackel; von facula, dies von fax. Über das 
eingeschaltete i = 1 in fiaccola s. Rom. gramm. I } 305. Facla für fax 
rügt ein grammatiker App. ad Prob. p. 445, es kam also vor. 

Fiadone it. honigwabe, pr. flauzon (flazon?), sp. flaon, fr. flan 
ssgz. aus dem alten flaon, engl, flawn, platter kuchen, auch münzplatte. 
Ein altbezeugtes wort, da bereits Venant. Fort, flado gebraucht, wofür 
andre flato schreiben. Dasselbe wort ist ahd. flado und fem. flada (über- 
setzt durch laganum, placenta, torta, libum, favus), ndl. vlade (f.), eigentl. 
etwas flaches, gr. nhniq, was im deutschen auch mit platz ausgedrückt 
wird. 

Fiama piem., sp. fleme (m.), pr. flecme, fr. flamme (f.), engl, fleam, 
flam ein Werkzeug zum aderlassen, Schnepper; vom gleichbed. Phlebotomus 
(in die oder schneidend), wolier auch ahd. fliedimä, mhd. verkürzt fliede, 
nhd. fliete. Im pr. flecme rührt c aus t her. 

Fianco it., pr. fr. flanc der weiche theil unter den rippen, die 



138 L FIASCO. 

seite, sp. flanco militärischer ausdruck aus dem frane. Wir nennen diesen 
theil des Jcörpers weiche, tnhd. hieß er krenke von kranc d. h. schwach. 
Es wäre also von seilen des begriffes nichts dagegen zu erinnern, wenn 
man sich das wort aus flaccus weich, schwach (so heifit es im roman.) 
entstanden dächte, wobei n, wie öfter vor Kehllauten (it. fangotto, pr. en- 
gual, fr. ancolie, Jongleur) eingeschoben sein müßte. Dagegen weist 
Wächter auf das gleichbed. ahd. lancha, woraus, wenn man die form 
hlanca Haltemer I, 299° unterlegt, durch übertritt des h in das verwandte 
f der anlaut fl entstehen konnte. In diesem falle kann das wort nicht von 
Frankreich ausgegangen sein, wo der deutsche anlaut h, namentlich in den 
Verbindungen hn, hr, sich erhielt, nur das altn. hr sich in einer späteren 
sprachperiode zu fr gestaltete. In Italien härtete sich anlautendes h einige- 
mal zu g (s. gufo IL a), auch macht Wackernagel zur Unterstützung der 
letzteren etymologie (Haupts Zeitschr. II, 556, vgl. Grimm das. VII, 470) 
den ital. namen Fiovo aus Chlodoveus (chl frank, für hl) geltend, der 
in den Reali di Francia vorkommt, nimmt aber an, die Verwandlung sei 
nicht eben durch die Romanen, sondern durch die Deutschen selbst ge- 
schehen. Indessen liegt noch eine nicht zu überseihende Schwierigkeit für 
diese etymologie im genus, da fast ohne irgend eine ausnähme (it. solcio 
aus sulza) die in großer zahl eingeführten deutschen feminina auf a ihr 
genus und ihren endvocal (fr. e) im rotnan. behaupten. Überdies ist in 
hlanca das anlautende h zwar gesetzlich, aber in den ältesten denkmalern 
schon geschwunden, und für flanca gibt es nirgends ein Zeugnis. Und so 
scheint die entstehung von fianco aus lateinischem dement, wenn auch 
nicht ganz gesichert, doch voller beachtung werth 

Fia8CO iL, sp. flasco, frasco, pg. fraeco, fem. it. fiasca, ältfr. 
flasche, nfr. nur flacon für flascon, ein gefäfi, auch in germ. und cell, 
sprachen heimisch, dsgl. serb. ploska, wal. plosc£, ungr. palatzk, lith. 
pleczca, mhd. plasche neben vlasche. Die weite Verbreitung dieses Wortes 
erschwert die erforschung seiner Herkunft. Im mlatein tritt es sehr frühe 
auf: dno lignea vascula, quae vulgo flascones vocantur Greg. M. Dial. 
2, 18; flascae pro vehendis ac recondendis phialis primum factae sunt, 
postea in usum vini transierunt Isidor. 20, 6, 2. Nach dem letzteren 
Zeugnisse käme es von phiala, man sieht aber leicht, daß der ursprüngliche 
gebrauch der sache erst aus dieser etymologie herausgedeutet worden ist. 
Die Isid. glossen geben, wie es scheint, eine andre form desselben Wortes: 
pilasca l vas vinarium ex corw, bei Joh. de Janua pilasca l vas vinarium 
corio püoso opertum, also von pilus, aber fiasca ist älter als pilasca. 
Nach form und inJialt unverwerflich, mithin ziemlich gesichert, ist folgende 
nicht eben neue aber besser begründete herleitung aus dem lateinischen. 
Wie durch Umstellung des 1 ital. fiaba (für flaba) aus fabnla, pioppo aus 
populus, sp. bloca aus buccula, blago aus baculus, pr. floronc aus furun- 
culus geformt wurden, ebenso fiasco aus vasculum mit einer härtung des 
y zu f, die hier nicht ausbleiben konnte (vgl. parafredus für paravredus) 
und selbst vor vocälen zuweilen eintritt (via I, biffera II. a, he II. b). 



I. FICCABE-FILA. 139 

Vasculum erschöpft alle bedeutungen des rem. oder celt. Wortes, es ist ge~ 
faß im weitesten sinne, von metall oder holz, auch bienenkorb, also nicht 
eben diminutiven Sinnes. Selbst das schwanken im genas verdient beach- 
tung, da dies den ursprünglichen neutfis besonders eigen ist. Daß Gregor 
und ebenso die Keron. glossen flasco mit vasculum übersetzen, trifft zu 
ohne zu beweisen. Nach Grävius kannten die Isid. glossen bereits jene 
Verwandlung des v in f, allein ob daselbst das mit dxscum übersetzte fas- 
culum unser wort sei, steht noch dahin. Ins deutsche ward es sehr früh 
eingeführt, schon die Cass. glossen übersetzen das rom. puticla mit flaseä. 

Ficcare it., dltsp. pg. pr. ficar, fr. ficher, mit eingeschobenem n 
dltsp. pg. fincar, neusp. hincar eintreiben, einheften, refl. it. ficcarsi, sp. 
fincarse auf etwas bestehen; zsgs. it. af ficcare, pr. aficar, fr. afficher 
anheften, dltsp. ahincar drängen. Form und begriff zeigen auf tigere 
und affigere, und doch ist unmittelbare entstehung daraus oder aus fixus 
grammatisch unmöglich. Der Romer leitete mit dem Suffixe ic verba aus 
verbis, fodicare aus fodere, vellicare aus vellere, der Romane that das- 
selbe, lieber zwar bei verbis erster conj., aber doch auch zweiter und dritter; 
gemicare, voMcare (dltsp. volcar), pendicare, sorbicare. Dürfte man 
darum in ficcare nicht eine form figicare vermuthen urspr. mit diminu- 
tivem oder frequentativem sinne? Seltsam stimmt das schwed. reflexiv 
fikas in seiner bedeutung zum roman. ficcarsi: ist ein historischer Zusam- 
menhang zwischen beiden anzunehmen? Das mhd. ticken (heften) nebst 
unserm ficke (tasche) ist aus dem roman., s. Weigand s. f., so auch das 
mndl. fiecken figere. Die Picarden haben ein vb. hinquer sich bestreben 
(h asp.) vermutlich aus dem genannten sp. hincar. 

Fiera it., sp. feria, pg. pr. feira, fr. foire Jahrmarkt; von feria 
aus feriae feier- oder festzeit, weil die Jahrmärkte an kirchlichen feier- 
tagen gehalten wurden, wo das landvolk die stadt zu besuchen pflegt. 
Ebenso knüpft sich das deutsche messe an die kirchenfeier. Aus forum 
hätte nickt einmal das fr. foire werden können, das schlechthin auf feira, 
feria zurückdeutet. 

Fievole it., sp. pr. fehle, pg. febre, fr. foible, alt floible LJ.503" 
und floibe, schwach, matt, chw. fleivels; von flebilis kläglich, mit eupho- 
nischer tägung des ersten oder zweiten l. Vergleichung gewährt von Seiten 
ies begriff es z. b. unser schwach 1) flebilis, miser, 2) debilis, s. Schmeller 
III, 528; oder, wie Wackernagel hiezu erinnert, unser wenig 1) flebilis, 
2) parvus, paueus. 

Fila it. sp. pg. pr., file fr. reihe, ursprüngl. schnür, von ü\ma faden, 
das feminin fila im älteren mlatein: habent breves filas. Vb. fr. filer 
und dlfiler in einer reihe hinter einander gehen, daher sbst. d6fil6 enger 
weg. Auch it. sp. filo, fr. fil schärfe oder schneide einer waffe gehört 
hieher und heißt eigentlich die feine linie oder kante der Hinge; vb. it. 
affilare schärfen, auch reizen (wie acuere), afilar sp. in der ersten, pg. 
in der zweiten bed.; pg. enfiar einfädeln, durchbohren (wie der faden 
die nadel), metaph. erschrecken, bleich machen. 



140 I. FILIPENDULA-FIO. 

Filipendula it. sp. pg., filipendule fr. roiher Steinbrech; so ge- 
nannt weil an den fadenartigen würzeichen dieser pflanze viele knallen 
hangen. 

Finanza it. Quittung, fr. finance geldsumme, die man dem könig 
für den genuß einer pfründe u. dgl. bezahlt, plur. finanze, finances Staats- 
einkünfte, daher sp. finanzas vrlt. (Seckendorf). Prov. altfr. fin heißt ende, 
friede, abschluß einer sacke, rilog; speciell wird es van der beilegung 
eines rechtsstreites gebraucht, gewöhnlich wenn dies vermittelst Zahlung 
einer summe geschieht, mlat. finis 'finalis concordia, amicabüis compositum, 
finem facere (faire fin) 'componere de lue vel de crimine DG., engl, fine 
gddbuße für eine beleidigung, s. E. Müller I, 378. Entsprechend heißt 
das vb. finar, finer, finire eine vertragsmäßige summe entrichten. Diese 
summe ist eigentlich la finance, wiewohl jede summe so genannt werden 
konnte, denn schon das altfr. fin war dieser letzteren bedeutung fähig, 
beispiele Gachet p. 212 b . Mlat. financia ist überhaupt praestatio pecu- 
niaria, vgl. pr. demandar de nn presonier finansa d'aur e d'argen LR. 
III, 333, altengl. finaunce = neuengl. fine. Erst in späterer zeit ward 
es auf die gegenwärtige bedeutung eingeschränkt. 

Fino it. sp. pg., in erster er spräche auch fine, pr. fr. fin adj., daher 
mhd. fin, nhd. fein, ahd. finliho (10. jh.). Die grundbedeutung ist 'voll- 
kommen, acht, lauter 1 : pr. fin aur, fin 1 amor, fina vertatz, altfr. de fine 
ire aus lauter zorn Ren. I, p. 91. Es ist kaum zu zweifeln, daß dieses 
weitverbreitete wort abgekürzt sei aus finitns vollendet, vollkommen. So 
kürzte sich pr. clin aus clinatus, sp. cuerdo aus cordatus, Ü. manso aus 
mansuetus, und was die bedeutung anlangt, so heißt sp. acabado, pr. aca- 
bat 1) beendigt, 2) vorzüglich, vollkommen (proeza acabada Chx. IV, 153), 
ebenso verhält sich lat. perfectus, gr. tiXeiog. — [Hiezu verweist Gachet 
212" noch auf die stelle im Gormond: vos estes en dol tut fin6 ganz 
vollkommen, vollendet.] 

Finocchio it., sp. hinojo, pg. funcho, pr. fenolh, cot. fonoll, fr. 
fenouil fenchel; von foeniculum, mlat. fenuclum z. b. Hattemer 1, 293*. 
Zu bemerken ist pg. funcho wegen des verlegten accentes, worin es zufällig 
mit dem deutschen worte zusammentrifft. 

F i o it., pr. altcat. feu (daher altpg. feu SRos.), fr. fief (aus dem 
alten fieu) lehngut, lehnzins; vb. fr. fieffer (aus dem alten fiever), pr. 
affeuar zu lehen geben. Unmittelbar stimmen die roman. Wörter zum 
longob. flu in faderfiu-m väterliches gut, ahd. fihu, fehu vieh, goth. fafhu 
vermögen, altfries. fia mit beiden bedd. vieh und vermögen: h fiel aus, 
kurzes e in fehu ward diphthongiert (ebenso pr. mieu aus lat. meus) und t 
pr. u franz. in f consonantiert (fr. juif aus pr. Juden), welches f auch 
inlautend in fieffer seine stelle behauptete (vgl. ensuifer neben ensuiver). 
Im sicil. fegu stellte sich h als g dar, und dies ist der üblichere fall, s. Born, 
gramm. I, 320. — Aus feu ist ein hochwichtiges wort des mitteUateins, 
das etwa im 9. jh. auftretende feu dum, feodum, erwachsen: um nämlich 
nicht feu-um sprechen zu müssen (denn man rechnete, wie zumal die prov. 



I. FIONDA-FLAUTO. 141 

und frans, form beweist, u zum stamme), schob man ein euphonisches d 
damischen, ein auch in andern Wörtern, z. b. im it. ladico für laYco oder 
in dem ganz analogen chiodo für chio-o (lat. clav-us clau-us) vorkom- 
mendes hiatustügendes mittel. Provenzal. Urkunden setzen dafür gradezu 
feum, 0. b. allode, quod Grimaldus habet a feo MabilL Dipl. p. 572 
(v.j. 960). Hiernach ist feu-d-um romanische umprägung eines deut- 
schen wertes und vermögen sein grunäbegriff, der strenge juristische sinn 
trat später hinzu. Eine ganz abweichende deutung von feod, aus dem 
gotk thiuth äyad-ov (sbst. das gut), gibt Wackernagel in Haupts Ztschr. 
U, 657 und dbh. über die spräche der Burgunden 24. 

Fionda it., pr. fronda, fr. fronde Schleuder; von funda (auch it. 
fonda, altfr. fonde), entweder 1 (= ü. i) oder r eingeschoben, ersteres 
auch im oeett. floundo. 

Fioretto iL, sp. florete, fr. fleuret rapier; so genannt von dem 
knopfchen an der spitze, das einer blume ähnlich sah. 

Fiorino it., sp. florin, fr. florin, ursprüngl. eine florentinische gold- 
tmmze mit dem zeichen der Ulis, von fiore blume. Das gleichbed. altpg. 
frolen$a für florenga SEos. I, 482 sucht den namen der Stadt auszu- 
drücken. 

Fiotta, frotta it., sp. flota, pg. frota, altfr. flöte, masc. it. fiotto, 
frotto (vgl. fragello* von flagellum), fr. flot schwärm, fluth; von fluetus. 
Tb. it. fiottare ff. schwimmen, lat. fluetuare. Von frotta ist it. frot- 
tola scherzhaftes aus einzelnen Sprüchen zusammengesetztes gedieht, comask. 
frotola posse. 

Fitto #., sp. hito, pg. fito eingesteckt,, geheftet; sbst. sp. hito, pg. 
fito in den boden gesteckter pfähl, gränzpfcM, hita pflock; auch it. fitto 
zins (das festgesetzte?). Von dem alterthümlich lat. pari. Actus für fixus 
bei Lucrez und Varro, vgl. petra fita Tep. II, num. 13 (aera 684). Selbst 
das fr. fiche pflock = sp. hita würde sich hieherziehen lassen, wenn 
auch das vb. ficher besser zu ficcarc gestellt wird. S. Rom. gramm. 1, 16. 

Flanella, frenella it., sp. franela, fr. flanelle, engl, flannel ein 
wollener stoff. Das primitiv wird man im altfr. flaine anerkennen müssen, 
welchem Roquefort die bed. bettüberzug beilegt: der name des Stoffes konnte 
seinem vornehmsten gebrauche entnommen sein, auch gael. cfiraing heifit 
1) Überzug, 2) flanell. Möglicherweise entstand also flaine aus velamen 
v'lamen wie flasca aus vlasca. Ganz anomal ist die port. form farinella. 

Flauto it., wal. flaute, sp. pr. flauta, fr. flute ein blasinstrument, 
flöte; vb. pg. frautar, pr. flautar, fr. flfiter. Um diesem worte auf den 
grund zu kommen, ist zuerst die ursprünglichste form desselben aufzu- 
suchen und diese bietet das altfränkische. Hier heißt das Instrument 
flahute flaute (noch jetzt picard.), auch wird mit eingeschobenem s flahuste 
gesehrieben, vb. flahuter flaüter. Aus dem zweisilb. att machte der Pro- 
venzale den diphthong au (toie in aul aus a-ul avol) und so wanderte 
flauta nach Spanien und Italien, wo sein der umbüdung in entgangener 
diphthong für die späte einfuhrung des fremdartigen Wortes zeugt. Flaüter, 



142 L FLOSCIO-FOLLE. 

denn das verbutn gieng dem subst. voran, steht nun durch lautversetzung 
für flatuer (wie cdtfr. veade für vidue, pr. teune für tenue), dieses ward 
aus dem, auch van den Alten auf das blasen der flöte angewandten, subst. 
flatus gebildet mit beobaehtung des ableitenden u, vollkommen wie in flat- 
u-eux, welchem, wohl tu merken, kein lat. flatuosus das muster vorhielt. 
Ein dimin. von flaute ist pr. flau toi, flaujol (gleichsam flau[t]iolus), 
dltfr. flajol, nfr. flageolet. Die Italiener haben ein vb. fiutare anriechen, 
das sich aus einem älteren flautare erklärt, ganz analog dem vb. rubare 
vom dtschen rauben. 

Floscio it., sp. floxo, pg. frouxo, pr. fluis schlaff; vom part. fluxus 
flüssig, schlotternd; eben daher auch it. flusso vergänglich, eitel. 

Flotta it., sp. flota, pg. frota, fr. flotte. Die alten roman. ausdrücke 
für das lat. classis sind it. armata, sp. armada, pr. estol, fr. estoire. 
Das altfr. flöte hieß menge, schwärm (von fluctus, s. oben flotta), man 
sagte so gut flöte de gens wie flöte de nefe (selbst flöte de poil haarflocke 
DMce. p. 210, 11), es stammt also nicht vom altn. floti oder ags. flöta, 
es war vorhanden, ward aber später durch einfluß des ndl. vloot oder 
schwed. flotta in seiner bedeutung näher bestimmt und theüte sich so den 
südlichen sprachen mit. Zusammenstellung mit deutschen Wörtern s. t» 
Diefenbachs Goth. wb. I, 387. 

Focaccia it., sp. hogaza, fr. fouasse kuchen, mhd. p6gatz; dbgd. 
von focus, also etwas auf dem herde gebackenes, bei Isidor 20, 2, 15: 
ciaere coctus et reversatus est focacius. 

Fodero it., sp. pg. ferro, fr. feurre, pr. cdtfr. fuerre, mit verschie- 
denen bedeutungen: ital. scheide, unterfutter, futter eur nahrung, Span, 
port. unterfutter, prov. altfr. scheide, nfr. futter; abgd. fr. fourreau; 
sp. forrage, fr. fourrage, fourrure, fourrier u. dgl.; vb. it. foderare, 
sp. forrar, pr. folrar, fr. fourrer. Vom goth. födr scheide, ahd. fuotar 
scheide, futter zur nahrung, altn. födr scheide, unterfutter. 

Follare it., sp. hollar, pr. folar, fr. fouler (daher engl, feil) walken, 
niedertreten; sbst. it. f olla, sp. folla, fr. foule (davon pg. fula) gedrängc, 
eile (entsprechend it. calca menge, gedränge von calcare treten); dsgl. sp. 
huella fußtapfe, huello tritt. Ein vb. fullare hat die lat. litteratur nicht 
aufbewahrt, wohl aber sbst. fullo, walket, gleichbed. it. follone, fr. foulon. 
Neben folla stellt sich eine zweite ital. vermuthlich aus dem prov. ein- 
gedrungene auch in mundarten vorhandne form fola, woraus folata 
schwärm, schwcdl. Zsgs. it. affollare drängen, attsp. afollar, pr. afolar, 
altfr. afoler beschädigen, verderben, eine auch dem einfachen fr. fouler 
zustehende bedeutung. 

Folie it., altsp. fol Bc., Alx., pr. fol und folh, fem. fola, fr. fou, 
feile, sbst. und adj. narr, närrisch, cat. foll zornig; daher z. b. eilt- und 
neufr. affoler zum narren machen (verschieden von afoler verderben, s. 
vorigen artikel), pr. afolir zum narren werden. Die herleitungen aus dem 
gr. (pavkog, dem dtschen faul, dem celt. fol können bei Seite gesetzt werden. 
Die lat. spräche bietet follere sich hin- und herbewegen (bei ERerongmus), 



I. FONDACO-FONDO. 143 

follis blasbalg d. h. etwas sich hin- und herbewegendes, eine bedeutung, 
die im it. folletto, pr. cot. fr. follet, bearn. houlet poltergeist, neckischer 
geist, wie Grimm sagt y Myth. p. 475, oder im fr. feu follet irrlicht klar 
hervortritt, aber auch in unserm rom. folle (possenhaft, grillenhaft) noch 
su fühlen ist. Nur darf letzteres nickt als eine neue bildung aus follere 
aufgefaßt werden, da aus verbis, wie es scheint, keine substantiva dritter 
declin. und schlechthin keine adjeetiva ohne suffix gewonnen werden; folle 
ist das als adjeetiv gebrauchte follis selbst So und nicht follus heifit es 
bei einem Schriftsteller des 9. jh. Joh. Diaconus: ille more gallico (= 
francogallico) sanetum senem increpitans follem ab eo quidem virga leyiter 
percussus est; desgl. bei Ouül. Metensis: follem me verbo rustico appel- 
lasti . . . ut qui follis extiti, non fierem follior DC. Im prov. und franz. 
ist das adjeetiv also erst später zweier endungen geworden. Andre er- 
Hären das roman. wort gleichfalls aus dem lat. Substantiv, aber in be- 
sidmng auf die den köpf des narren bezeichnende leere des blasbalges; 
allein theäs ist dies eine zu abstracte auffassung, theils läfit sich das ab- 
geleitete follet (unruhiger geist) nicht füglich damit in einklang bringen. 
Bemerkenswerth ist noch, daß in einem altfr. psalter die stellen erravi 
sicut ovis qtrae perit; de mandatis tuis non erravi übersetzt werden 
foleai si cum oeille que perit ; de tes commandemenz ne foliai LB., wo 
also folier irren, abirren im eigentlichen und bildlichen sinne bedeutet. 
In roman. gestdtt und bedeutung kommt unser wort zuerst in den von W. 
Grimm her aus g. Altdeutschen gesprächen vor: ausculta fol 'gahörestu 
narro\ Eine ableitung ist sp. follon träge, auch betrügerisch, im alt- 
span. prahlerisch (aufgeblasen) PC. 968; dsgl. das bürg, feulteu wohl- 
thätiger geist, der des nachts die hausthiere besorgt, es müßte fr. folietot 
lauten. 

Fön da co it., sp. fundago, altfr. fondique magazin; vom arab. 
fondoq, al-fondoq (daher die span. form alhöndiga, pg. alfandega) her- 
berge der kaufleute, wo sie mit ihren waaren einkehren Gol. p. 1826, 
Freyt. III, 375 b (dies vom gr. navdoxelov, navdoxtov gasthaus?). Zwar 
erinnert fondaco an mlat. funda (s. fonda II b), aber das suffix Tc ist 
in der roman. familie so wenig üblich, daß man sich besser an das arab. 
wort hält. Näheres über dasselbe J. v. Hammer num. 352. 

Fondo it. cot., sp. hondo, ältsp. pg. fundo tief. Man konnte es für 
kürzung von profundus nehmen mit besiehung auf it. tondo von rotundus, 
widerspräche nicht die große Seltenheit so starker kürzungen; es ist also 
von fundus grund, sp. fondo, pg. fundo u. s. w., das Substantiv als ad- 
jeetiv angewandt. Anders ergieng es diesem Substantiv im nordwesten: 
pr. f o n s {neupr. adj. founs, fem. founso), fr. fonds (neben fond) erstarrten 
aus dem nomin. fundus wie fr. fils aus filius, und die ableitungen flössen 
theils aus dieser flectierten form, wovon man sonst im franz. kaum eitv 
beispiel findet, theils aus dem wahren stamme: pr. fonsar, fondar, fr. 
foncer, fonder grund haben, dsgl. pr. afonsar, fr. enfoncer, altfr. afonder 
auf den grund gehen. Aber auch vom pr. preon (profundus) entspringt 



144 I. FONTANA-FORESTA. 

preonsar mit der bed. von afonsar, wovon es eine nachbüdung sein mag. 
Noch ist zu merken, daß einige Wörter dieses Ursprunges ein eingeschobenes 
r geigen: pr. es fondrar, fr. effondrer, so auch afondrer Brt. I, 205, 
allein dieses r ist, nach dem it. sfondolare zu schließen, aus 1 entstellt. 

Fontana it. sp. pr., fr. fontaine, wal. funtene quelle; eine uralte 
abl. aus fons, vgl. fontana L. Long., ad Albam Fontanam in einer fränk. 
Urkunde v. j. 667, Breq. n. 165, per fontanam, qnae vocatur Dianna 
v. j. 670, das. n. 168. 

Forbire it., pr. forbir (furbir LR. I, 309), fr. fourbir glätten, 
putzen; vom ahd. furban reinigen, abwischen: da lor costnmi fa che tu 
ti forbi Inf. 15, 69. Dahin auch it. furbo, fr. fourbe schelm, betrüget, 
einer der wegputzt, wie fripon von friper reiben, sp. limpiar putzen und 
entwenden. 

Forcatura it., pr. forcadura, altfr. fourchöure, sp. horcajadara 
die gegend des körpers, wo die schenket sich öffnen wie eine gäbet (furca), 
sp. horcadura der obere theil eines Baumstammes, wo die äste anfangen. 
Derselben herkunft ist it. forcella, pr. forsela, altfr. fourcele, deren 
Bedeutungen Gachet p. 217 b erläutert. 

Foresta it., sp. pg. cot. floresta, pr. forest (auch foresta), fr. foret 
(f.) wald, gehölz. Span, floresta ist entlehnt und hol sich wunderlich mit 
flor gemischt, daher es auch eine blumige wiese, figürlich eine blumeniese 
bedeutet. Das roman. wort ist schon im frühen nüatein, z. b. in der L. 
Long., in carolingischen Urkunden und capitularen, sehr üblich und zeigt 
hier die formen forestis (f., woher fr. forSt), foreste (n.), forestus, fores- 
tum, forastum, foresta, forasta. Mlat. und altrom. bedeutet es den dem 
wildbann unterworfenen nicht eingezäunten wald; der eingezäunte hieß 
parcus, für den offenen gibt es ein sard. padenti, das aber in die allge- 
meine bed. wald übergegangen ist. Auch die zum ßschfang gehegten teiche 
führten diesen namen, vielleicht nur weil sie in dem forstgebiete lagen: 
man unterschied daher zuweilen zwischen foresta venationis und foresta 
piscationis. Was die herkunft des Wortes betrifft, so hielt man es sonst 
für deutsch, entlehnt aus unserm forst; schon eine alte glosse lautet vurst 
'nemus, lucus\ dicitur enim Francorum lingua foresta Graff HL, 698. 
Jetzt erklärt man umgekehrt das deutsche wort aus dem romanischen, in 
diesem aber erkennt man eine abl. aus dem ahd. foraha föhre oder aus 
forehahi föhrenwald (s. Grimm I*. 416). Will man auch über das ver- 
schwinden des h wegsehen, so ist ein suffix ast unromanisch, est wenn 
auch nicht unerhört, doch höchst selten oder zweifelhaß. Nach andern, 
z. b. Frisch I, 287 b , ist das wort lateinischer herkunft, aus dem adverb 
foris, foras, womit auch die doppelform forest, forast übereinstimmt, iras 
von belang ist. In der that kennt schon der grammatiker Placidus fojas- 
ticus 'ezterior, abgeleitet wie cras-tinus oder rus-ticus, ein wort der spä- 
testen latinität (auch beim h. Bonifacius), woraus man im frühen mittel- 
älter forastis, forestis abziehen konnte mit der bed. 'das was außerhalb 
liegf, was ausgenommen ist, nicht betreten werden darf. Dieselbe aus 



I. FORFARE-FORNIRE. 145 

foris hervorgehende bedeutung * extra spürt man noch in forestiere, sofern 
es fremder, auswärtiger, exter, extrarius heißt Aber auch jenes forasticus 
hat sich in den neuen sprachen erhalten: it. forastico, steil, furestico, 
pr. foresgue, cot. feresteg wild, rauh, störrig, waldens. forest fremd Hahn 
p. 585. Eine dem sinne nach ähnliche abl. wie foras-ticus ist daspicard. 
hors-ain landvolk, eigentl. was außerhalb (der stadt) ist, so ndl. buiten- 
man latidbewohner. — Foresta findet sich auch im hymr. fforest wieder, 
welches Zeuß II, Sil unter den ableitungen dieser spräche anführt: bei 
der klaren beziehung zum latein bedarf indessen das rom. wort dieses 
fremden (selbst entlehnten) etymons nicht — Man höre darüber noch 
Weigand, Synon. wb. II, 103. 

Forfare dUit, pr. fr. forfaire, fehlt span., mlat. foris facere, in 
den Isid. glossen foris facio 'offendo, noceo\ Die grundbedeutung muß 
sein 'über die rechte gründe hinaus handeln, daher übel thun, missethun, 
und diesen intransitiven sinn hat es noch immer, indem es ganz dem goth. 
fra-vaurkjan (sündigen) entspricht. Ebenso hieß foris consiliare übel 
rauhen, verrathen. Frov. und altfr. wird forfaire mit dem dat. der person 
verbunden, s. Altrom. sprachdenkm. p. 64; reflexiv sagte man auch se 
forfaire envers qqun LBs. 295 = se möfaire vers qqun RFlor. p. 19. 
Mit dem acc. der sache heißt es c sich eines dinges durch gesetzwidrige 
handlung verlustig machen z. b. forfaire son fief, mhd. yerwtirken, ags. 
forvyrcean. Das pari, forfatto, forfait zeigt als Substantiv gebraucht 
zwei bedeutungen, eine persönliche, nur altfr. z. b. Ben. I, 337, mlat. 
forisfactus L. Rip. übelthäter, schuldiger, eigentl. übel geschaffener, goth. 
fravaürhts (Wackernagels Leseb. v. verwtirken), oder einer der übel thut, 
übel that? (solche partieipien Rom. gramm. III, 253); eine sächliche, 
mlat. forisfaetnm missethat, goth. fravaürhts (f.). 

Forgia piem., sp. pg. forja, fr. forge, anders gestaltet pr. farga, 
sp. fraga schmiede; von fabrica werkstätte; vb. forgiare ff. schmieden, 
fabricare. Der vocal o erklärt sich aus au von ab, die mundart des prov. 
Gir. de Ross. hat daher faur = faber, eine auch im walach. vorhandne 
form, altfr. aber fevre, noch in orfövre (aurifaber aurifex) erhalten. 

Formaggio it., pr. formatge, fromatge, fr. fromage, pic. u. s. w. 
formage, kaum sp. formage, käse. Das lat. wort wäre formaticus, von 
forma: käse ist etwas in einer form, einem geflochtenen gefäße verfertigtes: 
liquor in fiscellas aut in calatbos vel in formas transferendus est Colu- 
mdla 7, 8; fiscella forma, ubi casei exprimuntur Gl. Isid. In der neupr. 
mundart hat auch das primitiv fourmo = forma diese bedeutung. Die- 
selbe mundart besitzt noch einen ausdruck für den frischen ungesalzenen 
käse, tumo (f.), auch piem. toma, sicil. tuma, worin man das gr. zofiirj 
etwas abgeschnittenes, in formen abgetheiltes erkennen will, s. auch Ducange 
v. toma. 

Fornire it., sp. pg. pr. fornir, fr. fournir versorgen, ausstatten. 
Es wird van farnus hergeleitet, so daß es bedeuten müßte ^vermittelst des 
ofens zubereiten, backen, was einen allzu eingeschränkten sinn gäbe. 

10 



146 I. FORO— FRAG RARE. 

Neben fornir findet sich prov. noch das weit üblichere formir, farmir voll- 
bringen, ausführen, befriedigen, ein genüge thun, ohne zweifei identisch 
mit fornire, da letzterem im itäl. altfr. prov. diese bedeutungen gleichfalls 
zustekn; inlautendes m muß sich also in n, oder n inm verwandelt haben, 
welches beides selten vorkommt. Nimmt man aber zu formir die neben- 
form fromir Chx. III, 475, GRiq. p. 32. 130 (auch ein ital. fronire kennt 
Galvani, Osserv. p. 124, dazu sard. frunire), so leitet dies unwiderstehlich 
auf ahd. frumjan fördern, vollbringen, schaffen, dessen u sich sogar aus 
einer diesem vocal abgeneigten spräche nicht ganz verdrängen ließ. Die 
bed. ausstatten konnte sich leicht aus < fordern, vorwärts bringen, Vorschub 
thun entwickeln. Das eine nur ist befremdlich, daß r gegen den gewöhn- 
lichen brauch vom anlaute abgetrennt ward, der es sonst, wie in fro- 
mage, anzuziehen pflegt, doch fehlt es auch dafür nicht an beispielen, Rom. 
gramm. I, 224. 

Foro. it.pg., sp. fuero gericht, gesetz, pr. for, altfr. feur gesetz, faxe; 
von forum markt , gerichtsstätte. Daher sp. pg. pr. aforar, altfr. afeurer 
taxieren. Von forensis ist sp. forense fremd, it. forese bauer, unter ein- 
Wirkung der bed. von foras 'außerhalb der Stadt*. 

Forza it., sp. fuerza, sp. forsa, fr. force stärke; vb. forzare ff. 
zwingen. Schon das frühste mlatein, z. b. L. Rip., Baiw., Long., kennt 
forcia (so noch im span. Alex.), eigentl. fortia, eine vielleicht bis in die 
römische Volkssprache hinaufreichende abl. aus fortis, da man später gewiß 
fortia, wie aus falsus falsia, gebildet haben würde. Oder floß forza nicht 
vielmehr aus dem vb. fortiare, dies aus fortis mit beobachtung des ab- 
leitenden i, wie dies im mlat. graviare von gravis, leviare von levis ge- 
schah? Abgeleitet ist z. b. it. sforzare, sp. esforzar, fr. efforcer, hier- 
von sbst. it. sforzo, sp. esfuerzo, pr. esfortz, fr. aber effort für effora 
(esfort schon bei den Alten), indem man s = pr.z für eine flexion nahm 
und abstieß, vgl. älan unter lancia. 

Fracassare it., sp. fracasar, fr. fi$casser zerschmettern; sbst. 
fracasso, fracaso, fracas, chw. farcas. Dasselbe wort scheint pr. fras- 
car (lansas frascar, escutz traucar e fendre elmes brunitz LR.), umge- 
stellt aus fracsar wie läse aus laxus. Das wort kann nicht als eine abl. 
frac-assare verstanden werden, da im ital. kein sufßx ass vorkommt. Es 
ist vielmehr, wie auch Menage meint, eine vermutlich in Italien entstan- 
dene zss. fra-cassare hineinbrechen, von einander brechen, die sich dem 
lat. interrumpere (it. fra s. v. a. lat. inter) vergleicht. Andre erblicken 
darin eine zss. aus frangere und quassare. 

Fragrare, fiagare, flairar, sämmtlkh in den sard. mundarten, pr. 
cat. flairar, fr. flairer, pg. cheirar (ch = fl) duften; sbst. sard. fragu, 
fiagu, altfr. pic. flair, pg. cheiro, cat. fem. flaira duft, auch cornisch 
flair Zeuß I, 189; von fragrare, durch dissimilation flagrare. — Altfr. 
flairer hieß sowohl olere wie odorari; die neue spräche beschränkt dieses 
verbum auf letztere bedeutung und drückt olere mit fleurer aus. Bemer- 
kungen darüber bei Gachet 213. 214. 



I. FRANCO-FREGATA. 147 

F ran co it. sp. pg., pr. fr. franc frei, aufrichtig, letztere bedeutung 
noch im neupr. Sprichwort fran coumo Tor lauter wie gold. Man leitete 
dies adjectiv aus dem völkernamen Francus, der zugleich der natne des 
freien mannes war, ahd. Franco, diesen aus dem ags. franca Wurfspieß, 
dimin. zu framea bei Tacüus (Wackernagels glossar); J. Grimm erkennt 
nun darin ein ursprüngliches adjectiv aus der goth. würzet freis = nhd. 
frei, woraus erst der völkername und aus diesem der name der waffe ent- 
stand, Gesch. d. d. spr. p. 512 ff. Zu bemerken ist bei diesem worte, daß 
in den ableüungen mit einem der hellen vocale ursprüngliches c sich 
theüs als q oder c, theils als k (ch, qu) darstellt: it. francese, sp. fran- 
ces, fr. fran$ais, dagegen it. franchezza, sp. franqueza, fr. franchise 
(fr. ch ist hier = it. ch, vgl. duchesse, Sachet u. a.): die bildungen mit 
c sind aus dem lat. Francia, die andern aus dem deutschen Franco, denn 
die gutturalen buchstaben deutscher stamme bleiben auch in der ableitung 
guttural. Andre bemerkungen über das auch im celtischen vorhandne 
wort s. bei Diefcnbach, Goth. wb. I, 403. 

Frangia it., sp. franja, fr. frange, daher ndl. frangie, nhd. franse. 
Buchstäblich fugt sich dies eigentlich franz. wort zu dem bekannten dtschen 
framea wie vendange zu vindemia. Fransen sind herabhangende spieße 
oder spitzen wie der rockschooß ein breites speereisen (s. gherone). Diese 
etymologie ist grammalisch und logisch untadelhaft, die folgende hat 
bessern historischen boden, da die volksublichkeit eines wortes wie framea, 
wiewohl Gregor von Tours es noch häufig im munde führt, nicht sicher 
steht. Lat. fimbria konnte sich in frimbia fringe frange verwandeln und 
wirklich hat der Walache (aus der alten Volkssprache?) frimbie und im 
ältesten prov. (Bth. v. 192) trifft man fremna, wo aber doch frembia zu 
erwarten war. Hennegauisch lautet das wort frinche, das sich offenbar 
an frimbia hält, auch das sicil. frinza weist auf ein älteres fr. fringe. 

Frecßia it., ältsp. pg. frecha, richtiger mit 1 nsp. pg. pr. flecha, 
fr. fleche, piem. sard. flecia,*m andern ital. mundarten mit i frizza, 
watton* fliehe pfeil ; vom ndl. flits dass., mhd. vliz bogen, daneben auch 
flitsch Frisch I, 27 8 a , woraus sich die formen mit ch besser erklären. 
Vgl. Weigand i, 253. Gegen diese herleitung macht Grandgagnage v. 
fliehe die altfr. form mit dem kehllaute flique geltend, die sich allerdings 
mit flitz nicht verträgt. Aber flique scheint überall nur die auch in fleche 
enthaltene bed. speckschnitte zu vertreten, s. letzteres II. c. 

Fregare it., sp. pg. pr. fregar, fr. frayer, richtiger altfr. froyer, 
O?0f. plicare ployer) reiben, streifen; von fricare. Daher it. frega lüstern- 
heit, fr. frai das laichen der fisclhe, altfr. fraye, chw. frega, it. fregola 
dass. Zsgs. sp. refregar reiben, refriega streit; it. sfregare, pg. es- 
fregar, span. entstellt in estregar s. v. a. fregare. 

F reg ata it., sp. pg. cot. neap. fragata, fr. ffrSgate ursprünglich 
Meines- ruderschiff \ Vülehardouin, Jayme Febrer, Boccaccio kennen das 
wort bereits. An unser fähre, schwed. färja, ist dabei (mit Chevallet) nicht 
zu denken: höchstens würde sich die erste silbe daraus erklären. Es soll 



148 I. FREGIO-FRIZZARE. 

aus Italien stammen; die span. und franz. form zeigen in der that eine 
ital. endung. In Italien nannte man ein schiff bastimento d. h. etwas 
gebautes: eben sowohl konnte man es etwas gezimmertes nennen, fabricata 
zsgz. fargata, fregata. Herleitung aus dem arab. weist J. v. Hammer ab. 

F regio it., sp. friso, freso, fr. frise, fraise (altfr. frese geschrieben) 
krause Verzierung, franse u. dgl.; vb. it. fregiare, fr. friser, fraiser 
kräuseln, verzieren, sp. frisar tuch aufkratzen; abgel. it. frisato gestreif- 
tes tuch, fr. fraisette handkrause (dahin auch sp. frezada, frazada lang- 
haarige decke?). Phrygiae vestes bei den Alten waren gestickte hleider: 
aus dem adjectiv konnte wohl it. fregio, nimmer fraise, frise entstehen, 
eher kann das ital. wort aus dem franz. entlehnt sein, wie auch fregione 
dem fr. frison entspricht. Als grundbedeutung des verbums ist kräuseln 
anzunehmen: bedeutet nun wirklich der deutsche völkername Frisa, Fresa 
* gelockt', so bedarf es keiner weitern Untersuchung, s. Grimm J s . 408 
(bezweifelt in der Gesch. d. d. spr. 669), wenigstens läßt sich das roman. 
wort im fries. frisle, engl, frizzle wiedererkennen. Das engl, fleece wol- 
liges fett, vlies, liegt jedenfalls weiter ab. Sind die frisii panni des mit- 
telalters friesische oder ge flockte? saga fresonica, pallia fresonica, vesti- 
menta de Fresarum provincia werden im früheren mittelalter erwähnt, 
man sehe Ducange v. sagum. — [Gachet p. 344 h bemerkt, daß die rohen 
tücher von Friesland mit den goldstoffen von Phrygien keine gemeinschaft 
hätten. Dies ist gut. Wenn er aber bei der alten herleitung aus phry- 
gius stehen bleibt, so hätte er den buchstäblichen Zusammenhang zwischen 
diesem und dem franz. worte nachweisen sollen. Das deutsche Frisa oder 
frisle ist oben nur als etymologisches dement, nicht in beziehung auf die 
heimath der stoffe benutzt worden. — Auf eine neue Untersuchung des 
schwierigen wortes von Atzler p. 98, anknüpfend an das deutsche friesel 
(schauer, gleichsam kräuselung der haut), ist hier etwa noch hinzuweisen.] 

F res co it. sp. pg., pr. fresc, fr. frais, (fem. fraiche), watton. friss 
frisch, jung, neu ; vom ahd. frise, auf welches it. fresco mit geschlossenem 
e streng zurückweist; ags. ferse, kymr. fresg, bret. fresk. 

Fr et fr. (mit hörbarem t), pg. frete, sp. flete miethe eines Schiffes; 
vom ahd. frfeht verdienst; oder vom. ndl. vracht? 

Frettare it., pr. fretar fegen, reiben; sbst. it. fretta, neupr. freto 
eilfertigkeit ; von fricare, frictum. Die franz. spräche bietet dafür frotter, 
das sich, freilich gegen die regel, aus froiter vereinfacht haben müßte, im 
bürg, fretter (hecheln) hätte sich der richtige vocal behauptet. Aus der 
franz. form wäre denn auch sp. frotar, flotar entnommen, das dem Por- 
tugiesen fehlt. Ein diminutiv von frotter ist fr. fr 61er anstreifen, für 
frotler, dessen norm, form freuler unmittelbar auf das lat. etymon zurück- 
zugehen scheint. Vgl. auch das mundartl. dtsche fretten Frisch I, 291, 
das schon Muratori anführte; Zusammenstellungen bei Diefenbach, Goth. 
wb. I, 102. 103. 

Frizzare it. stechen oder fressen unter der haut, sp. frezar fressen, 
reiben, wühlen, neupr. frizä zerreiben; sbst. sp. freza, pr. fressa spur. 



I. FRONCIR-FURON. 149 

Die Wörter mahnen an das dhd. frezzan, goth. fritan; vergleicht man aber 
frizzare, frezar mit dirizzare, derezar von directus, so tvird man auf 
frictus, particip von fricare, geführt und diese deutung gewinnt an wahr- 
scheinlichkeit, wenn man den seltnen Übergang des goth. t in sp. z an- 
schlägt. Ein franz. fresser fehlt. 

Froncir dUsp. PC. 1752, nsp. fruncir und so auch cot. frunsir, 
sard. frunziri, pr. dltfr. froncir, neufr. aber froncer in falten legen, ndl. 
fronsen; daher sbst. dltfr. fronce falte, sard. frunza. Froncer, gleichsam 
frontiare, kann eine handlung der stirne ausdrücken wie ciller eine hand- 
lung der wimpern, pg. olhar eine der äugen; die auffallendste handlung 
der stirne aber ist ihre fältelung und so konnte froncer fälteln bedeuten; 
vgl. bair. 'ein gestirn (d. i. eine stirne) machen die stirne falten SchtneUer 
III, 659. Das pg. franzir beruht wohl nur auf einer ent Stellung. 

Frugare it., sp. hurgar, pg. forcar, neupr. furgÄ, dltfr. furgier 
Ben. I, p. 21 durchstöbern, umrühren; von furca gabel. Einen einge- 
schobenen vocal erkennt man im ven. furegare und sard. forogai. Die- 
selbe begriffsentwicJdung im it. rinvergare aufspüren, von verga stab, 
piem. fustignd durchsuchen, von fustis. 

Fuoco it., sp. fuego, pg. fogo, pr. fuec, fr. feu, weil, foc feuer; 
von focus herd, poetisch auch feuer, in letzterem sinne entschieden seit 
dem ersten mittelalter, z. b. in der L. Alam., daher focum facere ignem 
excitare. Die neue spräche traf diese wähl, weil sie das ausdruckslose 
ignis ( Dante' s igne ist IcUinismus) nicht brauchen konnte. Vor der Ver- 
wechslung warnt der Vocab. optimus p. 18: non focus est ignis, immo 
proprie locus ignis. Von focus ist it. focile, fucile, fr. fusil feuerstein, 
feuer geweht, vgl. unser flinte von flint kieset. Für das zsgs. it. infocare, 
dUsp. enfogar glühend machen ist das alte Zeugnis infocare ^ignicare 
Gloss. vet. 527 zu bemerken. 

Fuora und fuori it., sp. fuera, alt fueras, pg. fora, pr. foras, fors, 
fr. hors (h asp.), vrlt. fors (schon in den Vatican. glossen ed. W. Grimm), 
wal. fere, neue präposition mit der bed. extra, von foras hinaus, foris 
draußen, s. Ducange v. foras. Auch das churw. ora, or ist dieser her- 
kunft. Zsgs. pr. forceis ausgenommen LR. III, 372 für fors-eis = foras 
ipsum (vgl. anceis, aingois); fr. hor-mis = foras missum herausgelegt, 
aus dem spiel gelassen. Abgel. ist sp. foraneo, forano, fr. forain fremd, 
dltfr. deforain u. a. 

Furon dUsp., nsp. huron, pg. furäo, dltfr. fuiron, mit einem an- 
dern suffix it. furetto, fr. füret, ndl. füret, foret, fret eine art wiesei, 
f rettet, zum jagen der kaninchen gebraucht, occ. fur6 maus; vb. sp. huro- 
near, sard. furittai, fr. fureter durchsuchen, durchstöbern. Auch von 
diesem muthmaßlich noch aus der römischen Volkssprache herrührenden 
worte hat Isidorus künde: furo, sagt er, a furvo dictus, unde et für: 
tenebrosos enim et occultos cuniculos effodit. Es kann nur von für dieb, 
woher auch it. furone erzdieb f abstammen (im frühern mlat. furo furonis, 
vgl. Pott in der abh. Plattlatein). Leitet man füret vom kymr. fifared = 



150 I. FUSTA-GAFA. 

engl, ferret, so steht sowohl das uralte suffix on wie auch der in allen 
obigen bildungen auf ü deutende stammvocal im wege. Besser würde man 
mit Villemarque bret. für 'klug, verschlagen anführen. 

Fusta it. sp. pg., fr. fuste ruderschiff; von fustis prügel, sp. fuste, 
pr. fust, nüat. fustis bäum, holt, vgl. it. legno fahrzeug, von lignum. Mit 
fr. fflt ist zsgs. äff fit schüft, lavette, vb. affüter, it. affustare Schäften. 

Fustagno, frustagno it., sp. fustan, pr. fustani, fr. futaine ein 
baumwollener Stoff, barchent; so genannt nach der Stadt, wo er verfertigt 
ward, Fostat oder Fossat (Cairo), s. das wort Gol. 1798, Freyt. II I, 347 b . 



G. 

Gabarra sp. cot., fehlt pg., fr. gabare ein plattes und breites fahr- 
zeug; woher? 

Gabbano it., sp. altfr. gaban regenmantd; von ungewisser her- 
kunft, vielleicht aus gleichem stamme mit cabana, gabinetto (s. oben ca- 
panna), denn hütte kann als der umhüllende schützende mantel aufgefaßt 
werden. 

Gabbia, gaggia it., sp. pg. gaxin,, neupr. gavi (m.), mit tenuis fr. 
cage (f.), altfr. caive, ven. sard. cabbia käfig, zum theil auch mit der unlat. 
bed. mastkorb; von cavea. Ein dimin. ist it. gabbiuola, sp. gayola, 
pg. gaiola, altfr. gaole, jaiole (datier die Span, nebenform jaula), nfr. 
geöle käfig, kerker, fr. geölier kerkermeister ; vb. fr. cajoler liebkosen 
mit worten (behandeln wie einen vogel im käfig); dsgl. zsgs. enjöler 
schmeichelnd hintergehn, urspr. in den käfig locken wie sp. enjatflar in 
den käfig thun. 

Gabbo it., pr. altfr. gab spass, spott; vb. gabbare ff., auch altsp. 
gabar Alx.; vgl. nord. gabb Verspottung, gabba hintergehen. Über mög- 
lichen celt. Ursprung s. Diefenbach, Goth. wb. I, 169. 

Gabe IIa it. pg., sp. pr. gabela abgäbe, Steuer, fr. gabeile salzsteuer; 
vb. it. gäbe IIa re versteuern. Man findet seine quelle im gleichbed. ags. 
gaful, gafol, engl, gavel (s. Ducange), vom vb. gifan, goth. giban Grimm 
II, 24, daher mlat. gablum, gabulum, endlich gabella (eigentl. plural von 
gabellum aus gabulum?). Diese herleitung ist grammatisch die sicherste: 
die aus aJid. garba manipulus setzt einen vor b nicht üblichen ausfcül 
des r voraus, die aus dem arab. vb. qabala (einnehmen) eine sonst nicht 
vorkommende erweichung des arab. anlautes q M) zu g. [Dem argumente 
gegen das arab. etymon stimmt auch Engelmann bei p. 19.] 

Gafa sp. pg., sard. gaffa, fr. gaffe, pr. gaf eiserner haken, engl. 
gaff, adj. sp. gaf o krampfhaft (von nerven), wohl auch comask. gab haken, 
gavöl krummes stück werkholz; vb. sp. gafar, fr. gaffer häkeln, gascon. 
gaha üblicher ausdruck für prendre; vom deutschen gafel, gabel nach 
Frisch, besser aber vergleicht man das obd. gaifen krumm ausschneiden, 
gaifung eiserner ring, und, mit Diefenbach, gad. gaf. 



I. GAGGIO— GAJO. 151 

Gaggio it., sp. gage, pg. pr. fr. gage pfand, gewahrleistung, sold 
(besonders im plur.), prov. auch, zumal in den formen gadi, gazi, letzter 
wiUe, testament; vb. pr. gatjar, altfr. gager pfänden, nfr. wetten, besol- 
den; zsgs. it. ingaggiare, pr. engatjar, fr. engager verpfänden; fr. d6- 
gager auslösen, los oder frei machen. Man bemerkt diese Wörter im 
ältesten mlatein, am häufigsten in den germanischen gesetzen: vadium oder 
mit w wadium bürgschaft, pfand L. Älam. (donet legitimum vadium), 
Chron. Laurish., Odo Cluniac., fem. vadia L. Long, (vadiam dare), vb. 
wadiare (z. b. bannum), invadiare, disvadiare, revadiare. Daher neugr. 
ßadiov, bask. bahia. Abzuweisen ist Ducange's etymologie aus lat. vadum 
in der redensart res est in vado ist in Sicherheit, da hieraus kein vb. va- 
diare abgeleitet worden wäre. Aus vas vadis könnte der Romane ein vb. 
radiäre, hieraus wieder ein sbst. vadium, vadia ableiten, aber der durch- 
greifende anlaut g für gu, gestützt auf die uralte Schreibung mit w, leitet 
auf deutsehe quelle zurück: das rom. wort ist, wie vide dieser gattung, 
aus dem germanischen rechtswesen entlehnt : goth. vadi pfand, ahd. wetti, 
mhd. wette, oitfrs. ved pfand, bürgschaft, Verheißung, auch ersatz, geld- 
buße, nhd. wette sponsio, vb. goth. gavadjön geloben, mhd. wetten pfand 
geben, altfrs. vedia bürgen, gewette zahlen u. s. w., vgl. Grimm, Rechts- 
alt. 601. Den Ursprung von vadi findet man theils in dem starken ver- 
bum vidan binden s. Grimm II, 26, Diefenbach, Goth. wb. I, 140, theils 
im lat. vas vadis. 

Gagliardo it., sp. pg. ebenso gallardo, pr. galhart, fr. gaillard 
munter, üppig, kräftig, kühn, frech. Aus gala konnte dies adjectiv nickt 
entstehen, es würde galardo lauten. Schwerlich auch aus gajo, da man 
einmischung des Suffixes igl annehmen müßte (gaj-igl-ardo). Keine for- 
male Schwierigkeit läge ijn ags. gagol, geagle muthunllig, üppig. Aber 
wahrscheinlicher noch birgt das roman. wort eine celtische würzet, kymr. 
gall kraß, eitgad. galach muth, tapferkeit: erweichung des 11 ist wenig- 
stens im prov. und span. sehr üblich. 

Gaglioffo it., sp. gallofo schelm, taugenichts, landstreicher, henneg. 
galoufe, woilon. galofä, gaioufe fresser; dsgl. sp. gallofa stück bettelbrot, 
chw. gaglioffa, lomb. gajoffa schleppsack (bettelsack?). Nach Covarruvias 
zsgs. aus Galli offa älmosen, das man in den klöstern den nach S. Jago 
pilgernden Franzosen reichte. Die erklärung hat den anstrich einer ety- 
mologischen erfindung, dllein das Wörterbuch zeigt wirklich diese bedeutung. 
Die catal. form galyöfol ist dann aus Galli offula. 

Gajo it., altsp. gayo (Seckendorf), pg. gaio, pr. gai, jai, fr. gai 
munter, lebhaft; leitete schon Muratori vom ahd. gähi rasch, kräftig, nhd. 
jähe, mit ausgestoßenem h. (Prov. gau, welches Raynouard hieherzieht 
LR. III, 441, steht für gai haJm: del prumier gau ist = sp. al primer 
gallo T>eim ersten hähnenschrei.) Damit trifft zusafnmen der name eines 
vogds, den die alten dichter Frankreichs zur nachtigall gesellten, sp. gayo, 
gaya, pr. gai, jai, attfr. pic. gai, nfr. geai holzhäher, markolf, also der 
muntere oder der bunte, denn gajo hat auch diese letztere bedeutung (altfr. 



152 I. GALA-GALEA. 

piaus gaies et noires bunte und schwarte fdle G. SAngl. p. 119), sp. 
gayar bunt machen. 

Gala it. feierkleid, busenstreif der frauen (Boccaccio), di gala mun- 
ter, lustig, sp. pg. gala feierkleid, anstand, anmuth, fr. gale munterkeit, 
ergötzlichkeit, freudenfest (Froissart, A. Chartier, Coquillart, s. Borel); 
abgel. it. gallone, sp. galon, fr. galon borte, tresse; it. galante, fr. 
galant artig, sp. galante artig, freigebig, daher galanteria, galanteggiare 
u. s. w.; sp. galano, galan hübsch, geputzt, sinnreich, davon galania, 
galanura; auch ein altfr. adj. galois zieht man hieher, s. Roquefort und 
Du Meril, Dict. norm. Ein einfaches verbum ist altfr. galer feste feiern, 
schwärmen: je plains le temps de ma jeunesse, auquel ay plus qu'en 
autre temps gal6 (Villon); il y aura beu et gall6 (Pathelin). Merkwür- 
dig ist, daß gala nebst seinem ganzen gefolge im prov. noch nicht vor- 
kommt und daß auch im franz. des 12. und 13. jh. gale nicht vorhanden 
scheint; es fehlt daher auch im mittellatein. Was seine herkunft betrifft, so 
erklärt es Perion nicht ungeschickt aus gr. xalog schön, lieblich, anständig, 
xa xaXa die annehmlichkeiten deslcbens: nicht unhäufig entsteht anlauten- 
des g aus der tenuis. Andre verweisen aiuf äyalluv schmücken, ayalleodm 
sich schmücken, sich brüsten, sich freuen; schwerlich aber würde der Ita- 
liener, der doch wohl das wort eingeführt haben müßte, das doppelte 1 
mit einfachem vertauscht haben. Auch auf ein ardb. etymon wird vertciesen: 
chalaa'h ehrenkleid als fürstliches geschenk. Indessen gewähren die 
Wörterbücher dieser spräche nur chilaa'h und es ist unerweislich, daß das 
vulgär-arabische in Spanien i mit a tauschte; Engelmann bemerkt diesen 
Wechsel nicht, verwirft übrigens die deutung aus einem andern gründe 
(p. 107). Ehrenkleid entspricht überhaupt dem begriffe des roman. Wortes 
nicht: gala ist ursprünglich ein abstr actum und. heißt putz, staat, beiAnt. 
Nebrissensis 'elegantia vel lautitia vestium', vestido de gala staatsJdeid. 
Bessere ansprüche als das arabische wort scheint ein deutsches zu haben: 
ahd. geil! (f.) prunk, stolz, mhd. geile Üppigkeit, lustigkeit {wie fr. gale), 
geilen erfreuen (fr. galer = sich geilen). 

Galanga it. sp. pg., altsp. garingal Conq. Ultram., altfr. galange, 
häufig garingal (poivre, canele et garingal Fl. Bl. 2029), engl, galingal, 
ahd. mhd. galgan, nhd. galgant, eine aus China und Java kommende 
wurzel. Es ist das ardb. chalan', ursprüngl. persisch Gol. 752. 

G&lbero it. (Jagemanns Wb.), mail. comask. galbö goldamsd; lat. 
galbula, bei Martial und Plinius, muthmaßlich dasselbe wort. Zu einer 
andern lesart bei dem letzteren Schriftsteller galgulus stimmt sowohl sp. 
galgulo wie it. ri-gögolo, rigoletto, beide letztere ohne zweifei aus 
aurigalgulus. Das parm. galböder, cremon. galp£der, entstand offenbar 
aus galbicterus. Der Spanier nennt den vogel auch oro-pendola gold-feder. 

Gal6a it. altsp., pg. gal£ (f.), pr. galöa, galeya, gal6, altfr. galäe, 
galie, mittelgr. yalta, yaXaia ursprüngl. ein langes ruderschiff: tunc rex 
jussit cymbas et galeas i. e. longas naves fabricari, sagt Asser (9. jh.), 
s. Voss. Vit. serm.; it. galeotta, sp. pg. galeota, altfr. galiot leichte 



I. GALERNO-GALOPPARE. 153 

galea; it. galeazza, sp. pg. galeaza, fr. galäasse großes schiff dieser 
art; it. galeone, sp. galeon, pg. galeäo, fr. galion großes fahrzeug. 
Gleichbed. mit galea ist it. sp. pg. pr. galera, fr. gal&re: abstammend 
aber von jenem müßte es it. galiera, pg. galeira, fr. galiöre lauten, nur 
die sp. form wäre richtig und diese müßte sich den übrigen mundarten 
mitgetheiit haben. Einige leiten galea vom lat. galea heim als abdeichen 
eines schiff es, wie desjenigen, welches den dichter Ovid trug: a picta cas- 
side nomen habet Trist. 1, 10 (Voss. I. c); aber aus gälea wird nicht 
gal£a, und cassis steht da als name des einzelnen Schiffes, nickt einer art 
von schiffen. Nach andern entlehnte man den namen wegen einer ahn- 
lichkeit der gestalt vom gr. yalsog haifisch, und galeotta aus gleichem 
gründe von yaXf.coxr^ Schwertfisch. Das letztere gleichnis wäre besonders 
passend, man erwäge die beschreibung der galea in der Hist. Hieros. DG., 
worin es heißt: lignum a prora praefixum habet et vulgo calcar dicitur, 
quo rates hostium transfiguntur percnssae. Auch galeotta für galeota 
läßt sich mit ähnlichen beispielen, wie patriotta, Candiotta, rechtfertigen. 
Daß dieses wort aber auch auf roman. weise aus galäa abgeleitet sein 
kann, versteht sich. Noch ein anderes griechisches erst bei Hesychius vor- 
kommendes wort ist in betracht gezogen worden: yakt] = igiÖQag eldog, 
also eine ort gatlerie, und sehr wohl konnte ein langes schiff mit einem 
langen bedeckten gange verglichen werden; man sprach mit betonung des 
gedehnten endvoccis gal6 (vgl. akorj, aloö) und fügte das weibliche a an. 
Von diesem galä oder zunächst von galera ist denn auch das bekannte 
rom. galleria, das wenigstens schon im 9. jh. vorkommt: tres domos 
cultas, videlicet galeria posita via Aurelia . . . reliquas vero duas i. e. 
galeriam positam etc. DG; hier scheint es ein zierliches gebäude zu heißen; 
in spätem stellen, aus der ersten hälfte des 11 jh., ist es ein eingeschlossener 
ort, ein hof: in galeria intra castellum vel de foris habitantibus Ughell. 
J, p. 121° ; curtem, quae dicitur galeria, in qua est ecclesia S. Mar. das. 
p. 136". Aber so wie jene älteste stelle es gibt, stimmt es besser zur rom. 
bedeutung. Noch einer etymologie ist zu gedenken. Muratori vermuthet 
den Ursprung von galea und galeone im arab. chalaia und chalion; 
wendet man sich an Golius, so erfährt man (p. 753. 754), daß chali 
(chalion) leer, frei, demnächst (in einem wb. vor d. j. 1000) bienenkorb, 
großes schiff, weil es frei sei von ruderwerk, bedeutet. Weder J. v. Ham- 
mer noch Engelmann sind hierauf eingegangen. 

Galerno sp. pg., galerna pr., galerne fr. nordwestwind, vgl. bret. 
gwalern, gwalarn, gwalorn. Die irische spräche besitzt das einfache gal 
Windhauch, die engl, gale kühler wind. Für begriffe dieser dasse liebt 
die prov. spräche das sufftx erna (bolerna stürm, buerna nebd, suberna 
Strömung), es ist also wohl zunächst eine prov. bildung, aber, so scheint 
es, cms cdtischem stoffe, wiewohl Nicot erklärt € nom de vent, qui fait geler 
les vignes*. 2hi vergleichen ist aber' auch, was engl, gale und ir. gal be- 
trifft, Dief., Goth. wb. II, 439, E. Mütter v. gale. 

Galoppare it., sp. pg. galopar, pr. galaupar Fer. 469, fr. galoper 



154 I. GALOSCIA— GAMBA. 

sich in Sprüngen fortbewegen (von pf erden), galoppieren, prov. und franz. 
auch in galopp setzen; daher sbst. galoppo ff. Faidü definiert galopar 
Unter trotar et currere^ zwischen treiben und laufen, GProv.31. Sdlmasius, 
Vossius u. a. sahen darin das gr. xalnifv traben, trott gehen, mit einge- 
schobenem o, aber eingeschobene vocdle betont man nicht. Es ist das goth. 
hlaupan mit vorgesetztem ga, ahd. gahlaufan, ags. gehleapan, nhd. laufen, 
eine durch die prov. form bestätigte herleitung, indem hier an dem deut- 
schen diphthong an gleichsteht: aunir = haunjan, raubar = raubön, raus 
= raus. Oder sollte der anlaut g ein verkapptes w sein, da man mndl. 
walop, walopeeren, mhd. walap, walopieren findet? Dies ist aber nur 
einem fr. walop, waloper nachgesprochen, indem sich in nordfranz. mund- 
arten g manchmal in w verirrt, woher auch it. gualoppare, vgl. gar$on 
war$on, gaignon waignon (hund), wohl auch gaqutere waquiere (jach&re). 
An diesen Übergang des g in w gewöhnt sprach der Niederländer auch 
Walewein, franz. gewöhnlich Galyain, wiewohl fr. g hier zufällig ßr 
ga steht, kymr. Gwalchmai. Das persönliche subst. sp. galopo, it. ga- 
luppo beiläuferi daher fr. galopin (in der thierfabd name des als böte 
gebrauchten hosen) wird dem ahd. hloufo nachgebildet sein. [Hierzu eine 
beachtenswerte randglosse Wackernagels: c Galoppare möchte ich kaum 
auf gahlaufan mit dieser hier so zufälligen und bedeutungsleeren vorsylbe 
zurückfuhren. Vielleicht g&ho hloufan' i Es möchte dagegen zu erinnern 
sein, daß grade der Romane die bedeutungsleere der partikd, die er auch 
sonst mehrfach aufnahm, am wenigsten fühlte, er liebte verstärkte. Wörter. 
Das wirkliche vorkommen eines compositums gählouf würde, versteht sich, 
entscheiden.] 

Galoscia it., galocha sp., galoche fr. Überschuh; vom lat. gallica 
pantoffd, mit verstärkter form oder eigentlich mit vertauschtem suffix, $. 
Rom. gramm. II, 319. Das ited. wort scheint aus dem franz. entlehnt, 
in welchem g hier eben so wenig zu j ward wie in gal (gallus), Gaules 
(Galliae). Andre leiten es von calceus, was die lautgesetze nicht gestatten, 
oder von caliga, welches jedesfalls weiter abliegt als gallicus. Gleichbed. 
ist das sp. haloza. 

Garn b a it. sp. cot., pr. gamba in gambaut, pg. gambia,. fr. jambe bein 
vom knie bis zum fuß, Schienbein. Neben dieser form mit anlautender 
media stellt sich eine gleichfalls weit verbreitete mit anlautender tenuis: 
altsp. camba Alx., so auch pr. sard., churto. comba, vgl. alban. khembe. 
Einer dritten form fehlt der letzte consonant: altsp. camaPC, gleichlaut 
cat. bearn., cdtfr. aber jame. Daß die tenuis der media vorangegangen, 
camba alter als gamba sei, leidet kaum einen zweifei; beide konnten neben* 
einander fortbestehen wie it. castigare und gastigare, pr. cat und gat. 
Zwischen camba und cama aber ist es theoretisch zweifelhaft^ ob b ein- 
geschoben oder ausgefallen sei, ob man also camb oder cam als {heim 
anzunehmen habe. Die grundbed. von camba muß bug, kniebug gewesen 
sein, wie andre bildungen desselben Ursprungs bezeugen: pg. camba rad- 
feige (krummes holz), cambaio krummbeinig, altsp. encamar (s. v. a. en- 



I. GAMBAIS- GANTA. 155 

cambar) beugen s. Sanchez zum. Cid, wohl auch bürg, (in Berry) cam- 
boisser krümmen, dsgl. mlat. cambuta krummst ab, das in der form cabtita 
schon in einer Urkunde v. j. 533 Breq. n. 15 erscheint. Die würzet findet 
sich auf lat. Sprachgebiete in cain-urus, cam-erus krumm, cam-era Wölbung, 
cam-erare wölben (fr. cambrer), einfach im celt. cam gebogen, gekrümmt 
(kymr. camineg radfeige, wie pg. camba), ihre weitere ausprägung in 
camba lag vielleicht schon im latein vor, da auch die griech. Sprache 
miinij hat und celt. cam auf SUeres camb (vgl. Cambodunum u. a. geogr. 
namen, Zeuß J, 75. 96) zurückzuführen ist. Aber gamba für ungula bei 
Vegäius jß. V. ist ein unclassisches wort. Vom deutschen hamma oder 
wampa ist ganz abzusehen. Zu gamba gehört noch sp. Jamba pfosten, 
iL gambo stengel (bein der pflanze), nfr. jambon, sp. jamon Schinken, 
dtfr. ga mache beinbekleidung. 

Gambais pr., altfr. gambais, wambais, altsp. gambax Alx., altpg. 
canbas SEos., daher mhd. wambeis, wambois, wambis, nhd. wams, im 
späteren nüatein mit schwankender endung gambacium, wanbasium, fehlt 
üd.; dsgl. pr. gambaiso, altfr. gambeson, wambaison, spätmlat. gambaso 
gambasonis ; ein den Oberleib bedeckendes Meidungsstück. Nicht von gamba; 
auf goth. vamba, ahd. wamba (bauch) leitet namentlich der franz. anlaut 
w. Was aber die endung betrifft, so ist ein ahd. wambaiz bei der Selten- 
heit und Ungewißheit des Suffixes aiz, eiz nicht zu vermuthen, daher im 
rom. ais das lat. aceus, in gambois, mlat. wambosiam, eine unächte form 
anzunehmen. Gayangos zieht ein arabisches etymon vor: gonbäz ( spccies 
vestimenti cra$si,*quo Collum tegitur' Freyt. III, 298* (ohne wurzelverbum). 
Gämbero it., sp. gdmbaro, altfr. jamble, npr. jambre, dauph. 
chambro kreis; von cammarus seekrebs. 

Gameila sp. pg., gamelle fr. hölzerne Schüssel für matrosen oder 
Soldaten; von camella trihkgeschirr (wie noch im span.). 

Gana it. sp. pg. cot. heßige begier. Es läßt sieh nur behaupten, 
daß es grammatisch zum ahd. geinön passe, dessen bed. den mund auf- 
sperren in die bed. lechzen übergehen konnte, wie pr. badar, lat. hiare, 
gr. %aivetv beide bedeutungen umfassen. Vgl. unten guadagnare. 

Ganascia it., fr. ganache kinnbaeken (des pferdes); toird mit recht 
für ein angmentativ von gena gehalten, welches letztere die spräche früh 
aufgab. Menage führt auch ein sp. ganassa an, von dem die Wörterbücher 
nichts wissen. 

Gan cio it., sp. pg. gancho haken, vielleicht auch fr. ganse schlinge, 
die als knöpf loch dient. Span, etymologen lassen gancho aus gr. yafiifJOQ 
(eingekrümmt) entstehen, aber ps wird sich schwerlich in sp. ch verwan- 
deln: wohl pl in dem synonytnen xa/nnvlog, womit aber das Hei. wort 
unerklärt bliebe. XJngr. gants gleichbed. wird aus letzterem herrühren. 

Ganta pr., noch itzt ganto, storch, kranich, wüde gans (ardea nigra 
nach Hannorat), altfr. gante Og. 4266, gente DC. v. auca. Für dieses 
wort hat man ein uraltes zeugnis: Plinius 10, 22 sagt .von den gänsen: 
candidi ibi (in Germania), vero minores, gantae (al. ganzae) vocantur. 



156 I. GARB1N0— GAROFANO. 

Eine mittellat. stelle ist: Conspicit innumerabilem multitudinem avium, 
quas vulgus gantas vocat Mirac. S. Genulfi, DG. Venard. Fort, unter- 
scheidet zwischen ganta und anser, indem er gras, ganta, anser, olor als 
verschiedene gattungen zusammenstellt Daher das rom. ganta = ndd. 
gante, ndl. gent, mhd. ganze, ahd. ganazzo. Dem wal. gunsce, gunsac 
erkennt Müdosich slavische herkunft zu. Der Spanier benutzte die hochd. 
form gans zu seinem ganso (denn gänazzo hätte ihm eher ganzo oder 
gan&zo gegeben), das ihm auch als adjectiv dumm, dem Catoianen ab- 
gefeimt, eigentl. sich dumm stellend, bedeutet] die gleiche Übertragung im 
wal. adj. lad dumm, vom ungr. lad, gans. — Eine ausführliche Unter- 
suchung des Wortes bei Diefenbach, Orig. europ. 347 ff. 

Garbino it. sp., garbin neupr. südwestwind im mittelländischen 
meere; leitet man richtig aus dem arabischen: hier heißt garb! westlich, 
vom vb. garaba weggehen, untergehen (von der sonne) Freyt. III, 267*, 
daher auch pg. garabia westen. Die itdl. form a-gherbino scheint an 
diese arab. herkunft zu erinnern. 

Garbo it. sp. pg. anstand; vb. it. garbare anstand verleihen, sp. 
garbar sich zieren; pr. nur garbier prahlerisch; vom ahd. garawf, garwf 
schmuck, vb. garawan, nhd. gerben, ndl. gaerwen bereiten, schmücken, b 
aus w auch im it. falbo von falawer. Schon Frisch I, 342 c sagt: das 
itdl. garbato schon, artig, gebutzt etc. kommt von diesem verbo gärben, 
sofern es mit kleidern auszieren bedeutet; s. auch Schmeller II, 64. Das 
bask. garbata wird von der Zubereitung des flachses gebraucht. Auch 
an das formell weiter abliegende gr. yavQOv stolze hütung hat man 
gedacht. 

Garbaglio it., sp. garbullo, eiffr. garbouil, grabouil lärmender 
häufe, Verwirrung. Sicher ein compositum. Das erste wort ist wahr- 
scheinlich von garrire schwatzen, das andre ohne zweifei von ballire brau- 
sen, sbst. sp. balla, it. baglione, cot. ballanga verworrenes geschrei. 

Gargatta it., altfr. pic. gargate s. Roquef. und Brut I, 103, und 
so churw. gargata, in Genf gargataine, im Jura garguelotte u. dgl., auch 
bret. gargaden, altengl. gargate, sp. pg. cot. mit eingeschobenem n gar- 
ganta gurgel; abgeleitet von garges mittelst des Suffixes att unter, einwir- 
kung des naturäusdruckes gargarizare gurgeln, sp. gärgara gegurget = 
arab. gargara (vb.), vgl. it. gorgogliare, gorgozza abgeändert in gargagli- 
are, gargozza. Auch sp. gärgola, fr. gargoaille speiröhre der dach- 
traufe wird hieher zu stellen sein. Seltsam ist pr. gargamela gurgel, fr. 
gargamelle bei Rabelais, noch jetzt lothringisch, vom gase, gamo, man sehe 
Dict. de Trevoux und Oberlin (Patois lorr.), vgl. auch pg. gorgomilos 
(pl.), sp. gorgomillera Schlund. Eine Zusammenstellung mundartlicher 
mit garg gebildeter Wörter findet sich bei Honnorat. Hieher wohl auch 
pr. gargar ßinsprudeln?) M. I, 19 1°. 202°. 

Garöfano it., sp. girofle, girofre, pr. fr. girofle würznelke; von 
caryophyllum mit dem griech. accente in xaQvoqtvllov gesprochen, wal. 
aber caroffl, garoffl. 



I. GARRA-GAS. 157 

Garra fcp. pg. kralle, pr. garra kniebug? (vgl. sguarar couper le 
jarret GO.), limous. jaro, genf. jaire. Daher it. garretto, dltfr. garret, 
nfr. jarret, sp. jarrete, pg. jarrete kniebug, kniekehle; neupr. garrou 
schweinshammc; sard. garroni = garretto; dsgl.fr. garrot gelenk, fuge, 
knebel, sp. pg. garrote mit letzterer bedeutung. Vom kymr. gär Schenkel, 
brä. gar Schienbein; vgl. kymr. cämez gär kniebug, bret. garan einschnitt. 
Berührung der begriffe glied, gelenk, kralle lehrt oben artiglio. Weiteres 
bei Diefenbach, Cdt. I, 129. 

Garzone it., sp. garzon, pg. gar^ao, fr. gargon, pr. auch gartz, 
dttfr. gare knabe, bursche, junggesell, fem. fr. garce liederliche dirne. 
Die üblichste bedeutung dieses Wortes, das im mlatein erst spät auftaucht, 
war im altfranz. nicht knabe, dafür brauchte man lieber danzel oder 
vaslet, es hieß diener, handlanger, trossknecht, zumal ober in moralischer 
beziehung lotterbube; auch der port. Codex Alfons. braucht gargom in 
letzterem sinne SRos. s. v. Dagegen hieß das fem. garce ursprüngl. mäd- 
chen, wohl auch dienstmädchen, ohne Übeln nebenbegriff (Le Glay zum 
Raotd de Cambr. p. 156) und schon hieraus ist zu schließen, daß die 
grundbedeutung der mannlichen form garzon die des tot. puer war, wie 
auch die Wörterbücher des 16. jh. übersetzen, daß es aber, wie unser trabe, 
in üblen sinn ausartete. In der mundart des Jura heißt noch jetzt gars 
söhn, garse tochter, gleichfalls ohne schlimmen nebenbegriff. Was nun 
seine herkunfi betrifft, so sind alle vorgebrachte deutungen bodenlos. Der 
miaut g kann deutschem w nicht entsprechen, da kein it. guarzone statt- 
findet, die zuweilen vorkommende prov. Schreibung guarso beruht auf un- 
genauigkeit; auch nicht bretonischem gw in gwerc'h Jungfrau (Pott, 
Forsch. II, 347). Die gael. spräche hat freilich ein wort garsan, aber 
aus dem franz., sie verwandelt oft das rom. on in ihr eigenes suffix an, 
vgl. caban, baran, bfirdan, ladran, fr. chapon, baron, bourdon, larron. 
Das wort erklärt sich wie so viele, die man in der ferne sucht, Mar und 
einfach aus dem tot. sprachstoff. Mit garzone nämlich ist augenscheinlich 
gleiches Stammes it. garzuolo herz des kohles, mail. garzoeu knospe, von 
cardnag (s. unten IL a), hiernach ist knabe etwas noch unentwickeltes, 
knospe, butzen, Strunk, eine anschauung, die sich auch im it. toso, im fr. 
petit trognon, im dtschen kleiner bützel, im gr. xoQog, im gael. gas aus- 
spricht, ja das mail. garzon bedeutet außer knabe auch eine distelartige 
pflanze und leitet dergestalt unmittelbar auf Carduus zurück. Wie willig 
aber in Carduus die tenuis der media wich, bezeugt auch das lothr. gade 
= carde, gada = carder. — Ist nicht auch it. sp. garza reiher identisch 
t*ü fr. garce mädchen, indem man den vom köpfe zurückwallenden feder- 
busch dieses vogels mit dem herabfallenden kurzen haar eines kleinen 
mädchens verglich? Oder sollte der ital. mundart, worin das wort am 
reichsten gewuchert hat und woher es ausgieng, das feminin gefehlt haben? 
span. garceta heißt kleiner reiher und herabfallende haarlocke. Über den 
zioeifelhaften arabischen Ursprung des Wortes s. Engelmann p. 81. 

Gas ein lußstoff; von dem altern van Helmont erfundenes, vielleicht 



15S I. GASALHA— GAVETTA. . 

aus ndl. geest d. i. geist gebildetes wort (Adelung). Weigernd J, 390 
vermuthet vom deutschen gäschen schäumen. 

Gasalha pr., altfr. gazaille, mlat. gasalia gemeinschaß, gesell- 
schaft (nicht gewinn, wie Lex. rom. III, 449 bestimmt wird); dahin auch 
pg. agasalhar und gasalhar (nach dem subst. gasalbado Lus. 2, 16 zu 
schließen), sp. agasajar, gasajar freundlich aufnehmen, altpg. agasalhar- 
se com huma mulher sich verheirathen SRos. append. Vom ahd. gisello, 
in älterer form gasaljo, nlhd. geselle geführte, freund, vb. goth. saljan, 
ahd. ga8elljan. In einer span. Urkunde v. j. 804 Esp. sagr. XXVI, 445 
liest tnan: feci ibi presuras cum meis gasalianibus (theilhabern) mecum 
commorantibus, worin gasalianes nach dem goth. plural gasaljans geformt 
sein muß. Menage erwähnt auch ein it. ghisello compagno; aus welcher 
mundart soll dies geschöpft sein? S. Rosa verzeichnet ein altpg. gas- 
villado asociado, was vielleicht aus gasaillado verschrieben ist. 

Gatto it., sp. gato, cot. gat, pr. cat, fr. chat, fem. gatta, gata, 
cata, chatte, ngr. yaca kotze, fehlt dem Walachen, der mutze und pisfee 
dafür hat. Felis aber fehlt allen; nur im picard. Wörterbuch wird feie 
als ein seltner ausdruck bemerkt und aus felis hergeleitet, was hier auf 
sich beruhen möge. Das neue wort ist auch durch die celtischen und 
german. sprachen verbreitet: ir. cat, kymr. cäth, ags. cat, altn. köttr. Ein 
lat. cätus kommt erst spät, bei Pattadius und bei einem dichter vor (s. 
Freund), ist aber vielleicht schon in cätulus enthalten, verwandt mit 
cänis (Schwenck); bei Isidorus gilt es noch für ein wort des gemeinen 
lebens: hanc (murionem) vulgus catum a captura vocant 12, 2. 38. Die 
herleitung aus captare, altrom. catar, ist indessen unstatthaft da, abge- 
sehen vom lat. catus für captus, auch im roman. sich die anlaute und 
irdaute widersprechen, it. gatto und catare. 

Gavela pg., sp. gavilla, pr. guavella GO., fr. javelle reisbündel, 
welle, handvoü Öhren, span. auch häufe menschen (ebenso val. gavella J. 
Febr. 64). Grammatisch unbefriedigend ist die erklärung vonFtischaus 
dem dtschen gaufei; nicht besser die aus dem ahd. garba, denn r duldet, 
wie schon unter gabella erinnert ward, vor b keinen ausfall; unnöthig die 
von Menage aus einem hypothetischen capus als primitiv von capulus. 
Es kommt, wenn man die bed. handvoll aus handhabe oder griff folgern 
darf, unmittelbar von capulus, umgebildet in capellus, capella, um so 
wahrscheinlicher, als ein neupr. masc. gavel, pic. gaviau vorliegt; 
ebenso verwandelte sich martulus, scrophula roman. in martellus, scro- 
phella (Gcrouelle). Frane. j aber konnte aus lat. c entstehen, wie dies in 
jambe und geöle anerkannt werden muß. Im engl, gavel treffen gavela 
und gabella (abgäbe) zusammen, gleichwohl scheint es je nach seiner be- 
deutung verschiedener herkunft. S. auch E. Müller v. gavel. 

Gavetta it., sp. gabata, fr. jatte höherner napf oder schüssd; von 

gabata eßgeschirr, ahd. gebita, mlat. capita, vgl. nord. jata krippe. Frone. 

jatte aus gabata verhält sich lautlich wie dette aus debitum. Picard, 

p sagt man gate, norm, gade, jade, daher altfr. ja de au. Auch sp. ga- 

V veta Schublade wird derselben abkunft sein. 



I. GAVIA-GECCHIRE. 159 

Gavia sp. ein vogel, möwe; ist das lat. gavia bei Plinius, für 
welches die bed. möwe nur auf vermuthung beruht, durch das roman. wort 
aber gerechtfertigt wird. Daher die gleichbed. abU. sp. gaviota, pg. 
gaivota; sp.'pr. neap. gavina; it. gabbiano, pg. gaiväo, letzteres eine 
schvcaibenart. 

Gazza iL, gacha pr., besser pr. agassa, fr. agace elster, krähe; 

vom ahd. agalstra, was eine zweite ital. form g&zzera noch anschaidicfwr 

macht; die Verbindung st stellte sich romanisch durch z, c, ss dar. Die 

Flor, glossen geben agaza als deutsches wort und übersetzen es mit pica. 

Zu merken ist noch die romagn. form argaza. Der sinn des deutschen 

ä-gal-astra ist nach Grimm II, 367 der rauhschreiende krächzende vogel. 

Gazzella it., gazela sp., gazelle, algazelle fr. ein säugethier im 

Orient und Nordafrica; vom arab. gaz&l junge gazeüe Freyt. III; 274*. 

Gazzetta it., gazeta sp., gazette fr. zeitung; eigentl. name einer 

ital. münze (von gaza schätz?), wofür man das zeitungsblatt kaufte. So 

Menage und Ferrari. Nach Schmellers vermuthung aber ist gazzetta das 

diminutiv von gazza elster, indem die ersten zeitungsblätter etwa das 

emblem des geschwätzigen vogels getragen hätten, Bair. wb. IV, 293. — 

[Mahn p. 90 tritt Menage bei. Die ersten zeitungsblätter, bemerkt er, 

erschienen zu Venedig (lf)63?) und waren geschrieben; für die erlaubnis 

sie zu lesen zahlte man eine gazetta, daher der name dieser blätter, denn 

sie konnten bei der dürftigheit ihres inhaltes nichts weniger als geschwätzig 

genannt werden; auch sei es nicJU wahrscheinlich, daß die Verfasser ein 

solches emblem gewählt hätten, da man sich nicht leicht selbst verspotte. — 

Dagegen möchte sich doch wieder einwenden lassen, daß was man für 

eine bestimmte münze kauft, schwerlich mit dem namen derselben benannt 

tcorden wäre (dafür hatte man das suffix ata wie in derrata, quattrinata), 

ferner daß wenn auch nicht der Verfasser, doch das publicum eine zeitung 

füglieh eine plaudertasche nennen konnte, weil ihre nachrichten oft genug 

grundlos sein mochten.] 

Gecchire it. in aggecchirsi sich demüthigen, sich unterwerfen (alt 
gicchito demüthig, s. Perticari p. 300, giachito PPS. II, 175, mail. 
gecchiss d. i. gecchirsi), pr. gequir, altsp. jaquir überlassen, aUcat. jaquir 
erlauben, altfr. gehir geskiien, sagen. Alle diese Wörter lassen sich auf 
eins zurückbringen, das ulid. jehan aussagen, zugestehen, vgl. mhd. jehen 
c. dat. einem den sieg zuerkennen, sich Überwunden geben. Ital. aggec- 
chirsi, das Ciampi (zu Cino) gegen die grammatik aus abiettito (abjeetus) 
erklärt, bedeutet sich einem zugestehen, sich einem überlassen, h durch ch 
vertreten teie in annichilare. Ebenso das prov. wort: qui tot non lor o 
gic wer ihnen nicht alles zusagt, überläßt Chx. IV, 344; se gequir de 
una reu sich von etwas lossagen. AUcat. nos jaqnesca escapar er erlaube 
uns zu entrinnen, lasse uns entrinnen RMunt. 114". Am nächsten schließt 
sieh die bedeutung des altfr. wortes an die des deutschen: jehir ses pe- 
chtes seine sünden beichten Gar. II, 222; ist doch beichte, ahd. bigiht, 
selbst aus jehan entstanden. Was die begriffsentuncklung betrifft, so ist 



160 I. GELDRA-GERGO. 

besonders zu vergleichen goth. gakunnan gik sich bekennen, sich unter- 
werfen, v7toTcm;€od'ai. 

Geldra it. lumpenvolle, pr. gelda, altfr. gelde trupp besonders von 
fußvolk: trente milie de gelde triginta milia peditum LRs. 15, vom nüat. 
gelda congregatio, dies aus dem deutschen: ags. gild cultus, sodalüas, 
gegilde sodalis, ndd. gilde. Auch ein altfr. gueude findet sich (gn neben 
g z. b. in gueule, geule): la soci&6 yalgairement appelöe gueude mar- 
chande kaufmannsgilde, s. Menage. Von pr. gelda ist geldon lanzen- 
träger, daher it. gialdoniere dass. Altit. gialda lanze erinnert zwar an 
goth. giltha sichel, hippe: man kann aber die waffe nach den leuten be- 
nannt haben, die sie tragen, vgl. partigiana. S. auch Füomena ed. Ciampi 
p. 143. 

Gengiva it. pg. pr., sp. encfa, fr. gencive, wal. gingie Zahnfleisch; 
von gingiva, mit abänderungen, um das sich wiederholende g zu beseiti- 
gen, vgl. auch sard. sfnzia, pr. angiva, cot. geniva, fr. in Berry gendive 
u. a. formen. 

Gente altit. (wohl aus dem prov.), altsp. gento (gente Mar. 
Egipc. nach Pidai ist unrichtig, s. Janer 313 b ), pr. gent, fem. genta, 
altcat. gint, ginta, altfr. (noch in Berry) gent, gente artig, hübsch; vb. 
agenzare, agensar, agencer gefallen. Von gentilis mit zurückgezogenem 
accent und weggefallnem suffix wäre nicht gegen die grammatik, man be- 
denke sp. manso aus mansuetus u. a. Vielleicht aber findet sich ein 
naher liegendes wort. Buchstäblich passt nur genitus, worauf schon 
Sanchez, Colecc. tom. III, vermuthete. Homo genitus konnte einen mann 
von hcrkunft, einen edeln bedeuten, wie man einen solchen, aber minder 
kühn, mhd. von geburt, fr. homme de naissance nennt, und hieraus 
konnte sich die bed. artig entwickeln, die auch gentilis d. i. qui gentem 
habet annehmen mußte. Vgl. Grandgagnage v. ajancener. 

Gergo it., sp. xerga; it. gergone, fr. jargon; altsp. girgonz Alx. 
(gebildet wie vascuence = vasconice), nsp. gerigonza kauderwelsch, roth- 
walsch, so pr. gergons 'vulgare trutanorum i spitzbubensprache GProv.94. 
Nicht unpassend nennt Charles von Orleans die spräche der thiere ein 
jargon, eine für utis unverständliche rede: il n'y a ne beste ne oyseau 
qu'en son jargon ne chante et crie. Altfr. sagte man für jargonner auch 
gargoner Roquef., Hob. le diabl. IIP. col. 1, altengl. gargoun Hallitc.: 
hieraus folgt 1) daß trotz dem pic. gergon (denn diese mundart pflegt 
das gutturale g zu bewahren) ga der ursprüngliche anlaut war, 2) daß 
das wort von Frankreich ausgegangen. Gleichwohl ist sein Ursprung nicht 
sicher, wenigstens läßt es sich aus dem nord. jarg Salbaderei, wenn man 
auf ga als dem richtigen anlaute besteht, nicht herleiten. Man sagt fr. 
le jars jargonne der gänserich schnattert, allein die ort der ableitung von 
jargon aus jars läßt sich nicht klar machen. Es möchte also wold 
gebildet sein aus dem roman. stamme garg (s. oben gargatta), so daß es 
eigentl. gegurgel, widerliches unverständliches gerede bedeutete. Vgl. audi 
das sp. guirigay kauderwälsch. 



L GERLA-GHIADO. 161 

Gerla it., neupr. gerlo, altfr. geurle NFC. 1, 220, jarle Boq. trage- 
korb, eimer; von gernlas tragend, in den Gasseier glossen gerala tina 
'zuuipar 9 (zuber). 

Gesmino it. (entstellt in gelsomino), sp. Jasmin, in der alten prov. 
litteratur nicht vorhanden, neupr. jaussemin, gensemil, fr. jasmin ein 
Staudengewächs; vom pers. jäsemtn, auch arab. j&samün, das Frey tag IV, 
514 h als ein fremdes wort gibt. 

Gesta it., geste altfr., wohl auch pr. gesta geschlecht, stamm. Lot. 
gesta als singtdar gebraucht (man sehe Ducange) nannte das mittelalter 
die thaten eines vornehmen geschlechtes, sodann die beschreibung derselben, 
die chronik, endlich, vermöge einer Übertragung der sacken auf die per- 
sonen, die geschlechtsfolge, den stamm selbst. Altfr. beispiele der beiden 
lästeren bedeutungen sind: an (en) la geste est escrit Sax. II, 151; en 
yielle geste le trueve Ton lisant Born, de Uoncev. p. 67; Clodol's qui 
commen$a la bone geste NF. Jub. II, 19; la geste Mahom der stamm, 
das volk Mdhomets Sax. II, 84; li varlet de haute gieste Eracl. 3362. 
Auch das oitsp. wort heißt chronik: aquis' ccmpieza la gesta de mio Cid 
PC 1093. 

Gettare, gittare it., sp. jitar, pr. getar, gitar, fr. jeter, sp. mit ab- 
gestoßenem j echar, werfen; von jactare oder, wie der allgemeine über- 
tritt des a in e vermuthen läßt, von ejectare, wal. ajeptä. Sbst. fr. j et 
wurf, auch Schleuder, strick, pr. get, it. getto, geto. Zu merken ist pg. 
deitar = fr. däjeter, von dejectare, welches Gellius aus Mattius an- 
fuhrt; die ältere spräche aber kennt auch geitar. — [Diese detUung von 
gettare aus ejectare, gegenüber der herkömmlichen aus jactare, ist von 
achtbarster seile bestritten worden. Sie kann sich aber unter andern dar- 
auf berufen, daß im italienischen aus der lat. silbe act niemals ett oder 
itt wird, und daß auch die wal. form, (deren aniaut a so gut zu lat. e 
passt wie in alege von eligere u. a.) gleichfalls ein radicales e zeigt] 

Gherooe, garone iL, sp. giron, pg. giräo, fr. giron, altfr . auch 
gneron zsgz. gron Comte de Poit. p. 14 (so noch picard) schooß, schleppe, 
in der wappenkunst dreieck; aus dem ahd. gero, acc. gerun, mhd. gere, 
altfries. gare eingesetztes keilförmiges stück in einem kleide, um es bau- 
schig zu machen, von ger speer wegen der ähnlichkeit : ebenso mlat. pilum 
vestimenti speer des gewandes, oder das in einem glossar (Graff IV, 225) 
mit gfero übersetzte romanische lansa. S. Grimm, Rechtscdt. 168. 

Ghiado it. äußerste kälte, pr. glay schrecken, cat. erstaunen; zsgs. 
pr. cat. es glay s. v. a. glay, altsp. aglayo; vb. it. aggMadare vor 
kalte erstarren, altsp. aglayarse erstaunen, pr. esglayar erschrecken, nieder- 
schlagen, cat. in erstaunen setzen. Prov. glay bedeutet auch schwert, von 
gladius, vgl. die form desglayar tödten, neben desglaziar (mlat. degladi- 
aodi ( deoeeidendi* Class. auet. VI, 520°); auch altfr. glaive ist dietödt- 
liche waffe und der tödtliche schrecken; it. morto a ghiado heißt erstochen 
(com. parm. ghiä stächet), agghiadare auch erstechen, niederhauen, pic. 
aglaver umkommen. Schrecken oder kälte werden als ein herzdurchdrin- 



162 I. GHIATTIRE-GHIGNARE. 

gendes schwert gedacht. Konnte aber it. ghiado aus gladius entstehen? durch 
dissitnilation allerdings, da ghiadio mislautete. 

Ghiattire und sghiattire it., pr. altfr. glatir, nüat. glattire Dief. 
Voc. lat. germ., neufr. clatir, sp. pg. latir klaffen, bellen, anschlagen; 
subst. pr. glat, wohl auch altfr. glai (lärm, geschrei); naturausdruck wie 
nhd. klatschen, ndl. klat-eren, gr. nkaCeiv, ylafyiv, lat. lat-rare. 

Ghiazzerino it., sp. jacerina, pg. jazerina, pr. jazeran, altfr, 
jazerant, jazerenc, daher pg. jazeräo, panzerhemd aus Meinen ringen zu- 
sammengesetzt; npr. jaziran, bürg, jazeran haXsband der weiber. Eigent- 
lich ist das wort ein von seinem Substantiv getrenntes adjectiv, sp. cota 
jacerina, fr. hauberc jazerant, vgl. pr. Tausbercs fon jazerans daspanzer- 
hemd war von ringen. Le Duchat leitet es vom dtschen ganz-rinc, das 
aber nicht vorhanden ist, Reiffenberg zu Chev. au cygne I, p. 71 von 
jaque acerin staMjacke, allein jaque ist kein altes wort. Andre haben 
an das einfache acerin oder an das altdeutsche Isarn (eisen) gedacht, ohne 
über das vortretende j rechenschaß abzulegen. Span, jazarino heißt al- 
gierisch, vom ardb. gazäir Algier: bezog man etwa die besten geringelten 
Panzerhemden von dort? Covarruvias v. Argel versichert dies ohne be- 
denken. Die Hist. de las guerras civiles de Granade cap. 8 kennt wenig- 
stens eine jacerina labrada en Damasco. In Wolframs Willehalm 366, 
12 aber fuhrt der könig der Berberei ein in Jazeranz gearbeitetes panzer- 
hemd mit sich: der künec von Barberie bräht im einen halsperc: in 
Jazeranz daz selbe werc worhte derz wol künde. Aus keinem altfr. 
gedieht ist diese auffassung bekannt, die ubrigetis der deutung aus jazarino 
zu statten kommen würde. [Dieser deutung stimmt Engelmann bei, p. 83.] 

Ghignare und sghignare it. heimlich lächeln, sp. gainar,pr. guinhar, 
fr. guigner mit den äugen winken, seitwärts blicken, spähen, pg. guinar 
von dem wege abweichen; sbst. it. guigno, sp. guino, pr. guinh. Ent- 
stehung aus dem ahd. winkjan winken (in welchem falle it. gh sich ver- 
halten müßte wie in ghindare für guindare) setzt ausfall des k zwischen 
n und j voraus, wofür sich kein zweites beispiel vorfindet: aus winken 
ward vielmehr norm, guincher wie aus dem buchstäblich nahe liegenden 
wenkjan altfr. guenchir, nicht guegnier. Da die picard. mundart nicht 
winier, sondern guinier spricht, so ist es nicht einmal rathsam, den atüaut 
aus ursprünglichem w herzuleiten und so kann denn auch das kymr. gwing 
Wendung, wink nicht in betracht kommen. Ags. ginian, altn. gina, ahd. 
ginen heißt gaffen: hieran konnte sich etwa die franz. bed. *mit den äugen 
verfolgen und daraus wieder die andern entwickeln, vgl. fr. b6er gaffen, 
beträchten; aber der grundbegriff des rom. Wortes ist doch offenbar winken, 
anlächeln, und so passt es besser zu ahd. kinan, wovon ein altes glossar 
sagt chinit 'adrisit* Graff IV, 450, wiewohl übrigens anlautendes deut- 
sches k bei folgendem vocal selten zu roman. media wird. Auch bask. 
quenua, kheinua bedeutet toink, es fragt sich nur, ob es ein eingeborenes 
oder aus Spanien eingewandertes wort ist. Span, g härtet sich sonst 
nicht zu bask. qu, aber die bildung hat roman. gepräge, vgl. bask. ceinua 



I. GHINDARE-GIA. 163 

= pr. genh, esteinna = pr. estanh. [Sollte vielleicht engl, squint zu 
berücksichtigen sein?' fragt Atzler. Man sehe das wort bei E. Müller.] 

Ghindare iL (für guindare), sp. pg. guindar, fr. guinder aufwin- 
den; vom ahd. windan. Daher it. guindolo (entartet in bindolo, trient. 
binda), sp. guindola, fr. guindre winde, hasjyel u. dgl.; sp. pg. guin- 
daste, fr. guindaa und vindas, aus dem ndl. wind-as (windachse), daher 
brä. gwindask, engl, aber windlass. 

Ghiotto it., pr. altfr. glot Vielfraß, schlemmer; von glütus, wofür, 
nach gluttire zu urtheilen, auch gluttus stattfand, daher das roman. o. 
Dsgl. it. ghiottone, sp. pr. gloton, fr. glouton, von gluto bei Festus 
s. v. ingluvies; vb. it. inghiottire, pr. englotir, fr. engloutir ein- 
schlucken, von gluttire. Aus derselben quelle ist pr. glot bissen, schluck, 
und selbst das gewöhnlich von gutta hergeleitete it. ghiozzo, worin sich 
tt in zz verwandelte. 

Ghirlanda it., sp. pg. guimalda, altsp. guarlanda, pg. guirnalda, 
grinalda, pr. cot. garlanda, fr. guirlande, altfr. auch garlande kränz. 
Ungeachtet der alten formen mit radicalem a scheinen die mit i ursprüng- 
licher, da dieses in erster tonloser silbe leicht mit a, nicht leicht a mit i 
vertauscht wird. Das suffix anda muß dasselbe sein wie im it. lavanda 
oder im fr. girande, es setzt also ein vb. ghirlare voraus, das ober nicht 
vorhanden ist. Schwieriger ist der anlaut. Ist g, gh 7 gu = g oder = 
w ? It. ghirlanda spricht für erster es, aber nicht entscheidend, denn auch 
in ghindare ist gh = w. Altsp. guarlanda zeugt stark für w, ein 
stärkeres zeugnis noch wäre ein altfr. wirlande. Geht man von g aus, 
so kommt tnan auf gyrus, woraus man gyrulare ableiten muß, girillare 
(winden, garn winden) kommt im mlatein vor und wird von Joh. de Janua 
aus gyrus erklärt. Allein warum alsdann nicht girlanda? Jault erinnert 
an ags. gyrdan gürten, sbst. gyrdel, aber rom. i = ags. y ist sehr pro- 
blematisch und auch die bedeutung sagt wenig zu. Geht man von w afis, 
so geräth man mit Frisch, unter Voraussetzung einer abl. wierelen, auf 
mhd. wieren einfassen, umflechten, schmücken, sbst. wiere eingelegte arbeit, 
ring mit solcher arbeit, ahd. wiara Corona, cristaS Oberitalien besitzt 
noch ein mit ghirlanda formell übereinstimmendes wort ghirlo vortex 
(Bionddli, Azzolini), vom dtschen wirbel d. h. etwas das sich im kreiße 
bewegt, aber die Übertragung auf kränz wäre kühn. Des Wortes herleitung 
ist unsicher. 

Ghiro it. ein säugethier, ratz, pr. glire, fr. loir Siebenschläfer; von 
glis gliris. Abgel. fr. liron, sp. liron, pg. liräo mit ders. bed. Aus 
einem diminutiv aber scheint npr. greoule entstanden. Erwähnenswerth 
ist in besiehung auf die des anlautes verlustig gewordenen formen ein 
altes deutsch-lat. glossem lirun, € glires\ bei Schmeller II, 472, der dabei 
an das mundartliche leinl (kleine Haselmaus) erinnert, insofern dies aus 
leir-lein entstellt sein könnte (leir würde also wohl romanischer abstam- 
mung sein). 

Giä iL, sp. altpg. ya, npg. pr. altfr. ja adverb, von jam; nfr.zsgs. 
d£ja = it. di giä. 



164 I. GIACO-GIGA. 

Giaco it. (in einigen wbb.), sp. jaco, fr. jaque (f) kurser oberrock 
der kriegsleute, daher unser jacke. Ein späteres wort wohl von zufälligem 
Ursprung; nach Ducange's vermuthung, die wenigstens die lautlehre nicht 
verletzt wie die herleitung aus sagum, von Jaque, dem namen eines Häupt- 
lings von Beauvais um 1368. Ein altes span. beispid un jaque de seda 
bei L. de Ayala (gegen ende des 14. jh.) 

Giallo it., sp. jalde, pg. jalne, jalde, jardo, fr. jaune gelb. Die 
franz. form, urspr. jalne, ist offenbar von gälbinus (wal. gdlbin), aus 
jalne aber ward mit einer kleinen euphonischen Veränderung jalde, lomb. 
giald. Ital. giallo erklärt sich mit minderer Schwierigkeit aus ahd. gelo 
= nhd. gelb als aus fr. jaune, vgl. a für e im altit. gialura von gelu 
kalte PPS. I, 520. 

Giara it., sp. jarra, pg. pr. jarra, fr. jarre großes gefäß mit zwei 
henkeln; masc.it. giarro, sp. jarro, pg. jarro krug u. dgl., vom arab. garrah 
wassergefäß Freyt. I, 260*. Im altport. trifft man überdies die form 
zarra SRos. 

Giardino it., sp. jardin, pg. jardiin, pr. jardi, gardi, jerzi, fr. 
jardin, mdartl. gardin, dsgl. fem. pr. giardina garten; vom ahd. garto 
(gen. dat. gartin) oder, wozu die büdung giardina fast nöthigt, roman. 
ableitung aus ahd. gart, ursprüngl. gard, Umzäunung, goth. gards behau- 
sung, womit auch gael. gart, kymr. gardd zusammentrifft, selbst altfr. 
jarz Er. En. 5694. Wal. gard (zäun) ist buchstäblich das goth. gards 
und nebst alban. garde vielleicht (nach Miklosich schwerlich) daher ent- 
lehnt, wogegen gredine (garten) auf das gleichbed. alban. g$radfn$, serb. 
grädina (von gräd festung, russ. görod) zurückgeht. 

Giavelotto it. wahrscheinlich aus dem fr. javelot, alt gavelot, 
fehlt pr., bret. gavlod, mhd. gabilöt Wurfspeer; mit anderm suffix it. gia- 
velina, sp. jabalina, fr. javeline, auch bret. gavlin. Außer der her- 
leitung aus jaculum, gegen welche aber schon der altfr. anlaut g sich er- 
hebt, sind zwei in betracht zu ziehen. Nach Grimm III, 443 nämlich 
hol es seine quelle im engl, gavellock, ags. gafläc, einem compositum, 
dessen erste hälfte sich in dem altn. speernamen gefja wiederzufinden 
scheine, die zweite das ags. läc (spiel) sein müsse. Pott, Forsch. II, 107 
verweist lieber auf ir. gabhla speer, vgl. auch Diefenbach, Celt. 1, 137, 
Goth. wb. II, 402. Die zss. gaf-läc ist, zumal neben den formen gafeloc, 
gafeluc, altn. gaflok, allerdings nicht unzweifelhaft, das wort konnte so- 
gar seinen grund Jiaben im kymr. gafl-ach gefiederter speer, einem gram- 
matisch richtigen derivatum aus dem sbst. gafl: wenigstens wäre das um- 
gekehrte Verhältnis nicht wahrscheinlich, da auslautendem ags. c (engl, k) 
regelmäßig kymr. g, nicht ch antwortet (parwg, cög, dug = ags. parruc, 
cöc, engl, duke u. dgl.). Ohne etymologische bedeutung scheint die altfr. 
nicht unhäufige fonn gaverlot Brt. I, 296, zsgz. garlot Gl. de Lüle 
p. 9 (19 Seh.). 

Gigatt. altsp'.pr., gigue, gigle altfr. ein Saiteninstrument, nsp. giga, 
nfr. gigue ein tanz mit musikbegleitung; vom mhd. gige, nhd. geige, dies 



I. GIGLIO-GIRFALCO. 165 

vom starken vb. gfgen, s. Grimm II, 47, Mütter, Mhd. wb. J, 511. Da- 
ter fr. gigot hammelskeule (wegen der ähnlichkeit), sp. gigote gehackt 
fleisch (nämlich von der hammelskeule, tote Covarruvias bemerkt). 

Giglio it., sp. pg. lirio, pr. Uli, liri, lis, auch lir LR. I, 408, fr. 
lis, überdies piem. mail. liri, sard. lillu, oitsp. lilio, churw. fem. gilgia, 
mhd. gilge, schwz. jilge, ilge, Wie. Ein bemerkenswerthes beispiel von 
dissimilation: um dem wiederholten 1 auszuweichen, ward theils der erste 
dieser buchstaben in g, theils der zweite in das verwandte r umgesetzt; gr. 
UIqiov hat schwerlich theü daran. Die franz. mit s ausgestattete form 
aber ist eine nominativische lilius, wie denn das wort auch im ahd. lilio, 
mhd. gilge als masc. behandelt ward. Der walach. ausdruck ist crin, 
vom gr. xqivov. Vgl. Pott, Forsch. II, 99. 

Ginepro it., sp. enebro," pg. zimbro (z für g selten), fr. geni&vre 
tcachholder; von juniperus. E oder i für u verräth franz. einfluß, vgl. 
g&iisse II c, daher auch ndl. jenever, dän. enebaer. 

Gineta sp., pg. gineta, fr. genette, engl, genet, fehlt itdl., eine ort 
der viverra, in der Levante, bisamkatze. Im ältpg. findet sich pelle de 
janeta = zabeüinas urk. v. j. 1137, s. Santa Rosa I, 472. Die neupr. 
form ist chäino. Der name, den uns Menage aus faginetta = fouinette 
deutet, wird wohl der Levante angehören. 

Ginocchio it., wal. genunche, sp. hinojo, oitsp. ginojo, pg. giolho, 
joelho, fr. genou aus genouil knie; von genuculum für geniculum z. b. 
schon in der L. Sal. tit. 44, in Rothari Legg. u. s. w. 

Giocolaro, giullaro it. gaukler, spielmann, von jocularius; sp. 
jogla'r, juglar, pr. joglar dass., von jocularis; it. giocolatore, altfr. 
jogleor, nfr. Jongleur dass., von joculator; vb.pic. jongier scherzen, von 
joculari. 

Gioglio it., sp. joyo, pg. joio, pr. juelh unkraut; von lolium, vgl., 
wegen des anlautes giglio von lilium. Aber auch it. loglio, arag. lnello 
h. s. w. Daher pg. joeira getreideschwinge das unnütze abzusondern. 

Giorno it., pr. altcat. jorn, fr. jour tag; von diurnum taglang 
(ndat. jornus, z. b. in einer Urkunde v. j. 897 DC), das in einigen 
sprachen über das klanglose dies die Oberhand gewann: noch it. dl, sp. 
pg. pr. neucat. dia. Zsgs. it. soggiorno, cdtsp. sojorno Rz., pr. sqjorn, 
fr. säjour aufenthalt u. a. 

Giovedi it., fr. jeudi, pr. cat. dijous donnerstag, von Jovis dies, 
dies Jovis; sp. juejves, pr. auch jous, vom genitiv Jovis, woi. joi, ven. 
romagn. zobia. Dafür pg. quinta feira wie ngr. 7ti(X7zzr) und mhd. 
pfinztac, man sehe über letzteres so wie Über diese ort, die tage zu be- 
nennen, Schmäler J, 321. 

Giraffa it., sp. girafa, fr. girafe kameelparder; vom arab. zarräfah 
Fregt. II, 234*. 

Girfalco, gerfalco it., sp. gerifalte (aus dem franz.), pr. girfelc, 
fr. gerfaut; ndat. gyrofalco, a gyrando, quia diu gyrando acriter prae- 
dam insequitur Albertus M. s. Ducange, nicht von einem dtschen glr, 



166 I. GIR0-G1ULIV0. 

geier, welches wohl selbst erst aus gyrare herrührt. Jenes umherkreißen 
der raübvögel heißt sonst auch it. ruota, ven. ronda; das gr. xiqxoq be- 
deutet darum 1) ring, kreiß, 2) falke. Da ein andrer stoßvogel den 
natnen sagro trägt (s. unten), so construierten andre für girfalco ein 
etymon hiero-falco. 

Giro it., sp. giro, pr. gir kreiß, unüauf y umfang; von gyrus. Mtfr. 
findet sich plur. gires geburtswehen QFA. 783, vielleicht von den drehun- 
gen des kindes bei der gehurt so genannt, mundartlich (in Berry) girande, 
gerente kreißendes wcib (womit also der sinn des deutschen Wortes zu- 
sammentrifft, wenn es von kreifs, nicht von kreisten d. i. stöhnen her- 
kommt). Daher vb. it. girare ff., altfr. girer sich im kreiße drehen, 
mlat. gyrare L.Alam.; it. girändola, sp. girdndula, -fr. girandole feuer- 
rad, von einem verlorenen giranda, entsprechend dem erhaltenen fr. gi- 
rande; fr. girouette Wetterfahne für girotette (vgl. it. girotta), nicht 
durch ou erweitert aus girette. 

Giubba, giuppa it., sp. al-jnba, pr. jupa, fr. jupe, dsgl. mit i 
com. cremon. gibba, mail. churw. gippa, mhd. gippe, Joppe; abgd. it. 
giubbone, sp. jubon, pg. jubao, gibäo, cot. gipö, pr. jubo, fr. jupon, 
auch wal. zubeä ein kleidungsstück, jacke, wams. Die Span, form fuhrt 
auf arab. algubbah (al-gobbah) baumwoünes Unterkleid, in einem wb. aus 
dem ende des 10. jh., s. Gol. 460, Freyt. I, 238*. Das radicale i in 
mehreren mundarten hat vielleicht nur im fr. u seinen grund. Hieher 
auch sp. chupa jacke, weste, it. cioppa langes oberUeid derfrauen? Unser 
deutsches schaube, früher schuba, hat dieselbe quelle, Schmeller III, 306. 

Giubetto, ginbbetta it., fr. gibet galgen, daher engl, gibbet. Die 
itcd. form weist sich deutlich aus als diminutiv von giubba, so daß es 
ursprüngl. den strick um den hals bedeutete, Jäckchen, kollerchen, kragen. 
Durch einen ähnlichen schere bezeichnet der Spanier mit jnbon die strafe 
des Staupbesens, da sie den rücken trifft. Über i aus u vgl. g£nisse II. c. 

Giubilare it., sp. Jubilar frohlocken, jauchzen; von jubilare ein 
wildes geschrei erheben, die roman. bedeutung auch in unserem jubeln, ju- 
bilieren. Aber Sardinien legt seinem giuilare noch die alte bed. rufen, 
schreien bei (chiamare, gridare, s. Spanu voc. sard.) und construiert es 
auch mit dem acc. wie der Lateiner sein jubilare. Dazu Born, gratnm. 
I, 19. 

Giüggiola it., sp. jujuba (in einigen wbb.), fr. jujube brustbeere; 
von zizyphum. Das üblichere Span, wort ist azufaifa IL b. 

Giulebbe it., sp. julepe, pr. fr. julep ein kühltrank; vom arab. 
golab, dies vom pers. gul rose und ab wasser, also rosenwasser, s. Gol. 
518, Freyt. I, 290°. 

Giulivo it., pr. altfr. joli für jolif fröhlich, nfr. joli, sp. juli Canc. 
de B. artig, hübsch; vb. altfr. joliver, jolier sich freuen und andre 
abll. Nicht von jovialis, es ist ein von der Normandie ausgegangenes 
wort, altn. jol freudenfest zur Weihnachtszeit, schwed. dän. jul weihnachts- 
fest, goth. jiuleis julmonat. 



I. GIUNARE— GIUSO. 167 

Giunare it., wal. azunä, sp. ayunar, pg. jejuar, pr. jeonar, fr. 
jeaner fasten; von jejunare bei Terttdlian. In ayunar ward a vor 
[je]junare gesetzt vgl. a-yer aus heri, in jeüner fiel j aus. Für it. giunare 
ist üblicher diglunare mit fast bedeutungslos, vorgesetzter partikel, pr. cat. 
dejunar, adj. digiuno, dejun (jejunus). Eine andre ess. ist fr. döjeüner, 
pr. desdejunar, sp. desayunar, wal. dejunä frühstücken, eigentl. fasten- 
brechen wie engl, break-fast. 

Giunchiglia it., sp. junquillo, fr. jonquille eine art narcissen; 
von juncas, weil sie binsenartige blätter hat, narcissus juncifolius. Daß man 
nicht ginnciglia bildete, zeigt eine spätere Entstehung des Wortes an, aber 
man behandelte juncetum auf dieselbe weise, indem man giuncheto sprach. 

Giusarma it., pr. jusarma, altfr. jusarme und zuweilen gisarme, 
gisarne Alex. 289, 29, wie altengl. gisarm, gysarn cet., dsgl. mit guttu- 
ralem g altfr. guisarme, pr. gasarma, auch altfr. wisarme, visarme (letz- 
teres PDuch. ed. M. p. 145, aber jusarme ed. G. et L.p.57), wozu altsp. 
bisanna stimmt; bedeutet eine leichtere waffe, vgl. die stelle falces, gisar- 
mas, cnltellos et alia arma minuta DG. v. gisarma, und zwar eine schnei- 
dende, z. b. ä nuit, fet il, la teste m'oste ä ceste jusarme trenchant 
NFC. I, 19. Des Wortes herkunft liegt noch im dunkeln, die verschiede- 
nen formen sind für seine aufhellung nicht förderlich, doch lohnt es der 
mühe eine deutung su versuchen. Man bemerkt es öfters in gesellschaft 
von falx, fauchon, faussart, s. Ducange u. Roquef.I, 725, so daß es eine 
siehel- oder säbelartige waffe zu bedeuten scheint. Falx, falcastrum wer- 
den ahd. mit get-isarn (Jäteisen) übersetzt, s. Docens Miscell. II, 231, 
Schleust, glossen 6, 237, und dies konnte sich leicht in get-s&rna gisärna, 
durch umdeutung mit arma (waffe) in gisarma verwandeln. Zur form 
wisarme, die übrigens kaum vorkommt, mochte der übliche Wechsel zwi- 
schen gu, g und w m andern Wörtern verführt haben (guivre givre wivre, 
gacbiere jachtere waquiere). Aber warum soll das wort nicht aus dem 
gallischen gaesum und arma zusammengesetzt sein? Weil diese Zusam- 
mensetzung schleppend und pedantisch wäre, wie denn auch arma nie in 
eine solche interpretierende Stellung eintritt. — [Wie problematisch die 
vorstehende etymologie sein mag, so sind es die späteren doch nicht minder. 
Gachet p. 242 glaubt gisarme in gysarum, das im englischen mittellatein 
vorkommt und ein kurzes schwert bedeuten soll, wiederzuerkennen, indem 
er es für eine Verlängerung von gaesum hält; diese Verlängerung wäre 
seltsam genug. Diefenbach, Orig. europ. p. 353, denkt sich unser wort 
aus gesara (s. unten gese //. c.) entstanden, doch auch bei dieser an- 
nähme bleibt die buchstäbliche fortbildung ungerechtfertigt, wenn man nicht 
arma zu hülfe ruft] 

Giußo it., abgekürzt giü, altsp. yuso, ayuso und jus Alx., altpg. 
juso FSant. p. 531, pr. jos, jotz, jus, altfr. jus, wal. din ios, partikel 
für lat. infra; von deosum für deorsum, im frühen mlat. bereits josum, 
jusum wie jornus von diurnus (et pausant arma sua josum L. Alam.), 
im altsp. noch diuso: de parte de diuso de la cabeza Cabrera II, 703. 



168 I. GIUSQUIAMO-GOLPE. 

Ginsquiamo it., sp. josquiamo, fr. jusquiame (f.) büsenkraut; 
von hyosciamus (voaxvafiog) schon bei PaUadiüs entstellt in jusquiamus. 
Die Jcehltenuis in diesem worte ist aus dem griechischen. 

Giusta und giusto it. (ebenso contra, contro), pr. josta, altfr. joste, 
juste; von juxta, roman. auch für secundum gebraucht wie bereits im 
classischen und häufiger im mittellatein. Datier vb. it. giustare, gio- 
strare, sp. justar, pg. justar, pr. jostar, justar, fr. jouter, alt joster, 
juster 1) vereinigen, 2) zusammentreffen mit den waffen, zusammenstoßen,^ 
tumieren; sbst. it. giostra,j?r. josta, justa, fr. joute turnier, mhd. tjost, 
mndl. joeste. Nach Ferrari u. a. von justa in dem sinne von pugna 
partum s. aequalium. Die grundbedeutung hat sich am besten in der 
mundart von Berry erhalten: mon champ joute au sien grämt oder stößt 
daran. Zsgs. pr. ajostar, fr. ajouter vereinigen, beifugen. 

Gobbo it., churw. gob buchet, fr. gobin bucklig; von gibba, gib- 
bus. Das kymr. gob häufe, dämm liegt mit seiner bedeutung mehr ab 
als das lat. gibbus mit seiner form, denn hier ist nicht eu übersehen, daß 
das frühere mlatein häufig mit y gybbus schrieb (gr. xv<pog) und gewiß 
auch sprach (z. b. Gl. Cass., Gl. bibl. Hattemer p. 227 h , Gl. IAndenbrJ; 
ein vocabularius hat gradezu mit u = rom. o gupios 'hover (höcker) 
Haupts Ztschr. III, 373. 

Godere und gioire it., altpg. gouvir, pr. gauzir, jauzir, fr. jouir, 
pic. se gaudir sich freuen, genießen, von gaudere; sbst. pg. goivo, pr. 
gaug und joi, wald. goy freude, dsgl. fem. it. gioja, sp. joya, pg. pr. 
joia, fr. joie freude, kleinod (sp. pg. letzteres, fr. ersteres, it. pr. beides), 
von gaudium, pl. gaudia; abgel. it. giojello, sp. joyel, pr. joiel, altfr. 
joel, nfr. joyau juwel, nüat. unrichtig jocale für gaudiale oder besser für 
gaudiellum. Hieher auch pr. jauzion, fem. jauzionda, von gaudibun- 
dus bei Apülejus und im mlatein, noch jetzt Jausion als familiennasne 
im Süden Frankreichs. 

G o f f o it., sp. göfo, fehlt pg., fr. goffe plump, tölpelhaß, iidl. auch 
plump gearbeitet, mdartl. engl, gof, guff Halliw. Ist es auch enthalten 
in der Isid. glosse bigera 'vestis gufa vd villata, wo es grob zu bedeuten 
scheint, so ist uns seine herkunft gleichwohl verborgen. Man hat an gr. 
xwyog dumm, stumpf erinnert; ganz unstatthaft leitet es Frisch vom 
dtschen gauch geck; aber bair. goff dummkopf kann Zusammenhang mit 
dem roman. worte nicht verläugnen. 

Golfo it. sp. pg. meerbusen, daher fr. golfe, pr. golfo, das eigent- 
liche fr. wort ist gouffre (m.) abgrund, Strudel, eine auch dem span. worte 
nicht versagte bedeutung s. Covarruvias. .Auch dieser Schifferausdruck ist, 
wie mancher andre, aus dem griechischen : von xolnog (meerbusen, höhlung) 
ward 7t aspiriert, was z. b. auch in trofeo von xqonalov geschah, und 
schon ein altes glossar gewahrt x6lq>o$ 'sinus' s. Ducange, Gloss. graecum. 
Die niederl. spräche hat gulp, golf, veraltet golpe, golve Strudel, fluth. 

Golpe it. (flor.), so auch altsp. im Alex., chw. guolp, golp, daher 
altsp. gulpeja Bz., altfr. goupille, gourpille, gewöhnlich masc. goupil, 



I. GOMONA-GORDO. 169 

gourpil, mundartl. wourpille, werpille, werpil fuchs; vb. altfr. goupiller 
sich verkriechen wie der fuchs, sich feige benehmen; nfr. goupillon wedel, 
eigenil. fuchsschwane. Wegefi der votliegenden behandlung des anlautes 
in vulpes s. Born, grarntn. I, 288. Prov. blieb volp unverändert. Andre 
namen des fabelberühmtcn thieres sind: fr. renard, pr. guiner, cot. guineu, 
sp. raposa, zorra, altsp. marota (nach Seckendorf), gulhara Bz., sard. 
margiani (vgl. neugr. juagyiolog verschlagen), mazzone, lodde, occit. man- 
dro bei Gouddin. 

Gömona, gömena, gumina it., gdmena sp. pg., goumene fr. tau, 
ankertau; nach Muratari und älteren etymologen vom arab. al-gommal 
schiffseil (?). 

Gonfalone it., altpg. gonfaläo, pr. altfr. gonfanon, nfr. gonfalon 
kriegsfahne; vom ahd. gundfano, dies von gundja kämpf fano tuch. Auf 
die form mit anlautender tenuis cundfano weist piem. sp. confalon, pr. 
confano, altfr. confanon, sie. eunfaluni, ven. confaloniero. 

Gonfiare it., fr. gonfler, wäl. gunfa aufblähen; von lat. conflare 
für inflare (neupr. mit tenuis confld): intestina conflata für inflata Coel. 
Aurd. Adj. it. gonfio, in Genf gonfle = fr. gonflö, wie daselbst auch 
enfle für enfte gesagt wird, dsgl. bürg, gönfle, neupr. coufle. Auch npr. 
gofe vollgestopft, goufä blähen, bauschen, genf. goffet dick, fett, scheinen 
hieher zu gehören und nicht zu goffo. 

Gonna it. weiberrock vom gürtet bis zur ferse reichend, altsp. gona 
Canc. de B., und so pr. gona, altfr. gone rock zumal der manche, mlat. 
gunna beim h. Bonifacius, mittdgr. yovva s. v. a. diq>&€Qa feil, Meid von 
feil, olban. gune mantel, rock. Varro L. L. kennt gaunacum zottige decke 
oder bddeidung: der Wegfall der letzten säbe (wie im it. chiasso aus 
classicum, im altfr. rüste aus rnstiens) läßt sich zugeben; im itäl. aber 
ist es nicht üblich, das auf lat. au gegründete o durch doppelconsonanz 
su kürzen, auch würde der Provenzede lieber gauna gesagt haben. Eben 
so wenig ist es von yovva: umgekehrt wird dem Neugriechen das rom. o 
oder lat. 8 zu ov (ßovla, fiovt^og, xovna, oovna, ßovQtta = it. bolla, 
mozzo, coppa, fr. sonpe, brosse). Es fragt sich nun: ist kymr. gwn = 
engl, gown acht cdtisch? Sonst kann dies nebst seinem dimin. gynnel 
recht wohl aus gone, gonelle entnommen sein wie etwa fWl aus fol. Der 
Ursprung des wortes ist also noch aufzuklären. 

Gonzo, engonzo pg., sp. gonce, gozne, fr. gond, pr. gofon für 
gonfon thürangd. Nicht alle gleiches Ursprungs: gonzo könnte von con- 
ti« spieß, freilich mit einer nicht gewöhnlichen schärfung des t herrühren; 
gofon fuhrt auf gomphus pflock, im mlat. häufig gebraucht, vom gr. yoptpog; 
gond neigt sich mehr zum ersteren worte, ist aber wohl, mit hinsieht auf 
das gleichbed. lothr. angon, von ancon haken. 

Gordo sp. pg., gort pr. dick, fett t altsp. einfaltig, stumpfsinnig, fr. 
gourd steif, ungelenk; vb. gourdir (Nicot) und engourdir erstarren 
machen; vom lat. gurdus bei Laberius nach Gellius zeugnis, auch von 
Quhtiilian erwähnt, der ihm die bed. stolidus beilegt und die sage mit- 



170 I. GORGO— GRADO. 

(heilt, es sei aas Spanien gekommen, ex Hispania duxisse originem au- 
divi; in glossaren übersetzt mit obtusus, surdus, inutilis, stutius, s. Du- 
cange. Über seifte spuren im baskischen Diefenbach, Orig. europ. p. 364. 
Die Verwandtschaft der begriffe dick und dumm berührt Rom. gramm. J, 93. 
Dem Italiener, selbst dem Sarden t fehlt gordo; jener hat ein compos. in- 
gordo gefräßig, unmäßig, übermäßig, welches Menage unstatthaft, weil 
der gefräßige fett werde, aus gurdus lierleitet: was soll alsdann die Zu- 
sammensetzung mit in? Es scheint vielmehr aus in gurgitem c w die gur- 
gele hinein entstanden, vgl. denselben fall beim altfr. adj. enfrum IL c, 
und das it. vb. ingordarsi gefräßig sein, buchstäblich das lat. se ingur- 
gitare sich überladen. 

Gorgo it., pr. cUtfr. gorc, gort, nfr. gour Strudel; dsgl. it. sp. pr. 
gorga, mit palatalcm g it. gorgia, fr. gorge Strudel, Schlund, gurgel; 
von gurges, dem nur die erste bedeutung zukommt. Gurga für gurges 
bei den feldmessern (Cos. litt p. 330). Prov. gorgolh von gurgulio, 
vb. it. gorgogliare u. s. w. 

Gorra it. sp. pg., sp. auch gorro eine art mutzen; von unbekannter 
herkunft. Die grundbedeutung mag band oder binde gewesen sein, da 
das itdl. wort auch weidenzweig, das port. auch binsenstrick heißt, ein 
altfr. gorre (bei Roquef.) mit ruban übersetzt wird. — [Mahn p. 15 
leitet es mit bestimmtheit aus dem bask. gorria roth, als einer lieblings- 
farbe für dieses kleidungsstück bei deti Basken.] 

Gota it., pr. gauta, fr. joue (daher wohl engl, jaw, altengl. jowe, 
wie auch E. Müller vermathet) kinnbacken, wange; in mundarten 1 für u, 
cat. galta, moden. golta (trient. gouta), chw. gaulta ; der Spanier hat nur 
galtera backen am heim. Bei der erklärung dieses Wortes gilt es um 
den prov. diphthong au, woraus o, al, ou hervor giengen; gauta ist lat. 
gabata, mlat. gävata zsgz. gau'ta, wie parabola paravola parau'la er- 
zeugte. Gabata bedeutet eßgeschirr (occ. gaoudo) und so verräth gauta 
eine der Volkssprache durchaus gemäße auffassung menschlicher körpertheile, 
die auch in andern Wörtern begegnet. Das der lat. form noch näher tre- 
tende dem fr. joue gleichbed. bret. gaved (fehlt kymr.) muß jeden zweifd 
an der rkhtigkeit dieser herleitung beseitigen. 

Gotta it., sp. pg. gota, fr. goutte gicht, wal. gute, it. gocciola 
schlagfluß; von gutta, dtsch. troph Vocab.opt. p. 41 h , tropfen 'apoplexia* 
wb. v., 1445 bei Schmeller 1, 499, vgl. Frisch II, 389 r , so genannt, weil 
man die Ursache dieser krankheiten gewissen aus dem hirn herabfallenden 
tropfen zuschrieb. S. auch Ducange s. v. 

Gracco, graeculo, gracchiatf., sp. grajo, graja, pg. gralho, gralha, 
pr. in letzterer form und so altfr. graille elster, dohte; von graculus, mW. 
gracula. 

Gracidare it. quaken (vom frosch), sp. pg. graznar krächzen 
(vom raben); lehnen sich dem lat. crocitare an. 

Grado it. sp. pg., pr. grat, fr. gr<5 belieben, dank; von gratum ge- 
fälligkeit. Zsgs. it. mal grado, pr. malgrat, fr. malgrä schlechter dank, 



I. GRAFFIO-GRANJA. 171 

adverbial gewöhnlich mit unterdrückter präpos. (a) malgrado ff. zum Un- 
dank, wider Witten, zum trotz, vgl. lat. male gratus nicht recht dankbar. 
Vb. it. gradire, pr. grazir zu dank aufnehmen, freundlich aufnehmen; 
zsgs. it. aggradire, aggradare, sp. agradar, pr. agradar, agreiar, fr. 
agr&r genehmigen, gefallen, von a grado u. s. w. tu danke; adj. it. ag gra- 
de vole, sp. pr. agradable, fr. agräable angenehm, lieblich. 

Graffio it., sp. garfio und garfa, pr. grafio haken, kralle; vb. it. 
graffiare, bürg, graffiner (sbst. graffin) kratzen; zsgs.fr. agrafe klam- 
mer; it. aggraffare, sp. agarrafar, engarrafar, wallon. agrafer ergreifen. 
Gewöhnlieh halt man graffio für das lat. graphium griffet, aber die bed. 
haken widersteht. Diese bedetdung aber findet sich im ahd. krapfo, krafo, 
wofür auch krapfjo, krafjo zu vcrmuthen ist. Ihm geht zwar auch ein 
kymr. craf oder crap zur seile, bei dem sich aber das dem stamme ange- 
fügte i in graffio minder leicht würde erklären lassen. 

Grama sp. romagn., it. gr&mola, pg. gramadeira hanfbreche, 
sp. gramilla Schwingmesser, hanfschwinger; vb. pg. graraar, romagn. 
grame hanf brechen, sp. graraar tctg kneten, it. gramolare mit beiden be- 
dcutungen. Entsprechend bair. gramel, graraeln = gramola, gramolare. 
Nach Frisch I, 371 a von carminare, nicht gegen die lautgcsetze. Vgl. 
auch Diefenbach, Goth. wb. II, 425. 

Gramo it., pr. gram, altfr. gram, graim Alexs. 26 betrübt; sbst. 
altfr. graigne Antioch. I, 68; vb. it. gramare, altfr. gramoier, gre- 
moier betrüben; vom ahd. gram erzürnt, unmuthig, gram! erbitterung, 
gramjan, gramen aufreizen. Dieselbe Wendung in den bedeutungen nahmen 
z. b. das nhd. gram und das pr. ira kummer. 

Grampa it. kralle, aggrampare häkeln, fr. crampe krampf, cram- 
pon klammer, bürg, sc crampir sich anklammern, altfr. cranpi zusammen- 
gekrümmt Ren. I, p. 52; vom ahd. cramph gekrümmt, nhd. krampf. 

Grana it. sp. pr., pg. gräa, altfr. graine ein färbestoff, scharlach- 
oder färbebeere, coccus ilicis, dsgl. scharlachfarbe, scharlachtuch, im span. 
auch Cochenille (coccus cacti), mlat. grana, mhd. gran; von granum kern, 
wie gr. xoxxog kern, Scharlachbeere, Scharlach. 

Granchio, grancio it., cranc pr. cot., auch kymr. cranc, bret. 
krank, wallon. cranche krebs, fr. chancre kreibsgeschwür ; umgestellt aus 
lat. Cancer cancri. Eine abl. ist pg. granqnejo und mit eingeschobenem 
a garangnejo, span. aber cangrejo, gleichsam cancriculus. Daher auch it. 
grancire anpacken, ergreifen? 

Granito it., sp. granido, fr. granit ein harter stein; von granum, 
weil er mit körnem durchsetzt ist, partic. des roman. vbs. granire körnicht 
machen. 

Gran ja sp., pg. pr. granja, fr. grange scheune; eigenÜ. kornboden, 
vom adj. granea, schon im frülisten mlatein gebraucht: si enim domum 
infra cnrtem incenderit aut scnriam aut graneam vel cellaria L. Alam. 
81, 2. Außer granea begegnet auch granica: ad casas dominicas, sta- 
bnlare, fenile, granicam cet. L. Baiw. 1, 14, sicher das altfr. granche, 



172 I. GRAPPA-GREPPIA. 

pr. granga. Die speciell span. bedeutung ist meieret, daher vb. gran- 
gear bewirthschaften, bauen, pflegen. 

Grappa it., sp. pr. grapa klammer, kralle, masc. it. grappo das 
zugreifen, pr. graps 'manus curva GProv. 40«, sp. grapon dass.; fr. 
g rappin ariker, ven. grapeia Jdette; vb. it. grappare, aggrappare, norm. 
grapper, pic. agraper packen (agrape, waüon. agrap = fr. agraf e). Vom 
aAd.krapfo, nhd. krappen, vgl. kymr. crap. Zu demselben stamme bekennt 
sich it. grappo, grappolo, fr. grappe, altfr. pic. champ. crape trauben- 
kämm, traube u. a., ndl. grappe, krappe Kit., engl, grape. 

Grass o it., sp. graso, pg. graxo, pr. chw. wal. fr. gras adj. fett; 
von crassus, mlat. grassus, vgl. naynq grassitndo Gl. gr. lat.; aber auch 
it. pg. crasso, sp. craso, crasio, fr. crasse dick, grob. 

Grata it., sp. grada, pg. grade (f.) guter, sp. pg. auch ege, it. 
gradella geflochtener fischbehälter ; von crates. Aus dem dimin. craticola 
(mlat. graticula Hattemer I, 246 a ) entstand fr. grille, gril, mail. grella 
röst, guter, vb. fr. griller rösten, eigentl. für grafile graille (wegen des 
neufr. i aus altfr. ai s. chignon und grignon II. c), cdtfr. sonst auch 
grafl Jubinoü Jon gl. et trouv. 133, vb. graelier GVian. 2744, g&aillier 
Brt. I, p. 165, NFC. II, 101, dsgl. grefslier DMce. p. 130, noch jäzt 
in Berry gräler. 

Grattare it., sp. pr. gratar, fr. gratter kratzen; vom ahd. chrazon, 
ndl. krat-sen u. s. w. Daher fr. gratin scharre, ögratigner kratzten, 
ritzen, dsgl. mit seltnem suffix it. grattugio, dauph. gratusi raspel, 
reibeisen, vb. it. grattugiare, pr. gratnzar, altfr. gratuser. 

Grena sp. verworrnes haupthaar, so auch pg. grenha, aber pr. gren 
(m.) bart; daher altsp. grenon, griüon Bc , Alx. s. Sanchez gloss. und 
Ochoa p. 569 a , pr. altfr. grignon, grenon, guernon bart sowohl der Ober- 
lippe wie des kinnes: pr. los grenons loncs sobre la boca Jfr. 64"; altfr. 
a son menton n'avoit ne barbe ne grenon Fl. Bl. p. 89. Granus hat 
schon Isidoru$: videmus granos et cinnabar Gothorum; granones, gre- 
nones das spätere mlatein. Das wort ist über das deutsche gebiet ver- 
breitet, #. b. ahd. gran (f.) pl. grani übersetzt mit grenones, mhd. gran 
(f.) barthaar der Oberlippe, nl\d. granne Stachel der ähre, altn. grön bart 
u. s. w.; aber auch dem celtischen bekannt, z. b. gael. granni langes haar, 
kymr. grann cilium, palpebra. Es konnte indessen kaum ausbleiben, daß 
man das lat. erinis mit dem deutsch-celtischen worte verwechselte, indem 
man altfr. crenu bemähnt (von pferden, vgl. crin rosshaar) unbedenklich 
grenu und guernu schrieb (s. Gachet 246 b ); selbst die obigen formen mit 
radicalem \, wenn nicht die mit e, zeigen einmischung des lat. Wortes an. 
Eine handschriß des Papias gibt daher auch crinones für grinones. Vgl. 
Grimm, Rechtsalt. 283, Diefmbach, Goth. wb. ' I, 317. II, 427; Orig. 
europ. 363. 

Greppia it., mdartl. creppia, pr. crepia, crepcha, altfr. crebe 
Roquef, greche Ruteb. II, p. 6, nfr. creche krippe; vom ahd. krippa 
krippea, welche letztere bei Graff nur einfach belegte form, nach den 



I. GHETTO— GRISO. 173 

romanischen zu schließen, die älteste oder üblichste gewesen sein muß, 
auch atts. cribbia. Frov. crupia, piem. ven. grupia, gen. groeppia, romagn. 
gropia schließen sich dem ndd. krubbe an, s. Brem. wb.; die bask. spräche 
besitzt das ganz ähnliche khorbua. Der Spanier bewahrt das lat. wort 
für diese Sache: pesebre, so lomb. pars&v, presäf. 

Gretto it. geiz, hnickerei, adj. knickerig; vom mhd. grit gier, hab- 
sucht, adj. gritec. Derselben herkunft mit niederd. d für t ist fr. g red in 
ipic. guerdin, lothr. gordin) bettelhaft, armselig, vgl. goth. grfcdus, altn. 
gr&d, engl, greed hunger, gier. S. Frisch I,*374 b , Diefenbach, Goth. wb. 
II, 428. 

Greve it., pr. greu, altfr. grief (nfr. sbst. grief), wal. greu schwer; 
von gravis; abgeleitet it. aggrevare, altfr. agrever, pr. aber agreujar 
(gleichsam aggraviare aggreviare), altfr. agregier beschweren, wie auch 
nfr. rengröger verschlimmern. Sprach man grevis, um das wort seinem 
gegensalze levis anzugleichen? man erwäge die prov. formet ni greu ni 
leu * weder schwer noch leicht*. Stark zusammengezogen ist das altfr. 
gri6t6 = gravitas. 

Gridare it., ep. pg. mit t gritar, fr. crier schreien, daher engl. 
cry, vielleicht auch mhd. krten Wb. I, 879; sbst. it. grido, grida, sp. 
grito, fr. cri schrei, ruf. Dazu mdartl. formen wie parm. cridar, ven. 
criare, mail. criä, altsp. cridar gridar, crida grida grido. Dem hier be- 
merklichen schwanken zwischen tenuis und media unterliegen auch andre 
Wörter und so kann dies keinen grund Im geben, die formen zu trennen 
und aus verschiedenen quellen zu leiten. Man findet diese z. b. im goth. 
gretan weinen, oder im ndl. kryten schreien, oder auch in celtischen 
Wörtern. Aber die nächste quelle bietet das lat. Sprachgebiet selbst. Schon 
Scaiiger (zu p. 68 der Catalecta) verwies auf das gleichbed. qulrltare, 
romanisch ausgesprochen kiritare, welches sein kurzes tonloses i im laufe 
der zeit nicht retten konnte und in critare, gridare übergehen mußte; ein 
ganz ähnliches beispiel ist der franz. eigenname Cricq aus Quiricus Voc. 
hagid. oder auch triaca aus theriaca. Aber im frühern mittdlatein be- 
gegnet noch die unverkürzte form: quiritant vermes, cum vocem dant 
Gl. Lindenbr., vgl. it. gridalto vom frosche gebraucht; wahrscheinlich auch 
quaeritat 'clamaC Gl. erford. 369, 13 und anderwärts. In der altrom. 
Passion Christi str. 72 findet sich die abl. cridarun, offenbar verschrieben 
für cridazun, buchstäblich das lat. quiritatio. Eine zss. ist it. s gridare, 
dtfr. escrier, welches letztere zur Iierleitung aus ahd. scrian verführen kann. 

Grill o sp., pg. grilho, pr. grilho, fr. grillet hand- oder fußschellen; 
sicher von gryllns wegen des tones, wie auch altfr. gresillon grille und 
fessd heißt. 

Grinar pr. grinsen, knurren; vom ahd. grfnan, nhd. greinen; dsgl. 
& digrignare, com. bergam. einfach grignä, champ. pic. grigner les 
denta, so auch in Berry u. s. w., von einer ahd. form grinjan = ags. 
grinian. Sbst. chw. grigna fratze. 

Griso, grigio it., sp. pg. gris, fr. gris adj. grau, dsgl. sp. pr. 



174 I. GRONDA-GROTTA. 

aUfr. gris sbst grauwerk; daher it. gris et to, sp. griseta, fr. grisette 
ein urspr. grauer stoff, franz. auch eine person geringen Standes. Vom 
ältsächs. gris *canu& in glossen des 8—9. jh. s. Graffs Diutiska II, 192, 
mhd. gris, grise, nüat. griseus (9. Jh.), von letzterer form grigio so wie 
chw. grisch, dsgl. altsp. griseo. 

Gronda it., chw. grunda, fr. säveronde, henneg. souvronte, aUfr. 
souronde Wetterdach; von subgrunda bei Varro, wo es dieselbe bedeutung 
hat. Im franz. ward g elidiert. 

Groppo, gruppo it., sp. grapo, gorupo, fr. groupe klump, knoten; 
dsgl. it. groppa, sp. grupa, pg. garupa, pr. cropa, fr. Croupe kreuz des 
pferdes (vgl. beide bedd. im fr. trousse) ; vb. altfr. croüpir hocken, kauern, 
nfr. stocken. Die wurzel findet sich mit der bed. einer zusammengeballten 
sac)ie sowohl in den german. wie in den celt. sprachen, z. b. ahd. kropf^ 
nord. kryppa höcker, ahd. crupel krüppel, vb. nord. kriupa, ndd. krupen 
hocken, gael. erup zusammenziehen, kymr. cropa kröpf. Unter den äbld- 
tungen ist neben dem it. groppone und fr. croupion zu bemerken das aUfr. 
crepon kreuz an menschen und thieren (et li pristrent ä batre le dos 
et le crepon seil, a Rollant s. Fer. p. 157 b , vgl. BMce. p. 14, 3, Ben. 
II, 122), dessen radicales e wohl in dem nord. krippa, das die stelle des 
älteren kryppa einnahm, seinen grund hat. 

Grosella sp. cat., fr. groseille, comask. crosela (pg. groselheira 
Nemnich) Stachelbeere, Johannisbeere. Es trennt sich schon durch den 
buchstaben, d. h. durch das einfache s, von grossus dick oder grossns un- 
reife feige, wozu auch das henneg. grusiele und wallon. gruzale stitnmt, 
und ist augenscheinlich germanischer Herkunft, indem man die erste be- 
deutung als die ursprüngliche nimmt: hd. krausbeere, kräuselbeere, schwed. 
krusb&r, ndl. kruisbezie eine art rauher (krauser) Stachelbeeren, darum 
auch it. uva crespa. Das gael. gröisead wird aus dem franz. herrühren. 
Zu bemerken ist noch eine stelle aus dem anfange des 10 jh. : radix sacrae 
spinae, quae vulgo groselarium vocatur, fr. groseillier, s. Haupts Zeit- 
sehr. V, 204. 

Grosso it. pg., sp. grueso, pr. wal. fr. gros dick, daher sbst. gros 
name einer münze. Das wort kommt schon in der Vulgata und bei Sulp. 
Severus (vestem respuit grossiorem) vor und kann mit dem deutschen 
gröz grandis, crassus, welches prov. vermuthlich graut ergeben hätte, nichts 
gemein haben. In einer franz. mundart, der von Berry, läßt sich aber 
auch das deutsche wort entdecken, wo es die form grot, grout angenom- 
men: grot homme dicker mann, groute orge dicke gerste, les grous die 
großen, die reichen. 

Grotta it., sp. pg. gruta, fr. grotte, pr. altfr. mit tenuis crota, 
crote höhle, daher bürg. genf. encrotter begraben; von crypta (yiQvntrj) 
kdler, wal. cripte; adj. it. grottesco wunderlich, phantastisch, nach art 
der grottengemälde. Raynouard's deutung aus dem pr. cava rota ge- 
brochener kdler LR. ist mehr sinnreich als richtig. Grupta gewährt 
schon eine ital. Urkunde vom j. 887 DC. 



L GRUGNIRE-GUADO. 175 

Grugnire it., sp. grufiir, pr. gronhir, gronir, watton. grognl grun- 
zen, murren; von grnnnire. Nach erster conj. gebildet it. grugnare, 
fr. grogner. Daher sbst. it. grugno, pr. gronh, fr. groin, altpg. gruin 
SRos. rüssel, eig. grunzer. Vgl. denselben stamm im ahd. grün, grnnni, 
engl, groan, hymr. grwn u. s. w. Aus der vorclassischen von grammatikern 
erwähnten nebenform grundire ist pr. grondir, altfr. grondir und grondre, 
neufr. gronder. Altfr. groncer aber ist vom ahd. grunzen. 

Grumo ü. sp. pg. Mümpchen, spart, auch knospe, altfr. grame 
allerlei getreide Roquef, bürg. traübenkeme, it. grümolo herz des JcoJdes 
(von den zusammenschießenden blättern gebildet), sp. gramete Meiner 
junge, Schiffsjunge (vgl. oben garzone), daher fr. gourmette; fr. se gru- 
meler sich klumpen, gerinnen; von grümus, grümulus häufchen. 

Guadagnare it., chw. gudoignar, pr. gazanhar für gadanhar, altfr. 
gaagner, neufr. gagner erwerben, gewinnen, altsp. guadanar mähen (bei 
Seckendorf); sbst. iL guadagno, pr. gazanh, fr. gain gewinn, sp. gua- 
dana, pg. guadariha sichel, sense. Das wort muß in betracht seines an- 
lautes deutsch sein und vermuthlich liegt seine grundbedeutung im altfr. 
gaaigner das feld bauen (daher gaagnage, gaaignerie LBs. 436 ausge- 
stellter acker, dsgl. ertrag desselben), woraus die bed. erwerben erfolgte. 
Die form führt auf ahd. weidanön jagen, weiden oder a/uf weidanjan, wie 
Wackernagel, Altfr. lieder p. 156, lieber will: ja auch ableitung aus 
weida (weide, jagd) mit dem rotnan. suffix agn ist denkbar. Der begriff 
konnte sich von dem jagd- und hirtenleben auf den ackerbau erstrecken. 
Neben guadagnare steht noch pg. ganhar, alt guanhar D. Din. p.132, 
cat. val. schon im 13. jh. guanyar erwerben, vermuthlich nur aus erster em 
zusammengebogen, worauf auch das altpg. gaanharia SRos. (für gadan- 
haria) weist. Aber sp. altpg. ganar ist schwerlich daraus syncopiert, da 
seine form durch sehr alte Zeugnisse geschützt wird, z. b. in einer Urkunde 
wm j. 747 Esp. sagr. XL, 357 (quiequid potui ganare vel applicare), 
oder, da deren ächtheit eweifettiaft ist, in einer andern vom j. 990 (gana- 
vimus et emimus villas) s. Ducange. Am passendsten stellt man es zum 
sbst. gana (s. oben); denn das ziel des begehrens ist das erreichen : ähn- 
lich heißen sp. alcanzar, lat. consequi sowohl verfolgen wie m erreichen. Das 
arab. ganla (nutzen ziehen) hätte eher ganar oder ganir gegeben. Von 
ganar ist pg. ganancia, zsgz. gan;a, vb. ganhar, wogegen sich altpg. 
guaan$ar wieder guadagnare annähert. — Dante braucht ringavagnare 
Inf. 24. 12, aus dem altfr. regaagner mit eingefügtem hiatustilgenden v. 

Guado it., auch vado, sard. vadu, sp. vado, pg. vao, alteat. guau, 
neucai. gual, pr. gua, ga, fr. gu6 seichte stelle im wasser, fürt; vb. it. 
guadare, sp. pg. vadear, pr. guasar GO. (für guazar) durch das wasser 
(fdutf fr- guäer abspühlen. Daß die mit v anlautenden formen zum lat. 
radum, vadare (letzteres nur bei Vegetius) gehören, versteht sich; bei den 
mit g anlautenden ist wenigstens emfluß des ahd. mhd. wat, altn. vad 
fürt, vb. ahd. watan, mhd.nhd. waten anzunehmen. Zu den verzeichneten 
wortern kommt noch sp. esguazo, esguazar, aus dem prov., so auch it. 



176 I. GUADO-GUANTO. 

guazzo, guazzare. Letzteres heißt auch abspühlen, abschwemmen, guazzo 
heißt auch pfütze, dazu noch guazza tliau, so daß man an ahd. wazzar 
denken könnte; allein fr. guäer hat die nämlichen bedeutungen hervorge- 
bracht wie guazzare: aus dem waten ergab sich das abspähten, da dies 
an seichten stellen des flusses geschieht. Aber einfluß des prov. z muß 
angenommen werden: schärfung des d zu z ist im ital. selten und geschieht 
wohl nur nach n und r. Hieher vielleicht auch sp. guAcharo wasser- 
süchtig, guacha-pear das wasser mit den fußen trüben. Vgl. dazu Diefenbach, 
Goth. wb. I, 248. 

Guado it., fr. guede (f), in der alten spräche gaide, waide G. 
ö!Angl.p. 129, mdartl. vouede eine pflanze, waid; ist das ahd. weit, ags. 
väd, s. Grimm IL 67. Aus der bekannten altfr. einschiebung des s 
(guesde) entstand nüat. waisda, guasdium, guesdium, waüon. waiss 
adj. königsblau (für waist, wie cress für crest, lat. crista; aouss für 
aoust, lat. angustus). Sp. pg. it. glasto ist buchstäblich das gallische 
glastum. Auch hier, wie so oft, wäre Diefenbach zu vergleichen, Cdt. I, 
139, Orig. europ. 360. 

Guai it. sp. pg., altfr. wai SB,, nfr. ouais, interjection für lat.vae; 
sbst. it. guajo, sp. pg. guaya; vom goth. vai, ahd. wS, vgl. kymr. gwae. 
Die altmaä. mundart hat sich auch ein adj. guajo geschaffen. 

Guaime it., altfr. gal'n Ren. II, 133, wailon. wayen, lothr. veyen, 
nfr. zsgs. re-gain grummet; kann nicht aus gagner, urspr. gaagner, ge- 
formt sein, füglich aber aus ahd. weida futter, gras, nhd. weide, oder 
aus weidön füttern, mit dem roman. suffix ime guad-ime gua-ime: so 
floß it. guastime aus guastare. Das urspr. m hat sich auch im henneg. 
waimiau behauptet. Normann. lautet das wort mit euphonisch abgeän- 
dertem stammvocal vouin (für gouin, gal'n), altfr. vuin (nicht win su 
lesen) : aussi qu'an vuin 'sicut in tempore aulumpm Brand, p. 103 u. 51. 

Guafna it., fr. gaine, alt gaine, henneg. waine, auch kymr. gwain 
scheide; von vagina. Den hiatus zu beseitigen spricht der Mailänder 
guadinna, der Venezianer guazina. 

Gualda sp., pg. gualde, fr. gaude, it. guadarella (Nemnich) 
eine pflanze zum gelbfärben, reseda luteola, datier adj. sp. gualdo, pg. 
gualde gelb, und wohl auch altsp. guado gelbe färbe; vom engl, weld, 
nhd. wau. 

Gualdrappa it., sp. pg. gualdrapa lange Satteldecke, bair. wal- 
trappen. Ferrari erinnert an das seltsame vastrapes ytfuvdfoa (feminalia) 
in den glossen des Phüoxenus, da eine solche decke wegen ihrer ähnlichen 
Bestimmung sich einer beinbekleidung wohl vergleichen lasse; andre sehen 
darin eine Zusammensetzung mit drappo, wissen aber für gual keinen rath. 

Guanto it., sp. pg. guante, pr. guan, fr. gant Handschuh; das 
eigcntl. port. wort aber ist lua, guante bedeutet panzerhandschufi. Mlat. 
wantus liegt in sehr alten Zeugnissen vor, schon Beda erwähnt sein vor- 
kommen in Gallien: tegumenta manuum, quae Galli wantos i. e. chiro- 
thecas vocant. Das altfr. wanz kennen die Casseler glossen. Das wort 



L GUAPPO-GUARI. 177 

ist ein deutsches, wiewohl es in der hochd. ags. u. a. mundarten fehlt, 
aber altn. vöttr ist = vantr, schwed. dän. vante. S. darüber Grimm, 
BechtsaU. 162, Gramm. III, 451. 

Guappo neap., mail. guapo hochmüthig, com. vap eitel (v steht hier 
öfters für gu), sp. pg. guapo kühn, galant, schön geputzt, auch gase. 
gouapou; sbst sp. gaapeza praJüerei; vb. norm, gouaper scherten. 
Der anlaut gu spricht für einen deutschen stamm und dieser findet sich, 
wenn man das prahlerische oder eitle als grundbegriff voranstellt, im ags. 
yapul pompholyx, Wasserblase (bei Somnerus), vb. vapolian sprudeln, ndl. 
wapperen flattern. Wohin gehört aber wallon. wapp wässerig, süßlich? 
doch wohl zu ndl. weepsch mit gl. bed. 

Guaragno it., sp. guaranon, alt guaran (val. guari), pr. (nach 
Ducange) guaragnon hengst; vom nüat. waranio L. Sal. u. s. w., dies 
aus dem deutschen, altndd. wrSnjo, mndl. wr§ne, ahd. reinneo, vgl. Graff 
J, 978, Grimm zur L. Sal. p. XXVIII, Gesch. d. d. spr. 30. Das franz. 
wort ist ätalon, das üblichere ital. ist Stallone, das weil, armesariu = ad- 
miggarius. 

Guar dar e it., sp.pg.pr. guardar, fr. garder hüten, vom ahd. warten 
acht haben; sbst. it. sp. guardia (f.), pr. guarda (f.), fr. garde (f. m.) 
wache, Wächter, vom goth. vardja, ahd. warto (m.), warta (f.). Daher 
ferner it. guardiano, sp. pr. guardian, fr. gardien hüter; it. guardingo, 
sp. pg. gardingo behutsam. Eine compos. ist it. sguardare, altsp. es- 
guardar, altfr. esgarder, eswarder. 

Guarento altit., sp. garante, pr. guaran und guiren, fr. garant 
gewährsmann, nüat. warens, allfries. werand, warend; aus dem ahd. weren 
leisten, verbürgen, s. Grimm, BechtsaU. p. 603. Die prov. form guiren 
ist die reinste, in den übrigen ward i mit a vertauscht. Vb. it. guaren- 
tire, sp. garantir, garantizar, pr. garentir, fr. garantir, altfr. auch ga- 
randir gewährleisten. 

Guari it., pr. cot. gaire, fr. guere, guferes, ein synonym des lat. 
muUum; dagegen neuwald. gaire für lat. quot. Der Provenzale hat außer 
gaire noch ein ähnliches wort, zusammengesetzt aus grandis res, gran- 
rän, ganrln, und mit oder ohne negation gebraucht, wogegen gaire nur 
dubitativ oder mit non negativ steht. Als partitiva stimmen beide nach 
bedeutung und construetion ganz zusammen und werden z. b.'une adjeetiva 
ohne weitere Vermittlung dem Substantiv vorgesetzt: ganren vegadas, gaire 
companhos wie it. guari tempo. Gleichwohl sind sie nichts weniger als 
identisch, indem der anlaut in gaire, wie das uralte fr. waires (z. b. in 
den Serm. de Bern.), das lothr. vouere, das pic. w&re, das wallon. wair 
und das chw. uera zur genüge lehren und auch das it. guari bestätigt, 
deutsches w vertritt. Aber welches ist das deutsche wort? Buchstäblich 
passt kaum ein anderes als das ahd. wäri verus, aus dem sich iL guari, 
prov. mit versetztem i dem brauche dieser mundart gemäß guaire gaire 
gestalten konnte: man muß e$ adverbial im sinne des lat. probe genommen 
haben, wie denn auch das sbst. gawäri probitas bedeutet. Die prov. 

12 



178 I. GUARIRE— GUASTARE. 

phrase non o pretz gaire wäre hiemach 'ich schätze es nicht wahrhaft, 
nicht sehr. Von 'sehr aber bif 'viel 3 ist nur ein kurzer schritt. Zsgs. 
ist fr. na guere = il n' a guere, it. non ha guari 'es ist nicht lange her; 
piem. pa-vaire wenig, nicht viel =■ pr. pas guaire. Im altfr. guer-soi 
viel durst (beim zutrinken) Ruteb. I, 93, vgl. 239, Ben. I, p. 120 zeigt 
sich guere ganz in positivem sinne. Für guari findet sich in der comask. 
mundart gerr, sicher kein eignes wort, sondern, wie auch P. Monti meint, 
aus altit. gueri (das aber zuerst in gheri übergieng). — [Die vorstehende 
deutung von guari aus wäri kann sich des Vorwurfes niclU erwehren, daß 
sich ein dem romanischen entsprechender deutscher gebrauch des urwortes 
nicht nachweisen läßt. Aber noch ein anderes deutsches wort verdient ge- 
nannt zu werden. Mhd. unweiger heißt 'nicht vid\ z. b. diu stunde 
was unweiger lanc = it. Tora non fu guari lunga. Das einfache weiger 
muß also 'vieC bedeutet haben, und so bemerkt man es einmal im dtthochd., 
worin ne weigaro das lat. non mtdtum ausdrückt, s. Mhd. wb. III, 556. 
Eine merkwürdige Unterstützung dieser etymologie gewährt die älteste 
prov. form gaigre Bth. v. 13, die das deutsche wort so vollkommen wieder- 
gibt wie möglich. Ist dies die richtige lösung? Wenn sie es ist, so muß 
das nur in wenigen stellen vorliegende weigar sehr volksüblich gewesen sein, 
da es in alle roman. sprachen einzudringen vermochte.] 

Guarire, guerire it., altsp. aitpg. guarir (jetzt guarecer), pr. altfr. 
garir, nfr. guärir heilen, genesen; vom goth. varjan, ahd. werjan ver- 
theidigen, nhd. wehren. Sichtbariich von demselben verbum ist pg. gua- 
ri ta, sp. garita, altfr. garite, nfr. gu6rite sicherer ort (vgl. die franz. 
phrase gagner la gu£rite sich durch die flucht retten), daher Schilderhaus, 
warte auf mauern oder häusern (altfr. gariter befestigen). Das suffix 
dieses Wortes setzt eigentlich eine ital. participiaibildung guarita als nächste 
quelle voraus, wie fr. räussite auf it. riuscita zurückgeht, aber selbst die 
heimischen Wörter, piem. garita, ven. gareta, cremon. garetta weisen mit 
ihrem anlaut auf franz. Ursprung; das acht span. wort ist guarida Zu- 
flucht, pr. guerida, das dem ahd. warid, werid (geschützter ort im wasser, 
werd, werder) ähnlich sieht, ohne davon abstammen zu müssen. Vgl. Dief. 
Goth. wb. I, 205. 

Guarnire und guernire it., altsp. guarnir (jetzt guarnecer), pr.fr. 
garnir verwahren; vom gleichbed. ahd. warnön, nhd. warnen, oder mit 
genauerem anschluß an den buchstaben vom ags. varnian sorge tragen, 
hüten, dltfries. wernia verbürgen, daher auch chw. varniar — wogegen 
das lomb. guarnä ganz zu dem ahd. worte passt, da es den ableitungs- 
vocal i nicht hervortreten läßt. Altfr. garnir heißt auch benachrichtigen 
LRs. 366, Rou I, p. 149, FC. II, p. 51, wie ahd. warnön, ags. varnian 
admonere. Desselben Stammes ist it. guarnaccia, guarnacca, sp. gar- 
nacha, pr. gannacha, fr. garnache Überrock, mhd. garnaesch, vgl. ahd. 
warna, mhd. warne für sorge; so auch it. guarn.ello Unterrock. 

Guastare it., altsp. altpg. pr. guastar, nsp.npg. gastar, fr. gater 
verderben, verzehren. Stammt es vom lat. vastare oder vom ahd. wastjan 



I. GUATARE-GUERRA. 179 

(letzteres aus dem sbst. wastjo und dem mhd. wasten zu folgern)? Da 
das adj. it. guasto, pg. gasto, altfr. guaste, noch jetzt mundartl. (z. b. 
in Berry) gäte, sich in vastus, das zsgs. diguastare, degastar, dägäter 
in devastare wiederfindet, so ist herhunft aus dem latein, aber unter ein- 
fluß des deutschen anlautes w, wie bei einigen andern mit gn anlautenden 
roman. Wörtern, einzuräumen. Die bed. beschädigen Kennt schon die L. 
Sai. tu. 9: penitus eum (caballum) vastare non debet. Als eine unmit- 
telbare büdung aus wastjan darf eiber das altfr. gastir Ben. I, 256 an- 
genommen werden. Abgd. altfr. guastine wüste LBs. 103 (adj. gastin 
Sax. J, 209). ' 

Guatare it., pr. guaitar, fr. guetter anschauen, beobachten, lauern; 
Ast. cremon. pr. guaita, altfr. guette, nfr. masc. guet wache; vom ahd. 
wallten wache halten; sbst. wahta, nhd. wacht, goth. vahtvö. Zsgs. it. 
agguatare, sp. pr. aguaitar, altfr. aguetier s. v. a. guatare; sbst. it. 
aguato, sp. agait, fr. agnet (nur noch im plur. üblich) lauer, daher 
altfr. daguet (= d'aguet) heimlicher weise; 

Gubia sp., pg. goiva, npr. gubio, fr. gouge (f.) hohlmeißel. Schon 
Isidorus 19, 19 fuhrt neben taratrum und scobina ein Werkzeug an, das 
die ausgaben theils guvia, gubia, theüs gulvia, gulbia schreiben. Die 
Casseler glossen setzen gulvium für das dtsche noila hobel. Die Variante 
gulbia weist sich als eine nebenform aus durch das it. gorbia, sgorbia, 
welches andre aus dem gr. ygoocpog herholen. Das wort scheint iberisch: 
bask. gubia bogen, gubioa kehle in W. v. Humboldts Verzeichnis, vgl. 
wegen der begriffe unser kehle und kehlleiste d. i. gehöhlte leiste. Larra- 
mendi erklärt das bask. gubia aus gurbfa oder gurbiaz, wodurch sich 
vielleicht die formen mit 1 oder r rechtfertigen lassen. 

Guercio it. (com. verstärkt sguerc), chw. guersch, uiersch, altsp. 
guereho, aber pr. guer, guerle, dauph. guerlio schielend. Sie setzen einen 
deutschen anlaut w voraus und so konnten sie aus ahd. twer, dwerch 
d. i. quer, nach abgestoßenem dentcdlaute, entstanden sein, vgl. gualiar 
II. c. — [Diese ansieht auch bei Diefenbach, Goth. wb. II, 721.] 

Guerra it. sp. pg. pr., guerre fr. krieg (daher engl, war, früher 
warre, werre, Grimm, Recht salt. 603, E. Müller s. v.) ; vom ahd. werra, 
mhd. mndl. altengl. werre zank, zunetracht, vb. ahd. werran verwirren: 
rixas et dissensiones seu seditiones, quas vulgus werras nominat Cap. 
Cor. C. Bellum (kymr. bret. bei) war dem Romanen neben dem adj. 
bellus, welchem pulcher hatte weichen müssen, unbrauchbar geworden und 
lebt nur in ableitungen und Zusammensetzungen fort; das einfache vb. 
belar 'betta facere steht nur in einem prov. Wörterverzeichnis GProv. 29. 
Man suchte ersatz im deutschen: das übliche wie mochte etwas zu klang- 
los sein, werra gefiel besser. Auch der Baske sagt guerla, der Walache 
ersetzte das lat. wort mit dem slav. resboi plünderung, was die gramma- 
tiker des landes freilich von rebellare herleiten. Zu merken ist, daß das 
von guerra abgeleitete guerrier im altrom. die bed. feind, Widersacher 
(ursprüngl. verwirrer?) zeigt, z. b. prov. (wo dies am üblichsten ist) 



180 I. GUIDARE-GUISA. 

aucire sos guerriers mortals seine todfeinde tödten Chx. V, 10; fr. ainc 
en nule maniere ne forfis que fuissiez ma guerriere Born. fr. p. 88; ü. 
che non mi sea guerrera Trucch. I, 194, vgl. 205; contra li nostri 
guerrer ella ö molt forte guerrera Bonves. p. 479, 43 ; sp. semejasme 
guerrero Apol. 275. 

Guidare it., sp. pg. guiar, pr. guidar, guizar, guiar, fr. guider 
leiten, zurechtweisen; sbst. it. guida, sp. guia, pr. guida und guit, dttfr. 
gui-s, nfr. guide fuhrer. Für die deutschheit des Wortes redet ziemlich 
unzweideutig der anlaut gu, zu welchem stamme aber gehört es? Nach 
der lautregel verlangt es goth. veid, ahd. wft, allein dieser stamm gewährt 
keinen angemessenen begriff. Nimmt man goth. vitan beobachten, bewachen 
als etymon, so ist gegen den begriff zwar nichts zu erinnern, auch ü. 
scorgere heißt wahrnehmen und leiten, allein die darstdlung der goth. 
tenuis durch die rom. media wäre ungewöhnlich. Gleichwohl ist diese 
deutung zulässig: auch altfr. hadir, halft entsprang mit derselben lautver- 
Schiebung aus goth. hatan (Rom. gramm. I, 312); selbst das sbst. guida 
schließt sich alsdann dem ags. (und goth.?) vita ältester, rathgeber un- 
mittelbar an, vgl. das prov. masc. guit, fr. guide. [Wackernagel gibt auch 
das alts. gi-wttan zu bedenken, dessen bed. 'gehen doch etwas entfernter 
zu liegen scheint] Von guidare ist fr. guidon fahne u. a. m. 

Guiderdone it., auch guidardone, pr. guazardon (für guadardon), 
guiardon, guierdon, altfr. guerredon, guerdon, sp. galardon (gualardon 
FJ. Cal. 6 D.), pg. galardao, altcat. guardö, nüat. widerdonum (unter 
Karl d. kahlen) Vergeltung; vb. guiderdonare ff. belohnen. Der erste 
theil des Wortes macht keine Schwierigkeit, es ist das dtsche wider, in 
älterer form widar, das auch in dem gleichbed. widrigilt vorliegt; a für 
i in der ersten sübe von guazardon, gualardon, wird nicht stören, man 
sehe die bemerkung oben in der vorrede. Widerdonum ist eine leichte 
entstellung des ahd. widarlön recompensatio Graff II, 220, ags. widher- 
leän, wozu erinnerung an lat. donum verführen konnte. Das sp. galar- 
don ließe sich selbst aus einer in dieser spräche ziemlich üblichen Umstel- 
lung der buchstaben (für gadarlon) deuten, wäre es nicht rathsam, sämmt- 
liche sprachen an demselben vor gange theü nehmen zu lassen und 1 auf d 
zurückzuleiten. Merkwürdig ist das synonyme pr. guazardinc, keine 
nebenform, sondern durch das longob. thinx und garathinx als ein selbst- 
ständiges wort gerechtfertigt. 

Guisa it. sp.pg. pr., guise fr. iveise, art, beschaff enheit, daher engl. 
guise; vb. sp. altpg. guisar zubereiten; zsgs. pr. desguisar, fr. d6- 
guiser entstellen, die gestcdt benehmen. Das etymon ist unschwer zu finden, 
da fast alle germanischen gebiete dasselbe wort besitzen: ahd. wfs, alts. 
wisa, nhd. weise, ags. wise, altn. vis. Selbst die adverbiale anwendung wie im 
ahd. in wis, zi wis (quomodo) spiegelt sich ab im rom. in guisa, a guisa. Fer- 
raris lat. etymon vice (z. b. vice canis = more canis) genügt dem buchstaben 
nicJd, Menage 9 s visus, visa eben so wenig dem begriffe. Aber pr. guia s. v. a. 
guisa scheint aus via entstanden, da s zwischen vocalen kaum ausfällt. 



I. GUSCIO— HENN1R. 181 

Guscio it. schäle der nüsse, eier, schalthiere u. dgl., Überzug, ven. 
sgusso und fem. gussa, sgnssa dass., auch hülse des kornes, spreu, maü. 
gH88, gussa, romagn. goss, gossa ebenso, fr. gousse (f), hülse, schote; 
vb. it. Bgusciare schalen. Von zweifelhafter herkunft. Folgende Wörter 
dürften in betracht kommen. Der grammatiker Placidus Jcennt gallici- 
ciola t cortex nucis juglandis: ist dieses ungeschlachte wort Schreibfehler 
für galliciola, so führt es auf ein adjectivisches primitiv gallicia (von nux 
gallica waUnuß), das sich ital. in galcia galscia guscio, fr. gausse gousse 
verwandeln mochte. Das ursprüngliche all hätte alsdann auch in dem 
diphthong des comask. s-gausc für sgalsc seinen ausdruck gefunden. Ahd. 
gabissa, garissa spreu, wegwurf. Ahd. hulsa und hülst, worauf Scheler 
hinweist, scheinen mit ihrem anlaute nicht zum franz. worte zu stimmen, 
wohl gihulsi, das aber nicht nachweislich ist. — Die Wörter für schale, 
schote, hülse sind in den roman. sprachen und mundarten zahlreich und 
oß schwierig zu deuten. Die obige deutung aus gallicia aber hat sich die 
beistimmung Mussafia's erworben, der auf die übereinstimmende toscanische 
form gallessa verweist, s. Zeitschr. für vergl. sprachf. XV, 397. 



H. 

Haca sp.y altsp. pg. faca, dltfr. haque (h asp.) Roq. Tdepper; altfr. 
haquet, sie. acchettu dass., pic. haguette kleine stute; nfr. haquet karren. 
Ist hier h oder f der richtige laut? Faca könnte sich auf cdtn. fäkr pferd 
berufen, allein wie hätte sich dieser poetische ausdruck nach Spanien ver- 
irren sotten? Es kann mit der bekannten span. dar Stellung der franz. 
aspiration. (vgl. oben arpa) von haque hergenommen sein, dies aber vom 
engl, hack miethklepper : dafür spricht auch die engl. zss. hack-ney, ndl. 
hakke-nei (engl, nag, ndl. negg, nhd. nickel pferdchen), wovon fr. ha- 
quenäe, altsp. pg. facanea, nsp. hacanea, it. acchinea, üblicher chinea. 
& auch Diefenbach, Goth. wb. I, 30. II, 122. 

Halar sp. 9 haier fr. (h asp.), alar pg. ziehen am seile; vom altn. 
hala ziehen, ahd. halön. 

Hennir fr. (spr. hanir, h asp.) wiehern. Diesmal ist es die franz. 
spräche, die das tat. original am genauesten wiedergibt. Die ital. hat 
dafür nitrire, annitrire, sbst. nitrito, von hinnitus mit bekannter einschie- 
bung eines lautverstärkenden r. Die erzeugnisse der übrigen sprachen 
weichen noch mehr ab, so daß die etymologische rechenkunst nicht überall 
ausreicht. Sie haben sich alle zur 1. conj. geschlagen. Span, lautet das 
wort relinchar, älter rei'nchar Conq. ültram., pg. rinchar. Verkürzt man 
das bei Lueilius vorliegende hinnilitare in hinniltare, so gewinnt man sp. 
hinchar/ dem man zum unterschiede von hinchar = inflare die partikel 
re oder red vorsetzte; das darin enthaltene d aber trat auf spanische 
weise leicht in 1 über. Ein vorgesetztes re zeigt sich auch im cat. renil- 
lar. wofür der Provenzale einfacher enilhar, inhilar, aber auch endilhar 



182 I. IERI-IMPROVERARE. 

spricht. Im sard. anninnijare endlich glaubt man deutlich die stimme des 
pferdes (hin hin) zu vernehmen; andre mundarten derselben provinz haben 
dafür annirgai und anniggia. Das wal. wort ist r^nchezä (ronchissare). 

i. j. 

Ieri it., sp. ayer (bei Berceo eri), pr. her, fr. hier, wal. eri adverb, 
vom lat. heri. Sp. ayer ist nickt = adheri, a ist vielmehr ein euphoni- 
scher Vorschlag vor y wie in ayantar, ayuso statt yantar, yuso, und so 
mag sich auch das cot. ahir, das sie. ajeri verhalten. 

II, lo, la it., sp. el, lo, la, pg. o, a, alt. el, lo, la, pr. lo > la (il), fr. 
le, la, alt li, lo, la, wal. le (1), la (oa, a) artiJcd, von ille, illam, Rom. 
gramm. II, 15. 27 ff. Sardisch su, sa, von ipse, ipsa. 

Imbuto it., sp. embudo, pg. fehlt, pr. embut GProv. 59 trichter; 
von butis faß, also wie fr. entonnoir, sagt Menage ; vgl. auch it. imbotta- 
tojo mit ders. bed., von botte = butis. 

Immantinente it., pr. mantenen, fr. maintenant, eeitadverb, illico, 
sine mora. Es ist kein partieip des rom. vb. mantenere, so daß es dem 
lat. in continenti gleich wäre, wozu die begriffe nicht stimmen, sondern 
eine selbständige Zusammensetzung in manu tenens in der hand lialtend, 
in bereitschaft, ohne Vorbereitung, ohne aufschub. Prov. auch de mantenen, 
altfr. de maintenant. Wald, atenent Hahn p. 573. 

Imprenta und impronta it., sp. pr. emprenta, fr. empreinte ge- 
präge, abdruch; vb. it. imprentare, improntare,. sp. emprentar, daher ndl. 
printen, engl, print. Von imprimitare, meint Ferrari. Da die neuen 
sprachen indessen nur wenige iterativa, diese aber immer mit iterativer in 
imprentare gar nickt fühlbarer bedeutung schufen, das verbum auch im 
franz. und prov. nicht vorhanden ist, so sucht man seinen Ursprung wohl 
richtiger im franz. partieip empreint: um so eher konnte der Italiener 
das fremde in seinem Ursprünge ihm unverständliche wort in impronta 
entstellen. 

Improntare it., emprunter fr. entlehnen, borgen, sbst emprunt. 
Nach Muratori, Ant. ital. I, 1895, wäre das ital. wort aus dem franz. 
Pecuniam alicui promere heißt einem geld hervorlangen: wollte man nun 
mit impromtum, impromtare das einnehmen des geldes ausdrücken? Das 
gezwungene dieser vermuthung wird einleuchten. Diesmal fährt die walach. 
spräche auf die richtige spur. Sbst. inprumut heißt borg, vb. inprumuta 
auf borg geben oder nehmen, vom lat. promutuum darlehen, zsgs. in-pro- 
mutuum, in-promutuare, was denn leicht improntare ergab. Seltsam ist 
fr. u für o : sollte es der einwirkung des ausgefallenen u in der sübe mut 
sein dasein danken? Der Wallone sagt epronter, aber o vertritt ihm oft fr. u. 

Improverare, rimproverare it., sp. improperar, fr. vrlt. impro- 
pörer vorwürfe machen; sbst. it. rimproverio cet. Vorwurf; von im- 
properare hineineilen Varro, vorwerfen Petron., eig. drauf losfahren, wie 
Pott deutet, improperium Vulg., s. QuicheraJt Add. s. v. 



I. INCALCIARE— INGANNO. 183 

■ 

Incalciare, incalzare it., altsp. encalzar -4fo., pr. encausar, altfr. 
enchaucer nachsetzen, verfolgen, daher sbst. cütsp. encalzo, altpg. ebenso 
encal^o SRos., pr. encaus, altfr. enchaux; eigentl. einem auf der ferse 
sein, von calx. 

Incanto it., encante altsp., enquant encant pr., encan fr. Ver- 
steigerung, mhd. gant; d. i. für wie viel, wie hoch? von in quantum; vb. 
it. incantare, pr. enquantar, altfr. encanter versteigern, verganten. Nicht 
von incantare, wenn sich auch altfr. durch umdeutung enchanter (en- 
chantement Assis, de JSrus.) findet. Vgl. Grimm, Rechtsalt. p. 610. 

Inchioßtro it. tinte (richtiger altmaä. incostro Bonves.); von en- 
caastam (i'yxavorov) rothe tinte, womit die griechischen Jcaiser unter- 
schrieben; dasselbe wort, mit griechischer betonung, ist fr. encre, sonst 
auch enque, die stärkste abküreung, die in dieser spräche vorkommt, sicil. 
inga, ndl. inkt, engl. ink. Atramentum blieb im pr. airamen, altfr. 
errement. Tinta ist der sp. pg. cot. sard. ausdruck, schon ahd. tincta, 
dincta. Der Walache empfieng vom Slaven, dem er auch die buchstäben 
verdankte, den ausdruck für tinte, cerneale d. i. schwärte. 

Incinta it., pr. encencha, fr. enceinte schwanger. Davon sagt 
Isidorus: incincta praegnans eo quod est sine cinctu d. h. incincta ist s. v. a. 
discincta entgürtet, weil sie keinen gürtet tragen kann: ne me puis ceindre 
sagt eine solche, FC. IV, 275. Andre auslegungen s. bei Menage, vgl. auch 
Galvani im Archiv, stör. ital. XIV, 362. Das franz. sbst. enceinte Um- 
zäunung aber ist von incinctus in seiner classischen bedeutung. 

Ine ade und ineüdine, aneüde und aneüdine it., sp. yunque, ayunque, 
pg. ineude (poet.), pr. encluget, fr. enclume amboß: von ineus ineüdis, 
mm theil sehr entstellt. Das it. ineudine beruht auf der falschen decli- 
nation ineudo ineudinis, ungefähr wie das sp. hambre auf fames faminis. 
Das sp. yunque entstand aus incu'e durch Versetzung des u. Die piem. 
form aneuso, die catal. enclusa scheinen aus dem nominativ entstanden. 

Indaco it., altsp. ändico, fr. indigo, pr. indi, endi eine blaue färbe, 
indig; vom lat. indicum blaues pigment aus Indien. Hieraus ein adj. 
altsp. yndio Chron. rimad. p. p. Michel v. 117, pr. indi, altfr. inde. 

Indi it., alt ende, enne, daher en und das jetzt übliche ne, altsp. 
dtpg. ende, pr. en und ne (letzteres z. b. in dem halbfranz. Leodegar str. 
11), altfr. int (in den Eiden), ent, nfr. en, wal. inde, ortsadverb und 
pronominalpartikel, s. Born, gramm. III, 55. Näher dem urworte als das 
fr. en steht das henneg. end in end-aler = fr. en aller, abgekürzt d (i 
d 1 a requeu ü^n a recupSre). Im altüal. inclinierte ende = neuit. ne 
sehr häufig z. b. nonde campo non ne campo PPS. II, 33, nulland' 
onoro nuMa ne onoro 71, peronde temo perb ne temo 73, vgl. Diane, 
ltal. gramm. 305. 306. Zsgs. ist sp. den de präposüion für desde, 
altsp. dent, altpg. dende, altfr. den Pass. de J. Chr. str. 30, SLeg. 21, 
van de-inde. 

Inganno it., sp. engano, pg. engano, pr. engan betrug; vb. in- 
gannare, enganar, enganar, altfr. enganer betrügen, weil, ingtjnä (aus 



184 I. INGEGNO— 1NTERO. 

dem itcd. ?) verhöhnen. Das einfache wort findet sich im altern mlatein : 
gannat xlevatpi Gl. lat. gr., sbsi. gannum spott Gest. reg. Fr., ganna- 
tura Bonif., Rh. Maur., Aldhehn; der Proveneale hat ganhar lachen, 
spotten, es scheint aber nicht dasselbe wort. Wer gannum aus ingenium 
entstehen läßt, der setzt sich über die handgreiflichsten lautregeln hinweg ; 
auch die herleitung aus dem ahd. geinön den mund aufsperren ist nach 
begriff und laut unhaltbar: in letzterer beziehung würde sich doppeltes 
aus einfachem n nicht rechtfertigen lassen. Möglich aber ist entstehung 
aus ahd. gaman spiel, scherz, ags. gamen scherz, spott, höhn, zsgz. gamn; 
man erwäge dieselbe behandlung der Verbindung mn in damnum, it. danno, 
sp. dano, pg. dano, pr. dan. Spiel und betrug berühren sich nah, vgl. it. 
giuoco spiel, hunstgriff, com. gioeuch (göch) betrug, fr. jouer qqun einen 
betrügen. Das gael. gang-aid betrug hätte andre formen erzeugt. 

Ingegno it., altsp. engeno, pr. engeinh, engin, fr. engin erfindungs- 
kraft, dsgl. künstliche maschine; von ingenium. Daher cdtfr. engignier 
überlisten, pr. engenhar nachstellen, it. ingegnarsi, nfr. s'ingönier auf 
mittel sinnen; sbst. pr. enginhaire, fr. ing&rieur, it. ingegnere, ndat. 
ingeniosus kriegsbaumeister. Aus lat. genius geschmack, witz leitet sich 
it. genio, sp. genio, fr. g6nie. Pr. geinh aber, gleichbed. mit engeinh, 
wie ginhos mit enginhos, scheint aus ingenium abgekürzt. 

Inguine it., sp. engle (/ör.engne), neupr. lengue (für engue), 
fr. aine (f.) weiche am menschlichen körper; von inguen. Itcd. anguinaglia 
von inguinalia. 

Insegna it., altsp. ensena, neusp. pg. insignia, pr. ensenha, fr. 
enseigne zeichen, kennzeichen, it. pr. fr. auch fahne; von insignia, plur. 
von insigne. Das einfache Signum gab sp. sena, pg. pr. gleichlautend. 

Insegnare it., sp. ensenar, pg. ensinar, fr. enseigner lehren. Von 
insinuare bekannt machen; oder ist es neues wort, in-signare einzeichnen, 
einprägen? vgl. iyxaQaoaetv 'insignare, incisare Gl. gr. lat. Nicht nur 
der begriff, auch der buchstabe redet für das letztere, dessen stamm ganz 
mit Signum in den acht roman. formen segno, sena, senh zusammentrifft; 
volle bestätigung gewährt ober das wci. insemnä anzeigen, von semn = 
Signum, also insignare. 

Insembre, insembra it., altsp. ensembra, ensemble, altpg. ensem- 
bra, fr. ensemble, dsgl. it. insieme, pr. ensems, altwäld. ensemp, adverb 
für lat. una; von insimul, dessen 1 zum theil in r verwandelt oder apo- 
copiert ward; wäl. aseämene von ad simul. Einfaches senps = simul findet 
sieh in der Pass. Christi str. 104. Vgl. unten sembrare. • 

Intlero und intägro it., sp. entero, pg. inteiro, pr. enteir, fr. entier 
vollständig, ganz, altfr. in der bed. unverletzt: li sain et li entier DMce. 
p. 176 j von integer integri, lomb. und wal. intreg. Abgel. pr. altfr. adj. 
enterin vollkommen, vb. altfr. enteriner gerichtlich gut heißen. Da in- 
tero auch grade oder aufrecht bedeutet, so knüpft sich hieran das vb. in- 
tirizzare, pg. inteiri^ar starr maclien, starr werden (adj. inteiri^o voll- 
ständig, dsgl. starr) : die physische und moralische bed. fest, unbeugsam 



I. INTRAMBO-LACAYO. 185 

hat auch unser steif. Abgeändert aus diesem verbum mit vertauschung 
der partikel ist aitpg. sp. aterir, aterecer, span. auch ateritar. 

Intrambo, entrambi it., sp. entrambos (getrennt entre Kachel e 
Vidas a parte yxieron amos PC. 191), pr. entrambs beide, alle beide, 
ssgs. mit der partikel inter, welche die bed. l unter sich, miteinander, zu- 
sammen angenommen hatte, also beide zusammen, s. Rom. gramm. III, 
408 note. 

Inverno und verno it., sp. invierno (yvierno PC. ed. Jan. v. 1620), 
pr. iveni, fr. hiver, wal. earnej unnter ; vom adj. hibernus, Mbernum, dem 
das unbildsame hiems weichen mußte. 

Investire it., sp. embestir, fr. investir einen platz berennen, ein- 
schließen, auch ihn angreifen; von investire bekleiden, und schon im la- 
teinischen umgeben, z. b. focum investire sich um den herd stellen. 

I o it., sp. yo, pg. wal. eu, pr. gallic. ieu, eu, altfr. eo, ieo, jeo, jo, 
nfr. je; von ego, syncopiert eo, woraus sich alle romanischen formen er- 
Haren, die neufranzös. durch consonantierung des anlautenden i, das mit 
e zu einem diphthong verbunden in kurzem lat. e (vgl. dien aus deus) 
seinen grund hatte. 

Issare it., sp. pg. izar, fr. hisser (h asp.) in die hohe ziehen; vom 
sckwed. hissa, ndd. hissen. 

Iva sp. pg., if fr. (m.) taxusbaum; ist das ahd. iwa, nhd. eibe, 
ags. iv, engl, yew, kymr. yw (f., sg. ywen), com. hivin. 

Ivi, vi it., aUit. i, altsp. altpg. pr. hi, y, fr. y, nsp. pg. (mit vor- 
geschlagenem a wie in ayer von heri) ahi ortsadverb, von ibi. ' 

Jnsbarba sp. mäusedorn, fr. joubarbe, pr. barbajol hauswurz; edle 
entsprechend dem lat. Jovis barba bei Plinius (anthyllis barba Jovis L.), 
it. barba di Giove. Span, chubarba scheint eine andre form desselben 
Wortes, vgl. in betreff des avlautes chupa = fr. jupe. 



L. 

La it., sp. alld, altpg. alä SRos., npg. lä, pr. la, lai, fr. lä ortsad- 
verb, von illac. 

Lacayo sp. pg., fr. laquais, daher it. lacchfe diener, der seinen 
herrn zu fuße begleitet, pedissequus. Im span. ist dies wort nicht alt, 
wenigstens erklärt es Covarruvias für ein erst mit könig Philipp (I.) aus 
Deutschland gekommenes, es fehlt daher auch bei Antonius Nebrissensis. 
Weit früher muß Frankreich es gekannt haben, da schon Froissart (vor 
1400) sagt: en France il y a cent ans, que les pages vilains allans ä 
pied onfr commanc6 d'estre nommez laquets et naquets (Menage). In 
einer Urkunde y. j. 1470 liest man: gens arbalestiers appellez laquaiz: 
leichte truppen wurden also damals so benannt, was der nachweislich älte- 
sten noch jetzt üblichen bedeutung nichts schadet, s. darüber bei Garpentier. 
Man hat es wohl aus dem arab. hergeleitet, von dem formell ganz un- 



186 I. LACCA-LAIDO. 

passenden laqft ausgesetzter knabe Freyt. TV, 119*, oder lakfa schmutzig, 
niedrig 123*. Larramendi führt es zurück auf bask. lacun, lagun geseU- 
schaff hülfe, und ayo einer der wartet und folgt: kennet dieser spräche 
haben zu entscheiden, ob aus dieser Verbindung das bask. lacayoa erwachsen 
konnte oder ob es dem span. entnommen ward. Indessen bedarf es für 
tmsern zweck dieser prüf ung nicht einmal. Seihen wir uns nämlich auf 
roman. gebiete um, so begegnet uns das alte prov. lecai naschhaft, üppig 
(s. unten leccare), neupr. (limous.) mit bekannter Verwandlung des ton- 
losen e in ä laccai nebenschößling des getreides (passend zu dem begriffe 
naschhaft), dsgl. diener wie im franz. Leicht konnte man den seinem herrn 
fest anhängenden ihm überall nachtretenden diener mit einem unnützen 
üppigen von der pflanze lebenden Schößling vergleichen; das dltpg. leeco, 
buchstäblich = pr. lec, dem primitiv von lecai, hat sogar ohne dbleüungs- 
suffix die bed. von lacayo entwickelt s. S. Eosa, was dieser vermuthung fast 
zur bestätigung gereichen kann. Zu bemerken ist auch noch, daß eine der 
baskischen mundarten, die labortanische, mit e für a lekhayoa sagt, der 
alten prov. form gemäß. 

Lacca it., sp. pr. laca, fr. laque, mlat. laca (1327) ein ostindisches 
harz; pers. lak, sanskr. läkschä. 

Laccia it., sie. alaccia, neupr. alacho Honnor. alse, maifisch, sp. 
alacha, andal. lacha (Nemnich) Sardelle (alse, Sardelle, hering gehören zu 
einer und derselben gattung, clupea) ; muthmaßlich entstellt aus halec, nach 
Diefenbach, Orig. europ. 222, aus dem celt. alausa. Entschieden aus 
halec ist it. dlice (f.), sie. al6ci Sardelle, sp. &16ce (m.) ragout von fiscJi- 
lebern, dsgl. sp. haleche eine art der makrele, aus welchem fisch die 
Römer ein treffliches garum machten. 

Laccio it., sp. pg. lazo, pr. latz, fr. lacs, weil, latz schnür; von, 
laqueus; vb. it. lacciare, allacciare u. s. f., fr. lacer. Aus dem roman. 
auch unser latz Mappe. 

Lacerta it., gew. lucerta, lucertola (sard. caluscerta, caluxertula), 
sp. pg. lagarto, fr. 16zard, bürg. fem. lözarde und so altfr. laissarde 
RMont. 399, 30, Voc. d' Evreux p. 20, chw. lusciard eidechsc (pg. la- 
garta raupe); von lacerta, das aber fast gemeinromanisch seine endung 
mit dem auf viele thiernamen angewandten suffix ard vertauschen mußte. 
Der Spanier mag frühe lacarta für lacerta gesprochen haben. 

Lagnarsi it., altsp. lanarse, pr. se lanhar, altfr. laigner sich be- 
klagen; sbst. it. lag na, pr. lanha klage, jammer; von laniare se (prae 
dolore), wie Ferrari und Muratori mit grund vermuthen, vgl. pg. carpir- 
se weinen, sich beklagen, exgentl. sich zerreißen, oder die minder starken 
lat. und griech. ausdrücke plangere und '/.onTeo&ai. 

Laido it. altsp. dltpg., pr. lait, fr. laid häßlich; vom aAd/leid ver- 
faßt, altn. leidhr, ags. lädh; altfr. il in'est lait = mhd. mir ist leit, das 
gegentheil von il m'est bei == mir ist liep. Altfr. auch sbst. lait (faire 
lait a qqun wie ahd. leit tuon), dsgl. chw. laid, bask. laidoa. Vb. it. 
laidare, altsp. laizar Bc.Mil. 394 (aus dem prov.), dltpg. laidar SRos., 



I. LAMA-LANDRA. 187 

pr. laizar dltfr. laider kränken, verletzen, von leidön, leiden, dsgl. it. 
laidire, pr. aitfr. laidir von leidjan, ags. lädhjan. Eine bemerkenswerte 
abl. ist dltfr. laidenge kränkung (vb. laidengier), pr. ledena Bth. 73 
für laidenha, vgl. ahd. leidunga beschtddigung. 

Lama it. sp. pg., dauph. lamma sumpf; von dem seltnen lat. lama 
{für lac-ma, vgl. lac-us), wovon Festus sagt: aquae collectio, quam lamam 
dicunt, übrigens von Horcus gebraucht. In demselben sinne findet es sich 
auch bei Dante, wiewohl manche seiner ausleget es anders deuten, s. Fer- 
rari s. v. und Muratori, Ant. itäl. II, col. 1105. Bekanntlich führt 
Paulus lama als ein longob. wort an, s. darüber Grimm, Gesch. d. d. spr. 
p. 694. 

Lama it. pr., lame fr. platte, klinge, cdtsp. lana Scheibe, riemen; von 
lamma. Dasselbe etymon hat dltfr. lame gröbstem. Abgel. altfr. lemele, 
alemele Brt. I, p. 108 (letzteres aus l'alemele für la lemele), nfr. entstellt 
in alumelle. Daher mhd. lämel. 

Lambicco, limbicco it., sp. alambique, pg. lambique, pr. elambic, 
fr. alambic destiUierkolben; vom arab. al-anbfq, welches aber selbst in 
diese spräche eingeführt sein soll, Gol. 165, vgl. Freytag I, 62 b . 

Lambrusca it. sp., lambruche fr. wüde rebe; von labrusca dass. 

Lampo it. sp. pg., pr. lamp, lam, neupr. lan blitz; eigentl. schein 
wie fr. öclair, von lampas, aber neu gebildet aus dem stamme lamp ohne 
rücksicht auf die ableitung lanip-ad, ein noch stärkerer fall als capo cap- 
accio aus cap*nt. Eine ableitung mit derselben bed. ist cot. llämpeg, 
sp. pg. ssgs. rel&mpago. 

Lampreda it., sp. pg. lamprea, fr. lamproie ein fisch, lamprete; 
umgestellt aus lam-petra steinlecker (lambere), weil sich dieser fisch mit 
dem maul an die steine anhängt. S. Voss. Etym. v. petra. Das lat. wort 
ist unclassisch und kommt erst in den glossen des Philoxenus vor: lam- 
petra hvqcuvci (meeraal). 

Lancia it., sp. lanza, pr. lansa, fr. lance, wal. lance Speer, vom 
lat. lancea, nach Varro bei Gellius ein hispanisches, nach andern ein 
gallisches oder germanisches wort (das genaueste darüber bei Diefenbach, 
(Jrig. europ. 372); vb. it. lanciare ff., lat. lanceare erst bei Tertullian; 
daher it. lancio, sp. lance, pg. lan<jo, pr. lans schwung, sprung. Zsgs. 
it. slanciare, pr. eslansar, fr. Cancer schwingen; sbst. fr. 61 an für 
61ans Sprung, säte. 

Lan da it. pr., so auch cdtsp. s. Carte, de B., lande fr. heide, ebene, 
aitfr. lande saltus LRs. 86. 186. 351, Gloss. de Lille 15 (Seh. 34), daher 
lande follie GVian. 3011, also auch buschgegend; bask. landa feld. Das 
wort hat deutsches aussehn: goth. land (n.) %wQa, äyQog; mit seiner be- 
deutung aber neigt es sich entschiedener zum breton. lann stacheliger 
strauch, pl. lannou steppe, man vgl. denselben begriffsübergang im fr. 
brande Strauch, pl. brandes heidefeld. Lann aber, in älterer form land, 
scheint acht cdtisch, s. Zeuß I, 168. 

Landra, slandra it. metee, feile umherstreifende dirne, dauph. 



188 I. LANIERE— LASCIARE. * 

landra dass. s. Champottion; ab gel. neupr. landrin, landraire tagcdieb; 
com. slandron landstr eicher, ven. slandrona metze; vb. neupr. landra 
pflaster treten (auch se landä Bonn.). Zsgs. it. malandrino, sp. neupr. 
malandrin, henneg. limous. mandrin Straßenräuber, landstreicher, tauge- 
nichts, für mal-landrino u. s. f., comask. fem. malandra meretrix, occ. 
mandro (f.) name des fuchses, mandrouno kupplerin (nach Sauvages von 
matrona), wohl auch sp. molondro Müßiggänger; ferner adj.pt. vilandrier 
pflaster tretend, für vil-landrier. Aus it. slandra ist weil, suleandre (durch 
einschiebung wie zumaltz aus nhd. schmalz). Es gibt ein ahd. lenne me- 
retrix s. Freidank p. 363 (1. ausg.), dem aber dr nicht ohne grammati- 
schen grund hätte angefügt werden können. Besser zu treffen scheint unser 
mhd. lenderen Wb. I, 963, oder ndl. slenteren, nhd. schlendern müßig 
umhergehen. Zu beachten ist auch das ahd. für lat. latro gebrauchte 
lantderi einer der land und leuten schadet, passend zumal für mal-landr- 
ino. Doch mag man sich weiter umsehen und z. b. auch das bask. lan- 
derra fremd, dürftig Larram. I, XXI heranziehn. 

Laniere it., pr. fr. lanier, engl, lanner, eine geringere faXkenart, 
waektelfaike, würget; wird von laniarins geleitet, a laniandis avibus. Adj. 
lanier gierig. 

Lanzichenecco it. (abgekürzt lanzo), sp. lasquenete, fr. lans- 
quenet deutscher soldat zu fuß; bekanntlich von landsknecht d. i. knecht 
oder bewaffneter im dienst des landes (im mhd. nicht vorhanden), daher 
auch ein von den landsknechten eingeführtes kartenspiel. 

Lapo sp. schlag mit flacher klinge; vom ahd. lappa, nhd. läppen, 
vgl. das verwandte dtsche Aap, welches läppen und schlag mit etwas flachem 
heißt. Gleicher herkunft comask. lapina ohrfeige, fr. in Berry lapigne 
lumpen, läpeau träger mensch, churw. lapi wicht, pinsel = nhd. läpp 
schlaff. Zsgs. sp. solapar das Tdeid überschlagen. 

Lappare it. (in oberital. mundarten), fr. laper, pr. lepar, cat. 
Hepar auflecken; = nhd. läppen, altn. lepia, kymr. llepio, gr. lartxuv 
u. s. w., ein weitverbreitetes wort. 

Lar sp. pg. occit., llar cat. herd; offenbar das lat. Lar, das bereits 
bei den Bömern aus der bed. hausgott in die bed. herd Übertrat, s. z. b. 
Schwenck, Rom. myth. 237. Dasselbe wort ist gewiß das it. alare 
feuerbock, worin schon Redi das lat. lar anerkennt, s. dessen Etitnol. ital. 
Auch sp. llares kesselhaken (plur.) mag dieses Ursprunges sein. 

Lasciare, lassare it., altsp. lexar, leixar, pg. leixar, pr. laissar, 
fr. laisser, wal. l$sä, chw. abgekürzt schar lassen; von laxare schlaff 
machen, nachlassen (sp. laxar nur in dieser bed.). Zsgs. pr. s' es laissar, 
altfr. s'eslaisser sich wohin stürzen, eigentl. sich loslassen, sbst. eslais 
stürz, Sprung, it. slascio. Dahin auch adj. it. lasco, pr. läse, lasch, fr. 
lache, henneg. lake träge, vb. sp. lascar, altpg. laiscar SRos., pr. las- 
car, laschar, pic. laskier, fr. l&cher (alt lasquer Rol. p. 150), von lascus 
umgestellt aus laxus, vgl. denselben Vorgang im gael. leasg, ir. leisg, kymr. 
Uesg = lat. laxus; gael. asgall, com. ascle = lat. axella; gael. flusg = 



I. LASSO— LATINO. 189 

lat. fluxus u. a., aber auch in roman. Mundarten: champ. figquer = fixer, 
lusqne = luxe. — Merkwürdig ist das henneg. norm, laier für laisser, 
das auch im altfranz. häufig genug "begegnet. Ist es das ndl. laten? denn 
das ahd. läzan würde sein z nicht so leicht preis gegeben haben und an 
das abgekürzte mhd. län ist, als eine zu späte form, sicher nicht zu denken. 
Aber laier scheint in einer entfernten roman. mundart seines gleichen zu 
haben: das buchstäblich zutreffende lomb. lagä thut ganz den dienst von 
lasciare, mit dem es übrigens keine gemeinschaß haben kann; es muß 
vielmehr aus legare (hinterlassen) entstanden sein, dem auch eine henneg. 
form leier entspricht (vgl. EscaUier, Sur le patois p. 109). Vielleicht 
aber läßt sich laier von lagare trennen und mit laisser verbinden. Das 
fut. laisserai lais'rai nämlich konnte in lairai syncopiert werden wie 
gesirai in gerrai, und diese syncqpierte form konnte auf die gestc&t des 
verbums einfluß üben. Aber die erste erklärung scheint sicherer. Gael. 
leig, attirisch leic zulassen. 

Lasso it. pg., sp. laso, fr. las müde, unglücklich, interj. it. ahi 
lasso, fem. ahi lassa, pr. ai las, altfr. ha las, engl, alas, nfr. h£las (s. 
hl IL c), vom lat. lassus müde; vb.it. lassare ff. ermüden, von lassare. 
Aus dem adj. entstand auch das altfr. sbst. laste Eracl. 2346, laste Bert. . 
1092 (ed. Schder) müdigkeit, kummer, aitsp. lasedad. 

Lasto it., sp. lastre (m.), fr. laste (m.) ein schiffsgewicht, last; vom 
ahd. hlast, altfrs. hlest, ags. last onus. Daher auch fr. lest (m.) ballast. 
Span, lastre zeigt ein eingeschobenes r und trifft zusammen mit lastre, pg. 
lagtro ballast (vb. lastrar mit ballast beladen), dsgl. Steinplatte, für letzteres 
auch fem. lastra, und so it. lastra stein- oder metallplatte, bedeutungen, 
welche diese Wörter dem gr. t^nhxaTQOv (s. piastra) näher rücken als 
dem deutschen last. 

Latino it., sp. latin, pg- latim ff. bedeutet zuerst die lateinische 
spräche, ward aber auch auf Wissenschaft oder kenntnisse ausgedehnt wie 
bei uns, wenn wir sagen: er ist zu ende mit seinem ledein. Alsdann nahm 
man es auch in malam partem: sp. saber mucho latino schlau sein, sp. 
pg* adj. (mit d für t, besser romanisiert) ladino schlau, listig. Aber was dem 
gelehrten das latein, das war dem ungelehrten seine muttersprache : so kam 
es, daß man das wort auf jede mundart übertrug, selbst die arabische: 
pr. parlar en son lati heißt in seiner mundart reden, und auch die vögel 
reden in ihrem latein, in ihrer mundart, denn ein anderes latein ver- 
stehen sie nicht: pr. l'ausel canton en lor latis und bei Dante reden 
ebenso gli augelli eiaseuno in sno latino; bei Gottfried von Straßburg 
hießen diu wilden waltvögelln si willekomen stn vil snoze in ir lattne. 
War man einmal bis zur bed. muttersprache vorgerückt, verstand man 
unter dem latein namentlich das romanische, so konnte man mit dem 
Italiener dem adj. latino oder ladino die bedd. leicht, bequem, zugänglich 
(verständlich lag in der mitte) beilegen, wie sich dies schon bei Dante 
findä: si che m'& piü latino d. i. piü facile Par. 3, 63; latino di dar 
audienza facüis aUoquio, ladino della mano promtus, expeditus, welchen 



190 I. LATTA— LEGA. 

sinn auch das churw. ladin ausdrückt Ferrari deutet dieses adjediv 
lieber aus latus weit, daher bequem. Van latin ist pr. aUfr. latinier 
sprachkundiger, dolmetscher, altengl. latynere, latymer, Ivg. bei Ducange: 
latinier fa, si sot parier roman, englois, gallois et breton et norman. 
Dazu Genin, Recreations phüol. II, 71. 

Latta it., sp. pr. lata, fr. latte flache hölzerne Stange, stück blech; 
nicht vom lat. lata breit, unmittelbar vom ahd. latta, ags. lätta, vgl. kymr. 
lläth (f.). Der Walache hat dafür das masc. latz. 

Lattovaro, lattuaro it., sp. electuario, alt lectuario, pr. lactoari, 
lectoari, fr. ölectuaire, alt lectuaire latwerge; nebst andern formen aus 
lat. electarium, wofür auch electuarium vorkommt. 

Lavanda, lavfridola it., sp. lav&ndula, fr. lavande ein wohl- 
riechendes kraut, lavendel; soll seinen namen daher haben, weil es zum 
waschen des körpers (lavare) gebraucht wird, wie denn it. lavanda auch 
Waschung bedeutet. 

L&zaro sp. betfler, mail. l&zzer schmutzig, pic. lazaire arm, elend, 
pr. fr. ladre aussätzig; öbgel. altsp. lac£rla armuth, dsgl. aussatz; it. 
lazzeretto, sp. lazareto siechenhaus; it. lazzarone. Von dem namen 
des siechen bettlers Lazarus Ev. Luc. c. 16. Die älteste prov. oder frans, 
form war sicher lazer, vgl. Pass. de J. Chr. str. 8 lo Lazer und die an- 
merkung dassu; wie zr zu dr, so ward auch sr zu dr in madr6 von ma- 
sar, in S. Ludre von S. Lusor Voc. hagiol. 

Leccare it., pr. liquar, lichar, lechar, fr. lecher, chw. lichiar, wci. 
licei lecken; dafür sp. lamer, cot. Hepar. Neben it. leccatore, altfr. lecheor 
leckermaul, Schmarotzer gut auch pr. lec, lomb. piem. ebenso lech, sie. 
liccu, it. leccone. Auch gibt es ein prov. adj. lecai, licai (sbst. licai- 
aria) und licaitz (sbst. licaz-aria), beides seltne bildungen. Die älteste 
künde des roman. Wortes findet sich in den Isid. glossen: lecator ( gulosus\ 
Vom gr. leixeiv kann es nicht abstammen, dies hätte it. licare, bei Isidor 
licator gegeben, doch mag dem wälach. worte dieser Ursprung zugestanden 
werden. Leccare ist das ahd. lecchön, alts. liccön, leccön, ags. liccian; 
lec, leccone würden einem ahd. sbst. lecco entsprechen, wenn ein solches 
vorhanden wäre. Kaum zwar kennen die Isid. glossen ein deutsches wort, 
gegen lecator aber ist schwerlich etwas einzuwenden. Wenn es jedoch an 
einer andern stelle dieser glossen heißt leno 'lecator, mediator, lenulus 
l parvtts lecator , lenocinium *lecaeitas ', so mag diese bedeutung aus dem 
gr. laixdCeiv abstrahiert sein, denn lecacitas erinnert so stark an das 
pr. lecaitz (gleichsam lecax), daß es keine trennung davon gestattet. 
Aber auch das rom. lecheor hatte eine üble bedeutung, es war ein Schimpf- 
wort für spielleute geworden (parasitus ^spileman Schlettst. gloss. 29,62; 
39, 422) und ist nicht herzuleiten vom ahd. leichari bänkelsänger, wie 
J. Grimm will, Oed. auf Friedr. p. 17, um so weniger eis nirgends eine 
form lacheor sich darbietet (ahd. ei = rom. a). 

Lega it. pr., besser pr. sp. legua, pg. legoa, fr. lieue ein längen- 
maß, meile; von leuca meile bei den Galliern: mensuras viarum nos mil- 



I. LEGA-LEONINO. 191 

Maria dicimus, Galli leucas Isid.; Xsvyr] (dhQov xi rakdvaig Hesych. Das 
wort erhielt sich besser im roman. als im celtischen; hier besitzt es die 
breton. mundart in der form lev (leö), es setieint aber dem roman. ent- 
lehnt, und das gad. leig ist offenbar das engl, league. Die roman. for- 
men beruhen auf einer Umstellung von leuca oder leuga in legua, franz. 
mit diphthongierung des e und ausfall des g lieue. Im altfr. bedeutete 
es auch einen Zeitraum, s. RCam. p. 264, FC. I, 194, IV, 39, Eracl. 
935, Journ. d. sav. 1832 p. 161; so das it. miglio Bocc. Dec. 6, 10 
(im schere), das mhd. mtle Wb. II, 170. Eine abl. ist altfr. lo6e mei- 
lenweite. Man sehe Mahn p. 37, Diefenbach, Orig. europ. p. 374. 

Lega it., sp. ley, fr. loi, aloi gesetzlicher geholt der münzen; vb. 
it. allegare, sp. alear, fr. aloyer legieren; von lex, ad legem, vgl. pr. 
aleyalar justifier. 

Löndine it., sp. liendre, pg. lendea, pr. lende, fr. lente niß; von 
lens lendis, wofür das volk, durch ähnliche fälle verführt, lendinis gesagt 
zu haben scheint; selbst fr. lente könnte aus dem gemeinrom. lendine 
(auch wci. lindine) abgekürzt sein wie page aus pagina. Auffeilen muß 
das cot. U&nena: ist es umgestellt aus llenema llendema (d nach n fällt 
hier häufig aus), so läßt sich m kaum anders denn als aecusativendung 
fassen. 

Lenza it. binde von leinwand, sp. lienzo Schnupftuch; von lintea, 
linteum. Abgel. it. lenzuolo, sp. lenzuelo, pg. langol, pr. lensol, fr. 
linceul leintuch, betttuch, lat. linteolum. 

Leonin o it. sp. u. s. w. } nüat. leoninus adj. mit versus verbunden 
(z. b. in einer handschrift des 12. jh. s. Ältd. blätter I, 212) ist ein 
hexameter oder pentameter, deren mitte und ende zusammen reimen wie 
in dem hexameter contra vim mortis | non est medicamen in hortis. Daß 
ein pariser dichter Leonius gegen imde des 12. jh. dergleichen verse zuerst 
oder wenigstens mit Vorliebe gebraucht habe, ist eine zur deutung des 
Wortes aufgebrachte sage (Hist. litt de la France XIII, 446), sie kom- 
men schon bei den Hörnern und zumal häufig seit anfang jenes jahrh. vor 
(Mural. Ant. üal. III, 686, besonders W. Grimm, Zur gesch. des reims 
107— 160). Bei den (ütfranz. dicMern aber ist rime leonime etwas anders, 
es ist ein endreim, der das eigne hat, daß er nicht bloß die betonte, son- 
dern auch ixe vorhergehende unbetonte silbe wie in cassons: passons, oder 
selbst drei süben beherrscht wie in vraiement: paiement. Die neueren 
nennen ihn rime riche. Wackernagel, Altfr. lieder p. 173, trennt dies 
leonime von leoninus und erklärt es aus einem griech. worte Xecovv/aog 
(von letog). Dies hieße also glattnamig und man könnte dabei an ital. 
vereo piano den glatten, ebenen d. h. den weiblichen vers erinnern. Aber 
rathsam scheint es doch, in dem franz. worte nur eine andre form des 
lateinischen anzunehmen, sofern es sich mit letzterem in der sache einigen 
läßt, und dies ist möglich. Sollte nämlich der reim in der lat. poesie 
recht ins gehör fallen, so machte man ihn zweisilbig wie in dem obigen 
vers (auch der einsilbige, wie wenn es contra vim mortis | non est medi- 



192 I. LESINA— LIA. 

camen in arvis hieße, war zulässig) und dies geschah besonders seit dem 
11. jh. (Grimm l. c. p. 160). Dem Franzosen nun, der mortis, hortfs 
accentuierte, traf dieser von andern Völkern als weiblich aufgefaßte reim 
mit seinem reichen männlichen (cassöns: passöns) zusammen und konnte 
ihm nicht unschicklich auch den namen leihen. Daß man leonime und 
nicht leonine sprach, mag einen euphonischen grund haben wie das neufr. 
venimeux für venineux. 

L6sina iL, lesnasp., besser sp. alesna, pr. alena {aber limous. lerno, 
r für s), fr. alene ein Werkzeug, ahle; vom ahd. alansa, umgestellt alasna, 
Schweiz, alasme, mlat. alesna Dief. Gloss. lat. germ. Wie es kam, daf> 
lesina, woher fr. 16sine, auch knauserei bedeutet, darüber höre man Menage. 
L6sine, du livre Italien, intituW Della famosissima Compagnia della 
Lesina: lequel contient divers moyens de manage. L'Auteur de ce livre, 
qui est un nommä Vidtardi, feint que eette Compagnie fut ainsi appelte 
di certi Taccagnoni, i quali, per marcia, miseria, et avarizia, si mettevano 
insino a rattacconar le scarpette e le pianelle, con le Uro proprie mani, 
per non ispendere. E perche tat* mestier del rattacconar e non si puo fare 
senza lesina, anzi e lo stromentoprincipale,presono questo nome della Lesina. 

Lesto it. pg., fr. leste, sp. listo gewandt, flink, ital. auch geschickt, 
klug, listig; vb. it. alles tare, allestire zurecht machen; vom goth. lis- 
teigs, ahd. Hatte kunstreich, mit abgeworfenem suffix wie im it. chiasso 
von classicum, attfr. rüste von rnsticus u. a. Sbst. t churw. list (masc. wie 
ahd. mhd. list). 

Lettiera it. bettgestdl, sp. litera, pr. leitiera, fr.Aiti&re sanfte, 
mlat. leetaria; von leetus. 

Levante it. sp. pg., levant fr. osten; eigentl. Sonnenaufgang, ove 
il sole si leva; ahnlich pg. nascente, cot. solixent, sämmtlich partieipia 
wie lat. oriens, oeeidens, vgl. unten ponente. 

Levistico, libistico it., fr. liv&che (levesse Menage) liebstöckd, 
ein kraut; von ligusticum, bei Vegetius De re veter. levistienm. Ein pg. 
levistico bei Nemnich. 

Levriere it., sp. lebrel, fr. Wvrier Windhund; von leporarius 
hasenhund. 

Li it., sp. allf, pg. allf ortsadverb; von illic. 

Lia sp. weintrester, pg. lia, pr. lhia, fr. lie, engl, lee, bret. ly hefe 
(auch venez. lea schlämm d. i. bodensatz des wassers, oder etwa vom gr. 
ikvg ikvog?), bei Papias lia 'amurea ölsatz. Lix licis lauge oder' asche, 
worauf einige verweisen, verlangt sp. liga und dem käme neupr. ligo, bask. 
liga (Humboldt, Scdaberry, lia Larramendi) zu statten, hätte die alte form 
lhia nicht größeren werth, denn g kann eingeschoben sein; fr. lie aus licera 
wäre möglich, wenn man berlue aus lucem vergleicht. Ist die zweite be- 
deutung die ursprüngliche des wortes, so leitet man es der form und dem 
begriffe entsprechender mit Diefenbach, üelt. I, 63 von levare, wie auch 
unser hefe von heben, das gleichbed. bärme vom alten heran (tragen) 
kommt, vgl. levain IL c. 



I. LIBECCI0-L1LAC. 193 

Libeecio it., sp. lebeche, pr. labech (jetzt abech), altfr. lebeche, 
lebech südwestwind; vom gr. Xixp Xißog mit gl. bed., alban. live. Die 
itd. form lieh den andern das muster. 

Libello it., pg. pr. livel, nivel, sp. nivel, fr. niveau, bret. Iiv6 
säßwage; vb. sp. nivelar, fr. niveler; von libella. Anlautendes n für 1 
muthmaßlich durch dissimüation. 

Liccia, lizza it., sp. liza, pr. lissa, fr. lice, engl, list (E. Müller) 
schranke des turnier- oder kampfplatzes, auch der platz selbst, spätmlat. 
licia (sämmiliche Wörter meist im pluräl gebraucht). Lat. licium passt 
nur mit dem fiucfistaben, nicht mit dem begriffe. Abkürzung aus pa-licci- 
ata palizzata it., sp. palizada ff. pfahlwerk, so daß man zuerst licciata, 
dann schlechtweg liccia gesagt hätte, ist, was den anfang des etymons be- 
trifft, unbedenklich einzuräumen, da viele nicht minder starke beispiele 
dieser ort vorliegen (Rom. gramm. I, 294, 4. ausg.), nicht so was das 
ende betrifft. Sollte das wort nicht deutsch sein wie so viele aus dein 
hriegswesen? Mhd. letze, vom ahd. lazf, heißt schutzwehr (letzen ab- 
halten) ; der ahd. form entspricht vollständig die bei Guir. Riquier mehr- 
mals vorkommende form laissa (las layssas son ben acairadas die palis- 
saden sind hübsch viereckig zugehauen p. 104), kaum aber das gemein- 
rom. lissa, da der Umschlag des ai oder der des kurzen e in i (letze, 
lisse) ein unüblicher ist. Zu prüfen wäre noch ein celtisches wort: gael. 
Hos einzäunung, befestigter ort, palast, kymr. Uys gerichtshof, fürstlicher 
hof, bret. 16z hof (auch rand, säum, was an lisiere erinnert). 

Licorno und alicomo it., pg. alicornio, fr. licorne (f.) einhorn; 
entstellt aus nnicornis, sp. unicornio u. s. w. 

Lieve it., sp. pg. leve, pr. leu leicht, von levis; fr. lief fehlt; ital. 
leggiero, pr. leugier, fr. 16ger, gleichsam leviarius; vb. pr. leujar er- 
leichtern = mlat. leviare für leväre Gap. Gar. Calv., auch aleujar (ale- 
viar), it. alleggiare, sp. aliviar (sbst. alivio), fr. all6ger. Das an den 
stamm gefugte i zeigt auch das sard. dem it. lieve entsprechende lebiu. 

Lievito it., romagn. leud, sp. leudo (liebdo Bc.), pg. tevedo auf- 
gegangen (vom teig); vb. it. levitare, sp. leudar, Ueudar, aleudar, ale- 
vadar, pg. levedar aufgehen lassen (gleichfalls vom teig). Aus levare 
machte man in frühester zeit nach dem vorgange von cubare cubitus, 
domare domitus ein partic. levitus, daher das roman. wort. Solche un- 
classische participien sind überdies dolitus statt dolatus Varro ap. Non., 
vocitus statt vocatus, provitus statt probatus bei Gruter, s. Struve, Lat. 
decl. u. conj. p. 185. 186; die L. Sah kennt rogitus für rogatus, vgl. 
Pott in der cibhandlung Plattlatein 324. Man nehme also levitare nicht 
für ein iterativ von levare, woraus nachher lievito entstanden sei, denn 
dem iterativ kommt auch im Span, ein t zu. Eine andre form ist pr. 
Ievat, cat. llevat, wal. aluat Sauerteig; auch der Neapolitaner sagt levato, 
der Piemontese und Mailänder levä = it. lievito. Churw. levont vom 
part. präs. 

Lilac it. sp., pg. lila, fr. lilas ein Strauch, sy ringe; soll ein pers. 

13 



194 I. LIMONE-LISTA. 

wort sein, agem lilac (agem bedeutet persisch, eigentl. barbarisch, nicht- 
arabisch). Vtdlers findet das wort nur bei Meninski, Complementum ihe- 
sauri linguarum Orient., unter dem lat. syringa persica, wo leil&k steht, 
das wahrscheinlich türkisch ist. 

Limone it., sp. pr. limon, pg. limäo, fr. limon citrone, it. sp. pg. 
auch lima, it. lomia, sie. lumiuni; it. limone, sp. limon, pg. limoeiro, fr. 
limonnier citronenbaum; vom pers. limü, welches die frucht und den bäum 
bedeutet, dies aus dem indischen nimbüka, bengal. nimbu, nibu, daher 
auch ardb. laimfin. 

Limösina it., altsp. pr. almosna, nsp. limosna, pg. esmola (umge- 
stellt aus elmosa), fr. aumöne almosen; von eleemosyna. 

Lindo it. sp. pg., neupr. linde hübsch, geputzt, zierlich, von lim- 
pidus klari daher die bed. aufrichtig im piem. lindo. Itcd. auch limpido, 
sp. limpio: dieselbe doppelform in nitido netto, torbido torbo u. a. 

Linea it. sp. in der bed. geschlecht, geschlechtsfolge aus der eigent- 
lichen bed. reihe abgeleitet, cdtval. linia JFebr. 55, bask. leinua, ndat. bei 
Gregor VII. linea sanguinis. Daher fr. lignöe, dttpg. linhada u. a. mit 
ders. bed.; pr. schlechtweg linh (m.) von lineus, vgl. sp. lino reihe; altfr. 
ohne erweichtes n lin, das Genin, Variat. de 1. 1. fr. p. 221 aus lignage ab- 
gekürzt wähnt, wiewohl es nichts anders ist als das einfache linum schnür. 

Lisca it. halm, gräte, piem. lesca, mail. lisca, fr. laiche (für leche) 
riedgras; ahd. lisca farrenkraut, ried, ndl. lisch. Dasselbe wort ist it. 
lisca, piem. lesca, cat. Uesca, neupr. lisco, lesco, fr. Ige he (nicht laiche 
geschr.) mit der bed. feine schnitte von etwas; vb. cat. Uescar in schnittchen 
zertheüen. Eine altndd. glosse Graff II, 281 lautet lese 'scirpus, papirui, 
die zweite bedeutung der zweiten romanisclien ganz nahe liegend; ein an- 
deres setzt gradezu lisca 'sniede Nyerup p. 285. 

Liscio it., sp. pg. liso, pr. lis, fr. lisse glatt, mit vielen abU.; vb. 
it. lisciare, ligiare, sp. alisar, pr. lissar (lipsar GProv. 31), fr. lisser 
glätten, polieren. Zu erwägen ist das gleichbed. gr. faooog und das ahd. 
lisi leise, sanft; für letzteres spricht der vocal (I = rom. i, T = e) und 
selbst das it. sc = si. Daher die verba sp. deslizar ausgleiten, cat. 
Uiscar (mit ableitendem c) dass. Zu ahd. leisanön nachahmen (im geleise 
gehen) scheint sich zu fügen ältsp. deleznar gleiten, adj. lizne glatt; 
deutlich entspricht churw. laischnar neben lischnar. Norm, alise geleise 
des wagens ist desselben Stammes. 

Lisciva it., wal. lösie, sp. lexia, fr. lessive, pr. lissiu (m.) lauge, 
so auch kymr. lisiu ; von lixivia, lixivium, wofür der vocabularius S. Gaüi 
das halbrotnan. leeiva setzt, s. bei Hattemer. 

Lista, listra it. pg., sp. lista, pr. lista, listre, fr. liste streif, borte, 
Verzeichnis d. i. papierstreif; vb. it. listare, sp. listar, alistar, pg. lis- 
trar, pr. listar, listrar, altfr. lister streifen, bordieren; vom ahd. lista, 
mhd. liste säum, borte, part. gelistet mit einem säum versehen, im roman. 
mehrmals mit eingeschobenem r. Eine abl. ist fr. lisi&re (woher sp. 
lisiera) säum, für listtere. 



I. LIUTO— LOCCO. 195 

Liüto, leüto, liüdo it., sp. laüd, pg. alaüde, pr. laut, alt fr. leüt, 
nfr. luth, «ooZ. läute, al^ute, ngr. Xaov&o, nhd. laute, name eines Saiten- 
instrumentes. Wäre dieses vielbesprochene wort etwa das lat. lituus ge- 
krümmter stob und name eines blasinstrutnentes, durch Versetzung it. liüto, 
span. entstellt in laüd? Allein grade die ital. spräche meidet solche Ver- 
setzungen und würde selbst in diesem falle wenigstens liuto accentuiert 
haben. Name und Sache rühren von den Arabern her, welchen c üd 0^)> 
mit artikel af fid (in einem werterbuche um das j. 1000, s. Gol. 1665, 
Freyt. HI, 240*), jenes tongeräthe, ursprüngl. aber etwas hölzernes be- 
zeichnet. Aus dem orientalischen worte bildete sich laüd, indem man 
den eigentümlichen arab. hauchlaut ain (vor ü) mit dem nahe liegenden 
a auszudrücken suchte. Die port. form zumal weist, wenn auch nicht 
entscheidend, auf ein arab. etymon, das entlegenere Italien empfieng das 
wort schon in etwas veränderter gestalt. Wackernagel, Litt, gesch. p. 19, 
vermuthet in dem rom. worte unser von saitenspiel unzertrennliches lied, 
vgl. goth. liuthön zur Imrfe singen: liegt- nicht schon in dieser begriff s- 
Übertragung etwas ungewöhnliches, so ist es vollends die darstellung des 
deutschen diphthongs in in den roman. formen, welche ganz andre vocale 
verlangen würden, Born, gramm. I, 310. 

Liverare, livrare it., pr. liurar, fr. Hvrer übergeben, liefern, in 
diesem sinne auch zuweilen sp. librar, pg. livrar, auch mlat. liberare 
z.b. dona Cap.Car.Calv.; dsgl. fr. Iivr6e, itf. livrea, sp. librea Kleidung, 
die der herr dem bedienten gibt, eigentl. geliefertes, ursprüngl. auch auf 
lebensmittd bezogen, mlat. liberata, liberatio; zsgs. fr. d 61 irrer s. v. a. 
livrer, mlat. deliberare Gap. Cor. M. Nicht von librare wägen in der 
bed. zuwägen, zutheüen, sondern, in Übereinstimmung mit den mlat. und 
ital. formen, von liberare frei machen, losmachen, daher aus der hand 
geben; dieselbe begriffsentwic/dung ist z. b. auch im sp. soltar (lösen, los- 
lassen, ausgeben) wahrzunehmen. Die lat. bedeutung vertritt it. liberare, 
sp. librar, pr. liurar, fr. d&ivrer. 

Locco it. in mundarten (neap. sicü., aber auch oberital. z. b. cremon. 
loucch) dummkopf, sp. adj. loco, pg. louco, npr. locou thöricht, ein im 
spanischen besonders übliches wort, daher die Sprößlinge locura, loquear, 
aloear, enloquecer u. a. Man könnte versucht sein, diesem worte celtische 
herkunft beizulegen. Irisch logaidhe, ersisch loguid bedeuten narr; Pictet, 
Ztsehr. f. vgl. sprachf. VI, 331, gesellt sie zum sanskr. locaka narrheit, 
ohne des rom. locco zu gedenken. Welches nun auch der Ursprung des 
rom. wortes sei (denn selbst unser deutsches eule dürfte in erwägung 
kommen), es findet sich etwas ganz ähnliches, wie auch schon Ferrari und 
andere erkannt haben, bei Servius zu Virg. Ed. 8, 55: ululae and zov 
olokvt/uv nomiuatae, quas 'vulgus' ulucos (al alucos) vocant : der lesart 
uIucob entspricht daspiem. comask. oloch, der andern das it. alocco allocco, 
weiche sowohl eule wie dummkopf bedeuten, beide bedeutungen einigt auch 
das parm. ciö. Bestimmter würde sich urtheüen lassen, wenn die Quanti- 
tät der zweiten silbe des roman. Wortes bekannt wäre. 



196 I. LOCO— LONZA. 

Loco aititai. ortsadverb, hie, z. b. Brunetto, Tesor. ed. Zannoni 
p. 66. 90. 221, PPS. II, 26, dsgl. sp. luego, pg. logo, pr. luec, luecx, 
altfr. luec, lues, wci. de loc zeitadverb, statim; von locus, loco. 

Loggia it., pg. loja, pr. lotja, fr. löge, sp. lonja gdUerie u. dgl.;* 
vom ahd. lauba, genauer laubja, nüat. laubia, nhd. laube, darum noch 
altfr. löge in (2er ferf. #eft, Attöfe, welche bedeutung ihm auch im neufr. 
noch zusteht. Denselben wandet des bi zeigt unter andern cangiare, chan- 
ger aus cambiare. Wie laubja aus laub folium, so entsprang altfr. foillie 
hütte Brt. I, 160, II, 160 aus feuille. Am genauesten erhielt sich die 
ursprüngliche form im chw. laupia emporkirche und im lomb. piem. lobia. 
Ab gel. fr. loger, it. alloggiare herber gen; fr. logis wohnung u. a. m. 
Die bekannte herleitung von loggia aus gr. loyelov oder Xoytov, lat. lo- 
geum, loglum vorderer (heil der Schaubühne, proscenium genügt allerdings 
dem buchstaben, keineswegs dem begriffe. Nicht aber den buchstaben, d. h. 
die gesetze der lautlehre, befriedigt die neuerlich wieder vorgebrachte deu- 
tung von loger aus locare, welches entweder louer oder höchstens, ois 
bastardbüdung, loquer erzeugen mußte. 

Logoro it. (für logro?), pr. loire, altfr. loirre, nfr. leurre (m.), 
engl. Iure stück leder, um den falken damit zurückzulocken; ist das gleich- 
bed. mhd. luoder, welches Weigand II, 70 aus einer deutschen wurzd 
leitet; im ital. trat g an die stelle von d wie in ragunare aus radunare. 
Die übliche deutung aus lat. lorum ist mit den roman. formen unverträg- 
lich. Vb. pr. loirar, fr. leurrer anlocken, verführen, betrügen, gewiß 
aber auch it- logorare, das mit seiner bed. verzehren, schwelgen ganz zum 
mhd. luodern passt, wiewohl Muratori es vom lat. lurcari (fressen) her- 
leitet. Vgl. lodier IL c. S. auch Blanc, Vocdb. Dantesco v. logoro. 

Lontano it., pr. lonhda, fr. lointain entfernt; würde ein lat. lon- 
gitanus fordern und stützt sich in jedem falle auf eine ableitung mit t 
wie in longiter. Festus hat überdies longitrorsus, wonach 0. Müller ein 
altes adj. longiterus vermuthet. 

Lontra it., in oberit. mundarten lodria, ludria, sp. lutria, nutria, 
pg. wie it., pr. loiria, luiria, luria, fr. loutre fischotter; von lutra, gr. 
eyvÖQig, dem sich das sp. nutria anzuschließen scheint. Ein altes zeug- 
nis für das franz. wort ist loutrus 'octur (otter) in den Erfurter glossen 
345, 58. 

Lonza it., mit weggeworfenem anlaut sp. pg. onza, fr. once (ottfr. 
Ben. II, p. 112) ein thier aus dem katzengeschlecht: leggiero piü che 
lonza o liopardo PPS. II, 186. Die übliche herleitung dieses durch 
Dante zu einer gewissen berühmtheit gelangten Wortes aus lynx oder auch 
dem adj. lyncea hat grammatisch nichts gegen sich: neben it. lince, sp. 
lince, fr. lynx (m.) kann eine volksüblichere form mit o aus dem griech. 
v in kvyl; bestanden haben, vgl. borsa, tomba, torso aus ßvQat], Tvfißog, 
üvqooq. Wackernagel verweist auf gr. Xsovciog löwenartig, was allerdings 
zu beachten ist. Dem ital. wort entspricht ein mhd. nur bei Konrad von 
Würzburg vorkommendes lunze, das aber löwin heißt. 



I. LORDO— LUSINGA. 197 

Lordo it. schmutzig, auch lurido; offenbar von luridus gelblich, 
zsgz. lurdus. Buchstäblich dasselbe wort ist fr. lourd, sp. pg. lerdo (für 
luerdo wie frente für fruente u. a.) träge, schwerfällig, dumm, letzteres 
gewöhnlich von lentus hergeleitet; ob auch das gUichbed. pr. lot, fem. Iota, 
steht sehr dahin, es erinnert mehr an luteus. Auch altit. lordo muß die 
frans, bedeutung gehabt haben, man sehe Ducange v. lurdus. Die entwick- 
lung der ital. bed. schmutzig aus der classischen gelblich läßt sich ver- 
schieden auffassen, so viel aber darf man behaupten, daß das wort schon 
im frühen mlatein die bed. faulig, faulend angenommen (gelblich, eiter- 
farbig, eiterartig?), wenigstens übersetzen es die Rhaban. glossen mit ful. 
Den Übergang aber von dieser bedeutung zur bed. träge (nichtsnutzig) 
büden uns auch andre sprachen vor: fr. pourri verfault, wällon. pourri 
träge, dsgl. ahd. fül putridus, ndl. vuil sordidus, nhd. faul segnis. Oder 
entstand lordo, wie andre wollen, aus horridus, it. ordo mit vorgefügtem 
artikel? Aber nichts nöthigt zu dieser annähme, die auch durch das über- 
aus seltne oder zweifelhafte vorkommen des mit adjectiven verwachsenen 
artikels (s. lazzo II. a) nur schwach unterstützt wird. Die norm, mund- 
art hat sich auch ein vb. lourder geschaffen. — Eine zss. ist fr. balourd 
tölpel, daher it. balordo, chw. balurd, sp. palurdo und vilordo: das vor- 
gesetzte ba scheint aus dem vb. baer, bäer, woraus auch das synonyme 
badaud entstand, und der sinn des compositums gaffender dummkopf. 

Losa piem.sp., pg. lousa, pr. lausa, altfr. lauze Roq., bask. ar-lauza 
(am stein) grabstein, Steinplatte, eig. grabschrifl, vom lat. laudes, wie auch 
sp. lauda das grab bedeutet. Wegen des buchstabens (s für d) vgl. unten 
lusinga. 

Lotto it. glückstopf, pg. lote (m.) sorte, anzahl, fr. lot antheil (altfr. 
MFr. I, 418: a sun los ne retient que treis); pg. lotar die zahl oder 
sorte bestimmen, taxieren; altfr. lotir das loos werfen, weissagen : Galabre 
la reyne le m'avoit bien loty Gachet 288 h , neufr. lotir theilung machen; 
loter ie ein glücksspiel, vgl. lot in der bed. lotterieloos, lotteriegewinn, 
woher das neuere sp. lote. Deutsches wort, goth. hlauts, altn. hlutr, ahd. 
hlöz u. s. w., nhd. loos idiJQog, sors, ahd. hluz durch das loos zugefallene 
sache, aUn. hlut theil, antheil. 

Lumaccia it., sp. limaza, pg. durch Umstellung lesma, fr. limace 
limafon, pr. Ihimatz LB. V, 50 a , und mit gutturalem c oder g it. lumaca, 
chw. limaga, ven. limega, cat. llimac Schnecke; von limax. 

Lunedi it., fr. lundi, pr. dilus, cat. dilluns montag, von Lunae 
dies, dies Lunae; sp. lunes, pr. auch luns mit derselben endung wie in 
marte8 (s. martedi), wal. lüni, und so auch ven. luni, romagn. Ion. Da- 
für pg. segunda feira wie neugr. devreQa. 

Lusinga it., sp. lisonja, pr. lauzenga, lauzenja, altfr. losenge 
schmeichelet, bask. lausengua; vb. lu 8 ingare, lisonjar, lauzengar, losen- 
ger schmeicheln; sbst lusinghiere, lisongero (losengero Alx.), lauzengador 
und lauzengier, losengeor Schmeichler. Daspr. lauz-enga (denn von dieser 
spräche ist auszugehen) bildete sich aus lauzar, lat. laudare, mittelst des- 



198 I. MACCHIA-MACCO. 

selben Suffixes, das im altfr. ha-enge oder laid-enge oder cost-enge oder 
im nfr. vid-ange vorliegt; die form losenge dankt ihr s vielleicht nicht 
einmal dem pr. z = lat. d, sondern dem subst. los, von dem aus der 
kirchensprache bekannten als einheit gefaßten laudes lobgesang, woher das 
vb. aloser lobpreisen, norm, einfach loser. Bas itdl. und span. wort sind 
aus dem nordwesten eingeführt; doch kommt das einfache loso auch im 
nördl. Itcdien, z. b. in alten genues. gedickten (Archiv, stör. ital. app. 
num. 18. p. 11. 42) vor, ebenso lox im altmail. bei Bonvesin. Im nfr. 
louange, louanger, louangeur ist nicht etwa s ausgefallen, es sind neben 
losenge stehende eigentlich richtigere bädungen. Aus laudare in den 
eigenthümlich roman. bedd. zustimmen, rathen machte das spätere nüatein 
landimium, landemia (nach Pott in der abhandl. Platflat 387 das er- 
kaufen der laus d. h. der bewilligung des lehnshenm, also eine dem lat. 
vindemia nicht unähnliche formation) und aus diesem juristischen worte 
gestaltete sich das pr. laudeme, lauzimi, lauzisme, it. sp. laudemio. 
Bas altfr. los hat sich in der gleichfalls juristischen formet los et ventes, 
lods et ventes erhalten, s. Bucange v. laudare. Nach Fallot p. 649 
stammt losenger vom deutschen lobsingen, aber schon die erste sübe der 
prov. form lauzenjar ist dagegen. Bessere anspräche hätte das mhd. lösen 
mit falschheit schmeicheln, wiesen die roman. Wörter in ihrer bedeutung 
nicht zugleich auf fa£. laudare: altfr. alos6 z. b. ist ein beiwart der helden, 
der hochgepriesene. Menage dachte an ludus, andre sogar an luscinia, 
passender verwies der oben p. 16 citierte Erich §. 399 auf lenocinia. 
Die wahre herkunft des Wortes traf schon ein alter dichter, wenn er mit 
den worten spielend sagt: de lauzengiers mi lau je me loue des louangeurs 
Chx. III, 396. 



M. 

Macchia it., sp. pg. mancha (für macha) fleck, auch ein stück 
buschwerk (w<ü. mägure waldgebirg), vgl. unser flecken bewohntes stück 
land; in anderer form it. maglia, sp. pg. pr. gleichlautend, fr. maille 
masche, ringlein; alle von macula. Eine dritte darstellung ward diesem 
wort im pg. mägoa fleck, betrübnis, vb. magoar. Auch sp. mancilla 
fleck, wunde, mitleid gieng vermöge der öfter angewandten Umbildung des 
suffixes ul in ill aus macula hervor, im Alex, ohne n maciella. 

Macco it. gemetzel (eigentl. zerquetschung, vgl. vb. ammaccare, daher 
auch bohnenbrei, com. mach gestampfte gerste), sp. maca Quetschung an 
fruchten, fleck, altfr. maque hanfbreche (werkzeug zum quetschen), henneg. 
maca dicker hammer, maquet ort bolzen, wallon. maclott (f.) kolben; vb. 
it. maccare, macare (nur mundartlich), am-maccare, s-maccare, chw. 
smaccar, sp. cot. macar, pr. macar, machar, altfr. maquer quetschen, 
stampfen; sbst. neap. maccaria, altfr. machettre (beim Rabbi Scd. JarcM 
genes, cap. 4 maccature) metzdei u. a. Für diesen gememrom. nur dem 



I. MADRIGALE-MAGAGNA. 199 

Portugiesen fehlenden stamm scheint sich in den nahliegenden sprachen 
kein taugliches etymon zu finden. Das bret. vb. mäc'ha (pressen) mag 
mit den roman. Wörtern aus derselben quelle geflossen sein. Diese ver- 
rmdhet Grandgagnage in dem verlorenen primitiv des lat. mactare d. h. 
in macare, was scharfsinnig y aber bedenklich ist, da man kaum annehmen 
kann, daß die römische Schriftsprache der volksmundart ein so wichtiges 
stammverbum ausschließlich überlassen haben sollte, ein Vorgang, der sich 
in der (hat auf diesem gebiete mit keinem andern beispiele unterstützen 
läßt. Le Pelletier vermuthet diese quelle im gleichbed. hebr. mahach, 
richtiger makkah das schlagen, dsgl. die niederUxge im kriege. Eineeine 
hebräische Wörter fanden allerdings eingang in die occidentalischen, zumal 
auch in die roman. sprachen, doch ist es rathsam sich weiter umzusehn; 
Diefenbach, Goth. wb. II, 58, z. b. liefert reiches material dazu. Daß 
das zerquetschen die roman. grundbedeutung ist, bezeugen die aufgestellten 
worter: daran ist festzuhalten. Ital. macco, macca schwere menge, dltfr. 
maquet häufe, wallon. a make in menge, scheinen sich der bed. * etwas 
gestampftes, zusammengedrängtes anzuschließen. 

Madrigale it., sp. fr. madrigal eine liedergattung ; nicht unwahr- 
scheinlich, da man ital. früher mandriale (se il madriale o mandriale non 
perdiamo Varchi), sp. mandrial (nach Bengifo cap. 88 mandrigal) sagte, 
von mandria, lat. mandra herde, also hirtenlied, s. Blanc, Ital. gramm. 787. 
■ Maestro, mastro it., sp. maestro, maestre, alt maese, pg. mestre, 
fr. raaitre aus dem alten maYstre, wal. melter Vorsteher, vorgesetzter u. 
dgl.; von magister. Der häufige gebrauch dieses auch über andre euro- 
päische sprachen verbreiteten wertes hat die beiden ersten silben früh in 
eine zusammengezogen; die Legs d' amors erlauben schon die contrahierte 
form: e devetz saber qu'om pot dire mayestre en tres sillabas e maystre 
per doas sillabas I, 48. Eine abl. ist it. maestrale, sp. maestral, cat. 
mestral, fr. mistral nordwestwind, prov. auch schlechtweg maestre, meister 
der winde wegen seiner stärke genannt. 

Magagna it., cremen, matt. piem. mit n mangagna gebrechen, leih- 
licher fehler, dltfr. möhaing, meshaing (m.) Verstümmelung, krankheit 
(m6haigne s. Roq.), wallon. mehaing mangel, im späteren mlatein maha- 
mium, z. b. mah. dicitur ossis cnjuslibet fractio, vel testae capitis in- 
cossio, vel per abrasionem cutis attenuatio Reg. majest. DG.; vb. it. 
magagnare, pr. maganhar, dltfr. möhaigner verstümmeln, zu gründe 
richten. In der franz. form ist ein aspiriertes h anzuerkennen, da dieser 
buchstabe hier keine zusammenziehung wie in brähaigne braigne duldet, 
und dieses inlautende h konnte sich anderwärts durch g darstellen. Wäre 
etwa ein edles deutsches man-hamjan zu vermuthen (man mensch, hamjan 
verstümmeln), gebildet wie man-slago todtschläger? Die bret. spräche 
bietet mac'han verstümmelt: ist dies nicht vielmehr aus dem franz. und 
würde sich umgekehrt bret. c'h in franz. h verwandeln und nicht 
vielmehr in c oder g? Merkwürdig ist, daß in der mundart von domo 
neben magagn (also masetdm wie mähaing) auch mäga gebraucht wird, 



200 I. MAGAZZINO-MALATO. 

das auf einen stamm mag fuhrt. Muratori, Ant. itai. II, 477, erklärt 
sich magagna aus manganuin wurfgeschütz, womit sich die bedeutung 
schwerlich verträgt, wenn auch itai. mundarten die form au stützen scheinen. 

Magazzino it., sp. magacen, almagacen, almacen, pg. armazem, 
fr. magasin vorrathskammer; vom arab. machsan almachsan scheunc, 
waarenniederlage, s. Gol. 707, Freyt. I, 484 b . 

Magione it., pr. altsp. mayson, aitpg. meisom (12. 13. jh.) SRos., 
fr. maison (aus letzterem das neusp. meson) haus, behausung; von mansio, 
in diesem sinne bei Palladius. Eine abl. ist it. masnada, sp. mesnada, 
manada, pr. mainada, altfr. maisntäe hausgenossenschaft, gefolge, trupp, 
gleichsam mansionata (it. manata, sp. pr. manada handvoll, ronmanus); 
eine abl. von masnada, gleichsam masnadino, ist it. mastino, sp. pr. 
mastin, pg. mastim, fr. mätin Haushund, ursprüngl. Hausgenosse oder einer 
vom gesinde wie altfr. mastin Fl. Bl. 1910, Gar. I, 154. 

Maglio it., sp. pg. gleichlautend, pr. fr. mail, weil, main Schlägel, 
von malleus; vb. it. magliare, sp. majar, pg. pr. »malhar, fr. mailler 
hämmern, zerstoßen, von malleare, wovon sich nur das partic. malleatus 
vorfindet. 

Magr&na und emigrania it., sp. migrana, fr. migraine; vom gr. 
tj/MXQavia einseitiges hopfweh. 

Mai, ms. it., altsp. pg. pr. mais, nsp. pg. pr. auch mas, fr. mais 
Partikel; von magis, in bestimmten formen (it. ma, sp. pg. mas) auch als 
conjunetion für lat. sed angewandt, vgl. goth. mais für magis und potius, 
mlat. sed magis für sed potius Briq. p. 81* (v. j. 584), mhd. mSr für 
sed. Zsgs. sp. demas für caeterus, lat. de magis bereits bei Festus, wo 
es aber mit minus erklärt wird, und bei Nonius; daher äbgel. dema- 
siado für nimius. 

Majo it., sp. mayo, fr. mai, prov.fem. maia art birken, maibaum, 
maie, weil sie im mai grünt, dsgl. ein grüner bäum, den man vor einem 
hause aufpflanzt, oder, z. b. in Itcdien, ein grüner zweig, der in der ersten 
mainacht an der thüre der geliebten befestigt wird. S. darüber Schneller 
II, 533. Ghurw. maig Strauß, blumenstrauß. 

Majorana, maggiorana it., sp. mayorana, pg. maiorana und man- 
gerona, fr. marjolaine ein kraut, majoran, mhd. meigramme; entstellt aus 
dem gleichbed. amaräens. Aber sp. almoradux, cot. moradux sind vom 
arab. maTdaqüsch Freyt. IV, 168 a . Die form majorana mag in irgend 
einer umdeutung mit major ihren grund haben. 

> Mala sp. pg. pr., fr. malle felleisen; gael. mala, ahd. malaha, 
malha, mhd. malhe tasche, sack, ndl. maal, maale. Vgl. Diefenbach, 
Goth. wb. I, 271. 

Malato it. altsp., fr. malade, pr. malapte, malaut, cot. malalt krank; 
it. malattia, altsp. malatia, fr. maladie, pr. malaptia, malautia, malatia, 
cat. malaltia krankheit. Die prov. formen malapte und malaut weisen 
offenbar auf male aptus untauglich, wie unser unpässlich auf passen 
aptare; das cat. malalt ist daraus abgeändert wie galta aus gauta. Die 



I. MALLEVARE-MANCO. 201 

entsprechenden franz. und itdk formen wären malate und malatto statt 
malade und malato. Soll man darum ein volksmäßiges lat. malatas von 
malam annehmen wie barbatus von barba? vgl. malatus ozvyvoq Gl. gr. 
lat. Eben so leicht konnte malatto dem partic. ammalato von ammalare 
angepasst d. h. in malato verwandelt werden, wahrend malattia dessen 
einfluß nicht erfuhr und nicht erfahren konnte, da die ableitung solcher 
substantiva aus participien unüblich ist: nur so erklärt sich das einfache 
t im adjectiv neben dem doppelten im Substantiv. Ob nun die frans, form 
selbständig und im einMange mit den Sprachgesetzen aus male aptns, 
oder ob sie aus malatas, malato durch die gewöhnliche Verwandlung der 
tenuis in media entstand, bleibt zu erwägen: für erster es zeugt die uralte 
form malabde Pass. de J. C. 116, worin beide tenues in ihre mediae er- 
weicht erscheinen. 

Mallevare it. bürgen, sp. pr. manlevar, altpg. malevar SBos. bür- 
gen, borgen; von manum levare die hand erheben, feierlich geloben, mlat. 
jedoch mit mann levare ausgedrückt. Lat. malluvium für manluvium 
zeigt dieselbe assimüation wie das ital. wort. 

Malvagio it., pr. malvais, fr. mauvaie böse, schlecht; sbst. it. mal- 
vagitä, pr. malvastat, malvestat, altfr. manvaistiä (noch bei Nicot), 
attsp. malvestad (aus dem prov. ?). Das adjectiv scheidet sich bestimmt 
von malvat = male levatus, indem es ein auf si ausgehendes etymon ver- 
langt; es hat überdies das gepräge eines compositums. Im goth. findet 
sich balvavesei bosheit, wonach ein adj. balvavesi-s anzunehmen ist, dem 
ein ahd. balväsi entsprechen würde; rom. balvais aber wäre in malvais 
(von mal)' umgedeutet oder übersetzt worden, ein in der Wortbildung nicht 
unüblicher auch in dem ursprünglich deutschen guiderdone (I.) und main- 
bour (II. c) erkennbarer Vorgang, s. vorrede. — Auch dichter waren zu 
grammatischen grübeleien aufgelegt: toie der Provenzcde P. Cardinal mal- 
vais mit vas in Verbindung bringt, sehe man bei Mahn 982, 2. 

Malvavischio it., sp. malvavisco (fr. mauvisque hat Nemnich) 
eibisch, von malva ibiscnm (ißiaxog)] umgekehrt ibiscum malva, mlat. 
bismalva Capit. de vülis, so auch ital., fr. gnimauve für vimauve, in- 
dem ursprünglich inlautendes b sich in v erweichte. 

Mamma it., sp. mama, fr. maman, wäl. mame mutter (in der kin- 
dersprache), genues. u. s. w. mamma amme; vom lat. mamma 1) brüst, 
mutterbrust, wie noch it. sp. pg. 7 2) mutter, Varro ap. Non., Inscr. Im 
walach. kam mater durch das kinderwort ganz außer gebrauch wie pater 
durch tatq. Die franz. form hat das ansehn einer accusativischen, stimmt 
aber doch nicht zu nonnain, Evain und ähnlichen (Rom. gramm. II, 47), 
vernmthlich weil mamain in seiner endung zu weit von papa abgewichen 
wäre. Bin vb. ist sp.pg. mamar an der brüst saugen: mammare schon 
bei Augustinus, Opp. ed. Bened. IV, 1039. Dem deutschen memme feig- 
ling entspricht das neap. mammamia (masc.) eigentl. einer der seine mutter 
zu hälfe ruft. Vgl. zu diesem artikel Henr. StephMex. graec. v. nanna§. 

Man co it. sp. pg. } manc pr. altfr. mangelhaft; von mancus ver- 



202 I. MANDORLA-MANGIARE. * 

stümmelt. Daher fr. manch ot = it. manco d'una mano, einhätidig, 
dsgl. it. sp. manca linke hand, die verstümmelte, schadhafte, s. gauche 
IL c. Vb. iL mancarc, sp. pr. mancar, fr. manquer mangeln. Für 
die lat. bed. verstümmelt wich it. manco aus in monco, vb. moncare ver- 
stümmeln (vgl. chw. muncar = mancar), wobei aber in betreff der seltenen 
Verwandlung des a in o wahrscheinlich anlehnung stattfand an lomb. 
moch adj. stumpf mit abgebrochner spitze (vgl. ahd. far-muckit hebetuäo 
Graff II, 655, mhd. mocke masse, brocken, altengl. mock sbst. stumpf 
Halliw.), wenigstens ist it. moncone = romagn. mucön. 

MAndorla, mdndola it., sp. almendra, pg. amendda, pr. amandola, 
fr. amande, nüat. amandola Form. Marc, eine frucht, mandel, ndl. aman- 
del; entstellt aus amygdala (ä/nvydakrj), wal. migdale neben mandule. 
Eine starke zusammenziehung zeigt die prov. form mella, npr. amello, 
wozu das occ. amenlou den Übergang bildet. 

Mane it., altsp. man (f.) Sanchez Colecc, pr. ma, altfr. main, wal. 
muine eine tageszeit, morgen, in ital. Urkunden auch für osten z. b. HPMon. 
143. 145; von mane, dessen adverbiale natur noch im pr. lo be ma Btk 
= dem classischen bene mane sich geltend macht. Daher adv. it. di- 
mani, doniani, pr. dema, fr. demain, wal.de muine, wofür sp. manana, 
pg. & manhäa. Eine zss. ist das fr. subst. lendemain, pr. lendema 
der morgende tag, für le en demain, vgl. eine ähnliche zss. im cdtcat. 
1-en-de-mig 'das in der mitte d. h. mittlerweile, en aquest endemig Chr. 
d'Escl. p. 600° ; in le lendemain, welches z. b. schon Froissart braucht, 
verdoppelt sich also der artikel, altfr. nur l'endemain. Von matutinum 
ist it. mattino, pr. matin, fr. matin, mit der schwer zu erklärenden 
nebenform pr. u. oberit. maitin, altfr. maitin Rq. Für domani brauchen 
ital. volksmundarten, z. b. die sicil., noch crai = cras, während das span. 
cras veraltet ist. 

Mdngano it. Schleuder; daher manganello armbrust, pr. manganel, 
altfr. mangoneau Steinschleuder, wal. mung^u rotte, mange; vom gr. 
fiayyavov mit gl. bed., ahd. mango, nhd. mangel maschine. Daher auch 
sp. manganilla listiger streich. 

Mangiare it., altpg. pr. manjar, fr. manger, dsgl. it. manucare, 
manicare, altfr. manner (mit ausgefallnem c), wal. manca, munenca 
essen, prov. und altfr. häufig mit radicalem e menjar, menjier, limous. 
mit i mindzä; von manducare eigentl. kauen, später sehr üblich für essen: 
manducat et bibit = eo&iei xai nivsi Vülg. Matth. 11, 19; manducantes 
simul atque bibentes Greg. Tur. 5, 18; in bendo (tisch) manducassent 
L. Sal. Seltsam ist das pr. manjuiar, altfr. manjuer (präs. conj. man- 
juce), das sich schwerlich anders als aus einer Umstellung mandeuare wird 
deuten lassen; norm, sagt man moujouer und manjusser. Zsgs. fr. do- 
rn an ger, piem. smang£ jucken, eigentl. fressen, wie das gleichbed. sp. 
comer von comedere; bereits in einem alten Reichenauer glossar (Bz.) 
demandueavit 'conrodit, delaceravit\ desgl. demanducare 'corrodere Gloss. 
arab. lat. DQ. 



I. MANICO— MARAVIGLIA. 203 

Mänico it., sp. pg. mango, pr. margne, fr. manche (m.) tieft, griff. 
Von manas mittelst des suffixes ic wäre möglich; da aber dieses suffix 
fast nur feminina gibt, so ist es rathsam, in manico eine (Abänderung des 
tot. manica (ermel, Handschuh) anzunehmen, um so mefir als das it. raa- 
nica auch die bed. heft entwickelt hat Merkwürdig ist lomb. ven. mänega, 
sp. pg. manga in der bed. anzahl, trupp, häufe, dem man eine auch den 
neuen sprachen bekannte bedeutung des lat. manas übertrug; das goth. 
managei = nhd. menge würde man anders wiedergegeben Jhdben. 

Ma niero it., sp. manero, pr. manier was sich in der hand tragen, sich 
behandeln läßt; von manarius für manuarius handlich, vgl. mannaja IL a. 
Von diesem adjeetiv ist auch das subst. maniera it., sp. manera, pg. 
pr. maneira, fr. maniere ort und weise, eigentl. Handhabung, benehmen. 

Maniglia und smaniglia it., sp. manilla armring, fr. manille im 
kartenspül; von monile, pl. monilia, vielleicht, was die erste säbe betrifft, 
mit einmischung des ahd. mänili mondförmiger schmuck, da o nur höchst 
selten in a entstellt wird. Zu vergleichen Diefenbach, Orig. europ. p. 377. 

Manöpola it., sp. pg. manopla panzerhandschuh; nicht zsgs. mit 
dem fremden onhov, es ist von manupulus für manipulus, dem man, von 
manag ausgehend, die bedeutung einer handbekleidung beilegte; dazu 
stimmt mit seinem genus das mlat. manipala Handtuch. 

Manovra it., sp. njaniobra, pr. manobra GRoss., fr. manoeuvre 
Handgriff, kunstgriff u. dgl.; wörtlich hand-werk, hand- arbeit. Vb. sp. 
maniobrar mit den Händen arbeiten; so auch cdtfr. manovrer, z. b. 
quant li chastiau[s] fa faiz et tres bien manovrez als das schloß gemacht 
und seh»* wohl gearbeitet war PDuch. p. 51. 

Man so it. sp. pg., mans pr. zahm; abgekürzt aus mansuetus (vgl. 
oben fino). Daher sp. manso leithammd, leitochse, it. manzo (für manso) 
ochse überhaupt, eigentl. zahmer ochse y entgegengesetzt dem bue brado un- 
gezähnter stier } der noch nicht am pflüge geht; comask. trient. manza 
junge kuh. 

Mantenere it., sp. pr. mantener, pg. manter, fr. maintenir auf- 
recht Halten; von manu tenere, manum tenere, wie nhd. hand-haben, ndl. 
band-haven, letzteres mit der bed. erhalten, schirmen; vgl. mallevare und 
lat. manstutor. Synonym sind pr. cap-tener, dltsp. cab-tener Bc., von 
caput tenere; wal. mun-tui von manu tueri. 

Manto und ammanto it., sp. pg. manto ein kleidungsstück, fem. 
sp. pr. manta, fr. mante decke, verkürzt aus lat~ mantelum; dsgl. it. 
mantello, fr. manteau, sp. mantilla, von mantellum; it. mantile. sp. 
mantel, von mantile, mantele. Ein sehr altes Zeugnis für das sp. manto 
findet sich bei Isidor: mantum Hispani vocant, quod manus tegat tan- 
tum : ein noch älteres in einer Urkunde v. j. 642 mantum majorem Breq. 
num. 23; manta und mantus in einer spanischen Yep. III, num. 17, 
aer. 818. 

Maraviglia it., sp. pg. gleichlaut., etymologisch richtiger it. pr. 
meraviglia, fr. merveille wunder; vom plur. mirabilia wunderbare dinge. 



204 I. MARCA-MAKMITA. 

Marca it. sp. pg. pr., fr. marque, marche zeichen, grätige; it. sp. 
pg. mar co, pr. fr. marc, altfr. auch merc zeichen, maß; vb. it. mar- 
care, marchiare, sp. pg. pr. marcar, fr. marquer, altfr. auch merker, 
merchier bezeichnen, marchir angränzen; dsgl. sbst. it. marchese, sp. 
pr. marques, fr. marquis markgraf, mlat. gewöhnlich marchio, das auf 
roman. boden kein cibbild hat. Vom gofh. marka, ahd. marcha, ags. 
mearc gränze 7 altn. mark (n.), mhd. marc (n.) zeichen, vb. ahd. markön 
begränzen, bezeichnen, nhd. merken. 

Marca ss ita it., sp. marcasita, marquesita, fr. marcassite eine ort 
Schwefelkies; nach Sousa vom arab. markazat, dies vom vb. rakaza erzc 
finden; beiFreyt. I, 17 l h heißt dies miner cd marqaschita. 

Mare fr. (f.) ansammlung von w asser, teich: super lacum, quem 
usu quotidiano loquendi maram vocamus Gruill. Gemet. Die latinisierung 
mara ist ganz richtig: dem lat. mare kann das franz. wort buchstäblich 
nicht entsprechen. Indessen sagte 500 Jahre früher Isidorus : omnis con- 
gregatio aquarum, sive salsae sint sive dulces, abusive maria nuncupan- 
tur. Eine Urkunde enthält villam sitam inter duo maria Breq. p. 107. 
Lat. mare wird also wohl die bemerkte bedeutung in sich aufgenommen 
haben, wofür sich im franz. eine eigne der 1. decl. entsprechende form 
einfand. Abgel. sind die ungefähr gleichbedeutenden it.. marese lache, 
sumpf, altfr. marese, nfr. marais, welches letztere formell sowohl zu 
marese wie zu marese passt; altfr. marescot, maresqael, maraischiere, 
marescage; dsgl. neufr. marage, mar£cage; it. marazzo. Zum theü können 
diese Wörter auch in verwandten deutschen ihre quelle haben, wie im ndl. 
maar, maerasch, ndd. marsch: namentlich läßt sich das pr. marcx (für 
marsc?) LR. IV, 153 nickt aus lat. mare ableiten, es muß unser marsch 
sein, und vielleicht gehört auch das altfr. marchais hieher. Merkwürdig 
ist, daß die span. spräche an diesen ableitungen keinen theil nimmt; hier 
jedoch ist marisma (atis maritima?) ein durch das austreten des meeres 

M 

entstandener see, was auch für die übrigen Wörter zu bemerken ist. Über 
einschlägige deutsche, celtische u. a. Wörter wäre Diefenbachs Goth. wb. 
II, 44 nachzulesen. 

Margotta it., champ. henneg. margotte, fr. marcotte absenker, ein- 
leger; von mergus dasselbe. Daher auch das gleichbed. it. margolato, 
wozu ein vermittelndes vb. margolare fehlt 

Mariscalco, maniscalco, maliscalco it., sp.pg. mariscal, pr. mane- 
scalc, fr. marächal hufschmied; vom ahd. marah-seale, mhd. mar-schalc 
pferde-knecht, später ein natne hoher beamter geworden. Am nächsten der 
ahd. form liegt das trient. marascalco. 

Marmita it. (in lomb. mdarten), sp. cot. dass., fr. marmite fleisch- 
topf von metdl; daher it. marmitone, sp. marmiton, fr. marmiton küchen- 
junge; fr. marmiteux (altfr. schlechtweg marmite) armselig, eigentl. 
bettelhaft, hungrig, in besiehung auf die marmite des pauvres, die armeti- 
suppe. Die herkunft ist unsicher, am meisten empfiehlt sich noch FriscVs 
deutung, der einen naturausdruck, vom sieden des wassers (vgl. marmotter 



L MARMOTTA- MARTORA. 205 

summen) darin erkennt ; und die von Marina aus arabisch marmi c d ort wo 
fleisch gebraten wird (würzet rama c da Freytag II, 193). 

Marmotta, marmotto it., sp. pg. marmota, fr. marmotte murmel- 
tkier. Churwälsch heißt es montanella und (nach Blumenbach) mnrmont, 
welches letztere denn nebst dem ahd. muremunto, murmenti, Schweiz. 
mannet aus mus niontanus oder genauer mus montis entsprang und all- 
mählich in marmotta abgeändert ward. 

Marrir^>r. cdtfr. sich verirren, marrir chemin den weg verlieren 
Ruteb. II, 228, as tu le sens raari? HBord. 39, 10; zsgs. esmarrir, 
it. smarrire hindern, verwirren, cAw. smarir verlieren; vom goth. marzjan, 
ahd. marran (für marrjan), ags. mearrian ärgern, hemmen, nüat. legem, 
bannnm, vel praeceptum marrire Gap. Gar. M. ann. 802. Eine andre 
confugation wählte der Spanier in marrar fehlschlagen, abirren, wiewohl 
ihm auch ein part. marrido, amarrido betrübt = pr. marrit, piem. mari, 
pic. amari zu geböte steht. Aus demselben stamme ist wohl auch das 
span. marafia Verwirrung, maraüar verwirren. Vgl. Diefenbach, Goth. 
wb. II, 47. 

Marrochino it., sp. marroquf, fr. marroquin eine feine sorte leder, 
Saffian; nach Marrocco genannt, wo es bereitet wird. 

Martedi, marti it., fr. mardi, pr. cot. dimars dienstag, von Martis 
dies, dies Martis; sp. martes, pr. auch mars, vom gen. Martis, weil. 
mdrtzi, ven. mArti, romagn. mert. Dafür pg. ter$a feira, ngr. tqity]. 

Martello it. pg., sp. martillo, fr. marteau hammer; von martnlns, 
bereits in den Cassder glossen martel c hamar, als beiname bekannt in 
Carolas Martellas. 

Martin pescatore it. ein seefisch, sp. martin pescador, auch paxaro 
de San Martin, sard. puzone de Santn Martinu (Nemnich I, 159), fr. 
martinet pecheur eisvogd, sp. martinete Meiner weißer reiher, ardea 
garzetta, fr. oisean S. Martin, dtsch. martinsvogel, falco cyaneus, fr. mar- 
tinet hausschwalbe, auch leuchter mit einer handhabe (in form eines 
Schwalbenschwanzes), it. martinetto winde die armbrust zu spannen 
(ebenso); alle von dem namen Martinus, aber aus welchem atüaß? Die 
legenden über diesen heiligen geben keinen aufschlug s. Grimm, Mythol. 
1083. 1233 (3. ausg.). 

Martirio, martiro it., sp. martirio, pr. martire, martir, fr. martyre 
quäl, pem, leibliche wie geistige; vb. it. martirare, martirizzare, sp. mar- 
tiriar, martirizar, pr. martiriar und martnriar, fr. martyriser; von martyr 
zeuge, bei den kirchenvätern einer der für die Wahrheit des christlichen 
glaubens quäl und tod erleidet, zunächst von martyrinm. Die ungriechische 
bed. quäl, quälen, die sich auch auf einigen fremden gebieten eingefunden 
hat, verschmäht unter den Romanen allein der Wciache, welchem mar- 
tyrinm fehlt, m^rtnrisi aber nur bezeugen heißt, ftaQTVQelv. Zu erwähnen 
ist hier etwa noch das aus dem falschen genitiv martyrorom geschaffene 
pr. martror z. b. in festa de martror. 

Martora it., sp. pg. marta, pr. mart, fr. marte, martre (f.) ein 



\ 



206 L MARZAPANE-MASCHERA. 

säugethier der nördlichen länder, mar der; vom lat. martes in einer stelle 
bei Marticd, wiewohl sich martora, martre dem deutschen worte zunächst 
anschließen. ■ 

Marzapane it., sp. mazapan, fr. massepain Zuckerbrot; aber neap. 
marzapane, sie. marzapanu schächteichen. Das beste über dieses neuere 
wort bei Mahn p. 89, der das lat. maza mehlbrei darin vermuthet. 

Mas trient. pr., mas, mes ältfr. hufe, bauemgut, wohnstätte 7 cot. 
mas landhaus; vom altern nüat. mansus, mansum, dies wahrscheinlich 
von manere wohnen, weil die coloni auf dem grundstücke zu wohnen pflegten 
(Grimm, Rechtsalt. p. 536), vgl. in cujus pago manet L. Sal. tu. 85; 
daher pr. man er, fr. manoir wohnung; pr. manen, altfr. manant wohl- 
habend, nüat. manens cölonus. Derselben herkunft ist sp. masa, maü. 
massa, altfr. mase meierhof, nüat. mansa, massa; it. massaro, altfr. 
mansiaire hausverwaUer, nebst vielen andern ableitungen. 

Mäschera it., sp. pg. mdscara, fr. masque (m.) larve, mlat. mascus 
^grima* Gl. lat. anglos. (s. Mone's Anzeiger VII, 144, in der erf.'hs. 
marcus). Die form masca ist historisch die ältere, man trifft sie bereits 
in longob. gesetzen in der bed. hexe: striga, quod est masca; striga, quae 
dicitur masca. Noch piem. heißt masca hexe, mascra aber larve, neupr. 
masc hexenmeister, dim. mascot (Honnorat). Grimm, Myth. 1036, führt 
dieses masca bedeutsam auf das vb. masticare zurück, die hexe heißt so, 
weil sie kinder verzehrt, wie mandueus bei Flautus popanz bedeutet; da- 
bei kann es gleichgültig sein, ob man hexe oder ob man larve (etwas mit 
offnem maule) als grundbedeutung annimmt. Ähnlichen Ursprungs ist 
auch das occit. roumöco popanz (altpr. wäre romeca), wenn man es vom 
lat. ruma gurgd, Schlund, wie baveca von bava, herleiten darf, so daß 
es ein verschlingendes wesen bedeutete (Honnorat leitet es aus roumec dorn- 
Strauch), und in der romagn. mundart heißt papon fresser und popanz. 
Nach andern, a. b. Kilian, ist das wort deutsch, ahd. mascä netz, nhd. 
masche, vgl. persona adjicitur capiti densusve reticulus Plin. 12, 14, 
und dies masca wird von mäsa mahl, fleck abgeleitet. Erwägt man oder 
erkennt man an, daß namen von personen oder persönlich gedachten gegen- 
ständen kaum ohne ableitungssufßx aus verbis geformt wurden, so hat diese 
letztere deutung einen kleinen grammatischen vorzug vor der ersteren, aber 
diese scheint treffender, bezeichnender. Beide lirfern offenbar zuverlässigere 
Wörter als die von Salmasius, welcher masca aus gr. ßäoxa bei Hesychius 
erklärt. Dies wird nämlich mit ficmilr] {fiaxelXa) breite hacke, so wie 
mit ßaaxavla tadelsucht übersetzt, letzteres trifft mit ßaonaviov, nQoßa- 
otxxviov amulet gegen bezauberung, f ratze, verwandt mit maske, zusammen; 
für ßaoxa aber muß auch judoxa gegolten haben, da es Hesychius mit 
dixeXhx zweizinMge hacke {fast glekhbed. mit ^tayJlrj) übersetzt. Man 
fühlt aber leicht das gekünstelte dieses Zusammenhanges. Wie verhält sich 
aber mäscara zu masca? Etymologisch betrachtet kann dies eher aus 
jenem abgekürzt als jenes aus diesem verlängert sein, denn ein suffix ära 
erkennt die spräche nicht an. Erklärt man sich indessen mäscara aus 



I. MASSIMA-MATTO. 207 

mascra, wie es ja auch in pietn. mundart lautet, dieses durch häufig vor- 
kommende lautverstärkende einschiebung von r aus masca entstanden, so 
sind beide formen identisch, ähnlich entstand sp. cäscara aus casco, cat. 
plätara schüssd aus plat, it. tartaruga aus tartuga. Ugutio (12. jh.) kennt 
beide formen, die mit r aber ist ihm die volksübliche: masca simulacrum, 
quod vulgo dicitur mascarel (/. mascara?), quod apponitur faciei ad 
terrendos parvos. Ein compositum gleichfalls mit der bed. larve ist das 
mlat. ursprüngl. deutsche tala masca, in einem alten glossar delusio 
imaginaria 'talemasca'; anderswo larvae daemonum, quas yulgo talamas- 
cas dicunt; talamascae litterae geheimschrift; altfr. talmasche, vb. en- 
talemaschier entstellen LRs. 328; auch in deutschen glossen talemasge 
'larva' s. Schmeller II, 640, GraJff V, 397, mnttt. talmasche. — Derselben 
herkunfl ist ohne zweifei wal. mescdre schimpf (Schandfleck), pg. mas- 
cärra, cat. mascara schwarzer fleck im gesteht; vb. pg. mascarrar, pr. 
mascarar, altfr. mascurer Antioch. II, 42, nfr. machurer, bürg, macherai 
schwärzen, beflecken, mndl. maschel, mascher, ags. mäscre fleck, letztere 
unmittelbar an maschera erinnernd. Alban. mascarä possenreißer aus 
dem itai. — [Eine neue (biet* nicht zu prüfende) Untersuchung über dieses 
tcort (heilt Mahn mit, p. 60. Nach ihm ist mascara vom arab. mascharat 
gelochter, dies von der würzet sachira verspotten FreyL II, 295. Franz. 
masqae sei aus mascara abgekürzt, vielleicht durch einfluß von masca hexe.] 

Mässima it., sp. mäxima, fr. maxime grundsatz, von maxima sc. 
sententia, s. Menage. 

Masticare it., wal. mesteca, sp. pg. masticar, mastigar, mascar, 
pr. mastegar, maschar, fr. mächer, chw. mastiar, bask. mascatu kauen; 
von masticare, einem nachclassischen bei Apulejus u. a. vorkommenden, 
im roman. aber sehr üblichen worte, gr. fiaozaKuv. Daher neap. genues. 
masca kinnbacken, wange. 

Masto, mastro pg., pr. mast, fr. mät, sp. mastil mastbaum; vom 
ahd. mast, aitn. mastr, ags. mäst. 

Hatassa it., sp. madexa, pr. madaisa, altfr. madaise strähne, 
flechte, wal. metase seide; von mataxa rohseide, dsgl. seil, faden, aus dem 
spatern griech. paraga, fxiza^a. 

Haterasso it., fr. materas, matelas, mhd. matraz, cat. mataläs, 
pr. almatrac, sp. pg. almadraque küssen, polster, matratze, prov. auch 
abgekürzt matre Arn. Vid. Die span. form läßt arab. Ursprung annehmen 
und muß in diesem fälle die genaueste sein; aus dem prov. nomin. alma- 
tracs konnte die franz., hieraus die ital. entstehn. Als das arab. etymon 
gibt Sousa al-ma'trah an, aus der würzet c tara ( ha, dem er die bedeutung 
der roman. Wörter beilegt; bei Freytag III, 47" heißt es nur 'locus, quo 
quid prejicitur, aber auch in der bed. küssen wird es angeführt (Dozy 
p. 63), welche bedeutung auch ein anderes wort aus derselben würzet, 
ohne vorgefügtes m, '^>\Jo ausdrückt. Dahin pg. madrago fautenzer? 
vgl unten poltro. * 

Matto it., sp. pg. mate, pr. fr. mat schachmatt, pr. altfr. auch 



208 L MATTONE— MEDES. 

niedergeschlagen, traurig, daher mhd. mat, nhd. matt, s. Grimm IV, 881, 
Weigernd, Synon. wb. II, 306 ; abgekürzt aus it. scaecomatto, sp. xaque 
y mate, xaquimate, fr. 6chec et mat, vom pers. schäch mat 'der könig 
ist todt\ Vb. it. mattare, pr. matar, fr. mater matt setzen im schach 
{sp. dar mate), dsgl. demüthigen; altfr. amatir LEs. 25, MGar. v. 805. 

Mat tone it. backstein, fr. mdartl. maton, cat. matö r ahmkäse. Man 
darf es wohl wagen, diese Wörter als identisch zusammenzustellen und sie 
aus dem dtschen matz, matte (käsematte) herzuleiten, pic. matte, da sich 
der backstein nach Zubereitung und formung dem käse vergleicht, überdies 
altfr. maton sowohl eine art käskuchen wie auch backstein bedeutet. Mura- 
tori 9 s herleitung von mattone aus lat. maltha ist ganz unstatthaft. Hieher 
wohl auch lomb. natta schlechter käse (n öfter aus m). 

Mazza it., sp. pg. maza, pr. massa, fr. masse (sonst mace geschr.) 
kolben, streitkolben; dsgl. it. mazzo, sp. mazo sdüägd, auch bündd; 
vb. it. mazzare (in mazza-sette u. a., auch comask. maza), chw. sp. 
mazar, pr. massar prügeln, niederschlagen, it. ammazzare, daher wohl 
unser metzen. Eine weitere dbl. ist altpg. massuca, massua SRos., fr. 
massue, pic. machuque heule, ngr. fiattpi-nux, wal. meciuee. Mazza macht 
kein großes bedenken, es ist lat. matea (vgl. piazza aus pl&tea), wovon 
sich in einer stelle bei Cato R. R. nur die dbl. mateöla schlaget erhalten 
hat r it. mazznola, pr. massola kleiner klöpfel. 

Medaglia it., sp. medalla, fr. mödaille Schaumünze; augment. me- 
daglione ff. Die bemerkte bedeutung hat das wort erst später empfamr 
gen. In der ersten hälfte des 12. jh. ist lat. medallia, medalla eine ge- 
ringe münze und diese bedeutung hat auch altit. medaglia, altpg. inealha 
SRos., altsp. meaja Bc., pr. mealha GO., fr. maille statt m6aille; die 
formen mit d sind wahrscheinlich aus dem ital. Gleichbedeutend ist das 
aus dem mlatein geschöpfte ahd. medilla, medili, mhd. medele, doch 
brauchte man das wofi in Frankreich auch von goldmünzen (medailhe 
d'aur DC). Aus medius, medialis für dimidius konnte es nicht entsprin- 
gen trotz der deutung des Guill. Brito: obolus dicitur medalia i. e. me- 
dietas nummi, es hätte it. mezzaglia oder wenigstens mediaglia geben 
müssen; auch nicht wohl unmittelbar aus metallum. Es hat vielmehr seinen 
Ursprung, wie zahlreiche andre substantiva, in einem adjeetiv mü dm 
sufßx eus, metalleus, metallea; daher auch sp. metalla goldblättchen. 
Auch im fr. m&ail für mötal, pr. metalh, spürt man die einwirkung des 
adj. metalleus, das übrigens nicht classisch ist. 

Med es altpg., pr. medeis, meteis, in der alten Pass. Chr. noch 
medeps; von met-ipse, met-ipsum: per mi meteis = per memet ipsum, 
se mezeis == semet ipsum u. s. w. - Eine superlativische form davon iti 
pr. smetessme im Boethius, sonst medesme, altfr. meisme, nfr. ni&ine, 
altsp. meismo, neusp. mismo, pg. mesmo, it. medesimo, chw. medem, auch 
venez. und piem. ohne s medemo, medem, wald. meseynie, lat. gleichsam 
semetipsiraus, metipsimus für semetipsissimus, metipsissimus, s. Rom. 
gramm. II, 449. 



I. MEGE-MENTAR. 209 

Mege, menge altsp., cltpg. meye, pr. metge, altfr. mege arzt, noch 
jetzt limous. medze wundarzt, {hier arzt; von medicus. Daher altsp. 
mengia arzenei. Ein andrer Sprößling von medicus ist altfr. medicien, 
neufr. niädecin: so altfr. Philist ien, neufr. Philistin. 

Membrare it., altsp. pr. membrar, altfr. membrer, mit anlauten- 
dem n altsp. nembrar Alx., FJ., attpg. pr. dieselbe form, mit aniaut. 1 
pg. lembrar, occit. lembrä erinnern; von memorare, woher auch das adj. 
membrado, membrat, membrä besonnen, klug. Seltsam ist das neupr. 
memembri, das an meminisse erinnert, ober doch wohl nur aus remem- 
brä entstellt ist AUpg. reimbrar SRos. wird aus renimbrar syncopiert sein. 
Menare it., altsp. pr. cot. menar (erster es Alx., Rc.), pg. fehlt, fr. 
mener führen, leiten, figürl. betreiben, verrichten, ausführen, daher sbst. 
it. pr. mena betreibung, geschäß, auch beschaff enheit. Neben lat. minari 
drehen bestand ein unclassisches activ miliare das vieh antreiben durch 
drohungen und andre mittel, und so braucht es Apulejus: asinos et equum 
sareinis onerant et minantes baculis exigunt, vgl. agasones equos agentes 
i. e. minantes Paulus ex Festo. Bei dieser bedeutung ist die wal. spräche 
ungefähr stehen geblieben, muna heißt treiben z. b. ochsen, wegtreiben, ver- 
jagen, aber doch auch eine Sache, ein geschäß treiben. In den übrigen 
sprachen ward ihm allmählich die bed. ducere, deducere zu theil: mener 
nn cheval ist etwas anders als equum minare, wiewohl es in seiner an- 
Wendung auch mit dem lat. worte zusammentreffen kann, denn mener les 
betes boire ist minare (appellere) bestias ad bibendum. Jene wahrhaft 
roman. aus dem gemeinen redegebrauch entwickelte bedeutung ist auch 
dem ndatein früh geläufig geworden: minare, sagt Papias, c ducere de loco 
ad locum, promovere' Die gleichfalls nur bei Apulejus vorßndliche zss. 
prominare s. v. a. minare fand nur im franz. aufnähme, aber aus dem 
alten und richtigen pourmener spazieren führen, se pourmener spazieren 
gehn, machte man später promener, se promener, das B. Stephanus (1539) 
noch nicJd hat, Nicot (1573) *chon kennt, und so ward auch pourmenoir 
Spaziergang durch das Hausierende promenade verdrängt. Über mhd. 
meuen s. Wb. II, 135. 

Menoscabo sp. pg., altpg. mazeabo SBos., pr. mescap, fr. mäcbef 
vertust, unheil; eigentl. Übler ausgang, von cabo ende, lat. caput; vb. nie- 
noscabar, mescabar, altfr. meschever (meseaver Antioch. I, 40). 

Menovare it., sp. menguar, pg. mingoar, pr. minuar, cot. minvar, 
fr. di-minuer vermindern; sbst. sp. mengua, pg. mingoa mangel. Lat. 
minuere ist eins der wenigen verba dritter conj., die schon in frühester 
zeit in die erste auswichen: minuare liest man in Urkunden des 6. 7. und 
8. jh. nicht selten, s. z. b. Rreq. num. 13 (v. j. 528), n. 131 (v. j. 653), 
auch Esp. sagt. XI, 129. Im sp. menguar härtete sich der diphthong 
u4 in gua, wie dies ja mit deutschem ud (wa) gleichfalls geschah; ein 
andres beispid dieser ort ist mangual aus manualis, s. Rom. gramm. I, 325. 
Mentar sp. pg., altfr. menter (qui li mentoit la mort RCam. p. 
326) erwähnen, erinnerlich machen; zsgs. it. ammentare, ramuientare, 



210 I. MENTE-MENTRE. 

altpg. amentar SRos., altsp. enmentar z. b. Apol. 629. 682 mit gl. bed.; 
von mens, wobei vielleicht ammentare die älteste büdung ist. Eigenthüm- 
lich hat sich dies verbum in den nordwestlichen sprachen gestaltet: pr. 
mentaure, amentaver, dltfr. mentoivre, mente voir, amentoivre, amen- 
tevoir, ramentevoir (letzteres noch bei Moliere), worin man eine zss. aus 
mente habere, ad mentem habere, vgl. it. avere a mente, erkennt, so daß 
es aus seiner ursprünglichen bed. gedenken in die faäitive gedenken machen 
übergetreten wäre (beispide dieser ort Rom. gramm. III, 114). Vielleicht 
ist das sonst unerklärliche it. mentovare aus men tevoir verderbt. Hie- 
her auch it. elementare, sp. elementar bethören, dltfr. dementer toben, 
sich unsinnig gebärden, lat. dementare in letzterer bed. bei Lactantius; 
dsgl. it. dimenticare vergessen. 

Mente it. sp. pg. (altsp. mientre), pr. men, fr. ment, wal. fehlt, 
adverbialsuffix gefügt an das feminin der adjeetiva, s. das nähere Born, 
gramm. II, 462, Blanc 620. Es ist der ablativ des lat. mens sede, ge- 
danke, absieht, von den Römern nur im eigentlichen sinne (bona, devota, 
placida, celeri mente), allmählich aber in der bed. ort und weise ange- 
wandt, indem man die absieht oder meinung auf die erscheinung hinaus- 
führte und also auch breve-mente, perfetta-mente, altra-mente auf kurze, 
vollkommne, andre weise u. dgl. sagte. Dieselbe anwendung gestattet, 
wenn auch in beschränkterem maße, das mhd. ahte 1) ansieht, gesinmmg, 
urtheü, 2) ort und weise, so wie das bair. meinung (auf die meinung — 
auf die weise u. s. f., s. Schmäler, der auch mente vergleicht). Die sub- 
stantivische natur des roman. Suffixes aber macht sich noch darin gellend, 
daß es, wenn mehrere dieser adverbia auf einander folgen, im span. und 
port. nur an dem letzten derselben ausgedrückt zu werden pflegt (bella y 
sutilmente), ja daß in alleren mundarten auch das erste adverbium jenes 
suffix für die übrigen vertreten kann: pr. sanetament e devota Chx. VI, 
315, alteat. fellonament et desordenada Chr. (TEscl. p. 602*. 

Mentre it. pr. dltfr., sp. mientras, altsp. mientre, altpg. mentres, 
Partikel, dem lat. dum oder auch interim entsprechend; dsgl. altit. do- 
rn entre, altsp. demientras, pr. domentre, dementre, dltfr. dementre, 
dementres, überdies auch dltfr. endementres, altpg. emmentres u. dgl. 
Darf man das veraltete domentre als die grundform annehmen, so liegt, 
wie schon Muratori wollte, die entstehung aus dam interim (mit regelrecht 
abgestoßenem auslautenden m) nahe genug und grade der pleonasmus ist 
ganz volksmäßiger ort; das anlautende do konnte im gefuhl analoger bU- 
dungen (domani, domandare) leicht mit der partikel de verwechselt und 
darum als nicht wesentlich abgestoßen werden. Herleitung aus dnm mente 
(wie quasimente) findet in dem ausbleiben der form domente (ohne r) 
ihre schtoierigkeit, nur im altgenues. begegnet demente, s. Archiv, stör, 
ital. app. num. 18. p. 33, im altmaü. auch domente (Bonvesin), ünprov. 
das ganz vereinzelte mens que, domenhs que. Für den bemerkten Ursprung 
läßt sich auch das dltfr. dementiers, dementieres anführen, das zwar 
nicht aus dum interim, wohl aber aus dem nahe liegenden dum int&ea 



L MENZOGNA— MERLO. 211 

mit diphthongierung des betonten e entstehen konnte. Für das altfr. en- 
tremente, das hier noch heranzuziehen ist, würde sich allerdings interea 
mente aufstellen lassen; piem. tramantre (tra = fr. entre) zeigt wieder 
das kritische r. Pott, Forsch. II, 100, construiert mentre aus in inter 
mit Verwandlung des ersten n in m; wirklich kennt die mail. mundart 
eine präp. in-enter, Bonvesin ein adv. mintro (für infino, z. b. mintro mö 
fin qui), das sich nur aus in intro deuten läßt, aber solche aissimüationen 
sind selten gemeinromanisch und selbst die anwendung der haaren präp. 
inter als conjunction eine ungewöhnliche freiheit. Im altitcd. begegnet 
noch ein adv. intröcqne Inf. 20, 130 für interea, das sieh aus inter hoc 
mit euphonischem suffix erklären muß. 

Menzogna it., pr. mensonga, mensonja, fr. mensonge lüge. Non 
a raentis somnium, quod est Sylvii somnium, bemerkt Ferrari v. men- 
tovare gegen Syltrius. Es ist zunächst aus mentitio, pr. mentizo, gewiß 
aber, da sich nur sehr wenige ableitungen mit oneus und darunter gar 
keine abstraeta vorfinden, eine bloße ahbüdung an das sinnverwandte 
ealogna, calonja, chalonge verläumdung. Die prov. form mesonega Ev. 
Joh. 8, 44 (ed. Qiüy) wird diese deutung nicht entkräften, zu abgeschmackt 
wäre eine abl. mentitionica: e ist bloß eingeschoben. Das Span, und port. 
wort ist mentira: dafür besitzt der Catalane so wie der Sarde das rich- 
tig gebildete mentida, und nur als eine entstellung desselben läßt sich das 
unbegreifliche span. wort, welches vielleicht auch das picard. menttrie her- 
vorgerufen, begreifen, vgl. lampara aus lampada. Aus der altmail. mund- 
art kann man noch eine zweite anbildung dieser ort aufzeigen, cativonia 
Schlechtigkeit Bonves. disp. muscae cum formica v. 35. 160. 

Merce it., sp. merced, pg. pr. merce, fr. merci gnade, auch dank; 
van merces lohn, im frühsten ndatein, z. b. bei Gregor d. gr., schon in 
der bed. misericordia. Daher pr. merceiar, altfr. mercier, nfr. remer- 
cier danken. 

Mercoledi, mercordi it., fr. mercredi, pr. dimercres, cot. dimecres 
mütwoch, von Mercurii dies, dies Mercurii; sp. miörcoles, pr. auch 
mercres mit derselben endung wie in martes (s. martedi), it. auch m£r- 
core, toal. miärcmi. Statt dessen sagt man in ital. mundarten mez- 
6dima = media hebdomas mittewoche, mittwoch, s. Cherubini und Archiv. 
star. üal. app. num. 20, p. 41, churw. maz-eamda; man gab also den 
gatternamen auf wie im deutschen, worin, nachweislich nicht vor dem ende 
des 10. Jahrhunderts, der mittwoch an die steile des wodanstages trat. 
Auch slavisch heißt er die mitte, slovenisch z. b. sreda. Für das sp. 
miercoles hat der Portugiese das den tag zählende quarta feira wie ngr. 

Merlo, merla it. zinne der mauer; abgel. sp. merlon, pg. merläo, 
/r.merlon; vb. it. merlare, pr. merlar mit zinnen versehen. Ansprechend 
ist die bei Bclza, Vocab. genet., bemerkte herleitung aus dem archaisti- 
schen auch auf einer inschrift Orell. n. 566 vorkommenden moerus für 
mnrus, dimin. moeralus, und nur aus dem offenen e, das dem lat. oe 



212 I. MERLUZZO— META. 

sonst nicht gemäß ist, läßt sich ein leichter einwand dagegen erheben. 
Nach Menage kommt es vom lat. mina, dimin. minula, endlich mirula 
u. s. w.; besser als von mirari, woraus Muratori, Ant. ital. II, 468. es 
deuten möchte. In anschlag kommt endlich auch das sie. mergula (altsard. 
merguleri Spanu) mauerzinne, das aus lat. merga gäbet abgeleitet sein 
muß und ursprünglich zinke der gäbet bedeuten mochte, womit sich die 
zacken der mauer passend vergleiclien ließen. 

Merluzzo iL, pr. merlus, fem. sp. merluza, fr. merluche Stock- 
fisch; wird für eine Zusammensetzung aus marislucins (seeheckt) gehauen, 
um so richtiger als in der catal. mundart schon das einfache llus (lucius) 
dem begriffe genügt, also keine ableitung marl-uzzo gestattet ist. 

Merme altfr. klein, gering; von minimus wie arme von anima. 
Daher sbst. sp. merma, pr. mermaria Verringerung; comask. marmaria, 
ital. marmaglia geringes volk; comask. marmel, cremon. marmeleen 
kleiner finget; vb. sp. pr. m er mar sich vermindern. 

Meschino it., sp. mezquino, pr. mesqui, fr. mesquin, altfr. auch 
ine8chin arm, elend; vom arab. mesktn mit gl. bed., dies vom vb. sakana 
Freyt. II, 335 b . Die herkunft des Wortes ist eine altbekannte: Saraceni 
mischinum mendicum vocant Gloss. paris. (Pfeiffers Germama VIII, 395). 
Prov. und altfr. heißt es auch schwach, zart, meschin daher knabe, me- 
schine magdlein, it. meschina, wallon. meskene magd. 

Messa it., sp. misa, fr. messe messe, messopfer; bekanntlich von 
missa est sc. concio, mit welchen Worten der diaconus die Versammlung 
entließ. Andrer meinung ist Ferrari, der messa für gleichbed. hält mit 
oblatio, gäbe, opfer. S. Ducange. 

Mestiero, mestiere iL, sp. altpg. menester, neupg. mister, pr. 
menestier, mestier, fr. mutier geschäft, hantierung, gewerbe, handwerk; 
von ministerium dienst, Verrichtung, nUat. muliercula, quae textrieis fun- 
gebatur officio . . . habebat cooperatricem, quae ejusdem erat mini- 
sterii Aimoin. Daher sp. pr. menestral, pg. menestrel, altfr. menestrel, 
später inenestrier, män&rier handwerker, künstler, musiker, nüat. mini- 
sterialis diener des hauses, wie noch altfr. im Alexiuslied 65; eine noch 
ältere franz. form in den Liv. d. rois p. 235: d^meiseles menestrales 
mulieres meretrices. Wie mestiere die bed. von opus ausdrückt, so aucJi 
it. e n^estiere, fa mestiere, sp. es menester die von opus est. 

Mestizo sp., pr. mestis, fr. mätis, iL (in einigen wbb.) metiecio 
Und von altern verschiedener race, ursprünglich auch verschiedenes Stan- 
des; gleichsam mixticius. 

Meta it. (mit geschlossenem e) misthaufe, lomb. meda häufe heu, 
holz u. dgl., sard. überhaupt menge, sp. pg. meda häufe garben, altfr. 
moie; von meta kegelförmige figur. Abgd. pg. medäo häufe, medäo de 
areia sandhügel, sp. in letzterer bed. m£dano und selbst durch vertau- 
schung des d mit g m6gano; dsgl. sp. al-mear heuschober für almedar. 
Das lat. wort spaltet sich eigentlich in zwei romanische mit verschiedener 
bedeutung: neben den genannten fonnen steM it. meta (mit offnem e), sp. 



I. METTERE-MIGLIO. 213 

meta, c&tfr. mete, mette, noch jetzt picard. niäte, gränzstein, gränze, ge- 
wohnlich eines grundstückes, aber auch eines Staates. 

Metter e it. ff. (fehlt weil.) legen, setzen. Lot. mittere (gehn lassen, 
schicken) war schon fähig, die nahliegende bed. ponere auszudrücken: so 
sagt Seneca rnamis ad arma mittere, so Lactantius gleichbed. fundamenta 
ponere und fundamenta mittere, so später die L. Seil, super cubitum 
manum mittere, mittere manum super fortunam alicujus, caput mittere 
in palo (hineinstecken), s. Pott über die Lex. Sal. 166, PUxttlat. 388. 
Die grundbedeutung aber schwand dem Romanen, ausgenommen in trans- 
mitted, völlig. 

Mezzo it., wal. mez, sp. medio, pg. meio, pr. mieg muten, halb, 
von medius; präpositional fr. parmi = it. per mezzo; pr. enmieg, altfr. 
enmi = it. in mezzo. Abgd. it. mezzano, sp. mediano, pr. meia, fr. 
moyen, von medianus bei spätem; it. meta, mitad (meatad PC. 522), 
pr. meitad, fr. moitiä hälfte, von medietas, das Cicero ungerne, die 
spätem aber häufig brauchten ; daher fr. mötayer, npr. meytadier pach- 
ter oder meier, der den ertrag zur hälfte mit dem eigenthümer theüt, hal- 
fen, mlat. medietarius: fr. m&airie meierhof — Aber altfr. mit an (m.), 
woher mitanier pachter und wohl auch nfr. mitaine fausthandschuh (ge- 
theilter handschüh) werden sich schwerlich aus medietas ableiten lassen 
und scheinen, wie schon andre aufgestellt haben, aus unserm mitte ent- 
standen, nach Grandgagnage aus ahd. mittamo. 

Mica, miga it. pr., fr. mie eine partikel zur Verstärkung der ne- 
gation; von mica krumchen, bißchen, daher auch wal. nimic für Tat. nihil. 
Subst. fr. midie stück brot. 

Miccia it., sp. pg. pr. mecha, fr. m&che docht, lunte; von myxa, 
eigentl. diile der lampe, aber schon im altern nüatein, wo es auch nixa 
lautet (vgl. niccia MSnage, Orig. ital., limous. netse), s. v. a. ellychnium. 
Das wort muß aber aus dem franz., wo sich x in ch umbilden kann 
(laxus lache) den übrigen sprachen mitgetheilt sein, wie es denn auch 
dort zu den meisten bedeutungen gelangt ist. — Prov. findet sich auch 
meca, das sich zu mecha verhält wie coca zu cocha: die mit c sind un- 
organische durch den häufigen Wechsel zwischen c und ch (boca bocha, 
lecar lechar) veranüaßte formen (rückbildungen). 

Micio, micia it, sp. micho, mizo, miza, miz, wal. mutzu, mutzij, 
altfr. mite kotze; naturausdruck d. h. ein nach der stimme des (hier es 
gemachter schmeichdname wie unser miez (über welches jedoch Weigand 
II, 159 andrer meinung ist). Abgd. fr. mitou und matou kaier, ähnlich 
wd. mntöc. Zsgs. fr. chatte -mite Schmeichlerin, vgl. das Sprichwort 
«e Fune est chate, l'autre est mite Ren. I, p. 6, vollkommene gleichheit 
der gesimiung auszudrücken. Eine andre form für it. micio ist muci, 
mucia, muscia, latinisiert niusio, welches Papias gegen die lateinischen 
Sprachgesetze, die jedenfalls murio verlangten, aus mus herleitd. 

Miglio it., fr. mille (m., aus dem ital.), sp. pr. fem. milla ein 
längenmaß ursprünglich von tausend schritten, besonders in Italien üblich, 



214 I. MILAN0-M1NA. 

ahd. mila, milla, nhd. meile ; von millia für mille passns, daher der itai. 
plur. miglia, woraus der sing, erst entstanden sein muß. 

Milano sp., pg. milhano, pr. fr. milan kühner geier; von milnanus 
abgd. aus miluus, woraus erst später milvus geworden (Ritschi im Rhein. 
Museum für phä. N. F. VII, 598) zur aufhebung des hiatus. Zu miluus 
stimmt auch das bask. mirua für miruua, indem tat. 1 hier öfters in r 
übergeht. Vb. sp. amilanar, s. oben astore. 

Milza it., sp. melsa, neupr. melso, dauph. milza, bürg, misse müz; 
vom ahd. milzi (n.?) vgl. aiban. meltzi lebet. Andre formen sind: maü. 
nilza, chw. snieulza, weit stärker abweichend neupr. melco und melfo, s. 
Honnorat. Sonderbar ist das venez. spienza, worin sieh spien und milz 
begegnen; erster es findet sich auch im sard. spreni, im wal. splene. Dasu 
das ital. adj. smilzo schlaff, leer des leibes, mutlos. 

Mina it. sp. pg., pr. mina, mena, fr. mine, wallon. meinn schockt, 
erzgrube; vb. it. minare, sp. pg. pr. minar, fr. watton. miner untergra- 
ben. Daher altsp. minera, pr. meniera, fr. minifere bergwerk, wal. 
minere erzstufe; hiervon it. minerale, sp. pr. miaersA, fr. minäral. Man 
findet den Ursprung des wortes im tat. minare oder rom. menare führen, 
betreiben, vgl. pr. meHar secretz geheimnisse betreiben, mlat. minare con- 
8iliom einen anschlag bereiten, minas parare nachstettungen ins werk 
setzen. Hiernach ist mina zuerst geheimer anschlag, getriebe, in beziehung 
auf einen belagerten ort geheimer gang zur Untergrabung der mauer, 
demnächst auf den bergbau angewandt. Dieser wandet des begriffs hat 
nichts unwahrscheinliches: ganz ähnlich legte man dem it. doccia von 
ducere die bed. canal bei. Auffallend ist nur die Abweichung des richtigen 
e in i; geschah es zur Unterscheidung der begriffe c führen menare und 
1 graben minare? Buchstäblicher Zusammenhang mit hymr. mwn masse, 
mine, ist nicht anzunehmen; wie sich gael. m&n zu engl, mine, rom. mina, 
verhält, wäre wohl noch genauer festzustellen, s. über letztem punct Diefen- 
back, Cdt. I, 71. — Mine fr. Haltung, gebärde, ansehn, daher nhd. miene, 
engl, mien, scheint man ohne gründ vom gesammtrom. mina zu trennen, 
da es gleichfalls von menare (pr. mena, s. oben) herstammen kann, indem 
es die äußere führung oder haltung, etwa wie gestus von gerere, aus- 
drückt: pr. se menar in der bed. sich benehmen, s. das Katharische 
ritual p. 30. 

Mina dUUmous. großmütterchen, gase, menina, sard . minnanna dass., 
pg. minino, menino knäbchen, minina, menina mädchen, sp. menino edel- 
knabe, menina hoffräulein, neupr. menig klein, bearn. menit Und, norm. 
minet, minette dass., wohl auch romagn. minen, fr. minon, minette Kätz- 
chen, (bair. minni), henneg. minette mädchen, cot. minyö bübchen, welches 
aber an fr. mignon erinnert; auch sicil. minna mutterbrust? Der stamm 
fordert langes i (das erst in abll. zu e wird) und dies bietet das gael. 
adj. min Mein, artig, das sich wohl zur bildung von kosewörtern eignet. 
— [Beachtenswerth ist, was Mahn p. 120 einwendet. Das gaelisch-irische 
min laute bretonisch man und dessen aneignung würde dem Romanen 



I. MINACCIA-MODANO. 215 

doch wohl näher gelegen haben als die des ersteren Wortes. Zeuß I, 117 
stellt irisch min, kymr. mwyn, bret. moan zusammen: ich erblickte, viel- 
leicht irrthümlich, in min die primäre celüsche form, auf welche es bei 
einem über alle romanischen provinzen verbreiteten worte ankommen mußte. 
Nach Mahn hat dieses wort eine ganz nah liegende, lateinische quelle, 
minimus, erweitert miniminus, mit ausgestoßenem im mininus. Aber 
wäre der sprachgesetzliche Vorgang nicht minminus miminus gewesen?] 

Minaccia it., sp. amenaza, pr. menassa, fr. menace drohung; von 
minaciae für minae, nur bei Plautus. 

Miniare it. fein illuminieren, sp. miniar punctieren, mlat. miniare 
mit mennig, minium, schreiben und zeichnen, daher miniatura kleines ge~ 
meide, wie es in Handschriften vorkommt. Von minium leitet Menage 
auch it. mignatta blutegd, weil er roth gezeichnet sei. 

Minato it., sp. menudo, pg. miudo, pr. menut, fr. mena klein; 
von minatas. Sbst. it. sp. minuto, fr. minute (f) der 60. theil einer 
stunde, eigentt. minato primo die erste Verkleinerung oder eintheilung; 
minuto gecondo, fr. seconde (f.) der 60. theil einer minute, die zweite 
eintheilung; minuto terzo, fr. tierce (f.) der 60. theil einer secunde. Von 
fr. menu «Ernennet tanz mit kleinen schritten. Vb. minuzzare it., pr. 
menuzar, dttfr. menuiser klein machen, zerschneiden, gleichsam minutiare. 
Hieven das franz. sbst. menuisier sehr einer. 

Mirabella it., sp. mirabel, fr. mirabelle eine art kleiner gelblicher 
pflaumen. Italien nennt diese pflaume auch mirabolano ; das gleichlautende 
span. wort aber, so wie das fr. myrobalan = gr. fitQoßaXavog bedeutet 
eine aus Indien kommende pflaume, woraus die Alten eine salbe (hvqov) 
bereiteten. Man scheint also in Italien den namen der indischen frucht 
auf eine einheimische übertragen und ihn nachher durch eine Umbildung 
sich näher gerückt zu haben, wobei man das Originalwort (mirabolano) 
auf den bäum beschränkte, während es im span. die doppelte bed. frucht 
und bäum behauptet. 

Mis it., fr. m&, m6, pr. mes, mens, sp. pg. menos in compositis 
mit der bed. € nicht recht, nicht gehörig', ungefähr dem tat. male, besser 
noch dem deutschen mis entsprechend, beweist seine herkunft von minus 
durch die südwestliche form, und hat mit unserm mis, woraus es zuweilen 
noch hergeleitet wird, keinen Zusammenhang. Ein beispiel ist mis-pregiare, 
mens-, mes-prezar, m6-priser, menos- preciar misachten, s. Rom. gramm. 

11,434. 

Mischiare und mescolare it., sp. pg. pr. mezclar, mesclar, fr. 
meler mischen, im altern mlatein misculare, sbst. it. mifcchia ff.; von 

m 

miscere. Eine abl. ist fr. m Klange (noch bei Nicot fem., jetzt masc), 
pr. mesclanha gemischt vgl. dasselbe suffix in louange, laidange. 

Mita sp., mite fr. milbe; vom ahd. mizä, ags. mite, ndd. myte, 5. 
Grimm IU, 366. 

Mödano, mödine it., sp. pg. umgestellt molde, pr. molle, fr. moule, 
sard. mogliu muster; von modulus, woraus auch mo d eil o, modelo, modele. 



216 I. MODERNO-MONTONE. 

Moderno it. sp., fr. moderne heutig; von modernus, das sieh erst 
bei Priscian und Cassiodor findet, abgel. vom adv. modo in der dem frü- 
heren miatein geläufigen bed. nunc, daher amodo 'von jetzt an, vgl. die 
ebenfalls aus adverbien abgeleiteten hodiernus, hesternus, sempiternus. 
Die erklärung aus dem subst. modus verträgt sich nicht mit der bedeutung 
dieses Wortes, eben so wenig die aus dem erst später entstandenen franz. 
fem. mode. 

Moggio it., sp. moyo, pr. muei, fr. muid ein getreidemaß, scheffel; 
von modius. Ein sehr altes beispiel des frane. Wortes ist in den Cass. 
glossen moi c mutt%, vgl. W. Grimms anmerhung. 

Moja it., fr. muire (Trfo.) Salzquelle, Salzwasser, vielleicht auch sp. 
murria salbe von Jcnoblauch, essig und salz; von muria. Zsgs. it. sala- 
moja, sp. sal-muera, pg. sal-moura, fr. sau-mure, wie gr. äX-fivQig. 

Molla it., pg. niola, sp. muelle (m.) Stahlfeder, im plur. zange, sp. 
molla krume, auch wade; abgel. it. molletta, sp. molleta lichtputze 
(eigentl. kleine zange), molledo nebst fr. mollet fleischiger theil, wade, 
sp. molleja kalbsdrüse, it. möllica brosame u. a. m.; sämmüich von mollis 
weich (daher die bed. krume und ebenso wade d. h. weicher theil im 
gegensatz zum Schienbein), biegsam (daher Stahlfeder, staMzange). Zu 
merken noch ital. adj. molle feucht, gleichfalls von mollis in der bed. 
weich; daher denn auch vb. it. möllare nachgeben, ammollare netzen, 
in letzterer bedeutung pg. pr. molhar, cot. mullar, fr. mouiller, sp. mojar, 
d. i. molliare {wie roman. levi-are, gravi-are aus levis, gravis); sbst.pg. 
mölho, sp. moje brühe. Span, mollera s. IL b. 

Molo it., sp. muelle, fr. m61e (m.) hafendamm; vom gleichbed. moles. 

Monna it., sp. pg. mona, neupr. mouno, bret. mouna affin, äffe, 
daher fr. monnine. Monna hat auch die bed. von madonna, woraus es 
zusammengezogen ward: muthmaßlich brauchte man es als schmeichelwort 
von der affin. 

Monocordo it., umgedeutet mit hinsieht auf manus, sp. pg. mani- 
cordio, fr. manicordion ein Saiteninstrument; vom gr. jttovdxoQÖov, weil es 
nur eine saite enthielt, vgl. die prov. stelle manicorda ab una corda LB. 

M ontone it.,pic. monton, ven. moltone, pr. cot. moltö, pr. altsp. (Älx.) 
moton, fr. mouton hammel. Ein mlat. multo geht vielleicht bis in das 8. 
jh. hinauf: multones et verveces 'widert (hämmel) Gl. Schleust. 34, 2, 
multo K wider Gl. Flor. p. 289 b . Ln der angegebenen bedeutung treffen 
olle sprachen zusammen, wenn auch wohl einmal, wie Livr. d. rois p. 141, 
arieß mit mouton übersetzt oder wenn es alteat. durch moltö entegure' 
(lat. integer) ausgedrückt wird. Das wort begegnet auch auf andern 
Sprachgebieten und zwar in primitiver gestalt, z. b. bair. motz (von matzen 
schneiden ? fragt Schmaler), allein die herleitung daraus würde die probe 
nicht bestehen, zu deutlich zeigen die mundarten die form molt, abgeändert 
in mont. Ferner altir. molt vervex Zeuß I, 78, gael. mult, kymr. mollt, 
corn. molz, bret. maout, aber eine überzeugende cdt. würzet fehlt. Ein 
besseres und ganz bezeichnendes primitiv gewährt die roman. spräche 



I. MORA-MOSCIO. • 217 

selbst: neupr. mout, com. mot, chw. mutt verstümmelt, welches ohne Schwie- 
rigkeit aus tat. mutilus mit versetztem 1 entstehen konnte, vgl. neupr. cabro 
monto {attpr. wäre cabra mouta) eine der hörner beraubte siege, wörtlich 
Columella's eapella mutila, Schweiz, muttli. Das aus diesem adjediv ab- 
geleitete mouton bedeutet also, wie unser hammel, ein verstümmeltes (hier. — 
[Beistimmt Oaehet p. 322 h , der auch ein entsprechendes dttfr. wort für 
hammel, castrois, anführt] 

Mora it. sehober abgehauener zweige, sp. moron hügel, fr. (Schweiz) 
moraine steingeröUe; vgl. bair. mur losgebrochenes gestein, Schmeller 
TT, 612. — [Nach Weigernd II, 213 scheinen diese Wörter auf das mit 
mürbe wurzelverwandte altn. mor (feiner staub) zurückzugehn.] 

Morchia und morcia it., sp. morga, richtiger cot. mail. morca 
olschaum; von amurca. 

Morello it., ältfr. morel, moreau, aber sp. pg. moreno schwarz- 
braun; von morus maurisch, schwärzlich. Daher auch it. pr. morella, 
fr. morelle eine pflanze, nachtschatten. Weiteres bei Roesler, Etymologie 
der farbenbezeichnungen p. 6. 

Morione it., sp. morrion, alt murion, pg. morriäo, ältfr. morion 
Pickelhaube; von Ungewisser herhunft. Man erinnert dabei an das sp. 
morra schadet. 

Mormo pg., sp. muermo, pr. vorma (jetzt borm m.), fr. morve (f.), 
sie. morvu schleimige feucktigkeit der nase, im span. und port. eine pferde- 
Irankheit. Man leitet diese Wörter aus morbus, was weder den begriff 
noch die form recht befriedigt, wenigstens wäre nach den franz. lautge- 
setzen morbe alsdann richtiger denn morve. Das pr. vorma nähert sich 
auffällend dem fr. gourme II. c. 

Mortajo it., sp. mortero, pr. fr. mortier, wai. mozäriu mörser 
und mörtd (ital. wal. nur ersteres) ; von mortarium in beiden bedeutungen. 

Moschetto it., sp. mosquete, fr. mousquet ein feuergewehr, ältfr. 
mon8chete, ndat. muscheta ein Wurfgeschoß, bolzen ; ursprüngl. eine kleinere 
ort zur beize dienender Sperber, sp. mosquet, mosqueta, fr. 6mouchet, 
it. moscardo. Waffen nach jagdvögeln benannt s. unter falcone. Mosquet 
aber hieß dieser Sperber von der gesprenkelten gleichsam mit mucken, 
mouches, gezeichneten brüst, daher auch fr. moucheter sprenkeln. S. 
Frisch II, 310 • v. sprinz. 

Moscio it. schlaff, welk, sp. mustio, cat. mox düster, nachlässig, 
pr. raois düster, tückisch, ältfr. mois Ben., woilon. muss {für must wie 
cregs für crest, lat. crista) trübsinnig. Buchstäblich lassen sich alle diese 
formen im lat. musteus vereinigen, das aber fast das entgegengesetzte aus- 
sagt (jung, frisch). Sind sie aus mueidus entstanden, das sich durch 
Umstellung in mugdius mustius verwanddte ? Wie aus der bed. schimmlig 
die bedd. träge, verdrießlich erfolgen können, zeigt der artücel muffo. 
Denselben stamm verräth cat. müstig schlaff. Auch limous. mousti, 
churw. muost, lomb. moisc feucht (dumpfig) scheinen dieses Ursprunges. 
Abgd. ist it. ammoseire ermatten, welken, pr. amosir düster werden Bth. 203. 



218 I. MOSTACCIO-MUFFO. 

Mostaccio it., sp. mostacho, fr. raoustache, wal. mustatze knebd- 
bart; vom gr. /uvorat; mit gl. bed., Man. niustake, im lateinischen nicht 
vorhanden. 

Mo 8 tarda it. pg. pr., fr. moutarde, sp. aber mos taza senf; von 
mustum, weil er mit most angemacht wird. 

Motta it. her abgeschwemmte erde, sp. pg. mota erdaufwurf, fr. 
motte erdscholle, altfr. mote aufgeworfene anhohe mit festem schloß, altpr. 
mota schutewerk eines Schlosses. SBos. Unzweifelhaft findet sich das wort 
in deutschen mundarten wieder. Bair. mott aufgehäufte moorerde, schwz. 
matte ausgestochener rasen, ndl. mot dhfaJl von torf, fries. mote lohkuchen. 
Span, mota, sofern es knoten im tuche, Meiner fehler bedeutet, sieht Lar- 
ramendi aus dem bask. motea knospchen, womit auch das ndl. moet, urspr. 
mot, kleine erhabenheit, knöpf chen, fleck oder fehler zusammentrifft] pg. 
mouta Meines gebüsch läßt sich unter vergleichung des it. macchia (fleck, 
buschwerk) damit verbinden. Außer motta besitzt die ital. spräche mota, 
gleichbed. mit malta II. a. und daraus entstanden, aber auch motta hat 
diese bedeutung. Daß auf das altfr. mote das irische die bed. berg oder 
hügel ausdrückende mota (m.) anspräche mache, ist noch anzufügen. 

Motto it., sp. pg. mote, pr. fr. mot wort, Spruch, pr. auch vers; 
vom lat. mutire mucksen, mfal/muttum; 'muttum nullum emiseris' pro- 
verbialiter dieimus, id est verbum Cornutus in Persii sat. I. Mit mutire 
aber trifft zusammen sard. mutire rufen, pr. altfr. motir anzeigen. 

Mozzo it., sp. mocho, pr. mos (fem. mossa), fr. mousse stumpf, ver- 
stümmelt; vb. mozzare, smozzare, mochar, ämousser abstumpfen; vom 
ndl. mots, schwz. mutz abgestutzt, ndl. motsen, mutsen abstutzen, nhd. 
mutzen. Aus dem franz. aber ist entnommefi it. smussare, smusso. Abgcl. 
sp. mochin Scharfrichter r eigentl. verstummter. Oder ist sp. mocho von 
mutilus, wie man cachorro aus catulus leitet? Das bask. mutila knabe 
(kleiner stümmel) könnte diese ansieht unterstützen. 

Muffare it. in camuffare Verkappen, für capo-muffare den köpf 
vermummen; vom deutschen muf, entstellt aus mhd. mou, mouwe ermd, 
s. J. Grrimm über diphthonge. Desselben Stammes ist fr. moufle faust- 
handschuh, ndat. muffula, daher ndl. moffel; dsgl. adj. pr. moflet, 
(neupr. moufle), pic. mouflu, wcdlon. mofnes' weich, elastisch (nach art des 
Muffs), und vermuthlich auch, mit rücksicht auf die ausstopfung desselben, 
fr. moufle r die backen aufblasen, sp. mofletes hausbacken, pic. mouflu 
wohl ausgestopft, henneg. moflu dickbackig, doch ist hier auch mufle IL c- 
in anschlag zu bringen, vgl. Grandgagnage v. moufler, wo diese Wörter 
mit großer genauigkeit abgehandelt sind. 

Muffo it. schimmlig, com. romagn. moff bleich oder graulich; sbst. 
it. muffa Schimmel, pg. mofo, sp. mobo Schimmel, moos, fr. moufette 
moderdunst; vb. it. muffare, lothr. mouffä, neupr. muffir schimmeln; aus 
dem deutschen, ndl. muf schimmlig, hd. muff Schimmel, vb. mtlffen. Mit 
demselben stamme werden figürlich auch üble fnoralische eigenschaflen 
ausgedrückt: sp. moho trägheit, mohino verdrießlich, boshaft, pg. mofino 



L MUGAVERO— MUNON. 219 

knickerig, venee. muffo schwermüthig : es sind begriffe, die sich dem Schim- 
mel als schmutz oder fäulniss anschließen, vgl. nhd. faul putridus und 
piger, sehtet, auch malus. Doch ist noch eu vergleichen bair. niuffisch 
mürrisch, muffen murren, schmollen. Der Spanier nennt auch den maul- 
esd mobino wegen seiner tücke, ein wort, das Cabrera gegen die sprach- 
gesäse aus mulus hinnus construiert. 

Mugaväro it., sp. almogavar, almogarave, pg. almogaure, alteat. 
almugaver Chr. d'Escl. 603 b , altval. almugaber JFebr. str. 21, almugavar 
220 partheigänger ; vom arab. al-mogävir Streiter Freyt. III, 302", vgl. 
auch Monti, Agg. dl vocab. II, 2, 306, und S. Rosa s. v. Im ital. gut 
es auch für einen Wurfspieß, wie die mugaveri ihn führten. 

Mugghiare it., sp. mujar fehlt, fr. mugler, meugler brüllen; nilat. 
singulare, frei gebildet aus mugire. 

Mäggine it., sp. müjol, mügil, pg. magern, fr. muge ein seeßsch-, 
von mugü. Fron*, malet aber entspringt besser aus mullus. 

Mala it., male fr., mulilla sp. pantoffel; nach Frisch u. a. von 
malleus schuh von rothem leder; nicht unbedenklich. 

Malino it., molino sp., moinho pg., moulin fr. mühle; von molina 
für mola, bei Ammian. Marceil. Daher it. malinaro, mugnajo (wie 
balneam, bagno), sp. molinero, fr. meunier muller. Eine *ss. ist it. ri- 
molinare , sp. remolinar, pg. remoinhar, altfr. remouliner sich im kreiße 
drehen, wirbeln, it. $p. remolino, pg. redomoinho (mit einmischung von 
retro) Strudel, Wirbelwind, altfr. remoulin stern am köpf eines pferdes 
(haanvirbel) Roq. Auch das einfache it. mulinello bedeutet Wirbelwind. 
Von re-molere, remoudre aber ist fr. remous (m.), remole (f.) wasser- 
wirbel, meeresstrudd. Der alten prov. spräche scheinen die *ss. mit re 
zu fehlen, es bleibt daher au überlegen, ob in f evolina GO., revolinar LB., 
zumal da diese worter den schwestersprachen abgehen, nicht eine Umwand- 
lung des m in v statt gefunden, indem an volvere gedacht ward; molinar 
l tourbülonner hat Raynouard. 

Mummia it., sp. momia, fr. momie, mumie ein einbalsamierter 
und getrockneter leichnam; vom gleichbed. pers. mümijä, dies von mfim 
wachs, womit die leichen Überzogen wurden. Scaliger weist dagegen auf 
gr. aftwpov ein gewürs. Sp. adj. momio abgemagert. 

Manger e, magnere it., sp. (arag.) muir, pg. mungir, pr. molser 
GO., teal. malge melken; von mulgere. Das übliche span. wort ist or- 
defiar IL b., das fr. traire, aber die alte spräche kannte mulger LRs. 66, 
noch pic. moudre. Andre mundartl. formen sind lomb. molg, pietn. monse, 
sard. mulliri, chw. mulger, cot, mufiir. Von maugere ist das ital. adj. 
manto, smunto hager, abgemergelt, nicht von emanetas. 

Mnfion sp., cot. manyö, sie. magnani großer armmuskel, wohl auch 
fr. moignon fleischiger theil, stück fleisch (Trev), stümmel eines abgenom- 
menen gUedes; vb. comask. magna abstutzen. Die einfachste form gewährt 
das bret. den übrigen cdtischen sprachen unbekannte mofi, moufi ver- 
stümmelt an hand oder arm. Als primitiv des span. Wortes bietet sich 



220 I. MUR— MUSO. 

das bask. mufi dotier: die begriffe dotier und tnuskel begegnen sich auch 
im lat. torulus, U. tuorlo. Welcher spräche aber dieser stamm eigentlich 
angehöre, bleibt ungewiß. Eine ableitung daraus ist sp. muüeca handr 
wurzel, faust, puppe, in letzterer bed. auch mufieco; romagn. mugnac IdoU. 

Mur altsp. altpg. (m.), churw. mieur (f.) maus. Das wort konnte 
sich neben murus (mauer) nicht behaupten und mußte mit andern, teie 
sorex, talpa, vertauscht werden. Eine abl. mit gl. bed. ist pr. murena 
(vielleicht mureca zu lesen), in der neuen spräche murga, welches aus 
mus entstand wie auca attfavis (s. oca), daher pg. murganho, sp.mus- 
gafio junge maus; eine andere sp. murecillo muskel, worin sich also die 
bekannte auffassung dieses Organs als maus oder mäuschen wiederholt, 
die sich auch im mütelgr. novrixog (abgekürzt aus (tivg novrixog) deutlich 
ausspricht. 

Musaico it., sp.pg. mosaico, pr. mozaic, fr. mosaYque musivarbeit; 
entstellt aus musivum sc. opus bei Spartian, museum bei andern, aus gr. 
(Lwtoeiov, musenwerk. Für musivum findet sich zuerst pr. musec, schon 
GRoss.: lo palaitz . . totz fo penhs a muzec 1032; peiros . . figuratz 
a musec d'aur resplanden 1635, altfr. musike Parton. I, 30 (s. LB.), 
wobei man wohl an Musa und musica dachte. Später, wenigstens seit 
anfang des 14. jh., kam das etwas nach gelehrter Umbildung schmeckende 
musaico, endlich, indem man die Muse verließ, mosaico auf. 

Musarafia sp., pg. neupr. gleichlautend, fr. musaragne (museraigne 
Rabelais), norm, mesirette, wcdlon. miserette, chw. misiroign, comask. 
mus-de-ragn Spitzmaus; von mus araneus. 

Mus co, muschio it., sp. musco, pr. musc, fr. musc, lat. muscus 
erst bei Hieronymus, später auch moscus, moschus bisam; aus dem pers. 
muschk, arab. al-misk Freyt. IV, 179*, woher das üblichere sp. almiz- 
c 1 e , pg. almiscar, cot. almesc. 

Muso it. altsp., pr. mus und mursel, fr. museau maul, schnauze 
(daher engl, muzzle, gael. muiseal maidkorb); vb. it. musare, altsp. pr. 
musar, fr. muser, engl, muse gaffen, brüten, harren, seine zeit verlieren; 
pr. ältfr. musa, muse vergebliches harren; pr. musart gaff er, thor (ofl 
neben M), nfr. musard; zsgs.fr. am u 8 er hinhalten, unterhalten. Ferrari 
sieht in musare das lat. mussare, allein die buchstaben stimmen nicht. 
Stalder erwähnt ein Schweiz, mause schnauze, aber als muthmaßliche nach- 
bildung des it. muso. Auch ndl. muizen kann in der bed. nachsinnen 
aus muser herrühren (vgl. wegen des vocals luister aus lustre); ebenso 
hat die Schweiz, mundart ein vb. musen, sbst. mus schwermuth. Liefen- 
back, Goth. wb. II, 89, wagt es mit dem ältfries. mfith (engl, mouth) in 
Verbindung zu bringen. Bei musare und musa ließe sich auch das ahd. 
muozön unthätig sein, muoza unthätigkeit, muße geltend machen; aber 
das roman. verbum konnte sehr wohl aus muso hervorgehn, wenn man 
sich als grundbedeutung denkt ( ein maul machen, mit offenem maul da- 
stehn, vgl. unser maulaffe und oben badare. Das etymon liegt näher, 
als man glaubt. Lat. morsus gebiß (das womit gebissen wird) verwan- 



I. MUSSOLO— NEGARE. 221 

ddte sich durch einen ziemlich üblichen autfall des r vor s in mösus, 
langes o aber wird leicht zu u, und so entstand muso aus morsus wie 
giu8o aus deorsum deösum. Das andenken an r erhielt sich noch im pr. 
inorsel, worin dieser buchstabe durch seine Stellung in unbetonter silbe 
geschützt ward, während der vocal sich nach dem primitiv mus richtete; 
so wie im bret. uiorsäel, worin eine altfr. form fortlebt. 

Mus solo, mussolino it., sp. muselina, fr. mousseline nesseltuch; 
von Mosul, arab. Maugtl, stadt in Mesopotamien, wo es zuerst verfer- 
tigt ward. 

N. 

N4cchera» gnacchera it., sp. näcara, fr. nacre, altfr. nacaire, 
masc. sp. nacar, it. n&ccaro perlcnmuschel, muschelschdte, it. altfr. auch 
klapper, pauke, pr. necari; orientalischer hcrkunft, bei den Kurden na- 
kära. 8. darüber Ducange zu Joinville und zumal Pott in Höfers Ztschr. 
II, 354. 

Nasturzio it. u. s. w. gartenkresse, lat. nasturtium, bemerkenswert 
wegen vielfacher entstellung: ven. nastruzzo, fr. nasitort, neupr. nastoun, 
mit vertauschtem anlaut sp. mastuerzo, pg. niastru^o, sie. mastrozzu, sard. 
martuzzn, piem. bistorce (cc palatal). Lat. nasturtium soll s. v. a. nasi- 
tortium bedeuten, a naso torquendo, das fr. nasitort wäre also eine er- 
Jdärung desselben. Ihm entspricht das cat. morritort, denn morro ist 
schnauze. Andre namen der kresse sind it. crescione u. s. w., s. oben, 
sp. berro II. b., sard. ascione. 

N&tica it., sp. nalga, pr. nagga Elucid., altfr. nache, nage Bert, 
p. 96 hinterbacken, ndat. natica; abgeleitet aus natis wie cutica aus cutis, 
pr. auca aus avis, s. oca. 

Naverare it. in innaverare z. b. PPS. II, 113, pr. cat. nafrar, 
fr. navrer durchbohren, verwunden, wohl auch sard. nafrar beflecken; sbst. 
pr. nafra, norm, nafre wunde, sard. nafra fleck; vom ahd. nabagSr, nhd. 
näber, ndl. neviger, neffiger, nord. nafar bohrer. Vielleicht ist das pg. 
escalavrar leicht verwunden damit zusammengesetzt. 

Navilio, naviglio, navile it., pr. navili, altfr. navile (navilie Hol.) 
flotte, schiff, nfr. nur .navire (vgl. concire aus concilium Ben. u. a., 
Basire aus Basilius Rapp. au min. p. 178), in den Livr. d. rois navirie 
fem. Wie der Lateiner aus civis civilis, so leitete der Italiener aus navis 
das adj. navile und hieraus allerdings unüblicher weise navilio. 

Negare venez. (rnail gen. negä), pr. negar, fr. noyer, chw. nagar 
ertränken; von necare in eingeschränktem sinne, m?a£. necare, negare mit 
derselben bed. in der L. Burg, und Alam. Die formen der andern spra- 
chen sind it. annegare, sp. pg. anegar, nicht aus ad-necare, sondern 
aus enecare, von Gregor v. Tours 4. 30 für ertränken gebraucJd, wal. 
inneca. 



222 I. NEGROMANTE-NIDO. 

Negromante, nigromante . it., sp. pg. nigromante, wald. nigro- 
mant, pr. nigromanciä, fr. negromancien todtenbeschwörer ; it. negroman- 
zfa, sp. nigromancfa, altfr. nigremance und ingremance Alx. 7, 9, Bari. 
211 todtenbeschwörung; von v&tQo/navng, vexQOfiavveia. Negro passt mit 
dem buchstaben allerdings zu vexQog, da k leicht zu g wird, aber die 
Hinneigung zu nigro zeigt, daß man das lat. niger darin fühlte (wohin 
es auch Raynouard stellt), indem man sich darunter einen mit schwarzen 
dingen verkehrenden dachte, was deutlich aus dem span. magia negra, 
synonym von nigromanoia, hervorgeht. Ein lat. deutsches glossar schreibt 
darum negromantia 'swartzekonst' Dief. Gloss. lat. germ. 377 b ; die zauber- 
bücher hießen schwarze bücher. S. z. b. Frommann zu Herbort v. 552. 

Nöspola it., sp. pg. nespera, cot. nespla, altfr. pic. neple Voc. 
duac., neufr. n&fle (fotap) eine frucht, mispel; it. nespolo, sp. nispero, 
cot. nespler, pg. nespereira, fr. neflier mispelbaum ; von mespilus, mes- 
pilum mit getneinrom. Übergange des m in h, der auch im ahd. nespil 
vorliegt. Formen mit m sind altsp. mespero, bask. mizpira, wdUon. mess, 
in Eheims mele. 

Neßßuno it., in älterer form nissuno, pr. neisun, altfr. nesun, nisun 
pronomen für lat. nuUus. Es ward sonst wohl durch nescio unum erklärt, 
näher aber liegt ne ipse unus, so daß es heißt 'auch nicht einer. 

Netto it., sp. neto, pg. nedeo, pr. fr. net rein, hell u. dgl.; von 
nitidus. 

Nevula, neula sie, letzteres auch sard. prov. cot. ein backwerk, 
hippe, fr. (henneg.) nieule oblate; von nebula, das im latein. zuweilen 
einen dünnen stoff oder dünnes blech bedeutete, für ein dünnes backwerk 
häufig im ndatein vorkommt, z. b. ab hominibus romanae linguae nebulae, 
a nostratibus appellantur oblatae, sagt Bern. Cluniac. (11. jh.); ein weit 
älteres Zeugnis s. Altromanische glossare p. 28. 

Nicchio muschel; von myfHus, mitnlus eßbare wuschet, wie secchia 
von situla, vecchio von vetulus; wegen des anlautes vgl. nespola aus 
mespilum.* So mit recht Ferrari, wogegen Bolza es aus dem dtschen 
Schnecke leitet. Nach der 1. decl. bildete man daraus nicchia muschel- 
artige Vertiefung in der mauer, daher fr. niche (f.), und aus diesem 
sp. pg. nicho, nhd. irische. Auch das vb. rannicchiare zusammenziehen, 
sich einkrümmen (wie die muschel), gehört hieher. Das span. wort ist 
almeja, das port. ameijoa: trennt man davon den ardbischen artikel, so 
stimmt es gleichfalls zu mitnlus. Das fr. moule (f.) dagegen schwebt un- 
entschieden zwischen mytilus und musculus, aus letzterem ist occit. musele, 
cat. musclo, ahd. muscla, nhd. muschel, ags. muscel. 

Nido it. sp., fr. nid, pr. niu, nieu, trient. nif, chw. ignieu nest, 
von nidus; it. nidio, von nidulus nid'lus {vgl. cingulus cinghio); pg* 
ninho für nidinho diminutivform. Adj. it. nidiace aus dem neste ge- 
nommen (von vögeln, besonders raubvögdn), daher unerfahren, einfältig, 
albern, von nidio und dem suffix ace (lat. ax), entsprechend dem gleich- 
falls neugeschaffenen adj. ramace, s. unten ramingo. Damit identisch ist 



I. NIELLO-NINNO. 223 

fr. niais, fem. niaise, nickt aber pr. niaic, nizaic, dessen feminin niaica 
oder niaca sein würde und welches wie ibriac, ibriaic zum suffix ac ge- 
hört. Und wieder anders zu beurtheilen ist sp. niego sc. halcon nest- 
faike, für nidego, pg. ninhego, welches das suffix eg (Rom. gramm. II, 
307) an sieh trägt. 

Nie Hb it., sp. pr. niel, altfr. neel schwärzliche Zeichnung auf gold 
oder silber, nüat. nigellam; vb. it. niellare, sp.pr. nielar, altfr. noeler, 
ndat. nigellare; vom lat. dimin. nigellns. Derselben herkunft ist it. ni- 
gella, sp. negniüa, fr. nielle schwarzer mehlthau im körne, franz. und 
span. auch Schwarzkümmel, mhd. nigel. 

Niente it., pr. neien, nien, fr. näant negation für lat. nihil; von 
eng entis wesen, ding, mit vorgefugtem ne oder nee. Das lat. von den 
phüosophen gebrauchte wort muß aber doch wohl volksüblich gewesen sein. 
Zwar denkt Ferrari an ne hetta (s. ette II. a.), aber it. chente, das 
seiner bedeuiung nach nur mit ente, nicht mit hetta zusammengesetzt sein 
kann, entscheidet dagegen. Zsgs. fr. nöanmoins, it. niente dimeno 
mhüommus. Im Guül. d'Angl. wird nient einsilbig gebraucht, noient 
zweisilbig. 

Niffa, niffo, niffolo it. (flor.), chw. gniff rüssd, pr. nefa dicker 
(heil des Schnabels der raubvögel ; deutsches wort, ags. engl. ndl. neb, ndd. 
nibbe, nif, altn. nebbi, nef Schnabel, nase. Daher limous. nif 14, pic. 
nifler, fr. renifler schnüffeln, henneg. niflete Schnüffler, limous. niflo nasen- 
hch, vgl. Schweiz, niffen die nase rümpfen, bair. niffeln durch die nase 
reden. Mit u piem. nufife = 8-nttffeln. 

Ninno, ninna it. (ersteres mundartlich), sp. nino, nina kindchen. 
Es bedeutet zuerst ein wiegenkind und scheint entstanden aus der formet 
ninna-nanna (auch im port. üblich), womit man die kinder einwiegt, vb. 
it. ninnare einwiegen, neupr. nind einschlafen. Auf das ablautende 
nanna bezieht sieh lomb. nana kind, auch bettchen (flor. andare a nanna 
schlafen gehn), sp. ebenso nana (hacer la nana schlafen), watlon. naner 
einschlummern u. dgl.; andre vocaie kamen zur geltung im cot. nen, nena 
kindchen, im venez. nena amme, im henneg. nenen dass., im limous. naina 
wiege. Woher nun jenes schlaf bringende ninna-nanna, worin man das 
schaukeln der wiege zu hören glaubt? Weder nidus nest, bettchen (lomb. 
nin), noch nanus, noch min (s. oben mina) läßt sich darin erkennen; nur 
ein auf nn oder mn ausgehender stamm würde grammatisch genügen. 
Aber kinder- und ammenwörter können leicht in hohes alterthum hinauf- 
steigen und aus verlorenen wurzeln herrühren; hierzu mag aus Hesychius 
yvmov Wiegenlied angeführt werden. Ninna-nanna ist eine der häufigen, 
gewöhnlich über den gränzen der etymologie liegenden ablautformeln wie 
das lomb. güma-gianna name eines kinderspids, oder litta-latta Schaukel ; 
nur hat es weitere Verbreitung gefunden als die meisten andern. — Wie 
gr. 7u><w und lat. pnpilla madchen und augenstern (spiegelbildchen im 
äuge) heißen, so sp. nifia, cot. pr. nina ; so aber auch pg. menina, ven. 
putina, romagn. bamben (fand, nicht bloß mädchen), sie. vavaredda (von 



224 L NIUNO— NONNO. 

vava, s. bava), pic. papare, dlban. bebeze. Der Frovenzale sagt für pu- 
püle auch anha lammchen. 

Niuno it., sp. mit eingeschobenem n ninguno, pg. nenhum, pr. 
negun, nengun, neun, wal. nici im, pronomen, zsgs. aus nee unus, im 
wal. neque. unus. Andre formen sind altit. neuno, altsp. nenguno, altpg. 
neun, niun D. Din., cot. ningü, chw. nagin, com. negun, irigan. Dazu 
auch cdtfr. nun *. b. nnns ne me tent, nuns ne me baille Ruteb. I, 3, 
noch in Champagne nnne part = nulle part; von ne unus. 

Nocchiere it., sp. nauclero, alt naoehero, nauchel, pr. naucler, 
nauchier, fr. nocher Steuermann, fährmann; von nauclerus (vovxXijqos) 
schiffsherr 9 nur bei Plautus. 

Noja it., sp. enojo, pg. nojo, pr. enuei, fr. ennui Verdruß; vb. it. 
nojare ff. verdrießlich machen. Dieses wichtige wort hat lange aller 
forschung trotz geboten, denn die üblichen erklärungen aus noxa, noxia, 
nausea vertragen sich schlecht mit den lautregeln, und was das von Fau- 
riel vorgebrachte bask. enoch betrifft (Ampere, Form. d. 1. 1. fr. 2. Sd. p. 320), 
so sieht es aus wie ein der span. spräche entnommenes. Es entstand viel- 
mehr, wie schon Cabrera bemerkt, aus odium, aber nicht durch Zusammen- 
setzung mit dem adv. in, sondern aus der auch den roman. mundarten 
wohlbekannten phrase est mihi in odio : aus in odio ward gapz regelrecht 
it. noja mit abgefaUnem i (besser cdtit. masc. nojo PPS. II, 90), sp. enojo, 
alt enoyo, pr. enuei, enoi, wie it. bajo, sp. bayo, pr. bai aus badiuß 
wurden. Der Provenzale z. b. muß anfangs gesagt haben amors m 1 es 
en oi = lat. amor mihi est in odio, später, en ois als nomen gefaßt, 
amors m'es enois. Am deutlichsten tritt des Wortes Ursprung in der alt- 
mail. mundart hervor: z. b. plu te sont a inodio = *l.~piü ti sono a 
noja Bonves. p. 324, v. 92 ; a to inodio = a tua noja v. 413. Dazu 
nehme man das altital. verbum inodiare nebst dem aetfectiv nodioso = 
nojoso Trucch. I, 48. Altfranz, construierte man enuier noch mit dem 
dativ der person, z. b. LRs. 367 ieest afaire al rei ennuiad, was auf 
den Ursprung des Wortes zurückzudeuten scheint. Ein sehr altes Zeugnis 
für dieses verbum ist anoget 'taedef Gl. augiens. (Altrom. glossarc p. öl), 
wie für ennuyeux anoediosus 'taediosus' Gl. paris. ed. Hild. p. 12, in 
andern glossaren anediosus, anodiosus. 

Nolo, naulo it., daher noleggio, fr. nolis, altsp. nolit f rocht, be- 
sonders eines Schiffes, noleggiare, noliser ein schiff miethen; von nauluin 
(yavXov) fährgdd. 

Nona it. sp., fr. none in den Möstern die neunte stunde des tages, 
also, wenn fft&n den Sonnenaufgang um sechs uhr annimmt, drei ultr 
nachmittags. Altfr. nahm man es auch im sinne einer wdtgegend (Süd- 
west?) : une riviere Tavirone deverz midi e devers none Bou II, p. 29. 

Nonno it. großvater, nonna großmutter, pr. nona, fr. nonne, non- 
nain klosterfrau, nonne, lothr. nonnon, neupr. nounnoun ohekn; von dem 
in das spätere latein eingeführten nonnus, nonna, einem ausdrucke der 
ehrfurcht, bei Uieronymus und auf inschriften (OreUi n. 2815). Die franz. 



I. NOTARE— OBBLIO. 225 

form nonnain begreift sich als eine accusativische von nonnam wie putain 
von putam, der mlat. plur. nonnanes in einem capittdar v. 789 (de mo- 
nasteriis minutis, ubi nonnanes sine regula sedent) hängt damit zusam- 
men. Hieher auch sp. nono steinalt. 

Notare it., altfr. noer, chw. nudar, wal. innotä schwimmen; erklärt 
sich, da es auch im walach. (und alban. not) vorhanden ist, nur aus 
einer uralten volksmäßigen vergröberung des kurzen a (lat. nätare) in 
kurzes o, daher die ital. diphthongierung im präs. nuoto. Prov. und span. 
blieb nadar. 

Nuca it. sp. pg. pr., nuque fr. nacken, genick. Cervix ist zwar 
überall vorhanden (it. cervice, wal. cerbice, sp. pr. altfr. cerviz), aber 
nictd überall volksüblich geblieben. An seiner statt haben sich in den ein- 
zelnen sprachen mancherlei ausdrücke eingefunden, wie it. collottola, cot- 
tnla, sp. cogote, pescuezo, pestorejo, tozuelo, cat. bescoll, clatell, papada, 
pr. nozador, neupr. coutet, galet, fr. chignon, alt haterel, chanole, chaon, 
in Berry cacouet, wallon. hanett, chw. tattonna, wal. ceafij, gijt u. dgl., 
aber nur ein gemeinromanisches bloß dem Walachen abgehendes, nuca. 
Man hat seinethalb auf das arab. nucha rücken- oder nackenmark (noch- 
ton 661. 2333) verwiesen, einen anatomischen ausdruck, der sich schwer- 
lich auf roman. gebiete so einbürgern konnte. Sollte das wort aus nux 
nucis herrühren? Der Sicilianer nennt den nacken in der that nuci di 
In coddu noce del collo, hcdswirbd, zum unterschiede von noce del piede, 
knöchel am fuße, gr. doxQayalog begreift beide bedeutungen; allein das 
kurze u stimmt nicht, denn das scheinbar parallele duca aus dux 'dücis 
ist ein eigenihümliciier fall (s. oben)j doch wäre es immerhin möglich, 
daß grade dieser fall zur form nuca als einer scheideform von noce (nuß) 
verfuhrt hatte. Ähnliches klanges bei gleicher bedeutung ist das mhd. 
nüwe Wb. II, 387. 427; aber inlautendes deutsches w tritt kaum als g, 
nimmer als c auf, nur ein ahd. nuha wäre befriedigend. Kilian ver- 
zeichnet ein ndl. nocke = engl, nock kerbe an der armbrust, eigentlich 
das eingekerbte Stückchen knochen, welches die gespannte sehne anfüllt; 
man konnte dieses wort für hdlswirbel gebrauchen (die bed. rückgrat legt 
Hirn Kilian bA), aber es hat mehr gemein mit it. nocca knöchel (lotnb. 
gnucca genick, it. dinoccolare enthaupten) eis mit nuca. Nqx also hat 
unter den angeführten fällen die größere Wahrscheinlichkeit für sich. 

Nuora it., sp.imera, pg. pr. nora, altfr. nore, wal. nore Schwieger- 
tochter; von nurus mit einer dem natürlichen geschlecht angepaßten endung: 
nnrus non nura App. ad Prob., mlat. nora Breq. p. 362 c . 

o. 

0, od it., sp. o, ü, pg. on, pr. o, oz, fr. ou, wal. au, conjunetion, 
wn aut Zsgs. it. ovvero, von aut verum. 

Obblio, obblfa it. Vergessenheit, von oblivium, pl. oblivia; vb. 

15 



226 I. OBSEQUIAS-ONDE. 

obbliare vergessen, von dem rom. Substantiv, vgl. disiare von disio = 
dissidium. Dagegen pr. oblit, oblida, fr. oubli, sp. umgestellt olviio; 
vb. oblidar, oublier, olvidar vom part. oblitus. Die der ital. lautregel 
widersprechende syneope des t in oblitus nöthigt zu dieser trennung der 
Wörter. 

Obsequias sp. pr., obs&ques fr. leichehbegängnis; von obsequiae 
für exsequiae, schon bei Petrus Chrysologus (\ 449), auch auf inschrif- 
ten, s. Ducange. 

Oca it. sp. pg., oie fr., ursprünglicher sp. pr. chw. auca gans, so 
auch mlat. L. Alam. (accipiter, qui ancam mordet cet.), Form. Marc. 
Es ist zusammengezogen aus avica, das von avis abgeleitet ward wie nätica 
von natis u. s. w. Born, gramm. II, 308. Im sinne dieser etytnologk 
übersetzt ein tat. gr. glossar auca mit 7tr^vov (mipov) vogel. So nannte 
man die gans eis das nutzbarste hausthier dieser classe, wie man das 
rind schlechtweg animal (s. aumaille II c) nannte. Dimin. fr. oison 
(wie clergon von clerc), in den Cass. glossen auciun. Im alt- und neuprov. 
kommt auch das tnasc. auc gänserich vor, ebenso im veron. oco, im cremen. 
ooeh, so mlat. avecus, avicus; eine andre gleichbed. lirnous. bädung ist 
ooutzar, dem ein fr. oisard entsprechen würde. 

Oggi it., chw. oz, sp. hoy, pg. hoje, pr. huei, atifr. hui, adverbium, 
von hodie. Zsgs. it. oggimai, omai, 1-etzteres für oimai (vgl. oi in der 
zss. ancoi), nicht für ormai, da ausfäll des r schwierig ist, pr. hueimais; 
it. oggidi, aus hodie die, so daß dies zweimal darin enthalten ist, sp. 
hoy dia, fr. aujourd'hui; altit. ancoi ff., $. anche. 

Ola sp. cot., fr. houle (f., h asp.) woge; scheint ceUisch, kymr. 
hoewal (m.) bewegung des wassers, bret. houl (m.) woge, vb. houlenna. 
Von houle ist attfr. watton. holer sich hin und herbewegen. 

Oleandro it., sp. oleandro, eloendro, pg. eloendro, loendro, fr. 
olöandre lorbeerrose. Zu Isidors zeit lorandrum, dem die zweite port. 
form zunächst steht: rhododendrum, quod corrupte vulgo lorandrum vo- 
catur, also wohl aus rhododendrum mit anlehnung an laurus entstellt 
und weiter entstellt durch abwerfung des 1, worin man den artikd fühlen 
mochte. 

Olore it., sp. pr. clor, altfr. olour duft, geruch; vom gleichbed. 
olor, bei Varro L. L. und Apulejus. 

Ombelico, bellico, bilico it., wal. buric, sp. ombligo, pg. umbigo, 
embigo, pr. ombelic, umbrilh, fr. nombril nobel; von umbilicus. Umbrilh 
und nombril (letzteres reimend auf pöril) entstanden aus umbiliculus, im 
Vocab. S. Galli umpiculo; das franz. wort hat überdies ein vorgesetztes 
n, das durch dissimüation für ein artikelhaftes 1 eingetreten sein mag, 
nombril aus lombril, denn auch der Catalane sagt llombrfgol. Die stärkste 
(Abweichung von dem urworte zeigt eine zweite cot. form melic. Nabel 
war den Alten s. v. a. mittelpunct: hierauf gründet sich das ital. vb. bi- 
licare ins gleichgewicht bringen, figürl. überlegen. 

Onde it., altsp. ond, pg. onde, pr. ont, on, wal. unde, orts- 



I. ONIRE— ORBO. 227 

adverbium; von unde. Zsgs. it. sp. pg. donde, pr. don, fr. dont; von 
de nnde. 

Onire it., pr. aunir, aft/i\ honnir (h asp.) beschimpfen; vom goth. 
haunjan, ahd. hönjan, nhd. höhnen. Sbst. it. onta, so auch altcctf. Chr. 
d'Escl. 590*, pr. anta (für aunta), selten onta, fr. honte (h asp.), auch 
äUsp. fonta PC-, vom goth. haunitha, ahd. hönida, alts. hönda schmach; 
daher vb. it. ontare, ältsp. a-fontar (aontar Canc. deB.) pr. antar, altfr. 
ahonter, hontoier; über sp. f = fr. h s. Born, gramm. I, 320. 

Ora it. ff., lat. hora, bemerkenswert wegen der Verbindung bona 
hora, mala hora zur guten oder bösen stunde, zum glück oder unglück, 
schon irn ersten mlatein: omnes mala hora dixerunt, quod a quibusdam 
pro auspicio susceptum est Greg. Tur. 6, 45; tarn mala hora te vidernnt 
oculi mei Gest. reg. Fr. cap. 35. So it. in buon' ora, in mal 1 ora, sp. 
en bnena hora, en hora buena zsgz. norabuena und so noramala, pr. 
en bon' hora Chx. IV, 420, aitfr. en bone heure und bone heure Brand, 
p. 141. Endlich genügte bloßes bona und mala, zuweilen mit ein- 
mischung von r aus hora: it. mal zum unglück Inf. 9, 54, Burg. 4, 72, 
Par. 16, 140 (mala in maladire für maledire), sp. en buena Bc. Mill. 
481, mala Mil. 419, cdtpg. bora (npg. embora), pr. bona Bth. 253, Arn. 
Vid., mala Jfr. 64*. 114 h , mal GÄlb. 6406, altfr. bone Ben. I, v. 2858, 
bor schon Alxs. str. 90, auch buer, entsprechend mar. — Wie sich hora 
und aagurium berühren, lehrt die redensart en bona ora (ä la bonne 
henre) Jfr. 135 k = en bon atir 172 h . 8. Born, gramm. II, 461, Alt- 
rom, sprachdenhm. p. 71. 

Ora it., sp. pg. hora, alt oras, pr. ora, oras, or, altfr. ore, ores, 
or, nfr. or, zeitpartikel für lat. nunc, von hora zur stunde, im franz. auch 
formell vom sbst. henre geschieden. Der Provenaale kennt überdies die 
form ara, aras, ar, geschwächt in era, eras, er, (chw. era, er für ancora), 
noch jetzt aro, cot. ara, bei deren entstehung vielleicht nur der zufall 
waltete. Dasselbe wort in der bedeutung des chw. er ist das von S. Bosa 
für ein Personalpronomen gehaltene altpg. oder gallic. er, ar, z. b. deus 
sabe mui ben ... er sabe mui ben auch weiß er sehr wohl D. Din. 
p. 7; nunca ar ouv' eu pesar noch nie hatte ich Kummer p. 33, vgl.p. 7 
note. Noch häufig bei G. Vicente. Daher auch das gleichbed. bask. ere? 
Zss. sind unter andern: sp. ahora, pr. aoras, adoras, altfr. ä ore Life.; 
it. a ora, von ad horam; fr. alors, it. allora, von ad illam horam; fr. 
lors von illa hora; altsp. pg. agora von hac hora; it. ancora, altsp. 
encara, pr. encara, enquera, fr. encore, von hanc horam bis diese stunde ; 
altfr. unqnore (uncore) von unquam hora; altsp. esora von ipsa hora; 
pr. quora, qnor, chw. cura, cur für lat. quando, aus que ora zsgz. 
Über ein altfr. cor s. Born, gramm. III, 214 note. 

Orbo it., pr. orb und dorp, cdtcat. altfr. weil, orb blind, eine be- 
deutung, die das lat. orbus erst spät entwickelt hat, die aber Isidorus als 
die ursprüngliche hinstellt: orbus, quod liberos non habet quasi oculis 
amissiB. In derselben braucht es Apulejus, Met. Oudend. p. 336 en orba 



228 • I. ORCO-ORLO. 

Fortuna! so wie die Fragm. vatt. §. 130. Im altern sinne bemerkt Cheru- 
bim aus dem mailandischen on tett orb de lacc eine zitze, die keine 
müch gibt 

Orco it., neap. huorco, altsp. huergo, uerco Rz. 390. 802, nsp. 
ogro, fr. ogre, ags. orc höllischer dämon, menschenfressender popanz ; vom 
lat. Orcus als gottheit geduckt. S. Grimm, Mythol. 454. Adj. sp. huerco 
traurig. 

Orda it., fr. horde (h asp.) herumstreifender häufe Tataren; nhd. 
horde, alban. hordi, russ. orda u. s. f., ein aus Asien stammendes wort. 

Ordo it., ort pr., ord altfr. pic. häßlich, schmutzig; daher pr. or- 
deiar, altfr. ordoier beschmutzen; sbst. it. pr. ordura, fr. ordore 
schmutz. Daß ort (fem. orda) von horpdus ist, beweist eine zweite prov. 
dem etymon besser angepasste form orre, fem. orreza (d. i. orreda), mü 
derselben bedetäung, daher das vb. orrezar s. v. a. ordeiar. 

Orecchia, orecchio it., wal. ureache, ureche (f.), sp. oreja, pg. 
pr. orelha, fr. oreille ohr; von auricula Ohrläppchen, schon von den Alten 
für ohr gebraucht (garrire in auriculara Martial), von einem grammatiker 
aber verworfen: auris non oricla App. ad Probum. 

Organo it. sp., pg. orgäo, cot. orga (f.), pr. orgues (pl.) } fr. 
orgue (m.), orgues (pl. f.), wal. orgdn (m.), ahd. Organa und orgela, 
nhd. orgel, mndl. orghel; von Organum (oQyavov) Werkzeug, besonders 
tonwerkzeug, wasserorgd. 

Orgoglio it., alt argoglio, mit versetztem r rigoglio, sp. orgullo, 
alt arguyo, ergull, pr. orgolh, erguelh, altcat. argull RMunt. 143", neu- 
cat. orgull, wdld. zrgolh Hahn 577, fr. orgueil stolz, übermuth; vom ahd. 
urguolf, zu folgern aus urguol insignis Graff IV, 153. Im altsp. adj. 
urgulloso PC. 1947 hat sich sogar die ahd. partikd ur buchstäblich er- 
halten. Früher ließ man es aus gr. OQyikog (jähzornig) entspringen mit 
rücksicht auf die form des altfr. orguilleus, worin aber i eine durch fort- 
rückung des accentes hervorgebrachte Schwächung des ursprünglichen vocales 
ist. S. auch Grimm II, 789, Diefenbach, Goth. wb. II, 382. 

Oricalco it., sp. auricalco, fr. archal messing; von aurichalcum, 
orichalcum, aus dem gr. oQsixcclxog, d. i. bergerz, die erste der lat. formen 
vermittels aurum umgedeutet. 

Oriuolo it., mail. reloeuri, sp. relox, pg. relogio, pr. relotge uhr; 
von horologium, ahd. orlei. Dafür fr. montre, eigentl. zeiget. 

Orlo it., sp. orla, orilla, altfr. orle z. b. SB. 562 M rand; ditnin. 
von ora, welches, woM zum unterschiede von hora und nicht etwa nach 
dem gr. oqoq gränze, einige sprachen als mascülin behanddn: sard. ora, 
lomb. oeur (ör), pr. or Bth. 204, altfr. or Gormond v. 69, ur LRs. 254, 
churw. gleichfalls ur (kymr. ör fem.). Vb. it. orlare, sp. orlar, fr. 
ourler einfassen. Hin anderer ausdruck für rand, ufer ist pr. vora GO., 
cat. bora, vol. vora (vora el riu am rande des Flusses JFebr. 162), wohl 
auch altfr. vore Roq. suppl., worin ein vorgesetztes oder eigentlich einge- 
schobenes v angenommen werden darf; d. h. la vora steht zur Vermeidung 



I. ORMA-OSTE. 229 

des hiatus für la ora, indem man sich wegen des gleichlautenden Tora 
(stunde) der anlehnung des artikels enthielt: ähnlich sagt der Gatalane 
llavore = sp. & la hora, fr. lors. 

Orma it., urme wal. spur auf dem boden; vb. ormare die spur 
verfolgen, wal. urmä folgen. Orma scheint = sp. husma geruch d. h. 
spur, daher hnsmar auswittern, altfr. osmer Parton. I, 32, Ren. I, 
216, lomb. ven. usma, usmare; vom gr. dafxij geruch, oofiaod-ai riechen, 
spüren, wal. in ders. bed. ulmä. Der übertritt des s in r ist zwar sonst 
im ital. nicht üblich, aber ebenso unüblich ist, wenn man orma von forma 
leitet, der Wegfall des anlautenden f, vgl. übrigens oben ciurma. Ein 
altes Zeugnis für das wort gewähren die Erfurter glossen, 355, 19 : osma 
l suicae (ags. sväc geruch). 

Orpello it., sp. oropel, pr. aurpel, fr. oripeau flittergold; wörtlich 
goldhaut, esgs. aus anrum und pellis. 

Orza it. seil am linken ende der segelstange, linke seite des Schiffes, 
pr. orsa (s'una milla va drech, quatorze vai a Porsa LR. IV, 233 a ), 
fr. ourse seil an der segelstange des besanmastes (Trev.), sp. pg. orza 
das sogenannte schwert eines fahrzeuges, womit das gleichgewiekt desselben 
hergestellt toird, orza de avante ein ausdruck, die richtung des schiff es 
nach der linken hand zu bezeichnen; vb. it. orzare, sp. orzar mit halbem 
winde segeln. Span, orza bedeutet auch ein gefäß (entweder von urceus 
oder von orca, adjectivisch orcea) und in der (hat war ein solches, eine 
tonne, eben so geeignet, das gleichgewicht des Schiffes zu unterstützen, wie 
ein brett (das schwert), aber worauf soll die beziehung der orza zum 
linken schiff sbor de beruhen? Des Wortes eigentlicher begriff muß sein c die 
linke seite und so ist es deutschen Ursprunges: mndl. lurts, mhd. bair. 
lorz link; it. orza ist also aus l'orza, das anlautende deutsche 1 als ar- 
tikel gefaßt, entstanden und so ins span. übergegangen. Daß das fr. s 
aber einem ursprünglichen z entspricht, dafür bürgt die picard. form 
orche, welche Monnard, Chrest. frang., verzeichnet 

Orzo it., pr. ordi, fr. orge gerste; sp. orzuelo gerstenkorn ; von 
hordeum. 

Ostaggio it., sp. hostaje, pr. ostatge, fr. 6tage bürge, geisel; 
im späteren mlatein hostagium, hostaticum, it. statico; zsgz. aus ob- 
sidaticum (osdatcum) vom ächtlat. obsidatus bürgschaß durch geisel, 
dies von obses. S. darüber Vossius, Vit. serm. 3, 14, und Grimm, Rechts- 
alt. p. 62Q. 

Oste it. (bei dichtem), sp. hueste, pg. hoste, pr. altfr. ost, wal. 
oaste heer, pic. ost («pr. o) herde; abgel. wal. osta§ soldat; vb. it. osteg- 
giare, pr. osteiar zu felde liegen, bekriegen. Schon im ältesten mlatein 
bedeutet hostis heer (hosten» collectum habet Greg. M.) oder hiegsdienst ; 
der begriff könnte sich aus der üblichen redensart ire in hostem gegen 
den feind d. i. zum hecre gehen, entfaltet haben. Seltsam ist die Verände- 
rung des genus: nüat. meist fem., ital. masc. und fem., sp. pg. wal. fem., altfr. 
fem*, selten masc. (li ost Ufo 156; tut l 1 ost 200). — Exercitus erhielt sich 



230 I. OSTE— OVE. 

in voller anwendung nur im Südwesten, im ücd. ist es wenig üblich, im 
nordwesten fast ein fremdwort. 

Oste it., sp. huesped, pr. hoste, fr. höte, wal. oaspet wirth, dsgl. 
gast; von hospes (eigentlich von hospit-) gastfreund (gast oder wirOi); 
nimmer von hostis. Ab gel. it. ospitale, ospedale, spedale, mdarfl. spi- 
tale (woher unser spital), sp. pr. hospital, fr. höpital anstatt zur unent- 
geltlichen aufnähme armer, Jcranher und wanderet, im ältesten ndatein 
z. b. bei Gregor v. T. hospitale, von hospitalis gastlich; zsgz. it. ostale, 
sp. pr. hostal, fr. hötel, it. ostello (aus altfr. hostel) herber gc, prov. auch 
wohnung, behausung. 

Otriare it., sp. otorgar, pg. outorgar, pr. autorgar, autreyar, fr. 
octroyer bewilligen; von auctoricare für auctorare bestätigen, bekräftigen. 
Diesmal steht die neufr. form dem etymon naher als die altfr. otroier; 
aber es war ein wort des canzleistils : die Volkssprachen hissen c fallen. 
Daher sbst. otorgo, autorc, autrei, octroi bewiUigung. 

Ottarda it., sp. avutarda, pg. abetarda, betarda, pr. austarda, fr. 
outarde ein vogel, trappe. Vom lat. otis (cJrt'g) mit dem suffix ard ist 
abzusehen, wie oft auch dies suffix thiernamen bestimmt. Flinius, IRst. 
nat. 10, 22, entziffert uns die etymologie dieses wortes: proximae iis sunt, 
quas Hispania aves tardas appellat Spanien aber hat sich hier offenbar 
eine getnination erlaubt: avutarda kann nicht sein = au-tarda mit ein- 
geschobenem v, denn solche Zerlegungen des diphthongs sind nicht üblich, 
vielmehr ward dem schon vorhandenen u-tarda für o-tarda (vgl. urdir für 
ordir) nochmals ave vorgesetzt wie in av-estruz. Das prov. wort ist eine 
nominativform, aus von avis, daher wohl auch das champ. bistarde. 

Ottone it., sp. laton, alaton, cot. üautö, fr. laitou messing, nord. 
lätun; muthmaßlich vom rom. (it.) latta weißes blech, also eigentl. platte, 
latte, vgl. sp. plata, das gleichfalls der bed. platte eines metalles entspricht. 
Die ital. form wird ihr anlautendes 1 als misverstandnen artikd verloren 
haben, mundarten aber, die piem. fnail. comask. venez., sagen loton. 

Ovata it., fr. ouate, aus letzterem sp. hnata wülst zum futtern der 
kleider. Es könnte eine ableitung sein aus dem lat. ovum/ei, eiförmiges 
ding) vermittelst des Suffixes ata, das dem begriffe des primiüvs zuweilen 
die Vorstellung einer ausbreitung im räume beifügt (it. lombo, lombata); 
alsdann wäre ouate aus ovata entlehnt. Das wort ist auch den deutschen 
sprachen bekannt, aber nicht den alten: nhd. ndl. watte, engl, wad (auch 
pfropf, büschd, bündel Halliw.), schwed. vadd; sollte sich .gleichwohl 
seine deutschheit rechtfertigen lassen, so ist von ovum abzusehn; aber 
der herleitung aus ahd. wät ' vestimentum* widersetzt sich die bedeutung 
entschieden. 

Ove it., alt o, auch u, altsp. o, altpg. ou, pr. o, fr. oü, ortsadverb, 
von ubi. Zsgs. it. dove, fr. d'oü; von de ubi. * 



I. PABILO— PAESE. 231 



P. 



Pabilo sp., pg. pavfo, sard. pavilu, pr. pabil, chw. pavaigl, kymr. 
pabwyr dockt; von pabulum nahrung (des feuers); ähnlich esca speise, 
sunder. Maü. pabi futter. 

Pacciare it. in impacciare, sp, pg. pr. empachar, fr. empecher 
beunruhigen, behelligen, hindern; sbst. it. impaccio, sp.'pg. empacho, 
pr. empach, chw. ampaig; dsgl. it. dispacciare, spacciare, sp. pg. 
despacbar, fr. d^pecher losmachen, abfertigen, sbst. dispaccio, spaccio, 
despacho, döpeche. Der herleitung aus impedicare verstricken (bei Am- 
mianus) fügt sich bloß das fr. empScher, doch war der eigentliche aus- 
druck dafür altfr. empegier = pr. empedegar. Muratori räth auf 
pactio, davon impactiare = pacta inire sich auf händd einlassen, es 
scheint aber mit pacisci gar nicht zusammenzuhängen. Lot. impingere 
heißt einem etwas anhängen, womit behelligen, das frequentativ, bekannt- 
lich ein sehr wichtiges bildungsmittel der neuen spräche, wäre impactare, 
davon regelrecht sp.pr. empachar; eine erJdärung, die in denprov. neben- 
formen empaitar und empaig (vgl. faita, feig von facta, factum) so wie 
in der bed. impfen d. h. einstoßen (impingere) und in der des cat. em- 
paitar verfolgen {wieder impingere) sichern anhält findet. Dis-pactare 
von difl-pingere wäre das gegentheil von impingere, d. h. losmachen, wie 
disjungere das gegentheil ist von injungere, discingere von incingere. 
Franz. empecher ist entweder aus pr. empachar, empaichar oder gradezu 
aus impactare wie flächir aus flectere, altfr. delecher aus delectare: erst 
ein pic. empeker würde für impedicare zeugen. Die französischen Wörter 
wären alsdann von den übrigen zu trennen. Das it. impacciare aber 
muß in einer prit i bewirkten abl. impactiare seinen grund haben. 

Pacco it., fr. paquet, sp. paqnete bündel, pack; wohl kein alt- 
romanisches und eben so wenig ein altgermanisches wort, zunächst aus 
dem ndl. pak oder engl, pack = gael. pac. S. oben baga. 'In den ro- 
manischen, keltischen und deutschen sprachen stehen die stamme bag und 
pak neben einander, sind aber vielleicht trotz den kreuzungen der bedeur 
tung grundverschieden. 3 So Diefenbach (Kuhns und Schleichers Beiträge 
I, 262). Vgl auch dessen Goth. wb. I, 339. 343. 344, und Weigand 
v. pack. 

Padiglione it., sard. papaglioni, sp. pabellon, pr. pabalho, fr. 
pavillon zeit, auch kymr. pabell, altir. pupall; von papilio in dieser be- 
deutung bei Lampridius und späteren, s. Ducange; altfr. paveillon noch 
in der bed. Schmetterling Fl. El. 2353. Wegen der itci. form s. Rom. 
gramm. I, 189. 

Paese it., sp. pg. paYs (aus dem franz.?), pr. paes, fr. pays (zwei- 
sab.) land, gleichsam pagense von pagus; dsgl. dltsp. pages Bz., pr. 
pages bauet, pagensis bei Gregor v. T., in der L. Long. u. s. w.; daher 
ü. paesano, sp. pg. paisano landsmann, fr. paysan landmann. 



232 I. PAGANO-PALIO. 

Pagano it. sp., pg. pagao, pr. pagan, payan, fr. payen, weil, pegun, 
auch böhm. pohan u. s. w., adj. heidnisch, sbst. heide; von paganus, also 
eigentl. ländlich, bäurisch, und so hießen die bekenner des alten götter- 
dienstes, weil er sich seit Constantin d. gr. auf das platte land hatte 
flüchten müssen. Dasselbe was paganufe, bezeichnet unser heide, ahd. 
heidan, goth. fem. haithnö (von haithi feld), vgl. Grimm, Myfh. p. 1198. 

Pagare it., sp. pg. pagar, pr. pagar, payar, fr. payer besohlen, 
befriedigen; sbst. it.sp.pg.pr. paga, fr. paie Zahlung, lohn; von pacare 
zum frieden bringen, beruhigen, roman. mit dem accus, der person oder 
sache: payer ses cr£anciers, payer les int6r§ts. Die ursprüngliche Bedeu- 
tung läßt sich im 8. Leodegar str. 18 wahrnehmen, wo es heißt: cio li 
preia paias (se) ab lni er bittet ihn sich mit ihm zu versöhnen, für welche 
bedeutung sonst apagar gebraucht wird. Der walach. ausdruck ist pleti 
= serb. platiti. 

Paggio it., pagi neupr., page fr. edelknabe zum aufwarten, daher 
sp. page; vom gr. naidiov knäbchen, kleiner diener, wie mhd. kint. Die 
Byzantiner mögen dies wort, wie manches andre, nach Italien gebracht 
haben, wenn es nicht durch die kreuzzüge herüberkam. In spätem tnittel- 
latein pagius. Mit pag6s von pagensis (s. oben paese) ist es nicht zu ver- 
wechseln. Die ungeschlachte herleitung aus paedagogium oder paedago- 
gianus ist nicht der rede werth. 

Paglia it., sp. paja, pg. pr. palha, fr. paille, wal. paie stroh; von 
palea spreu. Daher pr. paillola lager; fr. paiUard unzüchtig, weil 
die liederlichen dirnen, wie Caseneuve erklärt, ihr gewerbe auf dem stroh 
ausübten; zsgs. pg. espalhar zerstreuen, verbreiten. 

Palafreno it., sp. palafren, pr. palafrei, fr. palefroi zeiter; vom 
hybriden para-veredus nebenpferd Cod. Justin., zsgs. aus uaQa und vere- 
dus, mlat. parafredus L. Bajuv., daher auch unser pferd, ahd. pherit, 
alts. pererd. Die form fireno in diesem worte (fr. palefrenier) beruht 
wohl auf einer umdeutung, indem man an frenum dachte, vgl. Ubaldini 
zu Barberino. Lehrreiche bemerktmgen über dieses wort bei Wackernagel^ 
Voc. opt. p. 7. 

Palandra it., sp. pg. balandra, fr. baiandre kleines lastschiff zur 
küsten-, fluß- und canalfahrt (Seckendorf); soll aus dem gleichbed. ndd. 
binnenlander (der innerhalb des landes fährt) entstanden sein, s. Adelung, 
der auch ein deutsches dem franz. entnommenes beiander (m.) anmerkt. 
Spanu nennt das sard. belandra ein flandrisches schiff. Roquefort ver- 
zeichnet als eine art schiffe palondrie, palondrin. 

Pal an dran o it., sp. balandran, neupr. balandra, fr. balandran 
ein weiter rock, reitrock, regenmantel. 

Palio it. sp., pr. pali, altfr. pali, paile überMeid, teppich, baldachin; 
von pallium, zunächst der hierzu verwandte baumwollen- oder Seidenstoff; 
pallium a pellibus, unde fiebat, sed modo dicitur pallium quoddam 
genus panni ex serico et quilibet mantellus Ugutio. Es ist das ahd. 
phellol, mhd. pfellel, pfeller (palliolum). Wie der name eines kleides 



L PALMIERE-PANTOFOLA. 233 

zum namen des dazu gebrauchten Stoffes werden konnte, lehrt unter andern 
ciclaton, s. oben. 

Palmiere it., $p. palmero, cdtfr. paumier pilger, eigentlich ein zum 
heü. grabe waltender, weil solche pilger palmenzweige mitbrachten: qui 
de Hierosolymis veniunt, palmam in manibus ferunt in Signum, quod 
Uli regi militarunt, qui Hierosolymis cum palmis honorifice receptus est 
Durandus, s. Ducange; mkd. ein eilender man der truoc ein palm in 
der hant Wb. II, 461. 

Palpebra tat. augentied, im plur. auch wimper, vornehmlich wegen 
seiner zum iheil durch den unbestimmten latcin. accent veranlagten roma- 
nischen vielformiglceit beachtenswerte Ital. palpebra, palpäbro, venez. 
palpiera, piem. parpeila, sard. pibirista, pg. palpebra, sp. palpebra und 
parpado, pr. palpäbra, palp&a, p&lpet (f.), altfr. palpre IM. psalm. 10, 5, 
neufr. paupiere, pic. paupiele, norm, paupille, churw. palp^ber, pal- 
p&ler, tcaZ. pleöpe. Unter diesen muß pr. palpet durch einfluß von pal- 
pitare entstanden sein, wofür man auf unser aus wimper abgeleitetes vb. 
wimpern d. i. in einer zitternden bewegung sein (Adelung) verweisen 
darf. Wal. pleop? läßt sich, da es wenigstens im slavischen nicht vor- 
kommt, nur als eine starte entstellung des lat. wortes auffassen. Seltsam 
sieht das sard. pibirista aus. 

Pancia it., sp. panza, pancho, pr. pansa, fr. panse wanst; von 
pantex panticiß, wei. pentece. Daher it. panciera, sp. pancera, altfr. 
panchire, mhd. panzier, nhd. panzer, der iheil der rüstung, der den unter- 
leib bedeckt. 

P an dura, pandöra it., aitsp. pandurria, fr. pandore, entstellt sp. 
bandurria, pg. bandurra, sp. auch bandöla, dsgl. it. mandöla, fr. man- 
dole, mandore ein Saiteninstrument, zither; von pandura, pandurium, gr. 
navdovQa. 

Paniere it., altsp. panero, pr. fr. panier korb; von panarium 
broücorb. 

Pannocchia it., sp. panoja büschel an derhirse; von panucula für 
panicula, bei Festus ed. Müller p. 220, wie auch Pott bemerkt in der 
abhandl Flattlat. 316. 

Pant&no it. sp. pg. sumpf, schlämm; mlat. pantanum begegnet in 
einer Urkunde Karls d. gr. Marin, p. 106 u . Menage meint vom hypothe- 
tischen paludanum, was schwer zuzugeben ist. Stammt es vom gr. narog, 
narr^a (koth) mit eingefügtem n wie im folgenden worte? Lombardisch 
hat man das einfache palta {piem. pauta), abgel. paltan = pantano; es 
könnte aus polta brei, von puls, abgeändert sein, denn auch poltiglia 
heißt brei und schlämm, chw. pantan ist gleichbedeutend mit pultan. 

. Pantöfota, pantufola it., ival. pantofl^, sp. pantuflo, fr. pantoufle 
(f.) eine fußbekkidung, Halbschuh. Von zweifelhafter herkunft, sicher 
nicht von der ungeschickten griech. Zusammensetzung 7tavt6-(peU.og ganz- 
kork, wobei die Verarbeitung des korks zu pantoffelsohlen in anschlug kam. 
Em compositum scheint es allerdings. Der erste theil desselben ist etwa 



234 L PAPA— PAPPAGALLO. 

das fr. patte fußsohle, denn es fehlt nicht an mundartlichen formen ohne 
n, z. b. ndl. pattuffel, piem. patofle neben pantofle; in der persönlichen 
bed. eines menschen mit schleppendem schwerfälligem tritt genf. patoufle, 
henneg. norm, patouf, denen sich fr. pataud vergleicht. Der Catalane sagt 
plantofa, das an planta (sohle) mahnt, er muß jedoch das 1 durch um- 
deutung versetzt haben, denn hieraus patofla entstehen zu lassen, wäre der 
spräche zu viel zugemuthet. Aber was ist mit dem zweiten theile des 
Wortes anzufangen? Neupr. sagt man auch man-oufle (f.) für eine hand- 
bekleidung, einen muff, latinisiert raaniflua Gl. de Litte p. 8 (Seh. 17), 
muthmaßlich am manupula (s. oben manopola) wie fondefle aus fundibu- 
lum: sollte pantoufle diesem werte nachgebildet sein, da oufle für sich 
nichts bedeutet? und ivürde sich auch fr. emmitoufler (wohl von amic- 
tus) auf diesem wege erklären lassen? — [Man sehe auch bei Atzler, der 
die endung oufle aus dem deutschen herzuleiten versucht.] 

Papa fr. vater (in der kinder spräche), von papa, das nicht in pape 
oder peve übergieng, weil es als gemination pA-pa behandelt ward, welche 
die Joinder lieben; daher entlehnt das span. und mdartl. ital. pap£, wofür 
diese sprachen die einheimischen ausdrücke taita und babbo besitzen. 
Dasselbe wort ist it. sp. pg. papa, fr. pape höchster priester der katholi- 
schen kirche. — Lot. papa, pappa speise oder brei der kinder ist gemein- 
romanisch: it. pappa, wal. pape, sp. pg. papa, alt fr. papin, papette; so 
auch pappare essen, brei essen, das im sard. papai ganz die stelle von 
mangiare einnimmt. Dazu noch ein subst. it. pappo brot, sp. pg. papo 
bissen, den der falke mit einem male verschluckt, dsgl. kröpf der vogel 
(auch päpera), wamme der ochsen (etwas gefuttertes, gemästetes), ven. veron. 
papota (auch papa) dicker, fleischiger backen, papon und papota adj. fett, 
fleischig, ausgemästet, sp. papudo mit dickem hals oder kröpf. Gleicher 
herlcunft, aber durch dissimilation abgewicJten, ist wohl auch it. paffuto 
s: v. a. ven. papoto, und selbst wohl sicil. baffü, vgl. pic. norm, empafer 
vollstopfen. Für die bed. kröpf mag auch noch lat. papula (blauer, blase) 
erwogen werden, dem die span. spräche die bed. kröpf artige geschwulst, die 
ital. die bed. geschwür DC. s. v. beilegt. 

Pappagallo it., cot. papagall, wal. papagal, sp. pg. papagayo, pr. 
papagai, altfr. papegai und papegaut, engl, popinjay, vrlt. papyngay 
Halliw., mhd. papegän, mittelgr. nanayag, ngr. nanayalhog name eines 
vogels. Das roman. gebiet hat psittacus verloren, das sich im deutschen 
sittich erhielt, s. Dief. Gloss. lat. germ. v. psittacus. Das neue wort hat 
das ansehen eines compositums und wird in dieser Voraussetzung auf ver- 
schiedene weise gedeutet, z. b. von papa pfaffe und edifr. gai = nfr. geai 
höher, oder ebenso von papa und gallo hahn, weil die geistlichen diese 
vögel vornehmlich gehalten hätten, s. Frisch II, 39* , und dazu scheint 
auch das engl, pope zu stimmen; doch darf man nicht vergessen, daß 
papa papst, nicht geistlicher heißt, der sinn also papsthäher oder papst- 
hahn wäre, ein name, für welchen in der Sache nicht der geringste grund 
vorhanden ist. Andre deuten ihn aus pavus gallus pfauhahn, was etwas 



I. PAPPALARDO-PARCO. 235 

ganz anders aussagt. Wer es ferner vom gleichbed. arab. babagä her- 
leitet, der möge bedenken, daß dieses wort in der arab. spräche keine 
würzet hat und erst spät voreukommen scheint (Gol. p. 213, Freyt. I, 81 a ), 
so wie daß die Vertretung des arab. b durch rom. p wenigstens ungewöhn- 
lich ist : umgekehrt drückt der Araber das fremde p durch b aus, Boqra ( t 
b. b. ist Hippocrates. Unglücklich ist Gtniris einfall, papagault bedeute 
einen vogel, der die zweige des weddes (gault) d. h. die Stangen seines 
käfigs benage: es liegt auf der hand, daß dies nur den sinn waldfresser 
haben kannte; wer denkt aber bei einem stängdchen an den wald? Es 
ist also mit diesen umdetUungsversuchen nichts entschieden. Ein andrer 
natne des vogels ist parrocchetto, s. unten. 

Pappalardo it., papelard fr. scheinheiliger ; nach Gbxin, Eecreat. 
phüol. I, 433, einer der enthältsamkeit heuchelt, aber im geheimen speck 
ißt (pappe-lard). Daß dies im geheimen geschieht, worauf hier alles an- 
kommt, muß man freilich supplieren. Die ital. spräche hat noch andre, 
den scheinheiligen kräftiger zeichnende ausdrücke, wie baciapile säulenküsser, 
stropiccione reibwisch (der auf den knien umherrutscht), graffiasanti heili- 
genkratz er, torcicollo halsverdreher (augenverdreher würden wir lieber sagen). 
Paraggio it., pr. paratge, ebenso arag. (Ducange), fr. parage 
herkunß, stand; eigentl. gleichheit, ebenbürtigkeit, von par. 

Paragone it., sp. paragon, parangon, fr. vrlt. parangon verglei- 
chung. Das wort ist von Spanien ausgegangen und dankt seinen Ursprung 
den substantivisch angewandten präpositionen para con, z. b. la criatura 
para con el criador das geschöpf im vergleich mit dem Schöpfer: c zwischen 
voccden mußte zu g herabsteigen. Es ist also verlorene mühe, es im grie- 
chischen aufzusuchen. 

Parare it., pr. parar hinhalten z. b. die wange, auch sp. parar in 
parar mientes animum advertere; in andrer bed. ital. abhalten z. b. einen 
stoß, so fr. parer parieren, sp. anhalten, stehen machen. Lot. parare ge- 
währt nur die bed. bereiten; hieran knüpfte sich einerseits die bed. hin- 
halten, eigentl. bereit machen, bereit halten, andrerseits die bed. ab- 
. kalten, anhalten, eigentl. verwahren, schützen, wie lat. defendere. Von 
parare schützen ist it. para- petto, daher fr. parapet brustwehr; von 
parare abhalten it. para-sole, fr. parasol Sonnenschirm, para-vento 
windschirm; darnach gebildet fr. para-pluie (m.) regenschirm. Auch 
it. rip arare, sp. reparar, sofern es abhelfen, bewahren heißt, weicht vom 
lat. warte ab, sbst. riparo, reparo ausweg, schutzwehr. Zu merken auch 
it. comperare, comprare, sp. pr. comprar, cdtfr. comperer, wal. cum- 
p^ra, bloß mit der bed. kaufen, lat. comparare. Eine neue zss. ist sp. pg. 
pr. emparar, amparar (wie sp. embrollar, ambrollar) in besitz nehmen, 
ergreifen, fr. s'emparer sich bemächtigen, it. imparare lernen (wie ap- 
prendere); fr. se rem parer sich verschanzen, sbst. rempart (früher 
rempar gesehr.) verschanzung, wall. Eine andre zss. ist it. 8 parare, 
sp. disparar ein gewehr losschießen, eigentl. entladen, entrüsten. 

Par co it., sp. pg. parqae, pr. parc, pargue (noch jetzt mit g pargou, 



236 I. PARECCHIO— PARPAGLIONE. 

• 

pargado, pargagi), fr. parc Umzäunung, thier garten, daher z. b. fr. par- 
quet, vb. parquer. Es tritt bereits im frühsten nüatein auf; parcus, 
parricus L. Rip., L. Angl., parc, parch L. Bajuv., wo es aber Kornspeicher 
bedeutet; ahcL lautet es pfarrich, pferrich, nhd. pferch, ags. pearruc Chron., 
pearroc Alfred., gad. p&irc, kymr. parc, parwg. Scaliger hielt es für 
eine entstellung aus pale, dies von palus pfähl, in beziehung auf die ein- 
zäunung; andre leiten es, gestützt auf eine ital. nebenform barco, vom 
deutschen vb. bergen, prät. barg, aber der anlaut ist entschieden die 
tenuis, ahd. pf ; andre vermuthen celtischen Ursprung (Diefenb. Goth. wb. 
I, 265), aber auch in dieser spräche steht es da wie ein fremdling. Es 
wird zu bedenken sein, ob es nicht vom lat. parcere herstammen könne: 
substantiva mit activem sinne aus verbis sind häufig. Wie it. redina von 
retinere etwas zurückhaltendes, cigna von cingere etwas umgürtendes, so 
konnte parco etwas schonendes, schützendes bedeuten; das Substantiv ent- 
stand zu einer zeit, wo ce noch guttural gesprochen ward, daher ital. 
nicht parcio, vgl. sp. torca von torquere, roman. torcere u. a. Dagegen 
ließen sich einwenden die ags. formen pearruc, pearroc, insofern diese 
spräche in latein. Wörter keinen able\tiwgsvoccd einschiebt, doch konnte 
das beispiel einheimischer formen wie veolc, veoluc, veoloc leicht zu jener 
einschiebung verführen. 

Parecchio it., parejo sp., pareil fr. gleich, wal. sbst. pereäche 
paar; dimin. von par, mlai. pariculus: hoc sunt pariculas causas pareilles 
choses L. Scd. u. s. w. Der ital. plur. parecchi bedeutet ' mehrere \ eigenÜ. 
mehrere dinge von gleicher art, mehrere exemplare. Zsgs. it. apparec- 
chiare, sp. aparejar, pr. aparelhar, fr. appareiller eigenÜ. paarweise 
verbinden, paaren (wie noch franz.), daher zusammenfügen {vgl. lat. com- 
binare), zurüsten, sbst. apparecchio ff. zurüstung. 

Parola it., sp. palabra, pg. palavra, alt paravoa SBos., pr. cdtit. 
altsp. paraula, fr. parole wort; von parabola gleichnis, daher spruch, 
wort, schon im frühern mlatein. Es ist ersatz für verbum, das man aus 
scheu vor seiner religiösen bedeutung vermied (Schlegel, Obs. sur la langue 
prov. not. 33), wenigstens sind it. sp. verbo, altsp. vierbo, pr. verbi, . 
churw. vierf (plur. verba s. Cctrisch p. 214) in dieser allgemeinen bedeu- 
tung unübliche Wörter, nur das wal. vorbe (fem. wie altit. verba PPS. II, 
170) ist gleichbed. mit parola. Vb. it. parlare, sp. pr. parlar, pg. 
palrar, fr. parier, dsgl. pr. paraular, attfr. paroler, noch bürg, pairölai 
reden, mlat. parabolare : nostri seniores parabolaverunt simul et conside- 
raverunt (Jap. Car. Calv. 

Parpaglione it., pr. parpalho, lomb. auch parpaj, parpaja Schmetter- 
ling; entstellt aus papilio, welchem cot. papallö zunächst steht. Daher it. 
sparpagliare, pr. esparpalhar, altfr. esparpeiller LRs. 336, nfr. £par- 
piller, sp. desparpajar umherstreuen (auseinander flattern machen); der- 
selbe begriff wird neupr. ganz etitsprecliend durch esfarfalhä (von farfalla 
= parpalho) ausgedrückt. Andre namen dieses insectes sind it. farfalla, 
sard. faghefarina, parabatola, calagasu, sp. mariposa, alevilla (im Dicc. 



I. PARROCCHETTO— PASQUINO. 237 

cast. catal. Heus 1836), bresc. barbel, pg. borboleta, churw. bulla, lothr. 
bonbU u. s. w. 

Parrocchetto it., periquito sp., perroquet fr. papagei. Es soll 
pfäffchen bedeuten, von parochus, weü die geistlichen 'Herren diesen vogel 
zuerst gehalten hätten, s. pappagallo. Erwägt man das einfachere span. 
perico, welches Peterchen und papagei bedeutet und nicht aus parochus ab- 
zuleiten ist, so hat man eins der mehrfachen beispiele von anwendung mensch- 
licher natnen auf thiere vor sich; mehrere andre gibt Menage v. perroquet. 

Parröchia it., sp. pr. parroquia, fr. paroisse kirchspiel; nüat. pa- 
rochia, verderbt aus gr. naqonda (daher paroecla bei Augustinus, worauf 
sich die franz. form bezieht), buchstäbl. fremdlingsleben, im kirchlichen 
sinne nachbarschaß, mit hinsieht auf naQoixog nachbar, entweder weil 
die glieder derselben pfarre sich als naclibarn betrachteten (vgl. pr. paroc 
pfarrkind, ital. aber pdrroco, wal. paröh pfarrer), oder weil die ältesten 
Christen ihre religiösen Zusammenkünfte (hxlrjoicu) in der nachbarschaft 
großer städte hielten. Davon handelt Ducange s. v. parochia. 

Partigiana it., altval. partesana JFebr. 28, fr. pertuisane eine 
der hellebarde ähnliche waffe. Ist die franz. form die ächte, so floß das 
wort aus pertuis, allein was soll dies heißen? Rabelais schrieb partui- 
sane und in der (hat verräth die gangbar gewordene form pertuisane 
eine auf pertuiser gestützte Umbildung desselben, indem man an eine 
durchbohrende waffe dachte. Auch das deutsche bartä (partä) ist aus dem 
spiele zu lassen, das suffix würde sich nicht rechtfertigen können. Viel- 
leicht läßt sich auf andre weise helfen. Mit dem masc. partisan bezeich- 
nete man einen partheigänger, den führet eines haufens leichter truppen 
(Trev.): sollte die solchen truppen zukommende waffe nicht ihren namen 
daher empfangen haben? Beispiele dieser ort sind: it. gialda spieß vom 
pr. gelda fußvolk, oder it. mugavero Wurfspeer, eigentl. leichter reiter, 
oder sp. gineta spieß, von ginete reiter, oder auch it. rubalda pickelhaube, 
wohl von rubaldo. 

Parti re Ä, sp. pr. fr. partir in der bed. abreisen, theüsmit, theils 
ohne reflexivpronomen, ursprünglich aber gewiß nur mit demselben ge- 
braucht (attfr. se partir Orelli 175); von se partiri sich theüen, sich 
trennen, weggehen, vgl. unser scheiden für trennen und sich trennen. 

Pasqua it., sp. pr. pascua, fr. päque Osterfest, lat. pascha, be- 
kanntlich aus dem hebr. pesach Übergang d. i. auszug der Juden aus 
Ägypten. Die einschiebung des u, auf die auch die franz. form weist 
(pasca hätte päche ergeben), ist alt (pascua Gl. Keronis 20l a u. s. w.) 
und erklärt sich genügend aus einmischung von pascua weide d. h. ende 
der fasten. Doch sagt der Frovenzole auch pasca, pascha, der Sarde 
pasca, der Baske pazco. Eine abl. ist pr. altfr. pascor, alt it. pascore 
Trucch. I, 24 osterzeit, frühling; ob nach dem genitiv plur. von pascha 
(pascharuin) gebildet, wie man neuerlich angenommen hat, dies zu erwägen 
Ueibe der grammalik überlassen. 

Pasquino it. name einer statue in Rom, an welche man spott- 



238 I. PASSAMANO— PATTA. 

Schriften zu heften pflegte, daher ü. pasquinata ff. Spottschrift, witziger 
einfall; sp. pasquino, it. pasquillo (aus pasquinolo? vgl. culla aus cunula 
u. a.) dass., fr. pasquin lustigtnacher. 

Passamano iL, sp. pasamano, fr. passement borte oder besäte an 
kleidern und möbeln, posament. Span, pasamano heißt treppengeländer, 
porque pasamos por 61 la mano, den ausdruck für die einfassung der 
treppe übertrug man auf die der kleider; so deutet Covarruvias. Diese 
Übertragung wäre möglich: ward doch auch eine andre ort der Verzierung 
oder einfassung von kleidern und anderem g.eräthe, triforium ($. trifoire 
IL c), aus der architectur genommen. Passement vom verbum passer, 
weil die schnüre durchgezogen werden, erklärt Frisch. Schwed. pasnian, 
ungr. päszma, paszom&n, poln. pasaman u. a. stellt Diefenbach zusam- 
men, Goth. wb. I, 344. 

Passare it., sp. pasar, pg. pr. passar, fr. passer, wai. p<jsä durch- 
schreiten. Es erklärt sich, da es von hause aus transitiv ist, besser viel- 
leicht als ein frequentativ von pandere, partic. passus, in der bed. öffnen 
(ebenso it. spassare von expandere), denn als ableitung von passus schritt 
(schritte machen) : pandere moenia, pandere rupem die mauer, den f eisen 
sprengen, durchbohren, liegt dem durchdringen, durchschreiten ganz nahe, 
ja die bed. durchbohren steht dem roman. worte noch immer zu. Dagegen 
ist it. passeggiare, sp. pasear wandeln entschieden von passus. 

Pasta it. sp. pg. pr., päte fr. teig von meU u. dgl. Von pistus 
(gestampft, geknetet) leidet der buchstabe nicht; richtiger darum von pas- 
tus nahrung, wobei einfluß von pastillus mehßcüglein in anscUag zu brin- 
gen ist; die span. form plasta scheint sich dagegen an plasma zu lehnen. 
Von pastillus ist it. pastello, sp. fr. pastel aus farbenteig geformter 
und getrockneter stift zum malen, fr. pastille rauchkerzchen. Zsgs. fr. 
appät lockspeise, pl. appas reize. 

Pastoja it. spannkette der pferde auf der weide, nüat. pastorium: 
si quis pastorium (dl. pastoriam) de caballo alieno tulerit L. Long.; von 
pastorius, buchstäblich weidekette, altfr. schlechtweg pasture. Daher it. 
pasturale, fr. päturon unterer theil des pferdefußes, wo die spannkette 
angelegt wird, der darum auch im deutschen fessel heißt; vb. it. im pas- 
toja re, fr. emp&trer für empeturer (norm, empaturer) die fessel anlegen, 
it. spastojare, fr. döpetrer dieselbe abnehmen. 

Patta cremon. latz, klappe an kleidern, neupr. pata läppen, comask. 
fuß, sp. cat. pata, fr. patte tatze, pfote, sp. patear traben; sp. pato, 
pata, alban. pat$ gans; wohl auch fr. pataud küchenhund (mit breitet* 
tatzen); sp. patan bauernlümmel ; bürg, pata-pouf, in Eheims pata-boeuf 
tölpel; dsgl. it. pattino, fr. patin Schlittschuh. Ohne grade vom gr. 
navog (tritt), Ttaveiv (treten) herzurühren, trifft das roman. wort als 
natur ausdruck wie unser patschen damit zusammen, indem es etwas plattes, 
platt auftretendes ausdrückt. — [Dagegen ist Stier geneigt, pata gans für 
semitisch zu halten, da gans und ente arabisch-türkisch bat heiße, s. Zeit- 
schrift für vergl. sprachf. XI.] 



I. PATTUGLIA— PEDANTE. 239 

Pattuglia it., sp. patrulla, fr. patrouille, früher patouille, streif- 
wache; vb. sp. patrnllar, patullar, fr. patroullier streifen. Letzteres 
hei/U auch mit händen oder fußen in einer pfütze rühren, patrouille rühr- 
kette (bei Nicot). R ist, wie öfters nach t, eingeschoben und so fließt pa- 
touiller aus patte und bedeutet eigentl. patschein, hin und hertreten be- 
sonders im schmutz: gleicher Bedeutung ist henneg. patoquer, patrouquer, 
paftriquer, patouger, champ. patoiller, platrouiller. 

Pausare iL, sp. pg. pr. pausar, fr. pauser ruhen, innehalten; vom 
nachclassischen pausare. Daneben mit der bed. ruhen, fußen und transit. 
ruhen machen, niedersetzen it. posare, sp. posar (sbst. posada wohnung, 
herberge), pg. pousar, fr. poser, prov. aber nur pausar. Bereits die L. Alam. 
tu. 64 sagt et pausant arma sua josum. Zsgs. ist it. ri posare, sp. 
reposar, pg. repousar, pr. repausar, fr. reposer ausruhen, ausruhen lassen. 
Aber fr. däposer, disposer, exposer, imposer, proposer, supposer sind 
aus deponere, disponere, exponere, imponere, proponere, supponere mit 
anbildung an das begriffsverwandte pausare, da auch der Provenzale 
depausar, dispausar, expausar, empausar, perpausar, supausar spricht, 
denn die lat. Wörter konnten nur diejenigen sprachen brauchen, die auch 
das einfache ponere nicht von sich gewiesen hatten: it. diporre, sp. de- 
poner ff., das einfache ponere aber kennt die franz. und prov. spräche 
nur noch in einer ganz eingeschränkten bedeutung, s. pondre 11. c. 

Parese und palvese it., sp. paves, fr. pavois großer schüd; nach 
Ferraris vermuthung von Pavia benannt, wo sie etwa verfertigt wurden, 
wie man die dolche, pistolesi, nach Pistoja benannt habe. Belege dafür 
bei Muratori, Ant. ital. II, 616. Die Walachen haben paveze (f.), die 
Ungarn pais, die Böhmen paweza. 

Pecca it., pr. peea, pec fehl, mangel, sp. peca, pg. peco fleck; von 
peccare. 

Pedaggio it., sp. peage, fr. päage zoll; von pes pedis. Pedagia 
dicuntur quae dantur a transeuntibus BreViloquus. 

Pedante it. sp. pg., pädant fr., ein auch ins deutsche aufgenom- 
menes wort. Darüber sagt Varchi (Ercol. p. 60, ed. di 1570): quando 
io era piccino, quegli che avevano eura de 1 fanciugü, insegnando loro 
. . e menandogli fuora, non si chiamavano, come oggi, pedanti ne con 
voce greca pedagogi, ma con piü orrevole vocabolo ripititori. Pedante 
war also früher {und ist noch im piemont. nach Zalli) ein erzieher oder 
hofmeister: das der griechischen spräche mächtigere Itcdien romanisierte 
naideveiv in paedare und zog daraus das particip pedante, man vergleiche 
frescante frescomaler, dem gleichfalls kein vorhandenes verbum frescare 
zu gründe liegt. Wie aber das wort zu seiner heutigen bedeutung ge- 
langte, ist leicht einzusehen. — [Mahn p. 104 hält vorstehende erklärung 
von pedante für bedenklich, da herkunß romanischer aus griechischen 
verbis selten sei: er zieht das von Pacuvius gebrauchte paedagogans als 
etymon vor. Wenn er andrerseits die einführung wissenschaftlicher Wörter 
aus dem griechischen als etwas gewöhnliches einräumt, so könnte man 



240 I. PEDONE -PELTRO. 

fragen, ob unser die schule betreffendes vermuthlich unter den gelehrten 
aufgekommenes wort einem wissenschaftlichen nicht nahe verwandt war? 
Ein stärkeres bedenken aber gegen diese deutung liegt im buchst oben: 
würde sich das der ital. Sprache aufgedrängte pedagogante mit der seit 
nicht lieber in pegante verkürzt hoben als in pedante?] 

Pedone it., sp. peon, pr. peoo, pezon, fr. pion fußgänger; gleich- 
sam pedo pedonis von pes. Daher pr. pezon i er, aJtfr. peonier mit 
gl. bed., nfr. pionnier schanzgraber. Speeidl franz. ist piäton, welches 
lat. pedito peditonis (von pedes peditis, tnlat. vb. peditare) voraussetzt. 

Pegar sp, pg. pr. leimen, heften, empeg&r pichen, apegar ankleben, 
anheften; von ptcare mit richtiger darstellung des T durch e. Die frans. 
Sprache formte poisser, empoisser gradezu aus pix picis. Die ital. hat 
viererlei formen: impeciare = fr. empoisser, empeser (sbst. empois), 
inipegolare, sard. impigare = pr. empegar, sodann appicciare, 
impicciare und selbst appiccare ankleben, anheften, impiccare auf- 
hängen, spiccare losmachen. Daß letztere nicht mit piccare (stechen) zu- 
sammengesetzt sind, zeigen die bedeutungen: appiccare*. b. würzet fassen 
— S P- pegar; das unregelmäßige picc für pec (lat. pic) könnte etwa im 
deutschen pichen seine erkiärung finden. Sp. empeguntar zsgs. mit 
untar salben. 

P^lago it., sp. pielago, pg. pego,pr. peleg (peleagre bei A. Daniel) 
meer, vb. cat. empelegar sich aufs meer begeben Chr. d 9 Escl. p. 713 h ; von 
pelagus. Aber die roman. hauptbedeutung ist abgrund, grundloses wasser 
(sp. auch teich, fischteich Cdl. e D. p. 24 h . 26 h , großer see das. 74 h , pg< 
pelago brunnen, teich SRos.) und diese bedeutung zeigt es auch im mlatein, 
worin es eben so üblich ist. 

Pelare it., sp. pg. pr. pelar, fr. peler haare oder federn ausrupfen, 
schälen; von pilare der haare berauben, nicht von pellis. 

Pell egri no it., pr. pelegrin, pelerin, fr. pelerin wander er, waller; 
von peregrinus, sp. peregrino. Aus der roman. form mit 1 ist unser pil- 
grim, pilger. 

Pelliccia it., pg. pellissa, fr. pelisse, ahd. pelliz, nhd. pelz; vom 
adj. pelliceus, pellicea. Zsgs. fr. surplis für surpelis chorhemd, pr. 
sobrepelitz. 

Peltro it. feines mit Quecksilber raffiniertes zinn, sp. pg. peltre 
mischung von zinn und blei, dltfr. peautre Eoquef., ndl. peauter KU., 
engl, pewter. Die Italiener meinen ihr wort aus England empfangen ztt 
haben, aber nach den Sprachgesetzen ist grade das umgekehrte zu ver- 
muthen. Erst aus pewter scheint das gael. feödar geschaffen wie füdar 
aus powder, fr. poudre. Der ital. oder span. form also wäre nachzu- 
spüren. Sollte es etwa herrühren aus dem prov. em-peltar pfropfen, 
impfen, und eine mischung oder Veredlung des metalls (des zinnes durch 
quecksilber, des bleies durch zinn) bedeuten? Auch noch eine form mit 
vortretendem s ist zu erwähnen: engl, spelter, nd. spialter, AocW*spiau- 
ter, altfr. espeautre (KU. 307 a , unbelegt). 



I 

I 



I. PENNA-PERLA. 241 

Penna it. berggipfd, sp. peöa, pg. penha fels, Hippe, das span. 
wort schon in den ältesten Urkunden, z. b. Yep. III, 17 (v. j. 780)', de 
Pozo8 usque ad summam pennam Esp. sagr. XXVI, 442 (v. j. 804). 
Von pinna zinne der mauer, pr. pena, fr. pignon, it. pignone dass.; 
fr. pinacle von pinnaculum. Das celt. pen köpf gipfel wäre sicher 
masculin geblieben. 

Pennone it., sp. pendon, pr. peno, fr. pennon fahne, panier; 
aiUsp. wimpel an der tanze: trecientas langas son, todas tienen pendones 
PC. 723 ed. Janer. Lot. pannus ist aus dem spiel zu lassen, da zum 
umlaute des a kein grund vorlag. Kommt es von pendere, so daß es 
äwas herabhangendes bezeichnet wie das it. pendone? Oder von penna, 
indem der streifen zeug mit einer wallenden feder verglichen ward? 
Grammatisch spricht für letzteres, daß die franz. spräche d nach n nur 
selten, die ital. kaum irgend einmal tilgt, die span. aber der einschiebung 
des d geneigt ist und sie namentlich in p&idola schreibfeder, lat. pennula, 
altsp. pefiola Conq. Uttram., anwendet; auch bedeutet it. pennoncello so- 
wohl wimpel wie federbusch. In diesem falle muß man ip der dUspan. 
die grundbedeutung anerkennen. 

Perdice und pernfce it., sp. pg. pr. perdiz, fr. perdrix rebhuhn; 
von perdix. Neben dem mit r verstärkten perdrix, welches sich auch in 
mederl. glossaren des 14. jh. zeigt (Dief. Gloss. lat. germ. 426*), bestehn 
im aUfranz. noch die formen pietris und perdis, daher perdigal d. i. 
perdrean Roq. 

Perla it. sp. pr., pg. perola (selten perla), fr. perle, dltfr. auch 
pelle {wie parier neben paller), ein weitverbreitetes an die steile von nnio 
getretenes wort, ahd. perula (nnio dicitur thiutisce perula Gloss. Diu- 
tiska II, 190), p€rala, pgrla, bgrala, berla, ags. pearl, nord. perla, mlat. 
bei Iso magister (9. jh.) masc. pernlns, bei Wolfardus presb. (9. jh.) 
perola ( cdbugo\ später perla. Statt dessen wal. m$rg$ritar. Der deu- 
tungen sind auch hier mehrere. Es könnte sein = pirula, dimin. von 
pirum oder eigentlich von dem roman. fem. pera, also birnchen, von der 
gestalt so genannt. Daß die spräche nicht verschmähte, die perle ein 
birnchen zu nennen, beweist das sp. perilla, das für birnchen und für 
eine ort pfrlen gebraucht wird, und so nennt der Franzose eine längliche 
perle perle en poire. Daß aber der name von der speciellen sorte auf die 
gattung erstreckt werden konnte, ist wohl kaum fraglich. Vermöge einer 
ähnlichen anschauung nennt der Lateiner dieses naturproduet bacca. Dem 
äymon pirula schließt, sich das pg. perola genau an. Perula kennen 
schon die Glossae Isid., aber in der bed. extremitas nasi, bei Rhabanus 
nasi extremitas pirula vocatur a forma pomi pyri. Dieß schließt aber 
'birnchen nicht absolut aus, denn die glossatoren geben oft nur eine be~ 
deutung an, die ihnen die merkenswertheste schien: warum soll pirula 
nicht des ihm gebührenden diminutivsinnes theilhaftig geblieben sein? Man 
deutet unser wort ferner aus pillula kügdchen, durch dissimilation pirola, 
perola, perla, erstere form in der trient. venez. und veron. mundart. Es 

16 



242 I. PERNO— PERTUGIARE. 

ist kaum glaublich, daß man ein wort, das die bedeutung eines arznei- 
mittels hatte, an die stelle von unio setzte. Nach einer andern ansieht 
entstand perla durch eine geringe abänderung aus perna muschel, behau- 
ter der perle (s. Ducange v. pemae) und wirklich besitzt die neap. und 
sicil. mundart die form perna für perla, auch bedeutet iL pernocchia 
perlenmutter (Veneroni). Diese etymologie hat den fehler, daß sich weder 
aus dem einfachen perna noch dem abgel. pernula das pg. perula oder 
dhd. perala gewinnen läßt. Auch sphaerula bällchen, hügelchen ist in 
betracht gezogen worden; aber hier macht der ardaut Schwierigkeit. Der 
Italiener konnte wohl sperola dafür sprechen, aber perola schwerlich: wo 
bei ihm ein solcher Wegfall des anlautenden Sibilanten wirklich einmal 
vorkommt, besteht wenigstens das unverkürzte woH daneben. Endlich ver- 
muthet Grimm, Myth. p. 1169, im altd. berala cet. eine entstdlung aus 
beryllus, ßrjgvXXog (gen. comm.), woher auch das deutsche brille und das 
rom. brillare geleitet werden: perla ruhte alsdann in betracht seines 
accentes auf dem griech. werte und dagegen wäre nichts zu erinnern. In- 
dessen setzt diese deutung voraus, daß der Romane sein wort aus dem 
deutschen entlehnt habe, denn die Steigerung des lat. anlautes b zu p ist 
gegen das roman. lautgesetz und namentlich in gemeinrom. Wörtern ohne 
beispiel; diese Wanderung des Wortes aber hat wenig innere Wahrschein- 
lichkeit. Statt auf beryllus, dessen begriff doch nicht ganz zusagt, be- 
ziehen andre es unmittelbar auf das damit identische syrische berfil, das 
außer beryll, krystall, kor edle auch perle bedeuten soü; diese bedeutung 
gibt zwar Gastellus an, es fehlt aber jede autorität oder nachweisung dafür. 

Pemo it. sp. pg. haspe, zapfen, sp. pernio eisernes band an thüren 
und fenstern; nach Menage von perna, vgl. gr. neQovt] dorn der spange, 
agraffe. 

Perö it., so auch pr. (Bth. 137 perö accentuiert), sp. altpg. pöro 
(im Poem. d. Cid noch nicht gebraucht), aÜfr. poro Eulal., auch poruec, 
theüs conclusive theüs adversative partikel von per hoc und pro hoc, 
ersteres bei Apulejus und spätem für propterea öfters vorkommend. Zsgs. 
sp. emp6ro, pr. empero; it. perocche, nüat. per hoeque Form, arvern. 
Walter III, 489, zeile 12. 

Pärsica zsgs. pesca it., sp. persigo, prisco, mit arab. artikel al- 
persieo und alberchigo {arab. al-bersk), pg. peeego und alperche, pr. 
presega, fr. pfeche (f.), wal. pearsece pfirsich; it. persico, pesco {sp. me- 
loeoton), pg. peeegueiro, pr. pesseguier, fr. pfecher, wal. pearsec Pfirsich- 
baum; von persicum persischer apfel, persiens persischer bäum. 

Per so it., pr. altfr. pers dunkel färb, nicht bläulich, wie Raynouard 
meint, s. P. Meyers gloss. zu Flam., nach Dante (im Conv.) zwischen 
purpur und schwarz, doch so daß das schwarze vorwiegt; nüat. persus, 
perseus ( ad persei tnali colorem accedens Ducange. Eins der ältesten 
Zeugnisse in den Schleust, glossen 39, 167 persnm 'weitin (waidfarbig). 

Pertugiare it., pr. pertusar (persar GRoss.), alt- und neufr. per- 
cer (daher sie. pirciari) aus pertuisier, durchbohren; sbst. ü. pertugio, 



I. PESO-PEZZA. 243 

fr. pertuis loch; von pertundere pertusus, gleichsam pertusiare, pertu- 
siuni, eine mit i gewirkte ableitung. 

Peso it. sp. pg., pr. pens, pes, edtfr. pois, nfr. poids (mit pondus 
verwechselt) gewicht; von pensam gewichtige sacke. Vb. it. pesare, sp. 
pg.pr. pesar, fr. peser wägen, wiegen, sp. apesgar beschweren, drücken; 
dsgl. iL pensare, sp. pg. peiisar, pr. pensar, pessar, fr. penser erwägen, 
denken; von pensare. Graphisch verschieden, aber gleichwohl identisch mit 
letzterem ist fr. panser = pr. sp. pensar warten, pflegen, eigentl. be- 
denken, besorgen, befriedigen, vgl. lat. sitim pensare den durst stillen. 

Pe stare it., sp. pistar, pr. pestar, dsgl. sp. pisar, pg. pr. pizar, 
fr. piser, wei. pisä stampfen. Die formen mit st sind entschieden vom 
spätlat. pißtare, dies von pistus (it. pesto) für pinsitus; die mit s lassen 
sich etymologisch richtig auch auf das von Varro gebrauchte pisare be- 
ziehen. Daher das sbst. it. pesta, sp. pista, fr. piste fußtapfe, spur, 
bahn, und hievon vermuthlich it. pistagna, sp. pestana, pg. pestana vor- 
stoß am kleide, passe-poil, eigentl. spur oder straf von tuch. Da dieser 
vorstoß oft mit fransen besetzt war, so bedeutet das wort auch die fransen 
am rande des Ideides und im Span, und port. durch eine leichte und schick- 
liche Übertragung die augenwimpern; ähnlich nennt Cicero das äußerste 
der locken fimbria. 

Petardo it. sp., fr. petard thorbrecher; scherzhafter Soldatenausdruck, 
von peto, pet, lat. peditnm. Daher auch fr. petiller krachen. 

Petecchie it., sp. petequias (Seclcendorf), fr. p&ächies (alle im 
plur. üblich) rothe flecken auf der haut in bösen fiebern; ein von den 
ärzten unmittelbar aus dem plural des gr. mxxmaov (lederstückchen mit 
salbe zum auflegen auf die haut) mit übergehung des lat. pittacium, ge- 
formtes wort, woher auch unser petesche, Weigand II, 360. 

Petrosellino, petros&nolo, prezz&nolo cet. it., sp. perexil, fr. 
neupr. persil petersiUe; von petroselinnm (naxQoaihvov). Pg. aipo 
(apium), cot. julivert. 

Pet t ine it., sp. peine, pg. pente, pr. penche, fr. peigne komm; 
twipecten, in einigen sprachen mit eingeschobenem n. Vb. pettinare/f. 
Eine abl. ist pr. penchenilh, fr. p6nil (für peignil) äußerster theil des 
Unterleibes, in beziehung auf die bed. crines circa pudenda, in welcher 
Juvenal pecten gebraucht, it. pettignone, gr. xteig, s. Menage; dasselbe 
bedeutet die stpan. zss. empeine. • 

Pezza, pezzo it., sp. pieza, pg. pega, pr. peza, pessa, fr. ptece, 
cdb. pjea^. Die allgemeinste bedeutung ist fetzen, läppen, stück zeug, dar 
her auch stück land, sogar stück zeit, kurzer Zeitraum. Seit etwa dem 
8. jh. kennt man es in den latinisierten formen petium, petia mit der 
bed. stück land : uno petio de terra üla Mur. Ant. ital. III, 569 (v. j. 
757); et alia petia p. 1005 (v. j. 730). Es könnte identisch sein mit 
sp. pedazo, wäre die zusammenziehung nicht zu ungewöhnlich. Ausser- 
dem sind zwei deutungen zu beachten. Vom kymr. peth stück (bret. p6z, 
gad. peos), aber der cdt. aspirata th entspricht niemals rom. z, oder soll 



244 I. PIAGGIA-PIASTRA. 

man aus peth erst durch ableitung pethia, petia gewonnen haben? Sodann 
vom gr. ni£a fuß, säum, rand, formell genügender und auch dadurch em- 
pfohlen, daß das rom. oder mlat. wort zuerst in Italien auftaucht und da- 
selbst bei weitem die meisten ableitungen getrieben hat. Das iL pezzolo 
füßchen (bei Ferrari) neben pezznolo fetzen könnte noch dazu angeführt 
werden, träfe es nicht mit lat. petiolus zusammen, s. picciuolo IL a. 

Piaggia und spiaggia it. } sp. pr. playa, pg. praia, cot. platja, fr. 
plage gestade, flacher Strand des meeres, ital. auch sanfter bergabhang. 
Lat. pläga ward auf die gegend am meere eingeschränkt und empfieng 
ein adjectivsuffix (ea, ia) wie manche andre substantiva, s. Born, granm. 
II, 302; das reine primitiv würde sich mit pläga (schlag) vermengt haben. 
Dieses neue wort plagia bemerkt man schon im frühen mlatein, z. b. 
Gregor d. gr. monachos monasterii Gazensis, quod est in plagia; ein 
anderes altes aber vielleicht nicht achtes zeugnis ist: statio est, quam 
plagiam dicunt Serv. ad Arn. 2, 23. Im altfranz. findet sich noch plaie 
vollkommen = lat. plaga und in derselben bedeutung: ä la plaie de 
l'occident ad occidentalem plagam Bibl. Roq. II, 360. 

Pianca piem. steg, pr. planca, plancha, fr. planche brett, daher 
sp. plancha blech, pg. prancha diele; von planca bei Festus und Poila- 
dius. — Ital. sp. pg. palanca, masc. trient. palanc, wal. petanc pfähl, 
von palanga, pic. mit bewahrter media palangue, auch wal. als zweite 
form pekng (m.). 

Piare it., sp. piar, daher fr. piailler piepen wie die vögd, natur- 
ausdruck. 

Piastra it. metallplatte, dsgl. eine ital. span. und türkische silber- 
münze, altfr. plaistre geplätteter boden, estrich (nacli Garpentier empla- 
cement), nfr. plätre (m.) gips; abgel. it. piastrone, pg. piasträo (aus 
dem ital.) platte des panzers; it. piastrello pflasterläppchen. Ohne 
zweifd von emplastrum (efxnlaaiQov) wundpflaster, Stückchen rinde zum 
ocülieren, in den romanischen sprachen auf etwas plattes von härterem 
stoff ausgedehnt. Daneben blieb it. empiastro, /r emplätre, sp. em- 
plasto = gr. ennlaoTov. Aus plastrum formte der Italiener nach abge- 
stoßenem anlaut das vb. lastricare mit platten oder steinen belegen, 
pflastern, hieraus vielleicht erst, da das substantivsuffix Tcus im roman. 
kaum angewandt wird, lästrico pflaster, und nach abgeworfenem für den 
artikel gehaltenen 1 mundartl. ästrico (z. b. mail. astrich, astregh, com. 
astrach, sie. astraen fußboden in verschiedenem sinne), schon im altern 
mlatein astricus 'plastar Voc. S. Gatt., woher unser estrich. Daher viel- 
leicht auch dttfr. astre, aistre, neufr. ätre herd, mitteUat. astrum 'pavi- 
mentum Gl. aug., das franz. wort gewöhnlich aus atrium hergeleitet, s. 
Altrom. glossare p. 48. — [ Was astrum, astricus betrifft, so macht Wacker- 
naget (brieflich) die ansprechende bemerkung: *Ich denke astrum geht wie 
astricus (Vocab. 8. GcMi), wovon unser estrich, auf die sternförmige 
Zusammensetzung der Steinplatten, die den fußboden bilden und verzieren, 
zurück und hat deshalb mit atrium ursprünglich nichts zu schaffen. — 



I. PIATO— PICCO. 245 

Zu nennen ist hier noch das ungefähr gleichbedeutende ostracus bei Isi- 
dorus 19, 10, 26: pavimentnm testaceum eo quod fractis testis calce 
admixta feriatur: testa enim graece ootqokov dicitur. 5 Aber der ganz 
unübliche tausch des betonten o mit a macht dieses etymon mehr als 
zweifelhaft; Isidorus scheint sogar das mlat. astracus vor äugen gehabt 
zu haben.] 

Piato it., sp. pleito, pg. pleito, preito, pr. plait, plag, altfr. plaid 
(schon in den Eiden) rechtshandel, dsgl. vertrag, chw. pled wort;, vb. it. 
piatire, piateggiare, sp. pleitear, pg. preitejar, pr. plaideiar, altfr. 
plaidier, plaidoier, nfr. plaider, chw. plidar einen rechtshandel führen. 
Placitam, das im frühsten mütdaiter Versammlung zur Verhandlung wich- 
tiger Staatssachen hieß (placita habere, tenere 9. Jh.), sog man, als c 
noch unbedingt guttural lautete, in plactum (placdum) zusammen, wiewohl 
sich in der römischen litteratur kein beispiel dieser Variante findet: hier- 
aus denn die obigen formen. K ln licitus, placitum, bemerkt Ritschi, blieb 
man bei der vocalischen bindung stehen, obwohl lictus, plactum gewiß 
kein Sprachgesetz entgegenstand^. Im altport. war auch placito üblich, 
später zsgz. in plazo, prazo, sp. plazo, s. Santa Rosa. 

Piatto it., pg. sp. chato, pr. fr. plat flach, sbst. it. piatto, sp. plato, 
fr. plat teller; ein in mehreren sprachen einheimisches wort, zusammen- 
hängend, wie es scheint, mit gr. nXarvg breit, flach, ahd. flaz. Gleicher 
herkunft ist sp. pg. plata süber (eigenfl. metattplatte, altfr. plate) schon 
m Urkunden des 10. jh. z. b. Esp. sagr. XVIII, 332, Marca hisp. p. 864, 
und ein neueres wort für ein edles metatt platina; ferner sp. chata ein 
fahr zeug, daher it. sciatta (so von sp. chato, comask. sciatt platt, auf allen 
vieren, als sbst. kröte). 

Piazza it., weil, piatz (m.) y sp. pg. pr. plaza, pla$a, plassa, fr. 
place, mhd. nhd. platz; vb. fr. placer stellen, setzen; von platea (nhx- 
teia sc. odog breiter weg), bei Horaz platea, goth. platja? s. Gabelentz 
und Lobe zu Müh. 6, 5; ebenso mit verschobenem accent neugr. nXavya 
(y wie j). Die bed. räum in einer Stadt, platz, eigentl. hof, hat es zuerst 
bei Lampridius. 

Piccione it., sp. pichon, pr. pijon, fr. pigeon, it. auch pippione, 
altfr. auch pipion taube; von pipio täubchen bei Lampridrius, dies von 
pipare, pipire, vgl. das mail. Tdnderwort pipi vögelchen. 

Picco it., sp. pg. pico, pr. fr. pic Schnabel, bergspitze u. dgl.; fem. 
it. picea, sp. pg. pica, fr. pique spieß; vb. it. picoare, sp. pg. pr. 
picar, fr. piquer stechen. Die Wörter lehnen sich an das lat. picus specht 
(vogd, der in die baumrinde hackt) mit langem i, daher keine roman. 
form mit e vorkommt: im gleichbed. sp. pico und fr. pic begegnet es jenen 
Wörtern gradezu. Vergleichen läßt sich kymr. pig spitze, ätsch, picken, 
pickel. Dahin gehört ferner it. picchio specht, stoß (in erster er bed. 
offenbares diminutiv von picus, gleichsam piculus), picchiare Hopfen; fr. 
picot spitzhaue, picoter stechen, sticheln; vielleicht auch sp. picaro, it. 
piccaro spizbube u. a. m. Hierzu Diefenbachs Orig. europ. p. 263. 



246 I. PICCOLO-PIGLIARE. 

Piecolo tf.» sp. pequeno, pg. pequeno Hein. Frovenzälen, (Ma- 
larien und Franzosen drücken denselben begriff mit petit aus, allein schwer- 
lich steckt die gleiche wurzel in den itai. span. port. formen i pit-colo 
hätte sich wohl in picchio verwandelt (vgl. soperchio von superculus) und 
pequeno müßte allzu künstlich aus pit-ic-uefio construiert werden. Es 
bietet sich ein anderes etymon dar im alten roman. pic spitze, piceare 
stechen, so daß piecolo (ursprüngl. subst. wie noch als name einer münze) 
tüpfeichen, pequeno tüpfelhaft, winzig bedeutete, wobei noch zu erinnern 
ist) daß das itai. partic. pieco in seiner bedeutung (gestochen) dem lat. 
punctum, piecolo also dem lat. punetulum entspricht. Jenes rom. pic 
scheint auch im wäl. pic tropfen, oiban. pice vorzuliegen. Neben piecolo 
besitzt die itai. spräche noch zwei bildungen mit palatalem c pfcciolo und 
pieeino Jdein, die sich in pic-ciolo, pic-cino oder auch in pit-ciolo, pit- 
cino zerlegen lassen; neupr. (in Nizza) sagt man piccioun, limous. pitson, 
fem. pitsouno, selbst ungr. pitzin. Sard. pieeioecu knabe, picciocea mäd- 
chen sind gleichfalls zu nennen. 

Pidocchio it., sp. piojo, pg. piolho, pr. peolh, pezolh, cat. poll, 
fr. pou (für p6ou) laus; von pediculus abgeändert in peduculus (Freund), 
mlat. peduelus Gl. bibl. Hattemer I, 225 b , peducla Gl. erford. p. 362, 
74. Davon das vb. it. spidocchiare, sp. despiojar, fr. äpouiller. 

Piedestallo it., sp. pedestal, daher fr. pi&Lestal Säulenfuß, fuß- 
gestell; zsgs. mit dem altdeutschen stal Stellung, stand, s. unten stallo. 

Piegare it., sp. pr. plegar, pg. pregar, fr. plier und in compos. 
ployer, wal. pleci falten; von plicare. Zsgs. it. impiegare, sp. em- 
plear, pg. empregar, fr. employer anwenden, anlegen, urspr. in etwas 
hineinlegen, von implicare einwickeln, einfügen, it. impiego, fr. emploi 
anwendung, bedienung, dienst; it. spiegare, pr. espleiar, fr. dlplier, 
d^ployer, von explicare, de-explicare. Dazu Uegar II. b. 

Pietanza it., sp. pr. pitanza, fr. pitanee die tägliche portion eines 
klostergeistlichen. Nach Le Duchat von petentia, dem aber nur ein sp. 
pedenza gerecht wäre; nach Muratori, zu sehr gegen den buchstaben, vom 
it. piatto Schüssel. Itai. pietanza, das in älter spracJie auch miüeid be- 
deutet, weist augenscheinlich auf pietä, es konnte gleichsam eine gäbe des 
mitleide ausdrücken, altpg. pitanza bedeutet müdthätigkeit SEos. Aber 
diese? pietanza, zu welchem die andern roman. formen gar nicht passen, 
könnte es nicht eine umdeutung sein aus pitanza, das noch der Lombarde 
bewährt, und konnte dies nicht erwachsen sein aus dem alten roman. pite 
sache von geringem werth? Schon Ducange dachte daran. Nicht fetcW 
verbindet sich zwar das sufjfix antia (ant-ia) mit Substantiven, allein es 
fehlt tiieht an einem verbum pitare, das z. b. im genues. pitta picken be- 
deutet, so daß das Substantiv im sinne klösterlicher enthaltsamkeit ein auf- 
nehmen der speisen gleichsam mit den fingerspitzen, eine kärgliche mahl- 
zeit ausdrücken würde. 

Pigliare it., sp. pillar, pg. pr. pilhar, fr. piller wegnehmen, plün- 
dern. Von pilare rupfen oder von dem nur bei Ammian begegnenden 



I. PIGREZZA-PIMIENTO. 247 

pilare, s. v. a. expilare plündern? Das rotn. i spricht für letzteres und 
die büdung mit erweichtem 1 erklärt sich als eine scheideform in besiehung 
auf it. pillare, fr. piler stampfen, von plla. In compilare war sie nicht 
nöthig, doch findet sich daneben it. compigliare zusammenfassen, sconi- 
pigliare verwirren, zerrütten. . 

Pigrezza it., sp. pr. pereza, pg. pregui^a, fr. paresse trägheit; 
von pigritia, wie sehr auch das franz. wort dem gr. nvQtoiq gleicht. 

Pilatro it., sp. pg. pr. pelitre, fr. pyrethre bertramwurzd; von 
pyrethrum. 

Pillotta iL, sp. pg. pr. pelota, fr. pelote baU, knäud; von pTla, 
bereits in den Md. ghssen pilotellus = sp. pelotilla. Daher auch sp. 
peloton, fr. peloton häufe, rotte. 

Piloto it. sp. pg., dsgl. it. pilota, fr. pilote lootse, Steuermann. Die 
ndl. spräche hat pijloot, und dies hält man für eine zss. aus peilen die 
tiefe des wassers messen und lood, loot blei, was aber noch naher zu 
prüfen sein möchte. Im franz. bedeutet piloter pfähle ins wasser schlagen, 
pilotis grundpfcM, im piem. so wie im picard. und wallon. schlechtweg 
pilot genannt. Aber logischer Zusammenhang zwischen pilotis und pilote 
ist nicht abzusehen, wie sich letzteres denn auch mit seinem derivativen e 
offenbar als ein dem it. pilota identisches wort ausweist; dieses aber hat 
einen fremdartigen anstrich, indem sein suffix an idiota, epirota u. dgl. 
erinnert; romanisch wäre pilotto, pilot 

Piluccare it. trauben abbeeren, pr. pelucar ausrupfen, pic. pluquer 
mit den fingerspitzen auflesen, norm, champ. pluchotter; zsgs. fr. 6 pl li- 
eber, chw. spluccar, moden. spluccä ausklauben, ausrupfen. Es ist eine 
ableitung vermittelst des suffixes uc aus lat. pilare haar ausrupfen, ent- 
haaren; also nicht vom ags. pluccian pflücken, das im ital. unfehlbar 
wenigstens piuecare erzeugt haben würde, umgekehrt mag das deutsche 
wort aus dem roman. geflossen sein. Man trenne davon das sp. espulgar, 
s. pulee. Mit piluccare ist zu verbinden sie. sard. pilucca, lomb. peluch 
haar schöpf, piem. pluch, gen. pellucco haar, faser, ital. entstellt in per- 
ruca, parruca langgelocktes haar, dgl. falsches haupthaar, wal. paröce, 
fr. perruque, occit. sogar pamparrugo, richtiger sp. peluca, alle mit 
letzterer bedeutung. Das fr. perruque soll Coquillart (ende des 15. jh.) 
zuerst gebraucht haben, man sehe Barbazan, Fahl, et cont. I, 26. Noch 
bei Nicot bedeutete es l coma, caesaries und erst faulse perruque 'galericu- 
lum, capiUamentum. y Andre lassen das wort aus gr. 7tv$$6g entstehen, 
da die Römerinnen falsches haar von blonder färbe zu tragen pflegten, 
aber gegen die entwicklung aus dem im roman. vorhandenen pilus wird 
kaum etwas einzuwenden sein. 

Pimiento, pimienta sp. pfeffer, pr. pimenta gewürz, dsgl. pr. 
pimen, dltfr. piment, ndat. pigmentum ein trank aus wein, honig und ge- 
würzen, nfr. piment ein zu vielen arzneien gebrauchtes kraut; alle vom 
lat. pigmentum färbemittel, aber auch kräutersaft zur bereitung der 
färbe, daher etwas würzhaftes oder wohlriechendes; ahd. pimenta € pig- 



248 I. PIMPINELLA— PIOGGIA. 

mentum, aroma, odoramentum . Der ital. spräche ist das wort abhanden 
gekommen. 

Pimpinella it., sp. pimpinela, fr. pimprenelle ein küchenkraut, 
pimpernell, pimpinella saxifraga; soll aus bipinella für bipennula (zwei- 
flügelig) entstanden sein. Der name wird auch von andern pflanzen- 
geschlechtem gebraucht. Der Catalane sagt pampinella, der Piemontese 
pampinela, wohl nur eine zufällige form, da die pflanze mit pampinas 
nichts gemein hat. Neupr. heißt sie fraissineto, von fraisse = fraxinus. 

Pinaccia it. (nach Menage), sp. pinaza, fr. pinasse eine ort 
schiffe; von pinus flehte, schiff. 

Pincione it., sp. pinzon, pinchon, fr. pin<jon, cot. aber pinsd, ein 
vogel, flnke. Derselbe vogel heißt griech. omvidiov, dimin. von oniva, 
das jedoch in onivdiov verkürzt ital. spingio oder spingione ergeben hätte, 
wie denn diese spräche ein anlautendes s nicht abstößt. Besser leitet man 
daher das wort vom kymr. pinc (ndat. gleichsam pincio), welches eigent- 
lich fröhlich, zunächst flnke bedeutet, vgl. fr. geai munter und hoher; der 
Bretone spricht pint. Anmerken läßt sich noch das mit pincione gleiehbed. 
bair. pienk, slav. pinka, ungr. pinty flnke. Seltsam ist das neupr. bürg. 
quinson für pinson; auch pg. pisco weicht von der span. form beträcht- 
lich ab. 

Pinque fr. (f.), sp.mit g pingue (m.), auch pinco, pg. pinque (m.), 
ndd. pinke (f.) eine art schneller lastschiffe mit flachem boden und einem langen 
und hohen hintertheüe, wie Adelung das deutsche pinke beschreibt, ndl. pink 
fischerkahn, engl, pink kleines Segelschiff. Aus pinus (schiff) konnte unzweifel- 
haft pinica, pinca, wie aus granum granica u. dgl. abgeleitet werden, auch 
pinaza ist daher. Zwar hohen die verschiedenen fahrzeuge in beziehung 
auf ihre gestalt und andre merkmale gewöhnlich individuellere benennun- 
geh, denn pinca aus pinus konnte ursprünglich nur die allgemeine bed. 
schiff ausdrücken; gleichwohl ist diese etymologie festzuhalten, wenn das 
wort nicht erweislich deutscher herkunfl ist, worauf selbst das schwanken 
der roman. formen und des genus hinzudeuten scheint: dieses deutsche 
pinke nennt schon W. Grimm, Exhortatio p. 69, ein schwer zu erklären- 
des wort. Dem ital. gebiete fehlt es, wiewohl Moraes die pinke ein fahr- 
zeug des mittehneeres und der italischen husten nennt: pinca ist hier ein 
länglicher kürbiß und weder in der Schriftsprache noch in den mundarten 
ist die bed. schiff vorhanden. — [Neben dem ndl. pink findet sich noch 
ein veraltetes espink? welches Van den Helm, Woordgronding, als boot 
von esperiholz erklärt, also eigentlich 6sp-pink. Für die etymologie ist 
dies ohne belang.] 

Pinta sp. pg. mahl, zeichen, daher auch ein maß für flüssigkeit, fr. 
pinte, wal. pinte ; von pingere pictus. S. Grimms Reinhart p. CCXXX VIII. 
Ebenso mag goth. mfcla scheffd mit mSl zeichen (?) zusammenhängen, 
Grimm HI, 468. 

Pioggia it., sp. lluvia, pg. chuva, fr. pluie, weil, plo&ie regen; 
von pluvia. Äbgel. sp. chubasco platzregen. 



I. PIOMBARE-PISCIARE. 249 

Piombare it. senkrecht herabfallen, fallen nach dem Senkblei, cadere 
a piombo; ebenso pr. plombar einsenken, eintauchen, fr. plonger, letzteres 
eine scheideform von plomber, das der bedeutung des lat. piombare treu 
blieb, ufid gebildet mittelst des suffixes g = lat. ic (venger = vindicare); 
dieselben doppelformen im citfr. clinger, enferger neben cliner, enferrer. 
Sbst. fr. plongeon taucher. Pictet p. 69 weist plonger auf bret. plunia 
eintauchen = kymr. plwng = sanskr. plavana und allerdings müssen 
plonger und plunia zusammenhangen, das franz. wort steht aber so ge- 
sichert auf latein. boden, daß es keine erklärung aus celtischen sprachen 
verlangt. Seine herkunß aus plumbicare bestätigt sich überdies durch die 
pic. form plonquer 1) eintauchen, 2) schwer auftreten, altpic. plonkier, so 
tcie durch das mit plonger glekhbed. bask. pulumpatu; auch ist wallon. 
plonc = fr. plomb, plonk! = plonger. — [Neuere bemerkungen über 
die herkunß dieses Wortes von Diefenbach, Ztschr. f. vergl. sprachf. XII, 79.] 

Pioppo, pioppa it., wal plop (älban. plepi), watton. plopp, pg. 
mit bekannter Verwandlung des pl in ch chopo, choupo, span. neben pobo 
gleichfalls chopo, das der Catalane mittelst einer rückbildung, wie es 
scheint, in clop übertrug, da sein cl öfters dem pg. sp. eh entspricht, 
neap. chiuppo. Es ist das lat. pöpulns pappet, und ein merkwürdiges 
beispiel von formveränderung : um populus von pöpulus zu scheiden, wird 
man schon in der römischen Volkssprache ploppus eingeführt haben, sonst 
besäße der Walache schwerlich plop. Ein sehr altes ital. beispiel (v. j. 
994) ist sancta Maria da li pluppi Murat. Ant. ital. II, 2035. Im 
Gloss. oce. ist jop bemerkt, das aus it. pioppo entstanden sein müßte. Die 
lomb. mundart spricht ohne Umstellung pobbia, in Berry gut peuple für 
peuplier, im Jura puble, im Limousin piboul. 

Pipita it., sp. pepita, pg. pevide, pivide, pr. pepida, fr. päpie 
eine krankheit der kühner; vom gleichbed. lat. pituita, das sich früh in 
pivita, demnächst in pipita verwandelt haben muß, da auch das ahd. 
phiphis eine solche form (mit an- und inlaut p) in anspruch nimmt. Ein- 
facher, durch syncope, entstand aus dem lat warte das maxi, püida, puvida. 

Pisciare it., wal. piSa, pr. pissar, fr. pisser harnen. Dessen stelle 
vertritt sp. pg. das aus dem latein. aufbewahrte mear, mijar; nur das den 
übrigen sprachen in diesem sinne fehlende kinderwort pixa, pissa (mentula) 
ist hier vorhanden. Auf deutschem gebiet bemerkt man es zuerst im alt- 
fries. pissia, allmählich findet es sich in allen sprachen dieses gebietes ein, 
wird aber als ein fremdling betrachtet, s. Weigand s. v. Unter den celti- 
schen besitzt es nur die kymrische (piso, pisio), nicht die gaelische, selbst 
nicht die bretonische: jene hat dafür müin, diese troaza. Gewöhnlich 
findet man in dem roman. worte eine onomatopöie, so daß es ungefähr 
unserm zischen entspräche: einen zischlaut hat außer der ital. und wal. 
form auch cot. pixar, neupr. pichä, pic. picher. In der annähme von 
onamatopöien kann man leicht zu weit gehen: es ist im allgemeinen rath- 
samer auf vorhandhe Wörter zu bauen. Hier fühlt man sich versucht an 
pytissare, pitissare eine flüssigkeit wegspritzen (nwiCeiv) zu denken, (Mein 



250 I. PISTOLA. 

die begriffsübertragung tcäre unstatthaft, da dieses verbum eigentl. aus- 
spülten bedeutet. Das roman. verbum beschränkt sich in den mundarten 
nicht auf den angegebenen sinn. In der occitan. z. b. heißt es auch eine 
fliissigkeit ausstrahlen: Ion san pisso das blut spritzt aus der oder; den 
gleichen gebrauch erlaubt das p armes, worty in Berry ist pissäe ein guß 
aus dem Schmelzofen. Dies mahnt an pipa pfeif e, röhre: auch mhd. 
pfifen = n hd. pfeifen kann diesen sinn erfüllen: fiz pheif im daz blnot, 
s. Wb. II, 493 h . Sollte nun der 'Romane aus pipa ein vb. pipisare 
zsgz. pipsare pissare (vgl. bombus, mlat. bumbisare) abgeleitet haben mit 
der zuletzt angeführten bedeutung? Iliezu möge noch bemerkt werden 
das trient. pipa Springwasser, das sich begrifflich dem dtschen pfifen 
genau anschließt. Diese auslegung des Wortes möge weiterer ertcägung 
empfohlen sein. 

Pistöla it.sp., fr. pistole und pistolet ein kleines Schießgewehr. Zu 
Pistoja, sagt H. Stephanus, verfertigte man kleine dolche, pistoyers ge- 
nannt, deren name nachher auf die petites barqnebnses übertragen ward 
(weil beide versteckt geführt wurden?). Es gibt indessen kein dem fr. 
pistoyer entsprechendes itdl. wort, wohl aber pistolese mit der bed. kurzer 
säbel, und diese bedeutung oder dolch dürfte allerdings als die Ursprung- 
liehe angenommen werden. Pistolese aber ist nicht unüblich für pistojese 
d. h. aus Pistoja (Fernows Rom. Studien III, 278) und eine abkürzung 
in pistola gedenkbar. Erwähnung verdient aber auch Frischs vermuthung, 
das wort sei aus pistillns Stößel, it. pestello, abgeändert und bedeute ein 
Werkzeug mit einem\knauf eine vermuthung, die durch das ven. piston, 
peston kurze kugeibüchse, welches genau dem it. pestone großer stoßet 
entspricht, nicht wenig gestützt wird. Sie leidet indessen an einem zwar 
unscheinbaren, aber entscJteidenden formfMer. Wenn ein suffix, wie hier 
ill, . abgeändert wird, so kann dies nur in der art gescliehn, daß man es 
mit einem andern vertauscht: unser wort müßte also pistnola heißen, 
denn bloßes ol kann nur nach i vorkommen (oriolo, nsignolo d. i. nsiniolo). 
— Gleichlautend ist der name einer angeblich im 16. jh. und zwar zuerst 
in Spanien in Umlauf gekommenen goldmünze. Im franz. bedeutet pistole 
gewöhnlich ein fremdes goldstück (pistole d'Espagne, d'Italie), und doch 
kennt weder das span. noch das itdl. Wörterbuch diesen ausdruck; ein 
veraltetes sp. pistolete hat erst Seckcndorf. Um so weniger darf an eine 
von Pistoja ausgegangene münze gedacht werden. Bemerkenswert, ist da- 
gegen, was Claude Fauchet, präsident des münzcollegiums (f 1599), dar- 
über sagt: ayant les escus (d'or?) d'Espagne estä redniets a nne plus 
petite forme que les escus de France, ont pris le nom de pistolete et 
les plus petits pistolets bidets. Daß man ein kleines goldstück scherz- 
haft ein pistölehen und ein noch kleineres ein pufferchen genannt habe, ist 
nicht unglaublich. — [Mahn in einem gelehrten artikel p. 97 — 104 halt 
pistola die waffe und pistola die münze für Wörter verschiedener herkunß. 
Die waffe sei allerdings nach Pistoja benannt worden und stamme auch 
nach geschichtlichen Zeugnissen aus Italien. Pistola die münze aber sä 



I. PITO— PIZZA. 251 

aus dem it. piastra entstanden und stehe für piastruola; die zusammen- 
ziehung scheint indessen ungewöhnlich hart] 

Pito sp. spitziges höhchen, altfr. pite name einer sehr kleinen 
münze, henneg. pete Kleinigkeit, comasK. pit wenig; daher sp. pitorra 
schnepfe (vom spitzen schnabel), wallon. petion Stachel der biene; vb. pr. 
pitar sich schnäbeln, sp. apitar anhetzen, altfr. apiter mit den finget- 
spitzen berühren, pg. petiscar kosten, nippen, pitada so viel man mit zwei 
ftngerspüzen packt (Wagener); dsgl. mit dem begriffe der Kleinheit maxi. 
pit in wenig, cremon. peteen Kleinigkeit, sard. piticu Mein, weil, pitic 
zwerg, altfr. peterin winzig SB. Diese beispiele lassen einen alteinheimi- 
schen stamm pit annehmen, der etwas spitzes, schmales bedeutete und sich 
im kymr. pid spitze wiederfindet. Ein wichtiger Sprößling dieses Stammes 
ist altit. pitetto, petitto, pr. cat. petit, fr. petit, neupr. pitit, wallon. 
piti Klein, dimin. pr. cat. altfr. petitet. Ebenso weist das glekhbed. pic- 
colo auf pic spitze. Beachtenswerth an pet-it ist das suffix, welches aus 
euphonischer rücksicht der Verwandlung in et widerstand: petet oder gar 
petetet lautete übel. Ein altes zeugnis des Wortes findet sich in Pitito- 
villare Mabül. Dipl. p. 498 (v. j. 775). 

Piva it„ sp. pg. pipa, altfr. pipe, pr.mit eingeschobenem m pimpa, 
abgel. fr. pipeau ländliche flöte, Schalmei; von pipare, plpiare piepen 
(von vögeln), woher auch ahd. pfifa, nhd. pfeife, pfeifer, letzteres im it. 
piffero, sp. pifaro, fr. piffre und fifre nachgebildet (piffre dickbauch, 
eigentl. wohl mit aufgeblasenen backen wie ein pfeifer, s'empiffrer sich 
vollstopfen); churw. fifa. Merkenswerth ist das dauph. pipa, welches früh- 
ling bedeutet vom schalmeienton. It. sp. pg. pr. pipa, fr. pipe bedeuten 
auch ein langes faß als maß für flüssigKeiten, gleichsam eine flöte. Auch 
fr. pivot und it. pinolo zapfen müssen hieher gehören. Von pipilare 
aber ist pg. pipilar, it. pigolare piepen, pimpeln, für pivolare, v mit 
g vertauscht (Born. gr. I, 288) oder besser wohl, eingeschoben in eine 
form piolare für pivolare, welche erstere auch in öberital. mundarten 
vorkommt. 

Pizza ven. das stechen, jucken, sard. pizzn schnabel, chw. pizza, 
matf. 'pizz, sie. pizzn, iL pinzo Stachel, sp. pinzas, fr. pince, it. pinzette 
Kneipzange; dsgl.it. pizzico, sp. pizea zwick; vb.ven. pizzare, wallon. 
pissl, it. pizzicare, wal. pitzigä, piscä, alban. pitsköig, cat. pessigar, pr. 
pezngar, sp. pizear und pinchar, fr. pincer, epincer, epinceler zwicken; 
dahin auch pg. piscar os olhos blinzen (die äugen Kneifen). Zunächst 
vom ndl. pitsen, hd. pfetzen, das aber selbst wieder auf einem im roman. 
einheimischen wurzelworte pit (s. oben pito) zu beruhen scheint. — 
[Nach Zarncke, Mhd. wb. II, 493, wäre pfetzen aus mlat. petfa, nach 
Weigand, D. wb. II, 362, von pitar, s. oben pito. Formell sehr befrie- 
digend, da sich hiermit auch die rhinistischen formen sehr leicht erklären, 
leitet Langensiepen pizzare, pinzo cet. aus pictus pictiare, pinetus pinetiare. 
Daß aber pingere ursprüngl. stecken, sticken, also auch stechen bedeutet 
und daß diese bedeutung in der spräche fortgedauert habe, ist unerweis* 



252 I. POGGIO-POLIZIA. 

lieh: in acu pingere liegt der begriff des Stechens in acus, nicht in 
pingere.] 

Poggio it., pr. pueg, puoi, altfr. pui anhöhe, sp. pg. poyo bank 
vor dem hause, altfr. puiot stütze Trist; von podium erker, anhohe. Vb. ü. 
po'ggiare, altsp. puyar Canc. de B., altpg. pr. poyar, altfr. puier steigen; 
zsgs. it. appoggiare, sp. pg. apoyar, fr. appuyer stützen, sbst. apptri. 

Poi it., sard. puß, sp. pues, pg. poz, pr. pos, pus, pois, fr. pnis, 
Partikel, von post; zsgs. it. dipoi und mit versetztem accent und Ver- 
wandlung des i in o (wie in domani) döpo, gewiß eine sehr alte bildung, 
da auch der Walache sie in dtip^ besitzt (mail. de poü, in Forli dopö), 
pg. pr. depois, fr. depuis, mlat. de post L. Sal.; woneben sp. des pries, 
pr. despuois, com. despo, bergamask. paduan. daspo, aus de ex post er- 
klärt werden müssen. Eine andre zss. ist it. poscia, pr. poissas, von 
postea. In betreff des weggefallnen t in post, darf an pos im älteren la- 
teinischen sprachgebrauche, umbrisch pus, erinnert werden, um so mehr 
als auch der Franzose dieses auslautende t hinter 8, das er in est (vom 
vb. etre) zuläßt, hier nicht anerkennt. Post in S. Etd. wird also wohl 
ein latinismus sein, deren hier mehrere vorkommen. 

Polödro, pulädro it., sp. pg. potro, pr. poudre (zu folgern aus 
poudrel), altfr. poutre junges pferd. Mlat. pulletrus, poledrus schon in 
der L. Sal. und L. Alam., puledro K folo\ puledra 'fülihha Ol. Cass. Das 
wort steigt also hoch hinauf, ist aber aus dem classischen latein unnach- 
weislich, denn Scatiger J s pulletra für pullastra bei Varro ist bloße con~ 
Jectur, s. Forcellini. Da die mittel der latein. und roman. spräche nicht 
ausreichen, das sufftx edrus oder etrus zu erklären, so dürfte man fragen: 
bedienten sich etwa die Griechen in Italien einer diminutivform inolid^iov 
(von nwlog füllen) für 7tioUdwv (vgl. X/tnog, inmdiov), woher Italien sein 
poledro nahm? Aber auch nwUdiov reichte dem Romanen hin, um diese 
letztere form durch eingeschobenes r zu schaffen. Sp. pg. potro heißt auch 
folterbank wie lat. equuleus von equus, weil sie einige ähnlichkeit mit 
einem pferd hatte (auch unser folter ist von poledrus), nfr. poutre heißt 
querbalken zum auflegen eines andern balkens. 

Poleggio, puleggio it., pr. pulegi, sp. poleo, pg. poejo, fr. pouliot 
eine pflanze, polei; von pulegium. 

Polizfa it., sp. pg. policia, fehlt pr., fr. police Staatsverwaltung, 
städtische Verwaltung, * gouvernement d'une republique Nicot, mlat. politla 
'statordnung* Dief. Gloss. lat. germ., im classischen latein nicht üblich. 
Das wort, unser polizei, stammt aus dem griech. nofateia: seine romani- 
sierung, selbst der im franz. auf die vorhergehende sübe zurückgezogene 
accent, verhält sich wie in andern fällen, vgl. vexQOfiaweia, it. negro- 
manzla, sp. nigromanefa, altfr. nigremänee (statt nigreraantfe). — Von 
polizia ist zu trennen it. pulizia, sp. policia reinlichkeü, arjbigkeU, abge- 
leitet von polire, it. auch pulire, spätlat. subst. polities (geschr. policiea) 
1 ylaq>vQoz t]g 3 Quich. Add. f mlat. policia 'sconi* d. t. Schönheit, nettigkeit 
Dief. Gl. lat. germ. 



I. POLIZZA— POPPA. 253 

Polizza it. schein, anweisung u. dgl. z. b. beiG. Villani (f 1348), 
sp. pöliza dass., fehlt pg., cot. pölissa, pr. polissia (totz celz que aquesta 
present polissia veyran cet. urk. v. j. 1428), fr. police (14. jh.), engl. 
pölicy. Die ital. und span. betonung der ersten silbe verbietet, das wart 
mit dem vorhergehenden in Verbindung zu bringen: es weist vielmehr un- 
mittelbar auf pollex pollicis mit geändertem genus, wie oft, frone, zugleich 
mit fortgerücktem accent, muthmaßich aus dem italienischen entlehnt, da 
11 nicht in u iibergieng. Man brauchte pollex für sieget, weil bei dem 
aufdrücken desselben der daumm besonders thaiig ist, daher sab pollice 
S. Mauricii in einer Urkunde DC, demnächst für das mit einem solchen 
zeichen versehene blau. 

Pol le gar pg., sp. pulgar, pr. polgar, dttfr. pochier L. de Guiü. 
daumen, vgl. si quis policare de manum vel pedem excusserit L. Sal.; 
vom adj. pollicaris. 

Poltro it. trag, feige, daher poltrone und so sp. poltron, pg. po- 
triio, fr. poltron, aus dem ital. eingeführt, dem primitiv poltro aber ent- 
spricht nur noch das champ. pleutre (welches Genin, RecrSat. phü. p. 169, 
zu belttre gesellt). Das wort hat seine quelle im ahd. polstar, bolstar 
pfühl, dessen deutschheit nicht eu bezweifeln ist; dieselbe begriffsverwandt' 
schaft zeigt ja auch fr. lodier bettdecke und faulenzer, ja die ital. form 
boldrone, nach Veneroni auch boldra, bedeutet noch jetzt einen theil des 
bettwerkes* und mehrere ausleget Dantes nehmen zu spoltre Inf. 24, 46 
gradezu ein subst. poltro an, maü. polter, romagn. pultar lagerstätte, ven. 
poltrona ruhebett. Ist auch der ausfäll des s im ital. ganz ungewöhn- 
lich, so darf er doch in der consonantischen gruppierung lstr nicht 
auffallen, auch der doppelte antaut p und b redet für deutsche herkunft. 
Scharfsinnig hatte Salmasius in poltrone eine abkürzung aus pollice 
tnmcns erkannt: multi illo tempore (römische zelten sind gemeint), quia 
necessitate ad bellum cogebantur, prae ignavia pollices sjbi truncabant, 
ne militarent; inde pollice trnncos hodieque pro ignayis et imbecillibns 
dicimus, sed truncata voce poltrones. Diese etymologie erwarb beifdtt, 
weil sie an romische Verhältnisse erinnerte; aber schon Menage fand die 
abkürzung zu stark. Er bestreitet aber auch die herkunft aus poltro bett, 
welche Landino, Vdltädlo und andre schon behauptet hatten, indem er 
diese bedeutung für zweifelhaß hielt, und leitet unser wort aus pullus, 
pnllitrns, da junge thiere furchtsam und träge seien. Daß sie scheu sind, 
weiß man, feig und träge ist etwas anders. 

Pomata it., sp. pomada, fr. pommade eine haar- oder hautsalbe; 
so genannt, weil einer ihrer bestandtheile vom apisapfd genommen ward 
(pomo apfd). So die ürusca. 

Ponente it., sp. poniente, pr. ponent eine der weltgegenden, westen, 
eigenü. Sonnenuntergang, ove il sol si pone; auch wcd. apüs {partie. von 
apone = apponere) hat diesen sinn, ebenso fr. conchant 

Poppa it., pr. popa, aUfr. poupe (bei Nicot) brustwar ze, zitze; vb. 
poppare, popar saugen. Stalderl, 237 und Grimm P } 406 vergleichen 



254 I. POR— POTARE. 

Schweiz, bübbi, engl, bubby, aber daraus konnte das vom. wart nicht wohl 
entspringen. Die lat. spräche bietet nur püpa Mädchen, puppe: das ital. 
wofi würde dasselbe sein, indessen konnte sich ü verkürzen wie in cupa, 
it. coppa, daher das chw. popa und das fr. poupäe (nicht pnpäe) und 
selbst unser puppe ; mit o schreibt auch der Vocab. S. Galli das mascidin 
popus 'seha d. i. pupilla; nur der Piemontese spricht pupa für popa. 
Konnte nun unser zitze im it. zita die bed. mädchen ausdrücken, so wäre 
es vielleicht nicht zu vermessen, hier die umgekehrte enttotcJdung, zitze aus 
püppchen, anzunehmen. [Pott vermuthet in poppa eine reine latäform ohne 
beziehung auf lat. pupa, s. dessen werk Doppelung cet p. 34.] 

Por sp. pg. alt fr., nfr. pour, präposition, vom lat. pro (so noch in 
den Eiden als latinismus), sp. pg. auch die stelle von per einnehmend, 
wie schon in alten Urkunden, z. b. non territus pro hoc sacrilegio Esp. 
sagr. XXXIV, 442 (v. j. 916). Daß dem Italiener diese partikel ab- 
geht, ist bekannt; die einzige sard. mundart besitzt po (= por), das sie 
vermutlich dem spanischen entnahm, denn das landvolk gebraucht peri. 
Zsgs. altsp. altpg. pora, neu para, von pro ad, z. b. vadit pro adribulo 
(rivulum) Esp. sagr. XXXIV, 440. Die catal. spräche hat dafür pera 
(per ad Monlau 362); vor dem infin. trifft man auch im prob, per a, 
im alt fr. por a, s. Rom. gramm. III, 244 note. 

Po reell ana it., sp. porcelana, fr. porcelaine porzellan, eine anfangs 
nur aus China und Japan bezogene töpferwaare. Das ital, wort bedeutet 
auch eine gewisse seemuschel, concha Veneris. Da diese mit der porzeUan- 
masse große ähnlichkeit hat, so lag es nahe, ihren natnen auf letztere zu über- 
tragen. Die muschel aber kann ihren namen kaum anderswoher bezogen 
haben als von porcus, aber, wie Mahn p. 11 auseinandersetzt, nicht in 
beziehung auf dessen gewöhnliche, sondern auf eine andre, figürliche be- 
deutung, welche gleichfalls zwei dinge ihrer ähnlichkeit wegen verknüpft. 

Portulaca it. pr., sp. verdolaga (durch umdeutung mit verde), pg. 
verdoaga, verdoega, entstellt in beldroega, eine pflanze, von portulaca. 
Aus lat porcilaca aber entstand durch fälschung it. porcellana (auch 
eine töpferwaare, s. eben), ahd. purzella. Aus pulli pes hühnerfuß soü fr. 
pourpier für poupiä gebildet sein, was durch die mundarÜ. form pi6pou 
(pes pulli) bestätigung gewinnt, s. Menage. 

Posta it. sp. pg., fr. poste post; von poaitns, wegen der auf gestal- 
ten pferde. 

Posticcio it., sp. postizo, fr. postiche, dsgl. apposticcio, apo- 
stizo, pr. apostitz untergeschoben, nachgemacht; gleichsam appositicius an 
die stelle gesetzt, roman. posto stelle. 

Postilla it. pg. pr. (letzteres aus dem vb. postillar zu folgern), sp. 
postila, fr. apostille randbemerkung; nicht aus positus, es lautete alsdann 
it. postella, sp. postilla, fr. apostelle, sondern zsgs. aus post illa sc. verba 
auctoris, s. Vossius Vit. senn. 

Potare it., sp. pg. pr. podar, altfr. poder gewächse beschneiden; 
von pütare, dessen figürliche bedetUung (glauben) in die romanischen 



I. POTE-PREBENDA. 255 

sprachen nicht eingieng. Dahin sp. po do n,pg. podäo kippe, auch atifr. poün 
Gormond v. 241. 255 ed. Scheler 246. 259. {nickt mit Heisenberg = fr. 
poing), abgeleitet vom sp. poda beschneidung, occit. poudo gartewnesser. 

Pote sp. pg., pr. fr. pot {erster es zu folgern aus potaria) topf; vom 
ndl. pot, wenigstens ist das pic. poteqnin offenbar das tnndl. potekin; das 
stammwart übrigens auch im celt. vorhanden, kymr. pot, gael. poit. Dem 
Italiener fehlt potto, dagegen entspricfU das daraus gezogene feminin dem 
ir. puite, das, wie lat. concha, die ital. bedeutung mit der oben bemerkten 
vereinigt, auch it. vaso hat diesen doppelten sinn. Eine abl. muß sein fr. 
potage suppe (auch genUise: potaige 'legumen Gl. de Lille p.37 b ed. 
Scheler), daher it. potaggio und wohl auch sp. potage, eigentl. etwas im topf 
bereitetes, wie fromage etwas in der form bereitetes heißt, also nickt von 
dem unroman. potus, das fr. pouage ergeben hätte. Wie verhält es sich 
aber mit pr. pot lippe ? ist dies die grunibedeutung, woraus die andre 
erfolgte, wie dies bei brocca der fäll zu sein scheint? In der Schweiz 
lautet es potte, faire la potte ist faire la moue (Dict. genev.), auch lothr. 
potte, vgl. aiban. puze lippe. Neupr. pot, litnous. poutou (m.) bedeuten hiß. 

Potere it., sp. pg. pr. poder, cdtfr. pooir {mit ausgestoßenem d), 
nfr. pouvoir (mit eingeschobenem v zur aufhebung des hiatus), wai. puteä, 
lat. posse; sbst. it. podere (mit d), sp. poder, wai. puteare macht, dsgl. 
hob und gut wie das dtsche vermögen, ital. auch bauerngut. Wie bei 
?elle ward auch hier von der in der conjugation vorherrschenden form 
pot ein neuer infinitiv pbgezogen. Potere t für posse t hat eine Ur- 
kunde vor 760 Fumag. p. 18, potemus für possumus findet sich Form. 
Mab., desgl. Mural. Ant. ital. V, 312 (v. j. 796), ferner podibat (pr. 
podia) für poterat Breq. p, 222 c (v. j. 657), potebat HLang. I, col. 25 
(v. j. 782), potebant L. Sal. app. 3, potebimns für poterimus Form. 
Bciuz., possat für possit Fumag. p. 97 (v. j. 796), possant Mural. III, 570 
(v.j. 757); s. auch Rom. gramm. II, 141—2. 

Pozione it., sp. pocion, pr. poizo trank, arznei, altsp. pozon Alx., 
Conq. Ultram., fr. poison (m., noch bei Malherbe fem., s. Nodier, Exam. 
crit.) giß: von potio trank, arznei-, gift-, zaubertrank. Vb. pr. poi- 
zonar, 5p. ponzoäar, von potionare bei Vegetius, sbst. sp. ponzofia, pg. 
pe<jonha giß. Eine ähnliche ausartung der grundbedeutung im sp. yerba, 
pg. erva gißpflanze, giß, altfr. enherber vergiften; im nhd. gift, ursprüngl. 
gäbe, dosis. 

Pozzo it., wai. putz, sp. pozo, pr. potz, fr. pnits brunnen; von 
putens, dtsch. pfutze. Daher pr. pozar, fr. puiser schöpfen, äpuiser 
erschöpfen. 

Prebenda, prevenda it. pr., sp. prebenda, fr. probende eigentl. 
täglicher lebensunterhcit der manche und anderer geistlichen; von prae- 
benda (plur.J was dargereicht werden muß, lieferung; dieselbe büdung 
zeigt pr. liuranda von linrar. Das gleichbed.fr. provende {woher unser 
pfründe), it. profenda, trennte sich von probende durch einwirkung des 
vb. providere versorgen, pari, providenda, dem sich unser proviant anschließt. 



256 I. PREGNO-PRO. 

■ 

Pregno it., pg. prenhe, pr. prenh, attfr. prains (acc. prenant) 
schwanger, von praegnas, praegnans; vb. pg. prenh ar, sp. particip. 
prenado, dsgl. pg. emprenhar, sp. emprenar ff., wozu ein lat. verbum 
fehlt. Das it. pregno, pregna ist eine misverstandne bildung, die der 
andern mundarten sind, ihrem Ursprünge gemäß, generis communis. 

Presente it. sp., prösent fr. geschenk. Das wort steigt in diesem 
sinne ziemlich hoch hinauf, da schon Rambaut von Orange (um 1160) es 
kennt (prezet gent presen schätzte ein artiges geschenk), das gleichbed. 
ndat. praesentia reicht sogar bis zum 9. jh. zurück. Die bedeutung 
knüpft sich an die des vb. praesentare vorstellen, ndat. und roman. an- 
bieten, darbieten. 

Presso it., pr. pres, fr. prte, partikel für lat. prope; von pressum 
gedrängt, wie gr. ixy%i. Zsgs. it. appresso, altpg. pr. apres, fr. apres, 
it. pressochfe, fr. presqne. 

Pre stare it., sp. prestar, fr. preter leihen; von praestare in ders. 
bed. bei Salvian, Venantius, in der L. Sai. u. s. w. 

Presto it. sp. pg., pr. prest, fr. pret adj. bereit; vom lat. praestas 
auf einer inschrift Grrut. p. 699. n. 4. Merkwürdig ist die port. form 
prestes (indecl.), sie hat in dem gleichbed. lestes neben lesto ihr gegenstück. 

Prete it., sp t altpg. preste, fr. prfetre aus dem edtfr. pr. prestre, 
priester, von presbyter senior, non pro aetate vel decrepita senectute, 
sed propter honorem et dignitatem lsid. 7, 12. Andre formen erklären 
sich wegen des verschiedenen accentes nur unmittelbar aus dem gr. tiqio- 
ßixeQog, oder besser wohl aus dem näher liegenden lat. accusativ pres- 
byterum (Littre, Hist. de la langue frang. I, 33, G. Paris, De Vaccent 45), 
nämlich pr. preveire, preire, cot. prebere, cdtfr. proveire, provoire, und 
so stimmt auch pr. preveiral, preveirat zu ndat. presbyteralis, pres- 
byteratus. Auffallend ist das syncopierte s im it. prete, maü. prevet, 
pret, da die spräche diesen buchstaben sonst nicht scheut. 

Prevosto it., sp. pg. preboste, fr. prövöt,, waZ. preot probst, profos; 
von praepositas. Daher auch sp. pg. prioste syndicus. 

Prigione it., sp. prision, pr. preiso, fr. prison gefängnis; von 
• prehensio, prensio ergreifung, noch im span. Verhaftung, im prov. weg- 
nähme. Im ital. span. und aitfranz. wird es auch in der bed. gefangener 
gebraucht. 

Primo sp. pg. vorzüglich: la obra es prima das werk ist vorzüg- 
lich; von primus im sinne von primarius. Hieraus die bedeutung des 
pr. prim fein, zart, noch jetzt in den mundarten, z. b. limous. oqnel efon 
es prim dieses kind ist zart gebaut. Im Jura ist primbois kleines hol*, 
reisholz. Rochegude bemerkt pr. prim preon mit der bed. sehr tief, was 
an prime probus bei Naevius erinnert. Verb. pr. cot. aprimar ver- 
feinern. 

Pro it. sp. pg. pr., cdtfr. prou, preu, pro, sämmtlich masc. 9 span. 
masc. fem., dafür auch it. prode, cdtsp. altpg. prol (f.) pr. pron vortheä; 
von der lat. partikel pro, substantivisch angewandt wie auch contra, z. b. 



L PROFILARE-PROSTRARE. 257 

iL in pro o in contro zum vortheil oder nachtheil. Vielleicht gab der 
zuruf proficiat, das man roman. in pro-faccia, pro-fassa übertrug, den 
ersten anlaß zu diesem gebrauche, und ebenso ist in prod-est das it. prode 
enthalten, oder eigentlich, prod ist die alte vollständige form für pro, noch 
erhalten in prodins bei Nonius ed. Gerlach (Corssen, Zeitschr. f. vergl. 
sprachf. III, 266; Bitschi, Plaut, exe. I, 97). — Vollkommen gleichlau- 
tend mit diesem Substantiv ist ein adjeetiv (einer endung) mit der bed. 
tüchtig, trefflieh, welches im prov. das eigne hat, daß es sein flexivisches ' 
8 häufig zur wttrzd zieht (pros ni valen acc, de la pros comtessa), da- 
her nfr. preux, nicht mehr pren, chw. prns fromm, adv. pr. prosamen, 
aber auch proosamen, altfr. proüsement, wiewohl Jcein adj. proos, fem. 
proosa, vorkommt. Das adjeetiv pro ist von dem Substantiv nicht zu 
trennen: ital. egli e prode ist wiederum = prod-est 'er ist nützlich, brav, 
wie das altdeutsche frum, das mittdlat. ntilis beide bedetUungen einigt. 
Oder ist es von probus? Unzweifelhaft wäre alsdann die regelmäßige 
gestait des feminins prova, da es von dem übergange eines adjeetivs zweier 
endungen in ein adjeetiv einer endung schwerlich ein gemeinrom. beispiel 
gibt. Auch an prüdens hat man gedacht, aber das lange u verträgt sich 
nickt mit rem. o, wenn man auch auf den wegfaU der endung kein ge- 
wicht legt. — Wenn aber die herleitung des adj. pro aus probus unstatt- 
haft ist, so läßt sich dagegen in dem adv. pr. pro, fr. prou s. v. a. lat. 
satis um so leichter das adv. probe annehmen, als es altfr. auch proef 
(Littre, Eist. II, 209), eat. prou (n aus b) lautet: pro batre aleun wird 
van probe percutere aliquem wenig verschieden sein. 

Profilare it., fr. profiler (entlehnt), sp. perfilar von der seite ab- 
zeichnen; sbst. it. profilo, fr. profil, sp. lomb. perfil Seitenansicht; von 
filum in der bed. gestait (umriß). Der eigentliche sinn der compositions- 
partikel ist um so weniger gewiß, als die sprachen per und pro leicht 
verwechseln. 

Profit to it., pr. profieg, cot. fr. profit vortheil; vb. profittare, 
profeitar, profiter; vom sbst. profectus. Spanier und Portugiesen haben 
dafür provecho, proveito (daher das it. proveccio) mit lat. provectus 
zusammentreffend, doch wird von Santa Rosa auch ein altpg. profeito 
bemerkt, und da in der that provecho aus profectus entstanden sein kann, so 
ist es rathsam, bei diesem als dem gemeinromanischen worte stehen zu bleiben. 

Propaggine it., pr. probaina, sp. provena, fr. provin (für pro- 
vain, wie die alten schrieben) Setzling, senker, vb. provigner; von pro- 
pago propaginis, propaginare, woher auch unser vb. pfropfen. 

Propio it. sp., cot. propi; von proprius mit euphonischem ausfall 
des zweiten r, wci. propriu, pg. proprio, pr. propri, fr. propre. Auf 
einer inschrift Ordl. 4822 findet sieh bereits propii. 

Prostrare it., sp. postrar, pg. pr. prostrar niederschlagen; ein aus 
dem partic. prostratus von prosternere nach der ersten conj. geformtes 
verbum. In span. Urkunden liest man postravi Esp. sagr. XL, 370 (v.j. 
832), postratus XXXIV, 464 (v. j. 962). 

17 



258 L PROTOCOLLO-PUNZAR 

Protocollo it. ff. Von nqunbxolXov, bei den Byzantinern eigenä. 
das den papyrusrollen vorgeleimte blatt (zsgs. aus nQWTog und xokla), 
worauf bemerkt sein mußte, unter weichem comes largitionum und von wem 
der papyrus verfertigt sei; der name nachher auf die notariatsurkunden 
übertragen , weil daselbst jenes blatte da es eine chronologische angäbe ent- 
hielt und zur deckung von fälschungen dienen konnte, nach einer Verord- 
nung Justinians (nov. 44) nicht fehlen durfte. S. Tychsen in Hugo's 
' Civil, magazin VI, 132. 

Prua it., sp. pg. pr. proa, fr. proue Vorderschiff; von prora mit 
ungewöhnlichem gewiß euphonischen ausfalle des r, das sich im ital. proda 
als d darstellt. Dasselbe wort ist auch im aUhoclid. vorhanden: prora 
'prot, prior pars navis* Gl. Paris, (augiens.) Diutisk. I, 268, in andern 
glossen prort; und so wie proda in eweiter bedeutung den rand eines 
dinges bezeichnet, so auch unser ahd. proth prort brort, so daß das ital. 
wort in letzterem sinne aus dem deutschen aufgenommen sein wird, wäh- 
rend es in ersterem einheimisch sein kann. Über den etwanigen Zusammen- 
hang des ahd. Wortes mit andern germanischen s. Graff III, 313. 

Prüdere it., pr. prüzer (pruir GFrov. 37), pg. cot. pruir (ßr 
prudir) jucken; von prürire, euphonisch durch dissimüation prudire u.s.f n 
noch in der limous. mundart prnre für prurer. 

Pugnale it., sp. puüal, fr. poignard dolch; abgeleitet von pngio 
pugionis. 

Pulce it. (f.), fr. puce (f.), cot. pussa, sp.pg. pulga, cremon. gleich- 
falls mit gutturallaut peulegh floh; von pulex (m.); vb. it. spulciare, 
fr. äpucer, cot. espussar, sp. pg. pr. espulgar, val esplagar, unter wel- 
chen das Span, verbum die bed. von despiojar (s. pidocchio) an sich ge- 
nommen hat. 

Pulcella it., altsp. puncella, poncella Bc., altpg. pr. pucella, fr. 
pucelle, chw. purscella Jungfrau, masc. nur pr. piucel, fr. pncean, 
chw. pnrscel Jüngling. Es ist ein dimin. von pullus jung, das gewöhn- 
lich von thieren, als schmeichelwort auch von menschen gebraucht ward. 
Die älteste künde des diminutivs findet sich wohl in einem capitular Chlo- 
dowigs (v. j. 500—511), wo es pulicella lautet, Pertz IV, p. 6, welche 
form auch eine handschrift der Lex. Sal. kennt. Das primitiv pullus 
ist gleichfalls romanisch: ital. in Tessin pol knabe, pola madchen, polle 
in dem alten liedchen auf Etdalia, altfr. und noch in Berry und Nor- 
mandie heißt poulot knabchen, bübchen, in Limousin pouloto mädchen. 

Pulsar sp. pg., pr. polsar, fr. pousser klopfen, stoßen; von pulsare. 
Eine zweite form ist sp. puxar, pg. puxar fortstoßen. Sbst. it. polso, 
fr. pouls, von pulsus. 

Punto it.,, fr. point, auch prov. zuweilen ponh, point, Verstärkung 
der negation; von punctum tüpfeichen, üeinigkeit; il n'a point d'esprit 
er hat kein bißchen verstand, s. etwa Born, gramm. III, 429—30. 444. 

Punzar und punchar sp., pg. pun$ar, it. punzellare, punzec- 
chiare stechen; participiälverbum, gleichsam punctiare von punctuß. SbsL 



I. PUTTO— QUAGLIARE. 259 

ü. pnnzone, sp. punzon, fr. poin^on pfriemen, grdbstichel, ätsch, punzen, 
banzen; von panctio stich, stechen, durch seine concrete anwendung ein 
masadin geworden, vgl. unten tosone. 

Patto it., sp. pg. puto hübe, fem. it. putta mädchen, auch lieder- 
liche dirne, sp. pg. puta, altfr. pute nur in letzterer bedeutung. Ein wort 
der römischen Volkssprache, das sich zufällig in einem Meineren, gewöhn- 
lich Virgil zugeschriebenen gedickte erhalten hat und als ein volksmäßiges 
darin bezeichnet wird: Scilicet hoc sine fraude, Vari dulcissime, dicam : 
di8peream, nisi me perdidit iste putus. Sin autem praecepta vetant 
me dicere, sane non dicam, sed me perdidit iste puer. 8. Winckelmann, 
Jahrbb. für phüd., suppl. II, 497. Für putto war potto zu erwarten, 
wobei jedoch diese etymologie unverdächtig bleibt. Mit putillus bei Flau- 
tus Asin. 3, 3, 104 trifft das ital. dimin. puttello buchstäblich zusammen. 
Eine dbl. ist it. puttana, altsp. putana Bc. liederliche dirne, metze; die 
stelle des unvorhandenen fr. pataine vertritt putain (auchpr. putan, nicht 
putana), aus dem accus, putam, ebenso die eigennamen Evain acc. aus 
Evam, Bertain aus Bertham, Rom. gramm. II, 47. 

Putto it., altsp. püdio, pr. altfr. put niederträchtig, widerlich (häu- 
figes epithet der heiden pute gent); von pütidus wie netto, net von nitidus. 
Daß dem it. putto auch die bed. verbuhlt beigegeben ward, als hange es 
mit putta, puttana zusammen, darf nicht stören. 

Q. 

Qua it., sp. ac£, pg. c4 ortsadverb, von eccu'hac; dazu pr. sa, sai, 
fr. ;a, lomb. sciä, von ecce hac. 

Quadro it. sp. pg. viereck, rahmen, gemälde, fr. cadre, rahmen, pr. 
caire viereckiger stein, bürg, quarre ecke; von quadrum. Abgel. fr. car- 
ri&re steingrube, buchstäbl. quadersteingrube (carrä, carrer von quadra- 
tus, quadrare), in späterem mlatein quadraria, zu scheiden von carrifere 
laufbahn; dsgl. it. quadrello, sp. qnadrillo, pr. cairel, fr. carreau Vier- 
eck von stein u. dgl., auch bolzen (wegen seines vierkantigen eisens). Zsgs. 
it. squadra, sp. esquadra, fr. äquerre, (f.) Winkelmaß, it. sp. auch rotte 
(viereck von leuten), geschwader, daher fr. escadre und escouade ; dsgl. it. 
squadrone, sp. esquadron, fr. escadron heeresabtheilung ; alle vom vb. 
squadrare cet. viereckig machen, lat. gleichsam exquadrare. 

Quaglia it., altsp. coalla, pr. calha, fr. caille, chw. quacra wachtet; 
tnlat. quaquila, quaquara, quaquadra (gewiß aus älterer Überlieferung, 
Wackernagel, Voces animantium p. 20), mnl. quakele. Das cat. guatlla, 
vol. guala, hat den anlaut des dtschen wahtala, neben welchem auch quat- 
tala üblich war. Das wcd. wort ist prepelitze, auch pitpeläce, das sard. 
circuri, das piem. cerlach. 

Quagliare, cagliare it., sp. cuajar, pg. coalhar, fr. cailler ge- 
rinnen, von coagulare. Vom sbst. coagulum ist pg. coalho, it. cagiio 
lab, auch gaglio, latinisiert galium labkraut, bei Linne. 



260 I. QUALCHE— QÜL 

Qualche it., altsp. qualque, pr. qualsque, /r.quelque, unbestimmtes 
pronomen, zsgs. aus qnalis quam nach dem heispide von quisquam. Mit 
angefügtem unus: it. qualcuno, erweitert qualch-ed-uno, fr. quelqu'un. 

Quaräsima it., sp. quaresma, fr. careme (m.), wal. pereisimi 
plur. fastenzeit; von quadragesima, neugr. tsaoaQccxooTt]. 

Quartiere it., sp. pg. quartel, fr. quartier das abgetheüte viertel 
eines raumes, in weiterem sinne ohne rüeksicht auf genauigkeit des maßes 
ein abgetheüter räum z. b. in einem hause, eine wohnung, quartier, auch 
Stadtviertel: altfr. de tote la terre tot lo meillor cartier das beste theil 
des ganzen landes PDuch. p. 48. Der Südwesten braucht das primitiv 
quarto in ähnlicher weise d. h. in der bed. wohnung, simmer, gemach. 

Quatto it.y pr. quait, sp. cacho und gacho geduckt, zusammenge- 
drückt; sbst. it. in Brescia quat alp (etwas drückendes), fr. cache versteck; 
vb. sard. cattare platt drücken, fr. cacher ducken, verstecken, neupr. 
cachä pressen, verstecken; zsgs. fr. 6c ach er, altfr. esquachier Ben. II, 
143, pic. äcoacher, sp. acachar, agachar platt drücken. Quatto entspringt 
einfach aus coactus, ebenso wird sich cacher aus coactare deuten lassen 
(co = fr. c auch in coagulare, cailler, et = ch in flectere, flächir u. a.). 
Eine besondere büdung aus coactus, pr. quait, ist fr. catir pressen = 
altfr. pic. quatir ducken (part. quaitiß BCam. p. 247), nach Frisch u. a. 
von dem den übrigen gebieten unbekannten quatere. AbU. aus cache sind 
cachet petschaft, cachette schlupftoinkd, cachot kerker. Neben pr. 
cachar findet sich noch eine ablautform quichar (quitxat GO.), neupr. 
esquichä, genf esquicher, chw. squicciar quetschen. 

Quello it. nebst colui (in der röm. mundart quelui), sp. pr. aquel, 
pg. aquelle, demonstrativpronomen, von eccu'ille, nach Castelvetro von 
hoco ille (was ist aber hoco?); dazu wal. acel, pr. aicel, altfr. icel, in 
allen drei sprachen auch cel nebst celui, von ecc'ille, vgl. unten qui. 
Man lasse sich durch eine mitteüat. umdeutung nicht zu einer falschen 
etymologie verfuhren. Die Marculf. formdn nämlich fassen icelui als 
ipsi lui auf: interrogatum fuit ipsi lui num. 23, ad parte ipsius lai 
num. 17; ebenso schreiben die Mabül. formein ipsi Uli ei für icelei, und 
so könnte auch ici als ips'hic verstanden werden. Daß sich aber im fr. 
c kein lai. s verbirgt, verräth das picard. chelui, ichi u. s. f., worin ch 
einem lat. $ gleich ist. 

Questo it. nebst costui (in der röm. mundart questui), sp. pg. 
aqueste (altpg. questo), cot. pr. aquest, demonstrativpronomen, von eceu'- 
iste; dazu wal. acest, pr. aicest, altfr. icest, in atten drei sprachen 
auch cest nebst cestui, neufr. cet, von ecc'iste. 

Qui it., altfr. iqui Pass. de J. G. (noch jetzt bürg, pic.), equi SLeg., 
auch enqui, anqui, sp. pr. aquf, ortsadverb, floneccu'hic; dazu it. ci, pr. 
aici, aissi (im Jaufre ci), cot. assi, fr. ici, ci, wal. aici, ici, von ecce hie 
zsgz. eccic. Im ital. fiel der anlaut e weg, im span. und prov. ward er, 
wie oft in tonloser erster silbe, zu a. Ob auch die span. spräche eine form 
mit q oder dem entsprechenden s kannte, da ja die ital. und prov. beide 



I. QUINTALE— RAFFARE. 261 

Im Poem, de Cid 485. 3121 findet sich desf adelante (von 
hier an) = pr. d'aissi enan; auch ein altpg. desy kommt vor, s. D. Din. 
TVov. Zu merken ist hier, daß das rom. ici oder ci in altem ndatein 
mit richtigem etymologischen gefuhl durch ecce ausgedrückt wird, z. b. 
Brunetti p. 439 (v. j. 716) parentes ecce habeo multos ich habe viele 
verwandte hier; p. 441 consobrino ecce mecum habeo ich habe meinen 
vetter hier bei mir. Zsgs. ist it. qui-ci, li-ci, beide bei Dante vorkommend. 

Quintale it., sp. pg. pr. quintal, das letztere schon bei dem Trou- 
badour Bertran v. Born, fr. quintal gewicht von hundert pfund; vom aräb. 
qin'tir Freyt. III, 506 ein gewicht von hundert ratl, welches seinerseits 
aus dem lat. centenarius (ahd. zentenari, kentenari Doc. Mise. I, 204) 
entlehnt sein sott. S. Jos. v. Hammer und besonders Mahn p. 126. 

Quintana, chintana it., pr. quintana, altfr. quintaine männliche 
figur von holz mit einem schüd, den der Jieransprengende reiter mit der 
lange zu treffen suchte. Die entstehung des wortes ist noch nicht aufge- 
hellt. S. Ducange, Menage, Caseneuve s. v., Baoul d. Cambr. p. 24, 
FaUot p. 665. 

Quota it., pr. cota, fr. cote beitrag eines jeden zu einer gemein- 
schaftlichen ausgäbe, sp. pg. cota randbemerkung, transport (eigentl. an- 
gäbe der ziffer); von quotus. Daher ferner it. quotare in Ordnung 
bringen, sp. pg. cotar, acotar, fr. coter beziffern, attegieren, sp. cotejar, 
pg. cotejar vergleichen (eigentl. zusammenstellen); fr. coterie geschlossene 
geseUschaft (ursprüngl. von betheiligten). 



R. 

Rab&rbaro it., sp. pg. ruibarbo, fr. rhubarbe (f.) eine an den ufern 
der Wolga so wie in China wachsende pflanze, rhabarber; eigentl. rha 
barbarum (gr. (&), zum unterschiede so genannt von rha ponticum, wie 
die Römer eine andre art dieser pflanze nannten, die in der gegend des 
schwarzen meeres vorkam. 

Racchetta it. {entstellt in lacchetta), sp. raqueta, fr. raquette netz 
zum ballschlagen; gleichsam retichetta von rete. 

Rada it. sp., rade fr. ankerplatz, rhede; vom altn. reida ausrüstung, 
bereitschaß (der schiffe), ndl. feede, mhd. rade. 

Raffare it. in arraffare, maü. raffa, piem. rafe, chw. raffar, altfr. 
raffer, lothr. raffoua hurtig an sich reißen u. dgl.; sbst. piem. rafa raub, 
gewinn, lothr. henneg. raffe, it. ruffa-raffa rapuse, romagn. riffe-raffa, chw. 
riffa-raffa, sp. rifi-rafe. Dsgl. mit ableitendem 1 it. arraffiare (für ar- 
rafilare), fr. rafler, 6 rafler; sbst. it. raffio haken etwas zupacken, fr. 
rafle in feire rafle alles an sich reißen, rein aufräumen, daher, so scheint 
es, die bed. pasch mit drei würfeln (gewinn, reine aufräumung). Deutsche 
herkunft ist nicht zu bezweifeln: mhd. reffen, nhd. raffen (engl, raff wird 
franz. sein); mit ableitendem 1 nhd. raffel Werkzeug zum scharren oder 



262 L RAGGIO— KAMPA. 

raufen, vgl. auch altn, hrafla wegschnappen. Dem Spiderausdruck rafle 
entspricht ndl. schwed. raffel, engl, raffle. Das altfr. raffle heißt auch 
grind einer wunde Baq., Myst. inid. p. p. Jubinal I, 283 (j'ai rifle et 
rafle et roigne et taigne), ndl. rappe dass., vgl. ahd. rafjan sich sehließen 
(van wunden). Merkwürdig ist das lothr. adj. raffe herb, sauer (eigenÜ. 
zusammenziehend? raffen corripere, zusammennehmen), entsprechend dem 
ahd. raffi asper Graff II, 494, gleichbed. comask. rap, vgl. altn. hrappr 
unsanft. 

Raggio, razzo it., sp. pg. rayo, pr. rai, raig, altfr. rai strahl 
(prov. auch ström), nfr. rayon, van radius; daneben ein fem. ü. razza 
Speiche, wal. raz<j, sp. pg. pr. raya, fr. raie strahl, streif, strich; vb. it. 
raggiare, razzare strahlen, pr. rayar, altfr. raier und roier strahlen, 
strömen, sp. rayar, nfr. rayer streifen, van radiäre. Die üal. form mit z 
kennt schon ein glossar des 8—9. jh. razus K speicha Graff VI, 325. — 
Sanderbar ist altfr. raie ader räe de miel, norm, r&ve (mit eingeschobenem 
v), nfr. rayon de miel honigwabe, auch pg. raio de mel und wähl auch 
särd. reja: es scheint eine durch berührung mit dem alts. rata, mndl. rate, 
mM r&z honi große entstandene bedeutung, vgl. Grimm III, 464, Wei- 
gand II, 511. Sofern fr. raie furche, Wasserfurche heißt = altfr. roie, 
pr. rega, arrega, kommt es von rigare wässern. 

Rallar sp. cot., pg. ralar reiben, figürl. plagen, fr. railler foppen; 
sbst. sp. rallo, pg. ralo reibeisen. Frisch meint vom ndl. rakelen schüren, 
rühren; nähere anspräche hat radicalare van rädere, wenn nicht etwa an 
radula (werkzeug zum kratzen) gedacht werden darf. — [In betreff des 
franz. Wortes erinnert Diefenbach an ndl. ndd. rallen, Schweiz, rahelen 
neckerei treiben und ähnliche, s. Ztschr. für vergl. sprachf. XII, 79.] 

Rame it., wal. aramej, sp. arambre, alambre, pr. aram, fr. airain 
kupfer, kupfererz; von aeramen, bei Festus aeramina 'utensüia ampliora, 
gewohnt, aeramentum kupfergeschirr. Das churw. wort ist iröm, offenbar 
entstellt aus iram, eram, wie nffönt aus uffänt 

Ramerino it., sp. romero, cot. pr. romanf, pg. rosmaninho, fr. ro- 
marin ein kraut; zum (heil entstellt ader umgedeutet aus ros marinus. 

Ramingo it., ramenc pr. beiname des jungen falken, der van ast 
zu ast fliegt, dsgl. unstät, fr. ramingne eigensinnig; van ramus, dtsch. 
ästling accipiter ramarius, entgegengesetzt dem nestling accipiter nidarius 
(Frisch). Dem it. ramingo entspricht in seiner^Bedeutung sp. ramero, 
dessen fem. ramera die feile dirne bezeichnet. 

Rampa it. kraue, rampo haken, pr. rampa krampf; vb. it. ram- 
pare, altfr. ramper klettern, nfr. kriechen, part. rampant aufsteigend 
(herald.); aus diesem verbum wähl erst das sbst. rampe, sp. rampa erd- 
aufwurf, auffahrt. Rampare ist desselben Stammes wie rappare (s. unten), 
vom ndd. rapen, mit m bair. rampfen an sich reißen, packen (lomb. ramf, 
ranf krampf), daher das Substantiv mit der bed. kralle u. s. f. Das ein- 
geschabene m läßt die prav. mundart auch weg: rapar ist = fr. ram- 
per, altval. leö rapan JFebr. = sp. leon rampante, ramagn. rape = 



L RANCO-RANDA. 263 

arrampk Eine abl. ist it. rampone haken, hieraus nach Muratori das 
vb. it. rampognare höhnen, lästern, altfr. ramposner, ramponer höhnen, 
zerren (ramposner, pinchier et poindre zerren, kneifen und stacheln 
Roquef. s. v.\ pr. rampoinar 'dicere verba contraria derisorie GProv. 32, 
sbst. it. rampogna, altfr. ramposne Verhöhnung u. dgl., henneg. ramponne 
tracht schlage. Diese herleitung, wonach rampognare eigentl. mit Schmä- 
hungen zerreißen hieße, bestätigt sowohl das ven. ramponare häkeln, wie 
das cot. rampoina fetzen. 

Ran co it. cot., sp. renco, aitfr. ranc kreuzlahm, ven. ranco verdreht; 
vb. it. rancare, arrancare hinken, dirancare ausdrehen, ausreißen, sp. 
arrancar ausreißen, ausziehen; gleiche bed. hat altit. arrancare PPS. 1, 187, 
gen. arranca, piem. ranchä. Der stamm ist deutsch: nhd. rank, ndl. 
wronck KU. Verdrehung , mhd. renken drehend ziehen, bair. renken zerren, 
ags. Treue trug, goth. vraiqvs krumm. Arrancar ist also wohl ein vom fr. 
arracher (II. c.) ganz verschiedenes wort; zu diesem passt buchstäblich, 
aber nicht begrifflich, das sp. arraigar. — Für sp. renco gibt es eine form 
rengo, sichtbarlich auf derrengar (s. oben diesen artikel) gestützt, mit dem 
sie aber nicht gleiches Ursprunges sein kann. 

Rancore it., rancor altsp. pg. pr., rancoeur altfr., rencor neusp. 
groll; von rancor 1) ranziger geschmack; bei PaUadius, 2) alter groll, bei 
Hieronymus und im mlatein; daher auch fr. ra nenne (mit demselben 
suffix wie im altfr. vieillnne Rom. gramm. II, 341), it. altpg. ran- 
enra u. a. 

Ran da sp., pg. renda spitzen an Jdeidern, daher sp. randal netz- 
förmiges gewebe. Es erinnert unmittelbar an unser deutsches rand und 
beruft sich auf das ndl. kant, welches gleichfalls rand und spitzen heißt. 
Zwar ist rand im alt- und mhd. nur in der bed. schildbuckel nachweis- 
lich, es mochte ihm aber auch die heutige bed. margo, extremitas nicht 
versagt sein, die dem ags. rand, rond, dem altn. rönd oder schwed. rand 
zusteht, denn im gründe ist auch der buckel des Schildes dessen äußerstes, 
daher ihn schon eine ahd. glosse 'cuptda vel ora clypei nennt (Oraff 
II, 631). Andre weisen auf lat. rete, sp. red, dem sich das pg. renda 
schon ziemlich annähert, nicht so das sp. randa. An die span. bedeutung 
schließt sich etwa das pr. randar schmücken, putzen. Das piem. und neupr. 
randa Streichholz um den inkalt eines gefäßes dem rande gleich zu ma- 
chen, vb. rand& dem rande gleich streichen, entspricht unserm rand noch 
entschiedener. Wir stellen noch hieher pr. randa, das für sich allein 
nickt vorzukommen scheint (denn Chx. III, 400 la randa ist mit Bartsch zu 
schreiben l'a randa), davon das adv. a randa bis ans ende, völlig, auch 
it. a randa dicht daran: das Substantiv wird also das äußerste eines 
dinges bedeuten und schließt sich unserm nhd. rand genau an. Abgeleitet 
ist altfr. randir andringen Parton. II, p. 103; pr. altfr. randon unge- 
stüm, heftigkeü, adv. a randon und de randon, sp. de rendon, de rondon, 
pg. de rondao mit einem schlage, heftig, plötzlich (engl, at random), vb. 
randonar, randoner anrennen, antreiben. Da die kämpf er mit vorgehal- 



264 L RANGIFERO-RATTO. 

tenem schüd heranstürmten, so wäre es möglich, daß in diesen ableüungen 
die ahd. bedeutung zur geltung gekommen wäre. 

Rangif ero it., rangffero sp., rangier fr., reynger ndl. rennfhier; 
vom mlat. rangifer, dies wohl aus dem lappisch-finnischen raingo, nach 
Schmeller II, 96. Frans, renne gleichbed. aus dem nord. hrein, r&n. |J 

Raperonzo, raperonzolo, ramponzolo it., sie. raponzulu, romagn. 
raponzal, sp. reponche, ruiponce, pg. rniponto u. dgl., fr. raiponee (f.) 
eine pflanze, rapunzd; von rapa rübe, mit üal. Suffixen. 

Rappare it. in arrappare, sp. pg. pr. rapar gewaltsam wegführen, 
lothr. rapoua an sich raffen, verschlingen. Das üal. wort ist augenschein- 
lich vom ndd. ndl. rapen, engl, rap, schwed. rappa u. s. w. = hd. raffen, 
das span., das auch die bed. scheren (das haar rein wegnehmen) entwickelt 
hat, entspringt gleichfalls leichter hieraus als durch eine sehr seltene um- 
biegung der conjugation aus lat. rapere. Desselben Stammes ist auch it. 
rappa schrunde an den fußen der pferde = mhd. rappe, ndl. rappe 
grind Kü. } vb. ven. lomb. rapare, rapa schrumpfen = bair. sich räpfen 
erharten, mit kruste überziehen. 

Rasare it. (eigentl. ven. lomb. u. s. w.), sp. pg. rasar, fr. raser 
scheren; romanisches frequentativ von rädere rasus. 

Rascar sp. pg. pr. kratzen; sbst. pr. rasca, altfr. rasche kratze, 
grind; für rasicare von rädere rasus. Dsgl. it. raschiare, cot. rasclar, 
altfr. rascler, nfr. racler, mit ders. bed., sbst. it. raschia = pr. rasca, 
lat. gleichsam rasiculare. Sp. pg. rasgar auseinander reißen, sbst. rasgo 
flüchtiger strich, skizze, führt man auf resecare zurück, wiewohl das aus 
rasgar abgeleitete rasgnnar kratzen und skizzieren mit seiner bedeutung 
offenbar auf rasicare weist. Santa Rosa kennt auch ein dÜpg. rascar 
schreien. 

Raso it. sp., ras fr. ein glatter zeug; vom pari, rasus geschoren. 
Abgel. sp. rasilla art sarsche, vgl. bei Isidorus ralla, quae vulgo rasilis 
dicitur. Im it. rascia sarsche (rasch) findet Muratori den ländernamen 
Rascia (ein theil von Slavonien Dante Par. 19, 140), woher dieser stoff 
gekommen sein soll, altfr. le royaulme de Rasse z. b. bei Froissart; andre 
den städtenamen Arras, s. jedoch arazzo U. a. Em alter üal. dichter 
kennt vestiti di Doagio (Douai) e di Rascese PPS. II, 172. 

Raspare it., sp. raspar, fr. r&per abkratzen, schaben; vom ahd. 
raspön zusammenscharren. Sbst. it. raspo traübenkamm, dsgl. räude 
(etwas kratzendes), sp. pr. raspa traübenkamm, granne, hülse eines kornes, 
fr. r&pe raspel; mit verstärktem anlaut it. graspo, vgl. dieselbe Ver- 
stärkung in graeimolo für raeimolo. 

Rastro it. rechen, von rastrum karst, hacke, daher auch sp. rastro, 
pg. rasto schleife (etwas auf dem boden fortgezogenes wie der rechen), dsgl. 
spur, fährte; dimin. it. rastrello, rastello, sp. rastrillo, rastillo, fr. 
räteau rechen, auch gatter, lat. rastellus. 

Ratto it., sp. pg. rato, pr. fr. rat ein den Hörnern unbekanntes 
(hier, rotte, ratze. Die roman. formen des sehr verbretteten Wortes stehen 



L RAZIONE— REDO. 265 

den deutschen näher als den celtischen: dhd. rato (m.), ags. rät, äUndd. 
ratta, gad. radan, bret. raz. Abgd. cat. pg. ratar, piem. rate, sp. rato- 
nar benagen; sp. ratear kriechen, ratero kriechend (auch im moralischen 
sinne). Der Venezianer nennt die rotte pantegan, das Ferrari nicht eu 
erklären weiß: es ist von pantex und heißt eigentl. dickbauch. [Nach 
Stier, Ztsehr. für vergl. sprachf. XI, 131, von novrixog, letzteres oben 
unter armellino berührt.] 

Razione it. (bei Ferrari), sp. racion, pr. fr. ration bestimmtes 
maß an lebensmittdn ; von ratio, ndat. für jus, recht, gerechtsame, das 
was einem gebührt. 

Razza it., sp. pg. pr. raza, fr. race stamm, geschlecht. Die übliche 
herleitung aus radix radlcis verträgt sich nicht mit dem accent der casus 
obUqui, der nominativ aber hätte rddica ergeben. Buchstäblich trifft das 
ahd. reiza linie, strich, entsprechend dem ndat. linea sanguinis, fr. ligne, 
nhd. linie. Das ins englische eingeführte race einigt noch die bedd. strich 
und geschleckt in sich, die diso wohl auch altfr anz. waren. Vgl. wegen 
der begriffsentwicJclung auch wällon. ttr s. v. tiäre II. c. 

Reame it., ailtsp. reame, realme, pr. reyalme, nfr. royaume König- 
reich; aus dem adj. regalis, gleichsam regaltmen, eine übrigens fast bei- 
spieUose bildung, die sich nur in dem altfr. ducheaume, gleichsam duca- 
limen, für duchl Ben. I, 18 wiederholt. Aus regimen aber ist fr. 
regime, pr. regisme. 

R6dina it., sicü. besser retina, mittelgr. §ireva DG., sp. umgestellt 
rienda, pg. rödea, pr. regna, fr. r&ne aus dem alten resgne, zügd; vom 
vb. retinere zurückhalten, nicht von regnare: pr. regna, reina für retna, 
wie paire für patre. Das wort diente zum er$atz für habena, welches 
aufgegeben ward, vielleicht weil es mit avena collidierte, und ist merk- 
würdig, weil es lateinischen accent zeigt (vgl. rötinet), wogegen die neuen 
verbauen der endung a ohne ausnähme dem romanischen gepräge des 
praesens sing, folgen, so daß es z. b. it. rittäna lauten müßte. S. Egger, 
Mem. de VAcad. d. inscr. XXIV, II, 309. 

Redo im it. arredo, sp. arreo, pg. arreio, pr. arrei (zu folgern aus 
areamen LR. II, 117), altfr. arroi zurüstung, geräthe, putz; vb. it. ar- 
redare, sp. arrear, pg. arreiar, pr. aredar (LR V, 63 mit roidir über- 
setzt) arrezar, altfr. arroier, arröer zurüsten, mit geräthe versehen, zurecht 
machen, schmücken, altfr. arr£er auch das fdd bearbeiten. Andre zur 
sammensetzungen sind: it. corredo, pr. conrei, altfr. conroi ausrüstutig, 
ausstattung u. dgl., sp. correo, cat. correu wohlthat, pg. fehlt, vb. it. cor- 
redare ausstatten, schmücken, pr. conrear, altfr. conröer ausstatten, be- 
wirthen, nfr. corroyer leder, thon, mortel zubereiten {sbst. corroi), sp. 
conrear das feld umbrechen; sodann pr. desrei, altfr. desroi, derroi, 
nfr. dtaarroi Unordnung, vb. pr. desreiar, altfr. desroier aus der Ordnung 
kommen u. a. bedd. Das einfache wort hat sich im altfr. roi Ordnung 
behauptet: mesnre ne roi Ruteb. I, 108, nnl roy Wach p. 28, Amis 986, 
aber auch das span. adv. arreo 'nach der Ordnung, hintereinander', wenn 



266 I. REFRAN— REGALARE. 

man es in & reo gerlegen darf, so wie das gleichbed. pr. darrä = sp. 
de arreo geben es noch zu erkennen. Woher dieser in mehreren Zusam- 
mensetzungen angewandte stamm? Die tat. spräche gewährt nichts befrie- 
digendes. Ähd. rät, das auch vorrath und geräthe heißt, ist wegen des 
rom. e ein sehr zweifelhaftes etymon: goth. ga-redan sorge tragen kann 
nicht dafür entscheiden, da das goth. e überall, sicher wenigstens in ge- 
meinrom. umfange, dem entsprechenden & der andern mundarten gegenüber 
nicht zur gdtung kam. Goth. raidjan bestimmen, anordnen, ags. ge-redian, 
mhd. ge-reiten bereit machen, aurecht machen, stimmen trefflich mit ihren 
bedetdungen, würden aber nach der strenge der regel ein roman. radare 
erzeugt haben, doch ist bei dem großen einfluß der niederdd. mundarten 
auf das französische entstehung von arreder, arreier aus der ndl. form 
reden und Verbreitung von Frankreich atis als ein möglicher fatt anzu- 
nehmen, zumal da das wort auf diesem gebiete in größerer entfaltung er- 
scheint. Aber zu erwägen bleibt auch das gael. reidh glatt, fertig, bereit, 
geordnet. Augenscheinlich identisch mit unserm roi ist jedoch das bret. 
reiz regel, gesetz, Vernunft, vgl. wegen der form bret. feiz = fr. foi, efreiz 
= effroi, preiz = proie; kann es aber nicht eben sowohl fremd sein wie 
die angeführten Wörter? die vannische form reic'h wenigstens beweist nichts 
für seine celt. herkunft, da jene mundart mehrfach in fremden Wörtern c'h 
für bret. z setzt. Man erwäge über diesen stamm vor allem Diefenbachs 
Untersuchung, Goth. wb. II, 159—161, vgl auch Gachet 29°. 

Refran sp., pg. refräo Sprichwort, pr. refranh, fr. refrain wieder- 
kehrender strophentheü. Man hol diesem wort die ungeschlachte büdung 
referaneos von referre untergelegt (von referant hat es noch neuerlich 
Amador de los Bios, Lit. esp. II, 606, hergeleitet) oder es eben so unge- 
schickt aus refrenare hervorgehen lassen. Refranh ist von refranher so 
wie refrain vom dUfr. refraindre, wohin schon Baynouard sie ordnet, beide 
verba von re-frangere wiederholt brechen, roman. auch modulieren, herab- 
stimmen u. dgl. Beispiele sind: pr. lo rossinholet volt' e refranh son 
chantar LB., fr. en sa pipe refraignoit Wack. p. 79. Nach J. Grimm 
(Haupts Ztschr. V, 235) gehört lat. fringutire zwitschern und fringilla 
fink zu frangere, wie auch aÜn. kleka brechen und klaka Hingen gleicher 
wurzel sind. Für refranher gilt prov. auch refrinher schallen (nicht re- 
frinhar LB.), unmittelbar aus refringere; wotnit sich aber das sbst. refrim 
(geschmetter) formell nicht vereinigen läßt, eher lehnt sich dies (nebst frim 
GAlb. 6360) an fremitus. 

Regalare it., sp.pg.regsAsLT, fr. rögaler bewirthen, beschenken; sbst. 
it. sp. pg. regalo, fr. rägal geschetik. Es soll von regalis kommen, 
warum? ist nicht Mar. Bei der Untersuchung ist vor allem anzumerken, 
daß es weder im franz. noch im ital. alteinheimisch, daß es aus Spanien 
eingeführt ist. Hier bedeutet regalar hätscheln, liebkosen, altsp. im Alex, 
schmelzen, liquefacere, regalarse liguescere. Es ist dies das lat. regelare 
aufthauen, erwärmen; der Übergang des e in a konnte in frühester zeit 
geschehen, eis g vor diesen beiden vocalen noch gleichlautend war. Ein 



I. REGANAR— REPTAR. 267 

positiver beweis der Identität von regelare und regalar aber liegt darin, 
daß wie im span. Alex. str. 2202 plomo regalado geschmolzenes blei be- 
deutet, so auch Papias regelatum plumbum mit *liquef actum übersetzt. 
Auch die altfr. spräche muß Tegeler in der bemerkten bedeutung besessen 
haben: das sbst. regiel = sp. regalo hat sich wenigstens in dem htpnnus 
auf JEukdia erhalten : por manatce, regiel ne preiement durch drohung, 
liebkosimg noch bitte; damit geht hand in hand nfr. dägeler aufthauen, 
sbst. d£gel. 

Reganarsp. und so pg. reganhar, pr. reganhar und reganar die 
zahne blecken. Hiermit scheint identisch dUfr. recaner (beiBoquef. auch 
recaigner), das gern von dem zähneblecken oder dem geschrei des esels 
gebraucht wird gleich dem prov. worte (sembla mala can reganha LB.), 
maä. righignä wiehern; dsgl. mit anlautendetn ch mundartl. (in Berry) 
r6chaner schreien wie der esel, archanner wiehern, einfach chagner blechen. 
Die Wörter passen zu cachinnare mit aufgesperrtem munde lachen: dem 
durfte das wiehern und das damit verbundene zähneblecken verglichen 
werden. Im nfr. ricaner (ri für re durch einwirkung von ridere, rire ?) 
ward die bedeutung eingeschränkt auf das halblaute lachen der bosheit 
oder albernheit, bei Nicot heißt es muthwülig sein, schäkern. 

Registro it., sp. registro, pr. fr. registre, pg. ohne r registo ein 
Verzeichnis, register; vom mlat. registrum für regestum c liber in quem 
regeruntur commentarii quivis vel epistolae summorum pontificum' Du- 
cange. Die einschiebung eines r hinter t ist ein bekannter romanischer zug. 

Regolizia, legorizia it., sp. pg. regaliz cet., pr. regalicia, regu- 
lecia, altfr. recolice, neufr. r^glisse süßholz, lakritze; durch Umstellung des 
1 und r aus liquiritia bei Vegetius, De re vet., dies aus ylvxvfäi^a. 

Relha 4>$r. pr., reille altfr., rejasp. pflugschar; von regula latte? 
altfr. reilhe de fer K regtda ferrea Carp. $. v. regula. 

Rendere it., sp. rendir, pg. render, pr. fr. rendre zurückgeben u. 
dghj von reddere; sbst it. rendita, sp.pr. renta, fr. rente einkünfte, von 
redditum, plur. reddita, abgegebenes, eingeliefertes. Die einfügung des n 
mag sehr (dt sein, da sie so allgemein ist (rendere L. Sal. tit. 52, cod. 
guelf.); dUitci. bei Darberini findet sich indessen reddere s. Lex. rom., im 
prov. ebenso redre z. b. Bth. 57, Pass. de J. C. 41, was hier, wo n leicht 
ausfällt, freilich wenig sagt, altcat. sogar retre. Pott über Lex. Sal. 
p. 167 erklärt sich, um die müßige einschiebung des n zu beseitigen, 
rendere lieber aus re-indere. Aber ist denn diese einschiebung wirklich 
so müßig? ist sie nicht vielmehr eine einfache formver Stärkung, um das 
wort, das im franz. riäre hätte geben müssen, vor dem zerfließen zu be- 
wahren, überhaupt um seinen klang zu heben? Überdies stimmt auch der 
gebrauch des roman. Wortes ganz zu dem von reddere : fr. rendre paisible 
ist wie placidum reddere u. dgL, was sich von re-indere nicht würde be- 
haupten lassen. 

Reptar altsp. pg.pr., nsp. retar, altfr. reter beschuldigen, anklagen, 

Zweikampfe fordern. Aus mlat. rectare (vor gericht laden) konnte 



268 L BESTA-BIBALDO. 

es nicht entstehen, es würde alsdann pr. reitar lauten; wohl aber aus re- 
putare, das sich in ähnlichem sinne angewandt findet, z. b. si quis alten 
reputaverit quod scatnm säum jactasset L. Sal. tit. 30; quia nulli de 
ista causa volet reputare weil er darüber keinem einen Vorwurf machen 
will Cap. Cor. Calv. Bolus. II, 81; contra quod sacrameutum si quilibet 
fecisse reputatus fuerit beschuldigt sein soüte das. p. 179. Auch appellare 
gieng auf diese bedeutung ein: pr. qu'ieu la repte e l'apelh de trassio 
Chx. W y 166. Die churw. form ravidar aber muß die obige deutung 
über jeden Zweifel erheben : v ist hier = lat. p, i häufig = lat. u. 

Besta it., sp. ristra, pg. resta, restia, pr. rest bund zwiebeln, knob- 
lauch oder anderer fruchte; von restis seil, weil sie daran befestigt wer- 
den, wiewohl das lat. restes allii sive caeparum etwas anderes ist als das 
pr. una rest de cebas ho de alhs LB. V, 88, indem jenes die blattet der 
zunebd bedeutet. Das piem. rista hanf trifft dagegen mit ahd. rista flachs- 
bündel zusammen. 

Besta it., sp. ristre und enrister (m.), pg. reste, riste, ristre gabd, 
in welche die lanze zum angriff eingelegt ward, daher pr. ares toi, altfr. 
arestuel handhabe der lanze; von restare, rom. arrestare widerstehen, 
also eigentlich widerhalt, anhält. 

Bestfo it. (für restivo); pr. restiu, fr. r6tif widerspenstig; gebildet 
aus restare widerstehen. Das mail. wort ist restin. 

Betro it. in compositis, pr. reire, altfr. riere; von retro, wofür sp. 
pg. atras. Zsgs. it. dietro, drieto, pr. dereire, derrier (letzteres auch 
<*dj.), fr. derriere, von de retro; it. addietro, pr x areire, fr. arriere, 
von ad retro. Dsgl. abgd. pr. dereiran gleichsam deretranus, weiter 
abgeleitet fr. dernier gleichsam deretranarius. Zu merken ist der ams- 
fäll desr (durch dissimüation?) im it. dietro für diretro so wie im altfr. 
za en ayer = pr. sa en areire. 

Bibaldo it. altsp. pg. (que tomasen un ribaldo, un bellaco Rz., 
von Sanchez unrichtig mit rival erklärt), pr. ribaut, fr. ribaud lotterbvbe, 
fem. ribauda, ribaude freche dirne; daher altn. ribballdi, mhd. ribbalt 
Die ital. form rubaldo entstand wohl durch umdeutung mit rubare rauben, 
stehlen. Was das mittelälter unter ribaldus verstand, sagt deutlich Mat- 
thäus Paris: fures, exules, fugitivi, excommunicati, quos omnes ribaldos 
Francia vulgariter consuevit appellare, heillose zu allem fähige menschen. 
Auch die das treffen eröffnenden leichten truppen, die enfants perdus, die 
im heere eben sowohl den dienst der trossbuben thaten, hießen so. Man 
sehe darüber Th. WrigMs Political songs p. 369. Neufr. ist ribaud auf 
die bed. scortator eingeschränkt. Es läßt sich aus ahd. regimbald kühner 
mann (Grimm J 2 , 444) nicht genügend erklären, welches rambaldo, raim- 
baut ergeben mußte und ergab, da m vor b nicht leicht austritt. Dagegen 
bietet die ahd. spräche ein nur als fem. vorhandenes wort hribä (hripä) 
prostituta, mhd. rtbe (Graff IV, 1146), woraus mit dem suffix ald das 
rom. ribaldo erwachsen konnte. Desselben Ursprunges muß sein altfr. 
riber weiber verfuhren, wohl auch ribler umherschwärmen. Man merke 



I. RIBEBA-RICREDERSL 269 

noch it. rubalda art pickelhauben, wie die mbaldi sie trugen, dsgl. fr. 
ribau dequill ein wurfgeräthe, fläm. rabaudeken KU. 

Ribeba it. bauerngeige, schäfergeige; vom ardb. rab&b, das ein 
ahnliches tongeräthe von runder form bedeutet Gol. p. 925, Freyt. II, 107". 
Daraus soll entstellt sein it. ribeca, pg. rabeca, cot. rabaquet, fr. rebec, 
pr. rabey, dsgl. sp. rabel, pg. rabel, arrabil, dttfr. rebelle Boquef. 
Poesie franc. p. 108, vgl. wegen der Verwechslung des b und c eine ähn- 
liche Verwechslung des b und g im sp. jabeba, jabega maurische flöte. 
Auch das pr. arlabecca, welchen namen ein ungenannter Sänger seinem 
gedickte beilegt, könnte dieser herkunft sein, s. Patd Meyer, Jahrbuch V, 393. 

Ricamare it., sp. pg. recamar, daher fr. räcamer sticken; sbst. it. 
ricamo, sp. pg. recamo Stickerei; vom arab. vb. raqama streifen in einen 
stoff weben, sbst. raqm gestreifte Stickerei Freyt. II, 18 l b . 182 a . 

Riccio it., wci. ariciu, sp. erizo, pg. ericio, ourigo, pr. eris.son, 
fr. h&isson (h asp., aXtfr. aber auch erifon, ire$on) igel, Stachelschwein; 
von ericius Varro ap. Nonium. Daher das vb. it. arricciare, sp. 
erizar, pg. ourigar, pr. erissar, fr. h&risser starr machen, sträuben. 

Riccio it., rizo sp. kraus, sbst. haarlocke, haarkrause, pg. rifo 
flockiger stoff; vb. sp. rizar, enrizar, pg. ri^ar, ouri$ar, erizar, it. arric- 
ciare kräuseln. Ferrari erblickt in riccio eine Umstellung aus cirrus locke, 
gekräuseltes haar; weit besser hält es MSnage für eine abl. cirricius, 
wodurch sich auch seine doppelte geltung als sul>stantiv und adjectiv am 
einfachsten erklärt. Aber eine so starke aphärese wie die der sübe ci ge- 
stattet nur die ital. spräche, das wort müßte also nach Spanien eingebracht 
sein. Merkwürdig ist sein zusammentreffen mit riccio igel, das sich be- 
sonders im pg. ouri$ar ausdrückt: sprachen, die für krauskopf dieselbe 
wortform bilden und dulden wie für igel, konnten die nicht eben so wohl 
die eine sache nach der andern benannt, das krause mit dem struppigen 
verwechselt haben; wie ein römischer dichter den kämm wegen seiner zinken 
kraus nennt? Das ineinanderlaufen beider begriffe spricht sich auch aus 
im rnlai. reburrus 'hispidus, crispus*, vgl.Ducange h.v.: habebat capillos 
crispos et rigidos atque sursam erectos et, ut ita dicam, rebursos. — 
Span, enrizar heißt auch anreizen, aufhetzen: glaubt man das wort in 
dieser bedeutung von dem obigen trennen zu müssen, so ist wenigstens das 
von Gayangos dafür aufgestellte inrixare kein zulässiges etymon. 

Ricco it., sp. pg. rico, pr. ric, fr. riche adj.; vom Ml. rtchi, goth. 
reiks, nhd. reich. Die franz. form bezieht sich auf die althochd., ihr 
che konnte aus altdeutschem chi hervorgehn, nicht aus auslautendem ch, 
welches, wie in Fr6d6ric und Ferry aus Fridertch, c ergeben mußte oder 
geschwunden wäre. Über die bed. mächtig, welche das wort im cdtroman. 
wie im altdeutschen hatte, s. Lex. rom. I, XXXII. 

Ricredersi it. seinen irrthum zurücknehmen, ricredente twdricre- 
duto des gegentheüs überführt oder überzeugt, pr. dttfr. se recreire zu- 
rücktreten, verzichten, müde werden eines dinges, altsp. recreer den muth 
verlieren Alx., mlat. se recredere, über dessen gebrauch s. Ducange. Be- 



270 I. RIDOTTO— RIMA. 

sonders hieß der im gerichtliehen Zweikampf überwundene, zum bekenntnis 
seines unrechtes genöthigte, recreditus, daher recrezut, recreu, recrezen, 
recreant einen schimflichen sinn annahmen. Re-credere ist unlateinisch 
und für die bed. * seine meinung zurücknehmen eine verkehrte Zusammen- 
setzung. Vielleicht bringt eine befreundete spräche dem warte aufldärung. 
Ahd. galaubjan ist s. v. a. credere, aber das reflexive sih galaubjan s. v. 
a. recedere, deficere; beide aber, das activ wie das reflexiv, einigen sich, 
wie Wackernagel lehrt, in dem grundbegriff freundliche hingebung oder 
nachgiebigkeü. Dieses reflexiv sih galaubjan übersetzte man mit se «re- 
dere, dem man nicht ohne bedeutung die partikel re beifügte. 

Ridotto, raddotto it., sp. reducto, fr. r&luit und redoute (f.), letz- 
teres aus dem itcd., schanze, Sammelplatz; von reducere reductus. 

Riffa it. (eigentl. rifa, in comask. mun^art), sp. pg. cot. sicü. rifa 
streit, Wettstreit, dsgl. glücksspiel; vb. it. arriffare würfeln, sp. pg. cat. 
rifar streiten, dsgl. hosen, altfr. riffer wegraffen, kratzen, lothr. riffer 
flachs raufen. Ist es vom ndl. rijven raspeln, rechen, altn. rifa zerreiben, 
rifas sich zanken, sich raufen = ahd. rtban reiben? Aber der über den 
Süden des roman. gebietes ausgebreitete stamm wird mit seinem labial 
eher auf das naher liegende hochd. f, z. b. im bair. riffen d. t. raufen, 
als auf ndl. v oder nord. f = ahd. b führen. Ebenso sind die ableüun- 
gen mit 1 zu beurtheilen: altfr. pic. norm, riffler raffen, kratzen, ritzen, 
streifen, wallon. rifler blind hineinlaufen (an edlem anstreifen, anschuppen), 
auch kenne g. rifeter = riffer, sbst. altfr. riffle spießgerte, norm, rifle aus- 
schlag, grind (wie unser kratze von kratzen), wohl auch it. riffilo fratzen- 
gesieht, piem. riflador feile; vom ahd. riffil, riffila säge, nhd. riffel flachs- 
raufe, vb. riffilön, riffeln, aber auch fläm. ryffelen kratzen, schinden KU^ 
engl, rifle rauben, die wohl aus dem franz. sind. 

Rifusare it., pg. pr. refusar, sp. rehusar, fr. refuser weigern. Das 
wort muß aus recusare abgeändert sein durch einmischung von refutare, 
it. rifiutare, pr. refudar, das schon im frühern ndatein verwerfen, ver- 
schmähen heißt. Im prov. und altfr. gab es eine zweite form mit ausge- 
fallenem f {vgl. preon von profundus) rehuzar retisar, rehuser reüser 
raüser ausweichen. Das altfr. reüser ward auch in ruser zusammengezogen 
(Rou II, p. 216. 275, MGar. p. 93) und bedeutete vornehmlich das bei 
seite weichen des wildes, um den hunden die spur zu nehmen, daher das 
neufr. sbst. ruse kniff, kunst griff. Das zusammenfließen beider verba 
recusare und refutare scheint sich auch in einer altpg. form reeudar = 
refusar auszusprechen, wovon Santa Rosa ein beispiel anführt. 

Rima it. sp. pg. pr., rime fr. reim; vb. rimare, rimar, rimer 
reimen. Im prov. ist auch das masc. rim üblich: e devetz saber qu'on 
pot dire rims o rimas Legs d'am. I, 144; englischnorm, begegnet gleich- 
falls rym, s. Wright's Polit. songs p. 236; auch altsp. rimo Sanchez I, 
L. LVII. Die genauere Untersuchung dieses Wortes muß der geschickte 
der poesie überlassen bleiben. Hier werde bemerkt, daß nur das 
lat. rhythmus {$v&ti6g) und das deutsche rim in erwägung kommen 



I. RIMURCHIARE— RlSICARE. 271 

können: das lat. rima (riß) läßt sich bloß durch künstelei hieher riehen, 
uriewoM es sich übrigens nebst dem vb. rimari in einigen sprachen erhalten 
hat. Rhythmus ist numerus: es bezeichnet noch im ältesten mittellatein 
die' gleichmäßige abtheilung des verses in rücksicht auf die Zeitdauer, ohne 
rücksicht auf das maß der einzelnen silben. Demnächst verstand man 
unter versus rhythmicus den gereimten, sofern er, wie in der Volkssprache, 
keine sübenmessung anerkennt; für gleichlaut des versschlusses (consonantia) 
wird das wort kaum vorkommen. Diesen gelehrten ausdruck rhythmus 
nun gab die Volkssprache durch das lautverwandte rima wieder, die ab- 
htnfl aber des letzteren von dem ersteren findet in der form die größte 
Schwierigkeit: ital. mußte rhythmus nach regelrechtem über gange, wenn es 
einmal eine zusammenziehung erleiden sollte, rimmo oder remmo lauten, 
man vgl. ammirare aus admirari, semmana aus sept'mana, maremma aus 
marit'ma, flemma aus phlegma, dramma aus drachma, und in der that 
wandelt sich rhythmicus altsp. in remico Canc. de Baena. Vollkommen 
aber stimmt das rom. rima zum ahd. rtm numerus, das Übrigens auch die 
celt. spräche kennt: altirisch rtm Zeuß I, 25, neu rimh, kymr. rhif (m.). 
Wendet man ein, daß sich der reim unter den Deutschen erst später aus- 
gebildet habe (s. Koberstein p. 45, 4. aufl.), so liegt die entgegnung nahe: 
sie kannten ihn, noch ehe sie ihn brauchten, aus dem lat. kirchenliede. 
übrigens konnte der Romane das deutsche wort in seiner altern bed. nu- 
merus längst aufgenommen, ihm die neuere vielleicht selbst zugewendet 
hoben. — Eine zss. ist aUsp. adrimar Bc., nsp. cot. arrimar zusammen- 
stellen, anlehnen, fr. arrimer schichten, vgl. ahd. rhu in der bed. reihe, 
die auch dem sp. rima zusteht, fr. (in Berry) enrimer symmetrisch ordnen. 
Die neupr. mundart sagt schlechtweg rimä annähern = sp. arrimar. — 
[Weitere bemerkungen über reim theilt Diefenbach mit, s. Neue jahrbb. für 
phüol. u. pädag. LXXVII, 752] 

Rimurchiareä., fr. remorquer, sp. remolcar bugsieren; von re- 
mulcum schlepptau. 

Rinculare it., sp. recular, pg. recuar, fr. reculer zurückweichen; 
von culus, wie unser gleichbed. sich äraen von ars bei H. Sachs, ndl. 
aerselen KU. Daher adv. fr. ä reculous rückwärts, wie unser ärschliugs, 
mJtd. erslingen. 

Ripresaglia, rappresaglia it., sp. represalia, fr. reprösaille selbst- 
genommene entschädigung ; eigentl. zurücknähme des genommenen, von re- 
prehendere re-preheusus. 

Risicare it., sp. arriscar, arriesgar, pg. riscar, arriscar, fr. risquer 
in gefahr setzen, wagen; sbst. it. risico, risco, sp. riesgo, fr. risque ge- 
faltr. Span, risco heißt Hippe, steiler fds und dieses fuhrt auf resecare 
abschneiden, so daß man sich eine steile höhe als etwas abgeschnittenes 
dachte: nicht anders verhält sich schwed. skär klippe zu skära abschneiden. 
Risco konnte ein Schifferausdruck sein, zuerst den gefährlichen f eisen, 
dann die gefahr bezeichnend, wofür nachher die scheideform riesgo auf- 
kam. Dazu stimmt auch neupr. rezegue gefahr } rezegd abschneiden, maä. 



272 L RISMA— RIVIERA. 

com. resega säge und gefahr, vb. resegä sägen und wagen, die nur von 
resecare herstammen können. Auch pg. risca strich (schnitt), riscar 
ausstreichen, sind hieher zu rechnen. 

Risma it., sp. pg. resma, fr. rame, dtsch. rieß, ndl. riem eine Quan- 
tität papier. Vom arab. razmah bündel Heider (rezmah Freyt. IT, 146*) 
behauptet Sousa; daß aber Europa diesen ausdruck den arabern danke, 
ist in sich selbst unwahrscheinlich und wird durch die arab. bedeutung 
schlecht unterstützt. Schön ist Muratori's herleitung: gr. aQt^iog zahl, 
anzahl sprach man in Italien arismus aus, zu schließen aus altit. (auch 
altsp. cot. prov. altengl. mlat.) arismetica, daher, mit bekanntem abfaü 
des anlautes a, rismo, risma. — [Wie kunstgerecht Muratori's erJdärung 
auch war, so muß sie gleichwohl der gelehrten und ausführlichen recht- 
fertigung des ardbischen etymons von Dozy, Oosterl. 72 ff., weichen. Hier- 
nach bedeutet rizma überhaupt pack, bündel, speciell pack papier, bedeu- 
tungen, die bei Freytag fehlen. Ferner ist es höchst wahrscheinlich, daß 
Europa im mittelalter sein kattunpapier von den Arabern empßeng.] 

Riso it., pr. ris, fr. riz, wal. urez (auch riscale) eine getreideart, 
reiß; vom lat. oryza. DsgL sp. pg. arroz, vom arab. aroz Freyt. I, 26*. 

Ritorta it., pr. redorta, dttfr. riorte, reorte, roorte, rorte Roquef., 
norm, rote bindweide, weidenband; ursprüngl. etwas gedrehtes, von retor- 
quere, woher auch sp. retorta, fr. retorte gefäß mit gekrümmtem halse. 
Den frühen gebrauch des wortes bezeugt die Lex Sai.: retortae, quibus 
sepes continentur, vgl. Pardessus p. 382. 

Ritto it. adj. recht, als gegensatz von link, von rectus grade, nicht 
krumm oder verdreht, wie man sich die linke hand dachte, in dieser be- 
deutung auch im tnlatein, s. Ducange und Carpentier, daher marritta 
rechte hand, zsgs. mit manus. Gemeinrom. ist dafür das compos. it. di- 
ritto, dritto, sp. derecho, pg. direito, pr. dreit, fr. droit, wal. drept, 
lat. directus. Von directum das recht, häufig schon im frühen mlatein, 
stammt auch das sbst. it. diritto ff. Zsgs. ist alpfr. endroit, pr. endreit 
Präposition für lat. versus, daher nfr. sbst. endroit stelle, platz, eigenÜ. 
das gegenüber oder vor äugen liegende, wie conträe von contre. Mit 
directus wird auch die südliche himmelsgegend benannt: dauph. droichi, 
npr. adrech, piem. indrit, wogegen die nördliche als die abgewandte auf- 
gefaßt wird: mail. invers, npr. aves {für avers). 

Rivellino it., sp. rebellin, pg. revelim, fr. ravelin, bei Roquefort 
revelin, ein vor dem mittelwall (der courtine) liegendes außenwerk. Nach 
Menage ist das franz. wort dem ital. entnommen, aber woher dieses? 

Rivescio, rovescio it., sp.pg. reves (alle mit ausgefallenem r vor s), 
fr. revers rückseite; von re versus, woher auch adj. pg. revesso, fr. revfeche 
(zunächst aus dem ital.? dttfr. revois) widerwärtig, spröde. 

Riviera it., sp. ribera, verkürzt vera, pg. pr. ribeira, verkürzt pg. 
beira, altfr. ri viere ufer, eigentl. ufergegend; von riparia. Aber nicht nur 
für die ufergegend, sondern auch für den fluß selbst brauchten vermöge 
einer leichten Übertragung, der man mit rivus nicht zu hülfe zu kommen 



I. RIZZARE-RÖCCA. 273 

genöthigt ist, alle sprachen (altsp. ribera Älx.) dasselbe wort, und diese 
bedeutung ist dem nfr. riviere ausschließlich verblieben. m 

Rizzare it. aufrichten; gleichsam rectiare, von rectus. Gemeinrom. 
ist nur das compos. dirizzare, drizzare, altsp. derezar, nsp. pg. ende- 
rezar, pr. dressar, fr. dresser, a-dresser (sbst. adresse) richten, zurichten, 
von lat. directus, wovon man direetiare leitete. 

Roba it. altsp., altpg. rouba, pr. rauba, fr. rohe, mit tenuis sp. 
ropa, pg. roupa Meid, geräthe, in älterer bed. Kriegsbeute, rauh, chw. 
rauba vermögen; auch masc. sp. robo, pg. roubo; vb. it. rubare, sp. 
robar, pg. roubar, pr. raubar, altfr. rober, nfr. dörober, altsp. auch robir 
Alx., ebenso wald. Hahn 598, rauben; vom ahd. roub spolium, vb. goth. 
bi-raubön, ahd. roubön, roupön, vgl. gael. robainn. Früh drang das 
mlatein ein: quicquid super eum cum rauba vel arma tulit L. Alam.; 
si quis in via alterum adsalierit et eum raubaverit L. Sah, und diese 
bedeutung berauben ist sowohl altdeutsch wie romanisch. Abgel. altpg. 
roubaz, robaz, roaz räuberisch, nach dem muster von rapax geformt. 
Wal. robi, einen zum gefangnen machen, von rob = serb. röb, alban. 
robi und ropi gefangener, sklave, daher auch robote, serb. röbija frohn- 
dienst. S. über diesen ganzen wichtigen stamm Dief. Goth. wb. II, 164. 

Robbo, rob it., sp. fr. rob, pg. robe obsthonig; vom arab. robb 
dass. Freytag II, 106 b . 

Rocca und roccia it.,'sp. roca, pg. pr. roca, rocha, fr. röche fels, 
Hippe (it. rocca auch schloß), masc. cot. roc stein, kieset, fr. roc fels; 
abgel. pr. rochier, fr. rocher; vb. altfr. rocher mit steinen werfen 
LRs. 178, noch jetzt norm. u. s. w. (röche stein eum werfen Ren. II> 87); 
zsgs. it. diroccare, dirocciare, sp. derrocar, pr. derrocar,. derocar, fr. 
däroquer, d&ocher von einem felsen herabstürzen, niederreißen, sp. der- 
rochar verschwenden, durchbringen, altfr. aroquer, arocher zerschmettern. 
Der Ursprung des Wortes ist nicht mit voller Sicherheit zu bestimmen. Im 
mlatein kommt es wenig vor, zuerst, nach Ducange, in den Annal. Franc, 
ann. 76? ', wo es thurm oder felsennest bedeuten muß: multas roccas et 
speluncas conquisivit. Nach einigen (s. z. b. Maßmanns schrift über 
das Schachspiel p. 38) ist es nichts anders als der name der Schachfigur 
roc, also persischer herkunft, allein dafür geht sein alter zu hoch hinauf. 
Auch fremde sprachen kennen es, in keiner aber scheint es zu wurzeln, 
gael. roc, engl, rock, ndl. rots (s. darüber Hoffmann, Hör. belg. III, 152), 
bask. arroca. Unter andern zuströmenden Wörtern verdient, wenn man 
sieh streng an den begriff hält, das kymr. rhwg 'etwas vorragendes noch 
die meiste rücksicht. Oder hängt rocca zusammen mit rocchetto (s. unten) 
und bedeutet eigentlich etwas faltiges in beziehung auf die risse in den 
f eisen, wobei man auch an das rom. falda bergabhang erinnern könnte: 
es ist nur schade, daß es für diese auffassung an beispielen in andern 
sprachen fehlt Sehen wir zu, ob sich das wort nicht aus dem lateinischen 
dement schöpfen läßt. Rupes fand im roman. keinen eingang, nur die 
Hol. spräche duldet es als poetischen ausdruck: aber man konnte rupea 

18 



274 I. ROCCA-ROMANZO. 

daraus ableiten, welches, indem sich ü in der position kürzte (rupea rupja), 
roccia, röche ergab wie appropiare approcciare, approcher ; wirklich findet 
sich rupea 'saxosa Ol. Paris, ed. Hildebrand p. 264. Aber dem guttu- 
ralen rocca ist damit nicht geholfen: diesem genügte nur eine andre ab- 
leitung von rupes, rupica, wie von avis avica, von uatis natica, von cutis 
cutica geleitet ward: Übergang des pc in cc ist zwar nicht eu belegen, 
aber im princip einzuräumen. Beide abll. rupea und rupica können im 
spiel gewesen sein, doch kann rupica auch das palatale rocha, röche er- 
zeugt und dies sich nach Italien in der form roccia verbreitet haben. 

Rocca it., sp. rueca, pg. roca Spinnrocken, vom ahd. rocco, altn. 
rockr. In der alten prov. spräche vermisst man das wort, die neue occit. 
mundart kennt rouque spule. Daher it. rocchetta, engl, rocket, disch. 
rakete, weil sie mit dem oberen dicken ende die form eines rockens dar- 
stellt, s. Ferrari. 

Rocchetto it., roquete sp., röchet fr. (daher wohl die ital. form 
roccetto) Chorhemd, vgl. wal. röchie weiberrock. Das primitiv roccus 
(später auch hroccus geschr.) kennt ein capitular Karls d. gr., es ist das 
ahd. roc (hroch GL Emmeram.), ags. roc, altn. rockr. Eigentlich be- 
deutet das roman. wort ein gefälteltes Meid, daher pg. enrocar, it. ar- 
rochettare (bei P. Monti p. 223) fälteln, und dies erinnert an altn. 
hrucka, gael. roc runzel, falte, engl, to ruck schrumpfen. 

Rocco it., sp. pg. roque, pr. fr. roc thurm im schach; vom pers. 
rokh kameel mit bogenschützen besetzt, s. Vullers II, 24". 

Roggio it., sp. roxo, pg. rouxo, pr. rog (fem. roja), fr. rouge, dsgl. 
it. robbio, sp. rubio, pg. ruivo roth; von rubeus; vb. fr. rougir, pr. 
rogir roth werden. Robbio würde sich auch von rubidus leiten lassen, 
stimmte nicht das sbst. robbia färberröthe genau zu dem gleichbed. rubia. 

Rogna it., sp. pg. pr. gleichlaut., fr. rogne, wal. r^ia (vgl. vie mit 
it. vigna, sicriu mit scrigno) kratze, räude; nach Menage von robigo 
robiginis rost, rostfleck, eine harte, aber doch mögliche zusammenziehung. 
Am leichtesten erklärt sich das adj. rognoso ff. aus robiginosus. 

Rognone it., sp. rinon, pr. renho, ronho, dltfr. regnon, neufr. 
roignon niere, wal. renunchiu; erweitert aus dem allzu umfanglosen ren, 
gleichsam renio, mit beobachtung des bildenden i, wie man dies in vig- 
liacco aus vilis u. a. fällen bemerkt. Ital. auch arnione, argnone mit 
umgestelltem re (so in arcigno vom fr. rechin). 

Roma uz o it., sp. romance, pr. altfr. romans, chw. romansch, ndat. 
romancium romanische spräche oder dichtung; daher vb. sp. romanzar, 
pr. romansar, altfr. romancier ins romanische übertragen u. dgl. Es er- 
klärt sich buchstäblich aus dem lat. adv. romanice, wie es denn' in der 
that adverbial gebraucht wird: altfr. parier romans loqui romanice. S. Rom. 
gramm. I, 74. Altfr. lautet romans gewöhnlich, wenn auch unrichtig, im 
cos. obl. romant nach dem muster von paYsans paYsant (nfr. paysan), da- 
her der spätere nomin. romant, roman so wie das adj. romant-ique. 
über romanzo s. Raynouard, Chx. 371. Ein gegenstück zu romans ist 



I. ROMBO-ROSIGNUOLO. 275 

dhfr. bretans = britannice Brt. I, 392, auch sp. vascuence = vasco- 
nice, welches erstere Adelung, Mithr. II, lächerlich aus Vasco und ence 
W zusammensetzt 

Rombo it., sp. rumbo, pg. rumbo, rumo, fr. ruinb, engl, rumb 
windlinie auf dem compass, lauf des Schiffes; vb. fr. arrumer die windr 
linien auf einer Seekarte zeichnen ; nach Nicot vom gr. Qu/ttog deichsei, so- 
fern diese die richtung des Wagens anzeigt, nach andern von rhombus. 
Aber fr. arrumer, sp. arrumar die Schiffsladung vertheilen und ordnen, 
pg. arrumar überh. ordnen, werden aus dem ndl. ruiui Schiffsraum er- 
klärt, 8. Pougens, Tresor I, 89. Vgl. norm, arruner ordnen, döruner ver- 
wirren. 

Romeo it. altsp. (bei Berceo), dsgl. it. romero (mdartl. s. Murat. 
Ant. ital. VI, 648), sp. dieselbe form, altfr. romier Wallfahrer, eigentl. 
wer nach Rom pilgert : romero quiere decir como ome que va & Roma 
pora yisitar los santos lugares Partid. 1. tit. 24, 1 (bei Cabrera); chia- 
mansi romei inqnanto vanno a Roma Dante Vit. nuova. 

Röndine, rondinella it., wal. rqndunea, pg. andorinha, pr. ironda, 
irondella, fr. hirondelle schwalbe; mundartliche und nebenformen: wal. 
rundnrea, pr. randola, neupr. endriouleto, andoureto, dindouleto, altfr. 
aronde, alondre, arondelle, cot. aureneta, oreneta, vol. oroneta. Alle aus 
hirundo hirundinis, z. b. das cat. orin-eta umgestellt aus irond-eta mit 
ausgeworfenem d nach der weise dieser spräche; aber wie deutet man das 
sp. golondrina, dessen primitiv golondro begierde, verlangen ausdrückt? 
Ferrari will das gr. %ahddv darin erkennen. 

Ronfiare toscan., sie. runfuliari, ven. ronfare,i?r. ronflar, fr. ron- 
fler, cäm?. g-rufflar schnarchen; vgl. bret. rufla, gr. §oq>eiv, Qofupaveiv schlürfen 
u. dgl. naturausdrücke mehr. 

Ros pr. (m.) (hau: ab gran joi albergueron el mati ab lo ros am 
morgen mit dem (hau GAlb. 3784; das einfache wort fehlt sonst, ausge- 
nommen sard. rosn und rore, wal. roe. Dafür schuf sich der Portugiese 
aus roseidus ((hauig) mit ausgestoßenem d das subst. röcio, sp. rocio, 
aus demselben adjeetiv floß sp. rociar (wie aus limpidus limpiar), cat. 
ruxar, pr. arrosar, fr. arroser bethauen, besprengen; aus dem verbum das 
Substantiv sp. pg. rociada, cat. ruxada, pr. rosada, fr. rosöe, it. rugi- 
ada thau, buchstäbl. bethauung. 

Rosa it. sp. pg. pr., rose fr. eine blume. Da das wort überall, auch 
im wal. rase, den ihm gebührenden diphthong als ausdruck des kurzen o 
vermeidet, so muß die ausspräche mit langem o rosa sehr alt sein und 
vielleicht würde sich bei einem der spätesten lat. dichter ein beispiel der- 
selben finden. Auch ahd. rösä. Aus dem classischen rosa hätte sich it. 
ruosa, sp. ruesa, .altfr. niese, wal. roase gestalten müssen, aber nur in 
einigen mundarten kommen diphthongische bildungen vor: maü. piem. 
ckw. rosa. 

Rosignuolo, rusignuolo it., sp. ruiseöor, altsp. roseüol, rosenor, 
pg. rouxmholj rouxinol, pr. fr. rossignol nachtigaU, bei einem prov. dichter 



276 t. ROSSO— ROVERE. 

auch fem. rossinhola (nicht etwa das Weibchen); von lusciniolus aus los- 
cinius. Varro L. L. 6, 76 führt nur das dimin. lusciniola an und auch 
die neuen sprachen kennen nur eine diminutivbildung. Die seltsame ge- 
meinroman. vertauschung des anlautenden 1 mit r scheint, wenn man die 
alte artikelform hinzudenkt, rein euplwnisch: lo losignuolo mit zwei Um- 
losen lo {anders in lo löco), worauf noch ein suffigiertes 1 folgt, war un- 
erträglich. Diese vertauschung ist uralt : ruscinia kennt schon eine hand- 
schrift des 9. jh. s. Haupts Ztschr. V, 19 7 b , roscinia eine eben so alte 
s. Mortis Ans ei g. VII, 148. Eine ital. nebenform ist lusignuolo, selbst 
usignuolo, altfr. lousignol mit dem verbum lousegnoler, in bürg, mundart 
noch jetzt rosignöler. Bouille führt auch lurcignol an. Der Dacoromane 
ist von dem lat. worte abgegangen und nennt den vogel priveghitoare 
nachtwächterin, gleichsam pervigilatrix, der Albanese nennt ihn mit einem 
weder latein. noch griech. worte biljbflj, welches auch der Macedoromane 
angenommen. 

Rosso it., sp. roxo, pg. roxo, pr. ros, fr. roux, wai. roi, roiiu roth; 
von dem seltnen lat, russus. 

Rostire it. in arrostire, cot. rostir, fr. rötir, pr. raustir, rösten; 
part. prät. als sbst it. arrostito, fr. röti geröstetes, braten; sbst. aus dem 
stamme pr. raust, it. arrosto. Das verbum trifft zusammen mit ahd. 
röstjan (rom. i = ahd. j), das sbst. mit gi-rosti, aber auch die celt. Wörter, 
gael. röist, kymr. rhostio, bret. rosta sind zu nennen. Beachtenswerth ist hier 
der prov. diphthong au, der aus den celt. formen unerklärbar ein älteres hd. 
raustjan in anspruch nimmt, dem indessen kein ags. reästan zur seile steht. 

Rotella it., sp. rodela, altfr. roele runder Schild; it. rotella, sp. 
rodilla, pr. rodela kniescheibe, knie; von rotella für rotula Dief. Gloss. 
lat. germ., vgl. was die letztere bedeutung betrifft, mhd. knie-rade. 

Rotolo und rullo it., sp. rollo, rol, pr. rotle, rolle, fr. role etwas 
zusammengewickeltes, rolle papier, walze; von rotulus; vb. it. rotolare 
und mit assibiliertem t ruzzolare, sp. arroliar, pr. rotlar, altfr. rooler, 
neufr. rouler wälzen, rollen; altfr. roeler, gleichsam rotellare. Auch sp. 
rolde ist von rotulus, vgl. Roldan und Rotlan. Zsgs. fr. contröle gegen- 
rolle d. i. gegenrechnung, für contre-röle, was schwer auszusprechen war. 

Rotta it., sp. pg. pr. rota, altfr. route, nfr. d&oute niederlage, 
buchstäbl. brach, von ruptus, rupta. Dasselbe wort hat noch andre bedeu- 
tungen entfaltet: pr. rota, altfr. rote abthcüung eines lieeres, trupp, ndat. 
rupta, daher unser rotte, vgl. Grimm /*, 494; vb. altfr. arouter in Ord- 
nung stellen. Dsgl. fr. route Straße d. i. via rupta gebrochener weg, wie 
altfr. brisäe Straße bedeutet, vgl. den geographischen namen Malarouta 
Breq. 290* (v. j. 680); pg, rota, derrota lauf des Schiffes; fr. routier 
der wege kundig, routine Übung. Eine andre abl. ist fr. roture, rnktt. 
ruptura, gereute, kleines gut, bauemgut, roturier besitzer eines solchen 
gutes, gemeiner mann im gegensatze zum edelmann. 

Rövere it., sp. pg. roble, pr. roure, fr. rouvre Steineiche; von robur 
roboris. 



L ROZZA-RUFFA. 277 

Rozza it., pr. rossa, fr. rosse schlechte mähre, masc. camask. roz, 
bergam. ros. Es ist kein grund vorhanden, der itdl. form zu mistrauen, 
die uns lehrt, daß pr. fr. ss in diesem worte nicht deutschem ss entspre- 
chen, daß es mithin nicht aus unserm ross herrühren kann. Dazu kommt 
noch ein derivatum, dessen primitiv gleichfalls nicht für ss, sondern für 
z oder c zeugt, pr. rossi, roci, ältfr. roucin, sp. rocin nebst dem berühm- 
ten rocinante, pg. rossim, und mit n, das eingeschoben sein kann, pr. 
ronci, aüfr. roncin (daher kymr. rhwnsi), pic. ronchin, it. ronzino kleineres 
pferd, klepper, lothr. wallon. ronsin hengst, nfr. roussin untersetzter hengst. 
Daß auch ein schlechteres, geringeres pferd darunter verstanden ward, er- 
hettt schon aus den stellen: bon frag eys (exit) de bon jardi e d'avol 
cavalh rossi Chx. V, 256; fols est ki d'esprivier (epervier) cuide faire 
faueon ne de ronci destrier Alex. 549, 30; das entsprechende mhd. runzit 
bedeutet oft, aber nicht gewöhnlich, ein schlechtes pferd, s. Pfeiffers ab- 
handH. vom ross p. 2. Dieses ronzino, mUxt. runcinus, deutet Vossius, 
Vit serm., aus dem ndl. min waRach (das nach Grimm, Gesch. d. d. 
spr. p. 30, su ahd. reinneo gehört, s. oben guaragno), und wenn man 
auch auf die abweichende bedeutung kein gewicht legen und runcinus aus 
ruin-c-inus construieren wül, so bleibt damit das seltsame rozza noch 
nicht aufgehellt; eine rückbildung aus runcinus darin anzunehmen, ist 
immer bedenklich Beide Wörter verlangen noch eine schärfere Untersuchung. 
Der Normanne kennt auch harousse s. v. a. fr. rosse, welches in betracht 
des anlautenden h seine herkunfl aus dem ahd. altn. hros schwer ver~ 
läugnen kann. 

Rubino it., sp. rubin, rubf, pr. robi, fr. rubis ein röthlicher edel- 
stein, rubin; von rubeus. 

Ruca it. pr., sp. pg. oruga; dsgl. it. ruchetta, sp. ruqueta, fr. 
roqnette eine pflanze, rauhe; vom lat. erüca dass. 

Ruffa.tf. gedränge von personen um etwas aufzuraffen (gezause 
um etwas); vb. arruffare das haar verwirren, zausen, comask. rufa- 
su das geeicht zusammenziehen (kraus machen), pg. cat. arrufar kräuseln, 
zusammenziehen, rauh machen, sp. arrufarse sich erzürnen (so it. ar- 
ricciarsi kraus werden, zornig werden); adj. sp. rufo kraushaarig 
(auch rothhaarig, von rufus), pr. ruf rauh, rauch? (ac grans e rufas las 
mas Jfr.), limous. rufe dass., in Berry rufe, rufle mürrisch. Die Wörter 
sind germanischer herkunfl, zumal stimmt it. arruffare zu unserm raufen 
(so tuffare zu taufen), aber auch zu rupfen (ebenso zuffa zu zupfen), dsgl. 
zu engl, ruff, rüffle krause, ndl. ruyffel runzel KU., altn. rfifinn struppig; 
für das roman. adj. vgl. aÜengl. ruff rauh. Hiermit ist zu verbinden 
mail. ruff, piem. com. rufa schorf, venez. überhaupt unsauberkeit, mit 
radicalem o romagn. rofia (für rofla) schuppen auf dem köpfe, brand im 
getreue (identisch it. roffia dicker nebet, Dante Par. 28, 82), bürg. 
reuffle, im Jura rouffie, ältfr. roife NFG. II, 88, auch rol'6e schorf, alle 
= ahd. hruf, mhd. ruf, altn. hrufa, rufa, ndl. rof aussatz, schorf, rauhig- 
keU u. dgl., ags. hreöfl aussätzig. Eine zss. ist it. baruffa rauferei, 



278 I. RUFFIANO -SACCO. 

com. baruf büschel haare, pr. barrufant rauf er, chw. barufar raufen, 
augenscfieinlich das ahd. biroufan, a für i wie im it. baroccio für biroccio 
u. andern. — Nicht zu vermengen mit diesem ist sp. arrufer krümmen, 
wölben, vom engl, roof mit einem dache versehen, sbst.- dach, Wölbung, 
daher gaumen (vgl. wegen der letzteren bedeutung palais IL c), sp. sbst. 
rufo abgesonderter platz in der barke (Seckendorf), ndl. roef sdiiffs- 
kämmerchen. 

Ruffiano it., sp. pr. rufian, fr. rufien kuppler. Nach einigen von 
rufus, weil sie roth gekleidet gewesen, was aber Menage widerlegt; nach 
andern gleichfalls von rufus, aber darum weil die feilen dirnen rötMiches 
oder blondes haar getragen hätten, s. Ducange. In beiden fallen muß 
man rufulus zu gründe legen, daher ruf lanus, ital. dreisilb. ruffiano und 
hieraus die formen der übrigen sprachen. Sicherer aber (denn rufus ist 
nicht einmal im ital. einheimisch) leitet man das wort auf den eben be- 
handelten stamm ruf, rufl zurück, wonach es, freilich etwas allgemein, als 
Schimpfwort, einen moralisch schmutzigen menschen bezeichnete, bei Dante 
Inf. 11 ruffian, baratti e simile lordura. Man bemerke noch hd. ruffer 
kuppier Frisch II, 133 a , nhd. ruf fein kuppeln Schmeller HI, 62, altengl. 
ruffiner für ruffian u. dgl. 

Ruga altit., sp. pg. pr. rua, fr. rue gösse; von ruga furche, daher 
reihe, straße, schon in alten glossen ruga 'platea äyvia, dsgl. ruga (>ii*i}\ 
auch der Albanese braucht rüge in roman. sinne. Die lat. bedeutung ver- 
tritt it. ruga, sp. arruga, pr. ruga, rua. 

Ruggine it., wal. rugfne, sp. orin rost am metäll, von aerugo; 
gleichbed. sp. robin von rubigo; von letzterem auch cot. rovell, pr. 
roilh, roYlha, fr. rouille diminutivbüdungen. 

s. 

Säbana sp., pr. savena, altfr. savene betttuch, altartuch u. dgl., im 
spätem latein sabanum, savanum, goth. sabans, ahd. saban feine lein- 
wand; vom gr. oaßavov leinenes tuch zum abtrocknen im bade; daher auch 
sie. insavonare in das leichentuch hüllen. S. Dief. Goth. tob. 1, 179. 770. 

Sacar sp. pg., altfr. sachier, pic. saquer ziehen, herausziehen (nfr. 
saccade zug), ursprüngl. an sich bringen, sich zu eigen machen: heredi- 
tates, quas saceavimus de Argefonso in einer Urkunde Esp. sagr. XL, 407; 
von Saccus tasche. Altfr. bedeutet desachier s. v. a. einfach sachier und 
vielleicht ist in letzterem die präposition zu supplieren; so könnte umge- 
kehrt das neupr. sac4 * einstecken am dem dttpr. ensacar abgekürzt sein, 
doch bedeutet das ndd. sakken ganz dasselbe s. Brem. wb.; auch engl. 
bag sack, vb. bag einsacken. 

Sacco it., sp. pg. saco, fr. sac in der bed. plünderung eines ortes; 
vb. it. saccheggiare, sp. saquear, fr. saccager. Vbm ahd. scah (beute) 
kann es nicht herstammen, da sich anlautendes sc = sk nimmer in s 
vereinfacht. Es kann nur identisch sein mit lat. Saccus und mochte zu- 



I. SAGGIO— SAGRO. 279 

erst pack) demnächst die eingepackte beute heißen, wie hochd. plunder 
Habseligkeit, gepäck, engl, plunder beute heißt. Ein anderes beispiel, wie 
die Handlung nach dem dazu dienenden Werkzeuge benannt wird, ist pg. 
escala erstürmung mit der leiter, von scala leiter. Dahin it. saccomanno 
pactknechtj neupr. sacaman, vom mhd. ndl. bair. sackmann (auch rauher) ; 
sp. sacomano plüfderung, mhd. sackman machen depqpulare Wb. II, 46. 

Saggio it., sp. pg. sabio, pr. sabi, satge, fr. sage klug; entwickelt 
sich leichter aus detn vermutlich volksmäßigen sapius, zu folgern aus 
dem negativen nesapins bei Petronius (vgl. scius, nescius), als aus sapi- 
dus (fr. sade), wohin man es gewöhnlich stellt. Doch gründet sich die 
franz. form nicht unmittelbar auf sapius, welches sache erzeugt hätte 9 
sondern auf ein vermittelndes in dem altfr. saive LRs. angedeutetes sabius, 
savius. Die getreueste form ist wohl die sie. sapiu in varva-sapiu klug, 
buchstäbl. hart -klug. 

Saggio, assaggio it., sp. ensayo, asayo, pr. essai, assai, fr. essai 
probe; vb. iL saggiare, assaggiare, sp. ensayar, asayar, pr. essaiar, 
assaiar, fr. essayer probieren, auf die probe stellen, kosten. Es soll von 
sapor oder sapere stammen, aber wie? man müßte das oben erwähnte 
sapius zu gründe legen. Span, ensayo, cot. ensaig weisen mit der silbe 
ens auf ex, und da sich exagium auf einer römischen inschrift (s. Grut. 
647, 6) in der bed. Schätzung, in einem gr. lat. glossar iSayiov c pensatw 
findet, so ist nach keinem weitem etymon zu suchen. S. darüber Muratori. 

Sagire it. in besitz setzen, pr. sazir, fr. saisir ergreifen, wegnehmen, 
(satzir 'capere contra jus' GProv. 37); abgel. it. sagina, pr. sazina, 
fr. saisine besitz. Das dUfr. saisir hat auch die ital. bedeutung, daher 
das formelhafte vestut et saizit Rol. p. 124, noch jetzt se saisir de qch. 
sich einer sache bemächtigen; dieselbe bedeutung muß auch im prov. vor- 
handen gewesen sein, wenn das compos. dessazir außer besitz setzen, fr. 
dessaisir, einen solchen Schluß erlaubt. Es ist ein wort aus dem rechts- 
wesen: um so eher darf man, da die lat. spräche ein etymon verweigert, 
deutsche abkunft vermuthen. Dem buchstdben fügt sich ahd. sazjan setzen, 
logisch passender ist bisazjan = nhd. besetzen, ags. bisettan, engl, beset 
einnehmen, in besitz nehmen (mit abgefailner vorpartikel) : pr. sazir la 
terra das land besetzen. Statt der nüat. formet ad proprium sacire brauchte 
man auch ad proprium ponere DC. v. sacire, so daß man beide verba 
sacire und ponere als sinnverwandt betrachtet zu haben scheint, ponere 
aber ist setzen. Diese etymologie wird begünstigt durch die Priorität der 
prov. und neufr. bedeutung, die auch schon in den ältesten franz. werken 
heimisch ist, z. b. LRs. 330 saisir la vigne den Weinberg in besitz nehmen; 
die andre mag daraus erfolgt sein. Ital. sagire verhält sich übrigens zu 
sazjan wie palagio zu palatium palazjum. 

Sagro it., sp.pg. fr. sacre ein stoßvogel, sakerfalk, auch ein geschütz; 
wird mit recht für eine Übersetzung des gr. legal- heiliger vogel, wegen 
der bedeutung seines fluges, gehalten; man sehe einen ähnlichen fall in 
turbot IL c. Andre verweisen auf arab. $aqr fleischfressender vogel, 



280 I. SA1ME-SALSA. 

habicht Freyt. II, 507 h , und es ist keine frage, daß die abendländischen 
sprachen einige ausdrücke für jagdvögd der arabischen danken : diesmal 
aber ist die entstehung des Wortes auf eignem boden so deutlich, daß man 
eher an entlehnung des aräb. Wortes aus dem roman. denken möchte. — 
[Dessen Originalität vertheidigt dagegen Engelmann p. 9h indem es schon 
bei den Arabern der wüste im gebrauche gewesen sei. %Diefenbach, Orig. 
europ. p. 341, vermuthet bei der deutung aus tigal; anlehnung an ein 
altes europäisches wort: der habicht heiße lith. sakalas, slav. sokol.] 

Salme it., sp. sain, pr. sagin, saTta, fr. sain-doux schmale; von sa- 
gina mast, fett Dimin. sp. sain et e leckerbissen, würze, dsgl. zwischen- 
spiel auf der bühne. Die ital. bildung sa-ime (saglmen bei Joh. de Garl.) 
hat das ursprüngliche suffix ina vertauscht und ohne zweifei ist derselbe 
tausch auch in den übrigen sprachen vorgegangen, da sie das wort als 
mascülin behandeln, vgl. wegen der form it. gnaime fr. re-gain. 

Saja it. (aus dem prov.?), sp. pr. saya, fr. saie, masc. it. sajo, 
sp. sayo wollenes überkleid, auch der dazu gebräuchliche stoff, mhd. sei, 
altirisch sai Zeuß I, 37; von saga bei Ennius, gewohnt, sagum kriegs- 
manlel, nach Varro L. L. 5, 167 ed. 0. Müller, ein gallisches wort: in 
Ms multa peregrina, ut sagum reno gallica. Man sehe Diefenbaehs 
Untersuchung, Orig. europ. 411. In den Casseler glossen lautet das wort 
seia und hat die ursprünglichere bed. eines kleidungsstückes, ahd. tnnihhä 
= last, tunica. Sagulatus (mit dem sagulum bekleidet), dauert fort im 
pr. sallat, inf sallar verhüllen, welches Baynouard aus dem buchstäb- 
lich weiter abliegenden celare herleitet. Ein diminutiv von saja ist iL 
sagetta, sp. sayete, pg. saieta, saeta, fr. sayette sarsch, mhd. seit 

Sala it. sp. pg. pr., salle fr., aale wal. besuchzimmer u. dgl., saal; 
vom ahd. sal (m.) haus, wohnung. Diese bedeutung war noch im atifr. 
und prov. heimisch, man sehe bei Roquefort und Raynouard, ja die mhd. 
Zusammenstellung palas und sal ist auch romanisch: pr. palaitz e sala 
LR. s. v., palfcs ne sales FC. II, 316. 

Salävo it., fr. sale schmutzig; letzteres vom ahd. unfiectierten salo 
trübe, ersteres von der flectierten form salawfer, gen. salawes. Ein ge- 
nauerer beweis für die deutschheit des Wortes ist nicht zu verlangen. Vb. 
nur fr. salir. 

Salma, soma it., sp. salma, xalma, enxalma, fr. somme last, pr. 
sauma eselin; vom spätem lat. sagma (oaypa), woher auch ahd. sanm, 
vgl. das glossem bei Papias clitellae 'sarcinae sellae somae. Der Über- 
gang von g in 1, den schon Isidorus kannte (sagma, quae corrupte vulgo 
salma dicitur), ist wie im sp. esmeralda aus smaragdus. Zsgs. it. assom- 
mare, fr. assommer beladen, niederdrücken. Abgel. fr. sommelier 
kellermeister, so genannt, weil der wein, wie Frisch bemerkt, säum- oder 
lastweise in den keller geführt wird, vgl. it. somella kleine last. 

Salmastro it., saumätre fr. salzig; mit verändertem suffix aus 
salmacidus, wofür auch pr. samaciu, altfr. saumache vorkommt. 

Salsa ü. sp. pr., sauce fr. (für sause) brühe, tunke-, eigentl. ge- 



I. SALSAPARIGLIA— SARPARE. 281 

salzenes (altfr. la sauce de mer das salzige seewasser Alex. p. 13"), vom 
adj. salsus. Abgel. ü. salsiccia, fr. saucisse, sp. salchicha brativurst, 
vgl. salcitia W^ 1 Gl. Flor., salsities Gl. Prag. ed. Hoffmann. 

Salsapariglia it., sp. zarzaparilla, fr. salsepareille eine pflanze 
oder wureel aus Peru; vom sp. zarza brombeerstrauch und Parillo name 
eines arztes, der sie zuerst anwandte. So Scaliger, s. MSnage. 

Salvaggio, selvaggio it., sp. salvage, pr. salvatge, fr. sau vage 
adj. wäd; von silvaticus, it. auch selvatico, salvatico, wäl. selb&tic. Daher 
sbst. it. salvaggina, sp. salvagina, altfr. sau vagine wild, tvildpret. 

Sampogna, zampogna it., sp. zampona, pg. sanfonha, pr. sin- 
phonia, altfr. Symphonie, chifonie, wal. cimpoe schalmei, hirtenflöte, auch 
sackpfeife; von symphonia, dem schon das frühste mlatein ähnliche bedeu- 
tungen einräumte, bei Venant. Fort, donec plena suo cecinit symphonia 
flatu. Die herleitung aus sambucus ist kaum der anführung werth. 

Sandalo it. sp. pg., fr. sandal ein indisches f arbholz; aus gr. 
aartaXov, dies aus aräb. zandal, ursprüngl. aber aus dem sanskrit. 

San dal it. pantoffd der bischöfe, sp. pg. sandalia, fr. sandale 
pantoffel überh.; vom gr. aavdaXov, oavdaXiov, tat. sandalium schnürsohle. 

Sapere, savere it., sp.j>g.pr. saber, fr. savoir; von s&pere, roman. 
gesprochen sapäre nach dem muster der andern verba des modus, doväre, 
pot&e, volare. Es trat an die stelle des verschwundenen, nur dem Sarden 
und Walachen verbliebenen scire wissen, da allerdings schon die Alten 
es als transitiv für 'verstehen' anwandten: rem suam sapere u. dgl. 
Mittdlat. stellen, wo es ganz in roman. sinne steht, wie in sapiunt ad- 
implere ministerium suum Gap. Gar. M., sehe man bei Caseneuve und 
Ducange. 

Sarabanda it. pg., sp. zarabanda, fr. sarabande ein tanz, so wie 
die ihn begleitende musik; vom pers. serbend eine art gesang (MSnage). 
Die andern sprachen entlehnten dies wort aus dem spanischen. Davon 
redet Sermiento, Obras post. p. 230. 

Sardina it.sp., fr. sardine ein kleiner dem hering verwandter fisch ; 
vom tat. sarda, sardina, gr. aagdivr), nach der insel Sardinien be- 
nannt, in deren gegend er besonders häufig gefangen ward; ital. auch 
sardella. 

Sargia it., sp. sarga und sirgo, pr. serga, fr. serge, sarge (f.) 
ein woUener Stoff, theüs mit leinen theils mit seide gemischt, sarsche; von 
sericus, serica baumseide, bask. ciricua, mlat. auch sarica. Daher mit 
übertritt des 8 in x (wie in ximio von simius) sp. xergon, pg. xergäo, 
enxergao strohsack (nach Sousa vom arab. scharkon), ferner it. sar- 
gäno u. a. 

Sarpare, salpare it., wal. sarpä, sp. pg. zarpar, fr. serper den 
anker einziehen. Muratori erinnert an gr. aonatuv raffen, reiften; besser 
wäre das gleichfalls vorhandene e£aQ7za£eiv herausreiften, übertritt des 
anlautenden gr. «£ oder £ in einfaches s kommt auch sonst vor, s. saggio, 
garte, sesta. Der grieeh. Ursprung ist um so wahrscheinlicher, da auch 



282 I. SARTE-SCACCO. 

der Wdlache das wort besitzt. Aus dem verbum entstand sp. zarpa kralle, 
nach Larramendi ein baskisches wort. 

Sarte, sartie it. (plur.), altfr. sarties, sp. xarcia, xarcias, pg. en- 
xarcia tauwerk; vom miüelgr. i^cQviov schiffsgeräthe schon bei papst 
Zacharias (8. jh.) y goQTtov Gl. gr. barb. s. Ducange s. v. enxarcia und 
dessen Voc. graec.; igaQtiov aber gebildet' aus e^aQxiteiv ein schiff aus- 
rüsten; das roman. feminin scheint auf dem griech. pluräl eu ruhen. 
Ferrari zieht sarte aus sertus, aber die form sartie würde sich daraus 
nicht rechtfertigen lassen. 

Satureja, santoreggia it., sp. sagerida, axedrea, pg. saturagem, 
segurelha, cigurelha, pr. sadreia, fr. sarriette ein kraut, saturei; von sa- 
tureja, frei wie andre kräuternamen behandelt. 

Sa uro, soro it. dunkelbraun, pr. säur, fr. saure hellbraun oder 
goldfarbig: saurs 'color aureus' GProv. 44, saura 'grisea* d. i. chrysea 61, 
sors comme fin ors NFC. I, 348. Entstehung aus ex auro wäre mit 
keinem gleichen falle eu belegen und hätte ital. richtiger sciauro, scioro 
abgesetzt. Man kennt ein mhd. adj. sör, ndd. soor, engl, sear getrocknet, 
dürr, woher das roman. adjectiv stammen könnte. Wie kam man aber 
von der bed. dürr auf die bed. bräunlich? etwa von der färbe dürrer 
blauer oder versengtet dinge (engl, sear versengen)? Frone, hareng säuret 
heiß bücking, getrockneter oder geräucherter hering, wohl nicht von seiner 
goldfarbe, sondern weil sich hier die grundbedeutung erhielt, wie dies aiuch 
im vb. saurer heringe räuchern d. i. bückinge machen der faU war, vgl. 
die entsprechenden verba ahd. sauren, sören, ags. seärian dorren, dörren, 
Ital. soro hat auch die bed. einfältig, ursprüngl. wohl trocken, saftlos, wie 
sciocco von exsuccus. — Andrer herkunft aber ist pr. eisaurar in die 
luft erheben, fr. essorer, daher it. sorare auslüften, flattern lassen (von 
falken an der leine), fr. essor aufschwang, s* essorer, pr. s'eisaurar sich 
aufschwingen, gleichsam exaurare von aura luft: neupr. bedeutet schon 
das einfache aurd fliegen; abgel. it. sciorinare auslüften. — [Die oben 
berührte Verbindung der begriffe dürr und braun vermittelst der den dürren 
blättern eignen färbe unterstützt Liebrecht bei Gachet 427 a . durch hin- 
Weisung auf color aridus bei Plinius und xerampelinus bei JuvencU. 
Mahn weist sauro einen andern Ursprung an, vom bask. zuria, churia 
weiß, mit rücksicht auf die Verwandtschaft dieser färbe mit der blonden; 
man sehe seine Etym. unters, p. 16. Noch anders urtheilt Diefenbach 
darüber, der seinen Ursprung im ländernamen Syria vermuthet, Ztschr. 
f. vergl. sprachf. XII, 79.] 

Scabino it., üblicher schiavino (gli schiavini e rettori della terra Cr. 
Villani, auch bei Fr. Sacchetti), sp. esclavin, fr. 6chevin richter, urtheüer. 
Deutsches wort: <üts. scepeno, ahd. sceffeno, sceffen, nhd. scheffen, schöffe, 
von schaffen anordnen, mlat. scabinus (wonach das unübliche ital. scabino 
geformt ward), dsgl. scabineus, scabinius L. Long., Gap. Gar. M. Vgl. 
Grimm, Rechtsalt 776. 

Scacco it., sp. xaque, pg. xaque, pr. escac, fr. 6chec Schachfigur 9 



I. SCAGLIA-SCARAFAGGIO. 283 

Schachspiel; vom pers. schäh König, als hauptßgur. Daher fr. ächiquier 
name eines gerichtshofes in der Normandie und England, van dem ge- 
scheckten boden oder tafeltuch, adj. £chiquet6 gescheckt, geivürfdt. Altfr. 
Ichec in der bed. raub, pr. escac GO., scax GRoss., comask. scach, geht 
auf das gleichbed. ahd. scäh zurück, das auch die bed. von scacco in 
sieh begreift, daher unser Schacher, ahd. scahari. 

Scaglia it., äcaille fr. schuppe, rinde, schale; vb. scagliare, 
fcailler abschuppen. Die herleitung aus squamula wird formell durch 
kein entsprechendes beispid gestützt. Ein buchstäblich zutreffendes etymon 
ist unser schale, vb. schälen, ahd. scalja (?), scaljan, vgl. goth. skalja 
ziegd: schuppen und ziegel haben das ähnliche, daß sie übereinander 
liegen. Gleicher herkunft ist fr. öcale nuß- oder eier schale, pic. Dealer 
aushülsen. 

Scalmo, scarmo it., sp. escalmo, escalamo, neupr. escaume, fr. 
£chome (m.) ruderholz; von scalmus dass. 

Scalogno it., sp. escalona, fr. Schalotte eine ort zwiebeln, Schalotte; 
von caepa ascalonia zwiebel aus Ascalon. 

Scandaglio it., sp. escandallo, pr. escandalh senkblei, auch alban. 
scantal^; vb. it. scandagliare, scandigliare, sp. escandallar, pr. es- 
candalhar, escandelhar mit dem senkblei messen; von scandere, vgl.mlat. 
scandilia sprossen der leiter, stufen, wobei man annehmen darf, daß die 
grade an der senkschnur bemerkt waren. Neupr. vb. escandaliä bedeutet 
eine tonne eichen. 

Scandella it., sp.pg^cat. escandia u. a. formen, im spätem mlatein 
8candnla feiner weizen oder spelz; nach Menage von canterinum hordeum 
pferdegerste, was nach laut und begriff übel stimmt. Es kann aus Can- 
didas abgdeitet sein, mit verstärktem anlaut: ebenso ist unser weizen 
gleicher tourzel mit weift (Grimm, Gesch. d. d. spr. 63) und der Spanier 
nennt einen weizen, der besonders weißes mehl gibt, candeal. 

Scappare it., sp. pg. pr. escapar, fr. 6chapper, wal. seepä ent- 
schlüpfen, altfr. retten : dieu nous escapera DMce. p. 118, 13. 288, 29. 
Es ist von dem rom. cappa mantd, so daß es eigentlich heißt aus dem 
mantd schlüpfen (der die flucht erschwert); ähnlich gr. ey.dveo&ai sich aus* 
ziehen, sich davon machen. Für das gegentheil von scappare hat die 
üai. spräche incappare hinein gerathen. Entstehung aus dem synonymen 
scampare retten, sich retten (wofür auch einfach campare), altfr. escam- 
per, ist nicht wahrscheinlich, da der ausfcdl des m vor p zu ungewöhnlich 
ist. Dieses hat vielmehr seinen Ursprung in campus, es ist = ex- campare 
das feld räumen, wogegen sp. escampar nur in der bed. räumen, leer 
machen, das gleichlaut. pr. cot. wort nur in der bed. verbreiten (vgl. es- 
passar von spatium) üblich geworden. Man sehe bei Grandgagnage s.v. haper. 

Scarafaggio ü., sp. escarabajo, pr. escaravai käfer; von scara- 
baeus, das für die roman. Wörter eigentlich die ausspräche scarabajus 
voraussetzt. Ittü. scarabone, pg. escaravelho, pr. escaravat, fr. escarbot 
fließen leichter aus dem gr. axagaßog. 



/ \ 



n 



284 I. SCARAMUCCIA— SCEMO. 

Scaramuccia, schermugio it., sp. pr. escaramnzo, fr. escarmouche 
gefecht «wischen Meinen schaaren, daher unser Scharmützel Schneller 777, 
402. Es ist eine ableitung aus schermire fechten, ahd. skerman, und «war 
dankt die erste sübe ihr a entweder der romanischen Vorliebe für diesen 
vocod oder das deutsche und rom. wort scara hat sich hinein verirrt. 
Ducange u. a. fühlen darin eine Zusammensetzung scara-muccia verborgene 
aus dem hinterhalt hervorbrechende schaar, von scara und fr. masser ver- 
stecken, was aber weder der bedeutung zusagt noch der form; vgl. mich 
das synonyme attfr. escarm-ie, das offenbar als einfaches wort dasteht. 

Scarlatto it., sp. escarlate, pr. escarlat, fem. fr. £carlate Schar- 
lach, eine färbe, dsgl. ein stoff von dieser färbe (prov. aitfr. wohl nur in 
letzterer bed., s. Michel zum Ger. de Nev. p. 169 und glossar zu Benoit, 
dsgl. Gachet p. 165 b ); vom pers. sakirlät (Vullers 11,203"), nach Röster, 
Zur etymologie der farbenbezeichnungen p. 11, ein fremdwort, muthmaßlich 
geformt aus dem ländernamen Sikelia arab., denn in Siciiien hatte zur 
zeit der arab. herrschaft die Jcunst der baumwollen- und seidengewebe 
einen ungemeinen flor erreicht. Eine deutung Heindorfs aus galaticus 
von Galatia, wo man den coecus am besten gewonnen habe, bemerkt 
Schwenck, D. wb. 555 note. 

Scarpa it., sp. escarpa, fr. escarpe böschung, abhang; vb. sp. es- 
carpar glatt machen, fr. escarper senkrecht abschneiden. Bedeutet scarpa 
etwas scharf oder spitz zulaufendes, so darf man an altn. skarp, ahd. 
scarf, nhd. scharf erinnern. Auch it. scarpa in der bed. schuh (nach dem 
spitz zulaufenden absatz genannt), worin Muratori ein lat. wort carpis- 
culum sieht, kann nur hieher zu stellen sein. Von scarpa in letzterer 
bedeutung ist it. scappino, aitfr. escapin Gar. II, 112, besser sp. es- 
carpin, auch aitfr. escarpin Roq. socke, pantoffd. 

Scarso it., pr. escars, escas, fr. ächars, sp. escaso knapp, spärlich, 
karg, ndl. schaars, engl, scarce. Das frühere ndatein bietet excarpsus und 
scarpsns als partieip von excarpere/ör excerpere, welches dann bedeutet € ins 
kleine gebracht, kurz zusammengezogen, daher das rom. scarso. So meint 
Muratori und in der (hat ist ein partieip excarpsus ganz im sinne der 
neuen sprachen, da sie in zusammengesetzten verbis gerne den wurzdvocal 
der einfachen festhalten (excarpere für excerpere) und im partieip die 
form sus vor der form tus begünstigen (it. nascoso, perso, pr. somos, 
sors u. a.). Für scarso in der bed. schmal, schmächtig sagt der Italiener 
auch scarzo. 

Scartare it., fr. ^Carter, sp.pg. descartar aus der karte (dem spiele) 
werfen, überhaupt absondern; von carta, lat. charta (das kartenspiel seit 
dem 14. jh. erwähnt, s. z. b. Hoffmanns Hör. belg. VI, 174). Die alte 
prov. spräche besitzt nur encartar einregistrieren, von carta in anderm 
sinne, fr. Charte document. 

Scellino it., sp. pr. escalin, fr. escalin eine münze; vom goth. 
skilliggs, ahd. skilling, nhd. Schilling. 

Scemo it., alt semo PPS. II, 272, piem. pr. sem adjj. verringert, 



I. SCHELETRO-SCHIAVO. 285 

entkräftet; vb. it. scemare, piem. seme, pr. semar verringern u. s. w., 
altfr. seiner absondern, trennen (mais je fereye k Karle Tarne da cors 
semer QFA. v. 500, vgl. 41), in Berry semer, sener, cener versehneiden, 
castrieren; fr. se eherner schwinden, vom it. seemarsi. Im ältesten mlatein 
findet sich bereits semus, simare, in der L. Liutpr. scematio Verstümme- 
lung. Bas etymon ist semis halb, daher auch sp. xeme maß eines 
halben fußes, die grundbedetdung des verbums ist also halbieren. 

Scheletro it., esqueleto sp., squelette fr. (m.) gerippe; von oxe- 
letog ausgetrocknet. 

Schermo it. schirm; vb. it. sohermire, sp.pg. esgrimir, pr. altfr. 
escrimir fechten; vom ahd. skirm, skerm Schild, schütz, vb. skirman 
(skirmjan wäre den rom. formen angemessener), bair. mit umgestelltem r 
schremen. Dsgl. it. sehermare, cot. esgrimar, fr. escrimer; sbst. it. 
scherma, scrima, sp.pg. eögrima, pr. escrima, fr. eserime fechtkunst. 

Scherno it., sp. escarnio, pg. escarnho, pr. esquern, altfr. eschern 
spott; vb. it. schernire, sp.pg. escarnir, pr. es^uemir, escarnir (escar- 
nitz < densus GProv. 52* , lies 'derisus'), altfr. eschernir, eseharnir ver- 
spotten; vom ahd. sk6rn Spötterei, skgrndn verspotten, skirno possenreißer. 
Das ursprüngliche i zeigt die prov. form schirnir Chx. V. 136, wie auch 
die geschlossene ausspräche des itai. e darauf hinweist. Ennius hat carT- 
nare schimpfen, woneben man excarinare annehmen dürfte, allein theäs 
die wenig übliche Schwächung des a in e und i, theils die abweichende 
conjugationsform, theils selbst die bedeutung entscheiden dagegen. 

Sc-hiantare it. zersprengen, zerschlitzen, abreißen, pr. esclatar, fr. 
fclater zerspringen, ausbrechen; sbst. it. schianto, fr. 6clat riß, schlitz, 
ausbrach, knall; daher ven. schiantizare blitzen. Man darf die ital. und 
franz. worter getrost zusammenstellen: schiantare, wofür auch wohl schiat- 
tare gesagt wird (s. Älberti, sie. scattari für schiattari wie seavu für 
schiarn, piem. sciatö), verhält sich mit seinem eingeschobenen n zu äclater 
wie lontra zu loutre: somit ist die deutung des ersteren aus dem begrifflich 
Übel passenden explantare aufzugeben. Esclatar aber geht regelrecht hervor 
aus dem ahd. skleizen für sleizen zerreißen, spalten, wie altfr. esclier aus 
ahd. slizan. Was dem Franzosen äclater, das ist dem Spanier estall ar, 
pg. estalar, mit r verstärkt estralar; es könnte aus eslatar umgestellt sein und 
somit auch hieher gehören, doch läßt sich kein ganz analoger fall beibringen. 

Schiatta it., pr. esclata, altfr. esclate geschlecht, ort; vom ahd. 
8lahta mit gl. bed., nhd. ge-schlecht. 

Schiavo it., sp. esclavo, pg. escravo, pr. esclau, fr. esclave (un- 
organisch für talou, altfr. esclo-s, auch escla-s Roquef I, 638*); vom 
dtschen sklave für slave, eigentl. kriegsgefangener Slave, wie ags. vealh 
sowohl Walscher wie sklave heißt; das eingeschobene c schon in den 
Schleust, glossen 29, 49 Sclavus c WinW (Wende) , aber sard. (logud.) 
ohne c ißlavu. Abgel. it. schiavina, sp. esclavina, altfr. esclavine, 
mhd. slavente grober pägerrock; ursprüngl. sUavenrock? nach Muratori, 
Ant. ital. II, 420, von den Slaven verfertigter rock. 



286 I. SCHIENA— SCIAME. 

Schiena it., ven. piem. romagn. sard. schina, sp. esqnena, pr. es- 
quena, esquina, fr. 6chine rückgrat. Auf die bekannte herleitung aus 
spina wird man verzichten müssen, da sp wenigstens im westen nicht in 
sq ausartet. Führt man es dagegen auf das ahd. skinä nadd, Stachel 
Graff VI, 499, wie lat. spina dorn und rückgrat heißt, so erklärt sich 
zugleich die schwankende darstdlung des Stammes (e, i), wogegen I in 
spina nicht wohl in e ausarten konnte. Ital. schiniera, sp. esqninela 
beinharnisch schließen sich dagegen offenbar dem ahd. skina, skena röhre, 
bein an, woher auch wallon. hene. 

Schiera it., esqneira pr., eschiere altfr. dbtheilung eines heeres; 
vom ahd. scara (passender wäre eine form scarja), nhd. schaar. Vb. pr. 
escarir, altfr. escharir Parton. I, 6 zutheüen, abtheilen, absondern, miat. 
scarire bestimmen, pr. escarida, altfr. escherie loos, Schicksal; beide vom 
ahd. scarjan, skerjan ordnen, zutheilen. Gleichbedeutend mit esqneira 
ist pr. escala, altcat. eschala Chr. d'Esel. cap. 5, altfr. eschiele, entstellt 
aus scara, wiewohl es buchstäblich das lat. scala (leiter) ausdrückt? Aus 
schiera läßt Ferrari auch it. scherano Straßenräuber entspringen. 

Schifo it., sp. pg. esquife, fr. esquif boot; vb. altfr. esqniper 
ein schiff ausrüsten (sich einschiffen TGant. p. 34, 11), nfr. äqniper iiber- 
haupt ausrüsten, ausstatten, sp. esqnifer, esquipar dass.; vom ahd. skif, 
goth. ags. altn. skip, scip, daher das schwanken stoischen f und p. Dsgl. 
altfr. eschipre schiffmann LRs. 271, eskipre Trist. II, p. 75, vom ags. 
sciper, altn. skipari = nhd. Schiffer. 

Schinma it. (mit eingeschobenem i = 1, Rom. gramm. I, 344, 
mundartl. scuma, sgnma), sp. pg. pr. escnma, fr. 6cume schäum; ahd. 
scfim, nord. sküm (fehlt goth. und ags.), gael. sgüm, ciban. s'cnme. 

Schivare, schifere it., sp.pg. esquivar, fr. esquiver, alt auch esehi- 
ver, chw. schivir meiden, verschmähen; vom ahd. skinhan, nhd. scheuen, mit 
consonantierung des u eu v und ausfall des h. Adj. it. schivo, schifo, 
sp. esqnivo, pr. esqnin, altfr. eschin, chw. schiv spröde, vom adj. sehen. 

Schizzo it., daher wohl sp. esquicio, fr. esqnisse (f.) erster ent- 
wurf, skissze; von schedinm *aus dem Stegreif gemacht 9 , bei Apulejus, gr. 
oxiStog; vb. oxediäCeiv hinsudeln, it. schizzare/f. Auffallen muß ifüre, 
schizzo für schezzo; aber auch miat. schrieb man seida/wr scheda, indem 
man scindere und oxiörj im sinne hatte. 

Sciabla, sciabola it., ven. sabala, sp. sable, fr. sabre eine waffe, 
säbel. Das wort ist später und, wie es scheint, wenigstens insfram. zu- 
nächst aus dem deutschen eingeführt, aber auch hier fremd, übrigens vielen 
sprachen gemein, ungr. szablya, serb. säblja, wal. säbie u. s. w., nach 
Frisch II, 139 vom mittdgr. Caßog krumm. 

Sciame, sciamo it., sp. enxambre, pg. enxame, pr. eissam, fr. 
essaim bienenschwarm; von examen; vb. fr. ächemer vrlt., lat. examinare 
schwärmen, in dieser bedeutung vorclassisch. In der dassischen bed. Unter- 
suchung und untersuchen sind beide Wörter in buchstäblicher gestalt ins 
romanische eingeführt worden. 



I. SCIAMITO-SCORCIARE. 287 

Sci&mito it., sp. xamete, pr. altfr. samit ein Seidenstoff, sammet; 
vom nrittdgr. ei-a/itiTog, ^aurjTog sechsfädemig. 

Sciarpa, ciarpa it., sp. charpa, aas dem fr. öcharpe binde, gürtel, 
daher auch mndl. scaerpe, nhd. schärpe. Bei den Alten hieß escharpe, 
escherpe, escerpe auch die dem pilger um den hals hängende tasche, 
s. Sax. II, 123, Og. 6888, Par. la duch. p. 7,' 8, Ren. II, 69, Kuteb. 
II, 26, und vermuthlich ist die bed. binde erst daraus abgeleitet. Tasche 
heißt auch das ahd. scherbe, das niederrhein. schirpe, das ndd. schrap 
Brem. wb., so daß dem worte doch wohl deutscher Ursprung zukommen 
wird: das pr. escharpir zerreißen gewährt keinen passenden begriff. Ein 
diminutiv von öcharpe ist vielleicht esca reelle (für escarp-celle) bügd- 
tasche, daher sp. escarcela, it. searsella, nach andern aber vom it. scarso 
sparsam, da es in dieser spracht geldtäschchen heißt; scarpsella schreibt 
ein Wörterbuch des 16. jh. Dief. Gloss. lat. germ. 103 h . 

Scimitarra it., sp. eimitarra, pg. auch samitarra, fr. eimeterre 
(m.) kurzer säbel. Es soll morgenländischen Ursprunges sein. Ein ähn- 
liches wort fuhrt allerdings Suidas an: oaftiprJQai ona&ai ßaQßaQixal, aber 
weder daraus noch aus dem pers. schiraschfr konnte es entstehen. Ist 
Spanien seine heimath, so verdient Larramendi's deutung aus bask. eime- 
terra 'der von der feinen schneide' alle rücksicht. 

Sciringa, seilinga it., sp. siringa, xeringa, pr. siringua, fr. gerin- 
gue spritze; von syrinx röhr, rohrpfeife. 

Scirocco, sciloeco, siroeco it., sp. siroco, xiroqtte, xaloque, pg. 
xaroeo, pr. fr. siroe Südostwind; vom gleichbed. arab. schoruq (scharq 
asten) Freyt. II, 415*. 

Seoglio it., sp. eseollo, pg. gleichlaut., pr. escuelh, fr. 6cueil fels, 
Hippe; von scopulus. 

Scojattolo it., sp. pg. esquilo, arag. esquirol, pr. escurol, fr. 
fcureuil eichhorn, eiclihörnchen, von sciurus, sciurulus, mlat. squiriolus 
Gl. Bonn. Die hinneigung zur diminution, veranlaßt durch die niedlich- 
keit des thieres, ist unverkennbar. Um das ungewohnte iu zu beseitigen, 
sprach man theils seuirus (daher esquirol, escurol), theils scurius (daher 
scoj-att-olo): so kam es, daß sei in diesem worte, vielleicht ohne einfluß 
des gr. axlovQog, woraus aber doch das sard. schirru (marder) entstanden 
scheint, die bekannte pdtatale ausspräche nicht annahm. Zahlreiche mittei- 
lest. Varianten dieses wortes bei Diefenbach, Gloss. lat. germ. p. 64 c . Der 
üblichere span. ausdruck ist ardilla IL b. 

Scorbuto it., sp. pg. escorbuto, fr. scorbut eine krankheit; vom 
ndd. schorbock, ndl. scheurbuik = nhd. scharbock, über deren etymo- 
logie s. Frisch II, 220* . 

Scorciare it., sp. escorzar, altfr. escorcer, eseoursser kürzen, in 
letzterer spräche auch ein kleidungsstück auf gürten, noch jetzt wall, hörst 
für neufr. trousser; von curtus, wie hausser von altus. Aus dem verbum 
das sbst. it. scorcio, sp. eseorzo kürzung, altfr. escors, escuers schooß 
des kleides, dsgl. des korpers, gremium, noch pic. öcour Hec. Die franz. 



288 I. SCORZA-SCROCCO. 

Wörter begegnen hier in überraschender weise unsern deutschen nicht ent- 
lehnten schürzen und schürz, stimmen cäter buchstäblich zu den romanischen 
und können ihre zweite bedeutung recht wohl sich selbst verdanken. 

Scorza it., wal. scoartze, pr. escorsa, fr. 6corce rinde der bäume, 
schale des obstes, scorzia l rinta bereits in dem Voc. SGatt.; vb. it. scor- 
zare, pr. escorsar, fr. 6corcer. Die entstehung des Wortes läßt sich ver- 
schieden auffassen. Es kann herrühren aus scortea (mit assimiliertem t) 
ledern: leder und rinde werden oft durch dasselbe wort ausgedrückt, und 
was die herkunft aus einem adjectiv betrifft, so ist dies bei dem synony- 
men corteccia genau derselbe fall. Auch entstehung von scorza und scor- 
zare aus cortex mit vorgefügtem s ist gedenkbar: das s des Substantivs 
könnte seinen grund haben in dem des verbums, welches letztere sich aus 
ex-corticeare erklärt; eine andre bildung, excorticare, ward oben unter 
corteccia erwähnt. Diese etymologie hält sich genauer an den begriff als 
die erstere. 

Scorzonera it., sp. escorzonera, fr. scorson&re eine pflanze, haber- 
wurz. Zwei deutungen kommen in er wägung. Vom it. scorzone eine art 
giftiger schlangen (s. escnerzo IL b), weil man die pflanze gegen den 
Schlangenbiß für heilkräftig hielt; es entspräche genau dem lat. serpen- 
taria. Aber unzweifelhaft wäre alsdann die richtige form scorzoniera. 
Oder das wort wäre zsgs. aus scorza nera entsprechend dem deutschen 
Schwarzwurz: dann ist nicht abzusehn, warum die spräche den Maren 
ausdruck verdunkelt haben sollte. Man mochte wohl zuerst scorzoniera 
(schlang envourz) gesagt, nachher niera in nera umgedeutet haben. 

Scotta it., sp. pg. escota, altfr. escota Brt. II, 141 ein tau, womit 
man die segd anzieht oder schießen läßt ; vom schwed. skot, nhd. schote, 
ndl. schoot, dies von schiefsen, schieten. 

Scott o it., sp. pg. escote, pr. escot, fr. £cot, mlat. scotum zeche, 
dsgl. Steuer. Es trifft zusammen mit nhd. schofe {von schiefsen?), oÖ- 
fries. skot, engl, scot, shot, so wie mit dem gleichbed. altgael. sgot (Leo, 
Malb. glosse II, p. 3). Das fr. 6 c o t baumstrunk ist offenbar vom ahd. 
scuz, woher auch scazling, nhd. schöfsling; so vielleicht auch pr. escot-z 
%gnum parvum acutum' GProv. 57*. 

Scrocco it. Schmarotzer, fr. escroc gaudieb, strolch, listiger betrü- 
get, und so maü. scroch spitzbübe, chw. scroc wicht; vb. it. scroccare 
schmarotzen, sard. iscroccare wegschnappen, fr. escroqaer prellen. Man 
leitet es aus dem fr. croc haken, so daß escroqaer mit dem haken heraus- 
ziehen hieße, aber mit unrecht, theils weil crocco dem Italiener fehlt, denn 
das vereinzelte neap. crocco kann dem franz. entnommen sein, scrocco 
aber mit seinen vielen Ölleitungen in Italien heimischer scheint als in 
Frankreich, theils weil man franz. statt escroqaer eher £crocher (wie 
accrocher) gesagt hoben würde. Escroc ist ohne zweifei identisch mit ndl 
schrok vielfraß, dem das niederrhein. schroh mager (hungrig?) Schmeller 
III, 609 zur noth entsprechen könnte, allein das ndl. wort kann aus 
Frankreich eingebracht sein. Unbedenklich von Seiten der form und im 



I. SCUOTERE— SEGALE. 289 

einJdang mit dem begriffe würde man es dagegen auf unser schurke, ahd. 
scargo zurückführen, dem die ital. form scorcone (bei Veneroni) noch 
näher tritt. Schlacker, schlucken liegen buchstäblich schon etwas mehr ab, 
da ahd. sl sich nicht in scr umbilden läßt. 

Scaotere ü. 7 pr. escodre, dttfr. escorre, escourre schütteln, ab- 
schütteln, losmachen, von excatere; sbst. it. scossa, pr. escossa (escosa 
LR.), fr. escousse erschütterung u. dgl., vom partic. excussa. Zsgs. it. 
ri scaotere, pr. rescodre, altfr. rescorre, neufr. recourre wieder los- 
machen, einlösen, von re-excatere; sbst. it. ri scossa, pr. rescossa, fr. 
recousse Wiedereinlösung. Dahin auch pr. gecodre, altfr.' secorre? (pc. 
secous), nfr. secouer, sp. sacudir, lomb. secudi, chw. saccader schütteln, 
von saccutere, das auch {zugleich mit excatere) im it. scaotere enthalten 
ist; sbst. fr. secoasse erschütterung. 

S curia da it., fr. 6coarg6e (aus escouriäe), norm, courgäe peitsche, 
geissei, daher engl, scoarge und wohl auch sp. zarriago; aus excoriata 
sc. scutica, aus leder bereitete geissei, wie Muratori lehrt. Das franz. 
wort trifft übrigens buchstäblich eben sowohl mit it. scoreggiata {von cor- 
rigia) zusammen. 

Secchia it., pg. pr. selha, altfr. seille, dsgl. masc. it. secchio, 
pr. seih eimer, gelte; von situla sit'la, euphonisch sicla z. b. L. Alam., 
siccla 'einpar (eimer) Gl. Cass., masc. siclus Gap. Gar. M. Abgd. maü. 
sidell, com. sedell, altfr. s6el, nfr. seau mit gl. bed., fem. maü. sidella, 
com. sedela, lat. sitella; sedella < ampr% (d. i. eimberi) Gl. Cass. Dem 
Spanier scheint das wort ganz abzugehn; man vermuthet es in acetre 
Schöpfeimer, für acetle = sltulus, wovon sich das altsp. celtre aber weiter 
entfernt; Engelmann gibt dem span. wort als etymon arab. al-sa'tl assa'tl 
kleiner napf, dies vom pers. satil. 

Sädano it., ven. seleno, comasJc. selar, piem. seier u.s.w., fr. cÄleri 
eine pflanze, seUeri; von aiXtvov eppich im spätem griech. aber auch mit 
den roman. Wörtern gleichbedeutend. Span, apio dalce. 

Sedio, seggio, sedia, seggia it., fr. stäge (m.) sitz, sessel, zsgs. it. 
assedio, asseggio, sp. asedio, Belagerung, wofür auch pr. setje, fr. siöge; 
vb. it. assediare, sp. asediar, pr. asetjar, fr. assiäger, altfr. auch segier 
Rq. belagern. Unmittelbare dbstammung des einfachen sedia oder sedio 
vom lat. sedes vermittelst des adjectivsufßxes ius, ohne wandet des begriffes, 
wäre ein höchst seltener, schwer anzunehmender Vorgang. Die einseitige 
nur das franz., nicht das ital. wort befriedigende deutung aus einem selbst- 
geschaffenen attlat. sedica (wie pi£ge aus pedica) ist noch entschiedener 
abzulehnen, s. Rom. gramm. 1 7 29, note. Wohl aber scheint das aus 
obsidiam mit vertauschtem präfix gebildete assedio die form sedio her- 
vorgerufen zu haben. Über sp. sitio s. II. b. 

Sägale, s£gola it., cot. s£gol, pr. segael, fr. seigle (m.), wal. 
sec4re, auch bask. cekharea roggen; von secale dass., mlat. sigala Gl. 
Flor.' 990*, sigilam Hattemer I, 308 a , sido 296 s . Dem lat. nur aus 
nachweislichen worte wird langes a zuerkannt; die betonung der 

19 



290 I. SEGNO— SEMBRARE. 

ersten silbe aber muß frühe aufgekommen sein, da sie fast gemeinromanisch 
ist und auch aus den alten mlatein. Zeugnissen hervorgeht. 

Segno dUit., pg. sino, altcat. seny Chr. d'Escl. 687 h , pr. cenh, 
chw. senn glocke; von Signum, in dieser bedeutung schon im frühen mlatein, 
daher auch bask. ceinua. Vgl. tocsin II. c. AUfr. durch umdeutung 
entstellt in seint, saint, weil die glocken namen (von heiligen) empfiengen. 

Segagio it. Spürhund, mail. saus, savüs, piem. sus, in derL.Sal. 
und Alam. sigusius, siusius, seusius, in der L. Burg, segutius, in der 
L. Bajuv. canem seucem, quem leitihunt vocant, vgl. die glossen bei 
Graff Fi, 282 jagahunt 'siuso*, si secutor diceremus, und jagahant 'siusi, 
secutor 3 . Auf franz. gebiet scheint sich das wort nicht zu finden, dagegen 
läßt es sich in dem räthselhaßen sp. sabueso, pg. s&bujo wiedererkennen, 
welches sehr wohl aus sausius mit eingeschobenem hiatustilgenden b = v 
(sabusius, vgl. das mail. savus) und versetztem i (sabuiso, sabueso) ent- 
stehen konnte; es findet sich sogar ein ndat. sebusius. Sehr abweichend 
gestaltet ist das bei Juan Manuel (Gayangos p. 248 b ) einmal vorkommende 
span. sabejo, in seiner endung ejo vermuthlich andern thiernamen an- 
gemodelt. Ableitung aus dem partic. secutus ist grammatisch unstatthaft. 
MiÜlenhoff zur L. Sal. p. 293 hält das wort für fränkisch und schreibt 
sgusius d. i. siusius, mit eingeschobenem g sigusius, mhd. süse, vom vb. 
süsen Stridore, ahd. siusjan, nhd. sausen, eine deutung, die nicht frei ist 
von zweifei. Räumt man auch ein, daß im mlatein diphthonge durch 
consonanteinschiebung zertheilt werden konnten (was aber attsAgetius für 
A&tius noch nicht hervorleuchtet, da die einschiebung, wie in grugem für 
gruem, hier dem hiatus gilt), so findet dies auf die lebende spräche schwer- 
lich anwendung, die kein beispiel einer solchen behandlung der diphthonge 
kennt. Denn wenn triuwa tregua ward, so vertritt gu hier das ahd. w 
und das ital. wort weist zunächst auf die form triwa; suso mußte it. 
suso oder susone lauten. Übrigens möchte auch die bed. sausehund 
nicht passend gewählt sein für einen leit- oder Spürhund, bei dem die 
Schnelligkeit gewiß nicht das Hauptmerkmal abgibt. Ferrari u. a. vermu- 
then auf den städtenamen Segusium, Susa in Piemont, und diese ver- 
muthung ist nicht zu weit abzuweisen, da die namen der hunderacen 
häufig geographische sind, der buchstabe hier aber kein bedenken macht. 
Aus segusius für segusianus entsprang durch abkürzung seusius (vgl. 
valle seusia = valle di Susa in einer Urkunde v. j. 880 HPMon. J, 
n. 37, altfr. Seüse GRoss. Mich. p. 296), durch umdeutung segutius; in 
der piem. form hielt der name des hundes gleichen schritt mit dem der 
Stadt, während die Schriftsprache an der alten form festhielt. Kein Zeug- 
nis gibt es freilich für den segusischen hund, aber damit ist dieser elymo- 
logie wenig abbruch gethan. Das sp. galgo z. b. führt buchstäblich auf 
gallicus: hier erhielt uns der zufall ein bestätigendes Zeugnis, wie er es 
dort versagt. Covarruvias bemerkt, die race stamme aus Savoyen, was er 
aber aus dem worte (sabueso) erst gefolgert haben mag. 

Sem b rare, sembiare it., sp. pr. semblar, fr. sembler gleichen, 



L SEMOLA-SENSALE. 291 

scheinen; von similare, simulare ähnlich machen, nachahmen. Abgel. it. 
sembiante, sp. sembiante, pr. semblan, fr. semblant ansehn, miene; 
tsgs. it. assembrare, assembiare, 5p. pr. asemblar, fr. assembler ver- 
sammeln, lat. assimilare, assimalare, aber mit zurückführung desselben 
auf die bedeutung von simul, wie dies schon im frühsten mlatein geschah; 
it. rassembrare, sp. pr. resemblar, fr. ressembler ähnlich sein. Aus 
dem adj. similis leitete man mit Beobachtung des ableitungsvocäls i (wie 
tu graviare cet.) it. simigliare, somigliare, sp. semejar, pr. semelhar 
gleichen, scheinen, eigentt. gleich machen und darum auch mit dem accus, 
construiert. 

Slmola it. sp., semonle fr., altfr. noch simmle RMont. 312, 38 
mehUdeien, mehUcüglein; von simila Weizenmehl, woher unser semmel. 

Sena it., sena und sen sp., senne pg., ^6n6 fr. senesstaude; vom 
arab. sena. 

Senda sp. cot. pfad, von semita; it. sentiero, sp. sendero, pr. 
semdier, sendieira, fr. sentier dass., von semitarius. 

Senno it., altsp. altpg. senZfc., Alx., Mar.Egipc, Trov., pr. altfr. 
chw. sen, cot. seny verstand, neufr. erloschen oder besser, in sens (sensus) 
aufgegangen, weiches wort auch in erwägung der beiden accusativformen 
sen und sens, im altfranz. und prov. fortdauerte; vom ahd. sin mit ders. 
bed., nhd. sinn. Abgel. altsp. s e n ad o , pr. senat, altfr. sen6 mit verstand 
begabt, nfr. nur fbr-cen6 = it. for-sennato unsinnig (forcener mit c 
schon altfr., wie RCam. p. 248), sbst. for-sen NF. I, 22. — Prov. und 
frone, erfüllt sen oder sens auch die bed. art und weise (wie das begriffs- 
verwandte mente in den adverbien): pr. a nulh sen auf keine weise (in 
keinem verstände) Chx. Ill, 366; en nnl senz n'en nule maniere Dolop. 
p. 63. Etwas anders scheint es, wenn fr. sens in der sinnlichen bed. 
seite eines dinges angewandt wird, wie in ä tous les quatre sens auf 
allen vier seilen, auch schon prov. bei B. von Ventadour baizera 'lh la 
bom de totz seinhs Chx. III, 54 {vor. cens). Man konnte etwa durch 
die ver Standeshandlung, welche einen gegenständ von verschiedenen Seiten 
bärachtet, sich haben verleiten lassen, einer solchen seite selbst den namen 
verstand beizulegen, wenigstens ist unser deutsches c in jedem verstände* so 
viel als < von jeder seite betrachtet*, und den ausdruck auch auf körper- 
liche dinge auszudehnen. * Dieser erldärung würde das mhd. sin zu hülfe 
kommen, welches gleichfalls verstand und seite bedeutet : in vier sinnen ist 
= k tous les quatre sens. Indessen scheint dieses sin entstellt aus älterem 
sint, welches reise, weg, richtung heißt, also der bed. seite ziemlich nahe 
liegt, z. b. in allen sint tes himiles *undique\ Es wäre also hier die 
frage, ob dieses ahd. sint auf die bedeutung des fr. sens eingewirkt habe? 
Roquefort verzeichnet ein dem ahd. warte entsprechendes sen 'chemin, 
sentier, voie', fügt aber keinen beleg bei. 

Sensale it., fr. censal, pr. cessal mokier; aus censualis einnehmer, 
vgl.Papias: censnales sunt officiales, qui censum per provincias exigunt. 
Dafür ist Adelung. Golius p. 1213 hat arab. simsar proxeneta, und halt 



292 L SENTAEE-SERGENTE. 

dies für das etymon des it. senzale, das eeugnis dam ist aber erst aus 
dem 14. jh. 

S entare it. (mdartl. z. b. trient. comask.), sp. pg. pr. sentar (letz- 
teres nur im pari, gentat) setzen; participialverbum von sedere sedens. 
Zsgs. iL assentare, sp. pg. asentar, altfr. assenter Bert. p. 160, sbst. 
sp. asiento sitz. 

Sentinella it., sp. centinela, fr. sentinelle schildwache; vom it. 
sentire hören, wie das gleichbed. scolta von scoltare. So behaupten Vossius 
u. a. Allein es fehlt das mittdglied, da doch sent-in-ella abzutheüen 
wäre. Man wird darum Galvanis deutung berücksichtigen müssen Arch. 
stör. ital. XIV, 361. Hiernach ist es von sentina, wie man den untersten 
Schiffsraum nannte, der wegen des eindringenden wassere beständig gehütet 
werden mußte; ein solcher hütet hieß sentinator. Von der flotte gieng 
das wort über auf das heer. 

Senza it., früher auch sanza, neupr. senso, aUsp. sines PC, Alx^ 
altpr. genes, gens, ses, altfr. seng, nfr. sang, daneben die ursprüngliche 
form altit. sen PPS. 1, 201, oft bei Brunetto Latini, sp. sin, pg. gern, 
pr. gen Pass. de J. C. 89; präposition vom lat. sine, mit angefügtem s 
geneg, seng, hieraus mit euphonischem vocalauslaut it. senza für gensa wie 
raanzo für manso u. a. Einheimische Sprachforscher lassen senza aus 
absentia entstehen und diese deutung wäre allerdings zu erwägen: Unter- 
stützung fände sie jedoch weniger in dem genitiv senza di me (Pott, 
Forsch. II, 183), den auch andre präpositionen zulassen, als im adverbia- 
len gebrauche dieser partihel, welchen sp. sin, fr. sans nicht gestatten, 
e. b. fore senza entrathen, il viver senza Petr. canz. 8, neupr. d'argent 
es senso er ist des geldes ohne, daher denn auch das comask. vb. senza 
berauben, wie ahd. änön von &no = nhd. ohne. Indessen empfiehlt die 
geschlossene ausspräche des e obige herleitung aus sine, indem das suffix 
enza (as-senza = absentia) stets offenes e hat. 

Seppia it., xibia sp., seche fr. t inten fisch; von sepia. 

Sera it. pr., searej wal., pr. masc. ser, fr. soir abend; von serum 
späte zeit (statt dessen sp. tarde, s. II. b.). Ital. Urkunden brauchen sera 
auch für westen, occidens, so z. b. HPMon. n. 143. 146. Zsgs. pr. aserar, 
altfr. aserier, aserir, enserir, wal. inserä abend werden. Es gibt über- 
dies einige ableitungen, die nach ihren bedeutungen augenscheinlich zu 
serus gehören } nicht aus serenus gebildet sind: sp. sereno, pr. ser6, fr. 
serein, neap. serena abendthau, pr. serena abendlied, daher it. serenata; 
wie ist aber das im roman. fast unübliche suffix en zu verstehen? schrieb 
man etwa fr. gerein für serain (geranag mit bekanntem suffix) und ent- 
stand hieraus pr. geren, letzteres nach Spanien gewandert, wo ja das pri- 
mitiv fehlte? — [Blanc erklärt sereno, serena cet. lieber aus serenus, weil 
heiterkeit, besonders im süden, des abends eintrete, s. Krit. anhang p. !O y 
was dem urtheüe des lesers überlassen bleibe.] 

Sergente it., sp. sargento, alt gergente Alx., fr. sergent gerichts- 
diener; von bestrittener herkunft. Läßt man es mit Grimm, Rechtsati. 766, 



I. SERPE-SETA. 293 

aus ahd. soarjo =3 nhd. scherge entspringen, so bleibt die endung uner- 
klärlich, wenn man auch den ausfall des c wie in sal aus früherm scal 
(nhd. soll) zugeben will, obwohl das nhd. scherge widerspricht. Besser 
fugt sich sergente offenbar zum lat.'partic. seiriens mit consonantierung 
des i, woeu pioggia aus pluvia zu holten ist; seine grundbedeutung ist 
nicht die von scarjo, sondern die von famvUus (serjant de deu übersetzt 
fanudus dei, vgl. li serganz kil serveit der diener, der ihm diente Alex. 
68), und was vollends für diese herleitung spricht, dem Provensälen be- 
deutet das pari, sirven von servir genoiu dasselbe, und ebenso drückt der 
Piemontese das fr. sergent mit servient aus. 

Serpe ü. pg. altfr., sp. sierpe, pr. churw. serp, wal. serpe schlänge, 
gememromamsche gewiß sehr alte abkürsung von serpens ; übrigens kymr. 
sar£ sanshr. sarpa Bopp Gloss. 371. 

Serra ältit. PPS. I, 413, sp. Sierra, pg. pr. ^erra berghette, bereits 
in den ältesten span. Urkunden; eigentl. säge, lat. serra, wegen der sackigen 
gestaU, vgl. serratas gesackt, daher der geographische name Monserrat. 

S er rare it., sp. pg. cerrar, pr. serrar, fr. serrer einschließen, auch 
zusammenpressen; sbst. it. serra gedränge, fr. serre (f.) kralle; it. ser- 
raglio, altsp. cerraje, pr. serralh Verschluß; von sera schloß, früh im 
mlatein mit einer wenig üblichen Verdoppelung des r serra, s. DG, Quich. 
Add. Aber auch das einfache vb. serare ist, wie Haupt zeigt, Ind. lect. 
per sem. aest. 1868 p. 10, im lateinischen vorhanden. Für serebant in 
einer hs. des Amm. Marcett. s. b. ist su lesen serabant; bei Priscian 
findet sich sero seras a sera obdita natum cet. — Sp. cerrar mit c ist 
eine scheideform gegenüber dem vb. serrar sägen. — Das it. serraglio hol 
auch das türkische, eigentlich persische serai pdtast (des sultans) in sich 
aufgenommen, dafür sp. serrallo, fr. särail. 

Sesta, seste it.zirkel zum messen, it. altpg. sesto, altsp. siesto Alx. 
Ordnung, maß; vb. it. sestare, assestare abmessen, sp. asestar ein ge- 
schüts richten (auch pr. assestar LR. V, 220?). Von den etymologen 
noch ungelöst, aber nicht schwierig su lösen. Sesta ist das gr. £voz6v 
ein Werkzeug der maurer zum ausgleichen oder richten, nach einigen die 
kette, nach andern das Winkelmaß oder Hchtscheit. Man sieht, daß das 
wort von Italien ausgegangen und dies passt zu seinem griech Ursprung. 
Von sestare ist aber auch unser ahd. sestön disponere, sestunga dispositio. 

Sestiere it., sp'. sextario, pr. sestier, fr. setier, in den Cass.glossen 
sestar, ein maß; von sextarius der sechste theil eines römischen maßes 
(congius), ahd. sehtarL Das lat. wort gab dem Italiener überdies die 
zsgz. form stajo für sestajo, vgl. chw. stör für sester, lothr. steire, nach 
Galvani (Arch. stör. XIV, 352 ) von extaris bei Plautus, was der bedeu- 
tung nicht zusagt. 

Seta it., sp. pr. seda, fr. soie, im spätem mlatein seta, gespinnst 
der Seidenraupe; aus der form seda ist ahd. sfda (wie pina aus pena für 
poena, prts aus pretium), nhd. seide, ir. sfoda, kymr. sidan. Es ist 
buchstäblich das lat. seta starkes haar, börste, eine dem span. und frans. 



294 L SETTIMANA-SIGNORE. 

worte verbliebene bedeutung, daher auch it. setone, fr. s&on haarseil, it. 
setola börste, bürste. Als man es auf die seide anwandte, bedeutete es 
anfangs vielleicht nur stranglein, strähne, in beziehung auf die in dieser 
form versandte rohseide: beides strähne und rohseide berühren sich auch 
im gr. juaza^a und dem rom. matassa, und das sp. pelo heißt haar und 
rohseide. Eine dalmatische Urkunde v.j.1118 sagt noch ßeta serica, nicht 
schlechtweg seta, also seidenhaar, Seidenstrang, s. Ducange v. seta. Zur 
grundbedeutung von seta passt es ferner, wenn das mongolische sirgek 
sowohl seide wie als adj. straff (von haaren) ausdrückt, s. Schott, Über 
das finnisch-tartarische Sprachengeschlecht p. 5. Aus sindon (musselin) 
kann seta nicht entstanden sein, eben so wenig aus dem koreanischen sir, 
szir (Journ. asiat. II, 243). Zu künstlich scheint die deutung aus gr. 
orjg, gen. orpog, kleidermotte, das zunächst wurm (oxiolrj^ bei Hesychius), 
alsdann seidenwurm bedeuten sollte. — Eine abl. ist it. setino, daher 
pg. setim, fr. satin ein seidengewebe, altfr. saYn Aubery p. 3. 

Settimana und semmana it., sp. pg. semana, pr. setmana, fr. 
semaine woche; von septimana im spätem mlatein, eigenü. siebenzählig 
wal. septemune, irisch sechtmaine Zeuß I, 77 (nach ihm ein gallisches 
wort II, 739, vgl. dagegen Pott, Zählmethode 207). Dafür cat. altpg. 
doma von hebdomas sp. hebdömada. Das sardische wort ist chida, 
chedda, cida, das man auf gr. xfjöog bekümmernis (arbeitstage, Werktage) 
zurückführt. 

Sevo, sego it. (g für v s. Rom. gramm. I, 189), sp.pg. sebo, pr. 
wal. seu, fr. saif (durch Umstellung), norm, henneg. sieu; von sebam, 
sevum unschlitt. 

Sg arare it. {eigentl. lomb. sgura), sp. cat. escurar, fr. teurer fegen; 
nicht vom dtschen scheuern, ndl. schuuren, das wohl selbst aus dem latein 
ist, sondern vom lat. curare pflegen, rein halten z. b. cutem, vitem, mit 
vorgesetztem begriffsverstärkenden ex. Schon das einfache curare hat im 
venez. und prov. die bed. reinigen, dazu stimmt wal. curat sauber. 

Si it., sp. sf, altsp. sin, pg. sim, pr. fr. si, partikel der vergleichung 
und bejahung; von sie, statt dessen in bejahendem sinne der Römer lieber 
ita setzte. Der Sarde hat sieh für dieselbe bedeutung noch das ganz 
lateinische imo oder emmo bewahrt, das er auch für 'seihst, sogar an- 
wendet: imo piüs anzi piü, imo magis, s. Spano, Ortogr. I, p. 167, und 
Vocab. sard. 

Sidro, eidro it., sp. sidra, fr. eidre, wal. cigheariu Obstwein; von 
sicera {oUbqo)^ entstellt in cicera, woraus eidra wie fr. ladre aus Lazarus 
ward. Aber altsp. noch sizra bei Berceo. 

Signore it., sp. senor, pg. pr. senhor, fr. seigneur herr; von senior 
der ältere, geehrtere, angesehenere, wie gr. 7TQ€oßvTCQog 7 wovon Isidorus 
7, 12 sagt: presbyter graece latine senior interpretatur, non pro aetate 
yel decrepita senectute, sed 'propter. honorem et dignitatem; oder wie 
ags. ealdor, das in die bed. fürst übergieng. Durch senior ward dominus 
theils verdrängt, theils in seiner bedeutung eingeschränkt, wahrend das 



I. SINGHIOZZO-SLINGA. 295 

fem. domina in seinem rechte verblieb. Ahnlich muftte das goth. masc. 
franja, (Ad. frö, dem comparativ herro weichen, aber das fem. frau datiert 
fort. Im altport. ward senhor auch, wie im latein, als feminin gesetzt : 
senhor rainha frau königin, mia sennor fremosa meine schöne herrin; zu- 
weilen auch im altfr.: ele devint dame e signor, s. Rom. gramm. II, 299 
note; im prov. kann es auch als adjectiv construiert werden, wie in pilars 
senhors hauptpfeüer. Senior für dominus kennt schon das ältest&mlatein : 
Gregor v. T. sagt e. b. 8, 30 anusqaisque contra seniorem saeva in- 
tentione grassatur. In dem scherzhaften artikd zur L. Sal. (wolfenb. hs., 
8. jh) wird ihm vassallus entgegengesetzt: cum senior bibit duas vicis, sui 
Yassalli la tercia. In den von W. Grimm edierten deutsch-lat. gesprochen 
steht es überall dem ahd. herro zur Seite. Die älteste franz. form ist nom. 
sendra (in den Eiden, vgl. senhdre GRoss;) zsgz. sire, acc. seigneur, 
das nachmals auch in sieur gekürzt ward; zsgs. nom. messire, acc. 
monseignear und monsieur. Die zusammenziehung von sendre (senre) 
in sire ist stark und mag nordfranzösische^i Ursprunges sein: picardisch 
wird ndr oder nr nicht selten in r vereinfacht, tiendrons z. b. lautet hier 
tärons, tendre lautet töre. Franz. Ursprunges sind die prov. formen sire, 
sira nom. und acc., sp. ser s. PC. 3125, dsgl. sire, it. ser und sire, 
mundartlich sior, engl, sir, durch welches das ags. hearra aus der spräche 
verdrängt ward. Scharf bezeichnet den unterschied zwischen der franz. 
und prov. form ein troubadour, nachdem die Provence an Karl von Anjou 
gekommen war: die Provenzalen tauschen zu ihrem schmerz einen- senher 
mit einem sire M. 757, 2. Die zuweilen vorkommende Schreibung cyre 
für sire bezieht sich auf eine falsche herleitung des Wortes aus gr. xvqioq 
oder aus dem liturgischen kyrie. 

Singhiozzo, singozzo it., sp. sollozo, pr. singlot, sanglot, fr. 
sanglot, chw. sanglut geschluchze; vb. singhiozzare. und singhiottire, 
Bollozar, sanglotar, sangloter; mehr oder minder entstellt aus singaltns, 
singultare, singulare. Zunächst der ital. form steht mlat. suggultium 
Class. auet. VI, 545*. ' 

Singlar sp., singrar pg., cingler fr. segeln; doch wohl aus dem 
ahd. sggel§n, altn. sigla, mit eingeschobenem n wie in singlaton. Un- 
mittelbarer weist auf das deutsche wort altfr. sigle segel, sigler segeln. 

Siniscalco und sescalco it., senescal sp.pr., sänöchal fr. oberhof- 
meist er; vom ahd. sini-scalh ältester dienet, das sich aber in den altäfr 
deutschen sprachquellen nicht vorfindet, mlat. seniscalcas L. Alam., s. 
Grimms Bechtsalt. 302. 

Siroppo, sciroppo it., sp. xarope, pg. xarope, enxarope, fr. sirop 
ein süßer saß; vom arab. schar&b trank, wein y kaffee Freyt. II, 407 b , 
in dem uns bekannten sinne bereits bei einem Schriftsteller des 11. jahrh. 
(Doey). 

Slinga (schlinga) churw., sp. eslingua, pg. eslinga, fr. älingue 
(Trevoux) schlinge, Schleuder; vb. pic. älinguer schleudern (altfr. eslinder 
G. Guiart Il 7 377); vom ahd. slinga funda. 



296 I. SMAGARE-SMERLO. 

Smagare ältit., altpg. esmaiar rmUhlos werden, pr. esmaiar, aitfr. 
esmaier, esmoyer, in'Berry ämeger muthlos machen; dsgl. sp. pg. des- 
mayar in Ohnmacht fallen, engl, dismay, sbst. it. smago, pr. esmai, 
esmoi, sp. desmayo schrecken, ohnmacht. Der franz. spräche verblieb 
6 m oi, das man gewöhnlich aas movere deutet, wiewohl es nur eine mund- 
artliche form ist für esmai, vgl. Ruteb. II, 48 : dites li ne s'esmait ne 
qne je nf'esmoi, wo beide formen gleichbedeutend nebeneinander stehen. 
Das wort ist deutsch, aber nur mü privativem es oder des im rommischen 
gebraucht: goth. ahd. magan können, vermögen, dhd. magen stark sein, 
unmagSn ohnmächtig werden. Selten allerdings geschah es, daß der 
Romane das einfache deutsche wort nur zu einer Zusammensetzung benutzte; 
warum sollte er aber, wenn er z. b. das wort un-mag$n brauchen kannte, 
es nicht in es-magar abgeändert haben, um es sich naher zu rücken? So 
findet sich auch ahd. stullan nur im ital. compos. tra-stullare, andrer 
beispiele nicht zu gedenken. Wackemagel, Altfr. lieder p. 131, fuhrt es 
auf ahd. sm&hjan schwächen, erniedrigen zurück, weiches einigermaßen 
durch die altsp. form esmair Alx. gestützt wird, wogegen aber die ge- 
meinrom. bildung nach der 1. conj. für magan redet. Smahi fand übri- 
gens im ital. smacco seine dar Stellung. 

Smalto it., wal. smaltz fzumaltz), sp. pg, esmalte, fr. ämail me- 
tallisches glas, schmelzglas, nilat. smaltum. Da it. smalto mörtd heißt, 
so hat man darin das glekhbed. tat. maltha vermuthet und weder gegen 
das vorgefügte s noch gegen den übertritt in die 2. decl. ist etwas einzu- 
wenden. Eine andre herleitung ist die aus dem ahd. smelzan, früher 
smalzjan, smaltjan, nhd. 'schmelzen, und sie scheint richtiger 1) weil das 
Hai. vb. smaltire ^verdauen sich zu smaltjan logisch besser schickt als zu 
maltha; 2) weil sich die eigenthündiche franz. form 6mail. nimmer aus 
dem lat. wort, wohl aber aus «smelzi d. h. aus smalti construieren laß: 
i ward von a angezogen (esmailt) und t apocopiert wie in gal für galt 
vom deutschen wald. Wenn der Übersetzer des M. Capeila sagt: electrum 
heizet c in walescun 3 smaldum Graff VI, 832, so hatte er die bereits ro- 
manisierte form vor äugen. 

Smeraldo it., fem. sp. pg. esmeralda, pr. esmerauda, fr. &ne- 
raude ein eddstein; von smaragdus (juctQaydog, a^aqaydog m. f.), sanskr. 
marakada, g zum (heil in 1 verwandelt wie im it. salma aus oayfiia oder 
Baldacco aus Bagdad; altsp. aber auch esmeraede Alx., ohne anlauten- 
des s pr. maraede, maraude. 

Smerare it., sp. pr. esmerar, altfr. esmerer putzen, polieren; van 
ex-merare wie iL spurare von ex-purare, sgurare von ex-enrare. 

Smeriglio it., sp. esmeril, fr. ämeri ein zum polieren dienen- 
des eisenerz, schmergd; vom gleichbed. gr. ofivgig, ofiiQtg. 

Smerlo it., esmirle pr. lerchenfalk, die kleinste ort raubvögd, sp. 
pg. esmeril art kanonen (vgl. wegen der bedeutung talconete van falcon) ; 
dsgl. it. smeriglione, sp. esmerejon, pg. esmerilhäo, pr. esmerilho, 
fr. 6merillon s. v. a. smerlo. Das wort ist eine Verstärkung van merla, 



I. SNELLO-SOGNA. 297 

lat. mernla, und es sott damit ein der amsel ähnlicher vogel bezeichnet 
werden, engl, merlin. Es ist schon im ahd. smirl vorhanden. 

Snello it., pr. isnel, irnel Chx. IV, 224, V, 179, altfr. isnel, 
ignel, enel flink, gewandt, noch jetst norm, inele. Gewiß vom ahd. snel 
streithaft, behende, aber warum isnel, nicht, oder doch nur selten esnel? 
Sprach man i für e, weil ein betontes e folgt? aber in espelh, esp6s, 
esqnern that man nicht dergleichen. Man könnte ignel für ignitellus 
feurig, hitzig (ignitnlns braucht Tertullian) nehmen, wäre sn minder gut 
verbürgt. Nur eine einmischung des im miitellatein ziemlich häufig ge- 
brauchten ignitns, welches in alten lateinisch-deutschen glossen mit 'rask* 
(rasch) übersetzt wird Diutiska II, 336, darf eingeräumt werden, daher 
die form ignel. Im Gregor 440 begegnet enhel cnrs, nach Du MSril = 
anhelo euren (adv. enhelement 437): erwägt man aber, daß die hand- 
schrift h zur erweichung verwendet (Born, gramm. I, 446), so ist enhel 
nichts anders als egnel und kann das dem Romanen ganz fremde anhelns 
nicht ausdrücken. 

Soda it. sp. pg., sonde fr. ein laugensalz aus der asche der kdH- 
pflanze; wird aus solida hergeleitet. Span, sosa, von salsns, heißt auch 
die pflanze selbst, salstUa L., Salzkraut. 

Sofa it. pg., fr. sopha, sofa (m.) ruhebett; vom arab. (joffah ruhe- 
bank vor dem hause Freytag II, 502*. 

Soffiare it., aitsp. pr. snflar, fr. sonffler, nsp. soplar, pg. soprar 
blasen; von sufflare. Daher fr. sonfflet blasbälg, auch ohrfeige, da die 
begriffe hauch und schlag sich berühren, wovon sich ein anderes beispiel 
oben unter bnf findet. Verwandt ist auch das pg. a s s o v i a r. 

Soffratta altit., pr. sofraita, sofracha, altfr. souffraite mangel, ab- 
bruch; altit. soffrettoso PPS. I, 214, pr. sofraitos, fr. souffretenx dürf- 
tig; von suffringere snffractus, pr. sofranher. 

Soga it. (mdartl.) seil, so auch sp. pg., chw. snga; die bedeutung 
der ital. Schriftsprache ist lederner riemen, im port. heißt es vornehmlich 
binsenseil, im span. auch ein längenmaß, sognear mit dem seile messen; 
bask. soca. Es fehlt dem worte nicht an Zeugnissen im frühern mlatein, 
wo es gleichfalls riemen oder seil bedeutet: si qnis sogas furatus fnerit 
de bove jnnetorio L. Long. ; sogam carralem de corio Epist. Innoc. III., 
auch ackermaß, daher sogalis eine abgäbe Capit. de villis. Die bask. form 
mit tenuis ist wohl die ältere; zu ihr stimmt socas tortiles in einer Ur- 
kunde unter Justinian und, wie Ducange vermuthet, auch mittelgr. 
otaxaQiov ein längenmaß, bei Hero (nach 600 p. C). Diefenbach, Celt. 
I, 90, vergleicht kymr. syg kette, bret. süg zugseil, gael. sugan strohseil. 
Im span. ist soga am meisten heimisch geworden, da es zu vielen redens- 
arten und ableüungen gebraucht wird. % 

Sogna altit. PPS. I, 334, pr. sonh, fr. goin sorge, Sorgfalt; vb. fr. 
soigner besorgen, pflegen; zsgs. it. bisogno, pr. besonh, besonha, fr. 
besohl, chw. basengs noth, bedürfnis (fr. besogne f. geschäft), it. bisognare, 
pr. besonhar noth thun; dsgl. altfr. essoigne, essoine nothwendigkeit, 



298 I. SOLDO-SOLFO. 

Schwierigkeit, entschuldigung, essoigner sich entschuldigen ; hiereu noch die 
altfr. verba ensonnier beschäftigen, resoigner fürchten. Das einfache subst. 
ist schon dem ältesten mlatcin bekannt : die L. Sah und Rip. haben sunnis 
(sonst auch gunnia, sonia) mit der bed. gesetzliches hindernis (daher das 
verweilen bei einem gegenständ, die Sorgfalt), und hierin erkennt Grimm, 
Rechtsalt. 847, ein fränkisches wort = altn. syn abläugnung, vb. synja 
abläugnen, mtat. soniare besorgen. Die goth. spräche liefert sunja Wahr- 
heit, sunjön rechtfertigen, die aitsächs. sunnea entschuldigung, nothwendig- 
keit, hindernis, die althochd. sänne in der Übersetzung der L. Sal., weichen 
sich essoigne (mlat. exonia, exonium) so wie besoin logisch genau an- 
schließen. Freilich läßt sich letzteres, da man kaum ein verlorenes deut- 
sches compositum aus vorliegendem stamme annehmen darf, auf das zu 
einem andern stamme gehörige ahd. bi-siunfgi scrupulositas, woraus ein 
sbst. bi-siuni zu folgern ist (Grimm II, 719), zurückführen: denn daß 
hier das roman. bis, das etwas falsches, verkehrtes bedeutet (s. oben bis), 
nicht im spiel ist, zeigt theils der begriff des Wortes, theüs seine Schreibung, 
die in jenem falle bessoin, bissogno sein müßte, und auch ags. byseg, 
nndl. bezig (beschäftigt), worauf Grimm rermuthet, Gesch. d. d. spr. 364, 
läßt sich mit besoin nicht in einklang bringen. Noch ist einer von Du- 
cange versuchten herleitung von soin aus lat. somnium zu gedenken: wer 
träume, dessen gemüth schwebe in angst und sorgen, und schon ein altes 
lat. gr. glossar übersetze darum somnium mit ygortig. Aber kann dies 
somnium nicht eine Umbildung sein von sonium (soin), um diesem ein 
ganz latein. gepräge aufzudrücken ? und wie würden sich die bedetdungen 
der composita aus somnium entwickeln lassen? Man sehe über unser 
wort zumal Pott in der abhancUung Plattlatein 340. — Eine abl. von 
soigner ist altfr. suignante 'coneubina LRs. 137, soignentage coneu- 
binat, im Vocab. Duac. soignans 'focaria (kochin). 

Soldo it., sp. sueldo, pr. sol, fr. sol, son name einer münze; von 
solidus, das bei den Alten für eine goldmünze, später auch für eine süber- 
münze von verschiedenem werthe üblich war, eigentl. eine dicke münze int 
gegensalz zur blechmünze. Demnächst hieß it. soldo, sp. sueldo, pr. sout, 
fr. solde (f.) lohn; it. sol dato, sp. soldado, fr. soldat, pr. soudadier, 
altfr. soudoier, lothr. pic. dauph. soudard kriegsmann, wortlich besoldeter, 
wie it. paga soldat heißt. Der Italiener formte mit einer seltnen Verwand- 
lung des o in a aus solidus sein adj. saldo, sodo (vgl. talpa, topo), so 
wie aus solidare befestigen, zusammenfügen sein vb. saldare löthen, in der 
wald. mundart saudar, beide = sp. soldar, fr. souder, wovon sich soldare 
besolden durch die form trennt. 

Solfa it. sp. pg. pr. tonleiter, im span. harmonie; von den Guido- 
nischen silben ut re mi fa sol la, d. h. nur von den drei letzten rückwärts 
gelesen und la als urtikel verstanden (la sol-fa); vb. it. solfeggiare 
(woher fr. solföge), sp. solfear, fr. solfier die tonleiter singen. 

Solf o, zolfo it., sp. azufre, pg. enxofre, pr. solfre, solpre, fr. soufre 
Schwefel; von sulphur. 



I. SOLLAZZO-SOBN. 299 

Sollazzo it., sp. solas, pr. solatz, altfr. soulas Belustigung, kurz- 
weil, von solatium; vb. sollazzare, solazar, goulacier ergötzen, nüat. 
solatiari, solatiare bei Gregor d. gr. und andern. 

Sommaco it., sp. zumaque, pg. sumagre, pr. fr. sumac eine Staude, 
8umach; vom arab. sommäq Freytag II, 355 b . 

Sommo it., sp. somo, pr. som, altfr. som, son gipfel; von summum, 
nfr. son Jcleie d. h. das oberste im sieb, sp. soma gröberes mehl. Daher 
das präpositionale dUsp. en somo, altfr. en som, en son oben, hinauf, 
auch par som, par son, z. b. par som les puis oben auf den hügeln, par son 
l'eve auf dem w asser, par son Taube G Vian. 1241, Parton. 1, 135 cet. ums 
morgenroth = pr. sns l'alba Fer. 3484, sus en l'alba 3493, it. in sali' alba. 
Abgel. fr. sommet, die stelle des alten som ausfüllend. Zsgs. sp. pg. 
pr. asomar, aüfr. assommer LR. hinaufbringen, aeigen, sich steigen. 

Sonda sp. pg., sonde fr. Senkblei; vb. sondar, sonder die meeres- 
tiefe messen. Wenn sich sp. sombra, fr. sombre aus sub-umbra zusam- 
menziehen tonnten, so ist dieselbe zusammenziehung von sondar aus sab- 
andare *ro das meer tauchen möglich, wenn auch nicht, wie dort, er- 
weislich. 

Sopa sp. pg. pr., soupe fr. heißt sowohl brühe mit brotsehnitten 
wie auch die eingetunkte schnitte selbst, daher die franz. r$densart mouille 
comme une soupe, doch ist in t bruhe die grundbedeutung anzunehmen; vb. 
sp. 8 o p ar brühe über die schnitten gießen, pr. sopar, fr. souper zu abend 
essen (wobei die suppe das vornehmste gericht war), letztere bedeutung 
uralt, bereits in der Pass. Chr. 28. 107. Bas unzweifelhafte etymon 
findet sich im deutschen: ndd. soppe, woher nhd. suppe, vb. ndd. suppen, 
ndl. soppen, ahd. supphan, mhd. supfen schlürfen, vom wurzelverbum 
süfan, saufen. Eine andre form ist it. zuppa kaÜschale, sp. pg. chupar 
schlürfen, fr. super dass., vgl. unser mundartl. zuppe, zupfen mit ders. 
bedeutung. Das hd. f ist im romanischen nirgends zur gdtung gekom- 
men. — [S. über dieses wort Weigernd II, 847.] 

Sorbetto it., sp. sorbete, pg. sorvete, fr. sorbet ein süßer kühlen- 
der trank; vom arab. schorb trafüc Freyt. II, 40 7 b , wobei zu erinnern 
ist, daß das arab. seh (l£) mehrmals im span. als s auftritt. Nach an- 
dern ist es aus sorbere abgeleitet, also s. v. a. sorbitium, aber den ablei- 
tungen mit ett aus verbis ist nicht zu trauen. 

Sorce, sorcio it., sp. sorce, pr. soritz, fr. souris, wal. söarece 
maus; von sorex. 

Sorn pr. düster, auch in figürl. sinne; sornura düsterheit; altfr. 
sorne dämmerung Boquef., sp. (rothwalsch) soma nacht; fr. sournois 
heimlich, tückisch; it. sornione, sufeornione duckmäuser, susorniare 
murmeln. Vielleicht hat sich die physische bed. dunkel in diesem worte 
erst aus der moralischen düster entwickelt und es ruht auf einer celt. 
Wurzel, kymr. swrn-ach knurren, brummen, com. sorren zornig sein, denn 
entstehung aus dem logisch näher liegenden sör, sörllyd mürrisch, tückisch, 
engl, sollen findet Schwierigkeit in der form. Auch sp. sorna träghext 



300 . I. SORTIRE— SOSTARE. 

(nach Larramendi vom bask. sorrena der dümmste) ist hieher zu ziehen, 
der mittelbegriff konnte Verdrießlichkeit sein. Vielleicht jedoch gibt die 
erwägung des mit sournois gleichbed. pg. comash. soturno, piem. saturno, 
sard. saturnu, genf. saturne, span. flor. satnrnino (s. P. Monti) ein an- 
dres resultat, da diese Wörter augenscheinlich aus tacitnrnus entstanden 
sind, indem die silben taci in tci t;o tf a zusammengiengen : sorna (nacht) 
aus taciturna wäre selbst ein poetisch schöner, inehr noch ein für die 
gaunersprache bezeichnender ausdruck. Seltsam sind wegen ihrer endung 
a die mail. adjectivformen sotturna, saturna. 

Sortire it., fr. sortir (beide nach regelmäßiger conj. io sorto, je 
sorg) ausgehn, altfr. auch entspringen, entkommen Fl. Bl. 1020, cot. surtir 
ausgehn, springen, sprossen, pr. sortir springen,* springen machen, sp. 
surtir, pg. surdir hervorquellen ; esgs.fr. ressortir (präs. je ressors) 
wieder ausgehn, sp. resurtir zurückspringen, sbst. fr. ressort schnellkraß. 
Mit sortiri (loosen, durchs loos gewinnen) läßt es sich logisch nicht eini- 
gen. Ferrari zog es daher aus dem subst. sors: das loos ward aus der 
urne gezogen und gieng gewissermaßen heraus. Aber war dieser Vorgang 
ein im leben so wichtiger, daß man darnach eine der üblichsten handlun- 
gen benannte, sich also selbst, im gründe gesagt, mit einem loose verglich? 
Menage und Frisch erklären es mit surrectire, einer freilich ungewöhn- 
lichen büdung, da die participicdverba sich sonst zur ersten conj. schlagen, 
die aber doch in ammortire und altfr. quatir (von coactus) beispide 
aufzeigen kann und jedesfalls den bedeutungen vollständig zusagt, denn 
auch 'ausgeht? und 'sich erheben* gehen in einander über; letzteres spürt 
man noch deutlich in phrasen wie sortir de son siöge, sortir de table, 
une fignre sort sie hebt sich (auf gemälden). 

Sortire it., fr. sortir (beide nach der gemischten conj. io sortisco, 
je sortis) erlangen, bekommen, ital. auch loosen, sp. surtir, comash surti 
versehen, versorgen; von sortiri. Zsgs. it. assortire, sp. asortir, fr. 
assortir zusammenlegen, zusammenpassen (jedes nach seiner art oder sorte). 
Zu derselben conjug. bekennt sich auch fr. ressortir unter einer gewis- 
sen gerichtsbarkeit stehn, das recht der appdlation haben, z. b. les pairies 
ressortissent au parlement, sbst. res sort, it. risorto gerichtsbarkeit. 
Über den Ursprung dieser Zusammensetzung bemerkt Ducange: ressortum 
quicquid intra sortes continetur seu jurisdictionis terminos. Nach Bu- 
daeus (s. Menage) kommt der ausdruck von sors: causae enim sortibus 
ex urna dactis cognoscebantar. Die sache ist aber ganz anders zu fassen. 
Die eigentliche bedeutung des juristischen ausdruckes liegt im altfr. resor- 
tir sich zurückziehen, sich flüchten, schütz suchen, resort rückzug, Zuflucht, 
daher höchste stelle, wo man sein recht erlangt, rechtszuflucht. Die be- 
griffsentwicklung aus sortir erlangen, ressortir wiedererlangen ist aber 
dieselbe wie im Hol. ricovrare 1) wiedererlangen, 2) seine Zuflucht nehmen; 
ricovrare ad un luogo verhält sich auch syntactisch wie ressortir an par- 
lement. 8. oben cobrar. 

So stare it. hemmen, stillen, beruhigen, pg. pr. sostar einhalten; 



I. SOTTO-SPANNA. , 301 

sbst. ü. pr. sosta stillstand; von substare ausdauern, aushalten, transitiv 
genommen. Dahin etwa auch sp. pg. susto, sard. assasta schreck (hem- 
mung?), comask. sust, ven. susto, sie. sasta beklommenheit, beschwerde. 

Sotto ä., altsp. soto, pr. sotz, fr. sous, wal. subt, präposition, von 
subtus, it. auch sottesso s. esso; esgs. fr. des sous = it. di sotto. 
Daher it. sottano unter st, sbst. sottana, sp. sotana, fr. soutane Unter- 
rock, leibrock. 

Sovente it., pr. soven, soen, fr. gouvent, zeitadverb, von subinde. 
Die lautlehre hat hier die ungewöhnliche härtung des d in t eu bemerken : 
dachte man dabei an die endungen in repente, frequente, immantinente ? 
es scheint so. 

Soverchio it., altsp. sobejo (für soberjo), s. die glossare bei 
Sanehez, pg. sobejo adj. und adv. überflüssig, übermäßig; von superculus, 
der lat. spräche fremd. Daher sbst. it. soverchieria, superchieria 
mishandlung, übervortheüung , und hieraus fr. supercherie, sp. super- 
cheria hinterlist. 

Spada it., sie. spata, sp. pg. pr. espada, fr. 6p6e, toal. spate? 
(nach Lex. bud.) degen, schwert; von spatha spatel zum umrühren, dsgl. 
breites zweischneidiges schwert (s. die stellen bei Böcking, Annot. ad No- 
titiam dign. oeeid. p. 315), dies vom gr. onaih], nicht aus dem celtischen, 
wie noch Bdloguet p. 163 anzunehmen geneigt ist. Das wort hat auch 
in andre sprachen eingang gefunden, e. b. alb. spat^, bask. izpata, in 
andrer bedeutung kymr. yspawd schtdter, ir. spad, engl, spade, ahd. spato, 
nhd. spaten grabscheit. Im mittelalter mochte man es für kein lateinisches 
halten: gladius, quod spatham vocant heißt es z. b. in den Gest. reg. 
Fr. cap. 41. Im latein. allerdings von eingeschränktem gebrauche schwang 
es sich in den jüngeren sprachen über gladius empor, das sich kaum be- 
haupten kannte; ensis mußte völlig weichen. — Altspan, wird es häufig 
als masculin gebraucht: deste espada PC. 3676; im altfr. Agolant v. 
699 steht il n'ont espäe, ne soit bien acerä (wo vielleicht esptä, nach 
LittrS, Hist. d. I. I. fr. I, 42, aceräe zu lesen ist); im prov. erscheint 
gradezu eine männliche form espa-s LR., im Leodegar 38 ispieth (ge- 
schrieben inspieth), aUcat. dagegen la espä Chr. d'Escl. 677*. 

Spalla it., sp. espalda, alt espalla, pg. espalda, espädoa, pr. es- 
patla, fr. äpaule, altfr. espalde LRs. 377 schtdter. Nicht von scapula, 
sondern, wie die prov. form am deutlichsten zeigt, von spathula, dimin. 
von spatha Schulterblatt der thiere, wal. spate rücken. Apicius hat spa- 
tula porcina, welchem altpg. spadoa de porco (in einer Urkunde v. j. 
1296 SRos.) genau entspricht. Spatula ist nur der sard. mundart fremd: 
sie gibt dafür das dem gr. ona&rj sinnverwandte lat. pala, das bereits 
Codius Aurel. für Schulterblatt gebraucht. Von spatula (nicht von palus 
pfähl) kommt it. 8 pal Hera, sp. espaldera, fr. espalier rücklehne, bäum- 
gelander, spalier. 

Spanna it. churw., wallon. aspagne, masc. altfr. espan, nfr. em- 
pan ein langen/maß; vb. it. spanna re tueh oder netze abspannen (wenn 



302 I. SPARAGNARE-SPELTA. 

nicht von pannus), chw. spaniar aufspannen. Die herleitung aus gr. 
om9a/ii] f welches spemma oder spimma lauten wüßte, ist verwerflich. 
Die aus expandere würde sich für die franz. form empfehlen, da hier 
espanir für espandir vorkommt, im ital. schwindet d nach n hur höchst 
selten: das ganz vereinzelte comask. spanda lehnt sich augenscheinlich an 
spandere. Am sichersten leitet man daher spanna vom ahd. spanna, 
nhd. spanne, das /r.*empan vom mhd. gpan ausspannung, die in dem 
starken verbum spannan ihre quelle haben. 

Sparagnare und sparmiare, risparmiare it., fr. äpargner, chw. 
spargnar, bürg, reparmer schonen, sparen. Wohl mahnt es an das ahd. 
sparön, sparßn, die art der ableitung daraus aber ist unklar. Man be- 
denke dabei lomb. car-agn-are aus ahd. karön Rom. gramm. I, 88, fr. 
lor-gn-er aus luren. 

Sparaviere, sparriere it., altsp. esparvel, cot. esparver, pr. ßspar- 
vier, fr. äpervier ein raubvogel, in letzterer spräche auch ein wurfnetz 
der fischer, sp. esparavel ; vom ahd. sparwari sperber, dies wohl vom goth. 
sparva sperling, chw. spar, also ein vogel, der auf Sperlinge ausgeht. 
Hieher auch churw. sprer geier. Der neusp. ausdruck ist gavilan. 

Spasimo it., sp. espasmo, pr. espasme, sp.pg. auch pasmo krampf, 
ohnmacht; vb. it. spasimare (comask. pasmä), sp. espasmar, pasmar, pr. 
esplasmar, espalmar, plasmar, fr. p&mer; vom lat. spasmus bei Plinius 
(onaonog). Der unübliche Wegfall des s vor p rührt etwa daher, daß 
man jenen buchstäben mit ex verwechselte, also pasmus für das einfache 
wort hielt. 

Spavenio it. (für gparvenio?), auch spavento, sp. esparavan, fr. 
öparvin aus dem alten esparrain, engl, spavin spath, eine krankheit der 
pferde und des rindviehs. Menage meint, von äpervier, weiL die thiere 
den kranken fuß hoch aufheben wie der sperber, und diese meinung findet 
ihre stütze in der gleichbed. cot. form esparver-enc eigenÜ. etwas sperber- 
artiges, valenc. einfacher esparver. 

Spaventare, spantare it., sp. pg. espantar, pr. espaventar, fr. 
öpouvanter, henneg. Spanier, wal. mit m für v sp^imentä einen er- 
schrecken, sbst. it. spavento u. s. f. ; von expavere, pari, expavens. Die 
franz. form erklärt sich ohne Schwierigkeit aus den in der alten spräche vor- 
handnen übergangen, espaventer espauenter espoenter espoventer (v ein- 
geschoben), auch der Churwalsche sagt spuventar. 

Spazzare it., sp. espaciar, pr. espassar räumen, ausbreiten, ü. 
spaziaräi, sp. espaciarse sich ausbreiten d.h. sich ergehen, spazieren; von 
spatiari. 

Specchio, gpeglio it., sp. espejo, pg. espelho, pr. espelh Spiegel, 
von speculum. Die franz. spräche besitzt buchstäblich dasselbe wort in 
e spiegle verschmitzter geselle, henneg. vilespiöque, vom deutschen Eulen- 
spiegel, der unter dem namen Ulespifcgle früh ins franz. übersetzt ward. 
Vb. sp. espejar glätten, polieren, despejar lichten, räumen, platz machen. 

Spelta, spelda it., sp. espelta, pr. espeuta, fr. (masc.) 6peantre 



I. SPERONE-SPINETTA. 303 

eine getreideart, spelz; vom lat. spelta erst im 4.jh. bei Rhemnius Fannius, 
dem es ein spelzkorn bedeutet, ahd. spelta, spelza (f.), spelzo (m.). Die 
franz. form zeigt eine besonders nach dentalen häufig angewandte einschie- 
bung eines r, vgl. oben feltro. Über den gebrauch des Wortes im mkUein 
(mittelgr. oniktov) s. Ducange. 

Sperone, sprone it., altsp. esporon, neusp. espolon, pg. esporäo, 
pr. espero, aÜfr. esporon, neufr. Operon sporn, einfacher sp. espuela, 
alt espuera, pg. espora; vom ahd. sporo, acc. sporon, daher die doppel- 
formen. Vb. it. speronare, spronare, sp. espolear, pg. esporear, pr. 
esperonar, fr. 6peronner, aus dem roman. Substantiv, nicht aus dem deut- 
schen vb. spornön. 

Spesso it. 9 sp. espeso, pr. espes, fr. 6pais, früher äpois, espois, 
aXban. spes dicht, von spissus; adv. it. spesso, pr. espes häufig, bei Pe- 
tronius oscula spissa häufige küsse, vgl. gr. nvxvov, ahd. diccho dicht, 
häufig. 

Spezie it. (nicht specie), sp. especia, fr. 6pice apothekerwaare, ge- 
uriirz; von species, dem das nachclassische latein dieselbe bedeutung bei- 
legte, aUfr. espece. Ab gel. it. speziale apotheker. 

Spiare it., sp. pr. espiar, fr. 6pier ausspähen, chw. spiar nach- 
forschen; vom ahd. spehön = nhd. spähen. Sbst. it. spia (m.), sp. espia 
(m. f), pr. espia (f.), altfr. espie (f.), dsgl. it. spionc, sp. espion, fr. 
espion leundschafter; vom ahd. spgha (f.) exploratio ; die ndl. spräche hat 
spie. [Nach einer alten, wieder erneuerten behauptung soll in dem roman. 
tterbum das verschollene lat. spicare (woher despicare cet.) fortleben. Wir 
wissen aber aus der ital. lautlehre, daß lat. c zwischen vocaien nicht aus- 
fällt. Das deutsche 6 in spghön vertritt ein älteres i, von welchem selbst 
noch beispiele vorhanden sind (spihan, s. Graff VI, 321. 323); inlauten- 
des h kann ausfallen.] 

Spillo it., ausgeartet in squillo, Stecknadel, dsgl. bohr er. Nicht 
von spicnlum. Man darf es unbedenklich aus spinula herleiten, denn die 
weibliche diminutivform wird häufig in die männliche, welche eigentlich 
die neutrale vertritt, umgesetzt, s. Born, gramm. II, 293; ein ganz ähn- 
licher fall ist orlo aus orula. Wegen der assimilation des n aber vgl. 
man ella aus enola, lulla aus lunula. Der romagn. ausdruck ist Spinell, 
handgreiflich aus Spina. Gleicher herkunft mit spillo ist fr. äpingle 
(f.), npr. espinglo, neap. (aus dem franz.) spingola, bask. ispilinga (vgl. 
champ. £plingue): g ward eingeschoben um das unerträgliche äpinle zu 
vermeiden. Zu spinula bemerkt Dueange aus Tacit. Germ. c. 17: tegmen 
omnibus sagum fibula aut, si desit, spina consertum. Das pic. 6pieule, 
6piule entstand wohl aus spiculum. 

Spinace it., sp. espinaca, pg. espinafre, pr. espinar, fr. äpinard, 
wal. spenac ein kraut, spinat; von spina spitze, wegen seiner gezackten 
Matter, die ital. form eigentl von dem unlat. spinaceus, dieport. von spinifer. 

Spinetta it., sp. espineta, fr. 6pinette ein Saiteninstrument; von 
spina, weil es mit zugespitzten federkielen gespielt ward. 



304 I. SPIRITO-SPUOTONE. 

Spirito it., wal. spirit, sp. espiritu, vrlt. esprito, pg. espirito, cot. 
pr. esperft, fr. esprit, daher engl, spright und spirit, altfr. S. Espir. 
Man behandelte dieses wort etwas zarter als andre, weil ihm eine heilige 
bedytiung anhieng. Der Spanier ließ ihm sein n unangetastet und der 
Provenzale wandte hier seine gewöhnliche syncope nicht an. — Für spirit, 
das wohl wenig üblich ist, führte der Walache^ außer dem slav. duh, das 
aus lateinischem Stoffe geschaffene suflet (hauch) ein, gab aber der thier- 
seele besondre namen, abur (vapor dunst, im gegensatze zum hauch?) und 
bleasc (woher letzteres?). 

Spitamo it., sp. espita spanne; vom gleichbed. gr. am&atirj. 

Spito neap., sp. pg. espeto bratspieß, fr. epois oberste spitze am 
hirschgeweih; vom ahd. spiz spieß, spitze, ndl. ndd. spit bratspieß. Da- 
neben gibt es ein synonym mit d: it. spiedo (spiedone, ausgeartet in 
schidone, schidione), romagn. sp'ed, gen. spiddo, sard. spidu, sp. espedo, 
espiedo; es fragt sich hierbei: steht die media durch einen zufall für die 
tenuis, was aber sonst nicht geschieht; oder ist das wort vom ahd. sper, 
nhd. speer (woher altfr. espier IL c), indem, wie oft im ital., d für r 
eintrat? In letzterem falle rührt der span. (dem Catalanen und Portu- 
giesen unbekannte) ausdruck aus dem ital. her. 

Spoglio, spoglia it. (entartet in scoglio, scoglia), dtisp. espojo 
beute u. dgl.; von spolium, mlat. spolia Gest. reg. Fr. c. 37. Dafür 
nsp. despojo, fr. däpouille, pr. despuelh, despuelha, vb. despojar, d6- 
pouiller, despolhar. 

Spola, spuola it., sp. espolin Weberschiffchen, vom ahd. spuolo 
spule; gleichbed. chw. spol, limous. espolo; altfr. espolet spindd. Das 
neufr. s6poule scheint von späterem gepräge, für espoule, äpoule, das 
im lothr. ehpieule (eh = fr. es) sein abbüd findet. 

Spo80, sposa it., sp. psposo, esposa, pr. espos, esposa, fr. äpoux, 
6pouse, Verlobter, verlobte, wie tat. sponsus, sponsa, dsgl. gälte, gaitin, 
auf welche bed. sich das franz. beschränkt, wiewohl noch Nicot äpouse 
mit nympha und sponsa übersetzt Vb. it. sposare, cdtsp. pr. esposar, 
fr. äpouser heirathen, lat. sponsare verloben. . 

Springare it. bei Dante Inf. 19, 120 mit den fußen zappeln, altfr. 
espringuer springend tanzen (espringuiez et balez FC. III, 377; et cante 
devant eus, souvent a espringu6 DMce. p. 303), pic. vor freude springen; 
vom ahd. springan. Für springava bei Dante haben die meisten aus- 
gaben spingava, welches Blanc, Vocab. dant., verwirft. Abget. altfr. es- 
pringale ein tanz GNev. p. 306, so auch espringuerie Trouv. artes. 
p. 226. Espringale bedeutet überdies eine wurfmaschine (s. die stellen 
bei Ducange v. spingarda) ; wahrscheinlich desselben Ursprunges, mit aus- 
gefallnem r wie in spingare, ist it. spingarda mauernbrecher, sp. es- 
pingarda kleine canone; wenigstens ist dessen herhmft vom it. spingere 
stoßen nicht annehmbar: für solche Werkzeuge liebte man individuelle zum 
theil scherzhafte benennungen. 

Spuntone, spontone it., sp. esponton, fr. sponton eine ort piken, 



I. SQUILLA-STAGNO. 305 

mail. sponton nadel, Spindel; vom it. puntone (punto, lat. punctum) spitze, 
mit verstärktem anlaut. 

Squilla it., lomb. chw. schella, sp. esquila, pg. fehlt, pr. esquella, 
esquelha, altfr. eschiele glöckchen; vom ahd. skilla, skella, nhd. schelle, 
dies vom starken vb. skellan klingen Grimm II, 32, woher it. squillare. 
Das älteste Zeugnis des Wortes in der L. Sal.: si quis schillam {dl. eschil- 
lam, schellam, skellam) de caballo faraverit Pardessus p. 85. Merkwür- 
dig ist die it. form squilla für schilla, welches Papias noch sichilla 
(ohne u) schreibt: das lat. auch im iial. vorhandene, freilich etwas ganz 
anderes bedeutende squilla muß zu dieser ausspräche verführt haben. 

Stacca it., sp. pr. estaca, altfr. estaque, estache pfähl; vom ags. 
staca, altfrs. ndd. stake mit ders. bed. 

Staccio it., richtiger neap. setaccio, maü. sedazz, ferner sp. cedazo, 
citfr. saas, nfr. gas haar sieb; schon im früheren ndatein sedatiuin Gl. 
Schlettst. 39, 58, auch bei Hattemer I, 309°, sidacium Gl. Linderibr., 
lat. gleichsam setaceum von Beta, weil es von pferdehaaren gemacht ward. 
Dem Walachen genügt das primitiv sete für die bed. sieb, dazu kommt 
noch das dbgel. sitiz$ ; auch die norm, mundart besitzt set (m.) in dieser 
bedeutung. 

Staggio it., estatge pr., ätage fr. zustand, wohnung, Stockwerk u. 
dgl. ; von stare statum staticum (prov. auch fem. estatga wohnung). Mnctt. 
staghe Reinh. ed. Grimm v. 2757 scheint aus dem franz. entlehnt. 

Stagione it. Jahreszeit, auch rechte zeit, xaiQog, sp. estacion, pg. 
esta^äo zeüpunct, jähr es- oder tageszeit; vb. nur it. stagionare zur 
reife bringen, zeitigen; von statio stillst and, auf enthalt, daher z